Jump to content
Long John Silver

Heiligung des Lebens

Recommended Posts

duesi

Ist ja auch nicht so, dass ich grundsätzlich was gegen den Brauch eines schwarzen Brautkleids hätte. Doch Hochzeiten sollten als Freudenfest gefeiert werden.:-)

Share this post


Link to post
Share on other sites
Flo77
vor 4 Stunden schrieb Werner001:

Meine katholischen Großmütter haben auch in schwarzen Kleidern geheiratet, das war damals so üblich.

Meine katholischen Großmütter haben in weiß geheiratet. Und mindestens eine Urgroßmutter in schwarz (von den anderen dreien wüsste ich nicht, daß es noch Hochzeitsbilder gäbe).

 

Was 10 Jahre für einen Unterschied machen können. 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Merkur
Am 20.1.2019 um 17:40 schrieb Long John Silver:

PS: Ich wuesste nicht, wie ich das ganze im Tango-Club umsetzen sollte :-)). ...

Geht aber. Nur Basse tanzen und auf Ganchos o.ä. verzichten!

Share this post


Link to post
Share on other sites
mn1217
vor 7 Stunden schrieb duesi:

Ist ja auch nicht so, dass ich grundsätzlich was gegen den Brauch eines schwarzen Brautkleids hätte. Doch Hochzeiten sollten als Freudenfest gefeiert werden.:-)

Was allerdings nicht von der Farbe des Kleides beeinflusst wird. Wenn jemand blau mag oder pink, bitte...

Share this post


Link to post
Share on other sites
mn1217

 

Ich weiß gar nicht, ob ich mein Leben heilige.

Aber ich finde auch, dass sinnliche Erfahrungen genossen werden dürfen.

 

Und ich hatte tatsächlich ein Schlüsselerlebnis im Hörsaal: Biochemie-Vorlesung. Also total naturwissenschaftlich. Und es ging um die komplexen Vorgänge im Körper und wie alles zusammen hängt. Und ich hatte so eine Art " wow, das ist alle so gut aufeinander abgestimmt" Flash. Schwer zu beschreiben.

 

 Und weil das so ist, sehe ich für mich da eine Verantwortung, darauf aufzupassen ,aber auch, Dinge zu genießen. Wenn zB etwas Gut schmeckt, will ich das erleben. Dafür habe ich Geschmacks- und Geruchssinn.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Julius
vor 9 Stunden schrieb duesi:

Ist ja auch nicht so, dass ich grundsätzlich was gegen den Brauch eines schwarzen Brautkleids hätte. Doch Hochzeiten sollten als Freudenfest gefeiert werden.🙂

 

Als ob das mit der Farbe des Brautkleides zu tun hätte (es gibt Gesellschaften, in denen weiss eine Trauerfarbe ist). Meine Großmutter, Großstädterin, hat 1914 in Weiss geheiratet - in Städten wie Zürich hatte sich die von Queen Victoria kreierte Brautmode rasch durchgesetzt. Damit hat sie damals auf dem Dorf großes Aufsehen verursacht, für manche mag es sogar ein Skandal gewesen sein. Die angestammte Brautmode - wo keine Trachten getragen wurden: schwarzseidenes Brautkleid/weisser Schleier - hat sich in den ländlichen Regionen Südwestdeutschlands noch bis zum Zweiten Weltkrieg und unmittelbar danach gehalten (ich habe eine Kiste voll Hochzeitsphotos aus jenen Jahren). Als sich ganz leise das aufkeimende Wirtschaftswunder abzuzeichnen begann, hat sich weiss vollends durchgesetzt, jetzt mochten sich die Menschen so was leisten. Irgendwelche religiösen Deutungen wie Du sie für die Mennoniten vorgetragen hast, haben da keinerlei Rolle gespielt, in katholischen Landen (hier Löffingen im Schwarzwald, 1939) waren Hochzeiten immer Freudenfeste, an denen man es sich und den Gästen gut gehen ließ.

