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Baustellen der Sakramententheologie


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Gerhard Ingold

"1)    Die vielfältige sakramentale Praxis und Lehre der Kirche verlangt nach einer theozentrisch und damit soteriologisch fokussierten Reflexion. Sie fragt nach der erlösenden Bedeutung der Gegenwart Gottes für die Menschen in ihrer jeweiligen Zeit, um eine dynamische sakramentale Begleitung ihres Lebens auch unter veränderten Umständen je neu zu ermöglichen. Aus theologischer Sicht geht es primär nicht um die (juristische) Frage nach der „Gültigkeit“ oder „Rechtmäßigkeit“ von Sakramenten, die kirchenpolitisch derzeit sehr viele Debatten dominiert. Es geht um die Wirksamkeit der Sakramente, um ihre soteriologische Auswirkung und heilsame Funktion für das Leben der Menschen. Wie kann die performative und operative Dimension der Sakramente so verstanden und entfaltet werden, dass diese als wirksame Zeichen und Werkzeuge des Heils existenzielle, lebensdienliche Veränderungen ermöglichen? In diesem Sinne wird man die kritische Frage stellen müssen, ob die soteriologische Funktionalität aktuell tatsächlich das leitende Kriterium der kirchlichen Ausgestaltung von Sakramenten ist."

Fett von mir.

 

Gemäß der Lehre Jesus gibt es nur eine soteriologische (heilswirksame) Funktion. Die heilswirksame Funktion erklärte Jesus seinen Zuhörern in der Legende nach Matthäus 25,31ff: „Ich war hungrig und ihr habt mir (nichts) zu essen gegeben…“, „ich war nackt und ihr habt mir (keine) Kleider gegeben.“

 

Bei diesen Worten Jesus geht es also um konkret gelebte Nächstenliebe, die hin zur Armutsüberwindung aller Armen führen sollte. Ähnlich im Sinne Paulus: „Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite, damit er Schwächeren helfen kann“ (Epheser 4,28).

 

Heilswirksam sind also nur Verhaltensmuster der konkret gelebten Nächstenliebe oder der Liebe (Mk.12,29ff). Was Nächstenliebe für Jesus bedeutet hat er in Reden deklariert: Barmherzigkeit (Mt.9,13), Schutz der Schwächsten (Mt. 9,13), Gewaltverzicht (Mt. 5,38ff), Armutsüberwindung (Mt. 25,31ff), Versöhnlichkeit (Mt. 18,21ff 7x70 mal vergeben) und Feindesliebe (Mt. 5,43ff).

 

Jesus haben die Kirchen beseitigt und dafür haben die Kirchen ihre menschlichen Worte und Gedanken als heilswirksam installiert. Aber das Abendmahl ist nach der biblischen Grundlage nur ein Erinnern an Jesus (1. Kor. 11,23ff). Eine heilswirksame Kraft geht vom Abendmahl aber nicht aus.

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Cosifantutti
Am 4.6.2021 um 08:55 schrieb Chrysologus:

Dieser Artikel lohnt die Lektüre und die Diskussion.

danke für den Hinsweis und den Link zu diesem interessanten Artikel. In der Tat, lohnt es sich im Bereich der Sakramente / Sakramententheologie bestimmte Punkte gedanklich weiter zu entwickeln. Besonders wichtig in diesem Artikel find ich den Hinweis, dass doch sehr stark  Überlegungen und Aspekte von "Gültigkeit" und "Rechtmäßigkeit" im Mittelpunkt stehen. Vielleicht eine Besonderheit gerade auch der römisch-katholischen Kirche, die den juridischen Aspekt doch sehr betont. 

 

Dann auch, der ungemein wichtige Aspekt: Die theozentrische Ausrichtung und in diesem Sinne dann sehr konsequent als Ausgangspunkt und Bezugspunkt duchgängig den universellen Heilwillen Gottes zu betonen im Sinne des Gottes-"Bildes" aus den Johannes-Briefen: "Gott ist Liebe".

 

Was mir schon lange bei der Eucharistiefeier augefallen ist und was noch mehr ins Bewusstsein rücken sollte: Der pneumatologische Aspekt, die Bitte um den Beistand des Heiligen Geistes, gegen ein eher "magisches" Verstänndis von Saktamenten ( "Hokus-Pokus" der Priester als eher eine Art "Zabuerer" der mit seinen geheimen "magischen" Beschwörungsformeln"  Wasser in Wein "Wandeln" kann ) im Hochgebet findet sich das ja auch schön sichtbar wieder: 

 

Das Eucharistische Hochgebet ist an Gott gerichtet und nach dem "Sanctus"  geht es weiter mit der Bitte um den Beistand des Geistes: 

 

Darum Bitten wir dich: 

Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie,

damit sie uns weden Leib und Blut deines Sohnes,

unseres Herrn Jesus Christus."

