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Mistah Kurtz

Corona-Special: in Deutschland, Europa und Global

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Mistah Kurtz
vor 4 Stunden schrieb Moriz:

 

 Ich habe mir eine Grafik mit den Zahlen aus NRW gemacht (weil ich in logarithmischer Auftragung die Gerade sehen wollte). Dabei kam mir ein Gedanke: Getestet wird eher am Anfang der Erkrankung, sterben ist immer das Ende. Vielleicht müssen wir die aktuelle Zahl der Corona-Toten nicht mit der aktuellen Zahl an Infizierten vergleichen, sondern mit der Zahl der Infizierten vor z.B. zwei Wochen. Dann hätten wir auch eine Sterberate von 10%... In China sind die Verstorbenen im Durchschnitt nach 19 Tagen verstorben.

 

Ein interessanter Gedanke. Du führst, wenn ich das recht verstehe, sozusagen alle Corona-Infizierten mehr oder minder genau auf den Tag zurück, an dem sie sich mutmaßlich infizierten, bekommst so eine bestimmte Anzahl von Infizierten - sozusagen die Tagessumme der Neuinfizierten. Davon substrahierst Du jene, die wieder gesundeten, egal, an welchem Tag die Gesundung erfolgte; und subtrahierst weiterhin jene, die immer noch krank sind; somit verbleiben noch jene, die an der Krankheit gestorben sind, egal, an welchem Tag das Sterben erfolgte. Damit hat Du die Letalitätsrate der Tagessumme an Neuinfizierten eines bestimmten Tages zu einem bestimmten Tag. Ist das Dein Gedankengang? 

Edited by Mistah Kurtz

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Mistah Kurtz
vor 3 Minuten schrieb Marcellinus:

(erfüllt dieser Ausdruck eigentlich schon den Tatbestand des Rassismus?)

 

Zumindest jenen eines ungesunden Ressentiments. Nietzsche - die Lektüre seiner Werke sind eine meiner intellektuellen Jugendsünden, zumindest, wenn man ihn nicht als Dichter, sondern als Philosophen las, aber lassen wir das: das ist ein eigenes Thema - Nitzsche also hat zum Ressentiment einige kluge Gedanken formuliert. Für ihn ist sie eine Selbstvergiftung der Seele, ausgeführt durch ein Ich, dass einerseits "die Bösen" bestrafen will, andererseits aber sich das Durchführen einer solchen Bestrafung untersagt (weil das ja leider auch etwas Böses wäre). Er schreibt in in "Menschliches, Allzumenschliches": "Einen Rachegedanken haben und ausführen heißt einen heftigen Fieberanfall bekommen, der aber vorübergeht: einen Rachegedanken aber haben, ohne Kraft und Mut ihn auszuführen, heißt ein chronisches Leiden, eine Vergiftung an Leib und Seele mit sich herumtragen." 

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Moriz
vor 7 Minuten schrieb Mistah Kurtz:

 

Ein interessanter Gedanke. Du führst, wenn ich das recht verstehe, sozusagen alle Corona-Infizierten mehr oder minder genau auf den Tag zurück, an dem sie sich mutmaßlich infizierten, bekommst so eine bestimmte Anzahl von Infizierten - sozusagen die Tagessumme der Neuinfizierten. Davon substrahierst Du jene, die wieder gesundeten, egal, an welchem Tag die Gesundung erfolgte; und subtrahierst weiterhin jene, die immer noch krank sind; somit verbleiben noch jene, die an der Krankheit gestorben sind, egal, an welchem Tag das Sterben erfolgte. Damit hat Du die Letalitätsrate der Tagessumme an Neuinfizierten eines bestimmten Tages. Ist das Dein Gedankengang? 

So ungefähr. Die an Corona gestorbenen sind noch am sichersten zu zählen. Diese möchte ich mit denen vergleichen, die sich am gleichen Tag infiziert haben. Nun wird man aber nur selten den genauen Infektionstag wissen (nicht jeder war auf einer Karnevalssitzung, mancher auch in Ischgl, gleich für ein paar Tage) noch wird man eruieren können, wie viele an dem Tag wirklich infiziert worden sind. Ersatzweise schaue ich dann, wie viele Neuinfektionen an dem Tag festgestellt wurden, als die jetzt Gestorbenen diagnostiziert wurden (und weil die nicht alle am gleichen Tag diagnostiziert worden sein dürften muß man halt die mittlere Zeitspanne zwischen Diagnose und Tod zu Grunde legen).

