SteRo Geschrieben 7. Juli Autor Melden Geschrieben 7. Juli (bearbeitet) Am 17.5.2025 um 11:46 schrieb SteRo: Pohle entwickelt in seinem Lehrbuch zur dogmatischen Theologie die folgende Definition: "Die wirkliche Gnade ist ein übernatürlicher Beistand aus den Verdiensten Christi zu heilskräftiger Tätigkeit." Da erscheint mir, für den das Erscheinen Jesu Christi nur ein barmherziges 'add-on', aber eigentlich unnötig ist (siehe Wozu Jesus Christus?), dann sofort die Frage "Warum 'aus den Verdiensten Christ' und warum nicht einfach 'Gottes'?" Zur Unterscheidung schreibt Pohle, die Gnade Gottes würde nur einen negativ unwürdigen Empfänger, die Gnade Christi aber einen positiv unwürdigen (weil sündigen) Empfänger voraussetzen. Die Gnade Gottes würde die Seele in eine übernatürliche Seins- und Wirkungssphäre erheben, die Gnade Christi würde zusätzlich die von der Sünde geschlagenen Wunden (v.a. die Konkupiszenz) heilen. Die Gnade Gottes sei ein Geschenk der Trinität ohne Rücksicht auf Verdienste des Gottmenschen, die Gnade Christi dagegen stütze sich ganz und gar auf das unendliche Verdienst der blutigen Erlösung am Kreuze. Was hier eingangs geschrieben wurde bezieht sich auf die Gnade aus Sicht des unwürdigen (weil sündigen) Empfängers, also aus meiner Sicht. Aus der Sicht des Gnadenspenders Jesus Christus jedoch, der (auch) wahrer Mensch ist, stellt sich die Frage: braucht dieser eigentlich die Gnade seines Vaters, weil er doch (auch) wahrer Gott ist? Und ja, tatsächlich, Jesus Christus als wahrer Mensch braucht ebenso die Rechtfertigungsgnade (heiligmachende Gnade), eben weil er wahrer Mensch ist. Siehe Thomas S. Th. III, q7, a1: Thomas gegen die Einsprüche: ad 1: In Christo, der da wahrer Gott in Person und in der göttlichen Natur ist, bleibt der Unterschied der Naturen. Also mußte seine Seele an Gott teilnehmen auf Grund der Gnade. ad 3: Die Menschheit Christi ist allerdings ein Werkzeug; aber kein totes, das in nichts selbstthätig ist, sondern ein beseeltes, das so als Werkzeug dient, daß es auch selber handelnd eintritt und danach, um vollendetes Handeln zu haben, eines Gnadenzustandes bedarf. Thomas im Hauptteil: Ich antworte, es sei notwendig, in Christo einen Gnadenzustand anzunehmen aus drei Gründen: 1. Wegen der Verbindung dieser Seele mit dem „Worte.“ Je näher nämlich ein empfangendes Vermögen der einfließenden Ursache steht, desto mehr nimmt es teil an dieser Ursache. Der Einfluß der Gnade aber ist von Gott, nach Ps. 83.: „Gnade und Herrlichkeit wird Gott geben.“ Also mußte jene Seele am meisten den Einfluß der Gnade in sich aufnehmen. — 2. Wegen des Adels dieser Seele, deren Thätigsein am allernächsten durch Erkennen und Lieben Gott erreichen mußte; wozu die Erhebung der Natur durch die Gnade erforderlich ist. — 3. Wegen der Beziehung Christi zum Menschengeschlechte. Denn da Christus „der Mittler ist zwischen Gott und den Menschen“ (1. Tim. 2.), mußte seine Gnade in andere überfließen, nach Joh. 1, 16. Der Rechtfertigungs-Gnadenstand des Menschen Jesus Christus war also der gleiche wie der Rechtfertigungs-Gnadenstand jedes anderen Heiligen. Und beide, sowohl der Mensch Jesus Christus als auch jeder andere Heilige können/konnten auf Basis ihres Rechtfertigungs-Gnadenstandes Verdienste erwerben. bearbeitet 7. Juli von SteRo Zitieren
SteRo Geschrieben 7. Juli Autor Melden Geschrieben 7. Juli vor 6 Stunden schrieb SteRo: Der Rechtfertigungs-Gnadenstand des Menschen Jesus Christus war also der gleiche wie der Rechtfertigungs-Gnadenstand jedes anderen Heiligen. Und beide, sowohl der Mensch Jesus Christus als auch jeder andere Heilige können/konnten auf Basis ihres Rechtfertigungs-Gnadenstandes Verdienste erwerben. Ab der Eingießung der Rechtfertigungsgnade geht es also nicht mehr um gnädig barmherziges Geschenk/Entgegenkommen Gottes, sondern um einen Rechtsanspruch (=Verdienst), der aufgrund heilskräftiger Taten in diesem Gnadenzustand erworben wird - ein Rechtsanspruch auf ewiges Leben in Seligkeit, beruhend auf der Gerechtigkeit Gottes, der zu seinen Zusagen steht, jedoch unter der Voraussetzung des heiligen Durchhaltens bis zum Todeszeitpunkt (weil eine Todsünde wieder alles zunichte machen würde). Hinsichtlich dieser Verdienste ist jedoch zwischen Jesus Christus und allen anderern Heiligen ein wesentlicher Unterschied zu machen: Siehe Thomas S. Th. I-II, q114, a6: unser gutes Werk [Anm.: im Zustand der Rechtfertigungsgnade] habe den Charakter des Verdienstes: 1. kraft des Anstoßes zur Bewegung von seiten Gottes; und danach ist es vollauf wert des ewigen Lebens; ... Daraus erhellt, wie mit gleichwertigem Verdienste, ex condigno, niemand für den anderen die erste Gnade verdienen kann, außer Christus allein. Denn ein jeder von uns wird von Gott vermittelst der Gnade in Bewegung gesetzt, daß er selber zum ewigen Leben gelange; weiter erstreckt sich, soweit die Gleichwertigkeit in Betracht kommt, dieser Anstoß nicht. Nur die Seele Christi ist von der Gottheit durch die Gnade in Thätigkeit gesetzt worden; nicht nur auf daß sie selber zur ewigen Herrlichkeit gelange, sondern auch dafür daß sie andere dahin führe, insoweit Christus das Haupt der Kirche ist und der Urheber des menschlichen Heiles ... Jesus Christus' Verdienste (als Mensch) gereichen ihm also nicht nur selbst zum ewigen Leben (als Mensch mit Seele und Leib), sondern er verdient auch allen Menschen die Gnade Gottes. Das ist allerdings nur dann ein unmittelbarer Grund zur Freude, wenn man an die Erbsünde und die stellvertretende Genugtuung glaubt, denn dann wird man durch Jesu Verdienst unmittelbar von der ewigen Erbsündenstrafe begnadigt. Die Rechtfertigungsgnade aber bekommt man durch Jesu Verdienste nicht geschenkt, weil die obengenannten Vorbedingungen (Heilsakte) nach wie vor zu erbringen sind - es sei denn man glaubt an den Erhalt der Taufgnade bei der Neugeborenentaufe (welche man erhalten hat), welche nach dogmatischer Lehre des Lehramtes die Rechtfertigungsgnade bedingungslos (ohne eigene Mitwirkung) zuteilt. Das nützt einem aber auch nichts, wenn man nur eine einzige Todsünde vor dem Ende seines Lebens begeht - es sei denn man glaubt an die Wirksamkeit des Bußsakramentes (Beichte) und erfüllt auch alle Bedingungen dafür (welche identisch sind mit den Vorbedingungen der Rechtsfertigungsgnade), wodurch einem die Rechtfertigungsgnade bei Abschluss des Bußsakramentes wieder verliehen wird. Die Gefahr dabei ist, dass man in einen Kreislauf von Beichte-Rechtfertigung-Todsünde-Beichte-Rechtfertigung-Todsünde ... etc. gerät und just zum falschen Zeitpunkt stirbt (d.h. nicht unmittelbar nach Erhalt der Rechtfertigungsgnade). Also, ich wollte nur nochmal unterstreichen, dass ich - wie bereits mehrmals geschrieben - die Erbsündentheorie und die Theorie der stellvertretenden Genugtuung aus privat-theologischen Gründen derzeit nicht teilen kann (vielleicht kommt's ja noch?!). Und auch mit der Sakramentenlehre habe ich so meine Probleme. Das schließt aber nicht aus, dass das katholische Lehramt trotzdem recht haben kann und es nur an meiner Sündhaftigkeit liegt, dass ich häretische Gedanken habe und sich mir bestimmte Dinge einfach "querlegen" und ich sie nicht "schlucken" kann. Das schreibe ich nur als Warnung, weil ich niemanden auf den falschen Weg leiten will: Orientiert euch also besser am KKK, wenn ihr auf einem sicheren Weg unterwegs sein wollt. Wie dem auch sei. Fakt ist: ohne Erbsündentheorie und ohne Theorie der stellvertretenden Genugtuung hat Jesus Christus also die Gnade verdient, die mir zuteil wird. Das bedeutet aber auch, dass der einzige Unterschied zwischen "ohne Jesus Christus" und "mit Jesus Christus" für mich ist: was Gott mir vorher unverdienterweise geschenkt hat, hat Jesus Christus für mich verdient. Das aber kann für mich gar keinen Unterschied machen, denn der entscheidende Punkt ist und bleibt: egal warum ich die Gnade angeboten bekomme, ich muss sie annehmen (können/wollen) und aus freiem Willen mit ihr mitwirken. Aber das müssen auch die, die an Erbsündentheorie und die Theorie der stellvertretenden Genugtuung glauben, denn die haben nur den Bonus des Nachlasses der Erbsündenschuld und -strafe, müssen aber hinsichtlich der Vorbereitung auf die Rechtfertigungsgnade (außer bei der Neugeborenentaufe) ebenfalls jede angebotenen Gnade annehmen (können/wollen) und aus freiem Willen mit ihr mitwirken. Wenn mir also nichts ganz außergewöhnliches Theologisches bzgl. der Verdienste Jesu Christi und der damit von ihm für uns verdienten Gnaden mehr einfällt, dann müsste ich auch im Kontext dieses Gnadenthreads beim theologischen Ergebnis des Threads Wozu Jesus Christus? bleiben: Am 10.2.2025 um 08:34 schrieb SteRo: Diese Frage kann theologisch objektiv nur beantwortet werden auf der Grundlage des Erbsünden-Sühnungs-Narrativs: Mehrwert ist dann die Tilgung der Erbsünde durch das Sühneopfer Jesu Christi. Verzichtet man jedoch auf dieses Narrativ, dann kann die Frage nur subjektiv beantwortet werden hinsichtlich des persönlichen Glaubens an Jesus Christus: Welchen Mehrwert schreibt man selbst der Erzählung der Erscheinung von Jesus Christus und seines Leidensweges bis zum Tode zu? D.h. die Frage kann dann gar nicht beantwortet werden [hinsichtlich des Christentums], weil es dann gar nicht mehr um das Christentum, d.h. die Gemeinschaft, die einen bestimmten religiösen Glauben teilt, geht, sondern es geht um den ganz individuellen persönlichen Glauben an Jesus Christus und damit auch darum, ob man in Jesus Christus lediglich einen Menschen oder einen Gottmenschen sieht. Zitieren
