Domingo Geschrieben 9. November 2025 Melden Geschrieben 9. November 2025 Ich habe das Thema hier angeschnitten, ich möchte darüber aber in einem neuen Thread weiterdiskutieren (falls @iskander, @KevinF und natürlich auch andere es wollen), denn ich kann nicht erwarten, dass ein Thread im urreligiösen Teil des Forums von der Thedizee und Gott und Jesus wegkommt, um statt dessen allgemeine Erkenntnistheorie zu betreiben. Ich darf hier den hierfür wichtigen Teil wiederholen: Zitat Obwohl viele Wissesnchaftler sich Poppers These zu eigen gemacht haben, bleibt es eine These, die von einem Philosophen entworfen wurde und der, soweit ich weiß, auch von Philosophen widersprochen wird eher als von Wissenschaftlern. Und aus dem Beitrag, aus dem das obige Zitat stammt, scheint mir ein typisch philosophischer Wahrheitsbegriff durchzuschimmern. Soviel ich weiß, betrachten Wissenschaftler ihre Theorien aber nicht als "wahr" oder "falsch," sondern als Modelle, die mehr oder weniger funktionieren können. Man braucht mW die Newtonsche Physik nicht "widerlegen," sondern sie ist genaugenommen schon widerlegt, und zwar von der Relativitätstheorie - wenn man in der Newtonschen Physik die mögliche "Wahrheit' sehen möchte, was dann seine mögliche "Unwahrheit" bedingen würde. Man kann sie aber prima einsetzen, um etwa die Laufbahnen von Raketen auszurechnen - sie ist also ein Modell, kein Dogma und keine "Warheit" im religiösen oder (?) philosophischen Sinne. Zitieren
SteRo Geschrieben 10. November 2025 Melden Geschrieben 10. November 2025 (bearbeitet) Zitat ... Soviel ich weiß, betrachten Wissenschaftler ihre Theorien aber nicht als "wahr" oder "falsch," sondern als Modelle, die mehr oder weniger funktionieren können. Man braucht mW die Newtonsche Physik nicht "widerlegen," sondern sie ist genaugenommen schon widerlegt, und zwar von der Relativitätstheorie - wenn man in der Newtonschen Physik die mögliche "Wahrheit' sehen möchte, was dann seine mögliche "Unwahrheit" bedingen würde. Man kann sie aber prima einsetzen, um etwa die Laufbahnen von Raketen auszurechnen - sie ist also ein Modell, kein Dogma und keine "Warheit" im religiösen oder (?) philosophischen Sinne. Beobachtung --> logisch valide Hypothese ---> Experiment Wenn das Experiment die Hypothese bestätigt, dann spricht man von einer "Theorie". Mit der Theorie kann man in der Realität dann arbeiten (Vorhersagen, Neues schaffen etc.). Die Newtonsche Physik ist nach wie vor eine Theorie, was die Validität von "Theorie" beinhaltet. Da mit dem Begriff "Wahrheit" daherzukommen, der ein rein subjektives Urteil ist, ist vollkommen unangemessen ("unwissenschaftlich").. bearbeitet 10. November 2025 von SteRo Zitieren
Weihrauch Geschrieben 10. November 2025 Melden Geschrieben 10. November 2025 @Domingo folgt jetzt dem Inhalt. Optimist. Mann, du hast das Klickbaiten im Threadtitel vergessen. Irgendwas, das Jesu Wunder aushebelt, oder das Wort Ontologie als Köder, oder irgendwelche Kampfbegriffe einstreuen, oder wenigstens einen aktuellen Bezug vortäuschen "Die Falsifikation der Metaphysik in der postmodernen Kirche" wäre hilfreich gewesen. Nix gelernt von unseren Youtubern? Zitieren
Domingo Geschrieben 10. November 2025 Autor Melden Geschrieben 10. November 2025 Du bist witzig. vor 5 Minuten schrieb Weihrauch: das Wort Ontologie als Köder 😯 Wer würde denn vom Wort "Ontologie" "geködert"? Wohl doch nur Iskander und KevinF, die ich oben schon hergerufen habe. 1 Zitieren
Weihrauch Geschrieben 10. November 2025 Melden Geschrieben 10. November 2025 Okay, Ontologie ist nicht gerade der Burner gewesen. Aber zum Thema: Es gibt vielleicht doch etwas ähnliches wie Dogmen in der Naturwissenschaft, die ja auch nicht völlig frei und unabhängig arbeiten kann. Es gibt eine starke Konkurrenz um die Beschaffung von finanziellen Mitteln, und da ist es hilfreich Hoffnungen zu schüren mit Modellen, von denen sich Investoren fette Gewinne erhoffen. Ich denke da zum Beispiel daran, den Leuten zu versprechen Gott spielen zu können, wie im Himmel also auch auf Erden, in Form eines Fusionsreaktors. Dieses Modell funktioniert noch nicht, und man weiß auch nicht, ob es je funktionieren wird. Die experimentelle Bestätigung dieses Modells wird seit ich denken kann, in den nächsten 20 Jahren, in den nächsten 20 Jahren, in den nächsten 20 Jahren erwartet. Milliarde um Milliarde verschwindet in diesen Projekten, und ein Ende ist nicht in Sicht - weder eine Erfolg noch die Falsifikation. So ein Plasma ist ein vielleicht zu heißer Scheiß, um ihn profitabel handeln zu können. Zitieren
rorro Geschrieben 10. November 2025 Melden Geschrieben 10. November 2025 vor 19 Stunden schrieb Domingo: Soviel ich weiß, betrachten Wissenschaftler ihre Theorien aber nicht als "wahr" oder "falsch," sondern als Modelle, die mehr oder weniger funktionieren können. Das gilt meiner Beobachtung nur für Grundlagenforscher, vor allem der Physik. In den angewandten Wissenschaften ist das leider nicht mehr der Fall. Ständig wird bspw. in meinem Feld, der Medizin, ein Satz begonnen mit "Wir wissen jetzt" - da bekomme ich regelmäßig daserspareichEuch. Spätestens seit der Quantenmechanik sollte ein "wir wissen jetzt" obsolet sein. Passen dazu: https://youtube.com/shorts/jGHk6FBAqMA Zitieren
Domingo Geschrieben 10. November 2025 Autor Melden Geschrieben 10. November 2025 (bearbeitet) @iskanderschreibt: Zitat ine Kritik am Popperschen Modell muss ebenfalls nicht voraussetzen, dass wissenschaftliche Theorien wahr sind. In der von mir zitierten Passage geht es ja nicht darum, dass es schwierig ist, ein wissenschaftliches Forschungsprogramm zu falsifizieren, und nicht darum, ob man dadurch anderes als wahr erweisen könnte. Der dort erwähnte Lakatos etwa geht davon aus, dass man das nicht kann. Dann ist die Situation aber mE anders, oder anders gesagt, Lakatos mag recht haben, das ist aber kein Problem, weil Theorien eben Modelle sind. Man wirft ein Modell nicht in den Müll, weil es etwas nicht korrekt vorhersagt, wenn es sonst jede Menge Dinge korrekt vorhersagt. Ginge es aber um Wahrheit, wäre Lakatos' Einwand viel gravierender. bearbeitet 10. November 2025 von Domingo Zitieren
