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Chrysologus

Joseph Ratzinger und die Juden

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Lothar1962
vor 5 Minuten schrieb Studiosus:

 

Und genau diese Haltung halte ich für unvereinbar mit dem katholischen Glauben. Ja nicht einmal nur mit dem katholischen Dogma. Der Schrift - und den Worten des Auferstanden selbst - widerspricht sie. Euntes ergo docete omnes gentes baptizantes eos - Gehet hin und lehret alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das ist ein universaler Auftrag von überzeitlicher Gültigkeit. 

 

Ich bezweifle ja nicht, dass dies bisher so gesehen wurde - selbstverständlich gehe ich davon aus, dass die weltweite Mission deswegen durchgeführt wurde, weil man der Auffassung war, dies sei nötig, damit die Andersgläubigen errettet werden. Ich halte es aber dennoch für eine Überschreitung der eigenen Kompetenz.

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Mistah Kurtz

Da hier so viel vom christlich-jüdischen Dialog gesprochen wird: was ist eigentlich das Ziel dieses Dialogs? Welchem Zweck dient er? Oder hat er gar keine tieferen Zweck als den, einfach miteinander zu reden?

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Julius
vor 35 Minuten schrieb Mistah Kurtz:

was ist eigentlich das Ziel dieses Dialogs? Welchem Zweck dient er? Oder hat er gar keine tieferen Zweck als den, einfach miteinander zu reden?

 

Das kommt wohl auf die Perspektive an:

aus meiner ganz persönlichen Perspektive bestand der ursprüngliche "tiefere" Zweck mal darin, MIT Juden anstatt mit Christen ÜBER Juden zu reden. Das allein wäre schon spannend genug gewesen ...

bearbeitet von Julius

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Studiosus

Man sollte das, was heute als "Dialog" bezeichnet wird, nicht verabsolutieren. Ob es nun Dialog mit Juden, Muslimen oder anderen Konfessionen ist. Aber gut.

 

Der jüdisch-christliche Dialog bzw. die theologische Auseinandersetzung mit dem Judentum ist bedeutend älter als das Sekretariat für die Nichtchristen. Die theologischen disputationes des Mittelalters sind hier exemplarisch zu nennen. Gelehrte christlicher und jüdischer Religion haben sich, ähnlich einer universitären Disputation, getroffen und anhand ihrer heiligen Schriften (die wie im Falle des AT/Tanach richtig bemerkt wurde nicht identisch sind und zum Verständnis eine gewisse Kenntnis der Kanonhermeneutik bedürfen) und Lehrsammlungen diskutiert. Anders als heute ging es dabei jedoch sehr wohl um Wahrheit und Apologetik. Sich nur die Vorstellungen der Gegenseite kommentarlos anzuhören war zu wenig. Es sollte - und wurde - aufgezeigt werden, wo und in welcher Weise der jeweils Andere irrt. Ich nehme an das ist nicht mehr der modus operandi des modernen jüdisch-christlichen Dialogs.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

bearbeitet von Studiosus

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Studiosus
vor 6 Minuten schrieb gouvernante:

So, inzwischen gibt es den Text auch als PDF online: https://www.communio.de/pdf/vorabveroeffentlichung/Communio-Benedikt_XVI-2018.pdf

 

Den konnte man schon letzte Woche herunterladen. Der Artikel bei Katholisch.de hatte den Aufsatz verlinkt.

 

Aber doppelt hält besser.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

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Mistah Kurtz
vor 2 Stunden schrieb Julius:

 

Das kommt wohl auf die Perspektive an:

aus meiner ganz persönlichen Perspektive bestand der ursprüngliche "tiefere" Zweck mal darin, MIT Juden anstatt mit Christen ÜBER Juden zu reden. Das allein wäre schon spannend genug gewesen ...

