Zum Inhalt wechseln


Foto

Notlüge erlaubt?


  • Bitte melde dich an um zu Antworten
333 Antworten in diesem Thema

#326 Mecky

Mecky

    Geist

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 22784 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 00:10

Warum, in Gottes heiligen Namen, hast du ein Problem mit den Evangelisten, Mecky?
Ist doch auch das, worauf die Exegese kommt, wenn sie das blumige blablabla der Evangelisten weggeschoben hat!

Meine Probleme mit den Evangelisten:

  1. Ich mag keine Manipulation durch Falschaussagen. Ich mag nicht vor einen Karren gespannt werden, auf dem groß "Jesus" draufsteht, während es in Wirklichkeit der Karren des jeweiligen Evangelisten ist.
     
  2. Ich mag keine falsche Autorisierung. Wenn die Evangelisten als Autorität dastehen wollen, sollen sie gefälligst auch zu ihren Aussagen stehen - und nicht den Jesus vorschieben.
     
  3. Ich würde gerne Jesus kennen lernen. Die Gerüchte über ihn sind ja prima. Wenn er in den Evangelien sagt: "Folge mir nach!", würde ich ja gerne mal was versuchen - aber ich weiß so wenig Zuverlässiges über ihn. Die Evangelisten zerstören durch ihre Lügenhaftigkeit das Vertrauen. Die Lügen wären mir egal, wenn sie nicht das Vertrauen zerstören würden. Hätten sie sich darauf beschränkt, den Tod Jesu mit Erdbeben und Sonnenfinsternis zu illustrieren, hätte ich kein Problem. Da sie aber Jesus zu ziemlich alles im Mund umdrehen und über ihn Fantasiegeschichten erzählen, ist der Zugang zu Jesus ziemlich nachhaltig und irreparabel gestört.
     
  4. Ich glaube nicht, dass wir das blumige Blablabla wegschieben können. Wer das blumige Blablabla wegschiebt, schiebt damit womöglich auch Wesentliches über Jesus hinweg. Das ist wie mit dem Unkraut und dem Weizen. Sobald die Saat der Lüge unter den Weizen gestreut ist, kriegen wir das nie wieder auseinander.

Es gibt allerdings etwas, was mich versöhnlich stimmt. Ich beginne nämlich langsam zu ahnen, dass Gott dies so gewollt hat. Er gibt uns - wie immer - keinen festen Grund unter die Füße. Das Leben hat er sterblich gestaltet und leidanfällig. Jede innerweltliche Hoffnung hat er als fragwürdig gestaltet: Jederzeit kann was dazwischen kommen. Und auch den Glauben hat anscheinend nicht so gestaltet, dass man da irgendwie auf festen Boden käme. Glaube ist die Kunst zu schwimmen. Oder noch mehr: Zu schwimmen, bis man ertrinkt. Und das auch noch gut und richtig findet. 

Mehr und mehr gehe ich davon aus, dass uns Gott keine feste Autorität auf die Erde gepflanzt hat. Dass er sogar dafür gesorgt hat, dass man sich auf die Autorität seines Sohnes nicht berufen kann - indem er das Gedenken an ihn relativiert hat. Es gibt nur eine vage Orientierung an Jesus. Der Satz "mehr Inspiration, als Vorlage" ist mein persönlicher Gewinn aus dieser Diskussion. Bisher. Vielleicht kommt ja noch was.



#327 Karfunkel

Karfunkel

  • Moderatoren
  • 1957 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 00:11

Kreuzzüge. Die waren nur möglich, weil man den historischen Jesus, den komischen Wanderprediger aus den Evangelien, einfach vernachlässigte.

 

Woraus leitest Du ab, dass Jesus gegen Kreuzzüge gewesen sein könnte?



#328 Mecky

Mecky

    Geist

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 22784 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 00:14

Kreuzzüge. Die waren nur möglich, weil man den historischen Jesus, den komischen Wanderprediger aus den Evangelien, einfach vernachlässigte.

