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Franziskaner

Kirchenmusik der Zukunft

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Merkur
vor 2 Stunden schrieb gouvernante:

Wie würdest Du das definieren?

Das kann ich schlecht definieren. Es gehört das Gefühl von Vertrautheit dazu (auch wenn man das jeweilige Stück noch nie gehört hat). Man sollte sein religiöses Leben in der Musik wiedererkennen.

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Franziskaner
vor 3 Stunden schrieb Merkur:

Sehr gut gelungen, herzlichen Glückwunsch zu diesem Werk.  Jazz (in der üblichen Aufführungspraxis)  ist für mich allerdings genuin weltliche Musik, mir fällt es schwer, darin das für Kirchenmusik erforderliche typisch Sakrale zu entdecken.

 

Beim Thema Kirchenmusik bin ich eher konservativ. Ich würde mich freuen, wenn es Weiterentwicklungen der bisher üblichen Stile gäbe. Anscheinend hört das mit Poulenc und Messiaen auf. John Rutter fällt mir allenfalls noch ein. 

 

Mit dem Sakralen ist das ja so eine Sache. Oft ist es schlicht und einfach Gewohnheit. Man hat etwas lange in der Kirche gehört und erinnert sich über Generationen daran, und dadurch wird es für das Empfinden sakral. "O Haupt voll Blut und Wunden" war ja zunächst auch einmal ein weltliches Lied.

 

Wenn man betrachtet, was in den Psalmen über Musik gesagt wird, geht es da ganz schön zur Sache. Es wird getanzt, geklatscht, laut gejubelt, voll in die Saiten gegriffen. Es gibt Percussions und Blasinstrumente. Es entsteht viel eher der Eindruck einer Jazzband als der eines gregorianischen Chorals.

 

Und dann gibt es natürlich diese spezifisch europäische Komponente, die aus der platonischen Philosophie kommt. Also aus dem Dualismus zwischen materieller und geistiger Welt, in der das Materielle und Körperliche schlecht und das Geistige gut ist. In diesem Verständnis wird der Rhythmus dem minderwertigen körperlichen und die Melodik dem wertvollen geistigen Element zugeordnet.

Dieses Verständnis geht aber am biblischen Menschenbild völlig vorbei, in dem der Mensch eine Einheit aus Körper und Geist ist, die in dieser Einheit gut geschaffen und auch in dieser Einheit durch den Sündenfall belastet ist.

 

Hinzu kommt, dass das Verständnis und Empfinden für Zeitvorgänge in der Musik (also nach europäischer Definition dem Rhythmus) in Afrika ein vollkommen anderes ist. Durch den platonischen Denkansatz verbindet man Rhythmus in Europa intuitiv mit Enthemmung und körperlicher Energie. In der afrikanischen Musik geht es bei der zeitlichen Gestaltung musikalischer Abläufe um Ordnung und Gemeinschaft. Also so ziemlich um das Gegenteil.

 

Edited by Franziskaner

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Merkur

Das ist m.E. zu sehr von den üblichen Klischees her gedacht. Gospel ist für mich eindeutig sakral, gregorianischer Choral und protestantisches Kirchenlied auch (unabhängig von der Herkunft der Melodien). Ich weiß nicht, wo die Vorstellung herkommt, dass körperliches  bzw. weltliches schlecht sei, ich vertrete sie jedenfalls nicht. Tango ist z.B. auch eine hervorragende Musik, aber eines nicht: sakral im katholischen Sinne. Im Gottesdienst finde ich ihn daher deplatziert

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Werner001

Zum Thema Mitsingbarkeit: Was ich ziemlich befremdlich finde, aber schon mehrfach erlebt habe: Der Priester spricht die Präfation "... Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit" und setzt sich hin, weil nun  der Chor ein zehnminütiges Konzert gibt.

So schön der Chorgesang ist, und ich mag Chorgesang, es stört die Liturgie.

 

Werner

 

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Franziskaner
vor 20 Stunden schrieb Merkur:

Das ist m.E. zu sehr von den üblichen Klischees her gedacht. Gospel ist für mich eindeutig sakral, gregorianischer Choral und protestantisches Kirchenlied auch (unabhängig von der Herkunft der Melodien). Ich weiß nicht, wo die Vorstellung herkommt, dass körperliches  bzw. weltliches schlecht sei, ich vertrete sie jedenfalls nicht. Tango ist z.B. auch eine hervorragende Musik, aber eines nicht: sakral im katholischen Sinne. Im Gottesdienst finde ich ihn daher deplatziert

 

Die Vorstellung eines Dualismus von Geist -Materie,  Seele - Körper, Idee - Realisierung, in der auch innerweltlich Geist, Seele und Idee gut, und Materie, Körper, Realisierung minderwertig sind, kommt aus der platonischen Philosophie und hat die europäische Vorstellung von Musik stark geprägt. In dieser Vorstellung wird die Melodik mit dem Geist und die Rhythmik mit der Körperlichkeit assoziert. Ebenfalls wird die Welt aufgeteilt in den Bereich des Sakralen und den des Profanen.