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Aristippos
vor 4 Stunden schrieb Die Angelika:

 

Ich will nicht, dass diese Diskussion, egal ob ehrlich oder unehrlich, unter diesem Aspekt geführt wird.

Es ist schlimm genug, wenn in Italien Ärzte und Pflegekräfte sich mit Triage auseinandersetzen müssen. Ich halte es aber für inakzeptabel, darüber quasi einfach so zu dsikutieren. Denn es ist schlichtweg die Diskussion über die Frage, ob es Leben gibt, das mehr wert ist als anderes. Das ist eine Frage, die mMn nicht grundsätzlich beantwortet werden sollte. Wenn ich für mich entscheide, dass ich im Fall einer Corona-Erkrankung und eventuell notwendiger intensivmedizinischer Maßnahmen einem Menschen mit besseren Heilungschancen den Vortritt lasse, dann ist das meine ganz persönliche Entscheidung. Ich will aber nicht, dass irgendjemand anderer darüber grundsätzlich entscheiden darf.

Es wird aber entschieden, und zwar gesellschaftlich und nicht persönlich.

 

Auch Armut kostet Menschenleben. Die Frage ist also nicht, ob man Menschenleben oder "die Wirtschaft" rettet, sondern ob man diese oder jene Menschenleben rettet. Und diese Entscheidung treffen gerade die Landesregierungen per Ukas. Denn niemand fragt die heutigen Kinder, ob sie persönlich gerne 30% ärmer aufwachsen möchten, damit der multimorbide 80jährige es noch ein Jahr länger macht. 

 

Darauf wird es aber im Kern hinauslaufen: Wieviel müssen die zukünftigen Generationen zum Wohle der bald vergangenen opfern?

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helmut
vor 2 Minuten schrieb Aristippos:

.....Denn niemand fragt die heutigen Kinder, ob sie persönlich gerne 30% ärmer aufwachsen möchten, damit der multimorbide 80jährige es noch ein Jahr länger macht. 

 

Darauf wird es aber im Kern hinauslaufen: Wieviel müssen die zukünftigen Generationen zum Wohle der bald vergangenen opfern?

30 %, gut verteilt ist kein problem. da es darüber aber keine berechnungen gibt, auch nicht geben kann, ist die frage müßig.

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helmut

mykath.de verkommt gerade zu einem sozialdarwinismus-forum.

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rince
vor 12 Stunden schrieb Die Angelika:

 

Ich will nicht, dass diese Diskussion, egal ob ehrlich oder unehrlich, unter diesem Aspekt geführt wird.

Es ist schlimm genug, wenn in Italien Ärzte und Pflegekräfte sich mit Triage auseinandersetzen müssen. Ich halte es aber für inakzeptabel, darüber quasi einfach so zu dsikutieren. Denn es ist schlichtweg die Diskussion über die Frage, ob es Leben gibt, das mehr wert ist als anderes. Das ist eine Frage, die mMn nicht grundsätzlich beantwortet werden sollte. Wenn ich für mich entscheide, dass ich im Fall einer Corona-Erkrankung und eventuell notwendiger intensivmedizinischer Maßnahmen einem Menschen mit besseren Heilungschancen den Vortritt lasse, dann ist das meine ganz persönliche Entscheidung. Ich will aber nicht, dass irgendjemand anderer darüber grundsätzlich entscheiden darf.

Genau das ist die spannende Frage für KIs beim selbstfahrenden Auto. Wer wird im Zweifel über den Haufen gefahren: Der 80jährige Rentner oder die Mutter mit Kinderwagen.

 

Solche Fragen werden immer wieder diskutiert. Auch wenn es dir nicht gefällt.