iskander Geschrieben 10. November 2025 Melden Geschrieben 10. November 2025 (bearbeitet) Ich wiederhole für das bessere Verständnis nochmals in Gänze, was ich zum entsprechenden Thema ursprünglich geschrieben hatte: Zitat Beginn Bei Popper geht es ja nicht darum, dass die Wissenschaft die Wahrheit findet, sondern eher darum, dass sie sich indirekt der Wahrheit annähert, indem sie nach und nach Unwahres aussondert (das ist jetzt meine Formulierung; ich weiß nicht, ob Popper damit zufrieden wäre, glaube aber, dass sie der Sache einigermaßen gerecht wird). Eine Kritik am Popperschen Modell muss ebenfalls nicht voraussetzen, dass wissenschaftliche Theorien wahr sind. In der von mir zitierten Passage geht es ja nicht darum, dass es schwierig ist, ein wissenschaftliches Forschungsprogramm zu falsifizieren, und nicht darum, ob man dadurch anderes als wahr erweisen könnte. Der dort erwähnte Lakatos etwa geht davon aus, dass man das nicht kann. In der Wissenschaftstheorie gibt es die verbreitete Auffassung, dass man (in vielen Fällen) nicht sagen könne, dass wissenschaftliche Theorien wahr seien, sondern dass empirische Adäquatheit das Ziel sei. "Empirische Adäquatheit" wäre gegeben, wenn eine Theorie Voraussagen über unsere Erfahrung macht, die (mehr oder weniger) korrekt sind. Die Theorie selbst muss deswegen nicht korrekt bzw. wahr sein. Zitat Ende (Zum Hintergrund siehe auch hier.) vor 3 Stunden schrieb Domingo: Ginge es aber um Wahrheit, wäre Lakatos' Einwand viel gravierender. Lakatos geht es in erster Linie offenbar darum, wie Wissenschaften faktisch arbeiten (und auch sinnvollerweise arbeiten sollten), damit sie fruchtbare Theorien mit hoher Erklärungskraft hervorbringen können. Trotzdem hat dieser "neue" Ansatz durchaus auch Implikationen für die Frage der Falsifikation. Wir wissen nämlich ja meistens nicht von vornherein, ob ein etabliertes und gut funktionierendes Modell wahr ist oder nicht. Selbst wenn wir nicht annehmen, dass es wahr ist, und es für wahrscheinlich erachten, dass es falsch ist, können wir seine Korrektheit doch auch kaum von vornherein sicher ausschließen; vielmehr müssen wir seine Falschheit erst beweisen, wenn es uns hierum geht. Bei Popper ist es nun relativ einfach: Man kann ein Model wie folgt falsifizieren: Man vergleiche das Modell (bzw. die aus ihm abgeleiteten Vorhersagen) mit der Empirie; und wenn unser Modell der Beobachtung widerspricht, ist es eben falsifiziert. Verifizieren kann man ein Modell nicht; falsifizieren kann man es mit etwas Glück aber relativ leicht (wenn es eben falsch ist). Bei Lakatos hingegen kann man Widersprüche, die zwischen dem fraglichen Modell und der Beobachtung auftreten, "legitimerweise" oftmals auch einfach durch die Annahme erklären, dass unsere Hilfshypothesen falsch oder unvollständig waren. Dass unser Modell selbst falsch ist, muss man hingegen nicht annehmen, sondern kann dies offen lassen. So kann man das Modell und die Empirie dann eben auch durch eine Modifikation der Hilfshypothesen wieder miteinander in Einklang bringen, so dass der (vermeintliche) Widerspruch beseitigt wird. Und so wird es dann natürlich deutlich schwieriger, ein entsprechend ausgereiftes wissenschaftliches Modell zu falsifizieren. (Meine obige Darstellung ist natürlich vereinfacht und zugespitzt.) bearbeitet 11. November 2025 von iskander Zitieren
Domingo Geschrieben 11. November 2025 Autor Melden Geschrieben 11. November 2025 vor 19 Stunden schrieb iskander: Bei Popper geht es ja nicht darum, dass die Wissenschaft die Wahrheit findet, sondern eher darum, dass sie sich indirekt der Wahrheit annähert Also geht es doch eben um Wahrheit. Und Wahrheit ist mW ein philosopischer Begriff, kein wissenschaftlicher. Galileo mag noch die Wahrheit abgestrebt haben und deswegen hart getroffen gewesen sein, als die Kirche ihm befahl, sein Modell eben als ein Modell und nicht als die Wahrheit hinzustellen. Doch heute gilt in den Wissenschaften mW "Wahrheit" nicht mehr als zentraler Begriff, oder als Begriff überhaupt. Und die Debatte um "Falsifikation" hat wohl eher damit zu tun, wie die Wissenschaften arbeiten, als mit irgendeiner "Wahrheit," ob man die nun dindet or sich ihr nur annähert. Zitieren
Domingo Geschrieben 11. November 2025 Autor Melden Geschrieben 11. November 2025 Aber wie @rorro geschrieben hat, hat sich das nicht zu allen herumgesprochen, sondern es bestehen noch viele darauf, dass die Wissenschaft "die Wahrheit" darstelle. (Das hat aber das Potential, politisch zu werden. Dann wird die Moderation darauf vielleicht das Fallbeil fallen lassen.) Zitieren
iskander Geschrieben 11. November 2025 Melden Geschrieben 11. November 2025 vor 8 Minuten schrieb Domingo: Also geht es doch eben um Wahrheit. Und Wahrheit ist mW ein philosopischer Begriff, kein wissenschaftlicher. "Wahrheit" ist hier wohl eher so etwas wie eine Heuristik bzw. ein Ziel, an dem man sich orientiert. Eigentlich kann man es nach Popper nie wirklich erreichen (oder wenn man es erreicht, dann wüsste man es nicht). Das sind jetzt nicht Poppers Worte, aber sie folgen aus seinem Ansatz. Allerdings würde Popper wohl schon geltend machen, dass unsere Auffassungen über viele Dinge doch näher an der Wirklichkeit (und damit auch an der Wahrheit) dran sind als es die Überzeugungen der Menschen aus dem frühen Mittelalter waren. Es gibt wie gesagt auch den Ansatz, sich nur aus empirische Adäquatheit zu beschränken. Aber auch dann raucht man "wahre" Aussagen. Wenn behauptet wird, dass eine bestimmte Beobachtung gemacht wurde, dann behauptet man ja, dass es "wahr" ist, dass diese gemacht wurde. Und auch im Konzept der "empirischen Adäquatheit" kommt die Wahrheit ja doch wieder vor: Es geht zwar nicht darum, dass die Theorie insgesamt wahr ist; aber eben doch darum, dass sie nach Möglichkeit wahre Aussagen über das für uns Beobachtbare liefern soll. "Wahrheit" im schlichten Sinne von "Korrektheit" - und das ist eigentlich ihr grundlegender Sinn - ist kein spezifisch philosophischer, sondern zugleich ein alltägliche rund ein wissenschaftlicher Begriff. Zitieren
