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Pflege, Medizin, Soziales


Shubashi

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vor 4 Minuten schrieb Werner001:

Wer hier hat sich denn schon mal konkret (!) und nicht nur auf theoretischer Basis mit diesem Thema auseinandergesetzt?

 

Werner

Ein sehr guter Freund von mir hat vor etwa 10 Jahren Suizid begangen. Da wurde es schon sehr persönlich. Allerdings betrifft das nicht die Frage nach der Rechtslage.

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vor 9 Minuten schrieb duesi:

In der es unter allen Lebensumständen darum geht, vom Sterben abzuhalten und zum Leben zu ermutigen.

 

Und was machst du mit denen, die nicht vom Sterben abgehalten werden möchten? Ich verrate dir jetzt ein großes Geheimnis! Aber nicht weitererzählen, damit niemand beunruhigt wird! Wir alle werden sterben! Ganz sicher! :)

 

 

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1 minute ago, duesi said:

Ein sehr guter Freund von mir hat vor etwa 10 Jahren Suizid begangen. Da wurde es schon sehr persönlich. Allerdings betrifft das nicht die Frage nach der Rechtslage.

Die Rechtslage ganz unbenommen. Warst du z. B. schon mal in der Situation, dass du gefragt wurdest, ob du ggf. helfen würdest? Da würdest du sicher nicht antworten "ja klar, aber leider ist das illegal, also geht es nicht".

Da würdest du überlegen müssen, was du antwortest.

 

Werner

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vor 6 Minuten schrieb Werner001:

Sterbehilfe.

 

Werner

ja immer wieder zuletzt bei einer sehr alten Dame die ihr Leben nicht mehr beenden konnte weil eine reise in die Schweiz nicht mehr möglich war

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vor 1 Minute schrieb Werner001:

Warst du z. B. schon mal in der Situation, dass du gefragt wurdest, ob du ggf. helfen würdest? Da würdest du sicher nicht antworten "ja klar, aber leider ist das illegal, also geht es nicht".

Da würdest du überlegen müssen, was du antwortest.

 

Werner

Nein, war ich noch nicht. Darauf könnte ich jetzt nur theoretische Antworten geben.

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vor 41 Minuten schrieb duesi:

Vielleicht kann die Rechtslage gar keine sozialen Botschaften aussenden. Aber es war ein Grundgefühl da, dass wir uns als Land einer Kultur des Lebens verpflichtet fühlen. In der es unter allen Lebensumständen darum geht, vom Sterben abzuhalten und zum Leben zu ermutigen. Natürlich unter Berücksichtigung von gewissen Ausnahmeregelungen, in denen das Leben nicht mehr erträglich gelebt werden kann. Und dieses Grundgefühl (das ich zumindest so empfunden habe) ist durch diese neue Rechtslage angegriffen.

Eine Kultur des Lebens, die mit den Mitteln des Strafrechts vermittelt werden soll? Eine Ermutigung zum Leben sieht für mich anders aus.

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vor 55 Minuten schrieb Werner001:

Wer hier hat sich denn schon mal konkret (!) und nicht nur auf theoretischer Basis mit diesem Thema auseinandergesetzt?

 

Werner

 

Ich... Allerdings nicht wegen mir, sondern wegen Nahestehenden...

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vor 5 Minuten schrieb Merkur:

Eine Kultur des Lebens, die mit den Mitteln des Strafrechts vermittelt werden soll? Eine Ermutigung zum Leben sieht für mich anders aus.

Es ist ja eher umgekehrt. Das Strafrecht vermittelt nicht die Kultur. Sondern das Strafrecht spiegelt ein Gerechtigkeitsempfinden der jeweiligen Kultur wieder. Während es früher zum Gerechtigkeitsempfinden in der deutschen Kultur gehörte, dass Beihilfe zum Suizid etwas ungehöriges und strafwürdiges ist, haben wir jetzt ein Gerechtigkeitsempfinden, das Beihilfe zum Suizid etwas mit Respekt vor dem Willen und der individuellen Freiheit des Menschen zu tun hat. Das hat auch etwas mit dem Menschenbild zu tun, sowohl dem Fremdbild als auch dem Selbstbild. Es gibt dafür kein objektives Kriterium, welches Gerechtigkeitsempfinden nun besser oder moralischer sei. Es ist ein Ausdruck einer Gesellschaft, für die die Frage der individuellen Wahlfreiheit weit bedeutender ist als die Frage der sozialen Integration von Menschen.