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Mistah Kurtz
vor 14 Minuten schrieb Franziskaner:

Der Satz "Ein Menschenlben ist unbezahlbar" war immer schon  Heuchelei,

Nein, keine Heuchelei per se, sondern die Formulierung eines Ideals. Und jedes Ideal hat es in sich, dass man ihm zwar nacheifert, es aber nie erreicht. Sie sind, wenn man so will, wie ein Stern, nach dem man navigiert. Darum ist auch die von der Kirche als Ideal gepredigt Bergpredigt keine Heuchelei, auch wenn die Kirche, wie wir alle wissen, in Hinblick auf die Umsetzung des Ideals, sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Was, von wenigen Ausnahmen abgesehen, für uns alle gilt. 

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Franziskaner
vor 10 Stunden schrieb Marcellinus:

@Franziskaner

Da ist so vieles schräg, daß ich nicht wüßte, wo anfangen, also laß ich es. Nur so viel. Die sogenannten „alten weißen Männer“ (erfüllt dieser Ausdruck eigentlich schon den Tatbestand des Rassismus?) sind gar nicht gefragt worden. Entschieden haben es Frauen und Männer zwischen 30 und 60 in Regierungen und Parteien, und viele von denen hatten eingestandenermaßen eine Mischung aus Angst und keine Ahnung, assistiert von Medizinern und Journalisten. Wer anderer Meinung war, durfte sich auf mittlerweile bekannte Manie „Coronaleugner“ nennen lassen. Das ganze ist ein Experiment an einem ganzen Land mit offenem Ausgang.

 

Das zusammenzurühren mit alledem, was man sonst noch so hat an politischer Agenda, ist der Vergleich von Nichtvergleichbarem. Da im Moment der gesamte finanzielle Spielraum dieser Gesellschaft für Jahre verbrannt wird, kann man sich die Diskussion darüber allerdings sparen. Europa wird für Jahre mit sich selbst zutun haben. Soziale Träume dürften da auf wenig Gegenliebe stoßen.

 

 

Ich greife Deine Erwiderung mal auf, weil sie in ihren Formulierungen tief blicken lässt.

 

Und zwar erstens bei Deiner Reaktion auf den Begriff "alte weiße Männer". Denn:

- Der Begriff hat Dich dermaßen gestört, dass Dir der offensichtliche ironische Subtext komplett entgangen ist, der ja darin besteht, dass ich selber hoffe, auch mal ein alter weißer Mann zu sein, bzw. aus der Sicht der FFF-Generation schon einer bin.

- Ich habe diesen Begriff ja gar nicht negativ verwendet. Es ist bei mir eine reine Gruppenbezeichnung, wie "die Muslime", "die jungen berufstätigen Frauen", "die Menschen mit dunler Hautfarbe". Menschen werden als Gruppe betrachtet, und bei manchen Fragestellungen geht das auch gar nicht anders. Es gibt also eigentlich gar keinen Grund, pikiert zu sein.

- Und jetzt wird es interessant: Dass dieser Begriff "alte weiße Männer" als dermaßen störend und in sich als Angriff wahrgenommen wird, zeigt gerade, in welchem Maß diese gesellschaftliche Gruppe bisher privilegiert war und de facto auch noch ist. "Alte weiße Männer" brauchten kein Etikett, sie verteilten Etiketten. Sie sind das Zentrum der Definitionshoheit, sie bestimmen die Regeln des Diskurses. Und jetzt werden sie einfach so etikettiert und befinden sich auf Augenhöhe mit "syrische Flüchtlinge" oder "alleinerziehende Mütter". Das schmezt offensichtlich. Aber es könnte dazu anregen, darüber nachzudenken, was es auch mit anderen Bevölkerungsgruppen macht, wenn man sie in dieser Weise pauschal betrachtet.

 

Und das zweite ist Dein Begriff der "politischen Agenda", der sich im Kontext ja auf die die von mir in die Diskussion eingebrachten Felder der Klima- und Migrationspolitik bezieht. "Politische Agenda" ist natürlich ein dehnbarer Begriff, und es ist unklar, was Du damit genau meinst. Aber intuitiv verbinde ich damit etwas unseriöses: Da legt jemand ein Thema auf den Tisch (eine "politische Agenda"), um sich wichtig zu machen oder um ganz andere Ziele zu erreichen.

