duesi Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 In Gießen gibt es ein Gründungstreffen einer AfD-Jugendorganisation und 15000 Protestierende wollen das verhindern. Welche Antworten bietet der Glaube auf diese Problematik? Ein kurzer Schwenk in das Jahr 1968: Da gab es Studenten Revolten bei einer gleichzeitigen Gründung einer militanten Splittergruppe-der RAF. Das ganze hätte in einem Bürgerkrieg enden können - wenn nicht ... Johannes Rau suchte damals von Seiten der Politik das Gespräch mit den Studenten seiner Zeit. Johannes Rau war derjenige, der gesagt hat "man muss die Bibel und die Zeitung lesen". Er schafft es, eine Annäherung zwischen Politik und Studentenbewegung zustande zu bringen, was 1969 in der Wahl von Willi Brandt zum Bundeskanzler mündete. So könnte ein Bürgerkrieg angewendet werden. Heute - 57 Jahre später, gibt es wieder Gegenbewegungen zum Status Quo. Und ja - die AfD ist potentiell gefährlich, weil sie völkisches Gedankengut aufgreift und in Teilen der Gesellschaft wieder salonfähig macht. Welche Antworten bietet der Glaube? 1. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welchem Maß ihr messt, werdet ihr gemessen werden. Und wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet. 2. Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören. Langsam zum Reden. Langsam zum Zorn. 3. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Es geht mir nicht um eine tatenlose Passivität. Der AfD sollte man entgegen treten. Es geht mir um eine Kultur des Zuhörens. Wir sind stark in der Versuchung, eine Kultur der Scham und des Gut-Böse-Denkens zu etablieren. Wir entwickeln uns in die gleiche Richtung wie andere Schamkulturen. Und letztendlich wird uns das innerlich kaputt machen. Auch ein AfD-Wähler ist letztendlich ein Mensch mit ungestillten Bedürfnissen und inneren Verletzungen. Das Spukgespenst AfD besiegt man nicht durch Entmenschlichung seiner Sympathisanten, sondern durch Heilung der zugrunde liegenden Verletzungen. Wir brauchen wieder Menschen wie Johannes Rau. Die als Christen den Mut haben, das Gespräch zu suchen, ohne selbst zu Komplizen zu werden. Wir brauchen mehr Jesus Christus (zuhören, lieben, vergeben) und weniger Satan (Versuchung, Anklage und Verurteilung). 2 Zitieren
Shubashi Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 Ich denke, es gibt keine spezifisch christliche Perspektive im Umgang mit Politik, nur eine sachbezogene. Zudem ist es eine feste Überzeugung der Forumsbesitzer, dass man darüber nicht diskutieren sollte, weswegen allein Versuch dazu aussichtslos ist. 1 Zitieren
rorro Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 Es geht in duesis Anliegen nicht um Parteipolitik, sondern um den christlichen Umgang mit Menschen, die - in diesem Fall politisch - komplett anderer Meinung sind als man selbst. Das ist kein politisches Thema. 1 Zitieren
Flo77 Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 vor 1 Minute schrieb rorro: Es geht in duesis Anliegen nicht um Parteipolitik, sondern um den christlichen Umgang mit Menschen, die - in diesem Fall politisch - komplett anderer Meinung sind als man selbst. Das ist kein politisches Thema. Aber ein sehr zwiespältiges anscheinend. Nachdem unser Herr Jesus erwartet hat, Cäsar zu geben, was Cäsars ist und für die zu beten, die einem das Leben schwermachen, gehen unsere Bischöfe - allen voran seine Eminenz Heiner Kardinal Koch von Berlin - ja einen deutlich konsequenteren Weg. Das Erzbistum fordert ja von seinen Ehrenamtlichen neuerdings einen Gesinnungstest. Zitieren
