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mn1217

Männer und Frauen und alles dazwischen

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Wunibald

Diesen Wunsch hat die Forenleitung in vorauseilendem Gehorsam  bereits erfüllt, das Einfügen von Bildern und Grafiken ist nicht implementiert.

Für das, was dir vor deinem geistigen Auge eventuell an Bildern erscheint bist du selbst verantwortlich. Oder meinst du das im Sinne eines Ohrwurms, der dir nicht aus dem Kopf geht?

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mn1217

Hör auf....

Du bringst mich auf Ideen, die ich noch nicht hatte. 

Danke ...(nicht).

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duesi

Nehmt es mir nicht übel wenn ich hier gerade mal ein wenig Leichenfledderei betreibe. Dies ist ein Thema, das ich damals zum Unmut der einen und zur Belustigung der anderen mit großem Engagement diskutiert habe. Und ich meine, dass ich mich hier weiterentwickelt habe. Wen es interessiert, der kann ja etwas dazu schreiben.

 

Damals war das Mann-Frau-Thema für mich sehr zentral. Und es ist mittlerweile sehr viel unwichtiger für mich geworden. Ich habe es damals geradezu als eine gesellschaftliche Aufgabe gesehen, Menschen die Mann-Frau-Unterschiede nahezubringen, weil sie sonst in ihr eigenes Unglück laufen würden. Und mittlerweile habe ich eine Freiheit persönlich kennen gelernt, die es gar nicht mehr nötig hat, derart auf das Mann-Frau-Thema fixiert zu sein. Ich bin gerne Mann und bin gerne heterosexuell. Aber es ist nicht mehr der zentrale Kern meiner Identität. Weder eine schöne partnerschaftliche Beziehung noch erfüllte Sexualität können einen Menschen wirklich ausfüllen.

 

Mittlerweile empfinde ich die neuen Gender-Studies sogar als etwas wohltuendes. Nicht weil ich ihnen zustimme. Sondern weil sie alte Rollenbilder hinterfragen und Menschen aus dieser Partnerschaftsfixierung herausholen wollen. Das Problem bei den Gender Studies sehe ich nicht darin, dass sie alte Rollenbilder aufbrechen, sondern das sie das Rollenverhalten intellektuell auf dem Reißbrett entwerfen wollen. Natürliches menschliches Sozialverhalten kann jedoch nur aus dem Leben heraus entstehen. Mittlerweile kann ich mit Männern über Kochrezepte reden und mit Frauen über Unternehmensgründungen palavern. Ich muss mich da nicht mehr auf Geschlechterstereotypen festlegen. Und es ist mir schnurz-piep-egal, ob die Frau, mit der ich gerade eine angenehme Konversation führe, mich dabei gerade als Sexiest Man Alive oder Material für die Friendzone betrachtet. Es macht mir einfach Freude, neue Menschen kennen zu lernen, ein Paar Worte mit der Kassiererin zu wechseln. Und manchmal entstehen halt Kontakte. Manchmal bleibt es beim Smalltalk.

 

Und das führt mich zu einem anderen sozialen Thema, das ich gerade sehr viel interessanter finde. Für die meisten Menschen gibt es ja eigentlich so etwas wie ein äußeres soziales Umfeld gar nicht mehr. Hier ist die Wohnung, 20 km weiter ist der Arbeitsplatz, wozwischen gependelt wird. Dann wohnen wieder 10 km weiter ein paar Freunde. Und irgendwo dazwischen befindet sich der Sportverein. Die Eltern wohnen 500 km weit weg. Alles muss durchgetaktet und organisiert werden. Es bleibt keine Kapazität dafür, mit dem Kleinunternehmer oder Nachbarn mal ein Schwätzchen zu halten, wer sonst noch so auf der gleichen Straße wohnt, wissen die meisten erst recht nicht mehr. Obwohl die meisten sich um ein sehr verantwortungsvolles Leben bemühen, bleibt so etwas wie ein gesundes soziales Umfeld meistens auf der Strecke. Das soziale Umfeld ist nicht mehr natürlich und ortsgebunden. Es ist ein organisiertes soziales Umfeld. Und wer zu diesem meinem sozialen Umfeld gehören will, der muss sich bitteschön erst dafür qualifizieren. 