 

Niemand (außer er möchte eine Verschwörungstheorie verbreiten) würde sagen: "In der Corona-Krise verfolgt die Bundesregierung eine politische Agenda". Nein, man würde sagen: Da handeln Politiker verantwortungsbewusst, um eine dringendes Problem zu lösen.

 

Aber Klima- und Migrationspolitik sind eine "politische Agenda". Das will also sagen: Da gibt es eigentlich gar kein Problem, da regt sich jemand nur künstlich auf. Und in Zukunft hat er für solche Hobbies kein Geld mehr. Auch gut.

 

Wie es ein Poster in einer Kommentarspalte so prägnant formulierte: "Das einzig Gute an Corona ist, dass Greta endlich ihren Mund hält."

Edited by Franziskaner
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Franziskaner
vor 16 Minuten schrieb Mistah Kurtz:

Nein, keine Heuchelei per se, sondern die Formulierung eines Ideals. Und jedes Ideal hat es in sich, dass man ihm zwar nacheifert, es aber nie erreicht. Sie sind, wenn man so will, wie ein Stern, nach dem man navigiert. Darum ist auch die von der Kirche als Ideal gepredigt Bergpredigt keine Heuchelei, auch wenn die Kirche, wie wir alle wissen, in Hinblick auf die Umsetzung des Ideals, sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Was, von wenigen Ausnahmen abgesehen, für uns alle gilt. 

 

Ich stimme Dir in Bezug auf die Bergpredigt zu. (Den Satz halte ich trotzdem für Heuchelei, weil er suggeriert, dass es anders wäre)

 

Aber gerade weil es so ist, muss gefragt werden, wieviel der Energie für welche Ziele verwendet wird. Und muss es rationale Erwägungen geben, und es muss es auch ein Gleichgewicht geben. Positionen wie "Diesen Grundsatz darf man nicht in Frage stellen." oder "Man darf die Probleme nicht miteinander vermischen" dienen letztlich dazu, Machtfragen zu verschleiern.

 

Es wird Dich vielleicht erstaunen, aber diese Meinung habe ich vor fünf Jahren auch in der Flüchlingsfrage verteten. Da gabe es ja eine Zeit, wo von wichtigen gesellschaftlichen  Strömungen (die mir durchaus persönlich nahestehen) gefordert wurde, ohne Rücksicht auf Ressourcen immer weiter Flüchtlinge aufzunehmen. Ich habe von Anfang an gesagt: 1 Million für dieses Jahr ist gut und richtig, aber in Zukunft müssen wir auch schauen, dass wir nur soviel Verantwortung übernehmen, wie wir realistischerweise tragen können.

Individalethische Maximalforderungen können nicht Leitlinie für politisches Handeln sein. In der Politik gilt leider die Verantwortungsethik und der Satz von Helmut Kohl: "Entscheidend ist, was hinten raus kommt."

 

 

Edited by Franziskaner
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Werner001
2 hours ago, Franziskaner said:

Und jetzt wird es interessant: Dass dieser Begriff "alte weiße Männer" als dermaßen störend und in sich als Angriff wahrgenommen wird

Subsahara-Afrika leidet unter alten schwarzen Männern, und denen geht es weitaus schlechter als uns.


hier aber OT

 

Werner

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Thofrock
vor 2 Stunden schrieb Franziskaner:

Sozialdarwinismus wäre, nicht nur zu sagen "lassen wir der Natur ihren Lauf, wer stirbt, stirbt eben" (Das wäre Darwinismus, und auch das hat in dieser Diskussion niemand auch nur annähernd gefordert.)

Sozialdarwinismus wäre, zu sagen: "Da wir nur eine begrenzte Zahl von Intensivpflegeplätzen haben, werden diese meistbietend versteigert." Vielleicht merkst Du jetzt, was für ein Blödsinn Deine Aussage ist.

In Helmuts Aussage steckt aber auch die Frage, wie weit man sich dem annähert. Und da wir erst am Anfang stehen, kommt in die Frage selbstverständlich noch Bewegung rein. Die USA macht es uns ja vor. 

