Zum Inhalt wechseln


Foto

Spiegel Hetze Gegen Die Katholische Kirche


  • Bitte melde dich an um zu Antworten
64 Antworten in diesem Thema

#1 furor

furor

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 635 Beiträge

Geschrieben 24 April 2003 - 17:38

Spiegel-Hetze gegen Katholische Kirche

In der neuesten Ausgabe hat der Spiegel einen großen Artikel zum Thema „Kirche und Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Titel: „Pakt zwischen Himmel und Hölle“. Er enthält viele Fakten, die den Widerstand der katholischen Kirche gegen die Nazis darstellen. Doch geschickt schafft es der Spiegel, durch propagandistische Wortwahl und Unterstellungen den Tatsachen eine interpretatorische Wende zu geben, die dem Leser suggeriert, dass Kirche und Nationalsozialismus doch unter einer Decke steckten.

Starker Tobak? Ein Amoklauf Furor’s gegen „Das Deutsche Nachrichten-Magazin“? Nein seht selbst:

Sehen wir zunächst auf einige der im Spiegel aufgeführten Fakten, die überdeutlich die Ablehnung der Kirche gegen den Nationalsozialismus belegen:
1923: Pacelli, der spätere Papst Pius XII, schrieb, der Nationalsozialismus sei „eine antikatholische Bewegung“.
1928: Pius XI hat den „Hass gegen das vor Zeiten von Gott erwählte Volk, den man Antisemitismus nennt“, „besonders verurteilt“.
1930: Die Katholische Kirche verbietet Katholiken die Mitgliedschaft in der NSDAP und verweigert ab sofort allen Nationalsozialisten die heiligen Sakramente!
1932: Bistum Berlin lehnt Nationalsozialismus u.a. wegen dessen Rassismus ab.
1932: „Zwar wählte ... nur jeder siebte Katholik NSDAP, doch dem heiligen Stuhl war auch dies zuviel.“
1933, April: Nuntius Orsenigo bezeichnet den Juden-Boykott und Rassenwahn als „Schandfleck auf der ersten Seite der Geschichte ... die der Nationalsozialismus schreibt.“
1933, August: Pius XI verurteilt die Judenverfolgung als eine „Beleidigung nicht nur der Moral, sondern auch der Kultur“.
Ab 1933: „Zwar schickte Pacelli (der spätere Papst Pius XII) fast jeden Monat Briefe, Memoranden, Noten an Hitlers Diplomaten, in denen er gegen Angriffe auf die katholische Kirche und gelegentlich gegen den Antisemitismus protestierte.“
1936: Auf Anregung Pius XI beziehen die Deutschen Bischöfe öffentlich Stellung gegen die Rechtsbrüche der Nazis gegen die Kirche.
1937, Palmsonntag: Flächendeckend wird die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ gegen den Nationalsozialismus in Deutschland verlesen.
1943, November: Nuntius Orsenigo spricht im Auftrag des Papstes Hitler auf die Judenverfolgung an. Hitler wurde so wütend, dass er ein Glas Wasser ergriff und auf den Boden schleuderte.

Alles aus dem Spiegel-Artikel. Insgesamt eine beeindruckende Sammlung von Handlungen, die zeigt, wie intensiv und beständig die katholische Kirche gegen den Nationalsozialismus stand. Eigentlich ist alles klar. Und das im Spiegel!

Doch der Spiegel wäre nicht der Spiegel, würde er nicht ganz gegen diese Tatsachen die Kirche (mit-) schuldig sprechen. Doch wie zum Teufel macht er das?

Da sind drei weitere Fakten, die der Spiegel aufführt:
1. Dass die katholische Kirche mit der Deutschen Regierung 1933 das Konkordat aushandelte.
2. Dass am 28. März 1933 die Fuldaer Bischofskonferenz ihre „allgemeinen Verbote und Warnungen“ in punkto NSDAP zurück nahm und die Katholiken zu Treue gegenüber der „rechtmäßigen Obrigkeit“ ermahnte.
3. Dass Pius XII nicht öffentlich den Nationalsozialismus per Hirtenbrief oder Enzyklika angriff.

Diese Handlungen haben nach Interpretation des Spiegel die Kirche (mit-) schuldig gemacht.