SteRo Geschrieben 8. Juli Autor Melden Geschrieben 8. Juli (bearbeitet) Es kommt mir sehr zupass, dass mich meine Gedanken zur Vereinigung der Fragestellung zweier Threads führen. Aus der Fragestellung aus Wozu Jesus Christus? : Am 15.1.2025 um 08:30 schrieb SteRo: Welchen Mehrwert könnte ein theistisches Christentum gegenüber einem bloßen Theismus haben? wird die Fragestellung: Hat die Gnade, die auf dem Verdienst Jesus Christi beruht, eine theologisch heilswirksame Besonderheit im Vergleich zur Gnade Gottes? Und wenn ja, worin liegt diese Besonderheit? Bereits mit der Feststellung einer heilswirksamen Besonderheit der Gnade, die auf dem Verdienst Jesus Christi beruht, wäre ein "Mehrwert" des "theistisches Christentums gegenüber einem bloßen Theismus" benannt und die Frage nicht nur (persönlich, individuell) subjektivistisch sondern objektiv theologisch beantwortet - und dies unter Verzicht auf das Narrativ von Erbsünde und stellvertretender Genugtuung. "objektiv theologisch" setzt aber natürlich voraus, dass, was hier "mir fällt ein" bezeichnet wird vor 18 Stunden schrieb SteRo: Wenn mir also nichts ganz außergewöhnliches Theologisches bzgl. der Verdienste Jesu Christi und der damit von ihm für uns verdienten Gnaden mehr einfällt, dann... meinen üblichen "Einfällen" bei der Erforschung der traditionellen Glaubenslehre und Theologie entspricht, dass es meinem Geiste also von außen her einfällt, d.h. mit Hilfe der traditionellen Glaubenlehre und Theologie, also überhaupt nicht "frei ausgedacht". Nun sind die Verdienste Jesus Christi ja die Verdienste eines Menschen, genauer genommen: Verdienste eines Menschen für Menschen und noch genauer genommen: Verdienste eines vollkommen gerechten/heiligen Menschen für unvollkommene sündige Menschen. Wenn er uns Gnade verdient, dann gibt er ja eigentlich ein Teil seiner vollkommenen Verdienste an uns weiter. Das Konzil von Florenz schreibt: Und die Seelen derer, die ... sogleich in den Himmel aufgenommen [werden] ... schauen den dreifaltigen und einen Gott selbst in Klarheit, so wie er ist, aufgrund der Verschiedenheit der Verdienste jedoch der eine vollkommener als der andere Die Verdienste (ehemals gefallener) Gerechter sind also verschieden und diese Verschiedenheit wirkt sich auf die (Un-)Vollkommenheit des Lohns aus, mit dem die Verdienste von Gott belohnt werden. Die Verdienste des vollkommenen Menschen Jesus Christis aber sind vollkommen, teuer erworben durch sein Leid und seinen Tod (für Gott und die Menschen), die höchsten Verdienste also, die eine Menschenatur erwerben kann, und dementsprechend wird sich auch ein vollkommener Lohn Gottes darin widerspiegeln. Den vollkommenen Lohn aber, den wir in Form der von Jesus Christus verdienten Gnade erhalten können (wenn die weiteren Bedingungen auf unserer Seite stimmen), den hätten wir selbst niemals, d.h. unter keinen Umständen, verdienen können! Ich denke, das kann man schon als eine heilsrelevante Besonderheit der Gnade, die auf dem Verdienst Jesus Christi beruht, bezeichnen. Diese "Vollkommenheit" der Gnade, die eigentlich eine Extra-Qualität der Gnade ist (denn es gibt ja keine "unvollkommene" Gnade!), die auf dem Verdienst des vollkommenen Menschen für die unvollkommenen Menschen beruht, gründet darauf, dass es Verdienst der Menschennatur ist und deshalb die entsprechende Gnadenwirkung, die eine Erleuchtungsgnade ist, optimal heilswirksames [u.a. Selbst-]Erkennen der Menschennatur bewirkt. Gott musste Fleisch und Seele annehmen, um in der Seele eines Menschen eine solche Gnadenwirkung zu entfalten und das Leid und die Selbstopferung des Menschensohnes waren unabdingbar, wie das von der Gnade bewirkte Erkennen zeigen wird. bearbeitet 8. Juli von SteRo Zitieren
SteRo Geschrieben 9. Juli Autor Melden Geschrieben 9. Juli Am 8.7.2025 um 11:39 schrieb SteRo: Diese "Vollkommenheit" der Gnade, die eigentlich eine Extra-Qualität der Gnade ist ..., die auf dem Verdienst des vollkommenen Menschen für die unvollkommenen Menschen beruht, gründet darauf, dass es Verdienst der Menschennatur ist und deshalb die entsprechende Gnadenwirkung, die eine Erleuchtungsgnade ist, optimal heilswirksames [u.a. Selbst-]Erkennen der Menschennatur bewirkt. Gott musste Fleisch und Seele annehmen, um in der Seele eines Menschen eine solche Gnadenwirkung zu entfalten und das Leid und die Selbstopferung des Menschensohnes waren unabdingbar, wie das von der Gnade bewirkte Erkennen zeigen wird. Und diese wirkliche Gnade, die erleuchtendes heilswirksames [u.a. Selbst-]Erkennen der Menschennatur schenkt, scheint in den Worten der Menschennatur des lieben Karol fast sinnlich wahrnehmbar: Der Mensch ... bleibt sich etwas, das unbegreiflich ist und dessen Leben des Sinnes beraubt wird, wenn ... er nicht bis ins Innerste Anteil an der Liebe hat. Aus eben diesem Grund macht Christus, der Erlöser, … dem Menschen selbst den Menschen voll kund. Und dies ist – wenn man so sagen darf – die menschliche Begründung und Eigentümlichkeit des Geheimnisses der Erlösung. Der Mensch also, der sich von Grund auf durchschauen will – nicht nur nach irgendwelchen eilig zusammengesuchten, unvollkommenen, oftmals äußerlichen, ja sogar nur scheinbaren Maßstäben und Kriterien seines Lebens –, muß mit seiner Angst und seinem Zweifel, mit seiner Schwäche und Sündhaftigkeit, mit seinem Leben und seinem Tod zu Christus seine Zuflucht nehmen. Er muß gleichsam mit allem, was er selbst ist, in ihn eintreten; er muß sich die ganze Wahrheit der Fleischwerdung und der Erlösung »aneignen« und erwerben, um sich wieder zu finden. Was Jesus Christus für den lieben Karol verdient hat, das teilt uns der liebe Karol hier mit, weil auch er - wie Jesus Christus - die Menschennatur mit uns allen teilt. Zitieren
SteRo Geschrieben 23. Juli Autor Melden Geschrieben 23. Juli (bearbeitet) Dabei bleibt noch hervorzuheben, dass es sich bei den Worten des lieben Karol keineswegs um objektive (d.h. geistes-wissenschaftliche) Theologie handelt, denn auch sein normativ wirkender sprachlicher Ausdruck ("Der Mensch ... muß") kann nicht verbergen, dass er seine eigene Subjektivität ausdrückt. Genauso gut hätte er schreiben können "Dank der Gnade Jesus Christi habe ich erkannt, dass ich ... muß"). Oder "die menschliche Begründung und Eigentümlichkeit des Geheimnisses der Erlösung." ... nichts von objektiver (d.h. geistes-wissenschaftlicher) Theologie! Reiner Subjektivismus! Das stimmt überein damit, dass ich bereits im Thread Wozu Jesus Christus? festgestellt habe, dass es für Jesus Christus - wenn man von dem Erbsündennarrativ absieht, welches einen einfachen Verstand vielleicht befriedigen kann, dem die Inkonsistenz der Idee "Erbsünde" nicht bewußt ist - keine objektiv theologische Begründung für Jesus Christus gibt, ich aber eine subjektive Begründung jenseits von Glaubenlehre und Theologie durchaus eingeräumt habe. Eine subjektive Begründung ist aber nun sehr individuell und kann nicht dazu herhalten, eine Religion des Christentums darauf zu gründen. Im Falle des lieben Karol haben wir aber einen Sonderfall: Kraft des Papstamtes, das er innehat, kann er seinen Subjektivismus in den Rang einer Theologie erheben. So einfach ist das! Und das erleben wir idR mit allen Päpsten und ihren "papers". Sie haben dieses Privileg. Dass ein Gläubiger, dem das Verdienst Jesus Christi (noch) keine Erleuchtungsgnade zuteil werden lassen konnte (aus welchen Gründen auch immer) mit Karol's Subjektivismus vielleicht nicht viel oder gar nichts anfangen kann, steht auf einem anderen Blatt. Bei den Schriften von Mystikern kann man Ähnliches beobachten: die einen "fahren total" auf die Schrift eines Mystikers "ab" und die anderen verstehen "Bahnhof", obgleich auch sie rechten Glaubens sind. Nun ist es aber sicher wesentlich wichtiger und heilsrelevanter die Bedeutung von Jesus Christus als Erlöser zu verstehen als die Bedeutung des unkonventionellen sprachlichen Ausdruckes eines Mystikers. In diesem Sinne gebührt dem lieben Karol großer Dank, dass er wenigstens versucht hat, seine Subjektivität als "Gehhilfe" anzubieten, wenn er auch wußte, dass ohne wirkliche Gnade "nichts geht". bearbeitet 23. Juli von SteRo Zitieren
