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Gedanken zum heutigen Tagesevangelium Mk 12

25 Wenn nämlich die Menschen von den Toten auferstehen,

werden sie nicht mehr heiraten, sondern sie werden sein wie die Engel im Himmel.

 

26 Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen,

in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht:

Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?

 

27 Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr.

-------------------------------------------------------------------------------

 

Es wird alles anders sein.

Anders, als wir es uns im Vorhinein vorstellen,

andere Voraussetzungen, die sich unserer Planung entziehen.

So bleibt das Leben nach dem Tod unvorstellbar.

 

So weit war ich schon.

Ach ja? Unvorstellbar? Welch große Hilfe, dies zu erfahren!

 

Jesus argumentiert mit Abraham, Isaak und Jakob.

Haben die wirklich gelebt?

Woher sollen wir das wissen?

Ihr Leben ist nur in der Bibel erwähnt.

Und was in der Bibel steht, ist historisch fragwürdig.

Das Argument Jesu könnte sich in sein Gegenteil verkehren:
Da die drei nie wirklich gelebt haben,

wäre Gott kein Gott des echten Lebens.

Aber vielleicht, vielleicht, vielleicht

haben sie ja doch gelebt.

Vielleicht.

 

Jesu Beispiele ziehen nicht.

Aber das eigentliche Argument kommt erst am Schluss:

Gott ist ein Gott des Lebens.

Mehr als dies eine Aussage über Abraham, Isaak und Jakob ist,

ist dies eine Aussage über unseren Planeten.

Eine beobachtbare Aussage, denn es gibt tatsächlich und beobachtbar Leben

auf diesem Planeten.

Die drei biblischen Gestalten waren nur Beispiele,

die für das Leben stehen?

 

Naja. Jesus wollte vielleicht auf allgemein anerkannte Persönlichkeiten

der gemeinsamen Vergangenheit hinweisen.

Oder Markus wollte dies. Weiß man nie so genau.

 

Real ist: Auch wenn es die drei Genannten nie gegeben hätte:
Irgendjemanden hat es gegeben.

Seit 115000 Jahren gibt es den anatomisch modernen Menschen,

seit 2 Millionen Jahren recht menschenähnliche Hominini,

seit 542 Millionen Jahren verbreitetes und diversifiziertes Leben

und seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren Leben auf diesem Planeten.

Jetzt suchen sie auf dem Mars, aber Jupitermond Europa ist auch ein Kandidat.

 

Womöglich ist Gott ein Gott des Lebens in noch viel größerem Stil.

Aliens scheinen wahrscheinlicher zu existieren,

als Abraham, Isaak und Jakob zusammen.

Der Geist des Herrn erfüllt das All.

In diesem Fall.

 

Womöglich ist der Schöpfer des Alls ein Lebensfreund.

Vielleicht liebt er belebte Planeten.

Und wir sind eine Ausgeburt seiner Lebensfreundlichkeit.

Wir existieren, weil er Leben wollte.

 

Klare Absichtserklärungen dieses Schöpfers haben wir leider nicht in Händen.

Der Verweis Jesu auf vorgebliche Ahnen ist paradigmatisch.

Ebenso unklar ist, was Gott will, 

ob das Leben sein Wille war,

oder ob es ein Kollateralschaden für einen anderen Plan ist.

 

Unklar ist, ob er das Leben nur für ein paar Jahre liebt,

oder ob er uns spätestens nach 130 Jahren ins Nichts versinken lässt.

Mamutbäume scheint er mehr zu lieben

und gewährt ihnen mehr Zeit.

 

Aber vielleicht stimmen ja auch die Ahnungen.

Vielleicht stimmt ja auch die Ahnung von Jesus, von Markus und von den Christen.

Die Ahnung, dass das Vorhandensein von realem Leben ein Zeichen ist.

Zeichen von einem überbordenden Lebenswillen des Schöpfers.

Die Zeichen beflügeln unsere Phantasie und machen uns Hoffnung.

 

Wir wissen nicht, wie Gott einen Lebensplan vollenden wird.

Wir wissen nicht einmal, ob er das will.

Aber die Möglichkeit zu einer solchen Vollendung genügt bereits,

um unser Hoffnungsmodul anspringen zu lassen.

 

Ach wäre ein Gott, ach wäre ein Gott,

der nicht nur von fragwürdig-existenten Personen der Vergangenheit redet,

sondern der sie irgendwie vollendet.

 

Ach wäre ein Gott, der schon die ersten Archaeen und Cyanobakterien vollendet,

die Trilobiten, Bärlappe, Anomalocaris, Duncleosteus, 

die Amphibien und Dinos.

Und natürlich die Menschen.

 

Jesus hält durch seine Beispiele die Hoffnung offen.

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Gedanken zu Fronleichnam

 

Eine Prozession war schon im letzten Jahr nicht möglich. Dieses Jahr auch nicht. Wir bleiben vorsichtig.

Nicht, dass wir in ein paar Wochen noch mehr Prozessionen feiern ... auf den Friedhöfen.

 

Es wird trotzdem Fronleichnam, also das Hochfest des Leibes und Blutes Christi.

Der Leib Christi, das ist die Hostie?
Der Leib Christi, das sind wir, die Kirche, die Gemeinde?