Das ist aber absurd. Nehmen wir zuerst das Konkordat. Zum Beispiel würde die Kirche heute liebend gern mit den Kommunisten Nordkoreas und Pekings, oder mit den Herrschern Saudi-Arabiens ein Konkordat zur freien Ausübung des katholischen Glaubens im jeweiligen Land abschließen. Dies hätte mit Kollaboration nichts zu tun, weder mit dem Kommunismus noch mit dem Islam, es wäre ein Instrument zur Bewahrung der katholischen Glaubensfreiheit.

Wie gesagt, in bezug auf Nationalsozialismus macht der Spiegel das Konkordat der Kirche zum Vorwurf! Widersinnig, dennoch ich bin sicher, die meisten Leser folgen dem Spiegel-Vorwurf.

Nun der zweite Vorwurf: Die Aufhebung der „allgemeinen Verbote ... in punkto NSDAP ...“.

Diese Aufhebung ermöglichte den Katholiken, weiterhin als Bürger in dem Staat loyal zu leben und die Anweisungen der Obrigkeit, jetzt der Nazis, anzuerkennen. Ist dies eine Form der Kollaboration?

Wie oben mit dem Spiegel gezeigt, hatte die katholische Kirche die Nazis radikal abgelehnt und ihnen z.B. die Sakramente verweigert. Nun, 1933, nach der Machtergreifung, hätte ein Aufrechterhalten dieser Sanktionen alle gläubigen Katholiken in den offenen zivilen Widerstand gegen die Nazis gezwungen.

Wäre dies richtig gewesen? Mir ist kein Fall bekannt, in dem die katholische Kirche ihre Anhänger zum Widerstand gegen den Staat aufgefordert hat. Nicht in den Diktaturen Südamerikas, nicht in den Diktaturen des Kommunismus, nicht bei Saddam Hussein, auch heute nicht zum Beispiel in China. Christentum ist immer auch Pazifismus. Jesus lies sich von den Herrschenden kreuzigen, er sagte: „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist“, und er sagte „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Auch heute in Deutschland, wo nach katholischem Verständnis Jahr für Jahr Hunderttausende von Kindern bei Abtreibungen mit Billigung und oft mit finanzieller Förderung durch den Staat getötet werden, fordert die Kirche nicht zum direkten Widerstand und zur Missachtung der Obrigkeit auf.

Auch im Irak, wo ein verbrecherischer Diktator herrschte, forderte die Kirche ihre Anhänger nicht zum Widerstand auf. Ja, sie lehnte den Krieg, der die Bevölkerung aus der Hand des Massenmörders befreite, ab. Wer käme aber auf die Idee, dass die Kirche sich hierdurch an den Verbrechen Saddams mit schuldig macht?

Dieses Verhalten der Kirche hat also nichts mit Billigung und Schuldigmachen zu tun. Es hat auch etwas mit dem Satz Jesu „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ zu tun. Die Kirche ist keine organisierte Kampforganisation. Sie tritt ein für Nächstenliebe, tätige Nächstenliebe, bis zur Aufgabe des letzten, des Lebens des Gläubigen. Sie zwingt aber niemanden, diese Opfer auf sich zu nehmen.

Also: Erneut eine eigensinnige Unterstellung gegen die katholische Kirche. Und auch hier bin ich sicher, dass die meisten Leser dem Spiegel folgen – gegen alle Vernunft.

(Den Vorwurf „Schuldig durch Untätigkeit“ könnte man aber gegen Frankreich und Großbritannien erheben. Das waren straff organisierte Militärmächte, mit Kolonien, mit jederzeit zum Einsatz bereiten Truppen, und sie hielten Teile Deutschlands besetzt. Diese Mächte hätten 1933 bis 1935 mit Leichtigkeit Hitler den Garaus machen können. Aber der Spiegel ist nicht gegen Frankreich, er ist gegen die Kirche.)

Nun zum dritten Vorwurf. Hätte Pius XII die Katholiken durch eine öffentlich verlesene Enzyklika gegen die Nazis aufbringen sollen, oder gar müssen? Eigentlich habe ich schon beim ersten Vorwurf argumentiert, dass die katholische Kirche ähnliches nie tat.

