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Studiosus

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Eindeutig, damit es zu einem Dokument keine zwei (oder drei oder vier) Meinungen geben kann und die praktische Ausführung damit der Willkür der Ausführenden anheim fällt.

Was ist daran problematisch?

Was ist daran denn nicht problematisch? Ein Drittel der katholischen Welt liest aus einem Dokument ein Ja. Ein weiteres Drittel interpretiert ein Nein. Das letzte Drittel traut sich weder in die eine noch in die andere Richtung und macht erstmal gar nichts. Soweit nur zur Illustration ohne Bezug auf ein konkretes Dokument.

 

Findest Du das gut? Oder meinst Du nicht, dass derlei uneindeutige Formulierungen die Weltkirche - zumindest auf praktischer Ebene - spalten? Und das Problem hierbei: jede Partei kann sich auf den Papst respektive seine offiziellen Dokumente berufen. Ist das nicht problematisch?

 

Saluti cordiali,

Studiosus.

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Findest Du das gut? Oder meinst Du nicht, dass derlei uneindeutige Formulierungen die Weltkirche - zumindest auf praktischer Ebene - spaltet? Und das Problem hierbei: jede Partei kann sich auf den Papst respektive seine offiziellen Dokumente berufen. Ist das nicht problematisch?

Wir schreiben das Jahr 1700. In der Kölner Bucht ziehen die Pferde den Streichpflug durch den fetten Boden um Weizen und Roggen zu säen.

 

1 000 Jahre früher an der Norwegischen Küste: das Zugvieh zieht einen Haken durch den steinigen Grund um Gerste und Hafer anbauen zu können.

 

Seit hunderten von Jahren ziehen in Südostasien Wasserbüffel einfache Haken durch die sumpfigen Becken, die zu Reisfeldern werden.

 

Alle drei Bauern haben ein Ziel: den Anbau von Getreide. Und Gott hat es ihnen möglich gemacht in jeder Gegend mit dem passenden Werkzeug dem vorhandenen Boden ihr Auskommen abzuringen.

 

ABER: Je nach Zeit, Gegend und Umständen erfordert das Leben nunmal unterschiedliche Herangehensweisen. Wenn Rom nun vorschreiben wollte, daß überall auf der Welt nur noch mit von Eseln gezogene Hakenpflüge verwendet werden dürfen werden vielleicht die Bauern im Nahen Osten noch satt - der Rest der Welt bleibt hinter seinen Möglichkeiten nicht nur zurück, in der Gobi würde man damit auch gleich seine Lebensgrundlage zerstören.

 

Warum sollte es mit unseren Beziehungen anders sein?

 

Davon mal abgesehen: unser Kaplan zeterte letztens von der Kanzel gegen die Homoehe in völliger Ignoranz des Wesens der Zivilehe, die mit der christlichen Ehe kaum noch den Namen gemeinsam hat.

Vor diesem Hintergrund finde ich AL schon allein deshalb lachhaft, weil die Thematik derart überbewertet wird.

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Findest Du das gut? Oder meinst Du nicht, dass derlei uneindeutige Formulierungen die Weltkirche - zumindest auf praktischer Ebene - spaltet? Und das Problem hierbei: jede Partei kann sich auf den Papst respektive seine offiziellen Dokumente berufen. Ist das nicht problematisch?

Wir schreiben das Jahr 1700. In der Kölner Bucht ziehen die Pferde den Streichpflug durch den fetten Boden um Weizen und Roggen zu säen.

 

1 000 Jahre früher an der Norwegischen Küste: das Zugvieh zieht einen Haken durch den steinigen Grund um Gerste und Hafer anbauen zu können.

 

Seit hunderten von Jahren ziehen in Südostasien Wasserbüffel einfache Haken durch die sumpfigen Becken, die zu Reisfeldern werden.