Cosifantutti Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 vor 2 Stunden schrieb Flo77: Aber ein sehr zwiespältiges anscheinend. Nachdem unser Herr Jesus erwartet hat, Cäsar zu geben, was Cäsars ist und für die zu beten, die einem das Leben schwermachen, gehen unsere Bischöfe - allen voran seine Eminenz Heiner Kardinal Koch von Berlin - ja einen deutlich konsequenteren Weg. Das Erzbistum fordert ja von seinen Ehrenamtlichen neuerdings einen Gesinnungstest. Der Erzbischof von Berlin ist kein Kardinal, du verwechselst ihn mit Kardinal Koch aus der Schweiz….. ansonsten gilt ja grundsätzlich der argumentative, kritische, rationale Diskurs….. wenn man strikt die rationale, argumentative Ebene beibehält benötigt man keinerlei „zusätzliches“ „christliches“ Attribut…. Es ist ja ähnlich, wie bei der Initiative der Familienunternehmer vor ein paar Tagen zum Umgang mit der AfD. Ich würde mir als Unternehmer einfach mal die wirtschaftspolitischen, ökonomischen Positionen der AfD anschauen und dann analysieren, wie „nachhaltig“ Das Wirtschaftskonzept dieser Partei ist. Was das Christentum, die Kirche betrifft: Hier wäre zu fragen, welches grundsätzliche Menschenbild diese Partei vertritt und ob das mit dem christlichen Menschenbild noch kompatibel ist. Längerfristig wäre dann ja auch angesichts der Gründung der Jugendorganisation der AfD zu fragen, wenn man sich dieses Klientel mal genauer anschaut, das die Absicht und den Willen hat, in Zukunft politische Verantwortung zu tragen und die Zukunft mitgestalten möchte, ob man diese spezielle Richtung und Verständnis von Politik ganz grundsätzlich unterstützen möchte oder nicht….. Zitieren
Dies ist ein beliebter Beitrag. rorro Geschrieben 30. November 2025 Dies ist ein beliebter Beitrag. Melden Geschrieben 30. November 2025 (bearbeitet) vor einer Stunde schrieb Cosifantutti: Was das Christentum, die Kirche betrifft: Hier wäre zu fragen, welches grundsätzliche Menschenbild diese Partei vertritt und ob das mit dem christlichen Menschenbild noch kompatibel ist. Diese Kompatibilität sehe ich bei manch anderen Parteien nicht nur links nicht minder gefährdet. Doch wie gesagt geht es nicht darum: es geht um die eigentliche „Seelsorgeeinheit“, den einzelnen Menschen. duesi nannte Johannes Rau als Beispiel für jemanden, der mit jedem sprach. Es geht auch nicht darum, daß es für jedes Gespräch die offene Bühne braucht, es sollte uns Christen um den Menschen und nicht um gesellschaftliche Symbole gehen. Aktuell vermitteln zahlreiche Menschen, die in der Kirche aktiv sind mit welchen Ämtern auch immer, daß ein gewisser Teil der Bevölkerung nicht dazugehören darf. Darf ein Wähler der AfD noch am Grill beim Pfarrfest stehen, darf er noch bei Fronleichnam mitlaufen, wird ihm noch die Krankenkommunion gebracht? Um es gelinde zu sagen: diesen Menschen verkündet die Kirche gerade nicht die Liebe Gottes. bearbeitet 30. November 2025 von rorro 4 2 Zitieren
Flo77 Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 vor 4 Stunden schrieb Cosifantutti: Der Erzbischof von Berlin ist kein Kardinal, du verwechselst ihn mit Kardinal Koch aus der Schweiz… Genau genommen habe von den Kardinälen Meisner und Woelki auf Koch als EB von Berlin geschlossen, ignorierend, daß das Kardinalat nicht an Berolina sondern der Colonia hängt. Zitieren