SteRo Geschrieben 25. Juli Autor Melden Geschrieben 25. Juli Ich beziehe mich auf das zum Glauben Gesagte in diesem Beitrag hier. » wer sich Gott nahen will, muß glauben, daß er ist ... « [Hebr 11,6]; Zunächst schenkt Gott also den Glauben, der eine direkte geistige quasi-"Wahrnehmung" ist. "sich nahen", also in Kontakt treten, kann aber nur Gleiches mit Gleichem. Da Gott (Vater) ursprungslos ist, muss er dem Vernunftvermögen des Menschen (welches Sitz des Glaubens ist) demnach diese Ursprungslosigkeit verleihen. In der Sphäre der Ursprungslosigkeit ist kein Raum für Kreatürliches (weder Selbst noch anderes). Wenn nun Gott (Vater) das Wort "zeugt", d.h. die eine Hypostase ihre Natur an die andere Hypostase weitergibt wie bei einer Zeugung eines Sohns durch den Vater, spiegelt sich das im ursprunglosen Vernunftvermögen des Menschen in analoger Weise, indem nämlich darin das wahrhaft absolut Gute erscheint. Und wie Gott (Vater) und Gott (Sohn) in Liebe miteinander verbunden sind, wird das absolute Gute im Menschen so intensiv gewollt wie es die kreatürliche Kraft erlaubt und das ist die höchste Liebe zu der der Mensch fähig ist. Das also ist der Glaube, daß er ist, und dieser Glaube ist die Vollendung des "sich nahen". Da - wie gesagt - Kreatürliches darin kein Raum hat, ist dieser Glaube leer von aus Subjekt und Prädikat zusammengesetzten Sätzen. Nun offenbart sich Gott aber auch dadurch, dass er Menschen als Instrument benutzt und sein Wort mittels der kreatürlich-menschlichen Sprache moduliert, welche aber natürlich nur mittels kreatürlich-menschlicher Sinne wahrgenommen und mittels des kreatürlich-menschlichen Verstandes verarbeitet werden kann. Daraus entsteht dann der dogmatische Glaube: » wer sich Gott nahen will, muß glauben, ... daß er denen, die ihn suchen, ein Vergelter ist« [Hebr 11,6] Niemals jedoch, niemals wird es dem Menschen gelingen, sich mittels des dogmatischen Glaubens Gott so vollendet "zu nahen" wie es mit dem Glauben, daß er ist, der Fall war/ist. Der Versuch, sich Gott mittels (nur) des dogmatischen Glauben zu nahen, wird scheitern und entweder in Frustration oder in (gewollter) Selbsttäuschung enden. Es verhält sich ähnlich dem Versuch mittels des Erfüllens der geschriebenen Gesetze und Gebote gerechtfertigt werden zu wollen: immer wird man an sich selbst scheitern und sündigen, weil man zwar mal dieses oder jenes Gesetz erfüllen kann, aber niemals alle Gesetze und Gebote immer. Und so ist der Zweck, warum Gott Gesetze und Gebote gegeben hat, obwohl der Mensch diese nicht alle immer einhalten kann und also damit niemals gerecht werden kann, der gleiche wie der Zweck, warum Gott sich in Menschenwort geoffenbart hat, obgleich der daraus resultierende domatische Glaube es dem Menschen niemals ermöglichen wird Gott immer vollendet nah zu sein. Für den Menschen gibt es immer nur ein 'entweder oder': entweder er naht sich Gott (mit Gottes gnädiger Hilfe!) auf dem Weg der Kontemplation des Glaubens, daß er ist, der Glaube, der leer von dogmatischem Glauben ist, oder er bewegt sich in der Sphäre der Kreatur Mensch und kultiviert den dogmatischen Glauben, der ihn zwar viel von Gott und über Gott lehren kann, ihn aber unweigerlich von Gott fern hält. Warum dann aber das "und"? » wer sich Gott nahen will, muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ein Vergelter ist« [Hebr 11,6] Warum also die Kombination von Göttlichem, Nicht-Kreatürlichem ("Transzendenz") und damit unvereinbarem Kreatürlichem (dogmatischem Glauben)? Weil in "Transzendenz" kein tätiges Leben geführt werden kann. Bestenfalls kann im Glauben, daß er ist, ein kontemplatives Leben geführt werden - aber nur solange der Hunger oder Durst sich nicht wieder bemerkbar machen. Denn spätestens wenn Hunger oder Durst sich melden, fällt man von der "Transzendenz" in die öde, leidvolle, sich immer wiederholende Welt der Sinne und des Fleisches, muss mit anderen Menschen Kontakt aufnehmen, etc etc und alle nur denkbaren Anfechtungen/Versuchungen prasseln auf einen herein und schlechte Gewohnheiten ergreifen das Zepter. Der Versuch sich an das vollendete Nahsein bei Gott zu erinnern, bewahrt nicht vor der Sünde im tätigen Leben. Temporäre "Transzendenz" rechtfertigt nicht! Deshalb führen nur die Verdienste Jesu Christi (wie oben dargelegt) aus dem sündhaften Sumpf des tätigen Lebens im tätigen Leben. Wenn man so will ist der göttliche Glaube, daß er ist, die These, der dogmatische Glaube die Antithese und die Gnade vermittels der Verdienste des Menschen Jesus Christus ist die Synthese. Oder auch: die Befreiung durch die Erleuchtungsgnade Jesu Christi ermöglicht die Integration von Transzendenz und tätigem Leben, ermöglicht vollendete Nähe zu Gott im tätigen Leben. So beginnt dann auch das wahre ewige Leben bereits in diesem irdischen Leben (durch unsere Teilhabe am Leid und am Tod des Menschen Jesus Christus). Zitieren
SteRo Geschrieben 26. Juli Autor Melden Geschrieben 26. Juli (bearbeitet) Nun wurde der Glaube, dass er ist, oben relativ ausführlich beschrieben. Aber das sollte nicht drüber hinwegtäuschen, dass es sich um die Wirkung der weiter oben bereits angesprochenen Erleuchtungsgnade handelt und diese Wirkung idR tatsächlich nur sehr kurz ist, d.h. eine oder mehrere Sekunden. In Einzelfällen kann sie jedoch auch länger anhalten und auch wiederholt geschenkt werden. Auch sollte beachtet werden, dass weil diese Gnadenwirkung die direkte geistige Wahrnehmung des absolut wahrhaft Guten und leer von dogmatischem Glauben ist, das Subjekt damit nicht notwendigerweise "Gott" in Verbindung bringt, weil das bestätigende Denken von "Gott" ja bereits dogmatischer Glaube ist. Der Glaube, dass er ist ... dass ER, d.h. Gott ist markiert also bereits den Übergang zum dogmatischen Glauben und setzt eine Kultur voraus, die sich einem Theismus gegenüber offen gibt oder theistisch ist. Die initiale Erleuchtungsgnade gleicht demnach nur einem Impuls, der eine Bewegung in Gang bringt, wobei die erste Bewegung die der direkten geistige Wahrnehmung des absolut wahrhaft Guten ist, der sich die Willensbewegung der Liebe hinzugesellt und dann - bei vorliegen der kulturellen Voraussetzungen - Gott als das absolute wahrhaft Gute, das Allerhöchste Gut, geliebt wird. Läuft dies alles binnen einer Sekunde ab, dann wird dieser Eröffnung der Wunsch nach Hören folgen, woraus dann der dogmatische Glaube, der vom Hören kommt folgt. Konzil von Trient: "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung Vorbereitet aber werden sie zu dieser Gerechtigkeit [Kan. 7 und 9], indem sie, durch die göttliche Gnade erweckt [Anm.: Erleuchtungsgnade!] und unterstützt [Anm.: mitwirkende Gnade, die den Willen stützt! => Liebe], den Glauben aufgrund des Hörens [vgl. Röm 10,17] annehmen [Anm.: dogmatischer Glaube] und sich Gott aus freien Stücken zuwenden, glaubend, daß wahr ist, was von Gott geoffenbart und verheißen ist [Anm.: dogmatischer Glaube] [Kan. 12–14], und vor allem dies, daß der Gottlose von Gott durch seine Gnade gerechtfertigt wird, »durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist« [Röm 3,24];" »durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist« bezieht sich auf das, was oben als "erleuchtendes heilswirksames [u.a. Selbst-]Erkennen der Menschennatur" durch die Gnade aus den Verdiensten des Menschen Jesus Christus" genannt wurde und worauf sich die zitierten Worte des lieben Karol beziehen. Es stellt sich die Frage, an welcher Stelle der Sequenz (s. a. oben) ... 1. Glaube, 2. Furcht, 3. Hoffnung, 4. Liebe zu Gott, 5. Reue oder Zerknirschung und 6. die Absicht, - das zur Vergebung der Sünden eingesetzte Sakrament zu empfangen, - ein neues Leben zu beginnen und - die göttlichen Gebote zu befolgen, wobei die Absicht dazu in der Zerknirschung selbst enthalten ist. ... spätestens diese Verdienst-Gnade Jesus Christi (in Ergänzung zur Gnade Gottes, die auf jeden Fall wenigstens den Glauben bewirkt) wirksam werden muss, um zur Rechtfertigung zu führen. bearbeitet 26. Juli von SteRo Zitieren