 

Die Hostie können wir in diesem Jahr nicht durch unsere Straßen tragen,

sie mit Liedern und Gebeten, Schellen, güldener Monstranz und Himmel auf vier Stangen begleiten

und verkünden:

 

"Wir glauben an die Gegenwart Jesu,

er ist da, er ist bei uns, hilft und heilt noch immer wie zu Lebzeiten,

gibt Hoffnung, spricht von Gott wie zu Lebzeiten,

streitet, leidet und gibt uns die Richtig vor wie zu Lebzeiten."

 

Wir können das in diesem Jahr nicht mit Hostie und Monstranz.

Wir können das nicht mit einer vielköpfigen Prozession.

 

Aber wir können es trotzdem. Allerdings mit anderen Methoden.

Wir können es als kleine Gruppen in kleinen Gruppen verkünden.

Zum Beispiel: Wir ... in unseren Freundeskreisen, Nachbarschaften, Verwandtschaften oder Vereinen.

Auch dies wäre Fronleichnam - wenn auch mit anderen Methoden.

Ohne Monstranz, Himmel und Blumenteppich.

Wer Blumenteppiche will, kennt bestimmt einen Ort in der näheren Umgebung, wo er auch in diesem Jahr welche bewundern kann.

 

Aber ich bezweifle, dass viel Fronleichnam gefeiert wird - auch in dieser abgespeckten Form.

Wir sind sehr stark von äußeren Formen abhängig.

 

Vor 2 Jahren konnten wir prozessieren. Da hatten wir die Form.

Wie groß war unser Prozessionstross?

Welches Durchschnittsalter?

War das noch das Volksfest, das die Älteren aus ihrer Kindheit kennen?

 

Wir sind nicht mehr Volkskirche. Wie sollen wir dann Fronleichnam zum Volksfest machen?

Schon vor 2 Jahren gab es mehr Leute, die NICHT mitprozessiert haben,

als Leute, die es taten.

Schon vor 2 Jahren waren im Prozessionstross Leute, die nicht aus Begeisterung, sondern auf Geheiß mitliefen.

 

Corona macht etwas sichtbar, was eigentlich schon lange sichtbar ist.

Aber dies sind nur die Äußerlichkeiten.

 

Es gibt auch "Innerlichkeiten". Auf diese sind wir jetzt verstärkt zurückgeworfen.

Diese Innerlichkeiten bestehen aus dem Glauben an die Gegenwart Christi mitten in unserem Leben.

Er ist bei uns.

In der Kommunion schlüpft er sogar in uns hinein.

Das ist dann eine Art Privat-Fronleichnam im individuellen Rahmen.

 

Die Frage nach der Form der Festlichkeit richtet sich an die Politik, an die Corona-Viren, an die Mitarbeit vieler Helfer.

Die Frage nach dem innerlichen Privat-Fronleichnam richtet sich an uns selbst, an jeden Einzelnen.

 

Worin, meine liebe Christin, mein lieber Christ,

wird dir Jesus am heutigen Tage gegenwärtig?

Wo hilft er dir, gibt er dir Hoffnung, wo heilt er dich?

Wo weist er dir den Weg?

 

Die Antworten auf diese Fragen heißen gemeinsam: Fronleichnam.

 

 

 

 

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Gedanken am Vorabend von Fronleichnam

 

Warum bin ich gegen "Beleidigung religiöser Gefühle" ziemlich immun?

 

Mein erster Erklärungsversuch ist: Weil ich das gewöhnt bin. Gewöhnt? Abgestumpft?

Erstmalig wurde ich am Ende meiner Bundeswehrzeit damit konfrontiert.

Ein Kamerad sah mich entsetzt an: "Glaubst du etwa, da oben hockt einer, der dir hilft?"
Ich: "Ja"

Der Kamerad schüttelte sich vor Lachen - ziemlich verächtlich. Ich stand als Depp da.

 

Der Vorfall hat mich ziemlich beschäftigt. Ich fühlte mich hilflos, dem Spott preisgegeben und argumentlos.

Erst nach Monaten kam ich darauf, dass das Problem nicht bei mir lag, sondern bei meinem Kameraden.

"Ein Kamerad, der sich so über meinen Glauben lustig macht, ist kein Kamerad!", dachte ich.

Jahre später erst wurde mir klar, dass das Verhalten meines Kameraden nicht unkameradschaftlich war,

sondern schlichtweg ehrlich.

Ich muss auf ihn gewirkt haben, so wie auf mich ein Flacherdler wirkt. Das konnte er nicht ernst nehmen.

Das hat nichts mit bösem Willen oder Gemeinheit zu tun.

Und noch viel später wurde mir klar, dass sich der Kamerad womöglich selbst ins Knie geschossen hat.

Irgendwann, sagte ich mir, wird er vor Trümmern stehen und sich ebenso hilflos vorkommen, wie ich.

Und dann hat er nicht einmal den Glauben und nicht einmal einen Ansatzpunkt für eine zukünftige Hoffnung.

Nein, das habe ich ihm nicht gegönnt. Das würde ich niemandem gönnen.

Es war nur beunruhigend: Denn soooo meines Glaubens sicher bin ich nun auch wieder nicht,

als dass ich mich selbst vor dieser Gefahr (Hoffnungsverlust) sicher fühlen könnte.

 

Mein zweiter Erklärungsversuch ist: Weil ich meinen Glauben als Suche verstehe.

Das unterscheidet mich von einem Fundamentalisten, z.B. von einem Flacherdler, der felsenfest von seinem Zeugs überzeugt ist.

