Frey Geschrieben 7. Juli Melden Geschrieben 7. Juli Am 1.7.2025 um 00:19 schrieb iskander: @Frey Nur kurz die Anmerkung, dass die Abduktion der Sache nach sogar auf Aristoteles zurückzugehen scheint, auch wenn sie sehr mit dem Namen von Pierce verknüpft ist. Das stimmt sicher. Ein Beispiel für die Unverzichtbarkeit der Abduktion in einem zudem ziemlich unproblematischen Fall: Wenn wir einen Stromkreis mit einem Stück Gold kurzschließen und dann die Lampe leuchtet, schließen wir daraus, dass Gold Strom leitet. Das ist ein Schluss nach dem Schema "Wenn A der Fall ist, dann ist auch B der Fall; B ist tatsächlich der Fall; also ist auch A der Fall (denn dass A der Fall ist, ist hier die einzig vernünftige Erklärung dafür, dass B tatsächlich der Fall ist)". (A = Gold leitet Strom; B = Die Lampe leuchtet.) Deduktiv ist dieser Schluss ungültig; es ist ein abduktiver Schluss. Aber wir kämen ohne solch fundamentale Schlüsse nicht zurecht und könnten ohne sie erst recht keine Wissenschaft betreiben. Das ist korrekt. Ergänzend dazu lässt sich sagen: Die Abduktion ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits ermöglicht sie, was ich als „intuitive Forschung“ bezeichnen würde – sie bildet häufig den Ausgangspunkt wissenschaftlicher Erkenntnis und eröffnet neue Denkwege. Andererseits ist sie auch die Mutter aller Verschwörungstheorien. Detektive und Juristen bedienen sich abduktiver Schlüsse, um Indizienketten zu konstruieren – mitunter mit fatalen Folgen: Zahlreiche Menschen verdankten solchen Schlussfolgerungen ihre Inhaftierung oder sogar die Todesstrafe, ohne dass ein zwingender Beweis vorlag. In ihrer extremsten Form fanden abduktive Schlüsse etwa in den Hexenverfolgungen Anwendung, bei denen schon die Haarfarbe als vermeintlicher Beleg ausreichte, „weil es ja offensichtlich sei“. Die Abduktion ist aber tatsächlich der einzige Schlussmodus, der neue Ideen oder Theorien hervorbringen kann – doch bleibt sie immer unsicher und hypothetisch. Gerade diese Ambivalenz macht sie sowohl zur Triebkraft wissenschaftlichen Fortschritts als auch zur potenziellen Quelle folgenschwerer Irrtümer. Zitieren
Cosifantutti Geschrieben 8. Juli Autor Melden Geschrieben 8. Juli (bearbeitet) ORDINATIO SACERDOTALIS...... und die Folgen......, eine Spurensuche ( 8 ) Eine sehr interessante theologische Wortmeldung von einem bekannten "Ratzinger-Schüler" zur Thematik um die Frauenordination: Theologe Beinert fordert Gleichberechtigung bei Weihe - katholisch.de Daraus ( "Originalton" Beinert ) "Wenn sich herausstellt, dass nach Jesu Willen Frauen und Männer gleichgestellt, gleichberechtigt und von gleicher Erlöstheit sind, dann kann man auch die Frauenordination nicht mehr behindern." Der emeritierte Regensburger Dogmatiker erläuterte, "genau genommen, wären sonst Frauen nicht erlöst worden". Denn Erlösung meine christusförmig zu werden, also auch in persona Christi handeln zu können. "Darin besteht nach kirchenamtlichen Aussagen das Wesen der Weihe", sagte Beinert. Der Theologe betonte, da die Kirche "aus dem nachösterlichen Zusammenschluss der Jesus-Leute" entstanden sei, gebe die Botschaft Jesu die Form vor, die seine Gemeinschaft haben müsse. Jede Reform müsse also auf Jesus Christus ausgerichtet sein. bearbeitet 8. Juli von Cosifantutti Zitieren