MartinO Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 vor 6 Minuten schrieb Flo77: Genau genommen habe von den Kardinälen Meisner und Woelki auf Koch als EB von Berlin geschlossen, ignorierend, daß das Kardinalat nicht an Berolina sondern der Colonia hängt. Kirchenrechtlich hängt das Kardinalat an keinem Bistum - und gerade Papst Franziskus hat einige Bischöfe zu Kardinälen ernannt, die die ersten in ihrer Bistumsgeschichte waren, die Purpur tragen durften - etwa Lászlo Német (Belgrad) - und umgekehrt Bischöfe traditioneller Kardianlsbistümer - etwa Mario Delpini (Mailand) - nicht zu Kardinälen ernannt. Berlin hatte eine Kardinalstradition von Preysing bis Woelki (mit Ausnahme Weskamms), möglicherweise auch in der Nachfolge Breslaus als drittem traditionellen deutschen Kardinalssitz. Zitieren
Cosifantutti Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 vor 36 Minuten schrieb Flo77: Genau genommen habe von den Kardinälen Meisner und Woelki auf Koch als EB von Berlin geschlossen, ignorierend, daß das Kardinalat nicht an Berolina sondern der Colonia hängt. Die Kardinäle werden vom jeweiligen Papst vollkommen frei „kreiert“, es gibt da keinerlei „Erbhöfe“ / Bistüme, Erzbistüme, die irgendeinen Anspruch auf ein „Kardinalat“ haben. Franziskus hat das ganz konsequent umgesetzt Zitieren
Cosifantutti Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 vor 3 Stunden schrieb rorro: Diese Kompatibilität sehe ich bei manch anderen Parteien nicht nur links nicht minder gefährdet. Doch wie gesagt geht es nicht darum: es geht um die eigentliche „Seelsorgeeinheit“, den einzelnen Menschen. duesi nannte Johannes Rau als Beispiel für jemanden, der mit jedem sprach. Es geht auch nicht darum, daß es für jedes Gespräch die offene Bühne braucht, es sollte uns Christen um den Menschen und nicht um gesellschaftliche Symbole gehen. Aktuell vermitteln zahlreiche Menschen, die in der Kirche aktiv sind mit welchen Ämtern auch immer, daß ein gewisser Teil der Bevölkerung nicht dazugehören darf. Darf ein Wähler der AfD noch am Grill beim Pfarrfest stehen, darf er noch bei Fronleichnam mitlaufen, wird ihm noch die Krankenkommunion gebracht? Um es gelinde zu sagen: diesen Menschen verkündet die Kirche gerade nicht die Liebe Gottes. Es geht doch weniger um potentielle „Wähler“ einer bestimmten Partei, die Wahlen in einer Demokratie sind ja geheim und niemand sollte sich in dieser Hinsicht „outen müssen…. Es geht direkt um konkrete Positionen einer politischen Partei zu unterschiedlichen gesellschaftliche und ökonomischen Fragestellungen und es geht auch um das konkrete politische „Personal“, die sich um politische Ämter ( zB Abgedorneten-Mandate ) bewerben…. Zitieren
rorro Geschrieben 30. November 2025 Melden Geschrieben 30. November 2025 (bearbeitet) vor 56 Minuten schrieb Cosifantutti: Es geht doch weniger um potentielle „Wähler“ einer bestimmten Partei, die Wahlen in einer Demokratie sind ja geheim und niemand sollte sich in dieser Hinsicht „outen müssen…. Von müssen spricht keiner. Doch warum soll es jemand nicht sagen dürfen, daß er eine erlaubte Partei wählt, ohne gesellschaftliche Nachteile zu befürchten? Persönlich arbeite ich genauso mit Wählern der AfD wie mit denen der Linken. Das hat auch keinerlei Einfluß auf eine Bewertung meinerseits. vor 56 Minuten schrieb Cosifantutti: Es geht direkt um konkrete Positionen einer politischen Partei zu unterschiedlichen gesellschaftliche und ökonomischen Fragestellungen und es geht auch um das konkrete politische „Personal“, die sich um politische Ämter ( zB Abgedorneten-Mandate ) bewerben…. Das ist eben die Frage, worum es geht. Geht es um das offizielle Programm? Dann wird es schwierig da was zu finden, was den Vorwürfen entspricht. Geht es um das Auftreten von führenden Parteivertretern? Dann wird es deutlich leichter. Geht es also um Kontaktschuld, auch für den Menschen, der sich „nur“ im Gemeinderat engagieren will? Im Bundestag sehe ich keine Partei, die viel mit dem Evangelium am Hut hat. Wirklich keine. bearbeitet 30. November 2025 von rorro 1 Zitieren