 

Und dann - ganz wichtig, entscheidend - geht es weiter in der 3. Person:

 

Denn am Abend, an dem er  ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf...."

 

Von  daher, gerade von der konsequent pneimatologischen Dimenson wird die Frage  nach dem bilogischen Geschlecht des Zelebranten vollkommen überflüssig und gegenstandslos, den bei der Eucharistiefeier wird ja nicht das Letzte Abendmahl à la "Oberammegau" nachgespielt ( in diesem Fall muss natürlich de "Christus"-Darsteller ein Mann sein ), sondern  das Geschehen im Abendmahlssahl vor seiner Verfhaftung wir durch Erzählung  vegegenwärtigt.....

 

Auch der Hinweis, dass es sich bei den Sakramenten nicht um ein rein statisches Geschehen handelt sondern um ein Beziehungsgeschehen und deshalb auch der Beziehungscharakter hervorgehoben werden soll, ist zum Weiterdenken sehr hilfreich..... Der Beziehungschrakter, das Beziehungsgeschehen des Sakamentes wird ja besonders augenfällig bei dem Sakarament der Ehe....( und auch entsprechend bei de Priesterweihe....) 

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Gratia

Auf jeden Fall ein interessanter Artikel, danke.

Auch wenn ich mich zwischendurch gefragt habe, ob die Gemeinde diese Fragen auch stellt. Für mich persönlich galt immer, dass mir in den Sakramenten eine Gottesbegegnung zugesagt wird, auch wenn ich nichts davon fühlen sollte. Ich bin aber auch nicht katholisch groß geworden. Das Fragen mancher nach der Gültigkeit hat mich immer erstaunt.

Einige machen das ja an den zu 100% richtigen Worten fest. Das erscheint mir dann wirklich magisch, wenn ich auch - gerade durch meine evangelische Erfahrung - überschießendem individuellem liturgischen Wildwuchs kritisch gegenüber stehe.

 

Vielleicht ist das interessanteste hier die Frage nach den konkreten Ausflüssen der Theologie, z. B. ob der Priester dann wirklich ein Mann sein muss. 

Und die Betonung des Heiligen Geistes spricht mich auch an.

Edited by Gratia
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Cosifantutti

....Wenn man das Sakrament der Eucharistie - so wie es im Hochgebet auch ausdrücklich formuliert ist - das ganze Geschehen vom Heiligen Geist her denkt ( "Sende deinen Geist herab....) dann spielt selbtsverständlich das Geschlecht keinerlei Rolle, das macht ja überhaupt keinen Sinn....

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Higgs Boson
Am 5.6.2021 um 21:06 schrieb Gratia:

Für mich persönlich galt immer, dass mir in den Sakramenten eine Gottesbegegnung zugesagt wird, auch wenn ich nichts davon fühlen sollte.

 

Das ist eines der Dinge, die mich immer etwas irritiert haben: Gottesbegegnung eingesperrt auf Sakramente - Gott ist doch immer da, die Begegnung stets nur ein Gebet entfernt.

 

Man hat mir erklärt, im Sakrament bürge die Kirche dafür, da sei dann die Begegnung garantiert. Das erklärt, wieso man für diese garantierte Begegnung auf die Bedingungen der Kirche einlassen muss (ie Gültigkeit)

 

Und da ist sie wieder, die Frage nach dem Mehrwert: Ich begegne Gott nämlich ständig, völlig frei von kirchlichen Sakramenten und frage mich, wozu es Garantien bedarf...

Edited by Higgs Boson
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vor 44 Minuten schrieb Higgs Boson:

 

Das ist eines der Dinge, die mich immer etwas irritiert haben: Gottesbegegnung eingesperrt auf Sakramente - Gott ist doch immer da, die Begegnung stets nur ein Gebet entfernt.

 

Man hat mir erklärt, im Sakrament bürge die Kirche dafür, da sei dann die Begegnung garantiert. Das erklärt, wieso man für diese garantierte Begegnung auf die Bedingungen der Kirche einlassen muss (ie Gültigkeit)

 

Und da ist sie wieder, die Frage nach dem Mehrwert: Ich begegne Gott nämlich ständig, völlig frei von kirchlichen Sakramenten und frage mich, wozu es Garantien bedarf...