(OT: Anhand der historischen Entwicklung der Trachten im südwestdeutschen Raum lässt sich übrigens nachverfolgen, wie nach der Reformation und vor allem mit dem Umsichgreifen des Pietismus die bunten, Lebensfreude signalisierende Farben nach und nach aus der Festtagskleidung verschwanden und durch gedeckte, triste Farben abgelöst wurden. Je frömmer und sittenstrenger sich das Volk gab, umso freudloser gebärdete es sich auch und umso deutlicher drückte sich diese zur Schau getragene Freudlosigkeit auch in der Festtagskleidung aus).

 

Edited by Julius

Share this post


Link to post
Share on other sites
rorro
Am 20.1.2019 um 09:46 schrieb Long John Silver:

Was meint ihr - auf welche Ebene in eurem Leben wuerdet ihr den Begriff Heiligung des Lebens anwenden?

 

Für mich bedeutet Heiligung des Lebens die Erwiderung der Liebe, mit der Gott mich schon im Mutterleib angenommen hatte. Mit all den persönlichen Unzulänglichkeiten, die mich daran hindern - gute Ausrede, nicht wahr? - diese Antwort zu leben. Dabei gilt es eben, diese Unzulänglichkeiten nicht schicksalhaft hinzunehmen, sondern anzunehmen und umzuwandeln in Quellen statt Hindernisse.

 

Soweit das Pastoral-Sprech. Aber ganz ehrlich: ich bin bei der Sache ein Versager auf ganzer Linie.

Share this post


Link to post
Share on other sites
theresa???

"Heiligung des Lebens" wäre ein Begriff, den ich so von mir aus nicht in den Mund nehmen würde, das ist mir irgendwie eine Hausnummer zu groß. Und wenn ich den höre, dann denke ich Gott als Subjekt, er ist der, der heiligt, weil er der Heilige ist. Dass ich mich/ mein Leben heiligen könnte, ist mir irgendwie ein sehr fremder Gedanke.

Meine Aufgabe dabei ist, mich darauf einzulassen und dem zuzustimmen, mich quasi in den Heiligungswillen Gottes "hineinzulegen". Wobei ich glaube ich, wenn ich überhaupt davon spreche, was ich generell schwierig finde, eher so was sagen würde wie "auf Gott hin sein".

Naja, und dass das ein Weg a la zwei Schritte vor einen zurück ist und ich oft genug stolpere, falle, stehen bleibe, mich verirre ..., das brauche ich wohl nicht dazu zu sagen.

Aber da ist ja trotzdem das Wissen, dass Er auch dann da ist und mich trägt. Selbst wenn ich mich in die Finsternis begebe, auch die Finsternis ist für ihn nicht finster, er kann auch sie zum Leuchten bringen wie Licht.

 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Merkur

Ist Heiligung etwas anderes als Optimierung?

Share this post


Link to post
Share on other sites
Chrysologus
vor 20 Minuten schrieb Merkur:

Ist Heiligung etwas anderes als Optimierung?

Optimierung auf ein bestimmtes Ziel hin.

Share this post


Link to post
Share on other sites
rorro
vor 29 Minuten schrieb Merkur:

Ist Heiligung etwas anderes als Optimierung?

 

Ja, weil Heilung bedeutet dem Wirken Gottes nicht im Weg zu stehen. Optimierung kommt ohne Ihn aus.

Share this post


Link to post
Share on other sites
mn1217
vor einer Stunde schrieb Merkur:

Ist Heiligung etwas anderes als Optimierung?

Ja. Optimierung klingt so nach immer höher, weiter, besser.

Heiligung geht auch bei suboptimalem Status. Wie viele Heilige beweisen.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Merkur
vor einer Stunde schrieb rorro:

 

Ja, weil Heilung bedeutet dem Wirken Gottes nicht im Weg zu stehen. Optimierung kommt ohne Ihn aus.