Aber hier wird der Spiegel besonders zynisch. Er räumt ein, dass genau dieser öffentliche Aufruf gegen die Nazis im Sommer 42 in Holland durch die katholischen Bischöfe geschah. Und dass daraufhin, um ein Exempel zu statuieren, die Nazis am 1. und 2. August knapp hundert Katholiken jüdischer Herkunft nach Auschwitz transportierten und dort vernichteten. Eigentlich eine Begründung, dass eine öffentliche kirchliche Anklage sogar unsittlich gewesen wäre, denn sie führt sofort zum Tode Unschuldiger.

Aber nicht für den Spiegel. Jetzt geht er argumentativ über Leichen: „Und dennoch kann dieses Schicksal die Strategie des Papstes nur begrenzt rechtfertigen – denn Hitler hatte keinesfalls vor, in Holland die Katholiken jüdischer Herkunft zu verschonen. Sie sollten nach seinen Plänen nur später ermordet werden.“

Dieser Passus spricht für sich selbst – nach dieser Argumentation hätte der Papst das Leben vieler unschuldiger Menschen opfern sollen, nur um einmal öffentlich den Rassismus anzugreifen.

Soviel zum Spiel des Spiegel mit Fakten – ein argumentatives Verdrehen der Dinge gegen die katholische Kirche.

Nun betrachten wir zum Abschluss noch ein wenig die Wortwahl. Ich will mich mit einem Beispiel begnügen.

Der Spiegel führt an, dass Generalstabsoffizier Henning von Tresckow (im Vorfeld der Überlegungen zum Attentat auf Hitler 1944) zum Schluss kam, dass „Widerstand um jeden Preis geleistet werden muss“, und dass er hierfür heute verehrt wird. Dann wörtlich:

„Zu einem vergleichbaren, grundsätzlichen Standpunkt hat sich Pius XII, Stellvertreter Gottes auf Erden und Nachfolger des heiligen Apostels Petrus, selbst am Ende des Kriegs nicht durchringen können.

Er ist deshalb nicht der „Verbrecher“, zu dem ihn der Moralist und Dramatiker Hochhuth abstempelt. ...“

Nehmen wir die Worte „vergleichbaren, grundsätzlichen Standpunkt“. Aus den vorigen Ausführungen wissen wir, dass Pius XII, ehemals Pacelli, einen absolut vergleichbaren, grundsätzlichen Standpunkt hinsichtlich der Ablehnung des Nationalsozialismus hatte wie von Tresckow. Im Gegensatz zu von Tresckow hatte Pius diesen Standpunkt sogar von Anfang an, nicht erst bei der sich abzeichnenden Kriegsniederlage. Also: Eine Falschaussage des Spiegel?

Nein, denn wörtlich ist der Satz des Spiegels nicht direkt falsch - denn einen vergleichbaren, grundsätzlichen Standpunkt zum Thema „Attentat“ hatte Pius nie. Eine Frage das Bezugs, hier doppeldeutig gelassen, so dass viele Leser in die Irre geschickt werden.

Dann der nächste Satz. „Er ist ... nicht der Verbrecher, zu dem ihn ... Hochhuth macht“. Wenn er nicht DER VERBRECHER ist, legt das nicht nahe, dass er dann ein ANDERER VERBRECHER ist? Wieder ein kleines Wortspiel. Nicht wirklich eine Beschuldigung, aber halb doch. Wieder diese diabolische Zweideutigkeit.

Und genauso, wie der Spiegel den Papst halb zum Verbrecher macht, erhöht er Hochhuth zum „Moralisten“. Moralist? Gerade schreibt der Spiegel, dass der Papst nicht der Verbrecher ist, zu dem ihn Hochhuth machte. Also hat Hochhuth Pius XII eines Verbrechens beschuldigt, das er nicht getan hatte, ihn also verleumdet. Ist dann Hochhuth ein Verleumder oder ein Moralist? Ein Moralist durch Verleumdung? Für den anti-katholischen Spiegel: Ein Moralist!

Solche und weitere Beispiele finden sich zuhauf in dem Artikel. Meine Meinung: Eine elende Kirchenfeindlichkeit, auf Kosten der Aufrichtigkeit und des fairen Journalismus!

Bearbeitet von furor, 24 April 2003 - 18:42.


