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Long John Silver

Wider das Jammern und Klagen im Neuen Jahr

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Long John Silver

Hi, 

ich wusste nicht, ob es hier besser passt oder "Es muss nicht immer Kirche sein". Fuer mich passt es zu beidem, das christliche ist dabei nicht wegzudenken, aber es muss auch nicht im Mittelpunkt stehen. 

Ich hatte mal wieder Gelegenheit, mir die letzte Woche so den einen oder anderen Thread durchzulesen. Ich frage mich: spiegelt die Tendenz im Negativen zu gruendeln, zu klagen, anzuklagen, sich zu beschweren ueber die Verhaeltnisse, alles grundsaetzlich negativ zu finden, an kaum etwas ein gutes Haar zu lassen, eine Grundhaltung inzwischen wieder?  Oder kommt es nur mir so vor, als wuerde alles in der eigenen Nabelschau ersticken, als sei man selbst, das eigene Land, die eigene Ansicht, die eigenen Wuensche, das, worauf sich alles zentriert und wonach man alles bemisst, das eigene Gemeckere und Gemosere und staendig alles infrage zu stellen, nur um es infrage zu stellen, das, was die Substanz und das Konstruktive Blick auf die Welt sein soll? 

 

Vielleicht kommt es nur mir so vor, vielleicht liegt es am Jahreswechsel und den Gedanken dazu, aber mir ging so einiges durch den kopf, als ich mich hier "durcharbeitete". 

1. Ich habe ein Dach ueber dem Kopf

2. Ich habe genug zu essen und zu trinken

3. Ich muss nicht frieren.

3. Ich bin zwar nicht topfit, aber gesund genug und sollte ich es nicht sein, habe ich Aerzte und Medikamente erreichbar

4. Ich habe einen Job

 

Und dann kommt erst mal eine ganze Weile nichts. Denn: diese Dinge haben sehr viele Menschen auf diesem Planeten nicht, in der einen oder anderen Gewichtung. Nein, es stimmt nicht, dass nichts kommt, es kommt Dankbarkeit. 

 

Es kommt aber auch ein gewisser Zorn. Zor auf die westliche Kultur, in der jede noch so geringe subjektive Befindlichkeit zum existenziellen Drama erklaert wird,  in der  Wohlstand-Attueden den Angeblichen Sinn des Lebens erklaeren sollen, in der Gott zum Wunsch-Automaten deklariert wird, der noch die daemlichste Kleinigkeit pampern soll, in der Jammern und sich beschweren eine Lebenshaltung geworden ist einer Welt des Ueberflusses und nicht vorhandenen Mangels. In der jeder meint, er muesse zum Therapeuten rennen, sich selbst optimieren, er versaeume etwas, er lebe am Leben vorbei, ihm entginge etwas.  Und dabei vergisst, dass Millionen Menschen die gleichen Probleme haben, das es nichts Besonderes ist, was einem drueckt oder peinigt, dass man nur einer unter Millionen ist, die das gleiche schicksal haben, und dass man bei Gott keine Sonderposition hat. Und dass es Millionen Menschen gibt, die Probleme haben, von denen man nicht einmal im Alptraum etwas wissen moechte. 

 

Moeglicherweise kommt es nur mir so vor, als haetten  sich im westlichen Denken die Relationen verschoben,als sei das Anspruchsdenken des Invidiuums das Zentrum geworden, die fixe Idee von Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung und das Behaetscheln des  Ego.  Und gleichzeitig eine enorme Unzufriedenheit und Unduldsamkeit, mit den Verhaeltnissen, den anderen Menschen, den Gegebenheiten, den Zwaengen, den Regeln und Normen und vor allem den Meinungen und Ansichten der anderen. 

 

Ich habe ein bisschen das Gefuehl, dass die Haltung "Es sind immer die anderen, die schuld sind" sich immer mehr verbreitet. Und letzlich auch noch Gott eventuell, der es wagt, einem nicht zu bebauchpinseln, obwohl man es sich gern einbildet, er taete das oder sei sogar dafuer da.

 

Also, ich moechte jetzt dankbar sein fuer die vier Punkte, die ich aufzaehlte.  Und dass ich nicht vergesse, dass nur dadurch, dass diese Punkte vorhanden sind, ich ueberhaupt in der Lage bin, so etwas wie eine subjektive Nabelschau abzuhalten und Probleme zu reflektieren.  Dafuer braucht es naemlich einen bestimmten Freiraum, unter anderem eine gewisse Sicherheit und Unabhaengkeit. 