Verstehe ich nicht.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Merkur
vor 36 Minuten schrieb mn1217:

Ja. Optimierung klingt so nach immer höher, weiter, besser.

Heiligung geht auch bei suboptimalem Status. Wie viele Heilige beweisen.

Könntest du ein Beispiel für einen suboptimalen Heiligen nennen?

Share this post


Link to post
Share on other sites
mn1217

Naja,fast alle. Waren ja auch nur Menschen.u

Share this post


Link to post
Share on other sites
Merkur
vor 7 Minuten schrieb mn1217:

Naja,fast alle. Waren ja auch nur Menschen.u

Dann hat Heiligung also nichts mit Streben nach irgendetwas zu tun? Was ist es dann?

Share this post


Link to post
Share on other sites
mn1217

Hm, vielleicht  ist das wieder so eine Sache, dass ja jeder Begriffe anders besetzt.

Die hier erwähnte Optimierung  hat für mich was von  "schneller, höher, weiter, besser". Von " passt das Brautkleid farblich zur Tischdecke"(Das war von der Fragerin auch ernst gemeint ).

Aber das brauchen wir doch gar  nicht. Wir können darauf vertrauen,  dass wir auch ohne Karriere,  mit 10 kg Übergewicht Gottes geliebte Kinder sind.

Das Streben ist dann vielleicht  eher, so zu leben, wie Gott es für mich vorgesehen hat.

 

Edited by mn1217

Share this post


Link to post
Share on other sites
rorro
vor 14 Stunden schrieb Merkur:

Dann hat Heiligung also nichts mit Streben nach irgendetwas zu tun?

 

Doch.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Merkur
vor 6 Stunden schrieb rorro:

 

Doch.

Ein mit geradezu westfälischer Eloquenz vorgetragenes Argument. Kommst du nicht aus Düsseldorf? (SCNR)

Share this post


Link to post
Share on other sites
Lothar1962
vor 21 Minuten schrieb Merkur:

Ein mit geradezu westfälischer Eloquenz vorgetragenes Argument. Kommst du nicht aus Düsseldorf? (SCNR)

 

"Non".

"Si".

"Oh".

Share this post


Link to post
Share on other sites
rorro
vor einer Stunde schrieb Merkur:

Ein mit geradezu westfälischer Eloquenz vorgetragenes Argument. Kommst du nicht aus Düsseldorf? (SCNR)

 

Ja.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Long John Silver
Am 22.1.2019 um 10:53 schrieb Merkur:

Geht aber. Nur Basse tanzen und auf Ganchos o.ä. verzichten!

 

Das wird die Partnerin sicher begeistern 😁

 

 

 

 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Ennasus
Am 20.1.2019 um 09:46 schrieb Long John Silver:

Hi, allerseits,

 

mir geht dieser Begriff, welchen Duesi die letzte Zeit mehrmals erwaehnte, die letzten Tage durch den Sinn. Ich schrieb sinngemaess dazu, dass ich solche Begriffe nicht wirklich mit Leben fuellen koenne. Ich merkte dann, dass ich eigentlich im Ansatz gar nicht weiss, was genau ich oder andere alles darunter verstehen.koennten. Deshalb wollte ich gern heraus finden, was andere damit verbinden. Ich beabsichtige keine theologische Diskussion oder das Studieren von Hirtenbriefen, Konzilsdokumenten oder dem Katechismus, mich interessiert der Alltag und die Praxis und was individuell mit einem solchen Begriff verbunden wird. 

 

Ich fang mal an:

 

Zuerst denke ich an "Ihr sollt heilig sein, denn auch Ich bin heilig."

Dann denke ich eine Verbindung von Heilig mit dem Wort heilen, Heil, heilmachen.

Dann denke ich an etwas Sakrales, aus dem Profanen heraus genommen, ein heiliger Gegenstand, eine heilige Staette.