Dieses Argumentsammeln von Fundamentalisten ist ängstlich. Sie haben Angst davor, jemand könne ihre Argumente vernichten.

Das würde ihnen den Boden unter den Füßen bauen und bewusst machen, dass sie schon immer auf schwankendem Boden standen.

 

Bei einer Suche ist das anders. Ich fühle mich mit meiner Suche schlicht als ein Suchender unter allen anderen.

Egal, ob sie sich ihrer Suche bewusst sind, oder ob sie sich eine Sicherheit vorgaukeln: Sie sind trotzdem Suchende.

 

Wenn jemand sich über meine Suchbewegung insgesamt lustig macht (wie jener Kamerad), dann fühle ich mich überlegen.

Mir ist etwas bewusst, was ihm* offensichtlich entgangen ist.

 

Wenn jemand meine Suchstrategie für verfehlt hält, dann könnte es ja auch sein, dass er recht hat. Ich bin kein Weltmeister.

Dann lerne ich auf meiner Suche eben dazu - und zwar reichlich angstfrei, denn ich weiß ja:
INSGESAMT gibt es keine Alternative zum Suchen.

Und: Irrwege sind erlaubt - auch bei mir.

 

Wenn also jemand sagt: "Glaube? Verrückt, oder was?" oder "Christentum? Pffft! Nicht alle Tassen im Schrank?"

Dann bin ich vornehmlich an seiner Alternative interessiert.

Die meisten Alternativen halte ich für weniger reflektiert, als meine eigene Suchstrategie.

Die richtig guten Alternativen scheinen nicht so recht zu mir zu passen.

Dass ich mich für eine religiöse und christliche Suchrichtung entschieden habe, hat gute Gründe,

derer ich mir ziemlich sicher bin.

Dadurch bringt es mich nur selten "aus dem Häuschen".

 

Ein bleibendes Problem

habe ich mit Alternativen, die grundlegende meiner Werte in Abrede stellen.

Wenn mir zum Beispiel jemand rät, Menschlichkeit hintanzustellen.
Oder den Erfolg der Wahrheit vorzuziehen, was doch viel effektiver sei.

Oder wenn mir jemand versucht einzureden, Unmenschlichkeit sei doch gar nicht so unmenschlich.

Aber dies scheint mir eher ein unlösbares Kommunikationsproblem zu sein.

In Gesprächen mit solchen Leuten komme ich einfach nicht weiter. Das erzeugt zwar Unwillen und Ratlosigkeit in mir,

verleitet mich auch gelegentlich zu drastischen Äußerungen. Aber so sind manche Menschen nun einmal.

Ich habe das Buch gelesen "Mit Ignoranten sprechen". War interessant. Scheint mir aber auch keine Lösung.

Dieser Rest bleibt.

 

Edited by Mecky
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Gerhard Ingold
vor 13 Stunden schrieb Mecky:

Gedanken zum heutigen Tagesevangelium Mk 12

25 Wenn nämlich die Menschen von den Toten auferstehen,

werden sie nicht mehr heiraten, sondern sie werden sein wie die Engel im Himmel.

 

26 Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen,

in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht:

Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?

 

27 Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr.

-------------------------------------------------------------------------------

 

Es wird alles anders sein.

Anders, als wir es uns im Vorhinein vorstellen,

andere Voraussetzungen, die sich unserer Planung entziehen.

So bleibt das Leben nach dem Tod unvorstellbar.

 

So weit war ich schon.

Ach ja? Unvorstellbar? Welch große Hilfe, dies zu erfahren!

 

Jesus argumentiert mit Abraham, Isaak und Jakob.

Haben die wirklich gelebt?

Woher sollen wir das wissen?

Ihr Leben ist nur in der Bibel erwähnt.

Und was in der Bibel steht, ist historisch fragwürdig.

Das Argument Jesu könnte sich in sein Gegenteil verkehren:
Da die drei nie wirklich gelebt haben,

wäre Gott kein Gott des echten Lebens.

Aber vielleicht, vielleicht, vielleicht

haben sie ja doch gelebt.

Vielleicht.

 

Jesu Beispiele ziehen nicht.

Aber das eigentliche Argument kommt erst am Schluss:

Gott ist ein Gott des Lebens.

Mehr als dies eine Aussage über Abraham, Isaak und Jakob ist,

ist dies eine Aussage über unseren Planeten.

Eine beobachtbare Aussage, denn es gibt tatsächlich und beobachtbar Leben

auf diesem Planeten.

Die drei biblischen Gestalten waren nur Beispiele,

die für das Leben stehen?

 

Naja. Jesus wollte vielleicht auf allgemein anerkannte Persönlichkeiten

der gemeinsamen Vergangenheit hinweisen.

Oder Markus wollte dies. Weiß man nie so genau.

 

Real ist: Auch wenn es die drei Genannten nie gegeben hätte:
Irgendjemanden hat es gegeben.

Seit 115000 Jahren gibt es den anatomisch modernen Menschen,

seit 2 Millionen Jahren recht menschenähnliche Hominini,

seit 542 Millionen Jahren verbreitetes und diversifiziertes Leben

und seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren Leben auf diesem Planeten.

Jetzt suchen sie auf dem Mars, aber Jupitermond Europa ist auch ein Kandidat.

 

Womöglich ist Gott ein Gott des Lebens in noch viel größerem Stil.

Aliens scheinen wahrscheinlicher zu existieren,

als Abraham, Isaak und Jakob zusammen.