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vor 49 Minuten schrieb Werner001:

Die Rechtslage ganz unbenommen. Warst du z. B. schon mal in der Situation, dass du gefragt wurdest, ob du ggf. helfen würdest? Da würdest du sicher nicht antworten "ja klar, aber leider ist das illegal, also geht es nicht".

Da würdest du überlegen müssen, was du antwortest.

 

Werner

 

Nein. In der Situation war ich konkret nicht. 

 

Ich würde aber so sicherlich nicht antworten. Ich bin allerdings auch kein Fachmann auf dem Gebiet des Suizides, auch wenn man Chemikern so etwas manchmal unterstellt. Ich würde vermutlich helfen und versuchen, in die Schweiz zu vermitteln und den / die Betroffene/n irgendwie dorthin bringen wollen, dort sind richtige Suzid-/Sterbebegleiter, die ihren Job verstehen. Niemand hat es verdient, mit Blei, Thallium, E605 oder Cyanid sich umbringen zu müssen. Und mit Pharmazeutika kenne ich mich nicht aus, außerdem muss man sie ergaunern (bisherige Rechtslage). 

 

Selbstverständlich würde ich ebenfalls versuchen (und dabei als unerfahrener Laie sicherlich teilweise scheitern), die konkreten Beweggründe und ggf. die Abwägung zwischen weiterer Palliativbetreuung und assistiertem Suizid erfahren. Es ist tragisch. Das dürfte man bereits nach der bisherigen Rechtslage, wenn es nur eine einmalige Sache ist. Und das ist völlig unzureichend. Die Schweizer Sterbebegleiter haben eine umfangreiche Zusatzausbildung an der Uni Basel. Und deren Beratung ist ergebnisoffen - es sind schon einige Leute wieder lebend aus der Schweiz zurückgekommen. Die Entscheidung trifft der Patient. Sonst niemand.

 

Ach ja, und ich hätte furchtbar Angst vor der Entscheidung des Patienten. Weil sie "falsch" (was das in diesem Zusammenhang auch heißen mag) sein kann und ich dann an der "falschen" Entscheidung mitschuld wäre.

 

Dennoch würde ich es tun. Sitzenlassen würde ich niemanden. Aber ich würde mich massiv gefordert - wenn nicht sogar überfordert - fühlen, einfach aufgrund meines mangelnden Wissens.

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vor 15 Minuten schrieb duesi:

... Es gibt dafür kein objektives Kriterium, welches Gerechtigkeitsempfinden nun besser oder moralischer sei. Es ist ein Ausdruck einer Gesellschaft, für die die Frage der individuellen Wahlfreiheit weit bedeutender ist als die Frage der sozialen Integration von Menschen. ...

Inwiefern wurde durch das bisher übliche Bestrafen eine soziale Integration vermittelt oder gefördert?

bearbeitet von Merkur
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vor 4 Minuten schrieb Lothar1962:

 

Nein. In der Situation war ich konkret nicht. 

 

Ich würde aber so sicherlich nicht antworten. Ich bin allerdings auch kein Fachmann auf dem Gebiet des Suizides, auch wenn man Chemikern so etwas manchmal unterstellt. Ich würde vermutlich helfen und versuchen, in die Schweiz zu vermitteln und den / die Betroffene/n irgendwie dorthin bringen wollen, dort sind richtige Suzid-/Sterbebegleiter, die ihren Job verstehen. Niemand hat es verdient, mit Blei, Thallium, E605 oder Cyanid sich umbringen zu müssen. Und mit Pharmazeutika kenne ich mich nicht aus, außerdem muss man sie ergaunern (bisherige Rechtslage). 