Hildegard von Bingen hätte dir vom Leben Jesu weniger erzählen können als mein dümmster Erstklässler.

Aber was hat das mit Backup zu tun?

 

Die Kreuzzüge waren nur möglich, weil man die in den Evangelien beschriebene Lebenspraxis Jesu außer Acht gelassen hat. Mit dem historischen Jesus muss dies nicht unbedingt viel zu tun haben.

 

Immer wieder gibt es Leute, die behaupten, Jesus habe an den Gott des alten Testamentes geglaubt. (Witzig, weil es den gar nicht in einheitlicher Form gibt).

Wer den "Gott des Alten Testamentes" sieht, für den sind Kreuzzüge überhaupt keine Frage, sondern geradezu eine Verpflichtung.


Bearbeitet von Mecky, 17 February 2017 - 00:15.


#329 nannyogg57

nannyogg57

    Mitglied

  • Moderatoren
  • 5838 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 00:38

Kreuzzüge. Die waren nur möglich, weil man den historischen Jesus, den komischen Wanderprediger aus den Evangelien, einfach vernachlässigte.

 
Woraus leitest Du ab, dass Jesus gegen Kreuzzüge gewesen sein könnte?
Aus den Evangelien und 10000 Seiten gelesener Fachliteratur.

Folge mir nach.

#330 Karfunkel

Karfunkel

  • Moderatoren
  • 1957 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 04:58

*
Leseperle

 

Woraus leitest Du ab, dass Jesus gegen Kreuzzüge gewesen sein könnte?

 

Aus den Evangelien und 10000 Seiten gelesener Fachliteratur.

Folge mir nach.

 

Verstehe. Mit Lk 14,31f ist also an den Kreuzzügen zu kritisieren, dass sie nicht zu gewinnen waren.

 

10 000 Seiten Fachliteratur. Dürfte sich also um ein Bord im Bücherregal mit 20 Bänden á 400 Seiten handeln und in einer Reihe davor eine weitere Gesamtausgabe mit 10 Bänden á 200 Seiten. Obenauf liegen einige Erbauungsschriften, als da wären "Unseres Herrn Jesu Christi Blutwundenfischlein himmlische Süßigkeit", "Rebirthing mit Jesus durch Chakrenaktivierung - mit zwölf farbigen Illustrationen für jung und alt von Heidelinde Grundbichler", "Die zwölf Apostolinnen des historischen Jesus: Feminismus und Gendermainstreaming nach der Logienquelle Q", "Malchus und Van Gogh: Ein Ohr für Jesus", "Kochen mit Jesus: koscher, halal und vegan", "Jesus - Demokrat, Pazifist und Weltbürger (SPIEGEL-Bestseller)", "Der heiligen Maria Magdalena göttliche Erküßung: Braut Christi und Jesu Blutlinie", "Wer mich sieht, sieht den Vater! - Der Priester als fleischgewordenes Wort und Ikone Christi in der Devotio Postmoderna. Volksaltäre und nachmoderne Schaufrömmigkeit", "Was hätte Jesus getan? - Eine Handreichung für Suchende. Ein Lebenshilfebuch", "Heil und Heiligkeit. Jesu Lehre als germanisches Korrektiv zum jüdischen Heiligkeitsverständnis", "Jesus in Kaschmir: Ein Erleuchtungsweg für Eingeweihte", "Ben Pantera - Jesu Kindheit in Alexandria. Roman", "Warum Paulus irrte, als er sich auf Anselms stellvertretendes Sühneopfer bezog. Eine Untersuchung", "Mehr Geld für weniger Lohn! Zinsverbot und Wucher in Jesu Wirtschaftslehre", "Jesus kam aus Afrika. Frühe Zeugnisse seines Wirkens (mit Bildteil)", "Schwerter zu Pflugscharen oder Warum die Jünger sich ein Schwert kaufen sollten", "Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? - Männergewalt und Geschlechtkampf", "Tempelreinigung und Bildersturm. Kirchen als White Cube seit Vaticanum II als radikale Nachfolge Jesu"... und da wäre ja noch Platz für weitere Anschaffungen. - Wurscht. Du bist der Frage ausgewichen.