duesi Geschrieben 1. Dezember 2025 Autor Melden Geschrieben 1. Dezember 2025 vor 15 Stunden schrieb Shubashi: Ich denke, es gibt keine spezifisch christliche Perspektive im Umgang mit Politik, nur eine sachbezogene. Zudem ist es eine feste Überzeugung der Forumsbesitzer, dass man darüber nicht diskutieren sollte, weswegen allein Versuch dazu aussichtslos ist. Es gibt keine spezifisch christliche Politik. Soweit stimme ich zu. Denn wo der Geist des Herrn weht, da ist Freiheit. Gott hat uns nicht die Autorität als Christen in die Hand gegeben, den Regierenden zu sagen, wie sie ihren Job machen sollen. Dennoch gibt es einen christlichen Umgang mit dem Thema Politik jenseits moralistischer Vorgaben. Zitieren
duesi Geschrieben 1. Dezember 2025 Autor Melden Geschrieben 1. Dezember 2025 vor 13 Stunden schrieb Flo77: Aber ein sehr zwiespältiges anscheinend. Nachdem unser Herr Jesus erwartet hat, Cäsar zu geben, was Cäsars ist und für die zu beten, die einem das Leben schwermachen, gehen unsere Bischöfe - allen voran seine Eminenz Heiner Kardinal Koch von Berlin - ja einen deutlich konsequenteren Weg. Das Erzbistum fordert ja von seinen Ehrenamtlichen neuerdings einen Gesinnungstest. Jedes Bistum ist erstmal eigenständig. Dennoch darf ich als gläubiger Christ im Bistum eines Reinhard Marx darauf vertrauen, dass mein Bischof vom Heiligen Geist inspiriert ist, wenn er mir abrät, mit der AfD zu sympathisieren oder AfD-Sympatisanten in ehrenamtlichen Ämtern zuzulassen. Ich empfehle jedem das Buch "die Gerechten des Holocaust". https://d-nb.info/949071544/04 Dort finden wir sehr gut anhand vieler historischer Fakten belegt, dass nur solche Christen im dritten Reich in die Lage kamen, Juden zu helfen, die selbst gut vernetzt waren. Da gab es katholische Christen, die unter Bischöfen standen, die ihnen die Order gaben, Juden zu verstecken. Oder evangelische Christen aus der evangelischen reformierten Kirche in Holland, bei der NSDAP-Mitglieder exkommuniziert würden und die für ein Drittel aller Rettungsaktionen in den Niederlanden verantwortlich waren. Merke: Ein Christ, der nicht in seiner Kirchengemeinde oder geistlichen Gemeinschaft verwurzelt ist, mag vielleicht tugendhaft sein, aber er kann nichts bewirken, weil er außerhalb gesunder Netzwerke agiert. Zitieren
duesi Geschrieben 1. Dezember 2025 Autor Melden Geschrieben 1. Dezember 2025 vor 11 Stunden schrieb Cosifantutti: Der Erzbischof von Berlin ist kein Kardinal, du verwechselst ihn mit Kardinal Koch aus der Schweiz….. ansonsten gilt ja grundsätzlich der argumentative, kritische, rationale Diskurs….. wenn man strikt die rationale, argumentative Ebene beibehält benötigt man keinerlei „zusätzliches“ „christliches“ Attribut…. Es ist ja ähnlich, wie bei der Initiative der Familienunternehmer vor ein paar Tagen zum Umgang mit der AfD. Ich würde mir als Unternehmer einfach mal die wirtschaftspolitischen, ökonomischen Positionen der AfD anschauen und dann analysieren, wie „nachhaltig“ Das Wirtschaftskonzept dieser Partei ist. Was das Christentum, die Kirche betrifft: Hier wäre zu fragen, welches grundsätzliche Menschenbild diese Partei vertritt und ob das mit dem christlichen Menschenbild noch kompatibel ist. Längerfristig wäre dann ja auch angesichts der Gründung der Jugendorganisation der AfD zu fragen, wenn man sich dieses Klientel mal genauer anschaut, das die Absicht und den Willen hat, in Zukunft politische Verantwortung zu tragen und die Zukunft mitgestalten möchte, ob man diese