Der Geist des Herrn erfüllt das All.

In diesem Fall.

 

Womöglich ist der Schöpfer des Alls ein Lebensfreund.

Vielleicht liebt er belebte Planeten.

Und wir sind eine Ausgeburt seiner Lebensfreundlichkeit.

Wir existieren, weil er Leben wollte.

 

Klare Absichtserklärungen dieses Schöpfers haben wir leider nicht in Händen.

Der Verweis Jesu auf vorgebliche Ahnen ist paradigmatisch.

Ebenso unklar ist, was Gott will, 

ob das Leben sein Wille war,

oder ob es ein Kollateralschaden für einen anderen Plan ist.

 

Unklar ist, ob er das Leben nur für ein paar Jahre liebt,

oder ob er uns spätestens nach 130 Jahren ins Nichts versinken lässt.

Mamutbäume scheint er mehr zu lieben

und gewährt ihnen mehr Zeit.

 

Aber vielleicht stimmen ja auch die Ahnungen.

Vielleicht stimmt ja auch die Ahnung von Jesus, von Markus und von den Christen.

Die Ahnung, dass das Vorhandensein von realem Leben ein Zeichen ist.

Zeichen von einem überbordenden Lebenswillen des Schöpfers.

Die Zeichen beflügeln unsere Phantasie und machen uns Hoffnung.

 

Wir wissen nicht, wie Gott einen Lebensplan vollenden wird.

Wir wissen nicht einmal, ob er das will.

Aber die Möglichkeit zu einer solchen Vollendung genügt bereits,

um unser Hoffnungsmodul anspringen zu lassen.

 

Ach wäre ein Gott, ach wäre ein Gott,

der nicht nur von fragwürdig-existenten Personen der Vergangenheit redet,

sondern der sie irgendwie vollendet.

 

Ach wäre ein Gott, der schon die ersten Archaeen und Cyanobakterien vollendet,

die Trilobiten, Bärlappe, Anomalocaris, Duncleosteus, 

die Amphibien und Dinos.

Und natürlich die Menschen.

 

Jesus hält durch seine Beispiele die Hoffnung offen.

 

"Wer da weiss, Gutes zu tun und tut es nicht, der sündigt" (Jak. 4,17).

 

Ein Gott, der sich offenbarend und damit Wunder-wirkend ins Diesseits hineinwirken könnte, wäre der Sünder schlechthin.

 

Es wurde noch nie aus einem Glasauge ein sehendes Auge. Entsprechend gibt es keine Auferstehung. Eine Auferstehung und damit Erneuerung aller Gehirnzellen mit den vielen gespeicherten Informationen wäre viel komplizierter als aus einem Glasauge ein sehendes Auge zu machen.

 

Wenn es hier und jetzt für die Menschen kein erfülltes Leben gibt, dann dient man mit Hoffnungen nur jenen, die auf das Jenseits vertrösten.

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Gerhard Ingold
vor 48 Minuten schrieb Mecky:

Gedanken am Vorabend von Fronleichnam

 

Warum bin ich gegen "Beleidigung religiöser Gefühle" ziemlich immun?

 

Mein erster Erklärungsversuch ist: Weil ich das gewöhnt bin. Gewöhnt? Abgestumpft?

Erstmalig wurde ich am Ende meiner Bundeswehrzeit damit konfrontiert.

Ein Kamerad sah mich entsetzt an: "Glaubst du etwa, da oben hockt einer, der dir hilft?"
Ich: "Ja"

Der Kamerad schüttelte sich vor Lachen - ziemlich verächtlich. Ich stand als Depp da.

 

Der Vorfall hat mich ziemlich beschäftigt. Ich fühlte mich hilflos, dem Spott preisgegeben und argumentlos.

Erst nach Monaten kam ich darauf, dass das Problem nicht bei mir lag, sondern bei meinem Kameraden.

"Ein Kamerad, der sich so über meinen Glauben lustig macht, ist kein Kamerad!", dachte ich.

Jahre später erst wurde mir klar, dass das Verhalten meines Kameraden nicht unkameradschaftlich war,

sondern schlichtweg ehrlich.

Ich muss auf ihn gewirkt haben, so wie auf mich ein Flacherdler wirkt. Das konnte er nicht ernst nehmen.

Das hat nichts mit bösem Willen oder Gemeinheit zu tun.

Und noch viel später wurde mir klar, dass sich der Kamerad womöglich selbst ins Knie geschossen hat.

Irgendwann, sagte ich mir, wird er vor Trümmern stehen und sich ebenso hilflos vorkommen, wie ich.

Und dann hat er nicht einmal den Glauben und nicht einmal einen Ansatzpunkt für eine zukünftige Hoffnung.

Nein, das habe ich ihm nicht gegönnt. Das würde ich niemandem gönnen.

Es war nur beunruhigend: Denn soooo meines Glaubens sicher bin ich nun auch wieder nicht,

als dass ich mich selbst vor dieser Gefahr (Hoffnungsverlust) sicher fühlen könnte.

 

Mein zweiter Erklärungsversuch ist: Weil ich meinen Glauben als Suche verstehe.

Das unterscheidet mich von einem Fundamentalisten, z.B. von einem Flacherdler, der felsenfest von seinem Zeugs überzeugt ist.

Dieses Argumentsammeln von Fundamentalisten ist ängstlich. Sie haben Angst davor, jemand könne ihre Argumente vernichten.