 

In diesem Raster ist also eine rein melodische Musik wie der gregorianische Choral sakral, und eine rein rhythmische wie ein afrikanisches Trommelensemble profan. Allerdings gibt es außer dieser Zuschreibung gar keinen Grund, das so zu sehen.

Darüber hinaus gibt es den Bereich des Sakralen im Christentum ja nur in sehr eingeschränkter Weise. Der "Vorhang im Tempel" ist zerrisen, das Reich Gottes angebrochen. Die Bereiche des Profanen und Sakralen gehen ineinander über. Das Sakrale kann es nur als Vergegenwärtigung Jesu Christi geben, der unser einziger Hoherpriester ist. Das ist ja der Kern des katholischen Sakramentenverständnisses. Und Jesus hat nun mal keine Musik hinterlassen ... Also sind wir in dem Bereich frei.

 

Einen weiteren Punkt halte ich für wichtig: was wir als sakral und was als profan erleben, ist sehr häufig geprägt von unserer Erinnerung. Wir haben Musik in bestimmten Zusammenhängen gehört und verbinden sie deshalb damit. Aber es gibt dafür keinen innermusikalischen Grund. In gewisser Weise ist das auch in Ordung. Musik hat immer auch Sprachcharakter und vermittelt inhaltliche Botschaften auch durch ihre stilistische Gestaltung. Das bedeutet aber auch, dass für einen Afrikaner oder Lateinamerikaner eine ganz andere Form von Musik sakral wirken kann als für europäisch sozialisierte Menschen.

 

Du sagst, dass für Dich Gospel sakral ist, Tango aber nicht. Wie würdest Du das denn in Bezug auf diese beiden Musikstücke bewerten?

 

Misa Tango

Glory Train

 

Nach meinem Empfinden klingt die Tango-Messe wesentlich strenger und liturgisch konzentrierter, ohne deshalb aufzuhören, Tango zu sein. Der Gospel-Son, würde hingegen sehr gut in die Soul-Charts der 70er Jahre passen. Das macht ihn aus meiner Sicht nicht schlecht, oder für Gottesdienste ungeeignet. Aber rein stilistisch ist das für mein Gefühl eher weniger sakral.

Edited by Franziskaner

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Franziskaner
vor 17 Stunden schrieb Werner001:

Zum Thema Mitsingbarkeit: Was ich ziemlich befremdlich finde, aber schon mehrfach erlebt habe: Der Priester spricht die Präfation "... Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit" und setzt sich hin, weil nun  der Chor ein zehnminütiges Konzert gibt.

So schön der Chorgesang ist, und ich mag Chorgesang, es stört die Liturgie.

 

Werner

 

 

Das machen Priester in Rücksichtnahme auf engagierte Kirchenmusiker und erwartungsvolle Chöre. Ich finde, gelegentlich geht das auch mal. Ich finde es auch in Ordung, wenn man mal gelegentlich der Kommunion- und Firmvorbereitungsgruppen Räume in der Liturgie einräumt, die sonst nicht so vorgesehen sind.

 

Aber das 2. Vatikanum hat diese Praxis eigentlich untersagt. Aber wie oben gesagt: es wird ja auch sonst ziemlich viel an der Liturgie herumgebastelt. Eine Mozartmesse ist da wenigstens ein kulturell hochwertiger Grund.

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Merkur
vor einer Stunde schrieb Franziskaner:

 Allerdings gibt es außer dieser Zuschreibung gar keinen Grund, das so zu sehen.

 

Es gibt sicherlich Gründe, aber mir fällt im Moment auch keiner ein. Der Schwerpunkt auf Rhythmus oder Melodie ist für die Abgrenzung eher weniger geeignet, da gebe ich dir Recht.

 

Zitat

Darüber hinaus gibt es den Bereich des Sakralen im Christentum ja nur in sehr eingeschränkter Weise.