iskander Geschrieben 8. Juli Melden Geschrieben 8. Juli Am 3.7.2025 um 17:33 schrieb KevinF: Insgesamt stehe ich der Philosophie nun allerdings kritischer gegenüber, als je zuvor. Ist es aber denn etwas grundsätzlich anderes als Philosophie, wenn man das Induktions-Problem durchdenkt und zum Schluss gelangt, dass wir sozusagen unmittelbar "sehen" können, dass unser Vertrauen in grundlegende Naturgesetze, die seit jeher gelten, gerechtfertigt ist? Wie ich schon sagte, gibt es auch innerhalb der Philosophie vergleichbare Ansätze. Dein Vorgehen scheint mir mitunter wie folgt auszusehen: Du denkst über eine philosophische Frage nach und gibst eine philosophische Antwort. (Als "philosophisch" bezeichne ich sie nicht nur deshalb, weil entsprechende Gedanken auch von manchen Philosophen vertreten wurden, sondern auch, weil sie m.E. der Sache nach in die Philosophie gehören.) Und dann stellst Du Deine eigene Antwort sozusagen "der Philosophie" gegenüber, welche Du kritisch betrachtest. Aus meiner Sicht wäre es aus den dargelegten Gründen angemessener, wenn Du Deine eigene Lösung anderen philosophischen Lösungen und nicht "der" Philosophie entgegensetzen würdest; und wenn Du nicht "die" Philosophie kritisieren würdest, sondern philosophische Perspektiven, die Deiner eigenen Position widersprechen und aus Deiner Sicht wenig Sinn ergeben. In der Sache selbst würde ich (nochmal) folgende Punkt machen: - Es scheint intuitiv doch ziemlich plausibel zu sein, dass wir mit einer höheren Sicherheit darauf vertrauen können, dass die Naturgesetze morgen noch gelten werden, als dass sie "in alle Ewigkeit" gelten werden. Falls das so ist: Sollte das dann nicht irgendwie bei der Lösung des Induktions-Problems berücksichtigt werden? - Bei induktiven Schlüssen geht es ja nicht immer um Naturgesetze. Meine Überzeugung etwa, dass der nächste Rabe, den ich sehen werde, sehr wahrscheinlich schwarz sein wird, beruht ja nicht auf einer "Invarianz" oder einem Naturgesetz im engeren Sinne. Dennoch sind offenbar auch solche induktiven Schlüsse gerechtfertigt. Entsprechend würde ich meinen - und ich respektiere es natürlich, wenn Du es anders siehst - dass Deine Antwort zum Induktionsproblem nicht unbedingt alle Fragen beantwortet, die eine Antwort verdienen würden. Zitieren
KevinF Geschrieben 9. Juli Melden Geschrieben 9. Juli (bearbeitet) On 7/8/2025 at 8:02 PM, iskander said: Ist es aber denn etwas grundsätzlich anderes als Philosophie, wenn man das Induktions-Problem durchdenkt und zum Schluss gelangt, dass wir sozusagen unmittelbar "sehen" können, dass unser Vertrauen in grundlegende Naturgesetze, die seit jeher gelten, gerechtfertigt ist? Ich würde vermuten, diese Formulierung postuliert eine Art von erkenntnistheoretischer Letztgültigkeit, die ich ablehne. On 7/8/2025 at 8:02 PM, iskander said: - Es scheint intuitiv doch ziemlich plausibel zu sein, dass wir mit einer höheren Sicherheit darauf vertrauen können, dass die Naturgesetze morgen noch gelten werden, als dass sie "in alle Ewigkeit" gelten werden. Falls das so ist: Sollte das dann nicht irgendwie bei der Lösung des Induktions-Problems berücksichtigt werden? Ist berücksichtigt in meiner Antwort. On 7/8/2025 at 8:02 PM, iskander said: Bei induktiven Schlüssen geht es ja nicht immer um Naturgesetze. Meine Überzeugung etwa, dass der nächste Rabe, den ich sehen werde, sehr wahrscheinlich schwarz sein wird, beruht ja nicht auf einer "Invarianz" oder einem Naturgesetz im engeren Sinne. Dennoch sind offenbar auch solche induktiven Schlüsse gerechtfertigt. Die Erwartungswerte bezüglich Raben basieren auf unserem entsprechenden empirischen Hintergrundwissen. Mit Philosophie hat das an dieser Stelle nichts mehr zu tun. Das Induktionsproblem im Kern stellt hingegen das Fundament unseres empirischen Wissens selbst in Frage. Darauf habe ich bereits geantwortet. On 7/8/2025 at 8:02 PM, iskander