Domingo Geschrieben 21. November 2025 Autor Melden Geschrieben 21. November 2025 Wissdnschaftler sagen oft, Theorien seien Modelle, die dazu dienen, zutreffende Vorhersagen zu machen. Also hat ein Modell, dessen Vorhersagen sich al falsch erweisen, versagt und ist also "unwahr." Daher kommt es wohl, dass der Falsifikationismus Wissenschaftlern einleuchtet. Sonst dürfte dies wieder so ein Fall sein, wo Philosophen und Wissenschaftler "unterschilldiche Sprachspiele" betreiben. Zitieren
iskander Geschrieben 23. November 2025 Melden Geschrieben 23. November 2025 (bearbeitet) Am 21.11.2025 um 03:24 schrieb Domingo: Wissdnschaftler sagen oft, Theorien seien Modelle, die dazu dienen, zutreffende Vorhersagen zu machen. Also hat ein Modell, dessen Vorhersagen sich al falsch erweisen, versagt und ist also "unwahr." Daher kommt es wohl, dass der Falsifikationismus Wissenschaftlern einleuchtet. Sonst dürfte dies wieder so ein Fall sein, wo Philosophen und Wissenschaftler "unterschilldiche Sprachspiele" betreiben. Das glaube ich in diesem Fall weniger. Auch Philosophen gehen davon aus, dass Theorien falsch sein können und oft auch sind. Aber oft werden Modelle eben von den Wissenschaftlern selbst trotz falscher Vorhersagen nicht aufgegeben: - Vielmehr werden Hilfshypothesen so angepasst, dass die fragliche Theorie dann eben "doch wieder stimmt". - Oder man behält die Modelle auch dann, wenn man Widersprüche zu den Daten vielleicht (noch) nicht überzeugend wegerklären kann - einfach, weil man keine bessere Alternative hat. (Hätten wir keine Relativitätstheorie, blieben wir ohne bessere Alternative wohl auch dann bei der Theorie von Newton, wenn wir an einigen Stellen auf unauflösbare Widersprüche zwischen Newton und unseren Beobachtungen stoßen würden.) Der Unterschied zwischen "widerlegt (und daher falsch)" und "noch nicht widerlegt (und daher womöglich wahr)" spielt in der modernen Wissenschaftstheorie keine so bedeutende Rolle mehr, würde ich behaupten wollen. Es gibt dazu einen bekannten Ausspruch von Lakatos: "All theories are born refuted and die refuted." (Und für Lakatos und viele andere ist das auch grundsätzlich legitim.) Es gibt aus dieser Sicht dann auch nicht unbedingt "kritische Tests", die eine Theorie sozusagen einwandfrei widerlegen würden und/oder implizieren sollten, dass sie aufzugeben sei. Aus Popper Sicht hingegen gibt es kritische Tests, die eine Theorie falsifizieren, und das war's dann sozusagen für die entsprechende Theorie. Wissenschaftler scheinen oft einer (vereinfachten) Version von Popper anzuhängen, obwohl sie in der Praxis dann eben wie gesagt oft dann doch anders verfahren - eher so, wie modernere Wissenschaftsphilosophen das beschreiben. (Das ist jetzt wieder zugespitzt und Poppers Ansatz ist auch etwas komplexer, als es hier herüberkomme mag; trotzdem mag das als Zuspitzung so stehen bleiben können - zumal Popper selbst oft vereinfacht rezipiert wird.) bearbeitet 23. November 2025 von iskander Zitieren
iskander Geschrieben 24. November 2025 Melden Geschrieben 24. November 2025 (bearbeitet) vor 17 Stunden schrieb iskander: Es gibt dazu einen bekannten Ausspruch von Lakatos: "All theories are born refuted and die refuted." Habe ich nicht ganz korrekt zitiert (im Original kommt ein "in this sense" vor). Hier korrekt und im Zusammenhang: "Newtonian science, for instance, is not simply a set of four conjectures - the three laws of mechanics and the law of gravitation. These four laws constitute only the 'hard core' of the Newtonian programme. But this hard core is tenaciously protected from refutation by a vast' protective belt' of auxiliary hypotheses. And, even more importantly, the research programme also has a' heuristic', that is, a powerful problem-solving machinery, which, with the help of sophisticated mathematical techniques, digests anomalies and even turns them into positive evidence. For instance, if a planet does not move exactly as it should, the Newtonian scientist checks his conjectures concerning atmospheric refraction, concerning propagation of light in magnetic storms, and hundreds of other conjectures which are all part of the programme. He may even invent a hitherto unknown planet and calculate its position, mass and velocity in order to explain the anomaly. Now, Newton's theory of gravitation, Einstein's relativity theory, quantum mechanics, Marxism, Freudianism, are all research programmes, each with a characteristic hard core stubbornly defended, each with its more flexible protective belt and each with its elaborate problem-solving machinery. Each of them, at any stage of its development, has unsolved problems and undigested anomalies. All theories, in this sense, are born refuted and die refuted. But are they equally good? Until now I have been describing what research programmes are like. But how can one distinguish a scientific or progressive programme from a pseudoscientific or degenerating one? Contrary to Popper, the difference cannot be that some are still unrefuted, while others are already refuted. When Newton published his Principia, it was common knowledge that it could not properly explain even the motion of the moon; in fact, lunar motion refuted Newton. Kaufmann, a distinguished physicist, refuted Einstein's relativity theory in the very year it was published. But all the research programmes I admire have one characteristic in common. They all predict novel facts, facts which had been either undreamt of, or have indeed been contradicted by previous or rival programmes." (Lakatos: The methodology of scientific research programmes. Introduction) bearbeitet 24. November 2025 von iskander Zitieren
Marcellinus Geschrieben 24. November 2025 Melden Geschrieben 24. November 2025 vor 18 Stunden schrieb iskander: Es gibt dazu einen bekannten Ausspruch von Lakatos: "All theories are born refuted and die refuted." Da dich offenbar so langsam in die Wissenschaftstheorie einarbeitest, hier noch zwei Literaturvorschläge: Ludwik Fleck: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. 1980 (Original 1935) und Thomas S, Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. 1962. Letzerer ist es, auf den sich Lakatos wesentlich bezieht. Zitieren