#2 pedrino

pedrino

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 12385 Beiträge

Geschrieben 24 April 2003 - 18:27

Spiegel-Hetze gegen Katholische Kirche

Das darfst du nicht so eng sehen. Abgedroschenes liest eh niemand, äh fast niemand (du hast es ja gelesen).

#3 Lissie

Lissie

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 31379 Beiträge

Geschrieben 24 April 2003 - 18:38

Spiegel-Hetze gegen Katholische Kirche

In der neuesten Ausgabe hat der Spiegel einen großen Artikel zum Thema „Kirche und Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Titel: „Pakt zwischen Himmel und Hölle“.

Falscher Titel. Es hätte heißen müssen: "Pakt zwischen zwei Höllen"

#4 Volker

Volker

    Es gibt keinen Gott, und ich bin sein Prophet!

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 27272 Beiträge

Geschrieben 24 April 2003 - 18:55

Ich habe den Spiegel-Artikel auch gelesen und fand ihn sehr fair. Man darf nämlich - wie hier in der Spiegel-Schelte - nicht vergessen, dass die katholische Kirche und der Papst schon recht früh von den Verbrechen der Nazis wussten, diese aber stets geleugnet hatten. Das die Kirche davon wusste zeigen eine ganze Menge Briefe, die sie von Katholiken bekamen.

Und immerhin hat die Kirche nach dem Zusammenbruch des Faschismus vielen hohen Naziverbrechern zur Flucht verholfen (die sog. "Rattenlinie" ).

#5 furor

furor

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 635 Beiträge

Geschrieben 24 April 2003 - 21:21

Wie konntest du diesen Artikel fair finden, Volker? Das versteh ich nicht.

#6 Stefan

Stefan

    Selbstverwarner

  • verbannt
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 31670 Beiträge

Geschrieben 24 April 2003 - 21:25

Wie konntest du diesen Artikel fair finden, Volker? Das versteh ich nicht.

Wie kann man die katholische Kirche klasse finden? Verstehe ich nicht.

#7 Volker

Volker

    Es gibt keinen Gott, und ich bin sein Prophet!

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 27272 Beiträge

Geschrieben 24 April 2003 - 21:31

Wie konntest du diesen Artikel fair finden, Volker? Das versteh ich nicht.

Weil auch entlastende Tatsachen aufgeführt sind, teilweise sogar sehr ausführlich. Weil vor allem darauf hingewiesen wurde, dass Pacelli gegen den Nationalsozialismus war - das war vorher nicht so klar. Man hätte insgesamt gesehen den Artikel auch viel negativer schreiben können, Material ist genug vorhanden. Immerhin paktierte Pacelli auch mit Franko und mit Mussolini.

Die Kirche hat vom Konkordat gewaltig profitiert (bis heute), und der Spiegel geht sehr auf die Hintergründe dazu ein, nämlich, dass die Kirche dazu gute Gründe hatte. Und auch die generelle Strategie der Kirche wird viel klarer.

Natürlich hat der Artikel einen negativen Grundtenor - das ist der Spiegel. Aber für einen Spiegel-Artikel war es sehr sachlich, ohne die sonst übliche Ironie.

#8 furor

furor

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 635 Beiträge

Geschrieben 26 April 2003 - 11:25

Immerhin paktierte Pacelli auch mit Franko und mit Mussolini.

Die Kirche hat vom Konkordat gewaltig profitiert (bis heute), und der Spiegel geht sehr auf die Hintergründe dazu ein, nämlich, dass die Kirche dazu gute Gründe hatte. Und auch die generelle Strategie der Kirche wird viel klarer.

Hallo Volker,

auch du machst der Kirche auch einen Vorwurf wegen des Konkordats.

Das halte ich für falsch. Gerade mit verbrecherischen Regimes muss die Kirche versuchen, Verträge zu schließen, die die Ausübung des Glaubens ermöglichen. Sie muss das versuchen, um die Ausübung des Glaubens zu ermöglichen.

Heute wäre ein Konkordat mit Saudi-Arabien, Pakistan oder Iran eine tolle Sache für Christen. Das wäre keine Aufwertung des fundamentalistischen Islam, aber es wäre ein großer Schritt für die Kirche. Dass die Kirche dann aus einem solchen Konkordat profitiert, ist klar.

Das gleiche gälte für ein Konkordat mit Nord Korea oder China.