 

 

 

 

 

 

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Suzanne62
vor 14 Stunden schrieb Long John Silver:

Vielleicht kommt es nur mir so vor, vielleicht liegt es am Jahreswechsel und den Gedanken dazu, aber mir ging so einiges durch den kopf, als ich mich hier "durcharbeitete". 

1. Ich habe ein Dach ueber dem Kopf

2. Ich habe genug zu essen und zu trinken

3. Ich muss nicht frieren.

3. Ich bin zwar nicht topfit, aber gesund genug und sollte ich es nicht sein, habe ich Aerzte und Medikamente erreichbar

4. Ich habe einen Job

Viel mehr kann man eigentlich nicht verlangen, denn es ist so, wie du sagst: sehr viele Menschen auf dieser Welt haben dies alles nicht.

 

vor 14 Stunden schrieb Long John Silver:

Es kommt aber auch ein gewisser Zorn. Zor auf die westliche Kultur, in der jede noch so geringe subjektive Befindlichkeit zum existenziellen Drama erklaert wird, 

Was die Dankbarkeit angeht: da bin ich bei dir. Was den Zorn angeht: darauf möchte keine Zeit und Energie verschwenden. Wer moppern und motzen möchte, wird sich von mir daran nicht hindern lassen. Ich meinerseits möchte mich von der Unzufiedenheit dieser Leute nicht anstecken lassen.

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Alfons

Mit wachsendem Wohlstand, sollte man annehmen, wächst auch die Zufriedenheit. Dem ist aber nicht so, und ist es nie gewesen. "Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still" ist ein geflügeltes Wort, das Märchen vom "Fischer un sin Fru" berichtet von der Gier und Unzufriedenheit derer, die zu Reichtum kommen, und selbstverständlich hat auch die Bibel passende Sprüche zu dieser Beobachtung: "Ein Satter tritt Honigseim mit Füßen; aber einem Hungrigen ist alles Bittere süß" (Sprüche 27,7).

 

Gier und Unzufriedenheit also sind Untugenden, die mit wachsendem Wohlstand zumindest nicht schwinden. (Wobei die Unzufriedenheit nach meiner Ansicht auch etwas mit einer Wohlstands-Verwirrung zu tun hat: Die Fülle der Auswahl überfordert.) Hinzu kommen eine weitere Untugend, der Neid, und ein ernst zu nehmendes Grundgefühl: die Angst. Warum in Gesellschaften, in denen es den meisten Menschen gut geht, Neid und diffuse Ängste wachsen, ist eigentlich klar: Je mehr man hat, desto mehr hat man zu verlieren - das ist der Blick nach unten. Und wenn man nach oben blickt, gibt es immer welche, die mehr haben, und deren Reichtum schneller wächst.
 

Solche Ängste sind überwiegend irrational, aber sie sind da, und deshalb auch ernst zu nehmen. Zu den Grundbedürfnissen von Menschen gehört Zuwendung, und wer in seiner irrationalen Angst diese Aufmerksamkeit nicht erfährt, sucht einen Gully, durch den diese Angst abfließen kann, dieser Gully heißt Hass. Und er "fängt an, diejenigen schlechtzumachen, die ihm die ersehnte Beachtung verweigern"; so zitiert Axel Hacke in seinem Buch "Über den Anstand in schwierigen Zeiten" (S.86) den Ökonomen Georg Franck.

 

Auf diese Weise kommt es zu dem verblüffenden Phänomen, dass Menschen, die in einer der sicherstens Wohlstands-Demokratien der Welt leben, mit nicht nur einem Dach über dem Kopf und ausreichend Nahrung, sondern auch in sozialer Sicherheit und umgeben von hunderten oder tausenden Eigentums-Dingen, zugleich allen Ernstes behaupten, sie lebten in einer Bananen-Republik, deren Regierung direkt auf Harmaggedon zusteuert. Angst ist ein schlechter Ratgeber - auch das ist eine alte Volksweisheit.

Alfons

 

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ultramontanist
vor 14 Stunden schrieb Suzanne62:

Viel mehr kann man eigentlich nicht verlangen, denn es ist so, wie du sagst: sehr viele Menschen auf dieser Welt haben dies alles nicht.