Domingo Geschrieben 24. November 2025 Autor Melden Geschrieben 24. November 2025 vor 20 Stunden schrieb iskander: Das glaube ich in diesem Fall weniger. Auch Philosophen gehen davon aus, dass Theorien falsch sein können und oft auch sind. Wieso "auch"? Meine Aussage war eben, dass "Wahrheit" als solche eben nur Philosophen zu interessieren scheint, während Wissenschaftler eher auf Brauchbarkeit abstellen. Gut, nicht ganz: Ich muss nämlich immer wieder an die Aussage eines (bereits recht weit fortgeschrittenen) Physikstudenten, mit dem ich (vor etwa 20 Jahren, als ich noch in D wohnte) ziemlich befreundet war: Ihm kam Wahrheit als Ziel wissenschaftlicher Forschung in der Praxis seines Faches zu kurz, und er beklagte, dass man da immer darauf achtete, ob eine Theorie denn funktionere, und nicht darauf, ob sie eben wahr sei. Zitieren
Marcellinus Geschrieben 24. November 2025 Melden Geschrieben 24. November 2025 vor 9 Minuten schrieb Domingo: vor 21 Stunden schrieb iskander: Das glaube ich in diesem Fall weniger. Auch Philosophen gehen davon aus, dass Theorien falsch sein können und oft auch sind. Wieso "auch"? Meine Aussage war eben, dass "Wahrheit" als solche eben nur Philosophen zu interessieren scheint, während Wissenschaftler eher auf Brauchbarkeit abstellen. Gut, nicht ganz: Ich muss nämlich immer wieder an die Aussage eines (bereits recht weit fortgeschrittenen) Physikstudenten, mit dem ich (vor etwa 20 Jahren, als ich noch in D wohnte) ziemlich befreundet war: Ihm kam Wahrheit als Ziel wissenschaftlicher Forschung in der Praxis seines Faches zu kurz, und er beklagte, dass man da immer darauf achtete, ob eine Theorie denn funktionere, und nicht darauf, ob sie eben wahr sei. Nun, vielleicht ist das ganz einfach zu erklären. Vielleicht war dieser Physikstudent nebenher (oder vielleicht sogar hauptsächlich) ein Anhänger der Philosophie; einer noch dazu, der Wissenschaft und Philosophie nicht auseinanderzuhalten wollte oder konnte. Ich hatte heute eine Art Erleuchtung, ein Artikel über soziale Klassen, Statussymbole und Über- und Unterordnung. Und man denkt sofort: Sozialwissenschaft! Aber weit gefehlt, ein Philosoph hat es geschrieben, und entsprechend wild gehen Tatsachenbeobachtungen und Wertungen durcheinander, aufgehängt an der (vermeintlichen) Bedeutung von Wörtern und Symbolen. Bei jedem Satz dachte ich entweder: ja, so ist es, oder: wo hat er das denn her. Bis mir klar wurde: er produziert einfach nur Meinung, der man zustimmen kann, oder auch nicht, ein fröhlicher Genremix aus Sein und Sollen, der wieder mal bestätigt, daß Philosophie eine ziemliche luftige Tätigkeit ist, bei der kaum etwas lange unwidersprochen bleibt. Am Ende geht es um Sinn, um Bedeutung, und - ja - auch Wahrheit, und all das ist nun mal subjektiv, und damit das exakte Gegenteil von theoretisch-empirischen Wissenschaften. Dein Freund hat also etwas sehr Verbreitetes getan, Wissenschaft und Philosophie nicht auseinanderzuhalten. Zitieren
iskander Geschrieben 24. November 2025 Melden Geschrieben 24. November 2025 vor 48 Minuten schrieb Marcellinus: Da dich offenbar so langsam in die Wissenschaftstheorie einarbeitest, hier noch zwei Literaturvorschläge: Mit Verlaub: Ich arbeite mich nicht langsam in die Wissenschaftstheorie ein; das habe ich vor vielen Jahren im Rahmen meines Studiums getan. Dass Lakatos außer von Popper wesentlich von Kuhn inspiriert ist (und Letzterer wiederum von Fleck), ist mir durchaus bekannt. Ebenso wie die Tatsache, dass Laudan wiederum wesentlich auf Laktos aufgebaut hat. Die entsprechende Literatur kenne ich, selbst wenn ich nach vielen Jahren nicht mehr jedes Detail präsent haben mag. Hier habe ich jedoch einfach in einer sehr komprimierten Form versucht, auf die Fragen bzw. Anmerkungen von @Domingo einzugehen. Auch wenn ich mich der Einfachheit halber manchmal einer Popperschen Sprechweise befleißige (dort, wo es nicht wirklich darauf ankommt), habe ich hier von Anfang an gesagt, dass Poppers Ansatz natürlich in seiner Original-Form unter Philosophen nahezu überall als überholt gilt und sein Werk der Wissenschaft so, wie sie tatsächlich funktioniert (und auch funktionieren muss) nicht gerecht wird. Und ich habe auch immer wieder dargelegt, warum das so ist. (Beziehungsweise ich habe einige wichtige Punkte genannt; man könnte natürlich mehr zu dem Thema sagen.) Bei Dir hingegen sehe ich nicht, dass modernere wissenschaftstheoretische Literatur, wenn Du sie gelesen hast, Deine grundlegendes Verständnis wesentlich geprägt hätte: - Du sprichst zwar immer wieder von einem Wechselspiel von Theorie und Empirie - aber bei Dir hat man ganz stark den Eindruck, dass dann, wenn eine Theorie an den Tatsachen "scheitert", eben die nächste und verbesserte Theorie kommt, welche dann erneut mit der Beobachtung konfrontiert wird usw. Dass das in Wirklichkeit komplizierter ist und es durchaus sein kann, dass man besser beispielsweise die Hilfshypothesen anpasst, so dass Theorie und Empirie wieder harmonieren, habe ich in Deinen Ausführungen noch nirgendwo je gelesen. - Genauso wenig merkt man Deinen Beiträgen an, dass Du Dir überhaupt der Tatsache bewusst wärest, dass wir Theorien nie isoliert, sondern immer nur in Verbindung mit Hilfshypothesen testen - die sich hieraus zwingend ergebende Duhem-Quine-These hast Du jedenfalls offenbar nicht gekannt, und als ich Dich auf sie hingewiesen habe, hast Du sie vehement abgelehnt. - Ebenfalls deutet nichts darauf hin, dass Du Dir der unverzichtbaren Rolle der Logik im Zusammenspiel von Theorie und Empirie bewusst wärest; im Gegenteil. - Noch ist ersichtlich, dass Du Dir über die erkenntnistheoretischen Probleme im Zusammenhang mit der "Beobachtung" bzw. ihrer Interpretation (man denke an die Popperschen Basis-Sätze und ihre Rechtfertigungs-Problematik) im Klaren wärest. Und dies wären jetzt nur die wichtigsten Punkte, die mir gerade einfallen. Du distanzierst Dich zwar verbal mit Elias von Popper, aber Deine eigene Erkenntnistheorie (man könne immer nur wissen, was nicht der Fall ist) ist offensichtlich deutlich näher an Popper