Genauso war es mit dem Konkordat mit Deutschland unter Hitler. Der Papst versuchte, die Katholiken zu schützen. (Was dann ja nicht klappte, Tausende von Priestern wurden inhaftiert)

Willst du ihm daraus wirklich einen Vorwurf machen?

#9 Thofrock

Thofrock

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 24162 Beiträge

Geschrieben 26 April 2003 - 12:31

Das halte ich für falsch. Gerade mit verbrecherischen Regimes muss die Kirche versuchen, Verträge zu schließen, die die Ausübung des Glaubens ermöglichen. Sie muss das versuchen, um die Ausübung des Glaubens zu ermöglichen.

Hat Jesus auch versucht mit Pontius einen Vertrag zu schließen. Ich glaube nicht.

Woher weiß die Kirche überhaupt ob ein Regime verbrecherisch ist ?

#10 Volker

Volker

    Es gibt keinen Gott, und ich bin sein Prophet!

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 27272 Beiträge

Geschrieben 26 April 2003 - 13:18

Genauso war es mit dem Konkordat mit Deutschland unter Hitler. Der Papst versuchte, die Katholiken zu schützen. (Was dann ja nicht klappte, Tausende von Priestern wurden inhaftiert)

Willst du ihm daraus wirklich einen Vorwurf machen?

Wenn dies ein isoliertes Faktum wäre, könnte ich der Kirche keinen Vorwurf machen. Aber zum einen ist die Kirche selbst (sogar nach eigenem Eingeständnis - welches spät kam) selbst mit Schuld an der Judenverfolgung, zum anderen hat die Kirche zwar ihre eigenen Interessen geschützt (was legitim ist), aber andererseits die Verbrechen Hitlers auch ignoriert und sogar geleugnet. Das zeigt der Artikel ebenfalls - es gibt genügend Briefe von Katholiken, die das Verhalten der Nazis gegenüber Juden angeprangert haben.

Nun mag man daran nichts verwerfliches finden außer dem Umstand, dass die Kirche stets von Ethik und Verantwortung redet und über die Jahrhunderte alles getan hat, beispielsweise Atheisten zu diskreditieren mit der Behauptung, diese könnten nicht verantwortlich und ethisch handeln (diese Tendenz findet man heute noch). Und diese Diskrepanz zwischen Worten und Taten finde ich ethisch verwerflich.

Wenn nämlich jemand sagt, er sei ein Schwein und behandle Menschen schlecht, und derjenige handelt so, dann ist das schlimm. Wenn aber jemand zur ethischen Verantwortung aufruft und nicht selbst so handelt, dann wird damit die Ethik selbst diskreditiert. Wenn jemand Verhaltensmaßstäbe aufstellt und alle Anderen dazu aufordert, sich entsprechend zu verhalten, es aber selbst nicht tut dann verliert derjenige jede Form der ethischen Glaubwürdigkeit.

Wenn also die Kirche auf ihre ethische Glaubwürdigkeit pocht, sich aber über Jahrhunderte anders verhält, dann kann ich nur sagen: Was für ein heuchlerisches Pack! Und sich nur einmal dafür zu entschuldigen ist zuwenig. Wie hat sich die Kirche bei der Entschädigung der Zwangsarbeiter verhalten? Wie hat sich die Kirche beim sexuellen Mißbrauch von Kindern durch ihre Priester verhalten? Worte als Entschuldigung sind mir zuwenig. Und von tatkräftiger Reue sehe ich zwar etwas, aber eben auch etwas wenig. Aber der Anspruch, in der Ethik das große Wort schwingen zu dürfen, daran hat sich nicht viel geändert. Hier wären mal ein paar Jahrzehnte der Demut angesagt, nach Jahrhunderten der Verbrechen. Aber da wird nur geleugnet und apologetisch sich aus jeder Verantwortung geschlichen wo es nur geht.

Aber immer noch muss man sich als Atheist anhören, man sei unmoralisch und verantwortungslos. Da finde ich, habe ich das Recht, empört zu sein.

#11 furor

furor

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIP
  • 635 Beiträge

Geschrieben 27 April 2003 - 20:33

Hallo Volker,

wenn ich das richtig lese, dann ziehst du den Vorwurf wegen des Konkordats zurück, sagst aber gleichzeitig, dass da im Kontext noch viele andere Dinge sind, die die generelle Schuld der katholischen Kirche begründen.