 

Alle drei Bauern haben ein Ziel: den Anbau von Getreide. Und Gott hat es ihnen möglich gemacht in jeder Gegend mit dem passenden Werkzeug dem vorhandenen Boden ihr Auskommen abzuringen.

 

ABER: Je nach Zeit, Gegend und Umständen erfordert das Leben nunmal unterschiedliche Herangehensweisen. Wenn Rom nun vorschreiben wollte, daß überall auf der Welt nur noch mit von Eseln gezogene Hakenpflüge verwendet werden dürfen werden vielleicht die Bauern im Nahen Osten noch satt - der Rest der Welt bleibt hinter seinen Möglichkeiten nicht nur zurück, in der Gobi würde man damit auch gleich seine Lebensgrundlage zerstören.

 

Warum sollte es mit unseren Beziehungen anders sein?

 

Davon mal abgesehen: unser Kaplan zeterte letztens von der Kanzel gegen die Homoehe in völliger Ignoranz des Wesens der Zivilehe, die mit der christlichen Ehe kaum noch den Namen gemeinsam hat.

Vor diesem Hintergrund finde ich AL schon allein deshalb lachhaft, weil die Thematik derart überbewertet wird.

Ok, diese Bauerngeschichte ist in meinen Augen die profane Version der Ringparabel von Lessing.

 

Da sehe ich keine Anknüpfungspunkte. Wenn ohnehin alles relativ und situationsbedingt ist. Die Diktatur des Relativismus, wie Papst Emeritus Benedikt XVI. konstatierte, ist hier in vollem Gange.

 

Und mein Beispiel bezog sich nicht auf Amoris Laetitia.

 

Saluti cordiali,

Studiosus.

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der Ringparabel von Lessing.

Die ich noch nie gelesen habe.

 

Da sehe ich keine Anknüpfungspunkte. Wenn ohnehin alles relativ und situationsbedingt ist. Die Diktatur des Relativismus, wie Papst Emeritus Benedikt XVI. konstatierte, ist hier in vollem Gange.

Sorry, aber dieser praktische Relativismus (man könnte es auch einfach die Macht des Faktischen nennen) herrscht in der Kirche seit dem Apostelkonzil.

 

Als Petrus Canisius seinen Katechismus schrieb, notierte er Apostolikum, Dekalog, Vaterunser, die Sakramente und die Seligpreisungen. Die kurze Weisung zum christlichen Leben.

 

Wo allerdings in der kirchlichen Dogmatik die Stigmatisierung von unehelichen Kindern verankert war, habe ich bisher noch nicht erschließen können - und war die Diskriminierung dieser Kinder jahrhundertelang in der "christlichen" Gesellschaft üblich.

 

Als die Franzosen 1798 über das Rheinland und danach über ganz Europa herfielen, fiel die "gottgewollte" Ordnung eines ganzen Kontinents.

 

Das Christentum ist die biegsamste Religion, die ich kenne. Ob Kirchenstaat oder China - Katholik sein, kann man letztlich überall. Da gehört allerdings mehr zu als als zivilrechtlich Wiederverheirater sich der Kommunion zu verweigern.

 

Und mein Beispiel bezog sich nicht auf Amoris Laetitia.

Wieso führst Du das "Paradebeispiel" dann an?
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Wenn ohnehin alles relativ und situationsbedingt ist. Die Diktatur des Relativismus, wie Papst Emeritus Benedikt XVI. konstatierte, ist hier in vollem Gange.
Alles ist relativ, außer Gott.
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Wieso führst Du das "Paradebeispiel" dann an?

Das war im Post zuvor. Im Post von 22:18 auf den Du repliziert hast, schrieb ich:

 

》Was ist daran denn nicht problematisch? Ein Drittel der katholischen Welt liest aus einem Dokument ein Ja. Ein weiteres Drittel interpretiert ein Nein. Das letzte Drittel traut sich weder in die eine noch in die andere Richtung und macht erstmal gar nichts. Soweit nur zur Illustration ohne Bezug auf ein konkretes Dokument.《

 

Ich bin leider zu doof um den letzten Satz "fett" machen zu können. Aber Du siehst ja was ich schrieb.

