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Beichte


Mecky

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Ein gewisses Problem war für mich lange Zeit, dass Reue eine Voraussetzung zur Beichte ist. Bis 18 Jahre war ich regelmäßig beichten, dann traten Dinge in mein Leben, von denen ich wusste, dass ich sie beichten müsste, die ich aber nicht bereute oder ändern wollte. Da ich nichts beichten wollte, das ich nicht bereuen oder ändern wollte, aber bei der Beichte auch nichts bewusst verschweigen wollte, hab ich dann überhaupt aufgehört zu beichten - was eigentlich schade ist, denn ich hab die Beichte insgesamt auch damals schon als etwas Positives erlebt. Im Nachhinein gesehen, hätte ich die Dinge ja auch mit dem Beichtvater so besprechen können, aber das ist mir damals auch nicht in den Sinn gekommen.

 

Ich ging erst Jahre später wieder zur Beichte, vor der Hochzeit, da brauchte ich dann ja in Hinblick auf manche Dinge nichts mehr zu ändern. Seit damals gehe ich zweimal im Jahr (vor Ostern und Weihnachten) beichten, nach Möglichkeit bei einem Priester, mit dem ich im Alltag nichts zu tun habe. In der eigenen Pfarre oder bei einem Bekannten zu beichten, wäre mir unangenehm, da ich den Eindruck hätte, dass dadurch ein Ungleichgewicht ins (Alltags-) Verhältnis zwischen dem Priester und mir käme.

 

Bei der Beichte schätze ich den Beichtstuhl - er hilft mir die Beichte als etwas zu erleben, dass sich vom Alltag abhebt. Bei einer Beichte im Wohnzimmer oder auf der Blumenwiese (bei einem Jungscharlager hab ich einmal beim Frühstücksbrotestreichen gebeichtet) würde ich mir damit schwerer tun. Ich hätte dann mehr den Eindruck es handelt sich um ein Gespräch, als um eine Beichte. Bei einem Gespräch (auch bei einem guten Gespräch) würde mich aber die "schiefe Ebene" zwischen mir und dem Priester stören, nämlich dass vorgesehen ist, dass nur einer sich öffnet und der andere nicht. Im Beichtritual passt das für mich.

bearbeitet von Justin Cognito
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Danke für die Auskünfte, Mecky.

 

Du bestätigst den Eindruck, dass das Bußsakrament alles andere als Tot ist, sich aber in der Bedeutung erheblich wandelt. In einem Dialogprozess wäre es nun interessant, sich auf die Suche zu begeben, welchen Stellenwert das Sakrament denn für die Menschen hat.

 

Du unterscheidest zwischen Anliegen moralischer und Anliegen geistlicher Art - das ist mir nun nicht klar, was hier der Unterschied ist.

Pater Udo Fischer Pfarrer in Paudorf in Niederösterreich hat vor einiger Zeit in seiner Kirchenzeitung JA einmal sinngemäß geschrieben:

Die Leute rennen heute nicht mehr wegen eines jeden Nebbichs zur Beichte (3x Abendgebet nicht gebetet, am Freitag Fleisch gegessen, usw) aber wenn der Schuh wirklich und ernsthaft drückt, dann suchen sie den Rat von Priestern zu denen sie Vertrauen haben können...

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Pater Udo Fischer Pfarrer in Paudorf in Niederösterreich hat vor einiger Zeit in seiner Kirchenzeitung JA einmal sinngemäß geschrieben:

Die Leute rennen heute nicht mehr wegen eines jeden Nebbichs zur Beichte (3x Abendgebet nicht gebetet, am Freitag Fleisch gegessen, usw) aber wenn der Schuh wirklich und ernsthaft drückt, dann suchen sie den Rat von Priestern zu denen sie Vertrauen haben können...

Ich mag so einen Sprachgebrauch ("Nebbichs") nicht. Was für den Autor "Nebbichs" sein mag, kann für jemanden in einer anderen Situation ein klarer Ausdruck dafür sein, daß in seinem Gottes- oder Menschenverhältnis gerade etwas im Argen liegt.

Pauschalisierungen - in welche Richtung auch immer - halte ich im Blick auf's Bußsakrament für unangebracht.

bearbeitet von gouvernante
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Pater Udo Fischer Pfarrer in Paudorf in Niederösterreich hat vor einiger Zeit in seiner Kirchenzeitung JA einmal sinngemäß geschrieben:

Die Leute rennen heute nicht mehr wegen eines jeden Nebbichs zur Beichte (3x Abendgebet nicht gebetet, am Freitag Fleisch gegessen, usw) aber wenn der Schuh wirklich und ernsthaft drückt, dann suchen sie den Rat von Priestern zu denen sie Vertrauen haben können...

Ich mag so einen Sprachgebrauch ("Nebbichs") nicht. Was für den Autor "Nebbichs" sein mag, kann für jemanden in einer anderen Situation ein klarer Ausdruck dafür sein, daß in seinem Gottes- oder Menschenverhältnis gerade etwas im Argen liegt.

