Shubashi

Islamistischer Radikalismus - falsch eingeschätzte Gefahr?

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vor 32 Minuten schrieb Werner001:

Nur oberflächlich betrachtet. Die „aufgeklärte, gebildete“ Klientel ist meistens auf der Seite dessen, was der Zeitgeist für gut und richtig hält, und das war in den 1930ern, nicht nur in Deutschland, Antisemitismus und Nationalismus

 

Werner

 

Die Verbindung von Antisemitismus und Nationalismus hat gerade im deutschen Bürgertum eine lange Geschichte, die eigentlich bis zur Entwicklung des Nationalismus am Beginn des 19. Jh. zurückreicht. Man darf nicht vergessen, daß Nationalismus eigentlich eine bürgerliche Ideologie ist. Dem Adel war er durchaus fremd. Während der Nationalismus in Frankreich aus einem Klassengegensatz entstand, wurde in Deutschland daraus ein Gegensatz erst zum höfischen, französisch sprechenden Adel, und dann, in den sogenannten Befreiungskriegen ein Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich.

 

Während man in Frankreich Franzose war, wenn man zur Grande Nation gehörte, definierte sich die deutsche Nation als die, zuerst nur virtuelle gemeinsame Herkunft. Und da waren, so dachte man, die Juden nun mal nicht dabei. Was gerade in Deutschland eigentlich Quatsch ist, den als Land mitten in Europa haben wir vermutlich zu allen Zeiten einen hohen Anteil von Zuwandern gehabt. Nur während in Frankreich erst der Staat entstand und dann der Nationalismus als Selbstbewußtsein des sich entwickelnden Bürgertums (ok, es gibt Vorläufer eines französischen Nationalgedankens schon während des hundertjährigen Krieges), entstand und existierte der deutsche Nationalismus Jahrzehnte lang als bloßes Bekenntnis, ohne staatliche Organisation.

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Frankreich war nicht weniger antisemitisch. Sagt dir die Dreyfus-Affäre was?

 

Werner

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Gerade eben schrieb Werner001:

Frankreich war nicht weniger antisemitisch. Sagt dir die Dreyfus-Affäre was?

 

Werner

 

Ja, natürlich, Antijudaismus ist Teil der DNA jeder christlichen Gesellschaft in Europa. Mehr oder weniger ist schwer zu sagen. In Deutschland war der Antisemitismus wesentlich eine bürgerliche Veranstaltung, und die Linksliberalen, die dabei nicht mitmachten, wurden schon im Kaiserreich zunehmend marginalisiert.

 

In Frankreich ging es offenbar um einen Konflikt zwischen einer weitgehend Adel und Klerus kontrollierten Armeeführung auf der einen und der Republik auf der anderen Seite. Auch hier ließen sich offenbar leicht antisemitische und antijudaistische Klischees mobilisieren. In sofern waren die Verhältnisse ähnlich. Nur die sozialen Akteure waren unterschiedlich.

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