 

Aber meinetwegen können wir es auch an AL festmachen. Denn dieses Dokument ist tatsächlich mustergültig dafür, wie sich päpstliche Dokumente aufgrund schwammiger Passagen verselbstständigen.

 

Das ist übrigens nicht nur meine Auffassung. Ich bin da in prominenter Gesellschaft (unter anderem von zwei Deutschen).

 

Wenn nach der Lektüre eines päpstlichen Dokuments über die eventuelle Zulassung oder Nichtzulassung wiederverheirateter Geschiedener nur ein "Ja, aber..." oder ein "vielleicht" herauskommt, dann hat besagtes Dokument seinen Zweck verfehlt. Oder aber - und das wage ich nicht zu behaupten - "there's method in the madness" (frei nach Shakespeare).

 

Saluti cordiali,

Studiosus.

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Findest Du das gut? Oder meinst Du nicht, dass derlei uneindeutige Formulierungen die Weltkirche - zumindest auf praktischer Ebene - spaltet? Und das Problem hierbei: jede Partei kann sich auf den Papst respektive seine offiziellen Dokumente berufen. Ist das nicht problematisch?

Wir schreiben das Jahr 1700. In der Kölner Bucht ziehen die Pferde den Streichpflug durch den fetten Boden um Weizen und Roggen zu säen.

 

1 000 Jahre früher an der Norwegischen Küste: das Zugvieh zieht einen Haken durch den steinigen Grund um Gerste und Hafer anbauen zu können.

 

Seit hunderten von Jahren ziehen in Südostasien Wasserbüffel einfache Haken durch die sumpfigen Becken, die zu Reisfeldern werden.

 

Alle drei Bauern haben ein Ziel: den Anbau von Getreide. Und Gott hat es ihnen möglich gemacht in jeder Gegend mit dem passenden Werkzeug dem vorhandenen Boden ihr Auskommen abzuringen.

 

ABER: Je nach Zeit, Gegend und Umständen erfordert das Leben nunmal unterschiedliche Herangehensweisen. Wenn Rom nun vorschreiben wollte, daß überall auf der Welt nur noch mit von Eseln gezogene Hakenpflüge verwendet werden dürfen werden vielleicht die Bauern im Nahen Osten noch satt - der Rest der Welt bleibt hinter seinen Möglichkeiten nicht nur zurück, in der Gobi würde man damit auch gleich seine Lebensgrundlage zerstören.

 

Welchen vernünftigen Grund gibt es dafür, zu behaupten, dass der Ausschluss von Sakramenten bei Ehebruch für Afrikaner und Polen passender sei als für Deutsche und Malteken?

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Ein Drittel der katholischen Welt liest aus einem Dokument ein Ja. Ein weiteres Drittel interpretiert ein Nein. Das letzte Drittel traut sich weder in die eine noch in die andere Richtung und macht erstmal gar nichts. Soweit nur zur Illustration ohne Bezug auf ein konkretes Dokument.《

 

Das Dilemma ergibt sich aus der Divergenz zwischen logischem Wortsinn und allem Anschein nach gemeinter Bedeutung:

 

Wenn man AL wörtlich nimmt, dann will Papst Franziskus keine "neue gesetzliche Regelung kanonischer Art" (AL 300).

Demzufolge müsste Fußnote 355 so zu interpretieren sein, dass "die Hilfe der Sakramente" nur in den Fällen erlaubt ist, in denen sie es bisher auch schon war. Diese wörtliche Deutung macht sich etwa Kardinal Müller zu eigen.

 

Auf der anderen Seite hat Papst Franziskus mehrfach durchblicken lassen, etwa durch das Lob der argentinischen und maltekischen Interpretation, dass er eine weitere Sakramentenöffnung möchte.

