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Franziskaner

Die Ermahnungen des hl. Franziuskus von Assisi

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In dieser Vorbereitungszeit für Ostern beschäftige ich mich erneut mit den "Ermahnungen", die der Hl. Franziskus von Assisi an seine Brüder gerichtet hat. Ich werde gelegentlich Zitate aus diesen Ermahnungen in diesen Thread stellen, allerdings selbst nicht an Diskussionen teilnehmen.

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"Vom Leib des Herrn"

 

Daher ist es der Geist des Herrn, welcher in seinen Gläubigen wohnt, der den heiligsten Leib und das heiligste Blut des Herrn empfängt.

...

Täglich kommt er selbst zu uns und zeigt sich in Demut. Täglich steigt er aus dem Schoß des Vaters in den Händen des Priesters auf den Altar. Und wie er sich den heiligen Aposteln im wirklichen Fleische zeigte, so zeigt er sich auch uns jetzt im heiligen Brot. Und wie diese beim Anblick seines Fleisches nur sein Fleisch sahen, aber glaubten, dass er Gott ist, weil sie ihn mit geistlichen Augen schauten, so lasst auch uns, die mit leiblichen Augen Brot und Wein sehen, schauen und fest glauben, dass es lebendig und wahrhaftig sein heiligster Leib und sein Blut ist.

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"Vom Übel des Eigenwillens"

 

Jener nämlich isst vom Baum der Erkenntnis des Guten [dem verbotenen Baum des Paradieses, Anm.], der seinen Willen als sein Eigentum beansprucht und sich mit dem Guten brüstet, das der Herr durch ihn wirkt und spricht.

 

Betrachtung: Für Franziskus ist Gott die alleinige und unaufhörliche Quelle des Guten in der Welt. Der Mensch kann sich dieser Quelle öffnen, und dadurch für sich und andere dem Guten Einlass gewähren. Es bleibt aber immer Gottes Handeln. Ebenso ist es beim Empfang der Eucharistie: nur durch das Wirken des Heiligen Geistes kann der Mensch Jesus Christus in Gestalt von Brot und Wein erkennen und empfangen. Es ist der Geist Gottes, der die Sakramente empfängt. Der Mensch wird hineingenommen in das innere Leben der göttlichen Dreifaltigkeit.

Edited by Franziskaner

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Am 22.2.2021 um 13:56 schrieb Franziskaner:

"Vom Leib des Herrn"

 

Daher ist es der Geist des Herrn, welcher in seinen Gläubigen wohnt, der den heiligsten Leib und das heiligste Blut des Herrn empfängt.

...

Täglich kommt er selbst zu uns und zeigt sich in Demut. Täglich steigt er aus dem Schoß des Vaters in den Händen des Priesters auf den Altar. Und wie er sich den heiligen Aposteln im wirklichen Fleische zeigte, so zeigt er sich auch uns jetzt im heiligen Brot. Und wie diese beim Anblick seines Fleisches nur sein Fleisch sahen, aber glaubten, dass er Gott ist, weil sie ihn mit geistlichen Augen schauten, so lasst auch uns, die mit leiblichen Augen Brot und Wein sehen, schauen und fest glauben, dass es lebendig und wahrhaftig sein heiligster Leib und sein Blut ist.

 

Betrachtung:

Für Franziskus ist Eucharistie ein Geschehen mit mehreren Dimensionen. Außer dem Aspekt der Mahlfeier, in der sich Christus die Jünger nährt, und dem des Opfers, in dem Christus sich für uns hingibt, ist noch ein weiterer Sinn für Farnziskus wichtig: In der Eucharistie ereignet sich Inkarnation.

 

So wie Gott vor 2000 Jahren in Jesus Mensch wurde, kommt er in jeder Eucharistiefeier in Brot und Wein zu uns. Gott greift in das Kommunikationsgeschehen dieser Welt ein. Dieses Eingreifen muss notwendigerweise materiell sein, weil alle Kommunikation in dieser Welt materiell ist. Gott wandelt Brot und Wein, er wandelt die Welt, und dabei verwandelt er die Welt sich selbst an. Nur durch diesen Prozess, in dem Gott auf uns zu kommt und uns gleichzeitig verwandelt, können wir Gott überhaupt nahekommen und in Beziehung zu ihm treten.

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"Vom vollkommenen Gehorsam"

 

Der Herr sagt im Evangelium: "Wer nicht allem entsagt, was er besitzt, kann nicht mein Jünger sein."; und: "Wer sein Leben retten will, wird es verlieren."

Jener Mensch verlässt alles, was er besitzt, [...] der sich selbst zum Gehorsam ganz in die Hände seiner Oberen begibt.

...