 

Ja, nur das wird ja alleine schon durch die Bezeichnung "christliche-jüdischer Dialog" definiert, dass da Christen mit Juden reden. Aber worüber reden sie? Und was ist der Zweck? Ich frage, weil Ratzinger ja jetzt vorgeworfen wird, sein Aufsatz «Gnade und Berufung sind ohne Reue» wäre ein Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog. Wenn es einen Rückschritt gibt, dann offensichtlich auch einen Fortschritt. Wohin wird da geschritten und warum ist Ratzingers Aufsatz ein Rückschritt auf diesem Weg? 

 

Diese Rede von Fort- oder Rückschritten erscheint mir persönlich extrem diffus zu sein. Zu so viel Nebel und Unklarheit fällt mir eine Zeile aus einem Gedicht ein "... wohin ging's, da's nirgendwo hin ging? ..." 

Also: wohin geht's mit dem christlich-jüdischen Dialog? Was ist das Ziel? Zumindest das muss doch klar sein, um bewerten zu können, was Fort- und was Rückschritt ist.

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Frank

23:19Uhr

Zum entrümpeln kurzzeitig geschlossen

23:32Uhr

So, die OT's des Tages befinden sich nun im Tohu. Die Gladiatoren Arena wäre insofern eine Option gewesen als das die Ot's mit einer Leidenschaft geführt wurden, die ein gewisses Diskussionspotential vermuten lassen. Allerdings wurde lange, breit und vor allem viel zur Kirchengeschichte debattiert - mit Hilfe der Suchfunktion sollte da ein geeigneter Thread zu finden sein oder es eröffnet einfach jemand einen neuen Thread. Hier in diesem Thread bitte ich thematisch beim Ratzingers Aufsatz zu bleiben, welcher mit Judenmission und Jüdisch-Christlicher Dialog - sofern ich die Debatte richtig verfolgt hatte, ein ganzes Themenfeld bildet.

23:41Uhr

Thread wieder geöffnet, viel Spass bei der weiteren Debatte!

 

Frank

(Mod-GG)

bearbeitet von Frank

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Julius
vor 3 Stunden schrieb Mistah Kurtz:

Ja, nur das wird ja alleine schon durch die Bezeichnung "christliche-jüdischer Dialog" definiert, dass da Christen mit Juden reden. Aber worüber reden sie? Und was ist der Zweck? Ich frage, weil Ratzinger ja jetzt vorgeworfen wird, sein Aufsatz «Gnade und Berufung sind ohne Reue» wäre ein Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog. Wenn es einen Rückschritt gibt, dann offensichtlich auch einen Fortschritt. Wohin wird da geschritten und warum ist Ratzingers Aufsatz ein Rückschritt auf diesem Weg? 

 

Ich darf schon bitten! Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) wurde 1949 gegründet, feiert also im kommenden Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Siebzig Jahre hat auch der von Gertrud Luckner begründete "Freiburger Rundbrief" als Zeitschrift des Christlich-Jüdischen Dialogs inzwischen schon auf dem Buckel. Ich werde mir ganz sicher nicht die Arbeit machen, einen Abriss dieser 70 Jahre für jemanden zu verfertigen, der hier den Ahnungslosen gibt und/oder von all diesen in einem Dachverband zusammengeschlossenen Initiativen des christlich-jüdischen Dialogs scheinbar bis jetzt noch nicht mal Kenntnis genommen hat.
Seit meinen ersten, noch zaghaft-unsicheren Schritten, damals noch als geschichtsinteressierter Schüler, betätige ich mich selber schon fast 60 Jahre in unterschiedlicher Weise, in unterschiedlicher Intensität und an unterschiedlichen Orten im christlich-jüdischen Dialog, aber immer als jemand, der in allererster Linie etwas über den Umgang mit Juden und Judentum in dem christlichen Umfeld erfahren und gelernt hat, aus dem ich selber stamme (einschließlich der auch nach der Katastrophe des Holocaust in den Kirchen/Kirchengemeinde noch weiterhin gedankenlos nachgeplapperten und nachgesungenen, jahrhundertealten Antijudaismen). Auch bei nochmaligem Nachdenken fällt mir nichts ein, womit Herr Ratzinger zum Lernprozess in diesen Jahrzehnten beigetragen hätte. Hauptkritikpunkte an Ratzingers jetzt veröffentlichtem Aufsatz sind hier ja schon angesprochen worden.
Das Netz bietet jedem, der ehrliches Interesse hat, vielfältige Informationsmöglichkeiten.
http://www.jcrelations.net/Home.112.0.html?L=2
http://www.christenundjuden.org/