 

Ich unterstelle Papst Franziskus, dass er den Spagat absichtlich in die Welt gesetzt hat, weil er der Überzeugung ist, dass durch das "Interpretieren, wie jeder mag" eine Spaltung in der Kirche vermieden wird, weil sich ja jeder auf seine Weise als gehorsam empfindet.

 

Die Verwirrung nimmt er in Kauf, weil er überzeugt ist, dass sich langfristig die von ihm gewollte Interpretation durchsetzen wird.

 

 

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Wenn man AL wörtlich nimmt, dann will Papst Franziskus keine "neue gesetzliche Regelung kanonischer Art" (AL 300).

Demzufolge müsste Fußnote 355 so zu interpretieren sein, dass "die Hilfe der Sakramente" nur in den Fällen erlaubt ist, in denen sie es bisher auch schon war. Diese wörtliche Deutung macht sich etwa Kardinal Müller zu eigen.

Und diese Auslegung halte ich auch für orthodox.

 

Die Verwirrung nimmt er in Kauf, weil er überzeugt ist, dass sich langfristig die von ihm gewollte Interpretation durchsetzen wird.

 

Dazu erlaube ich mir diskret zu schweigen.

 

Saluti cordiali,

Studiosus.

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Wenn man AL wörtlich nimmt, dann will Papst Franziskus keine "neue gesetzliche Regelung kanonischer Art" (AL 300).

Demzufolge müsste Fußnote 355 so zu interpretieren sein, dass "die Hilfe der Sakramente" nur in den Fällen erlaubt ist, in denen sie es bisher auch schon war. Diese wörtliche Deutung macht sich etwa Kardinal Müller zu eigen.

Und diese Auslegung halte ich auch für orthodox.

 

Die Verwirrung nimmt er in Kauf, weil er überzeugt ist, dass sich langfristig die von ihm gewollte Interpretation durchsetzen wird.

Dazu erlaube ich mir diskret zu schweigen.

Na dann kann es mit deiner Katholizität ja nicht so weit her sein.

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Na dann kann es mit deiner Katholizität ja nicht so weit her sein.

Warum?

 

Weil ich mich der Interpretation des Präfekten der Glaubenskongregation (sic!) anschließe?

 

Oder weil ich zur These eines Mitforanten keinen Kommentar abgebe?

 

Oder wegen beiden Dingen?

 

 

Saluti cordiali,

Studiosus.

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Na dann kann es mit deiner Katholizität ja nicht so weit her sein.

Warum?

 

Weil ich mich der Interpretation des Präfekten der Glaubenskongregation (sic!) anschließe?

 

Oder weil ich zur These eines Mitforanten keinen Kommentar abgebe?

 

Oder wegen beiden Dingen?

 

Würde der Papst weiter gegen Verhütungsmittel und die Zivilehe wettern, würdest Du Konfettiraketen abschießen. Jetzt tut er das nicht und Du - und ähnlich strukturierte Geister wie übrigens auch GeLuMü - halten sich für Katholischer als den Papst, jammern aber rum.

 

Als ob der Papst nur von Gnaden der Konservativen Papst wäre.

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Jetzt tut er das nicht und Du - und ähnlich strukturierte Geister wie übrigens auch GeLuMü - halten sich für Katholischer als den Papst, jammern aber rum.

 

Jetzt wüsste ich zwar nicht wann Kardinal Müller rumgejammert hätte. Grund dazu hätte er jedenfalls.

 

Das Amt des Präfekten der Glaubenskongregation könnte ein entspannter Schreibtischjob mit hohem Prestige sein. Aber da sein irdischer Vorgesetzter mit zweideutigen Äußerungen und Schreiben geradezu um sich wirft ist Müller mehr damit beschäftigt den Papst zu interpretieren als Häretiker zurechtzuweisen. Ob das Sinn der Sache ist?