als an Elias daran - auch wenn Popper aus gutem Grund nicht dasselbe sagt. Dass auch Du jenes von Popper zustimmend zitierte Diktum von Weyl (immer wieder) affirmativ zitierst, während Elias es scharf kritisiert, ist kein Zufall, sondern emblematisch. Du stimmst Elias zwar zu, wenn er Popper dafür schilt, dass dieser die Wissenschaft nicht so beschreibt, wie sie ist, sondern wie sie nach seiner Überzeugung sein soll. Aber bei Elias hat das einen ganz bestimmten Hintergrund: Er sieht Popper als einen Erben des Kantischen Apriorismus. Und was genau ist es, woran Elias das hauptsächlich festmacht? Daran, dass Popper seine Haltung zu induktiven Schlüssen nicht davon abhängig macht, ob die Wissenschaftler in der Praxis induktiv schließen oder nicht, sondern dass Popper induktive Schlüsse aus bestimmten theoretischen (A-priori-)Erwägungen heraus verwirft. Du allerdings hast Dich in dieser Sache ganz so wie Popper selbst geäußert: Du lehnst die Induktion ebenfalls ab, und zwar im Wesentlichen aus den gleichen Gründen wie Popper das tut. Der Sache nach müsstest Du an dieser Stelle für Popper und gegen Elias Partei ergreifen - bist Du Dir dessen überhaupt bewusst? Elias' Texte sind fast durchgehend philosophisch und nicht soziologisch - egal, was Elias selbst sagt. Um sie angemessen zu verstehen, müsste man Kenntnisse der Philosophie (und eventuell der Philosophiegeschichte) besitzen. So wie man für ein angemessenes Verständnis der Wissenschaftstheorie offenbar auch hinreichende Kenntnisse der allgemeinen Erkenntnistheorie benötigen würde. Da Du Dich ja immer wieder auf die Wissenssoziologie berufst, möchte ich noch etwas zu den Grundanlegen der Wissenssoziologie und der philosophischen Wissenschaftstheorie anmerken: - Soweit die Soziologie sich mit der Frage befasst, warum die Wissenschaft auf eine bestimmte Weise vorgeht, hat sie soziale - und das heißt: sachfremde Faktoren - im Auge. Eine entsprechende wissenssoziologische Frage könnte also beispielsweise lauten: "Haben womöglich soziale Verstrickungen oder soziale Machtverhältnisse im Fall XY dazu geführt, dass trotz entgegenstehender Daten eine bestimmte Theorie beibehalten wurde - und wenn ja, um welche sozialen Einflüsse handelt es sich?" - Der Wissenschaftstheorie hingegen geht es in der Regel (auch) darum, was Wissenschaft zu einem rationalen, Erkenntnisse generierenden Unterfangen macht - soweit sie denn ein solches rationales Unterfangen ist, versteht sich. Es geht also auch um eine Rekonstruktion der inhärenten Rationalität von gutem wissenschaftlichen Arbeiten bzw. dem Herausarbeiten der "sachgemäßen" Gründe, die zu einer bestimmten wissenschaftlichen Vorgehensweise führen. Eine wissenschaftstheoretische Frage kann also beispielsweise lauten: "Kann es im Sinne der Wissenschaft und ihrer Zielsetzungen rational sein, eine bestimmte Theorie trotz entgegenstehender Daten nicht aufzugeben - und wenn ja, wann und warum?" Deshalb ist auch Deine Kritik, dass die Wissenschaftstheorie die Frage, wie Wissenschaften funktionieren, nicht angemessen beantworten würden, weil sie die soziale Seite ignorieren würde, verfehlt. Die Wissenschaftstheorie versucht im allgemeinen nicht, eine die Wissenschaft aus einer sozialen Perspektive zu verstehen, sondern aus einer erkenntnistheoretischen - was natürlich nicht heißt, dass die Wissenschaftstheorie die sozialen Aspekte der Wissenschaft leugnen würde. Wenn man aber davon ausgeht, dass Wissenschaft zumindest rational sein kann, und dass sie zumindest geeignet sein kann, valide Erkenntnisse zu erzeugen, dann ist der wissenschaftstheoretische Zugang genauso legitim wie der soziologische. Die Alternative wäre, dass man Wissenschaften als bloße Machtspiele betrachtet, bei denen der Stärkere sich durchsetzt, und zwar stets aus sachfremden Gründen; und dass man sagt, dass es anders auch gar nicht sein könne. Dann besteht aber der einzige Unterschied zwischen Wissenschaften und Pseudo-Wissenschaften darin, dass sich die einen besser etablieren konnten als die anderen - und es gäbe keinen Grund, der dagegen spräche, die Astrologie zu Wissenschaften zu zählen, wenn sie sich nur erfolgreich an den Universitäten etablieren könnte. Wenn man der Wissenschaft - zumindest der "guten" Wissenschaft - hingegen eine gewisse Rationalität zuerkennt, dann ist auch die Frage legitim, was diese Rationalität ausmacht. Und das ist weder eine soziologische noch - sobald es etwas abstrakter wird - eine einzelwissenschaftliche Frage. Zitieren
iskander Geschrieben 24. November 2025 Melden Geschrieben 24. November 2025 vor 59 Minuten schrieb Domingo: Wieso "auch"? Meine Aussage war eben, dass "Wahrheit" als solche eben nur Philosophen zu interessieren scheint, während Wissenschaftler eher auf Brauchbarkeit abstellen. Das weiß ich nicht. Wie ausgeführt geht es jedenfalls (auch?) vielen Philosophen eher um Brauchbarkeit als um "Wahrheit". Allerdings müsste man hier differenzieren: Theorien sollen ja zumindest Vorhersagen erlauben, die mit der Beobachtung übereinstimmen (empirische Adäquatheit). Und wenn die vorhersage einer Theorie mit der Beobachtung übereinstimmt, dann ist es eben wahr, dass sie mit der Beobachtung übereinstimmt. Zudem würde ich davon ausgehen, dass viele Wissenschaftler doch der Meinung sind, dass die Wissenschaft sich der Wirklichkeit (und damit der Wahrheit) zumindest annähert; dass unsere heutigen Vorstellungen über das Sonnensystem beispielsweise näher an der Wahrheit daran sein dürften als die der alten Babylonier. Allerdings müsste man dazu tatsächlich eine Umfrage unter Wissenschaftler machen; vielleicht gibt es eine solche auch. Zitieren