 

Selbstverständlich würde ich ebenfalls versuchen (und dabei als unerfahrener Laie sicherlich teilweise scheitern), die konkreten Beweggründe und ggf. die Abwägung zwischen weiterer Palliativbetreuung und assistiertem Suizid erfahren. Es ist tragisch. Das dürfte man bereits nach der bisherigen Rechtslage, wenn es nur eine einmalige Sache ist. Und das ist völlig unzureichend. Die Schweizer Sterbebegleiter haben eine umfangreiche Zusatzausbildung an der Uni Basel. Und deren Beratung ist ergebnisoffen - es sind schon einige Leute wieder lebend aus der Schweiz zurückgekommen. Die Entscheidung trifft der Patient. Sonst niemand.

 

Ach ja, und ich hätte furchtbar Angst vor der Entscheidung des Patienten. Weil sie "falsch" (was das in diesem Zusammenhang auch heißen mag) sein kann und ich dann an der "falschen" Entscheidung mitschuld wäre. 

 

Dennoch würde ich es tun. Sitzenlassen würde ich niemanden. Aber ich würde mich massiv gefordert - wenn nicht sogar überfordert - fühlen, einfach aufgrund meines mangelnden Wissens.

Auch wenn man das bei meiner gesellschaftlichen Kritik an der Entscheidung nicht glauben mag, aber in der konkreten Situation könnte ich mir vorstellen, deine theoretisch skizzierte Vorgehensweise hier sogar als Leitlinien für mein eigenes Handeln zu nehmen.

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vor 9 Minuten schrieb duesi:

Es ist ja eher umgekehrt. Das Strafrecht vermittelt nicht die Kultur. Sondern das Strafrecht spiegelt ein Gerechtigkeitsempfinden der jeweiligen Kultur wieder. Während es früher zum Gerechtigkeitsempfinden in der deutschen Kultur gehörte, dass Beihilfe zum Suizid etwas ungehöriges und strafwürdiges ist, haben wir jetzt ein Gerechtigkeitsempfinden, das Beihilfe zum Suizid etwas mit Respekt vor dem Willen und der individuellen Freiheit des Menschen zu tun hat. Das hat auch etwas mit dem Menschenbild zu tun, sowohl dem Fremdbild als auch dem Selbstbild. Es gibt dafür kein objektives Kriterium, welches Gerechtigkeitsempfinden nun besser oder moralischer sei. Es ist ein Ausdruck einer Gesellschaft, für die die Frage der individuellen Wahlfreiheit weit bedeutender ist als die Frage der sozialen Integration von Menschen.

 

Du bist ein Rechtspositivist. 🙂 Das gefällt mir, ich bin nämlich auch einer. Deine Äußerung distanziert sich vom Naturrecht, was ich schon mal gut finde (weil ich es dafür halte, besser die Situation zu beschreiben, in der Gesellschaften leben). Und so, wie wir nun die Ehe für Alle eingeführt haben - gegen jegliche naturrechtliche Begründung, so wurde jetzt das Strafrecht dem Kulturempfinden angepasst. Ist einfach so. Die Mehrheit der Bevölkerung trägt diese Entscheidung wohl mit, eine Minderheit scheint dagegen zu sein. 

 

Klar - hier wurde - wie schon so oft in der Vergangenheit - zwischen verschiedenen Rechtsgütern im Grundgesetzrang abgewogen. Und genau dafür ist das BVerfG da.

 

Im übrigen bestehe ich darauf, nicht die "richtige" Meinung zu haben. Ich teile die Mehrheitsmeinung bzw. die Meinung des BVerfG und meine, dafür sehr gute Gründe zu haben. Ich bin in einem Alter, wo man öfters Todesanzeigen sieht von Menschen mit meinem Geburtsjahr, in denen nicht "durch einen tragischen Unfall"... sondern "nach langer Krankheit", vielleicht noch mit dem Zusatz "tapfer ertragen" steht. Und auf einmal trifft es einen Verwandten oder einen Arbeitskollegen. Dann kriegt das Grauen ein Gesicht. Und glaube mir: Ein Ende durch Krebs ist in vielen Fällen das nackte Grauen, auch wenn die Palliativbetreuung noch so gut ist. Denn nur, wenn gar nichts mehr hilft und der Arzt es sich zutraut, gibt es die Palliativsedierung. Und dann kann man sich gleich umbringen.