Du pflegst allerdings auch eine - nun ja - sehr individuelle Gottesbeziehung. Das tut nicht jeder (ich auch nicht) und ist in dieser Form auch eher untypisch für "Gemeindechristen". Die Problematik, die hier aufscheint ist ein Relikt aus der Christianisierung des Abendlandes und der "de-Akademisierung" des Glaubens bei gleichzeitiger Akademisierung der Liturgie. Für urkirchliche Vollzüge stellte sich die Frage nach der Gültigkeit eher weniger. Hier ging es lediglich darum, die Einheit in Glauben und Lehre zu bewahren und sich gegen "Irrlehrer" entsprechend abzugrenzen.

 

Bei der Christianisierung der fränkisch-germanischen Stämme ging aber die bis dahin vorhandene Einheit zwischen liturgischer Sprache und Gemeinde verloren. Latein war eben keine Gebrauchssprache mehr, die jeder verstanden hätte. Übersetzt wurden die "Heiligen Schriften" (inkl. liturgischer Bücher) aus Scheu vor dem Heiligen aber auch nicht - weshalb der liturgische Vollzug in die Hände ausgewählten Fachpersonals gelegt wurde, damit alles "richtig" gemacht wurde und es durfte auch nur noch sehr wenig an den liturgischen Vollzügen selbst geändert werden, damit das Opfer Christi auch wirklich gegenwärtig wurde.

 

Dieses "ich muss das nicht verstehen, denn wenn das Ritual korrekt durchgeführt wird, funktioniert das schon" war jahrhundertelang die Basis auf der in Mitteleuropa Gottesdienste gefeiert wurden.

 

Als Ritualist gilt das für mich übrigens nicht nur für kirchliche Vollzüge, sondern auch für Hochzeiten, Beerdigungen, Wohnungsbezüge, etc. Bestimmte Dinge müssen gemacht werden, damit es "richtig" ist.

 

Diese Haltung ist auf der einen Seite eine Form der Faulheit, aber auf der anderen Seite auch eine unglaubliche Befreiung, weil man als Einzelner nicht mehr für alles alleine verantwortlich ist.

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Higgs Boson

  

vor 39 Minuten schrieb Flo77:

Du pflegst allerdings auch eine - nun ja - sehr individuelle Gottesbeziehung. Das tut nicht jeder (ich auch nicht) und ist in dieser Form auch eher untypisch für "Gemeindechristen".


[...]
 

Als Ritualist gilt das für mich übrigens nicht nur für kirchliche Vollzüge, sondern auch für Hochzeiten, Beerdigungen, Wohnungsbezüge, etc. Bestimmte Dinge müssen gemacht werden, damit es "richtig" ist.

 

Das heißt, zum einen ist es eine Gemeinschaftserfahrung, die man aber auch ganz gut ohne Sakramentenlehre hinbekommt. Gemeinschaftlicher Vollzug bedarf Regeln, das kann ich nachvollziehen.

 

Gemeinschaftserfahrung und individuelle Gottesbeziehung schließen sich nicht im mindesten aus.

 

Die Sache mit dem Ritualismus kenne ich zur Genüge. Meine Große brauchte jahrelang ganz speziell definierte Rituale um Weihnachten feiern zu können. Nachdem sie 2 Weihnachtfeste alleine verbringen musste hat sich das aber erledigt. Die letzte Weihnachtsfeier war dann mit Plastikweihnachtsbaum Mitte März. Sie fand das so cool und entspannt, dass wir zukünftig einfach irgendwann zwischen Mitte Dezember und Mitte April Weihnachten feiern, wenn es zeitlich für alle passt. Völlig ohne Stress und Druck, dass irgendwas irgendwann fertig sein muss...

 

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Cosifantutti
Am 7.6.2021 um 15:33 schrieb Higgs Boson:

 

Das ist eines der Dinge, die mich immer etwas irritiert haben: Gottesbegegnung eingesperrt auf Sakramente - Gott ist doch immer da, die Begegnung stets nur ein Gebet entfernt.

 

Man hat mir erklärt, im Sakrament bürge die Kirche dafür, da sei dann die Begegnung garantiert. Das erklärt, wieso man für diese garantierte Begegnung auf die Bedingungen der Kirche einlassen muss (ie Gültigkeit)

 

Und da ist sie wieder, die Frage nach dem Mehrwert: Ich begegne Gott nämlich ständig, völlig frei von kirchlichen Sakramenten und frage mich, wozu es Garantien bedarf...