Und wenn der Untergebene einmal etwas sieht, was für seine Seele besser und nützlicher ist als das, was der Obere ihm befiehlt, so soll er das Seine freiwillig Gott zum Opfer bringen; was aber vom Oberen kommt, soll er tatkräftig zu erfüllen trachten. Denn das ist der von Liebe getragene Gehorsam, weil er Gott und dem Nächsten Genüge leistet.

---

Wenn aber der Obere etwas gegen seine Seele befehlen würde, so darf er ihm zwar nicht gehorchen, soll ihn aber trotzdem nicht verlassen. Und wenn er deshalb von einigen verfolgt würde, soll er sie um Gottes Willen noch mehr lieben.

 

Betrachtung:

Ein Beispiel dieser Haltung ist für mich Johannes XXIII. Die 20 nach Karrieregesichtspunkten wichtigsten Jahre seines Berufslebens verbrachte er auf einem von allen als unbedeutend angesehenen Posten als apostolischer Delegat in Bulgarien und der Türkei (was ihm den Spitznamen "Roncallis il bulgaro" einbrachte). Er füllte diese Aufgaben mit Liebe und Sorgfalt. Während des zweiten Weltkriegs rettete er zahlreichen Juden das Leben.

Erst im Pensionsalter wurde er mit Aufgaben betraut, die aus kirchlich-strategischer Sicht eine wirkliche Bedeutung hatten: apostolischer Delegat in Frankreich; und schließlich, mit 72 Jahren, Bischof von Venedig. Obwohl er persönlichen Ehrgeiz durchaus kannte, hat er sich niemals darüber beschwert oder eine andere Behandlung verlangt. Als Papst sagte er zu Seminaristen: "Kinder, seid gewiss: So viel wie einer die Kirche liebt, so viel hat er vom Heiligen Geist."

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"Von der Geduld"

"Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden." (Matth 5, 9). Der Knecht Gottes kann nicht erkennen, wie große Geduld und Demut er in sich hat, wenn alles nach seinem Wunsch geht. Wenn aber eine Zeit kommt, in der jene, die seinen Wünschen entsprechend handeln müssten, ihm das Gegenteil antun: was er dann an Geduld und Demut hat, das hat er und nicht mehr.

 

Betrachtung:

Unsere Zeit ist also für alle Christen eine Zeit der Gnade. Sie erlaubt uns, egal wo wir stehen, das Maß unserer Geduld und Demut zu erkennen.

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"Dass niemand sich stolz erhebe, sich vielmehr im Kreuz des Herrn rühme"

 

Bedenke, o Mensch, in welch erhabene Würde Gott der Herr dich eingesetzt hat, da er dich dem Leibe nach zum Bilde seines geliebten Sohnes und dem Geiste nach zu seiner Ähnlichkeit erschaffen und gestaltet hat.

...

 

Betrachtung:

Den Abschnitt "Dass sich niemand stolz erhebe ..." beginnt Franziskus mit einer nachdrücklichen Erinnerung an die unverlierbare, von Gott gegeben Würde des Menschen. Er sieht den Menschen als Einheit aus Leib und Geist, und bezieht auch den Leib in diese Würde mit ein. Die Leiblichkeit Jesu ist für ihn dabei nicht eine Demütigung oder ein Abstieg des Gottessohnes in die leibliche Welt. Vielmehr ist es ein Privileg des Menschen, in seiner Leiblichkeit dem Gottessohne ähnlich zu sein. Die materielle Existenz wird dadurch in das göttliche Leben mit hineingenommen.

Edited by Franziskaner

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...

Und alle Geschöpfe, die unter dem Himmel sind, dienen ihrem Schöpfer, erkennen ihn und gehorchen ihm ihrem Wesen nach besser als du [der Mensch]. Und selbst die bösen Geister haben ihn nicht gekreuzigt.

...

 

Betrachtung:

Für Franziskus ist die ganze Schöpfung eine Einheit, die, gut geschaffen, in Gemeinschaft mit ihrem Schöpfer lebt. Jedes Geschöpf hat einen bestimmten Platz, eine bestimmte Aufgabe, für die es geschaffen wurde. Und alle Geschöpfe außer dem Menschen leben im Einklang mit dieser Aufgabe. Sogar die bösen Geister, die die natürliche Ordnung durcheinanderbringen und gegen den göttlichen Plan handeln, sind nicht so abgründig böse, wie der Mensch es sein kann.

 

Ich finde es schön, wie Franziskus nicht nur die Schöpfung als gut und wertvoll schätzt, sondern auch den bösen Geistern einen Platz im göttlichen Plan zuweist. Er bekennt damit, dass die gesamte Schöpfung gut ist und dass es keinen wirklichen Dualismus zwischen gut und böse geben kann.

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