Das würde ihnen den Boden unter den Füßen bauen und bewusst machen, dass sie schon immer auf schwankendem Boden standen.

 

Bei einer Suche ist das anders. Ich fühle mich mit meiner Suche schlicht als ein Suchender unter allen anderen.

Egal, ob sie sich ihrer Suche bewusst sind, oder ob sie sich eine Sicherheit vorgaukeln: Sie sind trotzdem Suchende.

 

Wenn jemand sich über meine Suchbewegung insgesamt lustig macht (wie jener Kamerad), dann fühle ich mich überlegen.

Mir ist etwas bewusst, was ihm* offensichtlich entgangen ist.

 

Wenn jemand meine Suchstrategie für verfehlt hält, dann könnte es ja auch sein, dass er recht hat. Ich bin kein Weltmeister.

Dann lerne ich auf meiner Suche eben dazu - und zwar reichlich angstfrei, denn ich weiß ja:
INSGESAMT gibt es keine Alternative zum Suchen.

Und: Irrwege sind erlaubt - auch bei mir.

 

Wenn also jemand sagt: "Glaube? Verrückt, oder was?" oder "Christentum? Pffft! Nicht alle Tassen im Schrank?"

Dann bin ich vornehmlich an seiner Alternative interessiert.

Die meisten Alternativen halte ich für weniger reflektiert, als meine eigene Suchstrategie.

Die richtig guten Alternativen scheinen nicht so recht zu mir zu passen.

Dass ich mich für eine religiöse und christliche Suchrichtung entschieden habe, hat gute Gründe,

derer ich mir ziemlich sicher bin.

Dadurch bringt es mich nur selten "aus dem Häuschen".

 

Ein bleibendes Problem

habe ich mit Alternativen, die grundlegende meiner Werte in Abrede stellen.

Wenn mir zum Beispiel jemand rät, Menschlichkeit hintanzustellen.
Oder den Erfolg der Wahrheit vorzuziehen, was doch viel effektiver sei.

Oder wenn mir jemand versucht einzureden, Unmenschlichkeit sei doch gar nicht so unmenschlich.

Aber dies scheint mir eher ein unlösbares Kommunikationsproblem zu sein.

In Gesprächen mit solchen Leuten komme ich einfach nicht weiter. Das erzeugt zwar Unwillen und Ratlosigkeit in mir,

verleitet mich auch gelegentlich zu drastischen Äußerungen. Aber so sind manche Menschen nun einmal.

Ich habe das Buch gelesen "Mit Ignoranten sprechen". War interessant. Scheint mir aber auch keine Lösung.

Dieser Rest bleibt.

 

Da bin ich bei Dir. Wer kein Suchender mehr ist, hat das Leben hinter sich gelassen. Die schnellen Antworten, die die meisten Menschen als Gläubige oder Ungläubige haben, machten mir immer angst.

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Marcellinus
vor 8 Minuten schrieb Gerhard Ingold:

Wer kein Suchender mehr ist, hat das Leben hinter sich gelassen.

 

Ist das so? Ich kenne Menschen, die ihren Weg gefunden haben, ohne das man sagen könnte, sie hätten ihr Leben "hinter sich gelassen".

 

vor 8 Minuten schrieb Gerhard Ingold:

Die schnellen Antworten, die die meisten Menschen als Gläubige oder Ungläubige haben, machten mir immer angst.

 

Da hast du Recht, aber war deine Aussage oben nicht auch "eine schnelle Antwort"? Wir alle versuchen, uns in dieser Welt zurechtzufinden, und im Moment ist gerade keine gute Zeit dafür. Und wir sind gezwungen, uns mit anderen auseinanderzusetzen, die sich auf andere Art in dieser Welt zurechtfinden als wir. Was die Sache nicht besser macht. 

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vor 25 Minuten schrieb Gerhard Ingold:

Eine Auferstehung und damit Erneuerung aller Gehirnzellen

Ob sich Gott an Deine Vorstellung von Auferstehung halten wird?

Es wäre auch die Frage, in welchem Zustand das zu erneuernde Gehirn sein soll.

Auferstehung = Erneuerung aller Gehirnzellen eines schwer dementen Menschen klingt zum Beispiel nicht so prickelnd.

Dann doch lieber die Auferstehung meines 50-jährigen Gehirns ... die späteren Informationen sind vielleicht nicht ganz so prickelnd.

 

Deine Auferstehungsvorstellung teilt übrigens Frank Tippler, ein anerkannter Astrophysiker, der sich mit seinem Buch "Die Physik der Unsterblichkeit" prima blamiert hat.

Er wollte eine Unsterblichkeit konstruieren, indem er einen Menschen bis auf jeden Quant einscannte, die Infos auf eine ultimative Festplatte speicherte und die Festplatte im Big-Crash durch relativistische Effekte verewigte. Die erste Kritik war natürlich am Einscannen. Auf den Quant genau geht das nämlich nicht - nach Heisenberg.

 

Aber immerhin: Interessant zu lesen ist das Buch durchaus. Auch Deine Auferstehungsvorstellung. Aber das ist sicherlich nicht das, was ich mir unter Auferstehung vorstelle.

Ich will auch nicht meinen jetzigen Körper nach dem Tode wiedererhalten. Ich finde: Ich habe etwas Besseres verdient. Vor allem mal ein paar Pfunde weniger.