Ich biete dir ein "Spiel" an: Wir spielen eine Gerichtsverhandlung, du bist der Ankläger der katholischen Kirche, ich der Verteidiger.

Als Argumente dürfen nur Teile des Spiegel-Artikels verwendet werden. (Sonst verlieren wir uns in der riesigen Quellenlandschaft.)

Du musst natürlich zuerst den Anklagevorwurf nennen und begründen.

Ich behaupte: Da kommt ein Freispruch heraus!

#12 Thofrock

Thofrock

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 24162 Beiträge

Geschrieben 27 April 2003 - 21:50

Für das Spiel werdet ihr einen Richter brauchen. Und wer immer das Spiel verliert wird diesen Richter für befangen erklären.
Ich schlage ein Gremium aus Sven (Vorsitz), Stefan, Moni (Beisitzer) vor.

#13 Guest_Corinna_*

Guest_Corinna_*
  • Gaeste

Geschrieben 28 April 2003 - 13:09

Eine recht gute Arbeit zum Reichskonkordat von 1933:

http://www.salvator....acht/kirche.htm

#14 pedrino

pedrino

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 12385 Beiträge

Geschrieben 28 April 2003 - 13:38

Eine recht gute Arbeit zum Reichskonkordat von 1933:

http://www.salvator....acht/kirche.htm

hieraus:

"Die katholische Kirche stellte sich nach 1945 als entscheidende Kraft im deutschen Widerstand dar."

Das Fähnchen im Winde.

#15 Guest_Corinna_*

Guest_Corinna_*
  • Gaeste

Geschrieben 28 April 2003 - 13:40

Das Fähnchen im Winde.

Na ja pedrino. Dass Dein Fassungsvermögen begrenzt ist, wissen wir ja schon.

:blink:

#16 pedrino

pedrino

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 12385 Beiträge

Geschrieben 28 April 2003 - 13:44

Das Fähnchen im Winde.

Na ja pedrino. Dass Dein Fassungsvermögen begrenzt ist, wissen wir ja schon.

:blink:

Meine liebe Corrina,

die Kirche ist keine Religion, sondern eine politische Institution, die sich der Religion bedient. Aber um dies zu Verstehen, wird dein Fassungsvermögen vermutlich zu begrenzt sein.

#17 Guest_Corinna_*

Guest_Corinna_*
  • Gaeste

Geschrieben 28 April 2003 - 13:48

die Kirche ist keine Religion, sondern eine politische Institution, die sich der Religion bedient. Aber um dies zu Verstehen, wird dein Fassungsvermögen vermutlich zu begrenzt sein.

Welch tiefgründiges Statement. Ich bin beeindruckt!

:blink:

#18 pedrino

pedrino

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 12385 Beiträge

Geschrieben 28 April 2003 - 14:01

die Kirche ist keine Religion, sondern eine politische Institution, die sich der Religion bedient. Aber um dies zu Verstehen, wird dein Fassungsvermögen vermutlich zu begrenzt sein.

Welch tiefgründiges Statement. Ich bin beeindruckt!

:blink:

Ich bemühe wieder einmal die Encarta. Erkennst du hier die Absicht deiner Kirche?

"Ziel politischen Handelns ist es, (mehr) Macht zu erlangen bzw. die staatliche Herrschaft auszuüben oder zu beeinflussen."

In deinem obigen Link kann man dies in der Begründung für das damalige kirchliche Verhalten gut nachlesen. Aber na ja, wenn dein "Fassungsvermögen" nicht vorhanden ist, was will ich da schon machen?


Politik

Politik, Bezeichnung für alle Handlungen, die auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens, insbesondere der Staatstätigkeit abzielen. Handlungsträger können dabei der Staat selbst sein, aber auch Parteien, Verbände, Gewerkschaften etc. Ziel politischen Handelns ist es, (mehr) Macht zu erlangen bzw. die staatliche Herrschaft auszuüben oder zu beeinflussen. Die Politikwissenschaft beschäftigt sich mit allen Erscheinungsformen des politischen Handelns, vor allem mit politischen Theorien und Systemen.