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helmut
vor 3 Stunden schrieb Franziskaner:

 

Oh nein. Bei dermaßen großen Verschiebungen, wie wir sie zur Zeit erleben, ist die Frage "cui bono" eine, die gestellt werden und beantwortet werden muss.

 

Wer darf von wem Opfer verlangen?

Wie wird ein Menschenleben bemessen? (Und es wird bemessen, immer schon. Der Satz "Ein Menschenlben ist unbezahlbar" war immer schon  Heuchelei, wie die Flüchlingspolitik, die Gestaltung internationaler Wirtschaftsbeziehungen und die Durchsetzung militärischer Interessen in der Außenpolitik immer schon gezeigt hat.)

 

Sozialdarwinismus wäre, nicht nur zu sagen "lassen wir der Natur ihren Lauf, wer stirbt, stirbt eben" (Das wäre Darwinismus, und auch das hat in dieser Diskussion niemand auch nur annähernd gefordert.)

Sozialdarwinismus wäre, zu sagen: "Da wir nur eine begrenzte Zahl von Intensivpflegeplätzen haben, werden diese meistbietend versteigert." Vielleicht merkst Du jetzt, was für ein Blödsinn Deine Aussage ist.

ob du es am alter mißt, am geld oder am sozialen stand, du mißt es an der nützlichkeit aus der sicht des sich nützlich vorkommenden. das ist sozialdarwinismus.

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Shubashi
vor 2 Stunden schrieb Franziskaner:

Aber gerade weil es so ist, muss gefragt werden, wieviel der Energie für welche Ziele verwendet wird. Und muss es rationale Erwägungen geben, und es muss es auch ein Gleichgewicht geben. Positionen wie "Diesen Grundsatz darf man nicht in Frage stellen." oder "Man darf die Probleme nicht miteinander vermischen" dienen letztlich dazu, Machtfragen zu verschleiern.

 

Ich halte das für einen guten allgemeinen Ansatz, jetzt wichtige gesellschaftliche Fragen zu klären. Wir müssen uns aber klarmachen, dass wir dabei alle unsere Präferenzen haben, und das diese alle nicht unhinterfragbar selbstverständlich sind.

Für mich hat sich ja aktuell ein beinahe lustiger Perspektivenwechsel ergeben: von einer gerade voll gekniffenen Branche bin ich vor einem guten dreiviertel Jahr in eine jetzt voll gefragte gewechselt. Mir ist also klar, dass die Situation eines Menschen, dem gerade die gesamte wirtschaftliche Existenz wegzuschwimmen droht, eine andere ist, als desjenigen, der sich gerade einem nahezu peinlichen öffentlichen Applaus ausgesetzt sieht.

Aber ist das nicht auch eine Gelegenheit, unsere persönlichen wie gesellschaftlichen Präferenzen zu hinterfragen? Was ist uns wirklich wichtig? Ich gestehe, dass ich mich immer noch ein bisschen einstellen muss, nicht mehr allzu sehr aus dem Vollen zu schöpfen, das Leben als "Berufsprasser" ist nun erst mal vorbei. Dafür habe ich jetzt andere Verantwortungen und andere Vorzüge. Ich könnte nicht das Leben der div. "Risikogruppen", die wir z.B. regelmäßig in die Dialyse bringen, geistig einfach zur Disposition stellen - die leben alle genauso gerne wie ich, und es wäre traurig, wenn der Sensenmann sie alle holt.

Auf der anderen Seite - wieso sollte sich die Wirtschaft nicht umstellen können? Warum bauen wir nicht ein paar von diesen überdimensionierten Kreuzfahrern zu Hospitalschiffen um? Beiersdorf hat kurzerhand von Kosmetik zu Desinfektionsmitteln umgestellt, warum sollten andere Branchen nichts vergleichbares hinbekommen? Die lächerlichen flimsigen Einmalkittel sollte jede Dreimann-Schneider-Klitsche hinbekommen, Filtermasken, Schutzbrillen - das ist doch keine Raketenwissenschaft!