 

Ich bin auch kein Esoteriker, der für die Auferstehungen ganz tolle Mechanismen erfindet, wie z.B. Rudolf Steiner. Auch seine Vorstellungen sind interessant zu lesen. Aber letztlich ziemlich versponnen. 

 

Ich gehe davon aus, dass es nach meinem Tod wieder sowas gibt wie "meinen Körper" oder "mein Gehirn".

Warum?

Weil ich glaube, dass Gott mich vollenden wird. Und da gehört dann (nach meiner jetzigen, irdischen Anschauung) auch ein Körper dazu. Allein schon, um noch denken zu können ... da bräuchte es so was, wie ein Gehirn. Aber nicht unbedingt sowas Beschränktes, wie mein jetziges, körperliches. 

Wie genau Gott dies machen und gestalten wird? Keine Ahnung. Das überlasse ich ganz allein ihm.

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Marcellinus
vor 16 Minuten schrieb Mecky:

Ich gehe davon aus, dass es nach meinem Tod wieder sowas gibt wie "meinen Körper" oder "mein Gehirn".

Warum?

Weil ich glaube, dass Gott mich vollenden wird.

 

Die entscheidende Frage ist nur, warum? Wenn dein übernatürlicher Helfer in der Lage ist, dich nach deinem Tod "zu vollenden", warum hat er/sie/es nicht schon beim ersten Mal gemacht? Hat er nicht gewollt, woraus schließt du, daß er es nun will. Hat er nicht gekonnt, wird er es auch jetzt nicht können. 

 

Sollte diese Welt das Ergebnis einer absichtsvollen Schöpfung sein (was ich sehr bezweifle), so besteht kein Zweifel darin, daß sie keine Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Geschöpfe nimmt. Was immer diese Geschöpfe an Hoffnungen haben mögen, sie werden am Ende alle enttäuscht. Das ist nicht etwa ein Fehler, es ist Teil des Konstruktionsprinzips.

 

Soweit Lebewesen über ein Bewußtsein verfügen, mag Hoffnung notwendig sein zum Überleben, aber ebenso notwendig ist, daß diese Hoffnung am Ende enttäuscht wird. Insofern ist Täuschung eines der Prinzipien, auf denen diese Welt beruht. 

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vor 15 Minuten schrieb Marcellinus:

daß sie keine Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Geschöpfe nimmt.

Das stimmt doch gar nicht.

Ich habe das Bedürfnis nach Wasser - und es gibt Wasser in Hülle und Fülle.

Ich habe das Bedürfnis nach Kommunikation, und mir stehen 8 Milliarden potentielle Gesprächspartner gegenüber.

 

Mit Wünschen ist es ein wenig verwickelter.

Manchmal wünsche ich mir was, aber ich bekomme es nicht. 

Dafür bekomme ich Anderes - 24 Stunden am Tag. Manchmal bekomme ich auch sehr unerwünschte Dinge.

Ein Leben, das mir alle Wünsche erfüllt, wünsche ich mir trotzdem nicht.

 

Allerdings gibt es auch wirklich Übles. Damit meine ich vor allem die Dinge, die man nicht einfach zur Herausforderung uminterpretieren kann.

Zum Beispiel gekreuzigt werden. Das meine ich jetzt nicht als konkrete Kreuzigung, sondern als zusammenfassendes Symbol.

 

Aber gerade in diesen Fällen lebt es sich besser, wenn man sein Vertrauen darauf setzt, wie viel einem die Schöpfung schon gegeben hat.

Und dann denke ich weiter: Derjenige, der mir eine solche Welt mit vielerlei Bedürfnissen und Bedürfniserfüllungen geschaffen hat,

der hat vielleicht noch was auf der Pfanne, um sogar das Kreuz sinnvoll zu machen. Auch die Misserfolge, vor allem aber die vielen Begrenzungen.

 

Wieso interpretierst Du die Welt so negativ? Du tust ja so, als ob die Welt keine Rücksicht auf Deine Wünsche und Bedürfnisse nähme.

So schlecht geht es Dir doch gar nicht! Deinen Bedürfnissen ist die Welt doch schon massenweise nachgekommen. 

Allein schon diese geniale Evolution. Die hat Dir schon ganz im Grundsätzlichen Bedürfnisse mitgegeben, die erfüllt werden könne.

Warum haben sich Augen entwickelt? Weil es Licht gibt. In einer Welt ohne Licht hätten sich keine Augen entwickelt.

Warum hast du Bedarf, etwas zu sehen? Weil du die Organe hast, um etwas sehen zu können. Perfektes Zusammenspiel.
Gilt zwar nicht immer - aber es gilt sehr grundsätzlich. In vielen Fällen muss man die Beispiele wechseln. Zum Beispiel bei einem Blinden.

Aber der hat Ohren. Beispielswechsel.

Oder bei einem intellektuell Minderbemittelten. Aber vielleicht ist er echt gut im Bett und findet mehr Glück mit willigen Frauen, als der Professor von nebenan.

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Die Angelika
vor 49 Minuten schrieb Marcellinus:

Soweit Lebewesen über ein Bewußtsein verfügen, mag Hoffnung notwendig sein zum Überleben, aber ebenso notwendig ist, daß diese Hoffnung am Ende enttäuscht wird. Insofern ist Täuschung eines der Prinzipien, auf denen diese Welt beruht. 

 

Du bringst mich wieder auf Gedanken. Ich habe gerade den Eindruck, dass ich erstmalig das Märchen "Hans im Glück" wirklich verstehe.

