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Bundestagswahl 2021


Shubashi
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vor einer Stunde schrieb Alfons:

Seine Forschung habe zu der Erkenntnis geführt, dass eine Erhöhung des Mindestlohns nicht unbedingt zu weniger Arbeitsplätzen führt

„Nicht unbedingt“ heißt ja lediglich, dass es nicht sein muss. Für Eine bestimmte Volkswirtschaft ist so eine Aussage völlig nichtssagend. Was also in Deutschland bei einer Erhöhung des Mindestlohns geschieht, mag etwas ganz anderes sein als das, was z. B. In den USA passiert.

Der Nobelpreisträger hat ja mur festgestellt, dass nicht unbedingt überall das gleiche passiert, wie man früher wohl glaubte.

 

Werner

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1 hour ago, Alfons said:

Das nämlich, also Abbau von Arbeitsplätzen bei Erhöhung des Mindestlohns, war früher eine feststehende Annahme bei Wirtschaftswissenschaftlern. Dass diese Annahme falsch ist, konnte Card empirisch nachweisen.

 

Interessant ist dazu der Wikipedia-Artikel: „Minimum wage“.

Card und Kruger haben in New Jersey wohl erstmals empirisch nachgewiesen, dass Mindestlöhne eben nicht notwendigerweise die Beschäftigung reduzieren, was zuvor Lehrbuchweisheit war.

Auf der anderen Seite zeigt der Artikel, dass die deutschen Mindestlöhne im internationalen Vergleich einen Spitzenwert darstellen werden - aber die Medianlöhne in Deutschland eben auch vergleichsweise hoch.

Wir werden also sehen, wie die konkreten Auswirkungen der Ampel-Reformen sein werden.

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Wobei wohl der Knackpunkt sein dürfte, daß ein Mindestlohn immer erst dann eingeführt werden muss, wenn es einfach zuviele Arbeitskräfte gibt und/oder Arbeitskräfte nicht hinreichend organisiert sind.

 

Hauspersonal war über Jahrhunderte eine obligatorische Einrichtung für Häuser ab einer gewissen Größenordnung - hätte es nicht das Angebot an abhängigen Arbeitskräften gegeben, die sonst keine Verdienstmöglichkeiten hatten, hätten auch "Damen von Stand" ihren Haushalt schön allein machen müssen. War ja dann auch so, als es ausreichend Verdienstalternativen gab.

 

Aber die Politik wünscht ja noch mehr Menschen ins Land zu holen...

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14 minutes ago, Flo77 said:

Aber die Politik wünscht ja noch mehr Menschen ins Land zu holen...

 

Das halte ich jetzt für sehr pauschal. Mr Card ist z.B. einfach ein Wissenschaftler, der empirisch nachweisen konnte, dass Migration, auch stoßweise und heftig, keine wirtschaftlich relevanten Auswirkungen auf den lokalen Jobmarkt haben (bei der Untersuchung des sogen. „Mariel boatlift“ von 1980 in Florida.)

Seine Folgerungen sind schlicht wissenschaftlich und beziehen sich auf einen Bereich der Wirtschaft - und ansonsten nimmt und nahm er keinerlei Stellung zur Frage der Migration an sich.

Unsere Politiker sind da ähnlich: ich kenne nämlich kaum jemanden, der in verantwortlicher Stellung pauschal „mehr Menschen ins Land“ holen will, weil die zahllosen Probleme die damit verbunden sind, inzwischen deutlich geworden sind. Wirklich jeder halbwegs mit dem Thema Migration vertraute Politiker weiß, dass dieses Thema das Potential hat, die EU zu zerstören (und dabei unser aller Leben sehr negativ zu beeinflussen.)

Nur ist es deshalb noch lange kein leicht lösbares Thema. Deutschland ist als außenpolitisches Leichtgewicht und ökonomisches Welterweight da ein bisschen schräge in der Spur; wie viele Boxer hat es eine Riesenklappe, ohne deshalb gleich einen Kampf zu gewinnen. Und dies Geschwätz kommt eben von Leuten, die idR selbst keinerlei Verantwortung tragen, als moralische Schwergewichtlicher aber gerne Champion sein wollen. 

 

 

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vor 11 Minuten schrieb Shubashi:

Das halte ich jetzt für sehr pauschal. Mr Card ist z.B. einfach ein Wissenschaftler, der empirisch nachweisen konnte, dass Migration, auch stoßweise und heftig, keine wirtschaftlich relevanten Auswirkungen auf den lokalen Jobmarkt haben (bei der Untersuchung des sogen. „Mariel boatlift“ von 1980 in Florida.)

Seine Folgerungen sind schlicht wissenschaftlich und beziehen sich auf einen Bereich der Wirtschaft - und ansonsten nimmt und nahm er keinerlei Stellung zur Frage der Migration an sich.

Diese Untersuchung bezog sich auf Florida. Kein Sozialsystem, kein Wohlfahrtsstaat, Vogel friss oder stirb unter der Brücke.