Pauschalisierungen - in welche Richtung auch immer - halte ich im Blick auf's Bußsakrament für unangebracht.

Der Ausdruck Nebbich stammt wahrscheinlich nicht von P. Fischer sondern von mir ....ich habe geschrieben dass ich sinngemäß zitiere. Uns ich stehe zu dem Ausdruck.

bearbeitet von wolfgang E.
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Ich mache am Liebsten die Beichtvorbereitung im RU in der 4. Klasse, nach der Erstkommunion, auf freiwilliger Basis. Und natürlich sagen welche, sie wüssten nicht, was sie beichten sollten.

 

Ich bin dann immer sehr gemein und sage: "Dann frag doch mal die anderen!"

 

Aber genau darum gehts doch gar nicht. Es geht eben darum, dass der Mensch lernt, sich selbst zu erkennen (Beichtspiegel) und anzuschauen. Es ist ein Weg zum selbstständig werden. Die Kinder werden aufgefordert, sich selbst zu sagen, was gut und was böse ist und nicht nur auf die anderen zu gucken, sondern auf sich selbst.

 

Sie sind es gewöhnt, dass Eltern und Lehrer sie reflektieren, sie bewerten und erziehen. Aber auf dem Weg zum Erwachsenwerden muss man das selbst in die Hand nehmen.

 

Das andere ist meine Erfahrung mit dem Begriff "Schuld" in der siebten Klasse. Es ist ein Tabuwort geworden und es gibt keinen vergleichbaren Themenbereich im Ethikunterricht. Es hat lange gedauert, bis die Jugendlichen das Wort überhaupt ausgesprochen haben und in ihren aktiven Wortschatz übernommen.

 

Sie sind es so gewöhnt grundsätzlich, selbst wenn man sie beim Schlägern erwischt, die Schuld auf andere zu schieben.

 

Und wir Lehrer machen da ja auch mit: Ist ein Schüler auffällig, dann ist halt immer das Elternhaus schuld, nur als Beispiel.

 

Die Verantwortung für das, was wir tun, wollen wir nicht tragen, schon gar nicht die Konsequenzen.

 

Was mein persönliches Problem eine Zeit lang mit der Beichte war, das wurde hier schon genannt: Es gab Dinge, die konnte und wollte ich nicht beichten und ich hatte gelernt, das alles auf den Tisch muss, sonst ist, wegen mangelnder Reue, alles ungültig. Heute weiß ich: Mein Gefühl hatte mich nicht betrogen, ich hätte das gar nicht zu beichten brauchen.

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Du bestätigst den Eindruck, dass das Bußsakrament alles andere als Tot ist, sich aber in der Bedeutung erheblich wandelt. In einem Dialogprozess wäre es nun interessant, sich auf die Suche zu begeben, welchen Stellenwert das Sakrament denn für die Menschen hat.

Du unterscheidest zwischen Anliegen moralischer und Anliegen geistlicher Art - das ist mir nun nicht klar, was hier der Unterschied ist.

Nicht tot, aber ganz erheblich in Reservate verdrängt. Das muss man schon ganz nüchtern sehen.

 

Der Unterschied zwischen moralischen und geistlichen Anliegen ergibt sich aus dem Sündenverständnis.

 

Man kann Sünde als Schuld sehen. Schuld ist ein eindeutig moralischer Begriff. Missetaten. Normenverstoß. Böser Wille. Die Folgen sind dann Verurteilung, Strafe, Buße oder Begnadigung.

Man kann Sünde aber auch als unselige Distanz zu Gott sehen. Die Folge ist eine Form von Einsamkeit, Angewiesen sein auf hoffnungslose Selbsterlösung, grundsätzliche Fehlausrichtung des Lebens, Hoffnungslosigkeit.

 

Letzteres scheint die meisten Menschen heute mehr zu bewegen. Normen werden in Frage gestellt. Missetaten werden begründet. Und man reagiert dann eher durch eine Optimierung oder Wiedergutmachungsversuche. Letztlich bleibt man dabei aber religiös unbeleckt. Um sein Verhalten zu optimieren oder Wiedergutmachung zu leisten, braucht man erst mal keinen Gott. "Es ist sinnvoller, mit dem zu reden, an dem man sich versündigt hat, als zu beichten." Und die 10000 Vater Unser, die Peppone von Don Camillo als Bußwerk aufgebürdet bekommt, erscheinen in dieser Hinsicht geradezu als blödsinnig. Wozu soll das denn gut sein? Wohl eher dazu, dass Don Camillo sich ins Fäustchen lachen kann. Religiöses Handeln (beten) und Problemlösung klaffen weit auseinander. Besser, wenn Peppone die 10000 Vater Unser weglässt und sich in dieser Zeit den Armen zuwendet, wie es sein bürgermeisterlicher Job wäre.