 

Nein. Es darf keine von außen verordnete Pflicht zum Leid geben, wenn der Patient dazu bereit ist, das Leid voll durchzumachen, gut. 

 

Jetzt muss ich doch mal wirklich das Thema "Patientenvollmacht" angehen... 

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Long John Silver
vor 15 Minuten schrieb Lothar1962:

 

Nein. In der Situation war ich konkret nicht. 

 

Ich würde aber so sicherlich nicht antworten. Ich bin allerdings auch kein Fachmann auf dem Gebiet des Suizides, auch wenn man Chemikern so etwas manchmal unterstellt. Ich würde vermutlich helfen und versuchen, in die Schweiz zu vermitteln und den / die Betroffene/n irgendwie dorthin bringen wollen, dort sind richtige Suzid-/Sterbebegleiter, die ihren Job verstehen. Niemand hat es verdient, mit Blei, Thallium, E605 oder Cyanid sich umbringen zu müssen. Und mit Pharmazeutika kenne ich mich nicht aus, außerdem muss man sie ergaunern (bisherige Rechtslage). 

 

Selbstverständlich würde ich ebenfalls versuchen (und dabei als unerfahrener Laie sicherlich teilweise scheitern), die konkreten Beweggründe und ggf. die Abwägung zwischen weiterer Palliativbetreuung und assistiertem Suizid erfahren. Es ist tragisch. Das dürfte man bereits nach der bisherigen Rechtslage, wenn es nur eine einmalige Sache ist. Und das ist völlig unzureichend. Die Schweizer Sterbebegleiter haben eine umfangreiche Zusatzausbildung an der Uni Basel. Und deren Beratung ist ergebnisoffen - es sind schon einige Leute wieder lebend aus der Schweiz zurückgekommen. Die Entscheidung trifft der Patient. Sonst niemand.

 

Ach ja, und ich hätte furchtbar Angst vor der Entscheidung des Patienten. Weil sie "falsch" (was das in diesem Zusammenhang auch heißen mag) sein kann und ich dann an der "falschen" Entscheidung mitschuld wäre.

 

Dennoch würde ich es tun. Sitzenlassen würde ich niemanden. Aber ich würde mich massiv gefordert - wenn nicht sogar überfordert - fühlen, einfach aufgrund meines mangelnden Wissens.

 

Ich wuerde mir wuenschen, dass derjenige auch meine Situation beruecksichtigt und nicht nur sich sieht, sieht, dass er mich zum handlanger und Erfuellungsgehilfen macht, fuer seine ureigenen Interessen. 


Das finde ich eigentlich das schwierigste Problem. Ich will nicht unhinterfragt der Todbringer fuer andere Menschen sein, nur weil diese es so moechten, auch wenn ihre Gruende noch so dramatisch sind (wovon ich ausgehe) und eine bestimmte Moral (natuerlich musst du helfen) gesellschaftlich um sich greift oder fuer "normal" gehalten wird. die das sogar als ethisch wertvoll ummantelt, als Akt von Solidaritaet. 

 

Ich finde das eine sehr, sehr schwierige Sache. Ich wuerde niemanden darum bitten, aus obengenannten Erwaegungen. Ich waere dann tot, aber der andere muss mit der Entscheidung weiterleben. Das wuerde ich nicht wollen. 

 

bearbeitet von Long John Silver
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Gerade eben schrieb Merkur:

Inwiefern wurde durch das bisher übliche Bestrafen eine soziale Integration vermittelt?

