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Ehegattensplitting - Pro und Contra

#1 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 14:23

Ausgeklinkt aus dem Thema "Inwiefern bedroht die 'Homo-Ehe' die 'Hetero-Ehe'?"

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 10:08:

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 31 Dec 2005, 17:41:

Bei allem Respekt, aber Du scheinst das Ehegattensplitting nicht verstanden zu haben. Die Steuerbelastung eines Ehepaares ist durch das Ehegattensplitting bei gleichem Verdienst immer gleich groß, egal wie das Einkommen auf die Partner verteilt ist. Deine Aussagen stimmen daher einfach nicht.

Das Ehegattensplitting ist kein Steuergeschenk, sondern meiner Meinung nach eine sinnvolle Einrichtung, die es den Ehepaaren überlässt, wer wieviel zum Einkommen beiträgt.

Bei allem Respekt, aber DU scheinst das Ehegattensplitting nicht verstanden zu haben. Ich zitiere Wikipedia (http://de.wikipedia....gattensplitting):

Ich habe übrigens an diesem Wikipedia-Artikel ein wenig mitgeschrieben. Der Artikel listet, wie das bei Wikipedia so üblich ist, sowohl Argumente von Befürwortern als auch Argumente von Gegnern auf. Die Argumente der Gegner sind jedoch meiner Meinung nach nicht besonders stichhaltig:

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 10:08:

- Vom Splitting profitiert nur die Ehe (egal ob kinderlos oder mit Kindern), aber nicht andere Formen des Zusammenlebens mit Kindern.

Meiner Meinung nach muss das Splitting auf die ELP (eingetragene Lebenspartnerschaft) ausgedehnt werden, da diese dieselben (Unterhalts-) Pflichten beinhaltet wie die Ehe. Eine Ausdehnung des Splittings jedoch auf "wilde" Ehen ist mE nicht wünschenswert und würde zum Missbrauch einladen (Mitsplittzentrale).

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 10:08:

- Der Vorteil des Splittings ist bei Beziehern hoher Einkommen aufgrund der Steuerprogression größer als bei Beziehern von niedrigen bzw. durchschnittlichen Einkommen.

Wer dieses Argument benutzt, hat das Splitting nicht verstanden. Würde man die Steuerprogression abschaffen (z.B. Kirchhoff's Modell), dann würde dadurch automatisch auch das Splitting entfallen. Wenn man das erst mal verstanden hat, dann ist man schon mal einen Schritt weiter. Jemand, der mehr verdient, zahlt auch (prozentual!) mehr Steuern. Das nennt man Steuerprogression. Meiner Meinung nach eine sinnvolle Sache. Daraus ergibt sich logischerweise, dass die Ersparnis bei Beziehern großer Einkommen größer ist und wir sind uns bestimmt einig, dass die Progression nicht abgeschafft werden soll.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 10:08:

- Der Vorteil aus dem Splitting ist umso größer, je weiter die beiden Einkommen auseinander liegen. Auch dies ergibt sich aus der Steuerprogression. Er ist am größten, wenn einer der Partner (meist die Frau) überhaupt kein Einkommen bezieht.

Der rechnerische Vorteil. Ich werde unten mal ein paar Beispiel nennen, um das verständlicher zu machen.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 10:08:

Daraus ergibt sich ein politischer Vorwurf: Wenn man folgender Aussage zustimmt: Die traditionelle Einverdiener-Ehe ("Hausfrauenehe") ist nicht mehr zeitgemäß, dann kann man diese Einschätzung auf das Ehegattensplitting erweitern, denn dieses wirkt der Einverdiener-Ehe nicht entgegen.

Wenn Du mal genau darüber nachdenkst, was obige Aussage bedeutet: "Ich will keine Hausfrauen mehr haben, ich akzeptiere nicht, dass jemand eine Einverdiener-Ehe haben will, deswegen ergreife ich die Zwangsmaßnahme der Abschaffung des Ehegattensplittings, entziehe den Einverdienerehen also Geld und hoffe, dass sie dann so wenig übrig behalten, dass die Hausfrau gezwungen wird, ebenfalls arbeiten zu gehen. Mein Ziel ist es dann also, den Anderen mein Lebensmodell überzuzwingen und Hausfrauen finde ich nun mal obsolet."
--
Ich glaube, dass die Gegner des Ehegattensplitting etwas Grundlegendes nicht verstanden haben: es gibt Ehen, die eine gemeinsame Kasse haben und gemeinsam wirtschaften. Die anfallende Arbeit (Kindererziehung, Haushalt, Geld verdienen) wird gemeinsam erledigt und es spielt heute durch das Ehegattensplitting keine Rolle, wer was macht und wer offiziell den Part der Arbeit übernimmt, der von außen bezahlt wird. Das Geld gehört Beiden gemeinsam und das ist übrigens auch rechtlich so in einer Zugewinngemeinschaft. Die Ehe so zu besteuern als ob die Partner nichts miteinander zu tun hätten und auch die Arbeit der Kindererziehung und des Haushaltes geringer zu schätzen finde ich nicht wünschenswert.

Mal 2 Beispiele zum Splitting, Jahreseinkommen jeweils 80.000 Euro:

1. Ehepaar 1: Beide voll beruftstätig, er Akademiker mit 60.000 € Jahreseinkommen und sie ungelernte Verkäuferin mit 20.000 € Jahreseinkommen.
Einkommensteuer mit Splitting: 18.446 €
Einkommensteuer ohne Splitting: 20.136 €

2. Ehepaar 2: Beide halbtags berufstätig, beide Akademiker mit jeweils 40.000 € Jahreseinkommen.
Einkommensteuer mit Splitting: 18.446 €
Einkommensteuer ohne Splitting: 18.446 €

Würde das Splitting also abgeschafft, müsste Ehepaar 1 mehr Steuern bezahlen als Ehepaar 2 und das will mir eben einfach nicht einleuchten.
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#2 Mitglied ist offline   Flo77 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 14:39

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 14:23:

Mal 2 Beispiele zum Splitting, Jahreseinkommen jeweils 80.000 Euro:

1. Ehepaar 1: Beide voll beruftstätig, er Akademiker mit 60.000 € Jahreseinkommen und sie ungelernte Verkäuferin mit 20.000 € Jahreseinkommen.
Einkommensteuer mit Splitting: 18.446 €
Einkommensteuer ohne Splitting: 20.136 €

2. Ehepaar 2: Beide halbtags berufstätig, beide Akademiker mit jeweils 40.000 € Jahreseinkommen.
Einkommensteuer mit Splitting: 18.446 €
Einkommensteuer ohne Splitting: 18.446 €

Würde das Splitting also abgeschafft, müsste Ehepaar 1 mehr Steuern bezahlen als Ehepaar 2 und das will mir eben einfach nicht einleuchten.
Bitte wieviele Haushalte mit einem Jahreseinkommen von 80k Euro haben in Deutschland und wieviele Personen leben darin?
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#3 Mitglied ist offline   Lissie 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 14:43

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 14:23:

] Meiner Meinung nach muss das Splitting auf die ELP (eingetragene Lebenspartnerschaft) ausgedehnt werden, da diese dieselben (Unterhalts-) Pflichten beinhaltet wie die Ehe. Eine Ausdehnung des Splittings jedoch auf "wilde" Ehen ist mE nicht wünschenswert und würde zum Missbrauch einladen (Mitsplittzentrale).




Ich würde sagen, wenn Kinder dabei sind, dann macht es auch bei nichteingetragenen Ehen Sinn. (Und schließt nebenbei auch den Mißbrauch aus).
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#4 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 14:45

Beitrag anzeigenFlo77 sagte am 1 Jan 2006, 14:39:

Bitte wieviele Haushalte mit einem Jahreseinkommen von 80k Euro haben in Deutschland und wieviele Personen leben darin?

Es ist nur ein Beispiel, ich habe es aus der Wikipedia genommen, weil ich zu faul war, die exakte Steuerbelastung für realistischere Werte zu ermitteln. Bestimmt gibt es sehr wenige Haushalte mit einem Jahreseinkommen mit 80.000 €, zugegeben, aber das spielt für meine Argumentation eigentlich keine große Rolle.
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#5 Mitglied ist offline   Epicureus 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 15:04

Zitat

Wenn Du mal genau darüber nachdenkst, was obige Aussage bedeutet: "Ich will keine Hausfrauen mehr haben, ich akzeptiere nicht, dass jemand eine Einverdiener-Ehe haben will, deswegen ergreife ich die Zwangsmaßnahme der Abschaffung des Ehegattensplittings, entziehe den Einverdienerehen also Geld und hoffe, dass sie dann so wenig übrig behalten, dass die Hausfrau gezwungen wird, ebenfalls arbeiten zu gehen. Mein Ziel ist es dann also, den Anderen mein Lebensmodell überzuzwingen und Hausfrauen finde ich nun mal obsolet.



Ja, exakt genauso denke ich!

Und um es noch einmal für alle Beteiligten in verständlicher Form zu bringen: Eine Ehe und eine Familie haben für mich nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun! Familie ist da, wo Kinder sind, wohingegen eine Ehe, die kinderlos ist, auch nicht finanziell förderungswürdig ist - warum auch?

Ich kann doch nicht als Staat sagen, wenn jemand heiratet, kinderlos bleibt (aus welchen Gründen auch immer) UND NUR EINER DAS GELD VERDIENT, während der andere zuhause bleibt, daß ich das dann staatlich subventioniere!

Okay, beide Partner sorgen füreinander und nehmen dem Staat einiges an Pflichten ab (Stichwort Fürsorgepflicht bei Krankheit des Partners, Unterhaltspflicht bei Scheidung), aber das ließe sich auch anders regeln. Viele Ehen sind heute eben keine Zugewinngemeinschaft mehr, sondern haben Gütertrennung vereinbart. Manche verzichten sogar im Ehevertrag ausdrücklich auf eventuelle spätere Alimente bei Trennung - sehr löblich!

Ja, ich habe etwas gegen Hausfrauen ohne eigenen Job, die keine Kinder haben, ganz dezidiert habe ich was dagegen! Das sind nämlich im wesentlichen Frauen von Männern des oberen Einkommensspektrums, die von der Kohle ihres Mannes leben, oftmals wie die Made im Speck (wenn der Mann nämlich nur wenig verdient, würde die Frau automatisch arbeiten!).

Ich rede hier nicht von älteren Frauen, die wegen der Kriegswirren oder direkt nach dem Krieg keine Ausbildung machen konnten - ich rede von jungen modernen Frauen, die sich ganz bewußt für das gemachte Nest an der Seite eines finanzkräftigen Ehegatten entschieden haben.

Ich habe es an der Uni doch schon so oft erlebt: viele meiner Kommilitoninnen haben durchblicken lassen, sie studierten nur, um etwas Eigenes zu haben, aber wenn der passende Mann kommt, würden sie ihr Studium abbrechen bzw. nicht in die Berufstätigkeit gehen, wenn sie es nicht müssen. Hausfrauendasein ist ja so schön...da kann man sich dann ums Wohnung dekorieren kümmern, ums Pferd, um den Vorgarten - und Vater Staat gibt noch ein nettes Steuergeschenk in Form des Splittings obendrauf.

Auch eine gute Freundin, Lehrerin von Beruf, erzählt mir immer nach den regelmäßigen Treffen mit ihren ehemaligen Schulfreunden, wie viele Mädchen keinen eigenen Beruf haben, weil ihr Mann richtig gut verdient und sie vielleicht irgendwann einmal Kinder haben möchten - aber auch nur vielleicht...

WARUM SPONSORT DER STAAT SO ETWAS AUCH NOCH???

PS: Und wenn es wirklich alles gar nicht stimmen würde, was ich oben geschrieben habe: Warum schafft man das Splitting dann nicht sofort ab? Die Grünen sind die einzige Partei, die sich die Abschaffung des Splittings in der jetzigen Form auf die Fahnen geschrieben haben, weil es die Abhängigkeit der Frau von ihrem Mann und ihre eigene Unselbständigkeit fördert. Im Fall der Trennung steht die Frau nämlich ökonomisch vor dem Nichts (abgesehen von ihren Alimenten...).