https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/juedisch-christlicher-dialog-christl-sicht/ch/980355f85c1fabb2b9b6c0210920741d/
.
.
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bearbeitet von Julius
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Mistah Kurtz
vor 16 Stunden schrieb Julius:

 

Ich darf schon bitten! ...  Ich werde mir ganz sicher nicht die Arbeit machen, einen Abriss dieser 70 Jahre für jemanden zu verfertigen, der hier den Ahnungslosen gibt und/oder von all diesen in einem Dachverband zusammengeschlossenen Initiativen des christlich-jüdischen Dialogs scheinbar bis jetzt noch nicht mal Kenntnis genommen hat.

Natürlich darfst Du bitten. Nur hilft das in keinster Weise weiter. Wenn gesagt wird, Ratzingers Beitrag sei ein Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog, scheint mir die Frage, was denn die Zielmarken dieses Dialogs seien, an dem gemessen werden kann, was ein Fortschritt und - im Gegenzug - ein Rückschritt sei, eine sehr legitime zu sein. Da nutzt alles empörte Bitten nichts, und auch nicht der Verweis auf 70 Jahre Dialogsgeschichte. 

 

Mich interessiert einfach, was die anderen, die hier mitdiskutieren und Ratzinger für diesen "Rückschritt" kritisieren, für Zielmarken in diesem Dialog gesetzt sehen, auf die sie ihre Kritik fußen. Wenn Du zu einer solchen Diskussion keine Lust hast, ist Dir das völlig unbenommen, auch ohne empörtes Bitten. Vielleicht findet sich ja jemand anderes, der sozusagen für die hier quasi ansässigen Kritiker des Ratzinger-Rückschritts in den Ring steigt und mir verdeutlicht, was genau diesen Rückschritt ausmacht.

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Julius
vor 3 Stunden schrieb Mistah Kurtz:

Natürlich darfst Du bitten. Nur hilft das in keinster Weise weiter. Wenn gesagt wird, Ratzingers Beitrag sei ein Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog, scheint mir die Frage, was denn die Zielmarken dieses Dialogs seien, an dem gemessen werden kann, was ein Fortschritt und - im Gegenzug - ein Rückschritt sei, eine sehr legitime zu sein. Da nutzt alles empörte Bitten nichts, und auch nicht der Verweis auf 70 Jahre Dialogsgeschichte. 

 

Wer Augen hat zu lesen, der lese bitte, und wenn Dir Lesen nicht weiterhilft, ist das nicht mein Problem. Verschiedenste Kommentatoren der Auslassungen des zurückgetretenen Benedikt XVI. zu einem offiziellen Dokument der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum (hier kannst Du im übrigen die von dieser Kommission benannten Ziele des christlich-jüdischen Dialogs nachlesen) haben die Haken, nach denen Du so verzweifelt suchst, deutlich benannt. Die durch Benedikts Aufsatz entstandene Verwirrung ist nun allerdings das Problem des Leiters dieser Kommission, er hätte seine Privatkorrespondenz mit dem emeritierten Papst besser in der Schublade gelassen.
Von "Rückschritt" habe ich persönlich in Zusammenhang des Aufsatzes des Ruheständler Benedikt XVI. übrigens nirgendwo gesprochen, Rückschritte (etwa die Extra-Karfreitagsfürbitte für den a.o. Ritus) hat er ja während seines Pontifikats deutlich genug und "in aller Unschuld" gesetzt. Im übrigen wiederhole ich mich gerne noch einmal: Josef Ratzinger/Benedikt XVI. hat vor und nach seinem Pontifikat nicht zu denen gehört, die im christlich-jüdischen Dialog vorangegangen oder als fortschrittlich aufgefallen wären, und jetzt trampelt er halt einmal mehr auf der Stelle, wenn er sich - so Communio-Herausgeber Jan-Heiner Tück, "ausschließlich mit der Schärfung innerchristlicher Sprachregelungen" befasse und kein "eigentliches Gespräch mit der jüdischen Theologie" führe. Wenn sich der Sturm im Wasserglas darum gelegt hat, werden wir feststellen, dass des emeritierten Papstes Stellungnahme zwar ausgesprochen ärgerlich ist, dem christlich-jüdischen Dialog aber dann doch nicht ernsthaft schaden kann. Dafür ist, was Josef Ratzinger/der emeriierte Papst beisteuert (fast hätte ich jetzt Senf geschrieben) nicht wichtig genug.