Eigentlich würde man denken, dass dieses Leben des Hans eines voller Enttäuschungen ist. Denn er wird wieder und wieder über den Tisch gezogen. Aber was macht er? Er deutet sich die Ereignisse so um, dass alles Geschehene eigentlich nur zu seinem Besten ist. Er bekümmert sich um nichts, sondern sieht alles positiv, selbst die Steine, die ihm am Ende anstelle seines Goldlohnes bleiben, hält er für kostbar.

Und am Ende heißt es im Märchen:

 

Zitat

Wie eine Schnecke kam er zu einem Feldbrunnen geschlichen, da wollte er ruhen und sich mit einem frischen Trunk laben; damit er aber die Steine im Niedersitzen nicht beschädigte, legte er sie bedächtig neben sich auf den Rand des Brunnens. Darauf drehte er sich um, und wollte sich zum Trinken bücken, da versah er es, stieß ein klein wenig an, und beide Steine plumpsten hinab.

Der Hans im Glück, als er sie mit seinen Augen in der Tiefe des Brunnens hatte versinken sehen, sprang vor Freude auf, kniete dann nieder und dankte Gott mit Tränen in den Augen, dass er ihm auch diese Gnade erwiesen und auf eine so gute Art von den Steinen befreit, das sei das einzige, was ihm noch zu seinem Glück gefehlt.

„So glücklich wie ich, rief er aus, gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“

Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang der Hans im Glück nun, bis er daheim bei seiner Mutter war.

 

Er lässt sich nicht be-, er-, unterdrücken, sondern sieht das Leben in seinem Lauf als Glück an, unbelastet kommt er heim.

 

Ist Hans im Glück vielleicht eine märchenhafte Entfaltung des biblischen "Sehet die Vögel unter dem Himmel!", der Prototyp des kindlich vertrauenden Glaubenden?

Der hat dann sogar das Hoffen auf Besseres überwunden, sondern ist vollkommen (zufrieden, in Frieden  mit Gott und der Welt)

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Gerhard Ingold
vor 7 Stunden schrieb Marcellinus:

 

Ist das so? Ich kenne Menschen, die ihren Weg gefunden haben, ohne das man sagen könnte, sie hätten ihr Leben "hinter sich gelassen".

 

 

Da hast du Recht, aber war deine Aussage oben nicht auch "eine schnelle Antwort"? Wir alle versuchen, uns in dieser Welt zurechtzufinden, und im Moment ist gerade keine gute Zeit dafür. Und wir sind gezwungen, uns mit anderen auseinanderzusetzen, die sich auf andere Art in dieser Welt zurechtfinden als wir. Was die Sache nicht besser macht. 

 

Wenn ich einst meinen Weg gefunden habe, werde ich vermutlich dement geworden sein. Solange aber noch ein Funken klares Bewusstsein in mir ist, werde ich mich hoffentlich ständig hinterfragen und versuchen, Ketten zu sprengen, die mir die Natur auferlegt hat. 

 

Das gilt aber nur für mich. Ich wollte nicht andere abwerten, "die ihren Weg gefunden haben".

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Marcellinus
vor 9 Stunden schrieb Mecky:

Wieso interpretierst Du die Welt so negativ? Du tust ja so, als ob die Welt keine Rücksicht auf Deine Wünsche und Bedürfnisse nähme.

So schlecht geht es Dir doch gar nicht! Deinen Bedürfnissen ist die Welt doch schon massenweise nachgekommen. 

Allein schon diese geniale Evolution. Die hat Dir schon ganz im Grundsätzlichen Bedürfnisse mitgegeben, die erfüllt werden könne.

Warum haben sich Augen entwickelt? Weil es Licht gibt. In einer Welt ohne Licht hätten sich keine Augen entwickelt.

Warum hast du Bedarf, etwas zu sehen? Weil du die Organe hast, um etwas sehen zu können. Perfektes Zusammenspiel.
Gilt zwar nicht immer - aber es gilt sehr grundsätzlich. In vielen Fällen muss man die Beispiele wechseln. Zum Beispiel bei einem Blinden.

Aber der hat Ohren. Beispielswechsel.

Oder bei einem intellektuell Minderbemittelten. Aber vielleicht ist er echt gut im Bett und findet mehr Glück mit willigen Frauen, als der Professor von nebenan.

 

Mecky, du betreibst Rosinenpicken! Du hast damit angefangen, daß das Leben am Ende hoffnungslos sei, um damit deinen Glauben zu propagieren:

 

Zitat

"Es gibt einen, der dann noch helfen kann, wenn nichts mehr hilft.
Es gibt einen, der dir Zukunft schenken kann, wenn die Welt mit Brettern vernagelt ist."
[...] 
Wofür will ich Menschen gewinnen?
Diesem Menschen meine Hoffnung geben, dass es diesen Helfer gibt.

 

Ich versuche dagegen, darzustellen, daß diese Hoffnung am Ende eine Illusion ist. Unabhängig davon, wie angenehm oder unangenehm unser Leben verläuft, das Leben insgesamt ist unseren Wünschen und Bedürfnissen gegenüber unempfindlich. Es folgt ganz anderen Prinzipien, die die Grundlage der biologischen Evolution des Lebens sind.