Nullkommagarnicht übertragbar auf deutsche Verhältnisse 

 

Werner

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vor 13 Minuten schrieb Shubashi:

Und dies Geschwätz kommt eben von Leuten, die idR selbst keinerlei Verantwortung tragen, als moralische Schwergewichtlicher aber gerne Champion sein wollen. 

Nun, die Schwätzer werden Teil der nächsten deutschen Regierung sein...

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vor 5 Stunden schrieb Alfons:

"Seine Forschung habe zu der Erkenntnis geführt, dass eine Erhöhung des Mindestlohns nicht unbedingt zu weniger Arbeitsplätzen führt." (Zitat Zeit online)

Vielleicht in Summe nicht, aber die Veränderungen bei verschiedenen Berufsgruppen und in der Regionalität wird es geben. Definitiv.

 

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Es spielen da viele Faktoren hinein, und deshalb sind solche Erkenntnisse aus Amerika nur sehr eingeschränkt nach Deutschland übertragbar.

 

Das beginnt beim deutschen Sozialstaat, der das Arbeiten an sich erst ab einem gewissen Gehaltsniveau attraktiv macht. In den USA ist das anders, da schiebt man notfalls auch Einkaufswagen zusammen, weil man sonst unter der Brücke schläft.

 

Und das geht bis zum völlig unterschiedlichen Verbraucherverhalten: in den USA ist man bereit, auch für einfachen Service zu zahlen, hierzulande muss es möglichst billig sein.

 

Den Einkaufswagen selbst zurückzubringen, um den Euro zurückzubekommen, finden Amis sehr schräg, aber sie sind ohne weiteres bereit, einem Einkaufswagenrückbringer einen Euro (bzw. Dollar) Trinkgeld zu geben. Und wenn die Möhren irgendwo 25 Cent teurer sind, aber der Laden bietet guten Service, kaufen sie gern dort.

 

Die Deutschen wollen es möglichst billig, und ein Trinkgeld für einen Einkaufswagenrückbringer würde ihnen nie einfallen. Soll der doch zum Sozialamt gehen wenn er Geld braucht. Und wenn es die Möhren irgendwo um 10 Cent billiger aber mit mit noch weniger Service als eh schon üblich gibt, gehen sie lieber dort hin.

 

Werner

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5 hours ago, Shubashi said:

Deutschland ist als außenpolitisches Leichtgewicht und ökonomisches Welterweight da ein bisschen schräge in der Spur; wie viele Boxer hat es eine Riesenklappe, ohne deshalb gleich einen Kampf zu gewinnen. Und dies Geschwätz kommt eben von Leuten, die idR selbst keinerlei Verantwortung tragen, als moralische Schwergewichtlicher aber gerne Champion sein wollen.

Die Nazis waren militärisch grössenwahnsinnig. Die Grünen und LInken heute sind moralisch grössenwahnsinnig.

Von einem Extrem ins andere. Fällt Ausländern immer wieder auf.

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vor 24 Minuten schrieb phyllis:

Die Nazis waren militärisch grössenwahnsinnig. Die Grünen und LInken heute sind moralisch grössenwahnsinnig.

Von einem Extrem ins andere. Fällt Ausländern immer wieder auf.

 

Das eine war und das andere ist der unausgeglichenen Seelenlage des deutschen Kleinbürgertums geschuldet, schwankend zwischen Allmachtsfantasien und weinerlichem Selbstmitleid. 

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vor 2 Stunden schrieb Werner001:

Die Deutschen wollen es möglichst billig, und ein Trinkgeld für einen Einkaufswagenrückbringer würde ihnen nie einfallen. ...

Ist das in den USA immer noch so, dass man ständig Trinkgelder geben muss? Ich habe das nur gerüchteweise mitbekommen.

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vor 28 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Das eine war und das andere ist der unausgeglichenen Seelenlage des deutschen Kleinbürgertums geschuldet, schwankend zwischen Allmachtsfantasien und weinerlichem Selbstmitleid. 

Und bitte woher kommt diese Geistesverwirrung? Sowohl Versailles als auch das Wirtschaftswunder noch nicht verkraftet?

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vor 13 Minuten schrieb Flo77:
vor 43 Minuten schrieb Marcellinus:

Das eine war und das andere ist der unausgeglichenen Seelenlage des deutschen Kleinbürgertums geschuldet, schwankend zwischen Allmachtsfantasien und weinerlichem Selbstmitleid. 

Und bitte woher kommt diese Geistesverwirrung? Sowohl Versailles als auch das Wirtschaftswunder noch nicht verkraftet?

 

Nein, weder noch, sondern die verspätete Nationenbildung. Frankreich hatte Paris, England London als Zentrum. Deutschland dagegen viele kleine Städte und Fürstentümer mit entsprechend begrenztem Horizont. In Frankreich und England wurde das Bürgertum ziemlich früh an der Macht beteiligt (oder hat es sich erstritten). In Deutschland kam bis zum Ende des 1. Weltkrieges an der Tafel des Kaisers der bürgerliche Professor immer erst nach dem kleinsten adeligen Leutnant. 