:rolleyes:

("In keinster Weise" ist im übrigen miserables Deutsch).

bearbeitet von Julius

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Werner001
4 minutes ago, Julius said:

("In keinster Weise" ist im übrigen miserables Deutsch).

"Verschiedenste" ist aber auch nicht besser...

 

Werner

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Mistah Kurtz
vor 43 Minuten schrieb Julius:

("In keinster Weise" ist im übrigen miserables Deutsch).

 

Meinst Du? Und ich, in meiner süddeutschen Unbedarftheit, habe es, in Anlehnung an den Zwiebelfisch Bastian Sick, für einen Elativ gehalten. 

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Moriz
vor einer Stunde schrieb Julius:

 "ausschließlich mit der Schärfung innerchristlicher Sprachregelungen" befasse und kein "eigentliches Gespräch mit der jüdischen Theologie" führe.

Mir ist gerade das Problem abhanden gekommen: Obiger Satz passt hervorragend zu Ratzinger, dem es doch immer mehr um die 'reine Lehre' (Dogmatik) als um ihre Anwendung (Pastoral) ging. So ist mir das ehrlich gesagt lieber als wenn er in seinem Alter noch anfangen würde, was Neues zu versuchen - das könnte doch nur schief gehen. Pastoral können andere viel besser.

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Rosario
Am 30.7.2018 um 14:36 schrieb Lothar1962:

(außer sog. "messianische" Juden - die von den übrigen Juden definitionsgemäß nicht als Juden gesehen werden)

 

Diesen Satz in Parenthese halte ich für nicht uninteressant, da er von jüdischer Seite aus ein eindeutiges "Ihr glaubt das Falsche." ist. Wer Jesus als den Messias bekennt, kann also aus jüdischer Sicht kein Jude sein, auch wenn er die üblichen Bedingungen (jüdische Mutter, Beschneidung als Mann, Bar-Mizwa bzw. Bat-Mizwa) erfüllt und sich selbst als jüdisch sieht. Das ist doch mal ein Statement, nämlich die klare Aussage, dass man etwas über Andersgläubige sagen kann, was diese - aufgrund ihres anderen Glaubens - anders sehen. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum sich Menschen jüdischen Glaubens so sehr um das kümmern, was ein Vertreter einer anderen Religion (Papst em.) über das Verhältnis seines Glaubens zu ihrem Glauben sagt. Dass es dabei zu einem Dissens kommen muss, ist doch eigentlich klar, weil man ja definitionsgemäß über einen anderen Glauben spricht.

 

Da der christliche Glaube eine historische gesehen Mittelposition zwischen Judentum und Islam hat, ist eine Parallele leicht zu ziehen: Wenn Muslime über die Evangelien sagen, sie seien nicht korrekt überliefert, im Zweifelsfall stimme die Version des Korans und der Paraklet im Johannesevangelium sei nicht der Heilige Geist, sondern Mohammed, werde ich als Christ immer antworten, dass ich das anders sehe und glaube. Ich habe aber doch keinen Anlass, von führenden Muslimen zu fordern, dass sie die "Falschheit" der Evangelien (immerhin ein Buch, das in unseren Gottesdiensten hohe Verehrung bekommt) offiziell zurücknehmen oder ihre abweichende Interpretation der Evangelien gefälligst sein zu lassen haben. Da ich also diese Position gegenüber muslimischer Interpretation christlicher Texte habe, kann ich die Kritik von jüdischer Seite nicht verstehen.