SteRo Geschrieben 27. Juli Autor Melden Geschrieben 27. Juli Konzil von Trient: "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung ... ferner indem sie sich – wenn sie erkennen, daß sie Sünder sind, und sich von der Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit, durch die sie heilsam erschüttert werden [Kan. 8], ... " Dazu bedarf es natürlich des dogmatischen Glaubens durch Hören - nicht nur um zu glauben, dass das wahre absolut Gute, welches durch Gottes Erleuchtungsgnade gezeigt wurde, Gott ist, sondern auch, um zu glauben, dass dieser gerecht und barmherzig ist, also: » wer sich Gott nahen will, muß glauben, daß er ... denen, die ihn suchen, ein Vergelter ist« [Hebr 11,6]. Was es nun mit dieser Furcht auf sich hat, da weiß Thomas zu berichten (summa th,, II-II, q7): Ich antworte, die Furcht sei eine Thätigkeit des begehrenden Teiles. Von allen solchen Thätigkeiten ist aber das Princip ein aufgefaßtes Gut oder ein aufgefaßtes Übel. Nun vollzieht sich kraft des Glaubens in uns die Auffassung gewisser Übel als Strafen der göttlichen Gerechtigkeit. Also ist in dieser Weise der Glaube die Ursache der Furcht; — und zwar der knechtischen Furcht, soweit jemand fürchtet, von Gott gestraft zu werden; der kindlichen, soweit jemand fürchtet, von Gott getrennt zu werden, oder soweit jemand zu Gott seine Zuflucht nimmt, indem er Gott ehrt und anbetet; was Alles nämlich der Glaube lehrt, denn durch ihn erkennen wir in Gott das höchste und schönste Gut. Die erstgenannte Furcht ist verursacht vom ungeformten Glauben [Anm.: ungeformter Glaube = der Glaube, dem die Liebe fehlt]; die zweitgenannte von dem durch die Liebe vollendeten, die da macht daß man Gott anhängen will. Hat man also das Allerhöchste Gut erblickt und ist der Wille danach, mit ihm zu sein und es ewig anblicken zu dürfen, die Liebe also, entzündet, so entsteht da auch die Furcht, von ihm getrennt zu werden und ggf. getrennt zu bleiben durch die eigene (Sünden-)Schuld, sowohl der bereits begangenen Sünden, welcher man durch Hören bewußt wird in Schrecken, als auch der Sünden, welche man aufgrund der eigenen Schwäche und mangels Achtsamkeit und wegen schlechter Gewohnheiten vielleicht noch begehen wird in Gedanken, Worten oder Werken. Da das Gnadengeschenk des geistigen Erblickens des absoluten wahren Gutes sowohl Ursache des Wunsches nach Hören und des daraus folgenden dogmatischen Glaubens als auch Ursache dieser Furcht ist, ist beides, das dogmatische Glauben als auch das Fürchten, heilskräftiges Tun! D.h. Glauben und Fürchten sind nicht nur natürlich gut, sondern übernatürlich gut, weil wie das Konzil von Trient sagt "durch die göttliche Gnade erweckt [Anm.: Erleuchtungsgnade!] und unterstützt [Anm.: mitwirkende Gnade]. Dank sei Gott dem Herrn! Zitieren
SteRo Geschrieben 28. Juli Autor Melden Geschrieben 28. Juli Weiteres heilskräftiges Tun wird mit diesen Worten beschrieben: Konzil von Trient: "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung ... ferner indem sie sich – wenn sie erkennen, daß sie Sünder sind, und sich ... zur Besinnung auf die Barmherzigkeit Gottes bekehren – zur Hoffnung aufrichten im Vertrauen darauf, daß Gott ihnen um Christi willen gnädig sein werde, ... " Genährt durch dogmatischen Glauben und die Furcht richtet sich der Wille also auf die Barmherzigkeit Gottes und damit entsteht die Hoffnung auf die Gnade Gottes "um Christi Willen". Auf das "um Christi Willen" möchte ich hier nicht eingehen, denn ich müßte nur wieder meinen häretischen Gedankengang zur vermeintlichen "stellvertretenden Genuugtung" und zur vermeintlichen "Erbsünde" wiederholen. Es entsteht also die Hoffnung auf die Gnade Gottes und diese Gnade ist alleine Gottes wirkliche Gnade und keineswegs sind für diese Hoffnung die Verdienste des Menschen Jesus Christi erforderlich. Dann geht es weiter: Konzil von Trient: "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung ... ihn als Quelle aller Gerechtigkeit zu lieben beginnen ... " Das mag erstauen, war doch bereits bei der Wirkung der initiierenden Erleuchtungsgnade (Erweckung, hier) die Rede von Liebe: " Und wie Gott (Vater) und Gott (Sohn) in Liebe miteinander verbunden sind, wird das absolute Gute im Menschen so intensiv gewollt wie es die kreatürliche Kraft erlaubt und das ist die höchste Liebe zu der der Mensch fähig ist". Wenn bei der Erweckung durch geistiges Sehen, dass er ist, bereits Liebe im Spiel war wie kann es dann jetzt heißen "ihn als Quelle aller Gerechtigkeit zu lieben beginnen". Die Antwort ist folgende: Bei der Erweckung handelte es sich um die transzendente gott-gleiche Liebe, zu der der kreatürliche Wille per wirklicher Gnade ermächtigt wurde, jetzt geht es jedoch um die antithetische kreatürliche Liebe (vgl. hier: Transzendenz = These, Kreatürlichkeit = Antithese). Der Gegensatz zwischen diesen beiden Lieben ist also der gleiche wie der zwischen dem Glauben, dass er ist, (=geistige Wahrnehmung des durch wirkliche Gnade ermächtigten Vernunftvermögens im Zustand der Ursprungslosigkeit) und dem dogmatischen Glauben. Der Konzilstext orientert sich hier bzgl. des "zu lieben beginnen" im Kontext der Hoffnung ganz offensichtlich an Thomas (summa th., I-II, q62, a4): Ich antworte, doppelt sei eine Ordnung aufzufassen als Ordnung im Entstehen oder Gezeugtwerden und als Ordnung des Vollendetseins. Dem Entstehen oder Erzeugtwerden nach ... geht in ein und derselben Person der Glaube der Hoffnung vorher und die Hoffnung der Liebe; und zwar soweit von der Thätigkeit die Rede ist und nicht von den Zuständen an sich, denn diese werden zugleich eingegossen. Nicht nämlich kann das Begehren nach etwas streben, sei es durch Hoffnung sei es durch Liebe, was nicht mit dem Sinne oder mit der Vernunft erfaßt worden. Durch den Glauben allein aber wird erfaßt, was man hofft oder liebt. Also in dieser Weise geht der Glaube vorher der Hoffnung und der Liebe. Ähnlich nun liebt der Mensch deshalb etwas, weil er es erfaßt als sein Gut. Dadurch aber daß jemand hofft, von einem anderen etwas Gutes erreichen zu können, erachtet er diesen, auf welchen er diese Hoffnung setzt als gewissermaßen sein Gut. Daß also der Mensch von jemandem etwas hofft, daraus geht es hervor, daß er ihn liebt. Und demgemäß geht in der Ordnung des Entstehens die Hoffnung vorher der Liebe. Der Ordnung des Vollendetseins gemäß aber geht die Liebe voraus dem Glauben und der Hoffnung, denn sowohl der Glaube wie die Hoffnung erhält erst durch die Liebe die gebührende Form und wird so als Tugend vollendet. Und so ist die Liebe die Wurzel und Mutter aller Tugenden, insoweit sie die Tugendform aller Tugenden, die, erst durch sie geformt und vollendet, verdienstvoll wirken. (Vgl. II, II, Kap. 23, Art. 7.) Dass lt. Konzilstext die kreatürliche Gottesliebe erst mit/nach der Hoffnung beginnt, deutet jedoch darauf hin, dass das Konzil der Meinung war, dass bei der der Hoffnung vorhergehenden Gottesfurcht als Vorbedingung zur Rechtfertigung (s. hier) bereits die knechtische Gottesfurcht ausreichend sei, wogegen sich meine kommentierenden Worte auf die kindliche Gottesfurcht bezogen haben. Zur Erinnerung: Ich hatte oben diese Frage aufgeworfen ... Am 26.7.2025 um 10:21 schrieb SteRo: Es stellt sich die Frage, an welcher Stelle der Sequenz (s. a. oben) ... 1. Glaube, 2. Furcht, 3. Hoffnung, 4. Liebe zu Gott, 5. Reue oder Zerknirschung und 6. die Absicht, - das zur Vergebung der Sünden eingesetzte Sakrament zu empfangen, - ein neues Leben zu beginnen und - die göttlichen Gebote zu befolgen, wobei die Absicht dazu in der Zerknirschung selbst enthalten ist. ... spätestens diese Verdienst-Gnade Jesus Christi (in Ergänzung zur Gnade Gottes ...) wirksam werden muss, um zur Rechtfertigung zu führen. ... und habe nun die Punkte 1-4 abgehandelt ohne dass bislang die Verdienst-Gnade Jesus Christi wirksam hätte werden müssen. Zitieren