Dann denke ich ans Kartoffelschaelen und Gartenarbeit und das Striegeln von Hunden und Katzen. (Nirgends fuehle ich mich Gott naeher als wenn ich in die Augen meiner/von Tiere sehe oder sie beobachte. Das ist wie eine direkte Botschaft. Etwas OT, aber im Internet gibt es ein Video aus Hawai, als erfahrene Hai-Taucher mit einem riesigen weissen Hai schwimmen, der von zwei Delpinen eskortiert wird).

 

Was meint ihr - auf welche Ebene in eurem Leben wuerdet ihr den Begriff Heiligung des Lebens anwenden?

 


Für mich ist "heilig" ein Wort für eine bestimmte Art und Weise in Beziehung zu stehen, es ist eine Beziehungsqualität - was du schreibst, passt genau dazu.

Ich habe mich vor einiger Zeit länger mit der Frage, was "heilig" ist und was es für mich bedeutet, auseinander gesetzt, im Zusammenhang mit der Berufungsgeschichte des Jesaia (Jes 6,1-8). Ich übernehme - weil du danach fragst - einiges aus meinen damaligen Notizen hierher. Du hast zwar für mein Verstehen eigentlich eh schon alles Wichtige geschrieben. Meines ist halt eine gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema anhand dieser Bibelstelle. Vielleicht ist ja der eine oder andere Gedanke trotzdem noch brauchbar?

In dem Wort "heilig" steckt so viel, es hat Spannung und Sprengkraft. Das hebräische „qadosch“ hat einen mächtigen Wortstamm mit unzähligen Abwandlungsformen, es prägt die Bewusstseinslandschaft des Alten Testaments. Seine Wortwurzel ist eindeutig: sie heißt einfach "heilig". Sonst gar nichts.

Trotzdem kommt bei fast jedem Übersetzungs- und Erklärungsversuch immer sofort dazu, dass dieses  „heilig“ neben „mächtig, kundig, voller Heil“ immer auch ein Hinweis auf das ganz Andere ist, das Abgesonderte, das Geheimnis, das Unerreichbare. Zum Erleben der Qualität  „heilig“ gehört offensichtlich der „heiligen Schauer“ dazu:
"Plötzlich löste sich die Stimmenverwirrung und – ein feierlicher Schreck fährt durch die Glieder – einheitlich, klar und unmissverständlich hebt es an: Qadosch Qadosch Qadosch Elohim Adonai Zebaoth Male'u haschamajim wa-ha'arez kebodo (Heilig Heilig Heilig ist Gott, der Herr der Heerscharen! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll). Ich habe das Sanctus Sanctus Sanctus von den Kardinälen in St. Peter und das Swiat Swiat Swiat in der Kathedrale des Kreml und das Hagios Hagios Hagios vom Patriarchen in Jerusalem gehört. In welcher Sprache immer sie erklingen, diese erhabensten Worte, die je von Menschenlippen gekommen sind, immer greifen sie in die tiefsten Gründe der Seele, aufregend und rührend mit mächtigem Schauer das Geheimnis des Unendlichen, das dort unten schläft."  So beschreibt Rudolph Otto sein Erleben beim Besuch einer kleinen Synagoge in Marokko (Otto, Rudolf: Vom Wege. In: Die christliche Welt 25 (1911). S 709.)
Dieses Erschauern trifft, sprengt auf und verwandelt. Es bleibt nicht bei der überwältigenden Anschauung, sondern angesichts der Größe des Geheimnisses wird die eigene Kleinheit und Unvollkommenheit so überdeutlich, dass Menschen erst einmal ganz klein werden, aufgeben, sich aufgeben. Auch Jesaia tut das, als die Seraphim ihr "Heilig, heilig, heilig" singen: Er schaut und erfasst, wie gewaltig das ist, was er sieht, wie viel Kraft und Brennen und Intensität da ist (die Seraphim, die den Thron Gottes umgeben, und deren Ruf alles zum Erbeben bringt, heißen ja eigentlich: „die Brennenden, die Feurigen“) und er erschrickt schrecklich „Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.“