 

Die Welt des Bürgertums war die der Ökonomie (zB in den Hansestädten, und dort auch mit einer gewissen Weltläufigkeit verbunden) und vor allem die des Geistes, hochfliegend und verantwortungslos. Während Frankreich seine Salons hatte, seine Verkehrskreise in Paris, in denen man alle wichtigen Geister innerhalb eines Tages kennenlernen konnte, war Deutschland ein Flickenteppich von einzelnen Universitäts- und Hauptstädten, und jede von ihnen konnte sich glücklich schätzen, wenn sie einen begabten Geist beherbergte. Während das Französische eine gesprochene Kultur war, war das Deutsche eine des Briefverkehrs. 

 

An Anfang der Nationenentwicklung noch das große „heilige Römische Reich deutscher Nation“, erlebten die Deutschen mit dem 30jährigen Krieg ihre erste Katastrophe und eine tiefgreifende Erfahrung von Fremdbestimmung und Hilflosigkeit. Und das blieb so über die Konkurrenz zwischen Preußen und Österreich, dann die Napoleonischen Kriege. Immer trugen andere Nationen ihre Händel auf deutschem Gebiet aus, und spielten nicht selten die einzelnen Fürsten gegeneinander aus. 

 

Die eigenen Versuche der Deutschen, sich selbst zu befreien und zu vereinen, scheiterten immer wieder, zuletzt 1848 und trieben immer wieder neue Wellen von freiheitsliebenden Deutschen ins Ausland. Wer hier blieb, paßte sich an. Als die Einheit 1871 dann kam, war sie eine Einheit von oben, die den autoritäten Fürstenstaat bis ins 20. Jh. verlängerte. Bürgerliches Seibstbewußtsein konnte so nicht entstehen, und das machtlose Parlament wurde im Umgangsdeutsch zur „Schwatzbude“. 

 

Gefragt war stattdessen Anpassung, der „Untertan“, der sein Bedürfnis nach Größe in nationalistischen Fantasien auslebt. So spottete Theodor Barth 1888: „Wie mancher Reichsbürger kauft sich heute einen Briefbeschwerer oder eine Aschenschale mit der Aufschrift: 'Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt.' Sitzt er hinter dem Bierkrug oder deponiert er seine Zigarrenasche auf dieser patriotischen Inschrift, so ist er davon durchdrungen, daß der große Kanzler ihm diese Worte aus dem Herzen gesprochen hat. Aber morgen riskiert der furchtlose Mann nicht seiner Überzeugung gemäß zu stimmen - er könnte es vielleicht mit dem Herrn Amtsvorsteher verderben. Der moralische Mut ist fort, aber das Bedürfnis zum Selbstbetrug bleibt."

 

Und Kurt Tucholsky schrieb: „Vor einem Schalter stehen: Das ist das deutsche Schicksal. Hinter dem Schalter sitzen: Das ist das deutsche Ideal.“

 

Nach den Erfahrungen von zwei Weltkriegen und Nazi-Terror ist vom deutschen Nationalgefühl wenig übrig, aber geblieben ist die Unsicherheit des „Wir“-Gefühls, die sich einem hin- und her- zwischen Kleinmut und Großmannssucht zeigt, zwischen großspurigem moralischem Anspruch, und kleinlautem Duckmäusertum angesichts staatlicher Macht. Das alles führt dazu, daß die Deutschen sich am wohlsten fühlen in der Rolle des verantwortungslosen Zuschauers, der alles besser weiß, aber nichts kann, nichts können muß, außer mitzulaufen, und in der kleinbürgerlichen Verachtung auch nur jedes Anflugs von Realität. 

 

Es gab mal eine Zeit, da hieß es: Schicke einen deutschen Ingenieur in den Urwald, und zehn Jahre später kommt er mit einer Dampflok wieder heraus. Schicke heute einen deutschen Beamten in die Wüste. Fünf Jahre passiert nix, und dann wird der Sand knapp.
 

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vor 3 Stunden schrieb Merkur:

Ist das in den USA immer noch so, dass man ständig Trinkgelder geben muss? Ich habe das nur gerüchteweise mitbekommen.

Mann muss gar nichts, man tut es, weil man den Service schätzt. In Deutschland will man möglichst billig und braucht das nicht

 

Werner

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vor 6 Stunden schrieb phyllis:

Die Nazis waren militärisch grössenwahnsinnig. Die Grünen und LInken heute sind moralisch grössenwahnsinnig.

 

Wenn man Moral für komplett unbedeutend hält, ist das aus der Perspektive wohl so. Aber den militärischen Größenwahn hatte Hitler ziemlich exklusiv. Funktionäre und Wehrmachtsoffiziere haben das viel realistischer eingeschätzt. Der flächendeckende Größenwahn der Nazis fand eigentlich auf ganz anderen Gebieten statt.

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