Das sehe ich anders, allerdings gilt das nur für mich. Ich will niemandem meine Vorstellungen aufdrängen. Seit der Liturgiereform hat sich der Umgang damit geändert, aber ich halte das Sakrale, vom Weltlichen abgesonderte, nach wie vor für einen wesentlichen Bestandteil des Christentums.

 

Zitat

Wie würdest Du das denn in Bezug auf diese beiden Musikstücke bewerten?

Ich habe nur kurz hineingehört. Die Tango-Messe ist m.E. überhaupt kein Tango, nicht einmal Tango Nuevo. Tango und Kirchenchor sind unvereinbar. Das Bandoneon rettet die Musik auch nicht mehr. Das Gospel-Stück ist etwas brav aufgeführt, musikproduktions-mäßig, nicht so,  als wenn es von einer gottesdienstlich bewegten Gemeinde gesungen würde. Grundsätzlich wäre es aber tauglich für den Gottesdienst.

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Higgs Boson
vor 1 Stunde schrieb Franziskaner:

Das machen Priester in Rücksichtnahme auf engagierte Kirchenmusiker und erwartungsvolle Chöre.

[...]

Eine Mozartmesse ist da wenigstens ein kulturell hochwertiger Grund.

 

Aber es war genau der Grund, weshalb ich nicht im Kirchenchor, sondern im Konzertchor unserer Pfarrei war. Weil ich dem Volk das Singen nicht wegnehmen wollte - wer Konzert wollte bekam es gerne an anderer Stelle.

 

Eine Messe ist kein Ort für Kultur, sondern ein Ort der Anbetung. (Und weil das offensichtlich meine frühere Pfarrei auch so sah, war im Kirchenanzeiger nicht angekündigt, wenn der Chor gesungen hat, damit denen nicht das Publikum ausblieb)

 

 

vor 1 Stunde schrieb Franziskaner:

Misa Tango

 

Nach meinem Empfinden klingt die Tango-Messe wesentlich strenger und liturgisch konzentrierter, ohne deshalb aufzuhören, Tango zu sein.

 

Wie geil ist das denn -  irgendwie ist Argentinien meine musikalische Heimat. Auch wieder eine Messe zum gerne zuhören, keine zum Mitfeiern.

 

Und ich denke, es darf beides geben.

 

Edited by Higgs Boson

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gouvernante
vor 1 Stunde schrieb Merkur:

Tango und Kirchenchor sind unvereinbar.

Warum?

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Chrysologus
vor 11 Minuten schrieb gouvernante:
vor 2 Stunden schrieb Merkur:

Tango und Kirchenchor sind unvereinbar.

Warum?

Also ich erinnere mich Feiern im Ritus von Zaire bei Katholikentagen - das sah eher nach Rumba aus, aber es passte zusammen. Wobei beim durchschnittlichen deutschen Kleriker keine Tangoschritte zu erwaten sind.

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Franziskaner

Bevor ich zum ersten Mal religiös gemeinte Jazzmusik schrieb (Anfang der 90er waren das Psalmenvertonungen für Chor und Jazz-Oktett) habe ich mich etwas informiert. Da in der Liturgiekonstitution die tätige Mitwirkung der Gemeinde gefordert wurde, und ich das für mein damaliges Projekt nicht wollte, habe ich bewusst keine liturgische Form, sondern die eines geistlichen Konzertes gewählt.

 

Ich habe aber in diesem Zusammenhang auf einem Flohmarkt ein Buch gefunden: "Jazz in der Kirche?" von Rochus Hagen, veröffentlicht in den 60er Jahren (dern Autor heißt tatsächlich so ...) Der Autor hatte ein ganz gutes Wissen über die Jazzmusik, hat sie also nicht wie damals üblich, mit Rock- oder Schlagermusik verwechselt. Seine Argumente gegen Jazz in der Kirche ähneln denen von Merkur.

 

Einer seiner Punkte ist, dass Jazz nicht als sakral empfunden wird, weil die Gemeinde eine andere Musik als Kirchenmusik mit dem Kirchenraum verbindet.  Dieses Argument ist allerdings durch das Wachstum der Kirchen im globalen Süden entkräftet. Es ist eben nicht mehr so, dass das kollektive Gedächtnis Europas der Maßstab für die Unterscheidung von sakral und profan ist.