 

Ich habe einen persönlichen Mentor, der etwa 20 Jahre älter ist als ich, ein eigenes Unternehmen gegründet hat. Und er sagte mir, dass er sein Leben nun um seinen Lebensmittelpunkt baut. Während früher bei ihm ebenfalls alles durchgetaktet gewesen ist, hat er nun Möglichkeiten, in der Nähe seiner Arbeit zu wohnen, Bekanntschaften mit Menschen zu schließen, die sich eben dort in der Nähe beruflich oder privat aufhalten. Und er lebt wieder ein viel sozialeres Leben als früher. Das ist etwas, wo ich mich auch hin entwickeln möchte. 

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gouvernante
vor 9 Stunden schrieb duesi:

Es bleibt keine Kapazität dafür, mit dem Kleinunternehmer oder Nachbarn mal ein Schwätzchen zu halten

Ich halte das für eine Frage der Prioritäten, weniger der Strukturen, in die man eingebunden ist.

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Long John Silver
vor 9 Stunden schrieb duesi:

Obwohl die meisten sich um ein sehr verantwortungsvolles Leben bemühen, bleibt so etwas wie ein gesundes soziales Umfeld meistens auf der Strecke. Das soziale Umfeld ist nicht mehr natürlich und ortsgebunden. Es ist ein organisiertes soziales Umfeld. Und wer zu diesem meinem sozialen Umfeld gehören will, der muss sich bitteschön erst dafür qualifizieren. 

 

 

 

Ich wette, die User hier haben so viele verschiedene soziale Umfelde, wie auch immer unterschiedlich intakt oder organisisiert oder auch nicht. Wir haben alle unterschiedliche Leben mit unterschiedlichen Anforderungen (auch an Organisation dieses Lebens, vor allem wenn ich Kinder habe), ich denke, wenn du versuchst, das jetzt hier auf einen mehr oder weniger gemeinsamen soziologischen Kamm zu scheren, wird das einem eher sinnlose und quaelende Diskussion. Und was heisst hier gesund? Woher willst du wissen, wie gesund oder ungesund unsere Umfelder sind?

 

Ich finde deine Thesen mal wieder, nun ja, recht kurzschluessig.

 

Und was meint das: wer zu meinem sozialen Umfeld gehoeren will, muss sich qualifizieren dafuer? Na, erstmal muss er da hinziehen, falls es um Nachbarschaft geht. Das ist  sein Problem und nicht meins, ob er das tut,  und ob wir uns dadurch evtl. im Leben kennenlernen. Oder es muss in der selben Job arbeiten wie ich. Natuerlich muss er sich fuer den Job qualifizieren, sonst kann er nicht mein Kollege werden. Und der Rest an sozialem Leben? Hobbys, Freunde, Haustiere, soziales Engagement, Gemeinde? Natuerlich muss das organisiert werden, der Tag hat nur 24 Stunden und es gibt  (hoffentlich) auch noch Familie und die Beziehung. 

 

Ich kenne meine naeheren  Nachbarn, ganz einfach, weil wir gemeinsame Beruehrungspunkte haben, weil wir uns auf irgendeine Weise in bestimmten Dingen gemeinsam organisieren muessen.  Ich bin nicht mit ihnen befreundet oder haenge staendig am Gartenzaun (vor allem, weil ich nur mit einen Zaun mit einem zusammen habe), aber wir haben ein irgendwie lockeres Verhaeltnis. Und reden? Ich rede staendig mit Leuten in meinem sozialen Umfeld. Postbote, Kassiererin, an der Tankstelle, auf dem Muellplatz, in der Arztpraxis, im Schuetzenverein, beim Tanzen, wenn ich Eier beim Nachbarn hole, wenn ich einkaufen fahre. Ich bin ja froh, dass der Hund nicht redet, sozusagen, und die Katzen von Dingen, die ich zum Glueck nicht verstehe, sonst wuerde ich ja verrueckt werden:-)). Nein, ernsthaft - was willst du uns sagen?  

 

PS. Lese gerade erst Gouverantes Posting- ja, das meiste ist eine Frage der Prioroitaet, wenn es um Hobbys, Freunde etc. geht. Das mit den Strukturen betrifft den Ort des Wohnens. Da ist vieles vorgegeben, die Strukturen dort gab es bereits, als ich da hinzog, die sind einfach aus der Situation gegeben. Und aus der Situation gegeben ist, welches soziale Umfeld insgesamt da ist - z.B. Laeden, Einkaufsmeile, kulturelle Einrichtungen etc, Lokale, all das.  