spezielle Richtung und Verständnis von Politik ganz grundsätzlich unterstützen möchte oder nicht….. Entschuldigung, aber du unterliegst dem häufigen Missverständnis, dass wir Parteiprogramme wählen könnten. Das stimmt aber nicht, wir wählen in unserer repräsentativen Demokratie Verantwortungsträger, die manchmal eben auch Funktionsträger in Parteien sind. Und die Frage ist nicht: "Welches Parteiprogramm entspricht meiner Gesinnung?" Sondern: "Welchen Menschen möchte ich mein Vertrauen aussprechen?" Die NSDAP hatte niemals auf ihrem Wahlprogramm stehen, dass sie Juden vergasen wolle. Doch genau das beschlossen ihre Verantwortungsträger auf der Wannseekonferenz. Und im Umgang mit Politikern gibt es nicht nur den Wahlprozess. Es gibt auch die Art und Weise, wie ich über Politiker rede. Meine ich, immer besser zu wissen, wie richtige Politik geht oder gehe ich respektvoll mit Politikern um, die vielleicht nicht immer mir alles Recht machen können? Jesus sagt "gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist". Und Petrus sagt "fürchtet Gott. ehrt den König." Und ja, wenn ich wirklich im katholischen oder allgemein - christlichen Sinne mit Politik umgehen möchte, kann ich nicht jede Stammtischparole mitmachen. Zitieren
duesi Geschrieben 1. Dezember 2025 Autor Melden Geschrieben 1. Dezember 2025 vor 10 Stunden schrieb rorro: Diese Kompatibilität sehe ich bei manch anderen Parteien nicht nur links nicht minder gefährdet. Doch wie gesagt geht es nicht darum: es geht um die eigentliche „Seelsorgeeinheit“, den einzelnen Menschen. duesi nannte Johannes Rau als Beispiel für jemanden, der mit jedem sprach. Es geht auch nicht darum, daß es für jedes Gespräch die offene Bühne braucht, es sollte uns Christen um den Menschen und nicht um gesellschaftliche Symbole gehen. Aktuell vermitteln zahlreiche Menschen, die in der Kirche aktiv sind mit welchen Ämtern auch immer, daß ein gewisser Teil der Bevölkerung nicht dazugehören darf. Darf ein Wähler der AfD noch am Grill beim Pfarrfest stehen, darf er noch bei Fronleichnam mitlaufen, wird ihm noch die Krankenkommunion gebracht? Um es gelinde zu sagen: diesen Menschen verkündet die Kirche gerade nicht die Liebe Gottes. Danke für diesen Beitrag. Und ja, wenn mein Bischof mir sagt, ich solle einem Menschen, der offen AfD-Sympatisant ist, kein Ehrenamt anvertrauen, dann stehe ich erstmal zwischen den Stühlen, wenn ich vom Würstchengriller nach einem ausgiebigen Gespräch weiß, dass er die AfD vielleicht gar nicht so schlecht findet. Zunächst einmal bin ich hier nicht zum Denunziantentum zu erziehen. Es ist keine Pflicht vorhanden, dem zuständigen Pfarrer die Info weiterzugeben, dass der liebe Stefan (oder Michi) ein bisschen positiv zu AfD-Positionen gestimmt ist. Hier bin ich als Person und Christ gefragt, diesen Spagat auszuhalten und sowohl meinem Bischof mit Respekt als auch dem lieben Michi mit Liebe zu begegnen. Wenn ich den Eindruck habe, dass ein Gehorsam dem Bischof gegenüber mich in Gewissensnöte bringen würde, bin ich meinem Gewissen vor Gott immer noch stärker verpflichtet als meinem Bischof und darf mich in solchen Einzelfällen auch für den zivilen Ungehorsam entscheiden, nicht aber für die Revolte gegen den Bischof. Zitieren
duesi Geschrieben 1. Dezember 2025 Autor Melden Geschrieben 1. Dezember 2025 (bearbeitet) Ich persönlich belege niemanden mit persönlicher Ausgrenzung, nur weil er Sympathien zur AfD hegt. Ganz im Gegenteil suche ich das engagierte Gespräch mit respektvoller Nächstenliebe. bearbeitet 1. Dezember 2025 von duesi Zitieren