 Selbst wenn das alles überstanden ist - der Klimawandel und die Überbevölkerung erfordern sowieso zukünftig ein anderes Wirtschafts- und Lebensmodell - sollen wir allen Ernstes wieder total auf die rein quantitative Hochproduktion und maximale Renditeerwartung umstellen, nur um in 10 oder 20 Jahren gegen die nächste Wand zu rennen?

Ich denke, diese vergleichsweise milde Pandemie wäre doch ein passender Wink mit dem Zaunpfahl, endlich das zu berücksichtigen, was sowieso dran wäre.

Ist für alle nicht leicht, aber Lebensqualität ist mehr als sich in Börsenstatistiken beschreiben läßt.

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Werner001

 

23 minutes ago, helmut said:

ob du es am alter mißt, am geld oder am sozialen stand, du mißt es an der nützlichkeit aus der sicht des sich nützlich vorkommenden. das ist sozialdarwinismus.

Jede Rentenerhöhung ist demnach reiner Sozialdarwinismus
 

Werner

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Chrysologus

Gestern Abend machte mein heimatliches Netz komische Sachen, daher erst heute die Zahlen des gestrigen Abends, wie immer von der MoPo. Im Fränkischen Tag von heute findet sich ein Artikel über das Zustandekommen der unterschiedlichen Zahlen des RKI. Interessant dabei: John Hopkins bezieht seine Zahlen für Deutschland von einer niederländischen Agentur, die ihrerseits die Zahlen der MoPo weiter melden. Das erklärt, dass deren Zahlen denen von John Hopkins entsprechen. Die MoPo wiederum fragt die Landratsämter ab bzw. bezieht deren aktuelle Meldungen, die teilweise mehrfach täglich aktualisiert werden, jedoch nur allabendlich an die Landesämterund von dort ans RKI gemeldet werden. So lernt man doch das ein oder andere, womöglich auch unnütze.  

 

Gestern Abend waren 37.323 Menschen nachgewiesen infiziert, 4.332 PErsonen oder 13,1% mehr als am Vortag. Das RKI weist darauf hin, dass in Deutschland vergleichsweise viel und breit getestet werde, valide Zahlen zur Durchseuchung wird man aber wohl erst dann bekommen, wenn Eliza-Tests auf Antikörper breit verfügbar sind und man so auch die noch erwischt, die eine stille Ansteckung hinter sich haben.

 

Als geheilt wurden 3.547 Menschen registriert, 257 oder 7,8% mehr als am Vortag. So wie ich das verstehe kommt diese Zahl allerdings recht automatisch zu Stande, es werden alle jene als Geheilt gezählt, die vor ich meine 14 Tagen positiv getestet worden sind und nun nicht mehr anderweitig als krank oder verstorben registriert wurden. Damit läuft diese Zahl ein wenig der der positiv getesteten automatisch hinterher.

 

Verstorben sind 206 Personen, 47 oder 29,6% mehr als am Vortag. Die Gesamtzahlen sind hier immer noch sehr klein, so dass man hier wenig wird sagen können.

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Franziskaner
vor 33 Minuten schrieb Werner001:

Subsahara-Afrika leidet unter alten schwarzen Männern, und denen geht es weitaus schlechter als uns.


hier aber OT

 

Werner

 Du hast vollkommen Recht. Ich glaube auch nicht, dass alles, was alte weiße Männer machen, schlecht ist. Ich finde es nur interessant, wie empfindlich reagiert wird, wenn man mal in derselben Weise etikettiert wird, wie das mit anderen gesellschaftlichen Gruppen ganz selbstverständlich geschieht. Genau das ist ja auch der Witz bei dieser Bezeichnung.

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helmut
vor 9 Minuten schrieb Werner001:

 

Jede Rentenerhöhung ist demnach reiner Sozialdarwinismus
 

Werner

geht es argumentativer? ich bekomme ein jahr später nach den ergebnissen des vorjahres. dass ich überhaupt etwas bekomme, liegt an meinem solidarischen, zum großen teil freiwilligen solidarischen verhalten über 40 jahre.  da spielt abwägen von nützlichkeit keine rolle.