 

Saluti cordiali,

Studiosus.

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Alles ist relativ, außer Gott.

 

bist Du Dir da wirklich sicher?

bearbeitet von Petrus
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zweideutigen Äußerungen

ich vermute, Du meintest "mehrdeutig".

 

"zweideutig" meint etwas anderes - was ich hier, da wir uns im katholischen Bereich dieses Forums befinden, nicht näher ausführen möchte.

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Jetzt tut er das nicht und Du - und ähnlich strukturierte Geister wie übrigens auch GeLuMü - halten sich für Katholischer als den Papst, jammern aber rum.

Jetzt wüsste ich zwar nicht wann Kardinal Müller rumgejammert hätte. Grund dazu hätte er jedenfalls.

Das Amt des Präfekten der Glaubenskongregation könnte ein entspannter Schreibtischjob mit hohem Prestige sein. Aber da sein irdischer Vorgesetzter mit zweideutigen Äußerungen und Schreiben geradezu um sich wirft ist Müller mehr damit beschäftigt den Papst zu interpretieren als Häretiker zurechtzuweisen. Ob das Sinn der Sache ist?.

Natürlich das Sinn der Sache. Zum einen hat man einen Job in der Kurie nicht aus Prestige. In der Regel scheint es eher so zu sein, daß die Kandidaten klerikale Fehlgriffe waren. Siehe auch Burke.

 

Zum anderen hat ein Job etwas mit Arbeit zu tun. Zu jammern, daß der Schreibtisch voll sei, ist gelinde gesagt affig. Wäre er leer, könnte man die Stelle streichen. Durch die intensive Beschäftigung mit den Aussagen des Papstes, lernt Eminenz vielleicht auch noch was und findet zur Metanoia.

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Ein Drittel der katholischen Welt liest aus einem Dokument ein Ja. Ein weiteres Drittel interpretiert ein Nein. Das letzte Drittel traut sich weder in die eine noch in die andere Richtung und macht erstmal gar nichts. Soweit nur zur Illustration ohne Bezug auf ein konkretes Dokument.《

 

Das Dilemma ergibt sich aus der Divergenz zwischen logischem Wortsinn und allem Anschein nach gemeinter Bedeutung:

 

Wenn man AL wörtlich nimmt, dann will Papst Franziskus keine "neue gesetzliche Regelung kanonischer Art" (AL 300).

Demzufolge müsste Fußnote 355 so zu interpretieren sein, dass "die Hilfe der Sakramente" nur in den Fällen erlaubt ist, in denen sie es bisher auch schon war. Diese wörtliche Deutung macht sich etwa Kardinal Müller zu eigen.

 

Auf der anderen Seite hat Papst Franziskus mehrfach durchblicken lassen, etwa durch das Lob der argentinischen und maltekischen Interpretation, dass er eine weitere Sakramentenöffnung möchte.

 

Ich unterstelle Papst Franziskus, dass er den Spagat absichtlich in die Welt gesetzt hat, weil er der Überzeugung ist, dass durch das "Interpretieren, wie jeder mag" eine Spaltung in der Kirche vermieden wird, weil sich ja jeder auf seine Weise als gehorsam empfindet.

 

Die Verwirrung nimmt er in Kauf, weil er überzeugt ist, dass sich langfristig die von ihm gewollte Interpretation durchsetzen wird.

Die amtliche Interpretation der kirchlichen Disziplin seid 1983 (und nur um die geht es hier) in Bezug auf c. 915 CIC schien relativ klar: Wenn ein Priester weiß, dass der, der an der Kommunionbank ansteht, in einer irregulären Ehesituation lebt, dann darf er die Eucharistie nicht spenden und muss den Sünder wegschicken. Es war eine sehr klare, sehr einfache und lehramtlich mehrfach bestätigte Auffassung, dass wiederverheiratete Geschiedene in offenkundiger (weil wiederverheiratet) schwerer Sünde leben. Und dann ist das Gesetz eindeutig! Die Sünder hernach (oder auch zuvor) an die Seite zu nehmen und sie auf die disziplinarischen Bestimmungen hinzuweisen, die Frage, ob sie hinzutreten oder nicht jedoch deren Gewissen zu überlassen war keine Option in dieser Auslegung - es war ein klares und deutliches NEIN, das der Spender zu sagen hatte.