rorro Geschrieben 1. Dezember 2025 Melden Geschrieben 1. Dezember 2025 Politik ist systemimmanent spaltend. Das muss in einer parteigetriebenen Demokratie auch so sein. Ich sehe allerdings, zumal als Christ, nicht den geringsten Grund, das im Alltag auch mitzutun. Ich habe gute Freunde, mit denen ich nahezu nie über Politik rede. Warum auch? Das Leben bietet weitaus interessantere Themen. Zitieren
duesi Geschrieben 1. Dezember 2025 Autor Melden Geschrieben 1. Dezember 2025 Ich stimme zu, dass es viele andere interessante Gesprächsthemen gibt. Und ich wähle auch nie das Thema Politik, wenn sich nicht erst Vertrauen aufgebaut hat. Stimme aber nicht zu, dass es immanent spalterisch sein braucht. Spaltung ist ein Werk des Fleisches nach Galater 5 und verknüpft mit den sieben Todsünden oder Wurzelsünden. Ich glaube, dass es einen christlichen Auftrag gibt, Brücken zu bauen und Spaltung zu überwinden, auch in der Politik. Zitieren
Aleachim Geschrieben 1. Dezember 2025 Melden Geschrieben 1. Dezember 2025 Es gibt bei Cicero eine Podcastfolge wo Bernd Stegemann mit Bischof Wilmer im Gespräch ist. Sie sprechen unter anderem auch darüber, wie die Kirche mit der AfD umgehen sollte. Etwa ab 28:30 dreht es sich um dieses Thema. Kleiner Auszug: Stegemann: Aber dann wundere ich mich doch sehr über das Papier, das die Bischofskonferenz vor wenigen Monaten veröffentlicht hat, in dem sie sagt, mit AfDlern wollen wir nichts zu tun haben. [...] Aber sowohl unter einer politischen, aber natürlich vielleicht auch unter einer christlichen Perspektive, wäre doch gerade diese Menschengruppe, die sich verhärtet, die quasi im Ressentiment ihre politischen Energien großfüttert, ganz besonders bedürftig, eines irgendwie gearteten liebenden christlichen Beistands. Ich finde das Signal so komisch, dass man sagt, die sind jetzt politisch so verirrt [...] darum zieht die Kirche ihre rettende Hand zurück. Bischof Wilmer zitiert daraufhin ein paar No-Go-Sätze von AfD-Vertretern und zieht das Fazit, dass wir uns mit allen Kräften gegen die Anfänge einer solchen Dynamik wehren müssen. Stegemann kontert mit Jesus, der sich den Zöllnern zugewandt hat. Er stimmt Wilmer zu, dass die AfD extrem gefährlich ist, meint aber dann, dass wir uns fragen müssten: Was für Brücken können wir denn da jetzt bauen, um diese Menschen, aus ihrem Gefängnis der Rache, des Hasses, des Ressentiments, der Menschenfeindlichkeit wirklich herauszulocken und herauszuholen, sie zu befreien? 1 1 Zitieren
rorro Geschrieben 2. Dezember 2025 Melden Geschrieben 2. Dezember 2025 vor 7 Stunden schrieb Aleachim: Es gibt bei Cicero eine Podcastfolge wo Bernd Stegemann mit Bischof Wilmer im Gespräch ist. Sie sprechen unter anderem auch darüber, wie die Kirche mit der AfD umgehen sollte. Etwa ab 28:30 dreht es sich um dieses Thema. Kleiner Auszug: Stegemann: Aber dann wundere ich mich doch sehr über das Papier, das die Bischofskonferenz vor wenigen Monaten veröffentlicht hat, in dem sie sagt, mit AfDlern wollen wir nichts zu tun haben. [...] Aber sowohl unter einer politischen, aber natürlich vielleicht auch unter einer christlichen Perspektive, wäre doch gerade diese Menschengruppe, die sich verhärtet, die quasi im Ressentiment ihre politischen Energien großfüttert, ganz besonders bedürftig, eines irgendwie gearteten liebenden christlichen Beistands. Ich finde das Signal so komisch, dass man sagt, die sind jetzt politisch so verirrt [...] darum zieht die Kirche ihre rettende Hand zurück. Bischof Wilmer zitiert daraufhin ein paar No-Go-Sätze von AfD-Vertretern und zieht das Fazit, dass wir uns mit allen Kräften gegen die Anfänge einer solchen Dynamik wehren müssen. Stegemann kontert mit Jesus, der sich den Zöllnern zugewandt hat. Er stimmt Wilmer zu, dass die AfD extrem gefährlich ist, meint aber dann, dass wir uns fragen müssten: Was für Brücken können wir denn da jetzt bauen, um diese Menschen, aus ihrem Gefängnis der Rache, des Hasses, des Ressentiments, der Menschenfeindlichkeit wirklich herauszulocken und herauszuholen, sie zu befreien? Ich dachte auch immer, die Kranken brauchen den Arzt und nicht die Gesunden. In Deutschand gilt wohl ein anderes Evangelium. Zitieren