said: Dein Vorgehen scheint mir mitunter wie folgt auszusehen: Du denkst über eine philosophische Frage nach und gibst eine philosophische Antwort. (Als "philosophisch" bezeichne ich sie nicht nur deshalb, weil entsprechende Gedanken auch von manchen Philosophen vertreten wurden, sondern auch, weil sie m.E. der Sache nach in die Philosophie gehören.) Und dann stellst Du Deine eigene Antwort sozusagen "der Philosophie" gegenüber, welche Du kritisch betrachtest. Aus meiner Sicht wäre es aus den dargelegten Gründen angemessener, wenn Du Deine eigene Lösung anderen philosophischen Lösungen und nicht "der" Philosophie entgegensetzen würdest; und wenn Du nicht "die" Philosophie kritisieren würdest, sondern philosophische Perspektiven, die Deiner eigenen Position widersprechen und aus Deiner Sicht wenig Sinn ergeben. Der Unterschied ist, dass meine Antworten minimal sind und auf unser Alltagsdenken sowie auf das naturwissenschaftliche Weltbild verweisen. Wie gesagt, Minimalphilosophie. Ich möchte auch noch einmal betonen, dass es hier nur um einen relativ engen Bereich der theoretischen Philosophie geht (Zeugs wie die Debatten um Solipsismus/Konstruktivismus/Realismus; Induktionsproblem; Qualiaproblem; "freier Wille") Es gibt auch ganz andere Arten von Philosophie, über die wir hier nicht sprechen. bearbeitet 9. Juli von KevinF 1 Zitieren
KevinF Geschrieben 9. Juli Melden Geschrieben 9. Juli Ich war jetzt zu faul, threadübergreifend zu zitieren, aber wenn Du die Diskussion fortsetzen möchtest, mach doch bitte einen eigenen Thread auf @iskander oder, besser, komm einfach ins andere Forum. In diesem Thread ist das alles off topic. 1 Zitieren
KevinF Geschrieben 9. Juli Melden Geschrieben 9. Juli Wobei wir vermutlich schon viel zu lange über dieses Zeugs gesprochen haben... 2 Zitieren
Cosifantutti Geschrieben 10. Juli Autor Melden Geschrieben 10. Juli Am 8.7.2025 um 16:43 schrieb Cosifantutti: ORDINATIO SACERDOTALIS...... und die Folgen......, eine Spurensuche ( 8 ) Eine sehr interessante theologische Wortmeldung von einem bekannten "Ratzinger-Schüler" zur Thematik um die Frauenordination: Theologe Beinert fordert Gleichberechtigung bei Weihe - katholisch.de Daraus ( "Originalton" Beinert ) "Wenn sich herausstellt, dass nach Jesu Willen Frauen und Männer gleichgestellt, gleichberechtigt und von gleicher Erlöstheit sind, dann kann man auch die Frauenordination nicht mehr behindern." Der emeritierte Regensburger Dogmatiker erläuterte, "genau genommen, wären sonst Frauen nicht erlöst worden". Denn Erlösung meine christusförmig zu werden, also auch in persona Christi handeln zu können. "Darin besteht nach kirchenamtlichen Aussagen das Wesen der Weihe", sagte Beinert. Der Theologe betonte, da die Kirche "aus dem nachösterlichen Zusammenschluss der Jesus-Leute" entstanden sei, gebe die Botschaft Jesu die Form vor, die seine Gemeinschaft haben müsse. Jede Reform müsse also auf Jesus Christus ausgerichtet sein. hierzu eine weitere aktuelle Stimme aus der Weltkirche...... Apostolischer Administrator: Dann erwarte ich neuen Wiener Erzbischof - katholisch.de Der Apostolische Administrator der Erzdiözese Wien, Josef Grünwidl, rechnet mit einer baldigen Nachfolge von Kardinal Christoph Schönborn. Er könne sich vorstellen, "dass es im Advent einen neuen Erzbischof von Wien gibt. Und ich wünsche mir das auch", sagte er im Interview mit den "Niederösterreichischen Nachrichten" (NÖN). Bis dahin bleibe er im Amt – doch "sonst würde meine Zeit als Administrator über ein Jahr dauern und das war bisher nie der Fall", so Grünwidl. Deutlich positionierte