......deshalb muss man ja am richtigen Verständnis der Sakramente arbeiten ( "Baustellen" ).... Wenn die Kirche sagt, die Sakramente sind ganz besondere "Zeichen" der Liebe, Nähe und Gegenwart Gottes, so darf man das niemals exklusiv sehen, niemals darf man die Gottesbegegnung einsperren rein auf die sakramentale Gottesbegegnung. Gott selber teilt sich in seinem Geist, der frei weht wo und wann und wie er will, den Menschen mit, wie er es eben in seiner Freiheit tut, auf welche Weise auch. Die Sakramente sind keine exklusiv eingerichteten und von der Kirche verwalteten "Zollstationen", die man passieren muss, um überhuapt die Gegenwart Gottes zu spüren, sondern an bestimmten Lebenspunkten, Lebensstationen besonders sinnfällige "Zeichen" um die Liebe Gottes, der ohne Einschränkungen jedem Menschen zugänglich ist zu erfassen. 

Wenn ein Kind getauft wird, möchte man durch die Taufe durch den gesamten Taufritus zum Ausdruck bringen, dass Gott diesen -meist - neugeborenen Menschen ohne jede Einschränkungen liebt und diesem Menschen mit seiner Liebe nahe sein will. Wenn ein Kind nicht getauft ist, heißt das aber gerade nicht, dass Gott diesem ungetauften Kind nicht seine Liebe und Nähe schenkt.... 

 

...entscheidend ist, ob man ein rein exklusives Verständnis oder ein inklusives Verständnis von den Sakramenten hat.... Und es kann nicht oft genug betont werden: Im Zentrum der Überlegungen sollten nicht Überlegungen nach der "Rechtmäßigkeit" der "Gültigkeit" stehen, sondern eine konsequente Deutung vom Geist Gottes her....siehe Hochgebet der Katholischen  Messe.... Das Verwandeln geschieht rein durch das Erzählen ( Peter Handke ), nicht durch ein "Hokus-Pokus" durch einen "Magier".....

 

Man kann sich eine ganz einfach Frage stellen ( in einer Art "Gedankenexperiment" ) und dann wird man sehr schnell selber merken, welch ein Verständnis von Sakrament und "Wirkung von Sakramenten" man hat....

 

Eine kleine Gruppe von etwa 15 bis 20 Personen feiert die Heilige Messe, die Messfeier dieser kleinen Gruppe unterscheidet sich von der Liturgie her ( Hochgebet etc... ) nicht von einer Heiligen Messe, die man als praktizierender Katholik kennt. Alleine die Liturgie der Messe, das Hochgebet wird vorgetragen von einer Frau....

 

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Am 7.6.2021 um 15:33 schrieb Higgs Boson:

 

Das ist eines der Dinge, die mich immer etwas irritiert haben: Gottesbegegnung eingesperrt auf Sakramente - Gott ist doch immer da, die Begegnung stets nur ein Gebet entfernt.

 

Man hat mir erklärt, im Sakrament bürge die Kirche dafür, da sei dann die Begegnung garantiert. Das erklärt, wieso man für diese garantierte Begegnung auf die Bedingungen der Kirche einlassen muss (ie Gültigkeit)

 

Und da ist sie wieder, die Frage nach dem Mehrwert: Ich begegne Gott nämlich ständig, völlig frei von kirchlichen Sakramenten und frage mich, wozu es Garantien bedarf...

 

Nicht eingesperrt oder exklusiv. 

Vielleicht: Auf den Punkt gebracht, verlässlich, greifbar und berührend.

 

Das schließt andere Arten der Gottesbegegnung auf keinen Fall aus, hoffentlich ganz im Gegenteil.

Edited by Gratia
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Man muss unbedingt in der ganzen Sakramenten"Theologie" alle Sakramente streng inklusiv und eben nicht exklusiv denken und von diesem Gesichtspunkt alles entwickeln und durchdenken.... vielleicht auch an sakramenten"ähnliche" Situationen, Vollzüge, Rituale, etc...denken die Festlegung auf die 7-Zahl der Sakramente war ja letztendlich eine Festlegung und Einschränkung der Kirche selber, wobei ich anfügen möchte, dass ich es sehr gut finde, dass man in der Kirche die Sabung eines Menschen zum König nicht mehr zu den Sakramenten zählt...andererseits gefällt mir die Idee von Peter Handke, das Andenken und Gedenken an die Verstorbenen als 8. Sakrament zu sehen....

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