Ich glaube, das ist ganz oft das Erste, was mit "heilig" verbunden wird: Es ist so etwas Großes und Gewaltiges, dass „heilig“ manchmal fast gleichbedeutend mit „tabu“ ist. Es ist fern, unnahbar, unberührbar. Wer das Tabu auch nur ansieht, entweiht es oder nimmt selbst Schaden davon. Das Heilige wird darum auf einen Sockel gestellt und angebetet, man darf es nicht berühren und ihm – wenn überhaupt - nur mit sehr demütiger Haltung nahe kommen.
Und ich glaube, das ist auch richtig: In der Berufungsgeschichte des Jesaia kommt noch jemand vor, der sich dem Heiligsten genaht hat: Es wird erwähnt, dass seine Berufung erfolgt in dem Jahr, als König  Usija stirbt. Das steht sicher nicht zufällig da. Usija war ein sehr gottesfürchtiger, guter König – und doch musste er die letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod aussätzig und abgesondert verbringen. Er war vom Aussatz befallen worden, als – wie es im Buch der Chronik heißt " sein Herz übermütig geworden war und er verkehrt handelte. Er wurde dem Herrn, seinem Gott, untreu und drang in den Tempel des Herrn ein, um auf dem Rauchopferaltar zu opfern." Eine Handlung, die nur Priestern vorbehalten war.
Offensichtlich birgt die Berührung mit dem Heiligen, wenn man sie mit der falschen Haltung - mit übermütigem Herzen statt mit priesterlicher Vollmacht -  wagt, wirklich Gefahr in sich.
Das ist e i n Aspekt des Heiligen.
 

Dann gibt es aber eben auch einen ganz anderen Aspekt, der ebenfalls zu "heilig" gehört. Durch die ganze Bibel zieht sich wie ein roter Faden mit zunehmender Deutlichkeit eine Entwicklung und eine Forderung, die mit Jesus ihre erste Erfüllung findet und in uns weitergehen soll: das Heilige soll in uns Wohnung nehmen dürfen, wir sollen die Wirklichkeit heiligen, sollen zunehmend die Trennung zwischen „profan“ und „sacral“ aufheben, überwinden. Diese Trennung als zwei unterschiedliche Wahrnehmungsweisen der Wirklichkeit gibt es innerhalb der Schöpfung ja nur dort, wo Bewusstsein ist, also in unseren Köpfen. Und genau dort muss diese Aufspaltung auch überwunden werden.

Gott selber - auch das ist biblische Erfahrung - ist ja gar nicht wirklich weit weg. Der Saum seines Mantels füllt ja den ganzen Tempel aus, das erkennt auch Jesaja. Gott sagt das selber von sich: "Ich bin nicht nur ein Gott von fern her". Und wir sollen "das Fleisch gewordene Wort" erkennen als "unter uns wohnend": Mitten in der Welt, in jedem Menschen, in jedem Teil der Schöpfung ist Gott zu finden und muss dort gefunden werden. (So wie du das von den Tieren schreibst, das finde ich total schön!)

„Das Heilige“ muss also zu uns kommen, uns muss alles heilig werden, so dass wir ganz und gar durchdrungen werden vom Wissen und Fühlen, dass alles um uns und in uns „heilig“ ist. So, dass dieses Bewusstsein unser Sein verändert, unsere ganze innere Welt durchzieht, wie eine neue Struktur für unsere Seele.

