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nannyogg57

Wahrheit und Wirklichkeit in Wissenschaft, Religion und Philosophie

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Long John Silver
vor 11 Stunden schrieb Marcellinus:

@Aristippos

Könnte es sein, daß du dich jetzt einfach vergaloppierst?

 

 

Soweit ich verstand, ging es jetzt darum , was Fortschritt bedeutet. Fortschritt wird vielfach assoziert mit etwas grundlegend positivem, zur Erkenntnis weiter fuehrenden, an dessen Ende die voellige Klarheit und Wahrheit steht. Fortschritt ist allerdings nur die Bezeichnung fuer eine bestimmte Bewegung, nicht fuer  eine Qualitaet der Bewegung. Jeder "Fortschritt" hat eklatante  Auswirkungen,   im Grund ist es kein Vorwaerts, sondern ein Strudel mit Auswirkungen positiver und negativer Art.  Gleichzeitig mit der Wissenschaftsglaeubigkeit mancher Leute gibt es auch eine Fortschrittglaeubigkeit, die annimmt, es gaebe  da ein Ziel, Wahrheit genannt.  Da vermengt sich die falsche Vorstellung von dem, was Fortschritt  bedeutet, ist mit der falschen Vorstellung, was Wissenschaft leisten koenne oder solle. 

 

Deshalb ist der Hinweis auf die  Genschere und die neueren Erkenntnisse richtig, denn das ist nur ein Beispiel dafuer, wie Fortschritt funktioniert, naemlich weder gradlinig noch grundlegend positiv noch an sich wertvoll. Es ist nicht wertvoll, dass wir weiter marschieren,oder wir uns einbilden, es gaebe da ein Ziel, es ist einfach nur die einzige Art, wie  wir uns fortbewegen koennen,  wir koennen nicht anders, als forschen und probieren und erkunden wollen.  Eine Qualitaet in sich selbst  ist das nicht, und im Moment ist es eher eine Frage der konfusen Quantitaeten, also eine eher wirre Ansammlung von Wissen und Informationen. 

 

Ich denke also, dass sowohl der Begriff Fortschritt wie auch der Begriff Wahrheit voellig ueberladen ist mit Illusionen und philosophischem Ueberbau. Die Vorstellung von "besser" impliziert immer, dass das andere "schlechter" gewesen sein muesse,  tatsasechlich ist es aber eine Frage von "anders". Die Welt wird nicht" besser " durch irgendeinen Fortschritt oder Erkennntnisse, sie wird einfach "anders".  Der Baum der Erkenntnisse geht nicht konsequent in die Hoehe, sondern veraestelt sich in der Breite und nach unten (in dieser Form wird inzwischen auch teilweise auch in der Evolutionsbiologie die Abstammungen skizziert, weil es mehr Sinn macht). 

 

 

 

 

 

 

Edited by Long John Silver

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rince

Dass "Fortschritt" bei wissenschaftlicher Erkenntnis nicht gleichbedeutend ist mit zivilisatorischem Fortschritt, oder dass man deswegen gar in der Lage wäre, die Probleme der Welt besser zu lösen, ist für mich eine triviale Erkenntnis.

 

"Fortschritt" bedeutet in dieser Diskussion für mich wirklich nur isoliert den Fortschritt bei der Verbesserung von wissenschaftlichen Theorien und Modellen.

 

Im Besten fall kann man als Konsequenz dieses Fortschrittes Krankheiten heilen, im schlimmsten Fall neue Massenvernichtungswaffen herstellen, manchmal kann man vielleicht neue Galaxien entdecken, wovon aber auch kein Problem auf diesem Planeten gelöst wird. Aber das ist dann eine andere Baustelle...

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Beutelschneider
vor 12 Stunden schrieb rince:

Ich hoffe, du bist nicht enttäuscht... Aber die Erde ist keine Kugel, sondern ein abgeflachtes Rotationsellipsoid

auch nicht :D

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Mistah Kurtz

In der Diskussion werden zu viele Begriffe durcheinander geworfen und in allen möglichen Bedeutungsvarianten verwendet. 

 

Wahrheit in Bezug auf die Wissenschaften meint ihr mehr oder minder gelungener Versuch die Realitäten unseres Universums abzubilden. Etwas ist wahr, wenn es in Übereinstimmung mit der Realität steht. Die gesamte Realität vollständig wahr abzubilden, ist  nicht möglich. Wir können uns diesem Ziel, einer Asymptote gleich, nur beständig annähern, ohne es je gänzlich zu erreichen. 

 

Um ein Beispiel zu bringen, was ich meine: Rince meinte weiter oben, es sei die Erde "keine Kugel, sondern ein abgeflachtes Rotationsellipsoid". Das ist zur Annahme, die Erde sei eine Kugel, ein Schritt in Richtung auf die Abbildung der Realität. Nur ist es nicht die Realität. Die Erde ist weder Kugel, noch ein abgeflachtes Rotationsellipsoid, am ehesten könnte man sie als kartoffelförmig bezeichnen. Vielleicht hat ja der eine oder andere von euch schon von der "Potsdamer Kartoffel" gehört? Auch das ist nicht eine genaue Abbildung der Realität, ist also auch nur eine Annäherung an die "Wahrheit", nichts desto trotz ein Fortschritt: von der Scheibe zur Kugel zum Rotationsellipsoid zur Kartoffel. 

 

Mir kommt bei dieser Quest der Wissenschaft "wahr" zu sein eine Geschichte des Fremdenführers Gigi in Michael Endes Roman "Momo" in den Sinn. Gigi erzählt vom  Tyrannen Marxentius Communus, der befahl ein Modell der Erde herzustellen, das in einem Maßstab von 1:1 vollständig alles und völlig naturgetreu enthalten sollte, was auf der Erde zu finden ist. Bei Erstellung des 1:1 Modells der Erde wurde die reale Erde völlig aufgebraucht, so dass am Ende die Abbildung zwar vollkommen gleich zur Realität war, die Realität aber aufgehört hatte zu existieren. 

 

Und so meine ich, dass wir zwar in den Wissenschaften nach einer adäquaten Beschreibung der Wahrheit - der Realität des Universums - streben können, unsere Beschreibungen aber eben stets nur das sein können: adäquat, also eine praktikable Annäherung.

 

Die Wahrheit aber wird für immer irgendwo da draußen sein. Und wir für immer hier, beim Adäquaten, dem verkleinerten Modell.

Edited by Mistah Kurtz

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Long John Silver
vor 1 Stunde schrieb rince:

Dass "Fortschritt" bei wissenschaftlicher Erkenntnis nicht gleichbedeutend ist mit zivilisatorischem Fortschritt, oder dass man deswegen gar in der Lage wäre, die Probleme der Welt besser zu lösen, ist für mich eine triviale Erkenntnis.

 

 

Das meinte ich nicht, aber sei's drum.

 

 

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rince

Macht nichts, manchmal missversteht man sich halt...

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