SteRo Geschrieben 29. Juli Autor Melden Geschrieben 29. Juli Die engl. Übersetzung der fünften Vorbereitung zur Rechtfertigung (lt. Konzil von Trient) auf welche Reginald’s Text verweist, hat „repentance or contrition“, was von google in der oben von mir verwendeten Auflistung übersetzt wurde mit „Reue oder Zerknirschung„ Aber das ist bei weitem nicht so deutlich hinsichtlich der Haltung gegenüber den eigenen Sünden wie der Original-Konzilstext, in dem es weiter heißt: Konzil von Trient: "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung ... und sich deswegen mit einem gewissen Maß an Haß und Abscheu gegen die Sünden wenden [Kan. 9], das heißt, durch jene Buße, die man vor der Taufe tun muß [vgl. Apg 2,38], ..." … was wohl so viel heißen soll wie: man tue Buße und wende sich dabei „mit einem gewissen Maß an Haß und Abscheu gegen die Sünden“, die man begangen hat. Das "gewisse Maß" soll wohl verzehrendem "Haß und Abscheu" vorbeugen, der mehr schädlich als zielführend sein könnte. „Haß und Abscheu gegen die Sünden“ ist sehr wichtig, denn „Reue“ geht nicht über das hinaus, was wir bereits bei der (Gottes-)Furcht oben hatten (knechtische oder kindliche Furcht) und bei einer solchen Reue ist immer die Angst um das eigene Wohl und Heil (durch Bestrafung oder Entzug eines Gutes) involviert und bei der "Zerknirschung" das Bedauern „oh, warum hab ich bloß {dies oder jenes getan … und mir damit selbst geschadet?}“. „Haß und Abscheu gegen die Sünden“, die ich selbst getan habe, ist aber deutlich mehr und dabei weniger selbst-/ich-bezogen, d.h. weniger um den eigenen Vorteil (Straffreiheit und/oder Heil) bedacht, sondern zielt auf das Böse/die Sündhaftigkeit in mir. Ich hasse und verabscheue, was ich in mir habe, und möchte es also in erster Linie loswerden, weil es böse ist, nicht in erster Linie, weil ich Strafe vermeiden und/oder Heil erlangen will. Wie aber kann man loswerden, was man „in sich“ hat, weil es zur eigenen (gefallenen) Natur gehört? Es ist "Teil von mir", bestimmte und bestimmt, dominierte und dominiert mein gesamtes (bisheriges) Leben. Mt 16, 25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden. Joh 12, 25 Wer sein Leben liebt, verliert es; und wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren. Hier also ist der Punkt, an dem wir die Verdienste des Menschen Jesus Christus brauchen, auf dass sie uns die entsprechende wirkliche Gnade zuteil werden lassen ohne die wir unrettbar verloren sind. Was das Konzil von Trient noch weiter als vermeintliche Vorsätze ausführt ... "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung ... schließlich indem sie sich vornehmen, die Taufe zu empfangen, ein neues Leben zu beginnen und die göttlichen Gebote zu beachten." ... erübrigt sich eigentlich, weil nach dem Tod "des alten Menschen" notwendigerweise das neue Leben des neuen, "wiedergeborenen" Menschen beginnt (ganz ohne Vorsatz) und sich der Rest dann aus dem dogmatischen Glauben und "der Wiedergeburt" ergibt. Das also ist, was Jesus Christus zum "Erlöser" macht: er lässt uns teilhaben an seinem Tod und seiner Auferstehung und unter Umständen an dem seinem Tod vorhergehenden Leiden als Buße. Was sich aber beim Sterben und bei der Wiedergeburt konkret in der Seele und ihren Vermögen ereignet, ist der Sphäre des Subjektivismus zugehörig wie auch die Worte des lieben Karol oben belegen. Geistes-wissenschaftlich theologisch gesehen wird die Rechtfertigungsgnade eingegossen, womit alle Sünden ausgelöscht sind, die Substanz der Seele verändert und die Gotteskindschaft etabliert wird. Zitieren
SteRo Geschrieben 5. August Autor Melden Geschrieben 5. August Am 3.8.2025 um 08:59 schrieb SteRo: Wenn die heiligste Gerechtigkeit des Menschen Jesus Christus ihn zur Schlachtbank geführt hat, dann war das nicht das Werk einer Person, sondern es war seine heiligste Gerechtigkeit selbst, die inmitten der Sünde, die sie umgab, beispielhaft demonstrieren musste (gar nicht anders konnte), was allein der Würde, Ehre und Herrlichkeit Gottes von seiten seiner Kreatur Mensch geschuldet ist (nämlich vollkommene Hingabe, auch an seine Naturgesetzlichkeit: Lk 22, 42 ... doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!). Und was sollte auch anderes geschehen gemäß der Naturgesetzlichkeit Gottes als das, was schließlich geschah, als heiligste Gerechtigkeit auf abgrundtiefe Sündigkeit traf? Dadurch aber, dass er dadurch den Sündern die Vernichtung ihrer Sünden optional ermöglichte (sofern diese Sünder Willens sind, mit der wirklichen Gnade mitzuwirken), hat er durch sein heiliges gerechtes Verhalten bereits für alle zukünftigen Sünden der Menschen mitgelitten. Da aber die Sündhaftigkeit der Juden damals sich nicht von unserer Sündhaftigkeit heute unterscheidet, schreit auch unsere Sündhaftigkeit (wie die der Juden damals) immer noch "Kreuzige ihn!" Und mit jeder Sünde, die wir begehen, verpassen wir Jesus Christus einen Hieb mit der Geisel, spucken ihn an und treiben den Nagel durch sein Fleisch tiefer in das Holz des Kreuzes. Denn er litt ja und starb, damit wir jede unserer Sünden durch seine Leidens- und Todes-Verdienste auslöschen können. Und so zeigt sich, dass wir auch Judas sind. Und wenn wir die "Erlösung von dem Bösen" durch die zukünftige Rechtfertigung (sofern wir mitwirken) der Verdienst-Gnade Jesu Christi verdanken, indem wir (mit dem Tod unseres sündigen Selbst) teilhaben an seinem Tod, wir damit auch teilhaben am Tode des Judas. Denn der Judas in uns ist der, der stirbt, und das neue Selbst wird wiedergeboren mit und in Jesus Christus. In dieser Meditation kann die Anklage erscheinen, die uns das Leiden und der qualvolle Tod Jesu Christi entgegenschleudern und wenn zudem die Folgen wären tiefste Scham und absolute Demütigung, so wäre dies sicherlich eine gute Hinführung zu heilskräftigem (inneren) Tun ("Tod" und "Wiedergeburt") anlässlich der Verdienst-Gnade Jesu Christi ... allerdings ist diese gute Hinführung selbst natürliches Tun, wenn auch übernatürlich verursacht. Wenn nun Natürliches durch wirkliche Gnade lediglich verursacht wird, die wirkliche Gnade also nicht ihre (übernatürliche) Form an ihre Wirkung weitergibt, dann liegt in solch einer natürlichen Gnadenwirkung immer eine mehr oder weniger große Variabilität, die auf der individuellen Natur der Person beruht. Soll heißen: Wenn die Erleuchtungsgnade keine unmittelbare, sondern eine mittelbare ist, indem sie Denkprozesse in Gang setzt, an deren Ende die eigentliche Erleuchtung stehen kann (nicht notwendigerweise stehen muss), dann sind diese Denkprozesse natürlich optional bzgl. ihrer Inhalte. Dass aber absolute Demut den eigenen Tod fördert, weil sie keineswegs an ihrem sündhaften Sein selbstbehauptend festhalten will, das sollte eigentlich einleuchten. „Haß und Abscheu gegen die Sünden“ sind also wohl unmittelbare natürliche Folgen von Scham über und der Demütigung durch die eigene Sündhaftigkeit. Die eigentliche entitativ übernatürliche Wirkung der Verdienst-Gnade Jesu Christi kann mit "Tod" und "Wiedergeburt" aber nur andeutungsweise umschrieben werden. Das Subjekt dieser Wirkung ist die (gefallene) Menschennatur und Agens und Form der Wirkung ist Gott, der die durch den Menschen Jesus Christus für die Menschennatur "maßgeschneiderten" Verdienste als wirkliche (und habituelle) Gnade verabreicht. Resultat ist eine "geheilte" Menschennatur, natürlich auf der einen Seite (Leib und Seelenvermögen), jedoch auch übernatürlich auf der anderen Seite (der Substanz der Seele nämlich), einer Synthese aus der "Transzendenz" Gottes (These) und der Kreatürlichkeit der menschlichen Person (Antithese). Zitieren
SteRo Geschrieben 10. August Autor Melden Geschrieben 10. August Ich denke, dass es sich für mich durchaus "ausgezahlt" hat, die Herausforderung "Jesus Christus" bei der Erforschung des Theismus christlicher Prägung (denn dem Theismus galt ja mein eigentliches Interesse als Theist) anzunehmen. Dass ich mich anfangs für die RK-Glaubenslehre und -Theologie entschieden habe, scheint also eine gute Entscheidung gewesen zu sein und ich kann eigentlich jedem, der den christlichen Glauben erforschen will, nur empfehlen die Erforschung unbedingt an der RK-Glaubenslehre und -Theologie auszurichten und nicht an irgendwelchen modifizierenden Ableitungen daraus. Dennoch muss ich der Darlegung des Konzils von Trient abschließend einen "Stachel" verpassen (was allerdings der Erkenntnis hinsichtlich der Verdienstgnade Jesu Christi keinen Abbruch tut): Konzil von Trient: "Kap. 7. Was das Wesen der Rechtfertigung des Gottlosen ist und welches ihre Ursachen sind ... Daher erhält der Mensch in der Rechtfertigung selbst zusammen mit der Vergebung der Sünden durch Jesus Christus, dem er eingegliedert wird, zugleich alles dies eingegossen: Glaube, Hoffnung und Liebe." Wie kann das sein? Wie kann dem Menschen erst "in der Rechtfertigung selbst" - also nicht während der o.g. Stufen der Vorbereitung - sondern in dem Ziel, das Zweck dieser Vorbereitung ist, der "Rechtfertigung selbst" also ... wie kann dem Menschen erst da "Glaube, Hoffnung und Liebe." eingegossen werden, wo es doch bereits in "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung" heißt: "Vorbereitet aber werden sie zu dieser Gerechtigkeit ... durch ... den Glauben ... , ferner indem sie sich ... zur Hoffnung aufrichten ... ihn [Gott] als Quelle aller Gerechtigkeit zu lieben beginnen ... " Wenn bei der Vorbereitung bereits benötigt wird, was erst nach Abschluss der Vorbereitung ("in der Rechtfertigung selbst") "eingegossen" wird, dann ist die Darlegung des gesamten Rechtfertigungprozesses ("Rechtfertigung selbst" inkl. Vorbereitung also) durch das Konzil von Trient inkonsistent. Eine Erläuterung, welche diese Inkonsistenz aufheben könnte, wurde bislang nicht gesichtet. Zitieren