Eine Gesellschaft, die die soziale Integration von Menschen für wichtig befindet, sanktioniert die Beihilfe zum Suizid aus eben diesem Grund, weil es zur sozialen Integration gehört, einen Menschen eben nicht auf dem Weg seiner individuellen Wahl zu belassen (vor allem dann nicht, wenn dieser Weg in die Isolation oder in den Suizid führt), sondern alles im Rahmen der Möglichkeiten dafür zu tun, um diesen Menschen dahin zu führen, wieder zu einem wertvollen Bestandteil der Gesellschaft zu werden. Das ist nicht moralischer. Aber es ist unserer Gesellschaft fremd geworden, weil wir den Wert der individuellen Wahlfreiheit höher bewerten als den Wert der sozialen Integration.

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vor 1 Minute schrieb Long John Silver:

Ich finde das eine sehr, sehr schwierige Sache. Ich wuerde niemanden darum bitten, aus obengenannten Erwaegungen. Ich bin ja dann tot, aber der andere muss mit der Entscheidung weiterleben. Das wuerde ich nicht wollen.

 

Richtig! Weshalb ich versuchen würde, ohne fremde Hilfe auszukommen, mal abgesehen von der Beschaffung der Mittel. 

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vor 1 Minute schrieb Long John Silver:

 

Ich wuerde mir wuenschen, dass derjenige auch meine Situation beruecksichtigt und nicht nur sich sieht, sieht, dass er mich zum handlanger und Erfuellungsgehilfen macht, fuer seine ureigenen Interessen. 

 

Nein. Ein "legaler für sich selbst bestellter Killer" darf man nicht werden. Auch wenn es die Gesetzeslage in den konkreten Fällen zulässt. Man muss sich selber und dem betreuten Patienten zugestehen, jederzeit nein zu sagen. Ich würde mich eher als Sterbebegleiter sehen wollen. 

 

vor 1 Minute schrieb Long John Silver:

Ich finde das eine sehr, sehr schwierige Sache. Ich wuerde niemanden darum bitten, aus obengenannten Erwaegungen. Ich bin ja dann tot, aber der andere muss mit der Entscheidung weiterleben. Das wuerde ich nicht wollen.

 

Das ist eine Frage, die ganz weit von der Rechtslage weggeht. 

Wem kann man das zumuten?

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vor 17 Minuten schrieb duesi:

Eine Gesellschaft, die die soziale Integration von Menschen für wichtig befindet, sanktioniert die Beihilfe zum Suizid aus eben diesem Grund, weil es zur sozialen Integration gehört, einen Menschen eben nicht auf dem Weg seiner individuellen Wahl zu belassen (vor allem dann nicht, wenn dieser Weg in die Isolation oder in den Suizid führt), sondern alles im Rahmen der Möglichkeiten dafür zu tun, um diesen Menschen dahin zu führen, wieder zu einem wertvollen Bestandteil der Gesellschaft zu werden. Das ist nicht moralischer. Aber es ist unserer Gesellschaft fremd geworden, weil wir den Wert der individuellen Wahlfreiheit höher bewerten als den Wert der sozialen Integration.

Ich habe Verständnisschwierigkeiten: Ist jemand, der seinem Leben ein Ende setzen will, für dich kein wertvoller Bestandteil der Gesellschaft? Warum muss dieser Mensch geführt werden?

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vor 3 Minuten schrieb Merkur:

Ich habe Verständnisschwierigkeiten: Ist jemand, der seinem Leben ein Ende setzen will, für dich kein wertvoller Bestandteil der Gesellschaft? Warum muss dieser Mensch geführt werden?