sich Grünwidl zu aktuellen Reformdebatten, besonders zur Rolle der Frauen in der Kirche. "Wenn man sich das Leben in den Pfarren ansieht, merkt man, dass es ohne Frauen nicht gehen würde. Ich meine, dass es an der Zeit ist, Frauen stärker in Entscheidungsgremien einzubinden", betonte er. Deshalb habe er kürzlich drei Frauen in das Diözesanleitungsteam berufen. Zur Frage einer möglichen Weihe von Frauen sagte Grünwidl: "Es ist jedenfalls ein aktuelles Thema. Und ich merke auch im Gespräch, vor allem mit jungen Menschen, dass das Verständnis fehlt, warum Frauen aufgrund ihres Geschlechts von vorne herein vom Priesteramt ausgeschlossen sind." Diese Frage dürfe die Kirche nicht mehr lange aufschieben. Nötig sei eine gründliche theologische Auseinandersetzung, am Ende müsse ein Konzil entscheiden. Interessanter Aspekt hierzu: Während eine Gruppe in der Kirche die Auffassung vertritt, dass die Frage der Ordination von Frauen "ein für alle mal" und "definitiv" geklärt ist und für manche die Entscheidung von JPII in OS gar das besondere Siegel der "Unfehlbarkeit" bekommen hat, ist für die andere Gruppe die Frage nach wie vor vollkommen "offen".... Zudem macht der derzeitige Administrator der Erzdiözese Wien darauf aufmerksam, dass gerade von der jungen Generation her ein ganz neuer Problem- und Entscheidungsdruck in dieser Frage für die Kirche besteht...... Zitieren
iskander Geschrieben 16. Juli Melden Geschrieben 16. Juli Am 10.7.2025 um 00:42 schrieb KevinF: Ich war jetzt zu faul, threadübergreifend zu zitieren, aber wenn Du die Diskussion fortsetzen möchtest, mach doch bitte einen eigenen Thread auf @iskander [...] Habe ich hier gemacht: https://www.mykath.de/topic/36485-fortsetzung-erkenntnistheorie-und-anderes/ Zitieren
Cosifantutti Geschrieben 6. August Autor Melden Geschrieben 6. August (bearbeitet) Heute vor nunmehr schon 25 Jahren, am 6. August im Jahr 2000, wurde "Doninus Jesus" von Kardinal Ratzinger veröffentlicht. Dieses Schreiben hat damals für erheblichen "ökumenischen" Wirbel gesorgt..... in katholisch.de findet sich ein interessanter Artikel über die heutige Einschätzung dieses Schreibens von Johanna Rahner bearbeitet 6. August von Cosifantutti Zitieren
Cosifantutti Geschrieben 6. August Autor Melden Geschrieben 6. August (bearbeitet) Heute, am 6. August, feiert die Kirche das FEST DER VERKLÄRUNG CHRISTI.... auf dem Berg Tabor. Ich erinnere mich noch sehr gut: Für Frère Roger Schütz von Taizé war dieses Fest immer ein ganz besonderer Tag... und er wurde auch entsprechend in der Communauté gedacht / bedacht. Und auch schon für die Jünger Jesu und die ersten Christengeneunschaften muss die "Verklärung Christi" etwas ganz besonderes gewesen sein, die sich lohnt, erinnert und weitererzählt zu werden. Entsprechend finden wir diese "Jesuserinnerung" bei allen drei Synoptikern.... Es ist erstaunlich, dass wir in den Evangelien immer wieder an verschiedenen Stellen bereits Spuren des Glaubensbekenntnisses an Jesus als den "Sohn Gottes" finden, wie es dann in Nicäa in einer nicht erzählerischen Sprache aufgeschrieben wurde ( "gleichwesentlich / gleichen Wesens mit dem Vater" ) Zum heutigen "Fest der Verklärung" ganz interessante, intertextuelle biblische Verweise: Psalm 2 "Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt." Daniel 7: die Vision vom Menschensohn 2 Petrus 1, 16ff: "Wir sind nicht klug ausgedachten Geschichten gefolgt,.... sondern wir waren Augenzeugen..." bearbeitet 6. August von Cosifantutti Zitieren
Recommended Posts
Join the conversation
You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.