Oben habe ich geschrieben: „Heilig" ist eine Beziehungsqualität. Zum Erleben dieser Qualität gehört bewusstes Wahrnehmen von dem, was ist, Erkennen und in seiner Einmaligkeit Anerkennen, höchste Wertschätzung. Es gehört dazu das Leuchten von Sinn und Bedeutung. Und es bedeutet, dass wir uns wechselseitig verwandeln lassen durch dieses heilige In-Beziehung-Sein, dass wir uns einlassen auf die Kraft, die in uns wirksam werden möchte. Diese Kraft, die da ist, wo zwei so miteinander in Beziehung sind, wo wirklich Liebe fließt zwischen ihnen. „Heilig“ auf Deutsch hat zu tun mit mittelhochdeutsch Rettung, Gesundheit, Beistand, Heilung.
Wo Zweifel und Angst sind, oder auch, wo Wirkungslosigkeit erlebt wird und wo Wertschätzung fehlt, da ist das "Heilige" nicht mehr "heilig". Es fasziniert vielleicht noch, oder es wird zum Götzen, aber es ist einem nicht mehr heilig.


In der Jesaia - Stelle wird auch der Prozess sichtbar, der zu gehen ist, wenn das Heilige so in uns Wohnung nehmen soll, dass die Begegnung mit ihm nicht Trennung und Absonderung bewirkt, sondern lebensspendende Beziehung: Jesaja erfährt sich gerufen und berufen -  hin zu den andern: für Gott und für die Menschen, soll er gehen, Bote sein.
Aber wie geschieht das? Mir kommt das so wichtig vor, das genauer zu verstehen: Jesaia lässt sich berühren vom Brennen der Seraphim, er lässt sich ihre glühenden Kohlen auf die Lippen legen, auf den Bereich unseres Leibes, der uns die Sprache ermöglicht, der volle menschliche Kommunikation überhaupt erst möglich macht.
Was über unsere Lippen kommt, das verbindet uns mit den andern, ist nicht mehr in uns verborgen. Und wenn diese Lippen zu brennen beginnen durch die Berührung mit den glühenden Kohlen vom Altar, heißt das auch, dass alles intensiver wird, es nimmt die Intensität aller Begegnungen zu. Gleichzeitig passiert noch etwas: es verbrennt alles, was unrein war, was an schuldig Gebliebenem da war. Es kann zurückgelassen werden, was bis dahin falsch war und Jesaja kann sich ungeteilt senden lassen, kann „für Gott“ gehen.


Ich glaube, das ist so: Wer sich auf so etwas einlässt, für wen die Begegnung mit dem Heiligen dazu führt, dass er seinem inneren Brennen folgt und sich senden lässt zu den Menschen, zu wechselseitig-ebenbürtiger wirksamer Beziehung, der wird erfahren, dass sich seine Welt verändert. Genauso, wie du es beschreibst: Er wird beginnen, die ganze Schöpfung und jeden Menschen voll Ehrfurcht zu sehen, auch sein eigenes Leben, seine Begegnungen und Beziehungen - alles wird sich ihm mit Bedeutung und Sinn füllen, wird ihm heilig werden.

 

 

 

 

Edited by Ennasus
  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites
Long John Silver
vor 20 Stunden schrieb Ennasus:


Für mich ist "heilig" ein Wort für eine bestimmte Art und Weise in Beziehung zu stehen, es ist eine Beziehungsqualität - was du schreibst, passt genau dazu.
....


Dieses Erschauern trifft, sprengt auf und verwandelt. Es bleibt nicht bei der überwältigenden Anschauung, sondern angesichts der Größe des Geheimnisses wird die eigene Kleinheit und Unvollkommenheit so überdeutlich, dass Menschen erst einmal ganz klein werden, aufgeben, sich aufgeben. Auch Jesaia tut das, als die Seraphim ihr "Heilig, heilig, heilig" singen: Er schaut und erfasst, wie gewaltig das ist, was er sieht, wie viel Kraft und Brennen und Intensität da ist (die Seraphim, die den Thron Gottes umgeben, und deren Ruf alles zum Erbeben bringt, heißen ja eigentlich: „die Brennenden, die Feurigen“) und er erschrickt schrecklich „Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.“