 

Mir persönlich geht es gut.

Aber Millionen Menschen nicht, obwohl die Zahl der Hungernden zurückging gibt es sie immer noch, ausserdem bedroht der Klimawandel und die politische Entwicklung meinen Wohlstand und meine Freiheit. (Zumindest besteht die Gefahr)

Ich bin also eher ein Fremdjammerer! Oder ein altruistischer Jammerer😉

Wie die meisten Deutschen, die sagen ja auch, mir gehts noch recht gut, aber der Zustand der Welt....

Edited by ultramontanist

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Marcellinus

@Long John Silver

Woher kommt eigentlich die Tendenz, sich ständig darüber zu beklagen, alles würde nur noch negativ gesehen, alle würden sich nur noch beklagen? Ich persönlich treffe niemanden, der das tut, der „in der eigenen Nabelschau erstickt“. Ich denke daher, es kommt dir nur so vor!

 

Und warum ist das so? Weil du zu viel im Netz liest! Weil das Netz ein ständiges Ringen um Aufmerksamkeit ist (dieses Forum ist da keine Ausnahme), und auch du nur auf das reagierst, was dich aufregt, und so zur allgemeinen Aufregung beiträgst. Das Gute daran ist allein, daß es eine rein virtuelle, künstliche Aufregung ist.

 

Man kann ihr ganz leicht entgehen: einfach mal ein bißchen öfter offline sein, die Nachrichtensendungen überspringen, die Zeitung mal erst am nächsten Tag durchblättern. Du wirst feststellen, der Aufreger von heute ist der Langeweiler von morgen. Im wirklichen Leben sind die Moserer und Meckerer ziemlich schnell ziemlich einsam. Damit mir das nicht passiert, verabschiede ich mich wieder. Du glaubst gar nicht, wie entspannend das ist. :)

 

 

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tribald
Am ‎04‎.‎01‎.‎2020 um 12:30 schrieb Long John Silver:

Es kommt aber auch ein gewisser Zorn. Zor auf die westliche Kultur, in der jede noch so geringe subjektive Befindlichkeit zum existenziellen Drama erklaert wird,  in der  Wohlstand-Attueden den Angeblichen Sinn des Lebens erklaeren sollen

Ich weis ja nicht genau, in welcher Welt du so lebst, aber auf meinen näheren und auch weiteren Lebensumkreis trifft das sicher nicht zu. Meiner Ansicht nach ist das eher eine medial konstruierte Wahrnehmung. Wir hier, ich rede von meinem Lebensumkreis, sind uns absolut bewusst in welch glücklichen und für jede menge Menschen außerhalb unsers Kulturkreises neidvoll wahrgenommenen  Umständen wir hier leben.

Man wird vermutlich( hier kommt meine neu erstandene Glaskugel zum Einsatz) dies Zeit nach dem WK2 als die goldenen Zeit bezeichnen. jedenfalls für den sogenannten westlichen Teil der Welt.

Meiner Ansicht nach baust du da einen unsichtbaren Popanz auf. Warum auch immer. Oder ist das in den USA inzwischen tatsächlich so wie von dir beschrieben? Das würde dann wohl auch die für unsereinen kaum nachvollziebare Wahl eines Trumps zum  Präsidenten erklären.

Das würde dann allerdings auch das langsame Ende der goldenen Zeit hier in Europa bedeuten. Schließlich ist noch jeder Quark aus den USA früher oder später auch zu uns herübergeschwappt. Nun ja, mich wird es wahrscheinlich nicht mehr treffen. Ich muss also auch weiterhin nicht jammern und klagen.

 

in diesem Sinne dem LJS eine gute Zeit wünschend...............tribald

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Long John Silver
vor 46 Minuten schrieb Marcellinus:

@Long John Silver

Woher kommt eigentlich die Tendenz, sich ständig darüber zu beklagen, alles würde nur noch negativ gesehen, alle würden sich nur noch beklagen? Ich persönlich treffe niemanden, der das tut, der „in der eigenen Nabelschau erstickt“. Ich denke daher, es kommt dir nur so vor!

 

Und warum ist das so? Weil du zu viel im Netz liest! Weil das Netz ein ständiges Ringen um Aufmerksamkeit ist (dieses Forum ist da keine Ausnahme), und auch du nur auf das reagierst, was dich aufregt, und so zur allgemeinen Aufregung beiträgst. Das Gute daran ist allein, daß es eine rein virtuelle, künstliche Aufregung ist.