Jetzt kommen wir in Begriffsschwierigkeiten. Wenn wir "wertvoller Bestandteil der Gesellschaft" wertend verstehen wollen, dann fallen da nur Verbrecher raus und vielleicht noch ein paar anzugtragende Handybesitzer, die mehr Steuern zahlen als andere verdienen (kleiner nicht ganz ernst gemeinter Seitenhieb gegen Angelika). Das war nicht gemeint. Mit "wertvoller Bestandteil der Gesellschaft" meine ich Menschen, die derart sozial integriert sind, dass sie das Gefühl haben, nützlich für andere zu sein. die Möglichkeiten haben, sich mit ihren Ideen einzubringen, die Teil eines sozialen und/oder wirtschaftlichen Netzwerkes sind und ihr Leben als wertvoll erleben. Ich denke, es hat schon seinen Grund, warum in der Bergpredigt die Bezeichnung "Nichtsnutz" als eine Vorstufe zum Mord bezeichnet wird. Wenn ein gesunder fähiger Mensch (die unheilbar Kranken und unendlich Leidenden lassen wir mal außen vor) seinem Leben ein Ende setzen will, dann muss ich als sozial denkender Mensch erstmal davon ausgehen, dass dieser Mensch sich eben nicht als nützlicher Teil der Gesellschaft erlebt oder dass er keine Möglichkeiten hat, sich konstruktiv mit seinen Ideen einzubringen oder dass er nicht Teil eines sozialen und/oder wirtschaftlichen Netzwerkes ist, wo er sein Leben als wertvoll erlebt. Und dann sehe ich es erstmal als meine Aufgabe an, diesen Menschen dahin zu führen, dass er wieder Perspektive für sein Leben sieht. Dann sehe ich es eben nicht als meine vorrangige Aufgabe an, ihn in seinem Todeswunsch zu fördern oder zu bestärken.

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vor einer Stunde schrieb duesi:

...Wenn ein gesunder fähiger Mensch (die unheilbar Kranken und unendlich Leidenden lassen wir mal außen vor) seinem Leben ein Ende setzen will, dann muss ich als sozial denkender Mensch erstmal davon ausgehen, ...

Nein, das mußt du nicht, insbesondere wenn dir die Einzelheiten nicht bekannt sind (was der Regelfall sein wird). Du weißt auch nicht, ob du die soziale Integration dieses Menschen förderst, indem du denjenigen, die er um Hilfe bei seinem Vorhaben gebeten hast, Gefängnisstrafen androhst. Das Ergebnis solcher Sanktionen ist mMn eine Tabuisierung der Selbsttötung, nicht etwa eine verbesserte soziale Integration des Sterbewilligen.

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vor 2 Stunden schrieb duesi:

Dann sehe ich es eben nicht als meine vorrangige Aufgabe an, ihn in seinem Todeswunsch zu fördern oder zu bestärken.

Verlangt ja auch niemand von dir. Halte dich raus, lass denjenigen/diejenige selbst entscheiden. Du kannst diese Entscheidung schlecht oder auch gut finden, aber es kann nicht deine Entscheidung sein, die das weitere Prozedere bestimmt. Ist doch ganz einfach.

 

 

festhaltend...…………….tribald

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vor 6 Stunden schrieb duesi:

Hier gibt es ein paar Tips, wie man mit jemandem redet, der solche Gedanken äußert. Und so unbeliebt das deiner Meinung nach ist, der Rat sich professionelle Hilfe zu suchen, gehört auch dazu, wenn es auch nicht das erste und wichtigste ist. Das Problem ist eher, dass das Annehmen von psychologsicher oder psychiatrischer Hilfe immer noch unter einem Stigma steht, dass man damit nicht mehr ernst zu nehmen wäre.

 

Ich weiß, dass der Rat, sich professionelle Hilfe zu suchen, zu den gängigen Tipps gehört. Allerdings eben "auch nicht das erste und wichtigste ist", vor allem nicht das erste.

Und nein, das Problem ist nicht grundsätzlich eher, dass das Annehmen von psychologischer und psychiatrischer Hilfe immer nochnunter einem Stigma steht, dass man damit nicht mehr ernst zu nehmen wäre. Das ist dann das Problem, wenn der Betroffene zwar Suizidgedanken hat, aber gegen diese ankämpft und seine Gedanken Teil einer Krankheit sind. Allerdings betone ich nochmals, dass der Gedanke an Suizid nicht per se krankhaft ist. Das ist eine irrige Annahme und damit ein Problem in unserer Gesellschaft, weil wir damit denjenigen allein deshalb pathologisieren, anstatt uns um ihn zu kümmern und nach den Gründen für seine Suizidgedanken zu forschen.  Die Gründe können nun LEIDer sehr nachvollziehbar sein.