 

Das Anliegen, sein Leben "näher bei Gott" zu leben, ihm zu vertrauen, sich von ihm führen zu lassen, von ihm das Heil zu erwarten ist viel einleuchtender religiös. Es geht nicht primär darum, sein Verhalten zu ändern (ein moralisches Anliegen), sondern aus dem Glauben zu leben. Die Vergebung der Missetaten wird einfach vorausgesetzt. Wäre ja auch ein blöder Gott, der wegen meiner mickrigen Missetaten einen gigantischen Terz macht. Es geht ganz direkt um das Bedürfnis nach Glauben und einem Leben aus der Nähe Gottes. Und dies ist verstärkt ein spirituelles Anliegen. Hier ist dann auch klar, warum man ein Sakrament sucht. Hier sucht man Trost über die eigene Fehlbarkeit, Annahme durch Gott, Annahme dessen, was man selbst vielleicht an sich nicht anzunehmen vermag. Und die Zusicherung eines bleibenden: "Ich steh zu Dir. Du bist mein Kind, auch wenn Du Mist baust. Ich schenke Dir Heil, auch wenn Du Dich verirrst und Dich und andere belastest. Ich lasse Dich nicht fallen." Hier geht es nicht um Moral, sondern um Heilszusagen im Indikativ. Die Verbesserung auf der moralischen Ebene erhofft man sich sekundär, sozusagen als Nebenprodukt.

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Ein gewisses Problem war für mich lange Zeit, dass Reue eine Voraussetzung zur Beichte ist.

In dieser Formulierung ist es ja auch wieder sehr moralisch. Da gibt es eine Norm. Und die hat man zu akzeptieren. Und man hat gefälligst Reue zu empfinden für Taten, deren Schlechtigkeit man nicht einsieht. Oder für Taten, deren Schlechtigkeit man einsieht, aber gegen die man sowieso nicht ankommt. Man empfindet eine gewisse Reue, dass man den Ansprüchen der Norm nicht entspricht. Aber Reue für die Tat selbst empfindet man nur ganz wenig.

 

Dem gegenüber steht ein Leiden unter mangelndem Glauben. Wer aus diesem Grunde beichtet und sich hier erhofft, durch den Empfang eines Sakramentes etwas verändern zu können, hat eine primäre Motivation. Da gibt es einen realen Leidensdruck - nicht nur einen aufgeschwätzten.

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Das Thema leuchtet auch auf, wenn man die Sache mit dem Ablass anschaut und Luthers Kritik. These 1: "Wenn unser Herr und Meister spricht: Tut Buße, so hat er gemeint, dass wir unser ganzes Leben lang immer wieder umkehren müssen."

 

Luther schlägt hier den harten Weg vor, sich eben nicht freizukaufen, sondern immer wieder neu sich auf Gottes Gnade einlassen.

 

Einer meiner Söhne musste vor der Firmung zur Beichte und wir haben einen guten Pfarrer. Was er gebeichtet hat, war ziemlich schnell klar, denn er versuchte tatsächlich, zwei Tage lang seinen kleinen Bruder nicht hochzuschießen. Dann war es mit seiner Kraft dazu wieder vorbei, aber er hatte sich bewusst gemacht: Das ist nicht richtig.

 

Das war halt auch so ein Ding zu meiner Zeit, der Vorsatz: Jeder Mensch mit Selbsterkenntnis weiß, dass er das nicht durchhalten kann.

 

Aber Keiner hat mir damals gesagt, dass es darum ja auch nicht geht.

 

Es tut mir Leid, ich kanns nicht ändern, ich wünschte, ich könnte - das hätte man früher in einer Beichte gar nicht sagen dürfen.

 

Kannst sicher sein, dass ich das meinen Schülern anders beibringe.

 

Ablasshandel dagegen ist nach wie vor hoch im Kurs. Im großen Stil - zB im ökologischen Bereich - aber auch in der Schule: Mich haben mal Schüler geärgert, mir ist der Kragen geplatzt und es gab "Hausordnungen" (muss man abschreiben).

 

Ich bekam sie in der nächsten Stunde, dann haben sie sich hinten wieder hingesetzt und weitergemacht.

 

Bekanntermaßen sind Leute, die gerade faire oder ökologische Produkte gekauft haben weniger hilfsbereit als diejenigen, die es nicht gemacht haben. Das haben irgendwelche Wissenschaftler getestet.

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Ich gebe euch jetzt als nicht mehr Schreibberechtigter ein Feedback, wenn ihr es nicht wollt, dann lasst es entfernen.

 

Ich empfand Zeit meines Lebens die Beichte als eklige und erniedrigende Zwangsveranstaltung, und habe es bleiben lassen, sobald ich klug genug geworden war, dass ich den damit verbundenen Höllendrohungen intellektuell widerstehen konnte, und alt genug, mich dem zu entziehen. Ich gehe davon aus, dass es anderen genau so geht, und sehe das als Hinweis, woran es liegen könnte, dass heute nicht mehr so viele hingehen.