 

Damit sind selbsverständlich alle Übergriffe von christlicher Seite auf Juden in den vergangenen Zeiten (und heute) keineswegs gerechtfertigt. Aber umgekehrt verstehe ich nicht, warum aus diesen schändlichen und völlig inakzteptablen Akten eine Veränderung im Glauben folgen soll. Es geht eben darum, bei unterschiedlichem Glauben friedlich und tolerant miteinander zu leben, und nicht den Glauben irgendwie anzugleichen oder nicht auszusprechen.

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elad
vor 8 Stunden schrieb Rosario:

 

Diesen Satz in Parenthese halte ich für nicht uninteressant, da er von jüdischer Seite aus ein eindeutiges "Ihr glaubt das Falsche." ist. Wer Jesus als den Messias bekennt, kann also aus jüdischer Sicht kein Jude sein, auch wenn er die üblichen Bedingungen (jüdische Mutter, Beschneidung als Mann, Bar-Mizwa bzw. Bat-Mizwa) erfüllt und sich selbst als jüdisch sieht. Das ist doch mal ein Statement, nämlich die klare Aussage, dass man etwas über Andersgläubige sagen kann, was diese - aufgrund ihres anderen Glaubens - anders sehen. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum sich Menschen jüdischen Glaubens so sehr um das kümmern, was ein Vertreter einer anderen Religion (Papst em.) über das Verhältnis seines Glaubens zu ihrem Glauben sagt. Dass es dabei zu einem Dissens kommen muss, ist doch eigentlich klar, weil man ja definitionsgemäß über einen anderen Glauben spricht.

 

Da der christliche Glaube eine historische gesehen Mittelposition zwischen Judentum und Islam hat, ist eine Parallele leicht zu ziehen: Wenn Muslime über die Evangelien sagen, sie seien nicht korrekt überliefert, im Zweifelsfall stimme die Version des Korans und der Paraklet im Johannesevangelium sei nicht der Heilige Geist, sondern Mohammed, werde ich als Christ immer antworten, dass ich das anders sehe und glaube. Ich habe aber doch keinen Anlass, von führenden Muslimen zu fordern, dass sie die "Falschheit" der Evangelien (immerhin ein Buch, das in unseren Gottesdiensten hohe Verehrung bekommt) offiziell zurücknehmen oder ihre abweichende Interpretation der Evangelien gefälligst sein zu lassen haben. Da ich also diese Position gegenüber muslimischer Interpretation christlicher Texte habe, kann ich die Kritik von jüdischer Seite nicht verstehen.

 

Damit sind selbsverständlich alle Übergriffe von christlicher Seite auf Juden in den vergangenen Zeiten (und heute) keineswegs gerechtfertigt. Aber umgekehrt verstehe ich nicht, warum aus diesen schändlichen und völlig inakzteptablen Akten eine Veränderung im Glauben folgen soll. Es geht eben darum, bei unterschiedlichem Glauben friedlich und tolerant miteinander zu leben, und nicht den Glauben irgendwie anzugleichen oder nicht auszusprechen.

wenn die paepstlichen und kirchlichen aussagen zum judentum fuer uns nicht seit 1700 jahren schreckliche folgen gehabt haetten, dann koennten wir wirklich  bei unterschiedlichem glauben friedlich und tolernt miteinander leben.

das war und ist leider nicht so. und

wenn es den tiefsitzenden antisemitismus nicht gegeben haette, dann haette die nsdap ihren mist viel weniger gut verkaufen koennen.