Dieser Beitrag wurde von RationisCausa bearbeitet: 01 Januar 2006 - 15:06

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#6 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 15:04

Beitrag anzeigenLissie sagte am 1 Jan 2006, 14:43:

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 14:23:

Meiner Meinung nach muss das Splitting auf die ELP (eingetragene Lebenspartnerschaft) ausgedehnt werden, da diese dieselben (Unterhalts-) Pflichten beinhaltet wie die Ehe. Eine Ausdehnung des Splittings jedoch auf "wilde" Ehen ist mE nicht wünschenswert und würde zum Missbrauch einladen (Mitsplittzentrale).
Ich würde sagen, wenn Kinder dabei sind, dann macht es auch bei nichteingetragenen Ehen Sinn. (Und schließt nebenbei auch den Mißbrauch aus).

Bei nichteingetragenen Ehen mit Kindern, die in einem Haushalt zusammenleben, hat der verdienende Partner jedenfalls eine Unterhaltspflicht gegenüber dem anderen Partner. Dies sollte auf jeden Fall bei der Steuererklärung berücksichtigt werden können, jedoch nicht unbedingt in voller Höhe des Splittings, da es rechtlich gesehen keine Zugewinngemeinschaft ist.
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#7 Mitglied ist offline   platon 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 15:08

Ich denke, das Ehegattensplitting ist gut für solche Ehepaare, die in Sachen Geld sich nicht einig werden können und auch getrennte Girokonten führen. Nun muß also der Staat da Sachen regeln, was Ehepartner nicht friedlich lösen können.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wohin denn dieser zusätzliche bürokratische Apparat hinführen soll.
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#8 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 15:15

Beitrag anzeigenplaton sagte am 1 Jan 2006, 15:08:

Ich denke, das Ehegattensplitting ist gut für solche Ehepaare, die in Sachen Geld sich nicht einig werden können und auch getrennte Girokonten führen. Nun muß also der Staat da Sachen regeln, was Ehepartner nicht friedlich lösen können.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wohin denn dieser zusätzliche bürokratische Apparat hinführen soll.

Kennst Du eigentlich Dieter Nuhr? Oder, mit anderen Worten: Hast Du eigentlich auch nur den leisesten Schimmer, was das Thema betrifft?
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#9 Mitglied ist offline   Epicureus 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 15:20

Lest mal folgenden Artikel:

http://www.finanzwissenschaft.de/fiwi1.html



Der erhellt noch einmal in ausführlicher Form den ganzen Irrsinn des Ehegattensplittings!


Besonders interessant der 3. Punkt:

Zitat

Der gewährte Splitting-Vorteil wird als eine Art von Prämie (oder Rente) zum Abbau der Arbeitslosigkeit gesehen. Dann wäre das Splitting ein wirtschaftspolitisches In-strument zur Reduktion eines Arbeitsangebotsüberschusses (z.T. auch zur Schaffung bzw. Stärkung einer Art von zweiten Arbeitsmarkt für „verheiratete Hausarbeit": die Haushaltsproduktion), so daß der, der aus dem Beruf (ganz oder teilweise) ausscheidet und heiratet, diese Prämie bekommt.

Eine derartige Intention rechtfertigt kein Splitting bei sog. Doppelverdienern [11]. Das Splitting hätte differenziert nach den einzelnen Arbeitsmarktsituationen zu erfolgen. Es dürfte nicht im Falle offener Stellen (für das freiwillig arbeitslose „verheiratete" Humankapital) gewährt werden. Es wäre nur periodenweise bzw. temporär zu ge-währen, d.h. nur dann bzw. solange, wie „verheiratetes" Humankapital nicht obsolet ist. Ein derartiges System ist bereits technisch kaum zu gestalten.

Der ökonomische Widersinn dieser Begründung steigt noch, wenn die Ehe infolge des Splittings als dauerhafte Alternative zu Ausbildung, Umschulung usw. gesehen wird.

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#10 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 15:31

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Zitat

Wenn Du mal genau darüber nachdenkst, was obige Aussage bedeutet: "Ich will keine Hausfrauen mehr haben, ich akzeptiere nicht, dass jemand eine Einverdiener-Ehe haben will, deswegen ergreife ich die Zwangsmaßnahme der Abschaffung des Ehegattensplittings, entziehe den Einverdienerehen also Geld und hoffe, dass sie dann so wenig übrig behalten, dass die Hausfrau gezwungen wird, ebenfalls arbeiten zu gehen. Mein Ziel ist es dann also, den Anderen mein Lebensmodell überzuzwingen und Hausfrauen finde ich nun mal obsolet.
Ja, exakt genauso denke ich!

Schade eigentlich.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Und um es noch einmal für alle Beteiligten in verständlicher Form zu bringen: Eine Ehe und eine Familie haben für mich nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun! Familie ist da, wo Kinder sind, wohingegen eine Ehe, die kinderlos ist, auch nicht finanziell förderungswürdig ist - warum auch?

Du beantwortest diese Frage selber:

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Okay, beide Partner sorgen füreinander und nehmen dem Staat einiges an Pflichten ab (Stichwort Fürsorgepflicht bei Krankheit des Partners, Unterhaltspflicht bei Scheidung), aber das ließe sich auch anders regeln.

Und zwar wie?

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Ich kann doch nicht als Staat sagen, wenn jemand heiratet, kinderlos bleibt (aus welchen Gründen auch immer) UND NUR EINER DAS GELD VERDIENT, während der andere zuhause bleibt, daß ich das dann staatlich subventioniere!

Das Ehegattensplitting ist keine Subvention.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Viele Ehen sind heute eben keine Zugewinngemeinschaft mehr, sondern haben Gütertrennung vereinbart. Manche verzichten sogar im Ehevertrag ausdrücklich auf eventuelle spätere Alimente bei Trennung - sehr löblich!