 

Die geschlechtliche Fortpflanzung war eine der größten „Erfindungen“ des Lebens. Sie war die Voraussetzung dafür, dass sich das Leben über den ganzen Planeten verbreiten konnte. Aber mit dieser Erfindung war notwendig die Sterblichkeit der einzelnen Individuen verbunden. Damit eine neue Generation leben konnte, musste die alte sterben. Es entstand die Kette der Generationen. Und damit entstand noch eine weitere Kette, die Nahrungskette. Jedes Lebewesen landet früher oder später im Verdauungstrakt eines anderen, und unterhält damit den Kreislauf des Lebens.

 

Dieser Kreislauf der beiden Ketten, der Kette der Generationen wie der Nahrungskette, waren so erfolgreich, dass das Leben mittlerweile jede ökologische Nische auf diesem Planeten gefüllt hat.

 

Voraussetzung für diesen Erfolg des Lebens insgesamt war allerdings das Leben unzähliger einzelner Lebewesen. Das Leben insgesamt ist notwendig mit dem Leben der vielen einzelnen immer sehr verschwenderisch umgegangen. Das ist kein Betriebsunfall, das ist die konstruktive Grundlage dieser Welt. Das Leben insgesamt funktioniert nur, weil es auf das Lebens- und Überlebensinteresse der vielen Einzelnen keine Rücksicht nimmt. 

 

Das wurde erst zu einem Problem, als irgendwann Lebewesen ein Bewusstsein ihrer selbst entwickelten, und damit die Fantasie, sich vorzustellen, was aus ihnen werden würde, und nun vor der Frage standen, wie sie mit der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit umgehen sollten. 

 

Ein Weg, der zu den gegenwärtigen großen Religionen geführt hat, bestand darin, sich mithilfe der Fantasie Geschichten auszudenken, die die eigene Sterblichkeit vor sich und anderen verbergen sollten, in dem man sich eine Art Leben nach dem Leben ausdachte. Das stellt allerdings die Frage nach dem Wert, und dem Preis, von Illusionen.
 

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Fronleichnam mit Inzidenz 76,2

 

Schon im letzten Jahr fiel die Fronleichnamsprozession aus. Dieses Jahr schon wieder.

Und wisst ihr was? Es war prima! Ich komme gerade vom Gottesdienst - und mir hat nichts gefehlt.

 

Wir haben im Freien gefeiert - der Himmel war bewölkt, es war ziemlich schwül (gesteigert durch das Messgewand), aber:
Kein Regen, keine heftigen Böen, die Lautsprecheranlage hat tadellos funktioniert, unser Technical-Support-Team hat einen Super-Job gemacht.

Es kamen nicht die versammelten himmlischen Heerscharen zum Gottesdienst, dennoch war er gut besucht.

 

Und dann war da noch ein Blumenteppich, äußerst schlicht, mit einem gelegten Kiesweg und der Aufschrift: 

 

Ich bin bei dir auf all deinen Wegen.

Tja: Genau das Thema von Fronleichnam getroffen.

 

Bei einer Prozession soll der Prozessionstross durch sein Mit-Gehen demonstrieren:
"ja, ich glaube, dass ich meinen Weg nicht alleine gehe, dass ich behütet bin, dass ich Zukunft habe."

Heute haben wir genau dies getan - aber mit anderen Mitteln. Das Mittel der Prozession ging eben nicht. Na und?

 

Alle saßen maskenbewehrt. Die Lieder? Die habe ich gesungen über Mikrophon.

Nicht alle im Dorf konnten mich sehen, viele aber hören. Danke, Mikrophon!

Gegenüber ist eine Bushaltestelle, belebt. Die Wartenden haben die Zeit genutzt und mitgefeiert aus ca 150 Metern Entfernung.

Viele Fenster waren geöffnet. Nur zum Lüften? In einigen Fenstern lehnten Leute.

 

Er ist mit uns auf all unseren Wegen. Auf dem Arbeitsweg, auf unserem Haushaltsweg, auf unseren Partywegen, auf unseren Corona-Wegen.

Er ist mit uns, so wie der Vater bei Jesus war, als er Freunde fand, als er heilte, als er zu den Sündern ging, als er sich mit den Pharisäern herumstritt,

sogar auf dem Weg zum Kreuz und auf seiner letzten Wegetappe am Kreuz.

Und wir, die Feiernden, haben diese Hoffnung auf den Wegbegleiter, gefeiert.

 

Bei Prozessionen gibt es eine Menge Folkloristische Ausdrucksmittel. Manchmal sind diese Mittel auch Ablenkungen,

als ob es um unsere folkloristische Leistung ginge, um den tollen Himmel, die güldene Monstranz, das Schellen der Ministranten.

Weniger Ausdrucksmittel, fürwahr. Aber damit auch weniger Ablenkung.

Wir feiern nicht unsere Blumenteppich-Gestaltunsfähigkeit, nicht das Brausen der Orgel, nicht die tolle Organisation der Prozession,

sondern wir feiern, dass wir begleitet sind, dass wir Anlässe zur Hoffnung sehen: Zeichen, die uns Gott an den Wegrand stellt.

Wir feiern, dass der Glaube in uns lebendig ist - egal unter welchen äußeren Umständen.

Wir feiern, dass wir uns von den Umständen nicht unterkriegen lassen haben.

 

Mir hat nichts gefehlt, weil mir das Folkloristische nicht so viel gibt und mich eher ablenkt, als dass es mich hinführen würde.

Mir hat nichts gefehlt.

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