und wie tief antisemitismus im christentum verwurzelt ist, kann man z.b. daran erkennen, dass von seiten der katholischen kirche bis heute niemand den mord von ca. 1600 polnischen juden verurteilt hat, juden die die frechheit hatten, die kz zu ueberleben und nach 1945 ihren besitz zurueckforderten. genau so wenig hat sich die katholische kirche jemals zur rattenlinie geaeussert usw. usw. usw.

bearbeitet von elad

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Rosario
Am 4.8.2018 um 21:34 schrieb elad:

wenn die paepstlichen und kirchlichen aussagen zum judentum fuer uns nicht seit 1700 jahren schreckliche folgen gehabt haetten, dann koennten wir wirklich  bei unterschiedlichem glauben friedlich und tolernt miteinander leben.

das war und ist leider nicht so. und

wenn es den tiefsitzenden antisemitismus nicht gegeben haette, dann haette die nsdap ihren mist viel weniger gut verkaufen koennen.

und wie tief antisemitismus im christentum verwurzelt ist, kann man z.b. daran erkennen, dass von seiten der katholischen kirche bis heute niemand den mord von ca. 1600 polnischen juden verurteilt hat, juden die die frechheit hatten, die kz zu ueberleben und nach 1945 ihren besitz zurueckforderten. genau so wenig hat sich die katholische kirche jemals zur rattenlinie geaeussert usw. usw. usw.

 

Hallo elad,

 

wenn du die Lage wirklich so absolut siehst, wie du sie formulierst, können wir (Juden und Christen) nach deinem Posting bei unterschiedlichem Glauben nicht friedlich und tolerant miteinander leben, sprich: wir müssten getrennt leben oder den gleichen Glauben haben. (Dass wir uns bekämpfen, während wir mit unterschiedlichem Glauben zusammen leben, schließe ich als Option mal aus.) Dass man als Jude gegenüber Menschen christlichen Glaubens skeptisch ist, kann ich nach dem, was Juden in den letzten Jahrhunderten bis heute erleben mussten, nachvollziehen. Eine solche absolute Aussage, wie du sie aufstellst, bedeutet für ein angenommenes friedliches Zusammenleben aber doch in der Tat, dass die Christen ihren Glauben aufgeben müssten, da der christliche Glaube ohne Antisemitismus nicht möglich sei. Die Sache spitzt sich ja zu bei dem Punkt, der Ausgang meines Beitrags war: Juden, die Jesus als Messias annehmen und nach den Regeln des jüdischen Lebens leben, werden von anderen Juden nicht mehr als Juden angesehen.

 

Hab ich dein Posting unzulässig zugespitzt oder treffe ich damit den Punkt?

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Julius
vor 15 Minuten schrieb Rosario:

Juden, die Jesus als Messias annehmen und nach den Regeln des jüdischen Lebens leben, werden von anderen Juden nicht mehr als Juden angesehen.

 

Ich weiss nicht, was Du für ein Problem damit hast, einen Juden, der Jesus zu seinem Messias erklärt, anstatt vornehm drumherum zu reden, als das zu bezeichnen, was er damit ist: Christ.

bearbeitet von Julius

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elad
vor 12 Minuten schrieb Rosario:

 

Hallo elad,

 

wenn du die Lage wirklich so absolut siehst, wie du sie formulierst, können wir (Juden und Christen) nach deinem Posting bei unterschiedlichem Glauben nicht friedlich und tolerant miteinander leben, sprich: wir müssten getrennt leben oder den gleichen Glauben haben. (Dass wir uns bekämpfen, während wir mit unterschiedlichem Glauben zusammen leben, schließe ich als Option mal aus.) Dass man als Jude gegenüber Menschen christlichen Glaubens skeptisch ist, kann ich nach dem, was Juden in den letzten Jahrhunderten bis heute erleben mussten, nachvollziehen. Eine solche absolute Aussage, wie du sie aufstellst, bedeutet für ein angenommenes friedliches Zusammenleben aber doch in der Tat, dass die Christen ihren Glauben aufgeben müssten, da der christliche Glaube ohne Antisemitismus nicht möglich sei. Die Sache spitzt sich ja zu bei dem Punkt, der Ausgang meines Beitrags war: Juden, die Jesus als Messias annehmen und nach den Regeln des jüdischen Lebens leben, werden von anderen Juden nicht mehr als Juden angesehen.