 

Man kann ihr ganz leicht entgehen: einfach mal ein bißchen öfter offline sein, die Nachrichtensendungen überspringen, die Zeitung mal erst am nächsten Tag durchblättern. Du wirst feststellen, der Aufreger von heute ist der Langeweiler von morgen. Im wirklichen Leben sind die Moserer und Meckerer ziemlich schnell ziemlich einsam. Damit mir das nicht passiert, verabschiede ich mich wieder. Du glaubst gar nicht, wie entspannend das ist. :)

 

 

 

Ich denke, du hast mich missverstanden (oder ich habe mich missverstaendlich ausgedrueckt). 

 

Ich meinte nicht die politischen Meinungen oder Diskussionen, schon gar nicht im Netz, weil ich mich fuer die gar nicht interessiere (und sie auch nicht lese, ich bin nicht in diesen Bereichen online. 

 

Ich meinte eher die Art und Weise, wie Prioritaeten sich verschoben haben, in welche Richtung die Erfuellung von Wuenschen geht oder pauschal gesagt "was uns das Leben zu bieten hat", was wir meinen, einfordern zu muessen, also eine Optimierung von Lebensgefuehl und Indvidualismus, die es nach meiner Ansicht in diesem Ausmass noch nie gab. Gluecksversprechungen und all das und eine voellig verschobene Sicht auf die Dinge. Somit meinte ich auch vor allem das private, die individuelle Sicht auf das eigene Leben.  ich denke, dass sich da in den letzten dreissig oder vierzig Jahren Relationen verschoben haben. 

 

Natuerlich sind viele Leute zu viel online und schaukeln sich gegenseitig hoch, aber das hat mit meinem Posting nichts zu tun. Mir ist lediglich aufgefallen,  wie sehr der tatsaechliche Wohlstand damit zu tun, dass man sich ueber jeden indivuduellen Furz jammern kann. 

 

Ich sagte bereits ein paar Mal in diesem Forum, dass ich keine Tageszeitungen lese :-)) und nur sehr wenig TV schaue, schon gar keine Nachrichten, Talkshows oder sonstwas in dieser Richtung :-)))

 

Im Netz bin ich sehr wenig unterwegs, schon gar nicht in der von beschriebenen Art und Weise :-)) ( aber wie gesagt, ich meinte sowieso etwas anderes als, was du da meinst heraus gelesen zu haben. 

 

 

Edited by Long John Silver

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Klaffer
Am 4.1.2020 um 12:30 schrieb Long John Silver:

Ich hatte mal wieder Gelegenheit, mir die letzte Woche so den einen oder anderen Thread durchzulesen. Ich frage mich: spiegelt die Tendenz im Negativen zu gruendeln, zu klagen, anzuklagen, sich zu beschweren ueber die Verhaeltnisse, alles grundsaetzlich negativ zu finden, an kaum etwas ein gutes Haar zu lassen, eine Grundhaltung inzwischen wieder?  ...

 

Wenn ich solche Diskussionen im Internet lese, dann kommt es mir ähnlich vor. (kath.net erlebe ich z.B. als Treffpunkt der Unzufriedenen, denen nichts recht gemacht werden kann). Wenn ich aber im "realen Leben" mit Menschen spreche, so kann ich diese Unzufriedenheit nicht in diesem Ausmaß feststellen. Den meisten ist bewusst, dass es uns nie so gut gegangen ist wie heute. Ich glaube daher, dass man die Welt, die uns das Internet vorspielt nicht allzu ernst nehmen sollte.

Edited by Klaffer
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helmut
vor 9 Stunden schrieb Klaffer:

 

Wenn ich solche Diskussionen im Internet lese, dann kommt es mir ähnlich vor. (kath.net erlebe ich z.B. als Treffpunkt der Unzufriedenen, denen nichts recht gemacht werden kann). Wenn ich aber im "realen Leben" mit Menschen spreche, so kann ich diese Unzufriedenheit nicht in diesem Ausmaß feststellen. Den meisten ist bewusst, dass es uns nie so gut gegangen ist wie heute. Ich glaube daher, dass man die Welt, die uns das Internet vorspielt nicht allzu ernst nehmen sollte.

sie wird von einer zu großen prozentzahl gewählt.

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