  • Perle von Alfons, Kulti, DonGato und 2 anderen

#331 Marcellinus

Marcellinus

    Outsider

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 26452 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 10:45

Glaube, so wie ich ihn verstehe, wäre: Sich damit abfinden, dass Gott alles real mögliche zulässt - und ihm trotzdem vertrauen. Sogar, dass er diese brutale Welt so sinnvoll und korrekt erschaffen hat, dass alles gut wird - ohne dass man sich auch nur vorstellen kann, wie dies sein kann.


Wo ist dann dein Problem mit den Kreuzzügen? War dann doch alles gut und sinnvoll.



#332 Mecky

Mecky

    Geist

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 22784 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 12:50

Die Wege Gottes liegen aber nicht im Bereich menschlicher Verfügbarkeit. Brutalität bleibt auch für den Gläubigen Brutalität und Gräuel bleibt Gräuel. 

Das Vertrauen, dass Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreiben kann, vermindert nicht das Leiden und Brutalität und Gräuel. 

Die Behauptung, dass der Weg der Brutalität im Sinne Gottes wäre, ist eine Sauerei, und zwar eine vereinnahmende. Auch wenn Gott alles, auch das Schlimmste, zum Guten führen kann, bedeutet nicht, dass er das Schlimmste will. 

 

Das ist, wie wenn Du einen Freund siehst, der ins offene Messer zu rennen entschlossen ist. Du sagst ihm: "Pass auf! Tu's nicht!". Er will nicht darauf hören. Du beschließt, Deinem Freund seinen Willen zu lassen, ihn ins Messer rennen zu lassen, wenn er das nun mal unbedingt will. Du achtest seine Selbst-Souveränität. Und dennoch stellst Du Dich darauf ein, zu ihm zu stehen, ihm zu helfen und ihn zu trösten, NACHDEM er Schiffbruch erlitten hat. 

Daraus zu schließen, dass Du den Blödsinn Deines Freundes gutheißt, ist eine unzulässige Schlussfolgerung. Du bist lediglich jemand, der den Willen anderer achtet, auch wenn Du anderer Meinung bist.

 

Die Kreuzzüge waren eben nicht (wie es Gräuelstellen im AT nahelegen) ein gottgefälliges Tun.

"Deus lo vult!" - "Quatsch!"

Trotzdem kann Gott auch die Wunden der Brutalitäten wieder heilen. Und er hat die Welt so geschaffen, dass es einiges an Brutalität und Leiden vorkommt. Darüber verliere ich aber nicht das Vertrauen auf Gott, dass er die Welt (mitsamt Brutalität) so geschaffen hat, dass sie zum Heile führt. Oder genauer gesagt: Dass Gott die Menschen vermittels der von ihm geschaffenen Welt zum Heile führt. Dass die Welt genau so, wie sie nun mal ist, ein Weg hin zum Heil ist. Auch wenn man (zumal mitten im Leid) absolut nicht sieht, wie diese vermittelte Heilslenkung aussehen soll. Auch wenn man im Einzelnen ratlos fragt, wozu DAS nun wieder gut sein soll. 



#333 nannyogg57

nannyogg57

    Mitglied

  • Moderatoren
  • 5838 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 13:44

OMG, Karfunkel, du solltest wirklich nicht so einen Mist lesen!

#334 Karfunkel

Karfunkel

  • Moderatoren
  • 1957 Beiträge

Geschrieben 17 February 2017 - 18:21

OMG, Karfunkel, du solltest wirklich nicht so einen Mist lesen!

 

Sorry!






Besucher die dieses Thema lesen: 2

Mitglieder: 0, Gäste: 2, unsichtbare Mitglieder: 0