 

Das zweite Argument ist sehr interessant: er behauptet und begründet, dass im Jazz die Trennung zwischen dem Profanen und dem Sakralen aufgehoben ist. Dass also durch Jazz in der Kirche die Abgrenzung des sakralen Raumes gegeüber der profanen Alltagswelt aufgehoben wird. Obwohl er das manchmal etwas schief darstellt, kann ich ihm im Grundsatz insofern zustimmen, als ich diese Aufhebung des Gegensatzes sakral-profan durch den Jazz, bzw. afro-amerikanische Musikformen auch so erlebe. Aber ich sehe sie als etwas positives: Glaube und Leben gehören zusammen.

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Franziskaner
vor 27 Minuten schrieb Chrysologus:

Also ich erinnere mich Feiern im Ritus von Zaire bei Katholikentagen - das sah eher nach Rumba aus, aber es passte zusammen. Wobei beim durchschnittlichen deutschen Kleriker keine Tangoschritte zu erwaten sind.

 

Dieser zairische Ritus ist ja etwas faszinierendes: nach Jahrhunderten erlaubt die katholische Kirche einen veränderten, kulturell angepassten Ritus.

 

Ein wichtiger Text des Konzils zur Kirchenmusik in diesem Kontext steht im Missionsdekret: da wird ausdrücklich gefordert, dass die Missionare die Musikkulturen der Völker, denen sie das Evangelium verkünden, wertschätzen und in die gottesdienstliche Gestaltung mit einbeziehen sollen.

 

Das habe ich damals durchaus auch auf mich bezogen. Wenn ich in einem kulturellen Umfeld lebe, für das die traditionelle Kirchenmusik ein Hindernis ist, das Evangelium zu entdecken, dann ist es meine Aufgabe als katholischer Jazzmusiker, eine solche Musik zu schreiben.

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Chrysologus
vor 4 Minuten schrieb Franziskaner:

Das zweite Argument ist sehr interessant: er behauptet und begründet, dass im Jazz die Trennung zwischen dem Profanen und dem Sakralen aufgehoben ist. Dass also durch Jazz in der Kirche die Abgrenzung des sakralen Raumes gegeüber der profanen Alltagswelt aufgehoben wird. Obwohl er das manchmal etwas schief darstellt, kann ich ihm im Grundsatz insofern zustimmen, als ich diese Aufhebung des Gegensatzes sakral-profan durch den Jazz, bzw. afro-amerikanische Musikformen auch so erlebe. Aber ich sehe sie als etwas positives: Glaube und Leben gehören zusammen.

Gerade das macht Jazz für mich geeignet.

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Marcellinus

 

Zitat

Das habe ich damals durchaus auch auf mich bezogen. Wenn ich in einem kulturellen Umfeld lebe, für das die traditionelle Kirchenmusik ein Hindernis ist, das Evangelium zu entdecken, dann ist es meine Aufgabe als katholischer Jazzmusiker, eine solche Musik zu schreiben.

 

Hast du schon mal überlegt, daß Leute vielleicht die Musik mögen, und trotzdem mit dem religiösen Hintergrund weder etwas anfangen können noch wollen?

 

Marcellinus, sich als Jazzfreund outend. ;)

Edited by Marcellinus
da fehlte ein Fragezeichen

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Franziskaner
vor 20 Minuten schrieb Marcellinus:

 

 

Hast du schon mal überlegt, daß Leute vielleicht die Musik mögen, und trotzdem mit dem religiösen Hintergrund weder etwas anfangen können noch wollen?

 

Marcellinus, sich als Jazzfreund outend. ;)

 

Ich bin nie davon ausgegangen, dass alle Jazzmusiker im Grunde katholisch sein wolllen ....

 

Aber erstens war ich damals noch jung und idealistisch, zweitens bin ich schon damals nicht als Wanderprediger durch die Gegend gezogen, sondern habe mein Statement musikalisch abgegeben, und drittens ist es auch dann sinnvoll, kulturelle Zugänge zu schaffen, wenn nur wenige Leute die dann benutzen.

 

Die Musiker, die mitgespielt haben, damals wie letztes Jahr, waren zum großen Teil keine Christen. Sie haben die Aufführungen aber trotzdem als spannende Einblicke in eine fremde Welt erlebt. Und ein, zwei tiefergehende Gespräche sind auch  zustande gekommen. Sie haben auch nicht hauptsächlich wegen des Geldes mitgespielt. Gage gab´s zwar, aber die war nicht überragend hoch, und sie mussten die Termine ein halbes Jahr vorher blocken.