"Politik." Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993-2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

Bearbeitet von pedrino, 28 April 2003 - 14:02.


#19 Guest_Corinna_*

Guest_Corinna_*
  • Gaeste

Geschrieben 28 April 2003 - 14:08

Ich bemühe wieder einmal die Encarta. Erkennst du hier die Absicht deiner Kirche?

Nö.

#20 Christoph Overkott

Christoph Overkott

    Mitglied

  • verbannt
  • PIPPIPPIPPIP
  • 2150 Beiträge

Geschrieben 28 April 2003 - 14:17

Die beiden Dokumentarfilme zu

Joseph Roth und

Nikolaus Groß

finden sich an den o.a. Adressen auch "embedded" als normale HTML-Seiten ( für alle, die externe Videolinks nicht öffnen können ).

Während in dem Dokumentarfilm zu Roth vor allem der Mitautor des Buches "Friesdorf und seine Kirchen" zu Wort kommt, stellt sich in dem Film zu Groß insbesondere sein Sohn Alexander Groß dem Gespräch.

Bearbeitet von Christoph Overkott, 28 April 2003 - 14:24.


#21 Thofrock

Thofrock

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 24162 Beiträge

Geschrieben 28 April 2003 - 14:27

Ich dachte schon der Spiegel startet heute Furor zu Ehren den nächsten Angriff.
Hinter dem Titel "Der weite Weg zum Himmel" verbirgt sich aber nur eine Anniversery zur Mount Everest-Erstbesteigung vor 50 Jahren.

#22 pedrino

pedrino

    Mitglied

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 12385 Beiträge

Geschrieben 28 April 2003 - 14:28

Ich bemühe wieder einmal die Encarta. Erkennst du hier die Absicht deiner Kirche?

Nö.

Ja, ja, das Fassungsvermögen eben.

#23 Guest_Corinna_*

Guest_Corinna_*
  • Gaeste

Geschrieben 28 April 2003 - 14:39

Ja, ja, das Fassungsvermögen eben.

Sag' ich doch! Dein Fassungsvermögen reicht eben nicht aus, um Geschichte einigermaßen sachlich zu betrachten. Wissen wir doch längst, pedrino. Du brauchst es uns nicht immer von neuem zu beweisen.

#24 Volker

Volker

    Es gibt keinen Gott, und ich bin sein Prophet!

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 27272 Beiträge

Geschrieben 28 April 2003 - 14:57

Ich biete dir ein "Spiel" an: Wir spielen eine Gerichtsverhandlung, du bist der Ankläger der katholischen Kirche, ich der Verteidiger.

Als Argumente dürfen nur Teile des Spiegel-Artikels verwendet werden. (Sonst verlieren wir uns in der riesigen Quellenlandschaft.)

Du musst natürlich zuerst den Anklagevorwurf nennen und begründen.

Ich behaupte: Da kommt ein Freispruch heraus!

Aber ja, gerichtlich ist die Kirche kaum zu belangen, weil sie wohl kaum gegen irgendwelche Gesetze verstoßen hat. Das ist eine moralische Anklage, keine juristische. Sie ist dieselbe wie gegen die Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben - eine Klage deswegen hätte kaum Aussicht auf Erfolg, die Firmen wurden daher über moralische Anklagen genötigt, Geld in einen Fonds einzubezahlen.

Die Kirche hat sich übrigens auch zunächst geweigert, zu zahlen.

Es ist nur so, dass die Kirche damit jedwede moralische Glaubwürdigkeit verspielt hat.

#25 Volker

Volker

    Es gibt keinen Gott, und ich bin sein Prophet!

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 27272 Beiträge

Geschrieben 28 April 2003 - 14:59

Ja, ja, das Fassungsvermögen eben.

Sag' ich doch! Dein Fassungsvermögen reicht eben nicht aus, um Geschichte einigermaßen sachlich zu betrachten. Wissen wir doch längst, pedrino. Du brauchst es uns nicht immer von neuem zu beweisen.

Dafür brauchst Du uns nicht daran zu erinnern, dass unsachliche Repliken Dein wichtigster Bestandteil von Postings ist - soooo lange warst Du nun auch wieder nicht weg.




Besucher die dieses Thema lesen: 0

Mitglieder: 0, Gäste: 0, unsichtbare Mitglieder: 0