Meine Argumentation pro Ehegattensplitting bezieht sich übrigens nur und ausschließlich auf Zugewinngemeinschaften. Bei anderen Regelungen sollte das Splitting nicht greifen.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Ja, ich habe etwas gegen Hausfrauen ohne eigenen Job, die keine Kinder haben, ganz dezidiert habe ich was dagegen! Das sind nämlich im wesentlichen Frauen von Männern des oberen Einkommensspektrums, die von der Kohle ihres Mannes leben, oftmals wie die Made im Speck (wenn der Mann nämlich nur wenig verdient, würde die Frau automatisch arbeiten!).

Diese Ereiferung kann ich nicht nachvollziehen. Willst Du eine Arbeitspflicht einführen? Stören Dich "faule" Leute? *schulterzuck*

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

[...] ich rede von jungen modernen Frauen, die sich ganz bewußt für das gemachte Nest an der Seite eines finanzkräftigen Ehegatten entschieden haben. [...] Hausfrauendasein ist ja so schön...[...] Vater Staat gibt noch ein nettes Steuergeschenk in Form des Splittings obendrauf. [...]

WARUM SPONSORT DER STAAT SO ETWAS AUCH NOCH???

Ich sag' lieber nicht, was ich von diesen Ergüssen halte.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

[...] Die Grünen sind die einzige Partei, die sich die Abschaffung des Splittings in der jetzigen Form auf die Fahnen geschrieben haben, weil es die Abhängigkeit der Frau von ihrem Mann und ihre eigene Unselbständigkeit fördert.

Das hätte ich gerne näher begründet, das verstehe ich nämlich noch nicht. Wenn man Frauen in die Arbeit zwingt, dann werden sie selbsständiger? Seltsames Weltbild hast Du, das muss ich schon sagen.

Leider gehst Du nicht auf meine Argumente ein. Das finde ich etwas schade. Auch ein Wörtchen zu meinen Beispielen wäre willkommen.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Im Fall der Trennung steht die Frau nämlich ökonomisch vor dem Nichts (abgesehen von ihren Alimenten...).

Wenn während der Ehe etwas angespart wurde, dann gehört das bei Zugewinngemeinschaften beiden zu gleichen Teilen. Ansonsten könntest Du bitte mal näher erklären, warum die von Dir sehnlichst gewünschte Arbeitspflicht für faule Weiber diesen eine größere Unabhängigkeit bescheren sollte?
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#11 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 15:48

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:20:

Lest mal folgenden Artikel:

http://www.finanzwis...t.de/fiwi1.html

Der erhellt noch einmal in ausführlicher Form den ganzen Irrsinn des Ehegattensplittings!


Besonders interessant der 3. Punkt:

Zitat

Der gewährte Splitting-Vorteil wird als eine Art von Prämie (oder Rente) zum Abbau der Arbeitslosigkeit gesehen.

Das ist ein Strohmannargument; will sagen, das ist nicht der Grund für das Ehegattensplitting.

Zitat

Dann wäre das Splitting ein wirtschaftspolitisches In-strument zur Reduktion eines Arbeitsangebotsüberschusses (z.T. auch zur Schaffung bzw. Stärkung einer Art von zweiten Arbeitsmarkt für „verheiratete Hausarbeit": die Haushaltsproduktion), so daß der, der aus dem Beruf (ganz oder teilweise) ausscheidet und heiratet, diese Prämie bekommt.

Das ist ein Volksverdummungsargument. Es gibt gar keine "Prämie".

Zitat

Eine derartige Intention rechtfertigt kein Splitting bei sog. Doppelverdienern [11]. Das Splitting hätte differenziert nach den einzelnen Arbeitsmarktsituationen zu erfolgen. Es dürfte nicht im Falle offener Stellen (für das freiwillig arbeitslose „verheiratete" Humankapital) gewährt werden. Es wäre nur periodenweise bzw. temporär zu ge-währen, d.h. nur dann bzw. solange, wie „verheiratetes" Humankapital nicht obsolet ist. Ein derartiges System ist bereits technisch kaum zu gestalten.

"Humankapital"? Ich könnte kotzen.

Zitat

Der ökonomische Widersinn dieser Begründung steigt noch, wenn die Ehe infolge des Splittings als dauerhafte Alternative zu Ausbildung, Umschulung usw. gesehen wird.

Seine Strohmannbegründung hat er sich aus den Fingern gesogen und widerlegt sie jetzt genüsslich. Toll. Reife Leistung. Ich bin begeistert.
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#12 Mitglied ist offline   Epicureus 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 16:19

Zitat

Meine Argumentation pro Ehegattensplitting bezieht sich übrigens nur und ausschließlich auf Zugewinngemeinschaften. Bei anderen Regelungen sollte das Splitting nicht greifen.



Wenn das so ist, brauchen wir uns überhaupt nicht mehr zu unterhalten! Ich sehe nämlich die Eheform der Zugewinngemeinschaft als das eigentliche Grundübel an. Sprich, wenn die Zugewinngemeinschaft zugunsten eines vernünftigen Ehevertrages reformiert würde, hätten wir auch keine Probleme mehr mit dem Splitting - denn das gäbe es dann nicht mehr.

Gerade heute, wo jede zweite bis dritte Ehe in die Brüche geht, ist eine Zugewinngemeinschaft blanker Irsinn - vor allem für den Mann als Alleinverdiener!

Was nämlich auch als riesiges Problemfeld wegfiele, wäre bei Trennung zweier in Zugewinngemeinschaft lebender Ehepartner die sinnlose Zahlung von Alimenten. Ist schon klasse: erst lebt Frauchen ohne Kinder auf Kosten ihres Gatten in der Ehe wie Gräfin Koks von der Gasanstalt, und wenn sich die beiden dann scheiden lassen, muß er weiter bis zum St. Nimmerleinstag für sein Frauchen blechen - und das nur, weil frau nicht arbeiten wollte und somit wirtschaftlich nicht autark ist.