iskander Geschrieben 24. November 2025 Melden Geschrieben 24. November 2025 (bearbeitet) vor 56 Minuten schrieb Marcellinus: Bei jedem Satz dachte ich entweder: ja, so ist es, oder: wo hat er das denn her. Bis mir klar wurde: er produziert einfach nur Meinung, der man zustimmen kann, oder auch nicht, ein fröhlicher Genremix aus Sein und Sollen, der wieder mal bestätigt, daß Philosophie eine ziemliche luftige Tätigkeit ist, bei der kaum etwas lange unwidersprochen bleibt. Was glaubst Du, wie es mir geht, wenn ich Deine zahlreichen philosophischen Einlassungen lese? 😉 Jetzt wirst Du Dich vermutlich wieder empören, dass ich Deine entsprechenden Elaborate als "Philosophie" bezeichne. Nun, ich habe sehr ausführlich begründet, warum ich das tue; und Du bist nie darauf eingegangen. Und damit haben wir wieder genau das Muster, das wir schon 100 mal hatten, und das das ich erst kürzlich hier beschrieben hatte: "- Konfrontiert man Marcellinus mit einer solchen Kritik und fragt ihn, wieso er meint, dass seine Aussagen (entgegen dem Anschein) eben doch wissenssoziologischer statt philosophischer Natur seien; oder wieso seine entsprechenden Überzeugung eben doch auf etwas ganz anderem beruhen würden als auf einem informierten Nachdenken (wie bei den Philosophen): Dann kommt nichts. Absolut nichts. Auch vielfach wiederholte Nachfragen bleiben unbeantwortet. - Stattdessen wiederholt Marcellinus bei nächster Gelegenheit einfach wieder, dass die Philosophie nichts Produktives leisten könne usw. usf." Ich habe Dir auch bereits zwei mal vorgeschlagen, dass Du doch einfach mal ein paar Soziologen mit Deinen Thesen konfrontieren mögest. Über das Internet kann man sicher waschechte und methodisch geschulte Soziologen erreichen. Denen könntest Du dann Deine strittigen Behauptungen vorlegen und ihnen sagen, dass diese Deiner Meinung nach nichts mit Philosophie zu tun haben, sondern soziologisch seien; und dass man sie auch empirisch-soziologisch prüfen könne. Du kannst dann den entsprechenden Soziologen auch Deine Argumente vorstellen, wenn Du das willst - Argumente, die Du hier auch auf zigfache Nachfrage noch nie genannt hast. Bisher bist Du auf diesen Vorschlag nicht eingegangen. Warum nicht? Wenn Du nicht so absolut von der Richtigkeit Deiner Meinung überzeugt bist, dass Dir eh egal ist, was der Rest der Welt sagt: Was spricht dann dagegen? Nochmals: Mein Vorschlag lautet nicht, dass Du Philosophen fragst, sondern Sozialwissenschaftler. Wenn Du ein ehrliches Interesse an den Meinungen anderer hast und bereit bist, Deine Auffassungen infragestellen zu lassen und sie vielleicht auch zu korrigieren: Was spricht dann gegen meinen Vorschlag? Warum gehst Du nicht auf ihn ein, wenn Du schon die Antworten auf entscheidende Rückfragen verweigerst? Nochmals: Wenn Du nicht ideologisch drauf bist, sondern gerne bereit, Deine Meinung zur Disposition und zur Diskussion zu stellen: Was kannst Du dann gegen ein solches Vorgehen haben? bearbeitet 24. November 2025 von iskander Zitieren
Marcellinus Geschrieben 24. November 2025 Melden Geschrieben 24. November 2025 vor 8 Minuten schrieb iskander: Jetzt wirst Du Dich vermutlich wieder empören, dass ich Deine entsprechenden Elaborate als "Philosophie" bezeichne. Nun, ich habe sehr ausführlich begründet, warum ich das tue; und Du bist nie darauf eingegangen. Nö, es ist mir zunehmend egal. Ich habe auch nicht auf dich reagiert, sondern auf @Domingo. Aber daß du antworten würdest, war vorauszusehen. Das meiste, was du als meine "Philosophie" bezeichnest, ist einfach nur meine Meinung, während das meiste, was du als deine Philosophie bezeichnest - wie sage ich das jetzt einigermaßen zurückhaltend? - Unfug. Es lebt im wesentlichen davon, daß du Begriffen eine sehr spezielle Bedeutung gibst, die dann für die einzig mögliche erklärst und dich damit dann jahrelang im Kreis bewegst. Den einzigen Vorwurf, den man dir nicht machen kann, ist, daß du dabei nicht "ausführlich" gewesen wärst. Vielleicht ist das aber auch gar nicht dir geschuldet, sondern dem, was du Philosophie nennst. Ich habe mal bei Wiki nach dem Begriff "Letztbegründung" gesucht, weil du darauf so beharrst, und ich bis dato, ebenso wie @KevinF, der Ansicht war, jeder vernünftige Mensch wüßte, daß jede Form von Letztbegründung auf Glauben beruht, den man teilen kann, aber nicht muß. Oh, da hatte ich mich aber getäuscht! Genial fand ich, neben all den anderen abstrusen Gedanken, auf die man offenbar nur kommt, wenn man sonst nichts zu tun hat, daß jemand die Kritik an der Letztbegründung mit dem "Argument" zurückwies, das sei schließlich selbst eine Art Letztbegründung. Das erinnerte mich an das Zitat von Rolf Helmut Foerster: „Zur Metaphysik kommt man […], indem man beim Nachdenken über eine Sache dem Denken selbst den Vorrang vor der Sache gibt.“ Wir jedenfalls sind miteinander fertig, ganz egal, wieviele Seiten du hier noch vollschreibst. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag! Zitieren
iskander Geschrieben 24. November 2025 Melden Geschrieben 24. November 2025 (bearbeitet) ... bearbeitet 24. November 2025 von iskander Zitieren
iskander Geschrieben 25. November 2025 Melden Geschrieben 25. November 2025 (bearbeitet) vor 4 Stunden schrieb Marcellinus: Das meiste, was du als meine "Philosophie" bezeichnest, ist einfach nur meine Meinung, während das meiste, was du als deine Philosophie bezeichnest - wie sage ich das jetzt einigermaßen zurückhaltend? - Unfug. Entschuldige, lieber @Marcellinus, aber jemand, der sich zwar selbst als Anhänger von Elias gibt, aber selbst mit der Lektüre von dessen wirklich einfachen Artikeln vollkommen überfordert ist und die Texte in ganz entscheidenden Punkten missversteht - nicht, weil er dumm wäre, sondern weil ihm nachweislich einfach selbst die elementarsten Grundlagen für absolut alles fehlen -, ist nicht in einer Position, irgendetwas zu beurteilen. Zumal die Diskussionen eh zeigen, dass Du offenbar eh alles missverstehst oder missverstehen willst, was ich sage. Das auch zum Thema "Letztbegründung", wo Du erkennbar noch nicht einmal den Grundgedanken erfasst. Was soll man auch anderes von jemandem erwarten, dem es selbst in mehreren Threads und mit allergrößter Mühe noch nicht einmal beizubringen ist, dass logische Schlüsse im Alltag und in der Wissenschaft eine maßgebliche und nicht wegzudenkende Rolle spielen? Nur nebenbei: Kein anderer wäre je so geduldig gewesen. Jeder andere hätte Dich spätestens an dem Punkt mit der Logik in die Schublade "unbelehrbarer Flacherdler" gesteckt und jedes Interesse, Dir hier etwas zu vermitteln, aufgegeben. Und was das mit der "Meinung" angeht: Du willst ernsthaft sagen, dass all Deine ganzen Behauptungen, die Du im Brustton der Überzeugung aufgestellt hast, nichts als ein völlig unbegründetes und unverbindliches "Meinen" sind, das nicht weiter ernst zu nehmen ist? Nun, dann gilt das wohl auch für alle Bereiche, in denen Du mir widersprichst? Sorry, aber entweder sollen Deine Thesen vernünftig sein und Hand und Fuß haben; dann sind sie mehr als "bloße Meinung" im Sinne von reiner Beliebigkeit. Oder aber sie erheben keinerlei Anspruch, etwas Fundiertes auszusagen - dann sind sie aber belangloses Gerede. Zitat Es lebt im wesentlichen davon, daß du Begriffen eine sehr spezielle Bedeutung gibst, die dann für die einzig mögliche erklärst und dich damit dann jahrelang im Kreis bewegst. Das genau Gegenteil ist nachweislich der Fall. Ich habe mehrfach allgemein anerkannte Definitionen zitiert, von der Wikipedia bis hin zur Britannica (hier nur ein Beispiel von etlichen). Meine Verwendung der relevanten Terme wie "Philosophie" und "(Wissens)soziologie" ist absoluter Standard. Du kannst auch in jedem beliebigen anderen Lexikon nachsehen. Und damit ist auch klar, dass alles, was Du in den entsprechenden Bereichen sagst, "philosophisch" und nicht "wissenssoziologisch" ist. Es ist eine Philosophie, aber leider - trotz Deiner Intelligenz - eine ausgesprochen problematische. Und ich habe auch zur Genüge dargelegt, dass es hier nicht um bloße Worte geht: Du tust an den relevanten Stellen thematisch und methodisch das, was ein Philosoph tut - und nicht etwa das, was ein empirisch arbeitender Sozialforscher macht. Ich habe jetzt spaßeshalber mal Deine entsprechenden Positionen einer ziemlich guten KI vorgestellt und die Antworten im anderen Thread berichtet. Du kannst das abtun, aber alle wesentlichen Punkte wird erstens auch jede andere KI und zweitens auch jeder Mensch, der sich überhaupt zu solchen Themen einlässt, bestätigen - auch jeder Soziologe. Ich hatte eigentlich nicht vor, das zu schreiben: Aber ich habe mehrere Antworten der KI aus Gründen der Höflichkeit beiseite gelassen, weil in ihnen äußerst negativ über Deine Gedanken gesprochen wurde und diese beispielsweise wörtlich als "karikaturhaft" bzw. als eine "Karikatur" bestimmter philosophischer Richtungen bezeichnet wurden. Du machst Dich im Effekt zum Flacherdler, der Behauptungen aufstellt, die niemand ernst nehmen kann - nicht nur kein Philosoph, sondern auch kein Soziologe. Und ich muss leider auch an Deinem guten Willen zweifeln: Wenn Du einen solchen hättest, dann würdest Du zumindest meinen Vorschlag, einen methodisch versierten Soziologen um sein Feedback zu bitten, in Betracht ziehen. Aber nicht einmal das tust Du. Weil Du offenbar irgendwo doch ahnst, dass jeder andere Dir genau dasselbe sagen wird, was ich Dir sage und was jedes Lexikon der Welt Dir sagt. Ich weiß auch nicht, an was das genau liegt und will nicht groß spekulieren, aber zwei Möglichkeiten (die auch in Kombination zu haben sind) liegen für mich auf der Hand: - Du müsstest zugeben, Dich die ganze Zeit grundlegend geirrt zu haben, und zwar aus Ignoranz heraus - was natürlich nicht angenehm ist. - Du hast Dir ein bestimmtes Weltbild gezimmert, an dem Du emotional so hängst wie ein zutiefst Gläubiger an seiner Religion oder ein besonders missionarischer Atheist an seinem Atheismus - und zu diesem Weltbild gehören eben auch Deine Überzeugungen zu Wahrheit und Wirklichkeit, Erkenntnis, Wissenschaft und Philosophie. Ich wünsche Dir auch einen schönen Tag. Und ich wünsche Dir die Ehrlichkeit und den Mut nachzuprüfen, ob meine Aussage, dass Du die ganze Zeit Philosophie im uneigentlichen Sinne betreibst und eben keine Soziologie, wirklich meine absurde Einzel-Meinung ist, oder aber der absolute weltweite Konsens - auch unter den Vertretern der Wissenssoziologie. Und wenn Du feststellen solltest, dass Letzteres der Fall ist, wünsche ich Dir erneut Ehrlichkeit und den Mut: Dazu, nicht reflexhaft den gesamten Rest der Welt zu Geisterfahrern zu erklären, sondern Dich erst einmal ernsthaft damit zu befassen, wieso es weltweit absolut niemanden gibt, der Deine Ansichten teilt. bearbeitet 25. November 2025 von iskander Zitieren
iskander Geschrieben 25. November 2025 Melden Geschrieben 25. November 2025 (bearbeitet) @Domingo Hier ein Hinweis auf zwei interessante, an Nicht-Philosophen gerichtete Blog-Artikel (ursprünglicher Beitrag und Fortsetzung). Aus ihnen könnte sich ein Grund ergeben, wieso die Wissenschaftsphilosophie vielleicht doch nützlich für Wissenschaftler sein könnte. Etwas ironisch und paradox: Damit sie schlechte Wissenschaftstheorie vermeiden. Eine schlechte Wissenschaftstheorie wäre für den Autor vor allem ein "kruder" Popperianismus. Der Autor beginnt aber zuerst einmal mit dem "richtigen" Popper: "I have often been struck, when talking to scientists, by the influence that Popper seems to have among them. I would go as far as saying that, in many scientific fields, falsificationism has become the official philosophy of science. It’s drummed into the heads of scientists when they’re in graduate school and, with a few exceptions, they never learn anything else about philosophy of science and spend the rest of their career thinking that Popper’s conception of science is still the gold standard. In fact, however, not only is falsificationism not the gold standard, but it never was. Indeed, I think it’s fair to say that, despite the incredible popularity it has achieved, falsificationism was always opposed by most philosophers of science and it’s certainly the case that nowadays virtually all of them reject it. Moreover, philosophers of science have excellent reasons to do so, because there are very strong arguments against falsificationism." Der Autor unterscheidet allerdings wie gesagt zwischen Poppers originalen Ansichten (die er zwar auch kritisiert) und einer "kruden" Variante seiner Theorie (die er noch deutlich mehr kritisiert). Nach der kruden Sichtweise ist "Falsifizierbarkeit" so viel wie "Wissenschaftlichkeit". Dieser "krude" Falsifikationismus ist nach seiner Erfahrung aber weit verbreitet unter Naturwissenschaftlern: "I’ve had countless conversations with scientists in many different fields who recited to me exactly the crude falsificationist credo I attacked in my post. I’ve also had countless conversations with other philosophers or philosophically sophisticated scientists who told me they’ve had the same experience. Here is for instance what Sabine Hossenfelder, a theoretical physicist, wrote in a blog post about the negative consequences the popularity of this crude version of falsificationism had in the field of particle physics: Even in his worst moments Popper never said a theory is scientific just because it’s falsifiable. That’s Popper upside-down and clearly nonsense. Unfortunately, upside-down Popper now drives theory-development, both in cosmology and in high energy physics. [...] In fact, in response to my post, many scientists told me the crude version of falsificationism I criticized was uncritically accepted in their field." Eine Doktorandin der Psychologie etwa, so der Autor, habe in Reaktion auf seinen ersten Artikel beklagt, dass niemand sie auf die Probleme des (naiven) Falsifikationismus aufmerksam gemacht habe. Der Autor fährt fort: "After I published my post, she shared it on Twitter with the comment that, “in 10 years of higher education, not one person explained the problems with falsification”. Judging by the reactions to my post, and the fact that it was shared by hundreds of scientists, she wasn’t the only one." Ich hatte schon andernorts geäußert, dass es auch meinem Eindruck entspricht, dass ein (vereinfachter und problematischer) Falsifikationismus unter Wissenschaftlern ziemlich weit verbreitet ist. Aber warum ist das offenbar so? "This isn’t because scientists are stupid. I used to date a chemist who recited to me the crude falsificationist credo on several occasions, yet she is one of the smartest persons I have ever met in my life, and I have met a lot of very smart people. It’s just that naive falsificationism is all the philosophy of science they have ever been exposed to and, when you don’t take some time to think a bit harder about it (which most scientists don’t because it’s not their job), it’s not obvious that it’s false and it even seems pretty convincing, as I noted in my post. In fact, even after I published my post, there are still people who seem intent on defending this crude version of falsificationism. If you read the replies to my post, you will see that, while some people argue that Popper’s view was more sophisticated, the vast majority of the people who were not convinced by it make no such suggestion and instead seem to think that something like the crude version of falsificationism is correct despite my arguments." Das würde dann allerdings auch für das sprechen, was ich bereits im anderen Thread als erfahrungsbasierte These geäußert hatte: Dass Wissenschaften und Wissenschaftstheorie "kognitiv" doch ein gutes Stück auseinanderzuliegen scheinen. Ein Experte der Wissenschaft ist nicht zwingend auch ein Experte der Wissenschaftstheorie. Jetzt könnte man natürlich versucht sein zu sagen, dass die Philosophie mit der Verbreitung einer schlechten Wissenschaftstheorie zuerst das Problem geschaffen hat, für das sie dann mit einer besseren Wissenschaftstheorie eine Lösung bieten könnte. Ich bezweifle das: Dass es nicht die Philosophen sind, die einen "kruden" Popperianismus vorantreiben, spricht für sich. Das Problem scheint mir grundlegender zu sein: Auch Wissenschaftler wollen vermutlich ein grundsätzliches Verständnis davon haben, wie Wissenschaften - erkenntnistheoretisch gesehen - überhaupt funktioniert. Gäbe es Popper bzw. die Simplifikation der Popperschen Theorie nicht, hätten sich daher früher oder später auch ganz ohne professionelle Philosophie vermutlich vergleichbare wissenschaftstheoretische Auffassungen entwickelt und unter Wissenschaftlern ausgebreitet. Ich sehe hier zwei grundsätzliche Lösungs-Möglichkeiten (wenn man eine schlechte Wissenschaftsphilosophie denn überhaupt als "Probelm" ansieht, was aber beispielsweise Frau Hossenfelder ja tut): - Entweder beschränken sich Wissenschaftler ganz auf die Methodenlehre, die sie direkt in ihrem Alltag brauchen (etwa Statistik), und blenden dabei alle grundsätzlicheren wissenschaftstheoretischen Fragen konsequent aus. Diese Option ist aus meiner Sicht legitim. Sie wird sicher auch in manchen Fällen funktionieren - ich würde jedoch bezweifeln, dass sie auf Dauer generell gut funktioniert. Wie gesagt: Auch Wissenschaftler wollen vermutlich auf einer abstrakten, hochstufigen Ebene verstehen, was sie tun und warum das offenbar einen Sinn ergibt. - Oder eine gewisse Befassung mit "professioneller" Wissenschaftstheoie ist vielleicht doch irgendwo sinnvoll. (Der letzteren These hätte wohl auch Einstein zugestimmt: "How does it happen that a properly endowed natural scientist comes to concern himself with epistemology? Is there not some more valuable work to be done in his specialty? That’s what I hear many of my colleagues ask, and I sense it from many more. But I cannot share this sentiment. When I think about the ablest students whom I have encountered in my teaching—that is, those who distinguish themselves by their independence of judgment and not just their quick-wittedness—I can affirm that they had a vigorous interest in epistemology. They happily began discussions about the goals and methods of science, and they showed unequivocally, through tenacious defense of their views, that the subject seemed important to them.") Vielleicht lautet die Alternative in der Praxis nicht so sehr: "Wissenschaftstheorie vs. keine Wissenschaftstheorie", sondern oftmals eher: "Gute oder schlechte Wissenschaftstheorie." bearbeitet 25. November 2025 von iskander Zitieren
KevinF Geschrieben 25. November 2025 Melden Geschrieben 25. November 2025 @iskander Imo hat @Marcellinus mehr von Deiner Philosophie verstanden, als Du vermutlich auch nur ahnst. Ich werde Dir dementsprechend noch im Erkenntnistheorie-Thread antworten, kann aber einige Tage dauern, bevor ich dazu komme. Zitieren
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