 

Nehmt es oder lasst es. Ende meines Gastspiels. Zu diskutieren habe ich das, wie bei Feedbacks üblich, nicht.

bearbeitet von Sokrates
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Wenn es tatsächlich "Höllendrohungen" geben oder gegeben haben sollte, so ist eine solche Angstmacherei abzulehnen. Wer jedoch den Hinweis, dass die Folge der unbereuten, schweren Sünde zur ewigen Trennung von Gott führt bereits als "Höllendrohung" ansieht, der ist (mag er auch sonst eine dicke Haut haben) wohl überempfindlich. Das Problem besteht ja darin, dass der Mensch allgemein (siehe Balkenverglich im Evangelium) dazu neigt, anderen bittere Wahrheiten mehr oder weniger ungescheut und ungeschönt ins Gesicht zu schleudern - aber ernshafte Mahnungen selbst nicht erträgt. Das macht die Beichte für jene, die keinen Schmeichel- Beichtvater haben mitunter auch problematisch: Ein guter Beichtvater wird nämlich nicht nur trösten, raten- sondern auch mahnen. Auch Jesus selbst hat auf der einen Seite sein heilendes Wirken den Menschen geschenkt- aber auf der anderen Seite auch ernshaft zur Umkehr gemahnt. Ein Priester, der den Seelen auf ihrem Weg wirklich dienen will, muss daher ähnlich agieren.

 

Aus dem Kommentar von Sokrates scheint allerdings ein Problem auf, das nicht von der Hand zu weisen ist: Die "Überempfindlichkeit" mancher gegen unangehme Aussagen oder Wahrheiten; das Problem, dass der mündige Mensch sich sowieso nichts mehr sagen lassen will und im Grunde alles besser weiss- besser auch als Gott und Kirche. Dass manche auch aus diesem Grund die Beichte nicht als Instrument des Heiles, der Heilung ansehen sondern als "demütigend" empfinden - das sehe ich jedenfalls aus diesem Kommentar. Meine persönliche Schlußfolgerung: Die Beicht ist ein Akt der Demut - und Demut wird heute als Tugend eher negativ betrachtet.

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Die Trennung von Gott ist bei den Menschen, die ich kenne, meistens sowieso bewusst. Und bei den Christen unter ihnen wird sie auch fast durchgängig als ungut, manchmal sogar als schmerzhaft empfunden. Die Frage ist weniger, ob man das anspricht, sondern wie man das anspricht und welche Ziele man beim Ansprechen verfolgt.

 

Das Ziel der Drucksteigerung ist schon im normalen Gespräch zumeist unnötig. Es wird oft übersehen, dass sich die Leute den Druck schon selbst machen. In den meisten Fällen ist der herbste Kritiker von Herrn M - der Herr M selbst. Und es hilft Herrn M überhaupt nicht, den Druck noch zu steigern. Im Gegenteil: Die meisten Menschen kommen zur Beichte, um hier etwas zu finden, was ihnen das Leiden unter dem Druck lindert oder zumindest ihnen die Möglichkeit gibt, den Druck zu ertragen. Und dies ist auch die sakramentale Absicht der Beichte. Zielpunkt ist die Absolution. Die Absolution ist da A und O der Beichte.

 

Bei allem anderen kann man Kompromisse machen. Man kann Kompromisse machen bei der Vollständigkeit des Sündenbekenntnisses - manche beichten nicht im Rundumschlag, sondern bringen eine - manchmal die entscheidende - Sünde vor. Sie sagen das, was ihnen wirklich auf der Seele lastet. Man kann Kompromisse beim "Reuewille" machen. Wenn ein Süchtiger seine Sucht beichtet, schwant ihm schon, dass er nicht per Beichtdekret und Bußwerk davon loskommt. Man kann Kompromisse bei der Form machen und nicht im Beichtstuhl, sondern auf ungeweihtem Boden mitten in der Pampa beichten. Selbst, wenn der Pfarrer die Lossprechungsformel nicht mehr wortwörtlich im Kopf hat, ist das nicht so schlimm. Man kann Kompromisse im Bußwerk machen. Nur bei der Absolution nicht. Die muss eindeutig sein. Sie ist das Anliegen der Beichte.

 

Die Botschaft der Beichte ist nicht: "Komm her, Bürschchen/Frollein, dann werden Dir mal die Leviten gelesen!"

Die Botschaft der Beichte ist auch nicht: "... und dann macht Dir der Priester mal so richtig bewusst, wie schlecht Du bist!"

Die Botschaft der Beichte ist auch nicht: "Wehe, wenn nicht! Dann gibt's übelste Konsequenzen!"

 

Die Botschaft der Beichte ist: Gott nimmt sich der Sünder an. "Deine Sünden sind dir vergeben".

Die Botschaft ist nicht die Botschaft von der Sündigkeit der Menschen. Das wissen die Leute normalerweise selbst. Ich kenne überhaupt keinen, der sich für schuldlos hält. Die Botschaft ist nicht die Sünde, sondern deren Vergebung und die bleibende Liebe und Hilfe Gottes.