 

Hab ich dein Posting unzulässig zugespitzt oder treffe ich damit den Punkt?

also ich lebe in tiefstem frieden mit meinen christlichen und moslemischen nachbarn (gleich auf der anderen strassenseite). jeder soll nach seiner facon seelig werden. unser staedtchen hat seit ueber 40 jahren eine gemeinsame verwaltung mit unserem nachbardorf, in dem seit jahrhunderten christen, moslems, drusen, tscherkessen und seit neustem auch 2 bahai-familen in frieden zusammenleben. die kirche steht am kleinen marktplatz der moschee gegenueber,  zu allen religioesen festen wird geschmueckt, und weder muezin noch kirchenglocken stoeren uns

nur so idyllisch war das leben fuer jueden leider nicht in europa: vertreibungen, verfolgungen, pogrome, zwangszahlungen, inquisition usw. und leider hat die alleinseeligmachende katholische kirche tuechtig mitgemischt, spaeter auch die protestantische kirche.

wen bei uns als jude gilt und wer nicht, lass mal unser problem sein. wir mischen uns auch nicht in eure angelegenheiten ein.

ich habe nie behauptet, dass christen automatisch antisemiten sind. nur gab es leider in den letzten 1700 jahren in europa sehr wenige, die den mut hatten, gegen antisemitismus zu protestieren.

 

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Rosario
vor 24 Minuten schrieb elad:

also ich lebe in tiefstem frieden mit meinen christlichen und moslemischen nachbarn (gleich auf der anderen strassenseite). jeder soll nach seiner facon seelig werden. unser staedtchen hat seit ueber 40 jahren eine gemeinsame verwaltung mit unserem nachbardorf, in dem seit jahrhunderten christen, moslems, drusen, tscherkessen und seit neustem auch 2 bahai-familen in frieden zusammenleben. die kirche steht am kleinen marktplatz der moschee gegenueber,  zu allen religioesen festen wird geschmueckt, und weder muezin noch kirchenglocken stoeren uns

nur so idyllisch war das leben fuer jueden leider nicht in europa: vertreibungen, verfolgungen, pogrome, zwangszahlungen, inquisition usw. und leider hat die alleinseeligmachende katholische kirche tuechtig mitgemischt, spaeter auch die protestantische kirche.

wen bei uns als jude gilt und wer nicht, lass mal unser problem sein. wir mischen uns auch nicht in eure angelegenheiten ein.

ich habe nie behauptet, dass christen automatisch antisemiten sind. nur gab es leider in den letzten 1700 jahren in europa sehr wenige, die den mut hatten, gegen antisemitismus zu protestieren.

 

 Okay.

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Rosario
Am 9.8.2018 um 17:30 schrieb Julius:

 

Ich weiss nicht, was Du für ein Problem damit hast, einen Juden, der Jesus zu seinem Messias erklärt, anstatt vornehm drumherum zu reden, als das zu bezeichnen, was er damit ist: Christ.

 

Wenn jemand ein Jude ist und Jeshua als Meshiach annimmt, wer bin ich, dass ich dann behaupten könnte, er sei kein Jude mehr? Kann man vielleicht auch Jude und Christ zugleich sein, "Judenchrist" sozusagen? Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn Juden sagen, dass diese messianischen Juden aus ihrer Sicht keine Juden mehr sind, weil jeder das Recht hat, sich aus seiner Position heraus ein Bild zu machen, was er an anderen Religionen für richtig hält und was für falsch. Ich wollte damit ja nur sagen, dass es einem emeritierten Papst eben auch erlaubt sein darf, etwas über eine andere Religion zu sagen, was die Gläubigen dieser Religion nicht so sehen. Es muss da keinen Konsens geben.

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Spadafora

Wenn jemand die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens ablehnt wer bin ich zu behaupten  sei krim Katholik mehr 

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