Das habe ich eh nie verstanden, warum die Männer für ihre Ex-Frauen Alimente zahlen müssen (es sei denn, die Frau hätte noch Kinder).

Absolut männerfeindlich! :ph34r: :ph34r: :ph34r:

Dieser Beitrag wurde von RationisCausa bearbeitet: 01 Januar 2006 - 16:22

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#13 Mitglied ist offline   platon 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 16:27

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 15:15:

Kennst Du eigentlich Dieter Nuhr? Oder, mit anderen Worten: Hast Du eigentlich auch nur den leisesten Schimmer, was das Thema betrifft?

Wie wäre es mit ein wenig Ablenkungstaktik auf den Threadtitel hin?

Und jetzt will ichs wissen, was es bringt, wenn Mann und Frau in derselben Einkommenstufen gleichermaßen besteuert werden. Hat der Mann nicht naturgemäß weniger Ausgaben wie die Frau, die ja einen höheren Klammotenbedarf hat, um den Mann zu gefallen?

Legt man mit solchen Gesetzen nicht dem Staat eine unnötige bürokratische Last in Konflikten zu, die ja sowieso nie "gerecht" zu lösen sind und Ehepartner miteinander lösen müssen?
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#14 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Beitrag anzeigenplaton sagte am 1 Jan 2006, 16:27:

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 15:15:

Kennst Du eigentlich Dieter Nuhr? Oder, mit anderen Worten: Hast Du eigentlich auch nur den leisesten Schimmer, was das Thema betrifft?

Wie wäre es mit ein wenig Ablenkungstaktik auf den Threadtitel hin?

Und jetzt will ichs wissen, was es bringt, wenn Mann und Frau in derselben Einkommenstufen gleichermaßen besteuert werden. Hat der Mann nicht naturgemäß weniger Ausgaben wie die Frau, die ja einen höheren Klammotenbedarf hat, um den Mann zu gefallen?

Legt man mit solchen Gesetzen nicht dem Staat eine unnötige bürokratische Last in Konflikten zu, die ja sowieso nie "gerecht" zu lösen sind und Ehepartner miteinander lösen müssen?

Langsam mache ich mir wirklich Sorgen um Dich. Wovon redest Du eigentlich? Was Du auch immer zu Dir nimmst: nimm bitte weniger davon. Das wäre bestimmt besser für Dich.
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#15 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 16:19:

Zitat

Meine Argumentation pro Ehegattensplitting bezieht sich übrigens nur und ausschließlich auf Zugewinngemeinschaften. Bei anderen Regelungen sollte das Splitting nicht greifen.

Wenn das so ist, brauchen wir uns überhaupt nicht mehr zu unterhalten! Ich sehe nämlich die Eheform der Zugewinngemeinschaft als das eigentliche Grundübel an. Sprich, wenn die Zugewinngemeinschaft zugunsten eines vernünftigen Ehevertrages reformiert würde, hätten wir auch keine Probleme mehr mit dem Splitting - denn das gäbe es dann nicht mehr.

Aha, und was verstehst Du unter einem vernünftigen Ehevertrag?

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 16:19:

Gerade heute, wo jede zweite bis dritte Ehe in die Brüche geht, ist eine Zugewinngemeinschaft blanker Irsinn - vor allem für den Mann als Alleinverdiener!

Was nämlich auch als riesiges Problemfeld wegfiele, wäre bei Trennung zweier in Zugewinngemeinschaft lebender Ehepartner die sinnlose Zahlung von Alimenten. Ist schon klasse: erst lebt Frauchen ohne Kinder auf Kosten ihres Gatten in der Ehe wie Gräfin Koks von der Gasanstalt, und wenn sich die beiden dann scheiden lassen, muß er weiter bis zum St. Nimmerleinstag für sein Frauchen blechen - und das nur, weil frau nicht arbeiten wollte und somit wirtschaftlich nicht autark ist.

Dein Frauenbild ist, naja, wie soll ich sagen, etwas gewöhnungsbedürftig. Für Dich scheint es nur lüsterne liederliche Luder zu geben, die gnadenlos ihre Männer aussaugen bis aufs Blut.

Dabei vergisst Du wohl, dass es vielleicht auch andere Gründe geben könnte, warum das Einkommen der beiden Ehepartner unterschiedlich ist. Es könnte z.B. Kinder geben, die Qualifikation der Partner könnte unterschiedlich sein, es könnte eine konjunkturbedingte Arbeitslosigkeit geben. All dies verhindert ein gleiches Einkommen beider Partner und würde bei Wegfall des Ehegattensplittings eine höhere Steuer bedingen. Es gibt nämlich keine Prämie für die Ehe, es gibt nur eine höhere Steuer bei ungleichen Einkommen!

Die Gegner des Ehegattensplittings behaupten immer gerne, dass Hausfrauen und Mütter stinkefaul seien, den ganzen Tag nur im Bräunungsstudio rumlungern würden und überhaupt sich einen guten Tag machen würden. Ich hingegen glaube, dass Kindererziehung und Hausarbeit ebenso wertvoll ist, wie das Arbeiten für Geld und dass deshalb moralisch und auch rechtlich das eingenommene Geld beiden Partnern gehören soll. Deswegen befürworte ich das Konzept der Zugewinngemeinschaft.
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#16 Mitglied ist offline   Epicureus 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 18:14

Zitat

Die Gegner des Ehegattensplittings behaupten immer gerne, dass Hausfrauen und Mütter stinkefaul seien, den ganzen Tag nur im Bräunungsstudio rumlungern würden und überhaupt sich einen guten Tag machen würden. Ich hingegen glaube, dass Kindererziehung und Hausarbeit ebenso wertvoll ist, wie das Arbeiten für Geld und dass deshalb moralisch und auch rechtlich das eingenommene Geld beiden Partnern gehören soll. Deswegen befürworte ich das Konzept der Zugewinngemeinschaft.



Du hast es wohl immer noch nicht verstanden! Sobald Kinder im Spiel sind, soll eine Ehe so finanziell gefördert werden, wie es eben geht! Aber man muß das trennen!