SteRo Geschrieben 13. August Autor Melden Geschrieben 13. August (bearbeitet) Am 10.8.2025 um 16:29 schrieb SteRo: Wenn bei der Vorbereitung bereits benötigt wird, was erst nach Abschluss der Vorbereitung ("in der Rechtfertigung selbst") "eingegossen" wird, dann ist die Darlegung des gesamten Rechtfertigungprozesses ("Rechtfertigung selbst" inkl. Vorbereitung also) durch das Konzil von Trient inkonsistent. Eine Erläuterung, welche diese Inkonsistenz aufheben könnte, wurde bislang nicht gesichtet. Es ist wirklich ein Problem, dass der Konzilstext selbst nichts zu liefern scheint, was diese schwerwiegende Inkonsistenz aufheben könnte. Man liest in Kap. 7 zwar nach ".. Daher erhält der Mensch in der Rechtfertigung selbst zusammen mit der Vergebung der Sünden durch Jesus Christus, dem er eingegliedert wird, zugleich alles dies eingegossen: Glaube, Hoffnung und Liebe." noch weiterhin "Denn wenn zum Glauben nicht Hoffnung und Liebe hinzutreten, eint er weder vollkommen mit Christus, noch macht er zu einem lebendigen Glied seines Leibes." Aber darauf kann man dann auch wieder nur antworten: Aber das hatten wir doch alles schon während "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung" : "Vorbereitet aber werden sie zu dieser Gerechtigkeit ... durch ... den Glauben ... , ferner indem sie sich ... zur Hoffnung aufrichten ... ihn [Gott] als Quelle aller Gerechtigkeit zu lieben beginnen ... " Glaube, Hoffnung, Liebe während der Vorbereitung ... wozu also nochmal (oder warum erst) "in der Rechtfertigung selbst" eingießen? Hieraus lässt sich ggf. eine Lösung extrahieren: Weiter heißt es da (Kap. 7): "Diesen Glauben erbitten die Katechumenen vor dem Sakrament der Taufe nach der Überlieferung der Apostel von der Kirche, wenn sie »den Glauben, der das ewige Leben verbürgt«1, erbitten, das der Glaube ohne Hoffnung und Liebe nicht verbürgen kann." Was ich etwas verstörend finde ist das "von der Kirche", denn wie sollte man "von der Kirche" den rechten Glauben erbitten können? Aber vielleicht gehört das "von der Kirche" ja auch zu "nach der Überlieferung der Apostel" also "nach der Überlieferung der Apostel von der Kirche"? Wichtig ist vielleicht dies hier: Wenn erst der Glaube in der Kombi "Glaube, Hoffnung, Liebe", die "in der Rechtfertigung selbst" erst eingegossen wird, so vollkommen ist, dass er "das ewige Leben verbürg[en]" kann, der Glaube und die Hoffnung und die Liebe, die in der Vorbereitungsphase bereits gegeben waren, aber (noch) nicht "das ewige Leben verbürg[en]" konnten, was könnte dann daraus folgen? Es könnte daraus folgen, dass der Glaube und die Hoffnung und die Liebe der Vorbereitungsphase ein natürlicher Glaube, eine natürliche Hoffnung und eine natürliche Liebe waren, dass aber der Glaube und die Hoffnung und die Liebe, die erst "in der Rechtfertigung selbst" eingegossen werden, ein übernatürlicher Glaube, eine übernatürliche Hoffnung und die göttlich-übernatürliche Liebe sind. Das wirft aber die Frage auf, ob wirklich ein nur auf rationaler Überlegung des natürlichen Verstandes beruhender natürlicher Glaube (unter Ergänzung durch entsprechende natürliche Hoffnung und natürliche Liebe) durch die Vorbereitungsphase zu Hass und Abscheu gegenüber der eigenen Sündhaftigkeit und bis zur eigentlichen Rechtfertigung tragen kann (?). Ich muss sagen, dass ich da gewisse Zweifel habe. Da müsste sich jetzt eigentlich eine [geistes-]wissenschaftlich theologische Analyse von natürlichem vs. übernatürlichem Glauben (und Hoffnung und Liebe) und deren Eigenschaften anschließen. Aber das wäre ein extrem "dickes Brett" ... und eigentlich weit entfernt vom eigentlichen Thema, der wirklichen Gnade. bearbeitet 13. August von SteRo Zitieren
SteRo Geschrieben 14. August Autor Melden Geschrieben 14. August Jetzt möcht ich aber schon mal ins Mark der eben aufgeworfenen Fragestellung eindringen. Hierzu ist auf einen Beitrag zu verweisen, der relativ weit oben steht: Am 26.5.2025 um 14:48 schrieb SteRo: In seinem "Lehrbuch der Dogmatik" definiert Pohle im Kapitel über die "absolute Notwendigkeit der wirklichen Gnade [Definition hier] zu allen Heilsakten" den Begriff "Heilsakte" als "jene seelischen Tätigkeiten, die auf die Erlangung der Rechtfertigungsgnade sowie auf die Erreichung des übernatürlichen Endzieles" gerichtet sind. Es handelt sich also um "seelische Tätigkeiten", kein äußerliches Tun/Verhalten, sondern innerliches Tun/Verhalten, dem aber durchaus äußerliches Tun/Verhalten als Wirkung nachfolgen kann ("kann", d.h. nicht notwendigerweise auch nachfolgen muss). Und es gibt einen Endzweck, das übernatürliche Heil nach dem Tode, und entsprechende Mittel zum Zweck. von denen die Rechtfertigungsgnade (oder auch "heiligmachende Gnade") zwar ein sehr wichtiges Ziel in diesem irdischen Leben ist, aber letztendlich auch "nur" ein Mittel zum Zweck, wenn auch ein unabdingbares Mittel, darstellt. Dementsprechend, schreibt Pohle, lassen sich die Heilsakte einteilen in solche, die die Rechtfertigung vorbereiten, und solche, die nach erlangter Rechtfertigung Verdienste erwerben für den Endzweck. Dann schreibt Pohle etwas extrem Wichtiges, nämlich, dass diese Heilsakte aufgrund ihres entitativ übernatürlichen Charakters den rein natürlich-guten Akten "diametral gegenüberstehen" und mit ihnen nicht verwechselt werden können bzw. dürfen. Und das ist doch hochinteressant! Die Heilsakte, die ihrem Wesen nach "gut" sind, sind dies in übernatürlichem Sinne und stellen nicht nur das Gegenteil zu "schlechten" oder "bösen" Akten (seelischen Tätigkeiten) dar, sondern sind auch das Gegenteil von "natürlich-guten" Akten. Das erklärt, warum umgangssprachliche "gute Taten" hinsichtlich des Heils nichts bringen, wenn sie nicht von Gottes wirklicher Gnade "ermächtigt" und begleitet wurden. Denn nur Gottes Gnade kann unserem seelischen Tun, das äußerliche gute Taten verursachen kann, diese übernatürliche Qualität verleihen, welche das seelischen Tun zu einem Heilsakt macht. Es gilt der Grundsatz: Ist der Endzweck übernatürlich, dann müssen auch die entsprechenden Mittel zum Zweck übernatürlich sein. Bzgl. der hinreichenden Gnade (hier und hier) und deren "Annehmen" oder "Zurückweisen" sind also folgende Möglichkeiten gegeben: 1. Wird die hinreichende Gnade "angenommen", dann resultiert ein Heilsakt. 2. Wird die hinreichende Gnade "zurückgewiesen", dann resultiert entweder ein schlechter oder böser Akt (Sünde) oder aber ein natürlich-guter Akt. Also: lt. Pohle handelt es sich bei den die Rechtfertigung vorbereitenden seelischen Tätigkeiten um Heilsakte, welche aufgrund ihres "entitativ übernatürlichen Charakters den rein natürlich-guten Akten "diametral gegenüberstehen" und mit ihnen nicht verwechselt werden können bzw. dürfen." Damit scheidet aber die eben angedeutete Lösungsvariante (s. letzter Beitrag) , welche das Eingießen von Glaube und Hoffnung und Liebe erst "in der Rechtfertigung selbst" erklären sollte, obgleich Glaube und Hoffnung und Liebe bereits während der Vorbereitungsphase gegeben waren, aus. Warum drückt sich dann das Konzil von Trient derart inkonsistent aus und erweckt den Eindruck als ob die Arten von Glaube und Hoffnung und Liebe, die das "das ewige Leben verbürg[en]" könnten, erst "in der Rechtfertigung selbst" eingegossen werden würden? Mir kommt eine dunkle Ahnung, liebe Freunde. Eine Ahnung, welche dem Konzilslehramt nicht wirklich zur Ehre gereicht. Beginnen wir nochmal von vorn: "Kap. 6. Die Weise der Vorbereitung Vorbereitet aber werden sie zu dieser Gerechtigkeit [Kan. 7 und 9], indem sie, durch die göttliche Gnade erweckt und unterstützt, ..." Für alle seelischen Tätigkeiten, die die Rechtfertigung vorbereiten, schenkt Gott also seine wirkliche Gnade ohne die diese seelischen Tätigkeiten nicht möglich wären. Aber warum sollte Gott seine Gnade schenken für seelische Tätigkeiten, die gar keine Heilsakte sind, weil sie zwar gut, aber eben nur natürlich-gut, aber eben nicht übernatürlich-gut sind? Natürlicher Glauben, natürliche Hoffnung und natürliche Liebe sind hinsichtlich der Vorbereitung nur "Placebos", weil sie tatsächlich keine Heilsakte sind, welche zur Vorbereitung aber erforderlich wären, welche dann aber übernatürlicher Gattung sein müssten. Warum