 

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vor 3 Stunden schrieb Lothar1962:

Wem kann man das zumuten

Dem, der, aus welchen Gründen auch immer, sich dazu bereiterklärt hat. Für den ist diese Zumutung vielleicht gar keine. Das kann auch aus Liebe zu dem Sterbewilligen stattfinden.

 

 

 

meinend...…………...tribald

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vor 6 Stunden schrieb duesi:

Hier gibt es ein paar Tips, wie man mit jemandem redet, der solche Gedanken äußert.

 

auf diese Tipps möchte ich jetzt noch eigens eingehen. Die Fettmarkierungen sind von mir

Zitat

Manchmal erscheint einem schwer depressiven Menschen seine Situation so hoffnungslos, dass er einfach nicht mehr will. Es drängt ihn, sein Leben zu beenden. Das ist besonders belastend für Partnerschaft und Familie, und es braucht besondere Kraft, damit umzugehen. Man kann sich völlig hilflos fühlen, möglicherweise auch unter Druck gesetzt und erpresst. Vielleicht hilft es Ihnen, sich auch hier bewusst zu machen, dass Sie keine Verantwortung dafür tragen, ja, gar nicht tragen können.

 

Wenn wir das für unsere Diskussion hier ernstnehmen, dann musst du dich jetzt von deiner Vorstellung verabschieden, dass du oder irgendjemand in unserer Gesellschaft die VErantwortung tragen müsste. Es wird hier sogar gesagt, dass wir diese Verantwortung gar nicht tragen können. Folglich gilt das auch für einen Suizid, für den sich ein Mensch die Hilfe eines anderen Menschen sucht. Derjenige, der um Hilfe gebeten wird, kann das selbstverständlich ablehnen, und die neue juristische Entscheidung sieht auch nicht vor, das zu ändern, sondern sie betont gerade auch, dass niemand zur Hilfe verpflichtet werden kann.

 

Zitat

Es gibt kein Patentrezept für eine solche Situation. Etwas tun können Sie dennoch: Indem Sie das Gespräch darüber zulassen, statt es wegzudrängen, und den anderen Menschen auch in seiner totalen Verzweiflung annehmen. Hören Sie einfach zu, ohne gleich eingreifen zu wollen. Trauen Sie sich, konkret nachzufragen, aber versuchen Sie nicht, ihm seine Gedanken auszureden.

 

Genau das geschieht aber offenbar immer wieder.

 

Zitat

Es ist wertvoll, wenn Sie vermitteln können, dass Hilfe möglich ist – und wie wichtig gerade jetzt professioneller Beistand ist. Vielleicht können Sie gemeinsam überlegen, welche Personen oder Dinge ihm so wichtig sind, dass sie seinem (Weiter-)Leben Sinn geben.

 

Es kann also auch sein, dass es nicht möglich ist, gemeinsam zu überlegen, welche Personen oder Dinge ihm so wichtig sind, dass sie seinem (Weiter-)Leben Sinn geben.

Dann ist es besser weiter nur zuzuhören, anstatt diesen Menschen mit Sinnangeboten zuzudröhnen, die ihn mehr oder weniger anwidern und abstoßen.

 

Und zum Thema Zwangseinweisung eines:

Die erfolgt nach meinen (sicherlich nicht repräsentativen) Erfahrungen (nicht Erfahrung, ich meinen schon wirklich den Plural) ausschließlich dann, wenn den Suizid bereits aktuell versucht hat (Überdosis Tabletten genommen, Schnittverletzungen, o.ä.). Wenn ich als Nichtbetroffener einige Tage später Schnittverletzungen (selbst wenn es am Hals ist) entdecke, dann genügt das (wenigstens in Bayern) nicht für eine Zwangseinweisung, sobald der Betroffene versichert, dass er jetzt aktuell nicht an Suizid denkt. Bzw. reicht das bestenfalls für eine Zwangseinweisung, die nach kürzester Zeit wieder aufgehoben ist, eben weil derjenige versichert, dass er keinen Suizid mehr plant.

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