 

Mit dieser Auslegung war schon Johannes Paul II. nicht ganz glücklich, die Betonung in Familiaris consortio, man müsse bei der Zulassung unter den bekannten Bedingungen (Trennung aus Gründen des Wohls dritter unmöglich + sexuelle Enthaltsamkeit) jeden Skandal vermeiden, heißt jedoch, dass man die Betroffenen keineswegs in der Heimatgemeinde zur Eucharistie zulassen dürfe. Der Priester kann erlauben, dass sie dort zur Kommunion gehen, wo sie keiner kennt. Daheim, wo man sie kennt und um ihre Lage weiß, bleibt es beim verpflichtenden NEIN.

 

Die Lage schien klar und eindeutig, der Jurist kann zufrieden nach Hause gehen, der Bischof sich im Wissen um das eigene Bemühen um die Heiligkeit von Ehe und Eucharistie zurücklehnen, den schwarzen Peter haben die Pfarrer, die konkret NEIN sagen und damit den Menschen am Ort vor den Kopf stoßen müssen. Tun sie es nicht, spenden sie die Eucharistie doch, dann kann der Jurist darauf verweisen, dass 915 nicht strafbewehrt sei und ad hoc bestenfalls ein bischöfliches Handeln nach 1399 in Frage komme, alternativ kann man den unbotmäßigen Priester auch verwarnen und ihm ein Strafdekret androhen, wenn er das wieder tut. Er formuliert also:

 

Sehr geehrter Herr Pfarrer Huber,

glaubwürdigen Aussagen zufolge spenden sie die Eucharistie den in ihrer Pfarrei wohnenden Hans und Hilde Müller. Hans Müller und Hilde Müller geschiedene Schmidt geborene Maier leben in einer irregulären Ehesituation. Dies ist ihnen und der Gemeinde nach ihren eigenen Aussagen bekannt. Ich erinnere Sie nachdrücklich an die Bestimmung des c. 915 CIC und fordere sie auf, ihr widerrechtliches Tun einzustellen.

Sollten sie dieser Ermahnung keine Folge leisten, werde ich ihr Gehalt um 1.500,00€ monatlich zu kürzen, bei weiteren Zuwiederhandlungen sähe eich mich gezwungen, sie als Pfarrer des Amtes zu entheben.

Mit freundlichen Grüßen

 

Damit geht der Jurist zufrieden nach Hause und lässt den schwarzen Peter nun beim Bischof, der entscheiden muss, ob er das unterschreiben mag.

 

Mir ist nun kein Fall bekannt, in dem ein Bischof ein solches Dekret unterschreiben hätte. Mir ist umgekehrt auch kein Fall bekannt, in dem ein Priester NEIN gesagt hätte. Das deutet darauf hin, dass die Verwirrung schon viel länger besteht als es AL gibt oder auch nur seid Franziskus im Amt ist. Alles, was AL macht und was weiten Teilen der Bischofssynode ein anliegen war, ist es, die disziplinäre Lehre der Kirche ihrer lange geübten Praxis anzupassen.

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ist Müller mehr damit beschäftigt den Papst zu interpretieren als Häretiker zurechtzuweisen. Ob das Sinn der Sache ist?

Da schon Gott sich nicht so ausdrücken kann, dass es ohne Interpretation verständlich ist, warum sollte der Papst dazzu in der Lage sein?

 

Werner

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Das deutet darauf hin, dass die Verwirrung schon viel länger besteht als es AL gibt oder auch nur seid Franziskus im Amt ist.