 

Und damit jemand seine Sündigkeit bekennt, bedarf es nicht des Drucks, sondern - im Gegenteil - des Schutzes. Schutz durch absolute Diskretion (Beichtgeheimnis), Schutz aber auch ganz besonders durch die Demut und das Mit-Sünder-Sein des Beichtvaters. Ein Satz wie: "Ich bin ja auch Sünder. Aber so was ... tsts!" wären in der Beichte absolut vernichtend. Auch das Aufoktroyieren von Normen oder das appellhafte Fordern von Reue ist vernichtend. Das Drohen mit der Absolutionsverweigerung ist das Letzte. Es ist nicht nur verletzend, sondern ein wirkliches Ausschlusskriterium. Und das zurecht: Es ist genau das Gegenteil von Jesu Botschaft der Vergebung.

 

Diese ganzen Druckverstärker haben die Beichte von einem Ort der Gnade zu einem Ort der Beklommenheit, der Demütigung, zu einem Ort der Verlogenheit und der Angst gemacht. Würde ich fragen: "Welches Sakrament meine ich mit den Stichworten: Druckverstärkung, Demütigung, Beklommenheit, Verlogenheit, Angst", dann kämen die meisten doch tatsächlich auf Beichte. Dieses Bild von Beichte geistert in vielen Köpfen herum.

 

Nein, ich glaube nicht, dass die Leute wieder beichten kommen, wenn man diese Vorstellung wegnimmt. Aber ich glaube, dass diese Vorstellung ein Ausschlusskriterium ist. Eines - unter anderen. Die anderen müsste man sich natürlich auch noch mal anschauen, so man tatsächlich will, dass mehr Leute zur Beichte kommen.

 

 

PS: Ich will nicht primär, dass mehr Leute zur Beichte kommen. Sondern ich will, dass mehr Leute von einer Last bzw. von der Unfähigkeit solche Lasten zu tragen befreit werden. Und manchmal finde ich da die Beichte ein sehr wichtiges Gnadenmittel zu diesem Ziel.

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Die "Überempfindlichkeit" mancher gegen unangehme Aussagen oder Wahrheiten;

Das gibt es - aber es ist gar nicht so häufig. Die meisten Menschen können mit Kritik ganz gut umgehen - so sie pfleglich geübt wird. Wenn die Kritik natürlich um die Ohren geschlagen und mit Selbstgerechtigkeit vorgetragen wird, dann wehren sie sich. Und zwar zurecht.

 

Schuld ist ein äußerst sensibles Thema. Das Gefühl, an etwas schuld zu sein, ist sehr unangenehm. Und die Angst, das auch noch vorgehalten zu bekommen, stellt eine der Grundängste des Menschseins vor. Wenn dann jemand kommt, der über meine Schuld mehr zu wissen vorgibt, als ich selbst und der sich zum Richter aufspielt (und so ist Beichte vielfach verstanden worden), und der sich anmaßt, mir noch weitere Lasten aufzubürden, dann setzt dies eine Gegenreaktion in Gang. So einem sag ich doch gar nichts mehr. Was bei ihm natürlich den Eindruck erweckt, dass ich völlig verstockt sei. Aber besser diesen blödsinnigen Vorwurf, der ja nicht richtig trifft, zu ertragen, als durch die Preisgabe meiner Schwachpunkte so jemandem die Gelegenheit zu geben, dort vorzuwerfen, wo es richtig weh tut.

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Die "Überempfindlichkeit" mancher gegen unangehme Aussagen oder Wahrheiten;

Das gibt es - aber es ist gar nicht so häufig. Die meisten Menschen können mit Kritik ganz gut umgehen - so sie pfleglich geübt wird. Wenn die Kritik natürlich um die Ohren geschlagen und mit Selbstgerechtigkeit vorgetragen wird, dann wehren sie sich. Und zwar zurecht.

 

Schuld ist ein äußerst sensibles Thema. Das Gefühl, an etwas schuld zu sein, ist sehr unangenehm. Und die Angst, das auch noch vorgehalten zu bekommen, stellt eine der Grundängste des Menschseins vor. Wenn dann jemand kommt, der über meine Schuld mehr zu wissen vorgibt, als ich selbst und der sich zum Richter aufspielt (und so ist Beichte vielfach verstanden worden), und der sich anmaßt, mir noch weitere Lasten aufzubürden, dann setzt dies eine Gegenreaktion in Gang. So einem sag ich doch gar nichts mehr. Was bei ihm natürlich den Eindruck erweckt, dass ich völlig verstockt sei. Aber besser diesen blödsinnigen Vorwurf, der ja nicht richtig trifft, zu ertragen, als durch die Preisgabe meiner Schwachpunkte so jemandem die Gelegenheit zu geben, dort vorzuwerfen, wo es richtig weh tut.

 

Nach meiner Einschätzung sollte der Priester dem Beichtenden helfen, die Wurzel seiner Probleme zu erkennen. Aus eigener Erfahrung (bei mir) weiss ich, dass der Mensch dazu neigt, seine Sünden zu beschönigen oder Ausreden zu finden. Das kann bis in die Beichte hinein gehen.