Ich glaube, das ist ganz oft das Erste, was mit "heilig" verbunden wird: Es ist so etwas Großes und Gewaltiges, dass „heilig“ manchmal fast gleichbedeutend mit „tabu“ ist. Es ist fern, unnahbar, unberührbar. Wer das Tabu auch nur ansieht, entweiht es oder nimmt selbst Schaden davon. Das Heilige wird darum auf einen Sockel gestellt und angebetet, man darf es nicht berühren und ihm – wenn überhaupt - nur mit sehr demütiger Haltung nahe kommen.
Und ich glaube, das ist auch richtig: In der Berufungsgeschichte des Jesaia kommt noch jemand vor, der sich dem Heiligsten genaht hat: Es wird erwähnt, dass seine Berufung erfolgt in dem Jahr, als König  Usija stirbt. Das steht sicher nicht zufällig da. Usija war ein sehr gottesfürchtiger, guter König – und doch musste er die letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod aussätzig und abgesondert verbringen. Er war vom Aussatz befallen worden, als – wie es im Buch der Chronik heißt " sein Herz übermütig geworden war und er verkehrt handelte. Er wurde dem Herrn, seinem Gott, untreu und drang in den Tempel des Herrn ein, um auf dem Rauchopferaltar zu opfern." Eine Handlung, die nur Priestern vorbehalten war.
Offensichtlich birgt die Berührung mit dem Heiligen, wenn man sie mit der falschen Haltung - mit übermütigem Herzen statt mit priesterlicher Vollmacht -  wagt, wirklich Gefahr in sich.
Das ist e i n Aspekt des Heiligen.
....


Aber wie geschieht das? Mir kommt das so wichtig vor, das genauer zu verstehen: Jesaia lässt sich berühren vom Brennen der Seraphim, er lässt sich ihre glühenden Kohlen auf die Lippen legen, auf den Bereich unseres Leibes, der uns die Sprache ermöglicht, der volle menschliche Kommunikation überhaupt erst möglich macht.
Was über unsere Lippen kommt, das verbindet uns mit den andern, ist nicht mehr in uns verborgen. Und wenn diese Lippen zu brennen beginnen durch die Berührung mit den glühenden Kohlen vom Altar, heißt das auch, dass alles intensiver wird, es nimmt die Intensität aller Begegnungen zu. Gleichzeitig passiert noch etwas: es verbrennt alles, was unrein war, was an schuldig Gebliebenem da war. Es kann zurückgelassen werden, was bis dahin falsch war und Jesaja kann sich ungeteilt senden lassen, kann „für Gott“ gehen.


 

 

 

Danke, dass du dir diese Muehe gemacht hast, das noch mal alles zusammenzustellen :-))

 

 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Bartholomäa
Am ‎20‎.‎01‎.‎2019 um 17:41 schrieb Marcellinus:

 

Weil alle irdischen Freuden des Teufels sind, seine Herrschaft auf Erden stärken. Der Christ freut sich nur auf die Freuden des Jenseits.

Hallo Marcellinus,

 

ich muss Dir leider widersprechen. Ich geniesse auch im gesunden Maße mein Leben (z. B. Ich fahre jedes Jahr in Urlaub). Nicht alle irdischen Freuden sind des Teufels. Der Christ freut sich auch am Leben z. B. Betrachtung der Natur, Zuhören der Natur z. B. dem Rauschen des Meeres.

 

Ich muss gerade an einen schönen Kinderfilm denken. Der Titel ist: Das Geheimnis des Marcellino:

https://youtu.be/DagYXIcqjIU

 

https://youtu.be/HD3C5c6VHrA

Edited by Bartholomäa

Share this post


Link to post
Share on other sites

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!

Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.

Sign In Now

×