Aber bitte: Was soll an nicht kinderbezogener Hausarbeit so "wertvoll" sein, daß sie von der öffentlichen Hand gesponsort werden muß? Das will mir nicht in meinen Kopf!

Soll ich jetzt Geld vom Staat bekommen, wenn mein Lebenspartner und ich gleich bergeweise Geschirr von unserem gestrigen Racletteabend wegspülen? Das machen wir doch ausschließlich für uns - davon hat niemand sonst in diesem Land etwas.

Anstatt die Erwerbsarbeit für Frauen zu fördern, den Teilzeitsektor zu stärken und auch Männern einmal Erziehungsurlaub zu gönnen (was nur dann geht, wenn die Frau ebenfalls über ein hohes Einkommen verfügt!), propagierst Du ein Frauen- und Ehemodell wie in den Fünzigern.

Reine Hausfrauen, die keine Kindererziehung geleistet haben, sind für mich faule Stücke, die keinerlei öffentlichen Förderung bedürfen. Oder soll ich als Staat den Unwillen, mich aus- und weiterzubilden bzw. einen Job zu ergreifen, auch noch belohnen? Hausarbeit sollte die Sache beider Partner sein!

Das Perverse am Splitting ist doch, daß der Splittingvorteil am höchsten ist, wenn die Frau gar nicht arbeitet. Und wenn sie einen kleinen Job annimmt und dafür in die schlechteste Steuerklasse gehen muß, damit ihr Mann das Splitting weiter kassieren kann, könnte sie besser gleich NICHT arbeiten. Krank, sowas... :ph34r:
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#17 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 18:57

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 18:14:

Zitat

Die Gegner des Ehegattensplittings behaupten immer gerne, dass Hausfrauen und Mütter stinkefaul seien, den ganzen Tag nur im Bräunungsstudio rumlungern würden und überhaupt sich einen guten Tag machen würden. Ich hingegen glaube, dass Kindererziehung und Hausarbeit ebenso wertvoll ist, wie das Arbeiten für Geld und dass deshalb moralisch und auch rechtlich das eingenommene Geld beiden Partnern gehören soll. Deswegen befürworte ich das Konzept der Zugewinngemeinschaft.

Du hast es wohl immer noch nicht verstanden! Sobald Kinder im Spiel sind, soll eine Ehe so finanziell gefördert werden, wie es eben geht! Aber man muß das trennen!

Warum? Auf diese Begründung warte ich noch. Auch in einer kinderlosen Ehe sind 1. beide Partner dazu verpflichtet, füreinander einzustehen und 2. gehört das Einkommen (in einer Zugewinngemeinschaft) von Rechts wegen beiden Partnern.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 18:14:

Aber bitte: Was soll an nicht kinderbezogener Hausarbeit so "wertvoll" sein, daß sie von der öffentlichen Hand gesponsort werden muß? Das will mir nicht in meinen Kopf!

Und in meinen Kopf will nicht hinein, warum Du das "sponsoren" nennst. Eine Ehe besteht nun mal mindestens aus 2 Personen, deswegen macht es mMn Sinn, dass diese Ehegemeinschaft weniger Steuern bezahlt als eine Einzelperson.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 18:14:

Soll ich jetzt Geld vom Staat bekommen, wenn mein Lebenspartner und ich gleich bergeweise Geschirr von unserem gestrigen Racletteabend wegspülen? Das machen wir doch ausschließlich für uns - davon hat niemand sonst in diesem Land etwas.

Beim Ehegattensplitting bekommt niemand Geld vom Staat - Du scheinst das immer noch nicht verstanden zu haben.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 18:14:

Anstatt die Erwerbsarbeit für Frauen zu fördern, den Teilzeitsektor zu stärken und auch Männern einmal Erziehungsurlaub zu gönnen (was nur dann geht, wenn die Frau ebenfalls über ein hohes Einkommen verfügt!), propagierst Du ein Frauen- und Ehemodell wie in den Fünzigern.

Deine Forderungen kann ich sofort unterschreiben, finde ich sehr sinnvoll. Allerdings ist mir nicht klar, warum man dazu diejenigen Ehen, deren Einkommen sehr unterschiedlich ist, bestrafen muss, indem man ihnen höhere Steuern aufbrummt, als denjenigen Ehen, die das seltene Glück haben, gleiche Einkommen zu erzielen.

Ich propagiere übrigens nichts, ich bin nur schärfstens dafür, die Lebensplanung der Bürger so wenig wie möglich einzuschränken.

Was jedenfalls gar nicht geht, ist, zuerst das Ehegattensplitting abzuschaffen und dann erst über die von Dir vorgeschlagenen Maßnahmen nachzudenken. Das Ergebnis kann ich an einem Finger abzählen: das Splitting ist dann abgeschafft und weiter passiert nix.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 18:14:

Reine Hausfrauen, die keine Kindererziehung geleistet haben, sind für mich faule Stücke, die keinerlei öffentlichen Förderung bedürfen.

Ja, diese Deine Einstellung, die ich nicht nachvollziehen kann, habe ich inzwischen verstanden.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 18:14:

Oder soll ich als Staat den Unwillen, mich aus- und weiterzubilden bzw. einen Job zu ergreifen, auch noch belohnen? Hausarbeit sollte die Sache beider Partner sein!

Argh, da schon wieder: "belohnen". Worin besteht diese Belohnung?

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 18:14:

Das Perverse am Splitting ist doch, daß der Splittingvorteil am höchsten ist, wenn die Frau gar nicht arbeitet.

*etwasgenervtbin*
Ja, das liegt an der Steuerprogression. Möchtest Du die abschaffen?