 

Enttäuscht bin ich tatsächlich über die Nullreaktion der Kirche. Also der Kirchenverwaltung. Aus der Gemeinde kamen sehr positive Rückmeldungen und immer wieder die Frage, wann das denn noch mal aufgeführt würde, oder ob ich etwas neues schreiben würde.

Ich meine: Auch wenn solche Musik als Kirchenmusik sicherlich nicht der Königsweg zu einer Mainstream-Kirchenmusik sein wird, sollte es doch  wenigstens gelegentlich möglich sein, solche Projekte zu untersützen. Egal ob konzertant oder im Gottesdienst.

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Franziskaner
vor 35 Minuten schrieb Marcellinus:

Marcellinus, sich als Jazzfreund outend. ;)

 

Was hörst Du denn gerne?

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Merkur
vor 2 Stunden schrieb gouvernante:

Warum?

Weil es unterschiedliche Kunstformen sind. Ich sehe auch keinerlei Notwendigkeit, den Tango in das Prokrustesbett christlicher musikalischer Ausdrucksformen zu zwängen. Man muss nicht aus allem ein Kyrie oder Gloria machen. Kann man den Tango nicht einfach aus sich selbst heraus wirken lassen ohne ihm eine christliche Botschaft aufzudrücken? 

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gouvernante
vor 13 Minuten schrieb Franziskaner:

wann das denn noch mal aufgeführt würde

Genau da stellen sich die Nackenhaare hoch. Gottesdienstliche Musik ist keine "Aufführung", sondern hoffentlich integraler (und integrierter) Teil der Feier.

Aber natürlich haben die meisten Menschen ein feines Gespür dafür, ob sie - egal wie gekonnt - beschallt werden (Aufführung), oder ob sie selbst Teilhabende sind.

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gouvernante
Gerade eben schrieb Merkur:

das Prokrustesbett christlicher musikalischer Ausdrucksformen

Und was sind dann Deiner Meinung nach "christliche musikalische Ausdrucksformen"? Und was einen Musikstil "unchristlich"?

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Merkur
vor 10 Minuten schrieb gouvernante:

Und was sind dann Deiner Meinung nach "christliche musikalische Ausdrucksformen"? Und was einen Musikstil "unchristlich"?

Der Kirchenchor ist eine christliche musikalische Ausdrucksform. Die Messe (Kyrie, Gloria, Credo usw.) ebenfalls. 

Wann ein Musikstil unchristlich ist ? Keine Ahnung. Es gibt aber Musik, die keine Ausdrucksformen des Christentums benötigt, um sich zu entfalten, d.h. sie sie ist auch ohne christliche Überformung gut. Dazu gehört m.E. der Tango. 

 

PS: Wo ich das relativieren muss. Der Tango wäre nicht, was er ist, ohne den argentinisch-katholischen Einfluss. Er ist aber nicht davon abhängig und kann z.B. auch im finnisch-protestantischen Umfeld gedeihen. 

 

Edited by Merkur

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Marcellinus
vor 4 Minuten schrieb Franziskaner:

Ich bin nie davon ausgegangen, dass alle Jazzmusiker im Grunde katholisch sein wolllen ....

 

Es geht nicht nur um "katholisch", sondern um religiös an sich.

 

vor 4 Minuten schrieb Franziskaner:

Was hörst Du denn gerne?

 

Da muß ich ein bißchen ausholen. Meine musikalische Sozialisation begann eigentlich im Kellerzimmer eines Freundes, vor über 50 Jahren. Irgendwie hatte er es geschafft, Platten von schwarzen Musiker aufzutreiben, etwas, was mir bis dahin fremd gewesen war. So lernte ich die Musik von Mahalia Jackson, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Billie Holliday kennen, um nur einige zu nennen. 

 

Es brauchte nicht lange (aber schon ein bißchen, denn so gut war unser Englisch als Schüler nun auch nicht), bis mir der Widerspruch auffiel zwischen den teilweise religiösen Texten einerseits und der Begeisterung eines auch damals schon nicht religiösen für diese Musik andererseits. Es brauchte ein bißchen, aber wie so oft fand der Historiker in mir die Antwort. Die schwarze Musik, aus der der Jazz entstanden ist, stammt von den Baumwollfeldern des amerikanischen Südens, und Religion war die einzige Kulturform, die den Sklaven von ihren Unterdrückern gestattet war, wohl weil die selbst sich als in hohem Maße religiös verstanden. 