 

Dazu habe ich in dem Büchlein http://opac.karlsruhe.de/opac/g_ftitle.S?1...e&FUNC=full

 

folgendes gelesen:

 

Im Beichtstuhl bekennt ein Mann in folgender Weise seine Sünden: " Ich habe oft geflucht, aber dafür auch oft gebetet- das gleicht sich doch aus. Ich habe meine Frau ein paar mal betrogen, ihr aber auch viele Geschenke gemacht- das gleicht sich doch aus. Ich habe oft gelogen, aber ich bin dafür oft in die Werktagsmesse gegangen - das gleicht sich doch aus." "Mein Sohn" sagt der Beichtvater: "Deine Rechnung geht auf: Gott hat dich erschaffen, und der Teufel wird dich holen- das gleicht sich aus."

 

Diese Anekdote zeigt, dass wir schon in die Gefahr geraten könne, unsere Sünden zu beschönigen. Ein guter Beichtvater wird daher dem Beichtenden helfen, seine Sünden zu er- kennen und ihm Ratschläge geben, wie er die Probleme in Zukunft besser meiden kann. Ich glaube auch, dass die Beichte als Sakrament dem, der es ehrlich meint auch die Gnade auf den Weg gibt, den Versuchungen besser zu widerstehen und die Sünde zu meiden. Bei gewissen Veranlagungen z.B. zum Zorn kann es ja Jahre dauern, bis der Mensch Erfolg sieht. Und es könnte ja durchaus passieren, dass jemand 10 Jahre hindurch seinen Zorn und seine Ungeduld beichten muss- der Fortschritt liegt allerdings darin, dass er z.B. am Anfang seiner Umkehrbemühungen über eine Sache 3 Tage lang zornig war- und nach 10 Jahren nur mehr 10 Minuten.

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Pater Udo Fischer Pfarrer in Paudorf in Niederösterreich hat vor einiger Zeit in seiner Kirchenzeitung JA einmal sinngemäß geschrieben:

Die Leute rennen heute nicht mehr wegen eines jeden Nebbichs zur Beichte (3x Abendgebet nicht gebetet, am Freitag Fleisch gegessen, usw) aber wenn der Schuh wirklich und ernsthaft drückt, dann suchen sie den Rat von Priestern zu denen sie Vertrauen haben können...

Es geht dabei nicht um den "objektiv vorhandenen" Nebbich, sondern um die gefühlte Bedrängnis.

Die meisten wenden sich in einem solchen Fall nicht an einen Priester und nicht zur Beichte. Ich behaupte: Die allermeisten versuchen erst einmal, die Sache selbst wieder grad zu biegen oder zumindest auf die Reihe zu bekommen. Das ist ja auch das Normale. Selbsterlösungsversuche - manchmal klappt das sogar.

Dann gibt es noch viele, die sich an einen Freund wenden oder in vertrauter Runde einfach mal solche Sachen zur Sprache bringen.

Und hiermit hat man bis auf ein paar mickrige Zehntel- oder Hunderstelprozent schon das Gros erfasst.

 

Eine kleine Minderheit wendet sich an einen Fachmann. Ob das jetzt eine Schuldenberatung oder ein Psychologe ist, hängt von der Art des Bedrängenden ab.

 

Eine kleine Minderheit der Minderheit wendet sich dann an einen Priester. Manchmal in Form einer Beichte.

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Nach meiner Einschätzung sollte der Priester dem Beichtenden helfen, die Wurzel seiner Probleme zu erkennen. Aus eigener Erfahrung (bei mir) weiss ich, dass der Mensch dazu neigt, seine Sünden zu beschönigen oder Ausreden zu finden. Das kann bis in die Beichte hinein gehen.

Die Wurzel der Probleme erkennen ist natürlich sehr hilfreich. Aber es ist nicht das Zentrum des Beichtsakramentes. Oftmals wäre ein Psychologe der bessere Wurzelfreileger.

 

Die schönen Ausreden gibt es natürlich. Vornehmlich treten diese Ausreden auf, weil man schon zu oft unpfleglich ertappt wurde. Wenn ein Beichtvater in dieser Weise agiert, dann wird er damit zum Problem, nicht zur Lösung.

Das Durchschauen der eigenen Ausreden ist Aufgabe des Beichtenden, nicht des Beichtvaters. Der Beichtvater kann dabei helfen (und bei dieser Aufgabe helfen ihm auch Projektionen und Vermutungen, ebenso wie Normen). Aber wehe, wenn er auch nur ansatzweise was überstülpt.

 

Und noch mal: Das Wurzelfinden ist ein gutes Beiwerk. Es ist weder Zentrum noch Selbstzweck.

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Christusnachfolge ist (wie die Bergpredigt zeigt) eine radikale Angelegenheit. An die Wurzel seiner Motive zu gehen- die Wurzel seiner Schuld zu sehen ist m.E. sehr hilfreich, damit man Fehlhaltung 1. erkennt und 2. sich ändern kann. Dass das Sakrament der Beichte- auch gerne als Sakrament der Barmherzigkeit bezeichnet - dem Menschen in besonderer Weise die Zusage Gottes schenken soll: Gott liebt dich- komm an sein Vaterherz zurück- läßt sich m.E. gut aus dem Gleichnis vom Barmherzigen Vater/ Verlorenen Sohn herauslesen. Ohne Umkehr (auch der verlorene Sohn musste zuerst zur Einsicht kommen, dass er in der Ferne von Gott und bei seinem Treiben verkommt) ist das allerdings nicht möglich.