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Mistah Kurtz
vor 29 Minuten schrieb Werner001:

 

Jede Rentenerhöhung ist demnach reiner Sozialdarwinismus
 

Werner

Nur, wenn damit Bevölkerungsanteile aus der Gesamtbevölkerung gelöscht werden. 

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Werner001
34 minutes ago, Mistah Kurtz said:

Nur, wenn damit Bevölkerungsanteile aus der Gesamtbevölkerung gelöscht werden. 

Helmuts Behauptung war, sobald es um Nützlichkeit geht, sei es Sozialdarwinismus. Und natürlich empfindet ein Rentner eine Rentenerhöhung als nützlich.

ich halte Helmuts ursprüngliche Definition von Sozialdarwinismus für Unsinn.

 

Werner

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helmut
vor 6 Minuten schrieb Werner001:

Helmuts Behauptung war, sobald es um Nützlichkeit geht, sei es Sozialdarwinismus. ...

werner, du lügst.

 

meine definition war die nützlichkeit des menschen.

 

"ob du es am alter mißt, am geld oder am sozialen stand, du mißt es an der nützlichkeit aus der sicht des sich nützlich vorkommenden. das ist sozialdarwinismus. "

 

nicht an der nützlichkeit von geld als solches.

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Mistah Kurtz
vor 11 Minuten schrieb Werner001:

Helmuts Behauptung war, sobald es um Nützlichkeit geht, sei es Sozialdarwinismus. Und natürlich empfindet ein Rentner eine Rentenerhöhung als nützlich.

ich halte Helmuts ursprüngliche Definition von Sozialdarwinismus für Unsinn.

 

Werner

 

Ich wollte das nur  ironisch brechen mit der Bemerkung es wäre sie (die Rentenerhöhung) nur dann Sozialdarwinismus, wenn die Erhöhung der Rente Teile der Bevölkerung, in dem Fall die Rentner, auslöscht. Was natürlich absurd ist.

Edited by Mistah Kurtz

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Flo77

Wie auch immer, die Welt wird sich weiterdrehen ob nun mit oder ohne 150 000 deutschen Corona-Opfer.

 

Wäre jetzt nicht der passende Moment mal über die Neuordnung unseres Steuer- und Sozialversicherungssystems zu sprechen und so spannende Projekte wie die negative Einkommensteuer, die Bürgerversicherung, die Kommunalisierung der medizinischen Grundversorgung, eine Unternehmenssteuerreform und die Prozesse zur Gehaltsfindung in wenig oder gar nicht organisierten Branchen wie Einzelhandel oder Pflege einzutüten?

 

Wo sind eigentlich die Gewerkschaften des medizinischen Personals in der aktuellen öffentlichen Debatte?

 

Warum hat Verdi sich noch nicht massiv geäußert sowohl, was die Bonus-/Gehaltsfindung im systemrelevanten Einzelhandel angeht als auch im Bezug auf die drohende Arbeitslosigkeitswelle?

 

Sind unsere Bildungsminister noch in Schockstarre oder gibt es mittlerweile mal Ideen die Schulpflicht der digitalen Realität anzupassen? Oder wenigstens den Freifahrtsschein für die Schulen?

 

Sind Asylbewerber ernsthaft Julia Kloeckners Antwort auf den Erntehelfermangel? Ist die Frau noch bei Trost? (Ok - das fällt unter die rhetorischen Fragen.)

 

Wenn wir keine sinnvolle - d.h. umfassende und gründliche - Steuerreform kriegen, wie bitte schön werden dann wenigstens die Wochen und Monate Homeoffice gewertet?

 

Wie sollen die Euro-Bonds verhindert werden? Oder verkauft uns die Kanzlerin nicht nur sprichwörtlich für dumm sondern de facto ans Ausland?

 

Hat sich die Opposition schon mal Gedanken gemacht, wie man die Bürgerrechte nach diesen ermächtigungsgesetzmäßigen Erlassen wieder in Kraft setzen will?

 

Und warum kaufen Privatleute Gold und nicht die Banken um die Einlagen zu sichern? (Die EZB habe ich in dieser Hinsicht ohnehin schon abgeschrieben.)

 

Fragen über Fragen die unter den ganzen Corona-Lamenti irgendwie untergehen.

Edited by Flo77

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