 

Meine Begeisterung für diese Musik war nicht die Begeisterung für die religiöse Form, sondern für dem menschlichen Inhalt, für den Ausdruck von Lebensfreude wie Lebensängsten unter noch so schweren Bedingungen. Es war das Gefühl, das sich in dieser Musik ausdrückte, nicht die Worte, die man gewählt hatte, wohl auch wählen mußte, um sie zu beschreiben.

 

So ist es bis heute geblieben. Meine musikalische Reise, die immer die eines Mitreisenden, nicht eines Akteurs gewesen ist, ging von dort weiter über die verschiedenen Spielarten von Folk bis zu Rock. Aber geblieben ist mir die alte Anhänglichkeit an Jazz und Blues aus den 30er bis 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, auch wenn ich sie heute nicht mehr auf Schallplatten höre, sondern sie Teil der Playlists meines Smartphones sind. Sie haben mein Leben bereichert und tun es bis heute. :)

 

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Franziskaner
vor 5 Minuten schrieb gouvernante:

Genau da stellen sich die Nackenhaare hoch. Gottesdienstliche Musik ist keine "Aufführung", sondern hoffentlich integraler (und integrierter) Teil der Feier.

Aber natürlich haben die meisten Menschen ein feines Gespür dafür, ob sie - egal wie gekonnt - beschallt werden (Aufführung), oder ob sie selbst Teilhabende sind.

 

Ich habe ja oben geschrieben: mein erstes Projekt in den 90er Jahren war keine liturgische Musik, sondern ein geistliches Konzert.

 

Wer möchte, kann sich  hier  etwas davon anhören.

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Franziskaner
vor 2 Minuten schrieb Marcellinus:
vor 25 Minuten schrieb Franziskaner:

Ich bin nie davon ausgegangen, dass alle Jazzmusiker im Grunde katholisch sein wolllen ....

 

Es geht nicht nur um "katholisch", sondern um religiös an sich.

 

Religiös im allgemeinen Sinne sind viele Jazzmusiker aber schon. Duke Ellington, Charles Mingus, Dizzy Gillespie (er war Bahai), Wayne Shorter (Buddhist), John McLoughlin (Hindu), John Coltrane, Ornette Coleman, McCoy Tyner, Art Blakey, Airto Moreira ... um nur ein paar der bekannteren zu nennen. Diese Religiosität ist in der Regel sehr frei und setzt Elemente verschiedener Traditionen in durchaus unbefangener und kreativer Weise zusammen. Aber sie spielt oft eine wichtige Rolle.

 

Natürlich gibt es auch die anderen, die sich nicht für Glauben und Spiritualität interessieren; Jazzmusiker bilden eben auch die verschiedenen menschlichen Möglichkeiten ab. Charlie Parker war wohl Atheist. Miles Davis hat sich in seiner Autobiographie als Agnostoker bezeichnet. Thelonious Monk ließ sich von Mary Lou Williams in eine katholische Messe einladen, und trank da dann eine Flasche Rotwein. Was ich übrigens für eine ganz intelligente, lustige, vielschichtige und charmant-subversive Handlung halte, fast schon ein Stück Aktionskunst.

 

Eins gibt´s auf jeden Fall unter Jazzmusikern nicht: Streit um weltanschauliches oder gar religiöses Rechthaben.

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Franziskaner
vor 12 Minuten schrieb Marcellinus:

Meine Begeisterung für diese Musik war .... für dem menschlichen Inhalt, für den Ausdruck von Lebensfreude wie Lebensängsten unter noch so schweren Bedingungen.

 

Das geht mir auch so.

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Franziskaner
vor 23 Minuten schrieb Merkur:

Weil es unterschiedliche Kunstformen sind. Ich sehe auch keinerlei Notwendigkeit, den Tango in das Prokrustesbett christlicher musikalischer Ausdrucksformen zu zwängen. Man muss nicht aus allem ein Kyrie oder Gloria machen. Kann man den Tango nicht einfach aus sich selbst heraus wirken lassen ohne ihm eine christliche Botschaft aufzudrücken? 

 

Ich sehe das aus einem anderen Blickwinkel: Musikstile sind für mich in gewisser Weise wie Sprachen. Mit Sprachen kann man ganz unterschiedliche Dinge ausdrücken. Im Ausgreifen auf neue Themenfelder entwickeln sich Sprachen, auch musikalische Sprachen, weiter.

 

Ich finde es schade, wenn man eine Sprache auf die Themenfelder begrenzt und einengt, die diese bisher hatte. Das nimmt den "Sprechern" dieser Sprache die Möglichkeit, sich neue Blickwinkel und Lebenswelten zu erschließen.

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