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Der verlorene Sohn ist geradezu ein Modellfall von Umkehr.

Er kehrt allerdings völlig ohne Beichte und auch ohne äußeren Aufruf oder moralischen Appell auf. Keine Warnung, kein Beichtspiegel, kein Gespräch (außer dem Selbstgespräch), kein Bußwerk. Reine Absolution durch den Vater.

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Der verlorene Sohn ist geradezu ein Modellfall von Umkehr.

Er kehrt allerdings völlig ohne Beichte und auch ohne äußeren Aufruf oder moralischen Appell auf. Keine Warnung, kein Beichtspiegel, kein Gespräch (außer dem Selbstgespräch), kein Bußwerk. Reine Absolution durch den Vater.

 

Das ist aber kein Grund gegen die Beichte. Immerhin hat der Gleichniserzähler dieses Sakrament verbindlich eingesetzt. Im übrigen hat der Sohn bereut, er ist nämlich in sich gegangen, er hat die Sünde vor dem Vater bekannt, (er fühlte sich unwürdig länger der Sohn zu sein) und dieser hat sie vollständig hinweg genommen und ungeschehen gemacht. Genau das gleiche passiert in der hl. Beichte. Die Sünde existiert vor Gott nicht mehr.

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Der verlorene Sohn ist geradezu ein Modellfall von Umkehr.

Er kehrt allerdings völlig ohne Beichte und auch ohne äußeren Aufruf oder moralischen Appell auf. Keine Warnung, kein Beichtspiegel, kein Gespräch (außer dem Selbstgespräch), kein Bußwerk. Reine Absolution durch den Vater.

 

Das ist aber kein Grund gegen die Beichte. Immerhin hat der Gleichniserzähler dieses Sakrament verbindlich eingesetzt. Im übrigen hat der Sohn bereut, er ist nämlich in sich gegangen, er hat die Sünde vor dem Vater bekannt, (er fühlte sich unwürdig länger der Sohn zu sein) und dieser hat sie vollständig hinweg genommen und ungeschehen gemacht. Genau das gleiche passiert in der hl. Beichte. Die Sünde existiert vor Gott nicht mehr.

Allerdings geht der Vater dem Sohn schon entgegen, ehe er das Schuldeingeständnis hören kann. (Wenn du die Gleichsetzung Vater = Gott nicht zu früh vornimmst). es hätte ja sein können, dass der Sohn versuchen möchte, noch etwas Geld zu locker zu machen. Für mich zeigt das Gleichnis schwerpunktmäßig eher die vorbehaltlose Liebe und Sehnsucht des Vaters als ein Bild von Sündenbekenntnis und Reue.

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Der verlorene Sohn ist geradezu ein Modellfall von Umkehr.

Er kehrt allerdings völlig ohne Beichte und auch ohne äußeren Aufruf oder moralischen Appell auf. Keine Warnung, kein Beichtspiegel, kein Gespräch (außer dem Selbstgespräch), kein Bußwerk. Reine Absolution durch den Vater.

 

Das ist aber kein Grund gegen die Beichte. Immerhin hat der Gleichniserzähler dieses Sakrament verbindlich eingesetzt. Im übrigen hat der Sohn bereut, er ist nämlich in sich gegangen, er hat die Sünde vor dem Vater bekannt, (er fühlte sich unwürdig länger der Sohn zu sein) und dieser hat sie vollständig hinweg genommen und ungeschehen gemacht. Genau das gleiche passiert in der hl. Beichte. Die Sünde existiert vor Gott nicht mehr.

Aber er hat das Sakrament nicht an eine feste Form gebunden. Er hat nirgends formuliert: Wem Ihr die Sünden nach eine formvollendeten Ohrenbeichte mit Reue und Lossprechungsformel erlasst, dem sind sie erlassen.

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Der verlorene Sohn ist geradezu ein Modellfall von Umkehr.

Er kehrt allerdings völlig ohne Beichte und auch ohne äußeren Aufruf oder moralischen Appell auf. Keine Warnung, kein Beichtspiegel, kein Gespräch (außer dem Selbstgespräch), kein Bußwerk. Reine Absolution durch den Vater.

 

Das ist aber kein Grund gegen die Beichte. Immerhin hat der Gleichniserzähler dieses Sakrament verbindlich eingesetzt. Im übrigen hat der Sohn bereut, er ist nämlich in sich gegangen, er hat die Sünde vor dem Vater bekannt, (er fühlte sich unwürdig länger der Sohn zu sein) und dieser hat sie vollständig hinweg genommen und ungeschehen gemacht. Genau das gleiche passiert in der hl. Beichte. Die Sünde existiert vor Gott nicht mehr.

Aber er hat das Sakrament nicht an eine feste Form gebunden. Er hat nirgends formuliert: Wem Ihr die Sünden nach eine formvollendeten Ohrenbeichte mit Reue und Lossprechungsformel erlasst, dem sind sie erlassen.