Nochmal ganz langsam: gäbe es kein Ehegattensplitting, dann würde die Steuerbelastung des Ehepaares abhängig von der Einkommensverteilung steigen und zwar um so mehr, je unterschiedlicher dieses Einkommen ist. Ist das so schwer zu verstehen? Durch das Ehegattensplitting wird aber nicht mehr unterschieden, ob einer alles verdient oder ob beide gleich viel verdienen. Man kann das natürlich jetzt "Splittingvorteil" nennen, aber das suggeriert ein wenig eine Subvention, ein "Sponsoren" vom Staat, eine "Belohnung". All dies ist aber nicht der Fall. Würde das Ehegattensplitting abgeschafft, dann würden die Ehen bestraft, die unterschiedliche Einkommen haben. Solange es in unserer Gesellschaft aber nicht gewährleistet wird (und das ist heutzutage mitnichten der Fall!), dass alle Ehepartner gleiche Einkommen haben können, befürworte ich das Ehegattensplitting.

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 18:14:

Und wenn sie einen kleinen Job annimmt und dafür in die schlechteste Steuerklasse gehen muß, damit ihr Mann das Splitting weiter kassieren kann, könnte sie besser gleich NICHT arbeiten. Krank, sowas... :ph34r:

Es spielt keine Rolle für die Steuerbelastung welche Steuerklassen die Partner für sich wählen. Der Unterschied liegt nur in dem Zeitpunkt, wann die Steuer bezahlt wird, bzw. wann es die Steuererstattung gibt.

Vielleicht wäre es hilfreich für die Diskussion, wenn Du mal Dein Ersatz-Modell für das Ehegattensplitting darlegen würdest. Mir ist nicht klar, wie Du Dir das vorstellst.
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#18 Mitglied ist offline   Flo77 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 19:42

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 14:45:

Beitrag anzeigenFlo77 sagte am 1 Jan 2006, 14:39:

Bitte wieviele Haushalte mit einem Jahreseinkommen von 80k Euro haben in Deutschland und wieviele Personen leben darin?

Es ist nur ein Beispiel, ich habe es aus der Wikipedia genommen, weil ich zu faul war, die exakte Steuerbelastung für realistischere Werte zu ermitteln. Bestimmt gibt es sehr wenige Haushalte mit einem Jahreseinkommen mit 80.000 €, zugegeben, aber das spielt für meine Argumentation eigentlich keine große Rolle.
Finde ich schon.

Wenn die Masse unserer Bevölkerung in Haushalten mit einem Durchschnittsbrutto von 25, 30, 35k Euro lebt ist eine erhöhte Steuerbelastung für DINK-Akademiker-Haushalte mit einem Vielfachen dieses Einkommens ziemlich uninteressant.

Wenn das Jahresnetto so oder so mehr als durchschnittliche Jahresbrutto beträgt finde ich den Aufschrei der Entrüstung eher peinlich.
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#19 Mitglied ist offline   Flo77 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 19:48

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 17:25:

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 16:19:

Zitat

Meine Argumentation pro Ehegattensplitting bezieht sich übrigens nur und ausschließlich auf Zugewinngemeinschaften. Bei anderen Regelungen sollte das Splitting nicht greifen.

Wenn das so ist, brauchen wir uns überhaupt nicht mehr zu unterhalten! Ich sehe nämlich die Eheform der Zugewinngemeinschaft als das eigentliche Grundübel an. Sprich, wenn die Zugewinngemeinschaft zugunsten eines vernünftigen Ehevertrages reformiert würde, hätten wir auch keine Probleme mehr mit dem Splitting - denn das gäbe es dann nicht mehr.

Aha, und was verstehst Du unter einem vernünftigen Ehevertrag?
Es hat wenig mit Eurer Diskussion zu tun, aber ich wäre grundsätzlich für eine Abschaffung des staatlichen Eherechts und stattdessen für eine grundsätzliche Eheschließung durch Ehevertrag.

Ob ich jetzt vor einem Standesbeamten oder einem Notar einen Standardvertrag unterzeichne spielt doch eigentlich keine Rolle - die Eintragung in das gemeindliche Trauregister können rein theoretisch beide vornehmen (ebenso wie jeder Geistliche - aber das ist eine andere Diskussion).
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#20 Mitglied ist offline   AgentProvocateur 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 20:33

Beitrag anzeigenFlo77 sagte am 1 Jan 2006, 19:42:

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 14:45:

[...] Bestimmt gibt es sehr wenige Haushalte mit einem Jahreseinkommen mit 80.000 €, zugegeben, aber das spielt für meine Argumentation eigentlich keine große Rolle.
Finde ich schon.

Wenn die Masse unserer Bevölkerung in Haushalten mit einem Durchschnittsbrutto von 25, 30, 35k Euro lebt ist eine erhöhte Steuerbelastung für DINK-Akademiker-Haushalte mit einem Vielfachen dieses Einkommens ziemlich uninteressant.

Wenn das Jahresnetto so oder so mehr als durchschnittliche Jahresbrutto beträgt finde ich den Aufschrei der Entrüstung eher peinlich.

Ehrlich gesagt verstehe ich Deinen Einwand nicht so ganz, aber man kann natürlich das Beispiel auch mit anderen Zahlen durchrechnen (selber rechnen hier):

Jahreseinkommen Ehepaar 30.000 €, Steuer + Solidaritätszuschlag:

Alleinverdiener (ein Partner verdient 30000 €):

- 1. mit Ehegattensplitting (heutige Regelung): 3253,62 €

- 2. ohne Ehegattensplitting: 6126,38 €

2 x gleiches Einkommen der Ehepartner (jeder verdient 15.000 €):

- 1. mit Ehegattensplitting: 3253,62 €

- 2. ohne Ehegattensplitting: 3253,62 €

Dieser Beitrag wurde von AgentProvocateur bearbeitet: 01 Januar 2006 - 20:34

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#21 Mitglied ist offline   Stefan 

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Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Ich kann doch nicht als Staat sagen, wenn jemand heiratet, kinderlos bleibt (aus welchen Gründen auch immer) UND NUR EINER DAS GELD VERDIENT, während der andere zuhause bleibt, daß ich das dann staatlich subventioniere!