sollte das Konzil aber den Eindruck erwecken wollen, dass die Möglichkeit zu übernatürlichen Heilsakten erst "in der Rechtfertigung selbst" eingegossen werden? Die Antwort ist ganz einfach: Weil die eigentliche Rechtfertigung lt. Konzils-Lehramt sich erst durch Vollzug des materiellen Taufrituals ereignen kann und Meister dieses Rituals sind die Priester von Lehramts Gnaden Gott ermöglicht den Taufwilligen demzufolge nur "Placebos" (alle Seelenakte der Vorbereitungtsphase), um das Recht, die Rechtfertigungsgnade samt übernatürlichem Glaube und Hoffnung und Liebe zu verabreichen, seinem Werkzeug "Amtskirche" vorzubehalten. In diesem Sinne wird es dann auch verständlich, dass die Katechumenen den wahren Glauben, der das ewige Leben verbürgt, "von der Kirche" erbitten (s,. letzter Beitrag). Die Amtskirche lässt sich also bitten von den Heilssehnsüchtigen. Zwar ist sie nur Werkzeug Gottes, aber das einzige Werkzeug, und so kann sich solch ein Werkzeug auch bitten lassen [und so ein Werkzeug kann es sogar soweit treiben, dass sie als alleiniges Werkzeug mit ihren Sakramenten Handel treibt auf Kosten der Heilssehnsüchtigen (siehe die policy der deutschen Apostelnachfolger hier)]. Soweit meine dunkle Ahnung. Fazit: Die Aussage des Trienter Konzils, dass Glaube, Hoffnung, Liebe erst "in der Rechtfertigung selbst" eingegossen werden, ist zu verwerfen (Grund: Inkonsistenz). Zitieren
SteRo Geschrieben 18. August Autor Melden Geschrieben 18. August (bearbeitet) Am 14.8.2025 um 09:18 schrieb SteRo: Fazit: Die Aussage des Trienter Konzils, dass Glaube, Hoffnung, Liebe erst "in der Rechtfertigung selbst" eingegossen werden, ist zu verwerfen (Grund: Inkonsistenz). Wobei bei näherer Betrachtung des kontextualen Textflusses dieses Verwerfen so kategorisch nicht mehr aufrechterhalten werden kann, wenn man Folgendes bedenkt: Zunächst steht da: "Daher erhält der Mensch in der Rechtfertigung selbst zusammen mit der Vergebung der Sünden durch Jesus Christus, dem er eingegliedert wird, zugleich alles dies eingegossen: Glaube, Hoffnung und Liebe." Dann folgt die Begründung für die Eingießung von "Glaube, Hoffnung und Liebe" zusammen: "Denn wenn zum Glauben nicht Hoffnung und Liebe hinzutreten, eint er weder vollkommen mit Christus, noch macht er zu einem lebendigen Glied seines Leibes." D.h. es geht um eine Vervollkommnung des Glaubens durch das gleichzeitige Eingießen von "Hoffnung und Liebe", denn nur diesen vollkommenen Glauben erbitten die Katechumenen: "Diesen Glauben erbitten die Katechumenen vor dem Sakrament der Taufe ..., wenn sie »den Glauben, der das ewige Leben verbürgt«1, erbitten, das der Glaube ohne Hoffnung und Liebe nicht verbürgen kann." Wenn nun der Glaube, der bereits in der Vorbereitungsphase gegeben war, zu dem sich in der Vorbereitungsphase auch die Hoffnung und die Liebe gesellten, nicht der Glaube ist, "der das ewige Leben verbürgt«, obgleich sich doch auch die Hoffnung und die Liebe dazugesellten, so steht dies tatsächlich im Widerspruch, wenn man mit Pohle davon ausgeht, dass es auch in der Vorbereitungsphase um seelische Tätigkeiten geht, die Heilsakte sind und deshalb entitativ übernatürlich sein müssen. Pohle übernimmt hier - nach meiner Einschätzung ganz zurecht - die thomistische Sichtweise und aus der thomistischen Perspektive erscheint das tatsächlich alles sehr inkonsistent, was der Konzilstext da ausdrückt. Erstaunlicherweise übernimmt Pohle hier die thomistische Sichtweise, denn in seinen Kommentaren zur Gnadenlehre neigt er mehr der molinistischen Sichtweise zu. Bedenkt man nun, dass zur Zeit der Verabschiedung des Konzilstextes zur Rechtfertigung Paul III Papst war, und dass es auch dieser Papst war, der die Statuten der Jesuiten bestätigte, und dass Molina selbst ein Jesuit war, so könnte man schon darüber spekulieren, ob nicht Paul III ob seiner Befassung mit den Jesuiten sich nicht auch inhaltlich mit der jesuitischen Theologie auseinandersetzte und diese Theologie deshalb den Konzilstext beeinflusste. Denn aus der Perspektive der jesuitisch[-molinistisch]en Theologie erscheint es mir schon möglich, den Konzilstext so abzufassen ohne damit Inkonsistenzen zu verursachen. Das interessante ist also, dass obgleich weder die dominikanisch-thomistische Theologie noch die jesuitisch-molinistische Theologie jemals zur dogmatisch katholischen Theologie geworden sind, aber beide Theologien sich im Rahmen der dogmatisch katholischen Theologie bewegen, demzufolge auch beide Theologien Einfluss auf das Denken dogmatischer Theologen (wie den Päpsten) ausüben können. Der vorliegende Fall ist also sehr interessant, weil er erneut die Fragestellung bzgl. Natur und/oder Übernatur von "Glaube, Hoffnung. Liebe", welche von unterschiedlichen theologischen Schulen unterschiedliche beantwortet wird, ins Gedächtnis ruft, was mich veranlasst die Sache ins Fach "Wiedervorlage" einzuordnen. Abschließend sei mir erlaubt, darauf hinzuweisen, dass solche "mikro-theologischen" Fragestellungen natürlich keinerlei Einfluss auf die Korrektheit der Darstellung der Vorbereitungsphase zur Rechtfertigung/Heiligung haben. Diese umfasst also unumstößlich (aus dem Konzilstext entnommen): 1. den Glauben aufgrund des Hörens [vgl. Röm 10,17] 2. Zuwendung zu Gott aus freien Stücken, glaubend, daß wahr ist, was von Gott geoffenbart und verheißen ist 3. glaubend dass der Gottlose von Gott durch seine Gnade gerechtfertigt wird, »durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist« [Röm 3,24]; 4. erkennen, daß man Sünder ist, 5. Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit und durch diese Furcht heilsam erschüttert werden 6. zur Besinnung auf die Barmherzigkeit Gottes bekehren 7. zur Hoffnung aufrichten im Vertrauen darauf, daß Gott einem um Christi willen gnädig sein werde, 8. Gott als Quelle aller Gerechtigkeit zu lieben beginnen 9. sich deswegen mit einem gewissen Maß an Haß und Abscheu gegen die eigenen Sünden wenden 10. jene Buße tun, die man vor der Taufe tun muß 11. den unumstößlichen Willen, die Taufe zu empfangen, ein neues Leben zu beginnen und die göttlichen Gebote zu beachten. Dies bezieht sich also auf den erwachsenen Gottlosen, der noch nicht getauft worden ist. Da die Gottlosigkeit heutzutage aber auch ein weitverbreitetes Phänomen unter bereits Getauften ist, sind all diese Punkte (ausschließlich der Taufe) natürlich auch gültig für den erwachsenen Gottlosen, der bereits getauft wurde. bearbeitet 18. August von SteRo Zitieren
SteRo Geschrieben 20. August Autor Melden Geschrieben 20. August Am 18.8.2025 um 11:34 schrieb SteRo: Denn aus der Perspektive der jesuitisch[-molinistisch]en Theologie erscheint es mir schon möglich, den Konzilstext so abzufassen ohne damit Inkonsistenzen zu verursachen. Im Gegensatz zum heiligen Thomas gehen die Molinisten davon aus, dass ein Glaube, der nur ein natürlicher Glaube ist, übernatürliche Glaubensobjekte "kontaktieren" kann. So ein Glaube ist dann zwar nicht ausreichend, um damit zum Heil zu gelangen, aber als Glaube für andere als Zwecke durchaus dienlich. Um heilswirksam zu sein benötigt so ein natürlicher Glaube eine "Veredelung" durch die wirkliche Gnade Gottes. Wenn also so ein natürlicher Glaube für die Vorbereitung zur Rechtfertigung ausreichen würde, könnten die Molinisten ggf. davon ausgehen, dass die vom Konzilstext erwähnte Eingießung von "Glaube, Hoffnung und Liebe" in der Rechtfertigung selbst eben dieser Veredelung von natürlichem Glauben, natürlicher Hoffnung und natürlicher Liebe entspricht. So weit so gut. Die Frage, die stehenbleibt, ist dann aber nach wie vor: reichen natürlicher Glauben, natürliche Hoffnung und natürliche Liebe in der Vorbereitungsphase aus? Denn wenn man sich die Glaubensobjekte ansieht, von denen da die Rede ist ("glaubend, daß wahr ist, was von Gott geoffenbart und verheißen ist", "daß der Gottlose von Gott durch seine Gnade gerechtfertigt wird, »durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist« [Röm 3,24]", "die Barmherzigkeit Gottes", "glauben, daß er [Gott] ist") so handelt es sich dabei vorrangig um per se Glaubensobjekte, Objekte also, die weder körper-sinnlich wahrgenommen, noch mit dem natürlichen Verstand geschlussfolgert werden können, die also lediglich geglaubt werden können. Und da stellt sich dann schon die Frage, ob ein natürlicher Glaube die erforderliche Gewissheit sicherstellen kann. Dies wirft die Frage der möglichen Gewissheiten auf: Welche Gewissheiten gibt es? 1. die physische Gewissheit ("ich glaube, was ich sehe") 2. die [geistes-]wissenschaftliche Gewissheit ("ich glaube es, weil es valide geschlussfolgert werden