Du hast vergessen: nur durch einen Priester gespendet.

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Christusnachfolge ist (wie die Bergpredigt zeigt) eine radikale Angelegenheit. An die Wurzel seiner Motive zu gehen- die Wurzel seiner Schuld zu sehen ist m.E. sehr hilfreich, damit man Fehlhaltung 1. erkennt und 2. sich ändern kann. Dass das Sakrament der Beichte- auch gerne als Sakrament der Barmherzigkeit bezeichnet - dem Menschen in besonderer Weise die Zusage Gottes schenken soll: Gott liebt dich- komm an sein Vaterherz zurück- läßt sich m.E. gut aus dem Gleichnis vom Barmherzigen Vater/ Verlorenen Sohn herauslesen. Ohne Umkehr (auch der verlorene Sohn musste zuerst zur Einsicht kommen, dass er in der Ferne von Gott und bei seinem Treiben verkommt) ist das allerdings nicht möglich.

"...die Wurzel seiner Schuld zu sehen .... damit man Fehlhaltung 1. erkennt..." ist wohl eine falsche reihenfolge.

 

wie willst du zuerst die wurzel sehen damit die fehlhaltung anschließend erkannt werden kann?

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Du hast vergessen: nur durch einen Priester gespendet.
Wie kommst Du denn darauf? Nicht einmal Thomas von Aquin hat verlangt, daß der Spender unbedingt Priester sein müßte. bearbeitet von gouvernante
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Gast Mactafledis
Nach meiner Einschätzung sollte der Priester dem Beichtenden helfen, die Wurzel seiner Probleme zu erkennen. Aus eigener Erfahrung (bei mir) weiss ich, dass der Mensch dazu neigt, seine Sünden zu beschönigen oder Ausreden zu finden. Das kann bis in die Beichte hinein gehen.

Die Wurzel der Probleme erkennen ist natürlich sehr hilfreich. Aber es ist nicht das Zentrum des Beichtsakramentes. Oftmals wäre ein Psychologe der bessere Wurzelfreileger.

 

Die schönen Ausreden gibt es natürlich. Vornehmlich treten diese Ausreden auf, weil man schon zu oft unpfleglich ertappt wurde. Wenn ein Beichtvater in dieser Weise agiert, dann wird er damit zum Problem, nicht zur Lösung.

Das Durchschauen der eigenen Ausreden ist Aufgabe des Beichtenden, nicht des Beichtvaters. Der Beichtvater kann dabei helfen (und bei dieser Aufgabe helfen ihm auch Projektionen und Vermutungen, ebenso wie Normen). Aber wehe, wenn er auch nur ansatzweise was überstülpt.

 

Und noch mal: Das Wurzelfinden ist ein gutes Beiwerk. Es ist weder Zentrum noch Selbstzweck.

 

Hallo Mecky,

 

ich halte das Wurzelfinden nicht für Beiwerk und eigentlich finde ich, dass es das Anliegen eines Seelsorgers sein sollte, dabei behilflich zu sein.

Dem Menschen behilflich zu sein, zu sich zurückzufinden muss nicht heißen, gemeinsam alles auszugraben, was ihn von Gott trennt.

Ursprünglich war der Mensch geschaffen nach Gottes Ebenbild, ihm ähnlich. Was geschieht, wenn man einem Menschen das sagt, ihn daran erinnert?

So hat Gott Dich geschaffen: liebevoll, gütig, einzigartig, mit Deinen ganz eigenen Talenten, usw. und das auch so meint.

Also nicht als Versuch, dem Gegenüber unterschwellig ein schlechtes Gewissen zu machen. Wirklich den Menschen vor einem so zu sehen,

wie Jesus in sehen würde: das, was er ist, wenn man alle Sünden runterrechnet = "und siehe, es war sehr gut".

 

Ich denke, es ist schon Aufgabe des Beichtvaters, dem Menschen einen Spiegel vorzuhalten.

 

Aber es ist ein Unterschied, ob ein Spiegel die Wirklichkeit zeigt (schuldig, schuldig, schuldig) oder die Wahrheit (das bist Du, wie Du urspünglich bist).

Gottes Gerechtigkeit ist Güte. Vielleicht sind zum Wiederbeleben des Sakramentes der Beichte viele gütige Hände nötig, die den Spiegel halten.

Vielleicht kann man am besten bei sich selbst beginnen. Den Nächsten anders, ehrlicher ansehen, dafür braucht man ja nicht studiert zu haben oder geweiht zu sein.

Wenn sich kein Weg aufzeigt, wie die Beichte "von oben" reformiert werden kann, geht's vielleicht aus von vielen Einzelnen.

 

Nachdenkliche Grüße,

 

Mac

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Du hast vergessen: nur durch einen Priester gespendet.
Wie kommst Du denn darauf? Nicht einmal Thomas von Aquin hat verlangt, daß der Spender unbedingt Priester sein müßte.

 

Ich weiß das.

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