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Chrysologus

Missbrauch anderswo

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Die Evangelische Kirche tut sich schwer mit der Aufarbeitung, berichtet der BR.

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nannyogg57

Der Link funktioniert bei mir nicht.

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Gerhard Ingold

Was mich indessen wundert: Wieso gehen Opfer nicht direkt zur Polizei? Wieso gehen sie zu der Organisation aus der die Täter kommen?

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Studiosus
vor 26 Minuten schrieb Gerhard Ingold:

Was mich indessen wundert: Wieso gehen Opfer nicht direkt zur Polizei? Wieso gehen sie zu der Organisation aus der die Täter kommen?

 

Diese Verwunderung kann ich Dir vielleicht nehmen: Weil die Polizei, treffender wohl die Staatsanwaltschaften, mitunter - selbst bei einschlägigen Fällen (will sagen: dass Missbrauch stattgefunden hat, ist eigentlich unstrittig) - auf Verjährung erkennen und es somit zu keiner Anklage, geschweige denn zu einer Verurteilung der Täter, kommt. 

 

Im Gegensatz zur Kirche hat der Staat, soweit mir bekannt, kein Moratorium für seine Verjährungsfristen gesetzt. 

 

Kurzum: Vom Staat ist in Fällen, die weiter zurückliegen (was ja ein Großteil der Fälle tut), wenig zu erwarten. Die Kirche stellt sich und ist auch bemüht, ältere Fälle aufzuarbeiten, u. a. indem sie Opfern - auch ohne Prozess, der entweder aufgrund von Verjährungsfristen oder dem Tod der Täter unmöglich oder aber sehr belastend und langwierig sein kann - Entschädigungszahlungen leistet. 

 

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus 

Edited by Studiosus
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Moriz
vor 6 Minuten schrieb Studiosus:

Im Gegensatz zur Kirche hat der Staat, soweit mir bekannt, kein Moratorium für seine Verjährungsfristen gesetzt. 

 

Und das ist auch gut so. Denn die Aufklärung eines Verbrechens oder Vergehens wird mit der Zeit nicht einfacher. Irgendwann ist kein rechtsstaatlicher Nutzen mehr zu erwarten.

Den Missbrauchsopfern entgegenkommend beginnt die Verjährungsfrist inzwischen erst mit ihrer Volljährigkeit.

In wieweit zivilrechtliche Entschädigungsansprüche gegen Täter oder ihre Erben auch nach Verjährung möglich wären weiß ich nicht.

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Chrysologus

Das kann sehr unterschiedliche Gründe haben - auch je nach Tatkonstellation. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Die Taten sind sehr lange her, zum Teil leben die Täter auch nicht mehr. Der Staat ist dann sofort damit fertig - ist der Täter verstorben oder die Tat sicher verjährt, dann wird die Akte sofort geschlossen. Ob es twas geschehen ist oder nicht, das ist dem Staat dann egal.
  • Die Taten sind nicht immer eindeutig als solche zu identifizieren - die Betroffenen haben ein ungutes Gefühl, aber eben nicht mehr, und scheinen hier der Kirche mehr zu trauen als dem Staat.
  • Es geht den Betroffenen vor allem um zwei Punkte: Der Täter soll keine weiteren Taten begehen können, und sie wollen, dass ihre geschichte gehört und anerkannt wird. Das letztere ist für nicht wenige Betroffene  das zentrale Anliegen.
  • Fast schon will ich sagen seltsamerweise legen viele Betroffene Wert darauf, dass es ihnen weder auf Rache noch auf Strafe ankomme, der Täter solle nur an weiteren Taten gehindert werden. Es ist zumindest nicht ungewöhnlich, dass auf Entfernung aus dem Dienst kein Wert gelegt wird, man wolle dem (so wird dann gesagt) nicht schaden, es solle nur eben keine weiteren Opfer geben.
  • Nicht wenigen Betroffenen ist die Kirche nach wie vor Heimat - sie möchten das nicht "nach außen" tragen.
  • Einige legen Wert darauf, dass ihre Betrofenheit zwar anerkannt, nicht aber öffentlich wird. Das aber garantiert der Staat keienswegs.

Ich spreche im übrigen mittlerweile bewußt von Betroffenen, nicht von Opfern: Das Opfer ist notwenig passiv, es ist darauf beschränkt, dass etwas mit ihm gemacht wird. Der Betroffenen ist dies nicht zwangsläufig, mit ihm kann etwas gemacht worden sein, aber er ist nun (in Maßen) frei, wie er sich dazu verhält.

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