kann") 3. die moralische Gewissheit ("ich glaube es, weil es alle glauben" -> sog. "gesunder Menschenverstand" und/oder der Glaube, der in der kulturellen "Blase", in die ich heineingeboren wurde, kultiviert wird) 4. die Glaubensgewissheit (Objekt ist unsichtbar und kann nicht mittels des natürlichen Verstandes valide geschlussfolgert werden; und während eine moralische Gewissheit durch den natürlichen Verstand immer anfechtbar bleibt, ist die Glaubensgewissheit unerschütterlich, aber auch unergründbar, d.h. der Glaube ist übernatürlich) Die Molinisten scheinen zu glauben, dass eine moralische Gewissheit bei Glaubensobjekten, die unsichtbar sind und nicht mittels des natürlichen Verstandes valide geschlussfolgert werden können, für die Vorbereitung zur Rechtfertigung ausreichend ist. Die Thomisten (und auch der Dogmatiker Pohle) glauben dies offensichtlich nicht. Am 18.8.2025 um 11:34 schrieb SteRo: ... und aus der thomistischen Perspektive erscheint das tatsächlich alles sehr inkonsistent, was der Konzilstext da ausdrückt. ... Das ist natürlich mein Fehler, denn ich muss da meine "thomistische Perspektive" doch sehr hinterfragen. Nun hat zwar der Thomas seine Gnadenlehre ca. 300 Jahre vor dem Konzil von Trient geschrieben, aber ich gehe doch davon aus, dass das theologische Axiom der Eingießung der theologischen Tugenden zusammen mit der Rechtfertigungs-/Heiligungsgnade schon wesentlich älter ist und dass das Konzil von Trient das nicht "erfunden", sondern lediglich erneut bestätigt hat. Alles, was der Thomas in seiner summa 300 Jahre vorher zum Thema geschrieben hat, war immer an der Lehre der Kirche ausgerichtet und so sollten also auch zwischen seinen Aussagen und dem späteren Text des Konzils von Trient eigentlich keine Inkonsistenz auftreten. Es stellt sich also die Frage, wie das Gegebensein von "Glaube, Hoffnung, Liebe" bereits in der Vorbereitungsphase vereinbar ist mit dem Eingießen der theologischen Tugenden zusammen mit der Rechtfertigungs-/Heiligungsgnade. Und die Antwort könnte bereits in der Formulierung dieser Fragestellung liegen: Was ich bislang leider unterlassen habe war, dass ich nicht zwischen Akt und Tugend differenziert habe! Einem übernatürlichen Akt muss ja nicht notwendigerweise eine entsprechende Tugend zugrundeliegen und wenn die Tugend zwar erst in der Rechtfertigung selbst eingegossen wird, so ist es doch dennoch möglich, dass ein übernatürlicher Akt in der Vorbereitungsphase durch einen entsprechenden wirklichen Gnadenakt Gottes ermöglicht wird. Es sollte geprüft werden, ob die Texte von Thomas und Thomisten eine solche Denkrichtung hergeben. Zitieren
SteRo Geschrieben 22. August Autor Melden Geschrieben 22. August (bearbeitet) Konzil von Trient: "Kap. 7. Was das Wesen der Rechtfertigung des Gottlosen ist und welches ihre Ursachen sind Dieser Zurüstung bzw. Vorbereitung folgt die Rechtfertigung selbst, ..." Da steht "folgt", eine zeitliche Folge also. Und was folgt der Vorbereitung, währen der bereits geglaubt, gehofft und geliebt wurde? "die Rechtfertigung selbst" Und was ist "die Rechtfertigung selbst"? Konzil von Trient: "Kap. 7. Was das Wesen der Rechtfertigung des Gottlosen ist und welches ihre Ursachen sind ... die Rechtfertigung selbst, die nicht nur Vergebung der Sünden ist [Kan. 11], sondern auch Heiligung und Erneuerung des inneren Menschen durch die willentliche Annahme der Gnade und der Gaben, aufgrund derer der Mensch aus einem Ungerechten ein Gerechter und aus einem Feind ein Freund wird, so daß er »Erbe gemäß der Hoffnung auf ewiges Leben« [Tit 3,7] ist." Während der Vorbereitung ist der Mensch also ein Ungerechter und ein Feind Gottes, der aber dennoch glaubt, hofft und liebt. Aber erst in der Rechtfertigung selbst wird aus ihm ein Gerechter und ein Freund Gottes durch die Rechtfertigungsgnade und die begleitenden Gaben. Welche begleitenden Gaben? Konzil von Trient: "Kap. 7. Was das Wesen der Rechtfertigung des Gottlosen ist und welches ihre Ursachen sind Denn es kann zwar niemand gerecht sein, ohne daß ihm Anteil an den Verdiensten des Leidens unseres Herrn Jesus Christus verliehen wird; doch das geschieht in dieser Rechtfertigung des Gottlosen dadurch, daß aufgrund des Verdienstes dieses heiligsten Leidens durch den Heiligen Geist die Liebe Gottes in die Herzen derer ausgegossen wird [vgl. Röm 5,5], die gerechtfertigt werden, und ihnen einwohnt [Kan. 11]. Daher erhält der Mensch in der Rechtfertigung selbst zusammen mit der Vergebung der Sünden durch Jesus Christus, dem er eingegliedert wird, zugleich alles dies eingegossen: Glaube, Hoffnung und Liebe." Die begleitenden Gaben sind: die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist, aus- oder eingegossen wird, die übernatürliche göttliche Liebe also, welche einwohnt (ggf. "zusammen mit" oder "als" Heiliger Geist), welche also verbleibt, demnach ein Zustand ist, eine Tugend also, welche also zusammen mit den anderen theologischen Tugenden Glaube und Hoffnung eingegossen wird. Vor der Rechtfertigung selbst glaubte und hoffte und liebte also ein ungerechter Feind Gottes. Durch die und nach der Rechtfertigung glaubt und hofft und liebt dann aber ein gerechter Freund Gottes. Wie glaubt und hofft und liebt ein ungerechter Feind Gottes? Also wie glauben und hoffen und lieben all die Gläubigen, die noch nicht gerechtfertigt wurden und deshalb ungerechte Feinde Gottes sind. bearbeitet 22. August von SteRo Zitieren
SteRo Geschrieben 23. August Autor Melden Geschrieben 23. August (bearbeitet) Am 22.8.2025 um 08:17 schrieb SteRo: Wie glaubt und hofft und liebt ein ungerechter Feind Gottes? Also wie glauben und hoffen und lieben all die Gläubigen, die noch nicht gerechtfertigt wurden und deshalb ungerechte Feinde Gottes sind? Das ist interessant - nicht wahr? - dass die Überschrift lautet: ""Kap. 7. Was das Wesen der Rechtfertigung des Gottlosen ist und welches ihre Ursachen sind" und dass es darin heißt: "... durch die willentliche Annahme der Gnade und der Gaben, aufgrund derer der Mensch aus einem Ungerechten ein Gerechter und aus einem Feind ein Freund wird." ... denn nach all dem, was die Vorbereitung an Glauben beinhaltet (s.o.., eine ganze Menge also) , kann die entsprechende Person ja nicht mehr im eigentlichen Sinne als "Gottloser" bezeichnet werden. Die Überschrift muss sich also auf den Ausgangspunkt beziehen von dem aus "die Reise" (ganze "Wegstrecke" aus Vorbereitung und Rechtfertigung selbst) überhaupt begonnen hat. Aus der Formulierung "aus einem Ungerechten ein Gerechter und aus einem Feind ein Freund wird" kann aber schon geschlossen werden, dass "Feind" dem "Ungerechten" und "Freund" dem "Gerechter" zugeordnet wird, und weil "Ungerechten" sich eindeutig bezieht auf 'vor der "Rechtfertigung selbst"' und "Gerechter" auf 'nach der "Rechtfertigung selbst"' gilt das Gleiche für die zugeordneten "Feind" und "Freund". Wenn aber der Gläubige der Vorbereitungsphase immer noch als "Feind" Gottes gilt, dann bedeutet dies schlicht nichts anderes als dass er noch im Stadium der gefallenen Natur sich befindet, in dem er - trotz all seinem "Anfänger"-Glauben - in seinem Wesen sich immer noch Gott widersetzt. Wie das? Ich finde dies wird besonders schön deutlich in dem Zitat von Thomas oben, in dem es heißt: Ähnlich nun liebt der Mensch deshalb etwas, weil er es erfaßt als sein Gut. Dadurch aber daß jemand hofft, von einem anderen etwas Gutes erreichen zu können, erachtet er diesen, auf welchen er diese Hoffnung setzt als gewissermaßen sein Gut. Daß also der Mensch von jemandem etwas hofft, daraus geht es hervor, daß er ihn liebt. Daraus wird ersichtlich, dass es sich bei der hier beschriebenen Liebe zu Gott eigentlich um Selbstliebe handelt. Warum? Na, wenn ich mir von Gott etwas erhoffe und deswegen Gott zu meinem Gut wird, das ich liebe, dann liebe ich ihn ja nur, weil ich mir von ihm für mich etwas erhoffe. Ich werde deshalb das erste Gebot, Gott über alles zu lieben, gar nicht erfüllen können, weil ich de facto mich ja mehr liebe als Gott, weil ich Gott nur aus eigennützigen Gründen liebe. Deshalb, weil ich aus eigennützigen Motiven das erste Gebot nicht erfülle, bin ich nach wie vor ein Feind Gottes. Und weil ich Gott nicht über alles liebe, werde ich auch weitere seiner Gesetze und Gebote nicht erfüllen (können) und also weiterhin sündigen. Damit haben wir nun schon die oben zitierte Frage teilweise beantwortet, nämlich "Wie ... liebt ein ungerechter Feind Gottes?" (also jeder Gläubige, der noch nicht gerechtfertigt wurde). bearbeitet 23. August von SteRo Zitieren
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