Warum denn nicht? Durch diese Konstellation wird z.B. der Arbeitsmarkt entlastet.
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#22 Mitglied ist offline   Lissie 

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Geschrieben 01 Januar 2006 - 23:16

Beitrag anzeigenStefan sagte am 1 Jan 2006, 21:44:

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Ich kann doch nicht als Staat sagen, wenn jemand heiratet, kinderlos bleibt (aus welchen Gründen auch immer) UND NUR EINER DAS GELD VERDIENT, während der andere zuhause bleibt, daß ich das dann staatlich subventioniere!


Warum denn nicht? Durch diese Konstellation wird z.B. der Arbeitsmarkt entlastet.




Und verbessert: Der Arbeitende nämlich hat alle Hände frei für seinen Beruf.
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#23 Mitglied ist offline   Stefan 

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Geschrieben 02 Januar 2006 - 00:02

Beitrag anzeigenLissie sagte am 1 Jan 2006, 23:16:

Beitrag anzeigenStefan sagte am 1 Jan 2006, 21:44:

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Ich kann doch nicht als Staat sagen, wenn jemand heiratet, kinderlos bleibt (aus welchen Gründen auch immer) UND NUR EINER DAS GELD VERDIENT, während der andere zuhause bleibt, daß ich das dann staatlich subventioniere!


Warum denn nicht? Durch diese Konstellation wird z.B. der Arbeitsmarkt entlastet.




Und verbessert: Der Arbeitende nämlich hat alle Hände frei für seinen Beruf.


Ja, das ist auch ein Argument. Ich denke, es gibt genug Gründe dafür, warum der Staat ein Interesse daran haben kann, Zweierbeziehungen ohne Kind zu fördern.
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#24 Mitglied ist offline   Explorer 

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Geschrieben 02 Januar 2006 - 10:07

Beitrag anzeigenRationisCausa sagte am 1 Jan 2006, 15:04:

Zitat

Wenn Du mal genau darüber nachdenkst, was obige Aussage bedeutet: "Ich will keine Hausfrauen mehr haben, ich akzeptiere nicht, dass jemand eine Einverdiener-Ehe haben will, deswegen ergreife ich die Zwangsmaßnahme der Abschaffung des Ehegattensplittings, entziehe den Einverdienerehen also Geld und hoffe, dass sie dann so wenig übrig behalten, dass die Hausfrau gezwungen wird, ebenfalls arbeiten zu gehen. Mein Ziel ist es dann also, den Anderen mein Lebensmodell überzuzwingen und Hausfrauen finde ich nun mal obsolet.



Ja, exakt genauso denke ich!


Du denkst anscheinend des öfteren so, wenn sich jemand nicht für deine bevorzugte Form des Lebensumfeldes entscheidet. Ich erinnere nur an das Argument "Wer hindert die denn dran, auch in die Stadt zu ziehen? Ich sitze hier und die anderen bekommen sogar noch ne Pendlerpauschale."

Ne tolle Einstellung.
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#25 Mitglied ist offline   Pegasos 

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Geschrieben 02 Januar 2006 - 17:04

Achtung, OT:

Beitrag anzeigenAgentProvocateur sagte am 1 Jan 2006, 15:48:

Zitat

Eine derartige Intention rechtfertigt kein Splitting bei sog. Doppelverdienern [11]. Das Splitting hätte differenziert nach den einzelnen Arbeitsmarktsituationen zu erfolgen. Es dürfte nicht im Falle offener Stellen (für das freiwillig arbeitslose „verheiratete" Humankapital) gewährt werden. Es wäre nur periodenweise bzw. temporär zu ge-währen, d.h. nur dann bzw. solange, wie „verheiratetes" Humankapital nicht obsolet ist. Ein derartiges System ist bereits technisch kaum zu gestalten.

"Humankapital"? Ich könnte kotzen.

*seufz* Auch wenn es Unwort des vorletzten Jahres war, hat es diese Verachtung m.E. nicht verdient, wenn man sich die Bedeutung ansieht:

Zitat

Humankapital (Arbeitsvermögen), die Gesamtheit der in der Regel wirtschaftlich verwertbaren Fähigkeiten, Kenntnisse und Verhaltensweisen von Personen oder Personengruppen (im engeren Sinn von Erwerbspersonen). Dem volkswirtschaftlichen Begriff Humankapital entspricht auf betriebswirtschaftlicher Ebene das Humanvermögen als Gesamtheit der Leistungspotenziale, die Arbeitnehmer einem Unternehmen zur wirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung stellen (Arbeitszeit, Leistungsfähigkeit, Motivation).
© Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001

Also, die Definition kann ich nicht menschenverachtend finden. Wenn dir ein besseres Wort als Bezeichnung für diesen Sachverhalt einfällt, lass es hören.

Ich habe mir angewöhnt, mich weniger an den Worten selbst zu stoßen als höchstens daran, was sie bedeuten. "Gesetz zur Behebung von Not in Volk und Staat" hört sich echt super an - der Gesetzestext allerdings eher weniger. (Es handelt sich hierbei um das sog. Ermächtigungsgesetz.)
Ich bringe die Nazis jetzt nur ein, weil sie wahre Meister in der Erfindung von wohlklingenden Euphemismen waren - als Extrembeispiel dafür wie hinter einem schön klingenden Namen etwas hässliches stecken kann. Um zu verhindern, dass hier etwas auf die Nazi-Diskussions-Schiene rutscht und ich dafür die Schuld bekomme, verkneife ich mir weitere Beispiele aus dieser Richtung...

Auch political correctness kann ziemlich euphemistische Blüten treiben. Und solange sich nur das Wort und nicht die Bedeutung ändert, wird es auch nicht besser.
Aus "Krüppel" wurde "Behinderter", weil "Krüppel" eine Beleidigung war. Inzwischen wird "Behinderter" auch schon als Beleidigung verwendet und man bewegt sich in Richtung "Mensch mit Behinderung" o.ä. Solange es Menschen gibt, die es richtig finden, behinderte Menschen verbal herabzusetzen und anderweitig zu diskriminieren, wird man dem auch nicht mit politisch korrekten Worthülsen beikommen.

Das ist jetzt zwar OT, aber ich musste das arme Humankapital in Schutz nehmen. Das kann doch nichts dafür, dass es so heißt.
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