Aber mit AL wurde es öffentlich bekannt gemacht.

Bekanntlich ist in der Kirche jeder Skandal in Ordnung, solange er unter der Decke bleibt.

 

Werner

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Wenn dieser Satz von Vinzenz von Lérins so gelten soll (mit dem "immer von allen geglaubt"), dann hätte es nie auch nur ein Konzil gebraucht. Schon Markion und Arius beweisen das Gegenteil und meines Wissens nach ist kein Konzilsdokument jemals einstimmig verabschiedet worden.

 

Das Lehramt lehrt das, was es zu wissen glaubt - und über den Rest sagt es nichts. "Dominus Iesus" ist recht eindeutig, über die Autorenschaft der Evangelien bspw. sagt es nichts.

 

Das Problem ist nicht das Lehramt, sondern daß es Gläubige gibt, die ihm nicht folgen wollen, weil sie es besser zu wissen meinen.

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Das Problem ist, dass man Glauben nicht vorschreiben kann.

Jeder glaubt genau das, was er glauben möchte.

Ausnahme sind Dinge, die einem gleichgültig sind. Da kann man ehrlichen Herzens sagen "Na gut, dann will ich das halt auch noch glauben"

 

Werner

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Wenn man AL wörtlich nimmt, dann will Papst Franziskus keine "neue gesetzliche Regelung kanonischer Art" (AL 300).

Demzufolge müsste Fußnote 355 so zu interpretieren sein, dass "die Hilfe der Sakramente" nur in den Fällen erlaubt ist, in denen sie es bisher auch schon war. Diese wörtliche Deutung macht sich etwa Kardinal Müller zu eigen.

Und diese Auslegung halte ich auch für orthodox.

 

Die Verwirrung nimmt er in Kauf, weil er überzeugt ist, dass sich langfristig die von ihm gewollte Interpretation durchsetzen wird.

Dazu erlaube ich mir diskret zu schweigen.

Na dann kann es mit deiner Katholizität ja nicht so weit her sein.

 

 

Cool - jetzt wird Katholiken schon die Katholizität abgesprochen! Das kenne ich eher aus anderen Foren!

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Das Problem ist nicht das Lehramt, sondern daß es Gläubige gibt, die ihm nicht folgen wollen, weil sie es besser zu wissen meinen.

 

Zum Beispiel die FSSPX.

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Jetzt tut er das nicht und Du - und ähnlich strukturierte Geister wie übrigens auch GeLuMü - halten sich für Katholischer als den Papst, jammern aber rum.

Jetzt wüsste ich zwar nicht wann Kardinal Müller rumgejammert hätte. Grund dazu hätte er jedenfalls.

Das Amt des Präfekten der Glaubenskongregation könnte ein entspannter Schreibtischjob mit hohem Prestige sein. Aber da sein irdischer Vorgesetzter mit zweideutigen Äußerungen und Schreiben geradezu um sich wirft ist Müller mehr damit beschäftigt den Papst zu interpretieren als Häretiker zurechtzuweisen. Ob das Sinn der Sache ist?.

Natürlich das Sinn der Sache. Zum einen hat man einen Job in der Kurie nicht aus Prestige. In der Regel scheint es eher so zu sein, daß die Kandidaten klerikale Fehlgriffe waren. Siehe auch Burke.

 

Oh, jetzt kritisierst Du auch noch den Papst (der GeLuMü bekanntlich bestätigt hat) - ob das so katholisch ist?

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Das Problem ist nicht das Lehramt, sondern daß es Gläubige gibt, die ihm nicht folgen wollen, weil sie es besser zu wissen meinen.

 

Zum Beispiel die FSSPX.

 

 

Die auch.

 

Und all die Christen, ob organisiert oder nicht, die "Dominus Iesus" ablehnen, oder "Humanae Vitae" oder "Veritatis Splendor" etc.

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