 

Edited by Long John Silver
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duesi

@Long John Silver: Es ist doch schön, dass du dein soziales Umfeld anders erlebst als ich das beschrieben habe. Und vielleicht hat Gouvernante auch Recht mit den Prioritäten. 

 

Es sind persönliche Eindrücke, die ich hier beschreibe. Keine verallgemeinernden Thesen, die alle Menschen über einen Kamm scheren. Ich habe die Gesellschaft in meiner Jugend als wesentlich bürgerlicher erlebt als jetzt. Klar war es auch da schon nicht mehr die Gesellschaft wie vor der industriellen Revolution, wo jeder sein Familienunternehmen am Ort hatte, in der Nähe seiner Arbeit lebte, Kirche und Dorffest Kristallisationspunkte gesellschaftlichen Lebens waren. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich von einer Kleinstadt in die Nähe von München gezogen bin. Die meisten Forenteilnehmer sind älter als ich und haben vielleicht andere Eindrücke vom Leben. Aber vielleicht haben einige von euch Kinder, die weggezogen sind. Wo sich doch das eine oder andere von meinen Beobachtungen wiederfinden lässt. Dass sich die Art, wie Menschen soziale Beziehungen leben, sehr verändert hat. Heute gibt es Tinder und Partnerschaftsbörsen im Internet. Und doch scheint vieles nicht einfacher, sondern eher komplizierter geworden zu sein. Vielleicht hat jemand aber auch genau gegenteilige Erfahrungen gemacht. 

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duesi

Das Folgende könnte vielleicht wirklich eine kurzschlüssige These sein. Aber könnte es nicht sein, dass diese Genderproblematik durch diese strenge Trennung von Arbeitsleben und Privatleben seit der industriellen Revolution überhaupt erst entstanden ist? Dass die kirchliche Ehemoral auf praktische Probleme stieß, das industrielle Arbeitsleben und die Kindererziehung unter einen Hut zu bringen und sich auf einmal starre Rollenbilder etabliert haben? Was dann mit der Zeit von vielen als zu eng empfunden wurde? In einer Gesellschaft, in der Privatleben und Arbeitsleben zusammen organisiert werden, da kann es ja diese strenge Rollenaufteilung gar nicht geben. Da sind Mann und Frau gleichermaßen für den Familienbetrieb verantwortlich. Da wird auch der eine oder andere Mann häusliche Aufgaben übernehmen und die ein oder andere Frau geschäftliche Verantwortung übernehmen. Und die Kinder lernen das Handwerk der Eltern von der Pike auf, ohne das Kinderbetreuung jetzt speziell Männersache oder Frauensache wäre.

Ich meine, man kann ja nicht neuen Wein in alte Schläuche füllen. Die Welt dreht sich weiter und die damalige Welt steht nicht wieder auf. Aber ich kann von diesen Dingen Schlussfolgerungen für mein eigenes Leben treffen. Ich merke, wenn ich mein eigenes Leben und mein soziales Umfeld nach dem Leitbild der bürgerlichen Gesellschaft gestalte oder zumindest danach strebe, dass es mir besser entspricht, als alles nach Interessensschnittmengen durchzutakten oder mir von den Gender Studies oder der Kirche sagen zu lassen, wie das menschliche Miteinander zwischen den Menschen aussehen sollte.

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Merkur
Am 21.2.2020 um 09:44 schrieb duesi:

... Aber ich kann von diesen Dingen Schlussfolgerungen für mein eigenes Leben treffen. Ich merke, wenn ich mein eigenes Leben und mein soziales Umfeld nach dem Leitbild der bürgerlichen Gesellschaft gestalte oder zumindest danach strebe, dass es mir besser entspricht, als alles nach Interessensschnittmengen durchzutakten oder mir von den Gender Studies oder der Kirche sagen zu lassen, wie das menschliche Miteinander zwischen den Menschen aussehen sollte.

Sich in Fragen von Freundschaft oder Beziehungen nach externen Maßstäben oder Interessenschnittmengen zu richten, weist für mich auf ein wenig erfolgversprechendes Vorgehen hin. Zuneigung und Zuverlässigkeit halte ich für effizientere Kriterien.

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