Aleachim Geschrieben 2. Dezember 2025 Melden Geschrieben 2. Dezember 2025 vor 10 Stunden schrieb rorro: Ich dachte auch immer, die Kranken brauchen den Arzt und nicht die Gesunden. In Deutschand gilt wohl ein anderes Evangelium. Ich würde jetzt nicht sagen, dass Bischof Wilmer in diesem Gespräch ein "anderes Evangelium" vertritt, nur weil er nicht in der Ausprägung wie Stegemann bereit ist, auf AfDler zuzugehen. Er gibt Stegemann ja grundsätzlich recht und sagt, dass man natürlich auch den Dialog suchen sollte, aber man bestimmte Positionen einfach nicht dulden, ignorieren, oder gar gutheißen kann. In dem Fall müsse man sich klar dagegen stellen. Und irgendwie stimme ich ihm auch zu. Jeder, der die Brandmauer und andere Abwehrversuche verteidigt oder notwendig findet, hat dafür ja einen guten Grund. Ein möglicher Grund (vielleicht der Hauptgrund), den glaub ich Bischof Wilmer auch nennt, ist der Schutz von Schwächeren. Es wird in diesem Podcast (ein Stück vor der AfD-Thematik, glaub ich), thematisiert, dass es eine wichtige Aufgabe der Kirche ist, auf der Seite der Opfer zu stehen. Stegemann würdigt das als ganz großes Verdienst. Gibt dann aber zu bedenken, dass das heute schnell kippt. Es werden nur noch die Opfer gehört. Es wird nur noch den Opfern geglaubt. Täter (und manchmal sogar nur Verdächtige) werden komplett ausgeschlossen, manchmal fast entmenschlicht. Zum Schutz der Opfer dürfe man diesen Menschen gar nicht mehr zuhören. Ich glaube, diese Problematik wird ganz oft verkannt, deshalb wähnt man sich nicht nur im Recht, sondern sogar in der Pflicht, so konsequent gegen AfD-Mitglieder, -Wähler oder -Sympathisanten vorzugehen. Ja nicht das kleinste Zugeständnis. Die Grundintention ist eine gute (Das sollte man anerkennen.) Aber vor lauter Angst, ist man auf einem Auge blind und sieht nicht mehr, dass niemand nur Täter ist. Und mir scheint, dass da einfach auch der Glaube fehlt, dass es etwas in einem Menschen verändert, wenn man ihm mit Liebe begegnet. Ich glaube, es ist ein anderes Interview mit Stegemann, wo er erzählt, dass es in einem Theater, in dem er gearbeitet hat, auch mal die Überlegung gab, dass AfD-Mitglieder keinen Zutritt haben sollten. Er stellte sich vehement dagegen, mit der Begründung, dass er daran glaube, dass Theater wirklich etwas bewirken kann und mehr ist, als bloße Unterhaltung. Mit diesem Glauben müsste man vielmehr sagen, AfD-Mitglieder zahlen nur den halben Preis. Womöglich könnten regelmäßige Theaterbesuche einen AfDler zu einer anderen Ansicht bewegen... (Ich denke, das war mit einem Augenzwinkern gemeint. Aber die Grundidee finde ich richtig!) Zitieren
Flo77 Geschrieben 2. Dezember 2025 Melden Geschrieben 2. Dezember 2025 (bearbeitet) vor 36 Minuten schrieb Aleachim: aber man bestimmte Positionen einfach nicht dulden, ignorieren, oder gar gutheißen kann. Da kriege ich gelinde gesagt das blanke.... Was bitte soll denn "nicht dulden" bedeuten? Den Mund verbieten? Die Gedanken verbieten? Umerziehungslager? Beugehaft (die Katholika exkommuniziert traditionell ihre Häretiker um sie zur "Umkehr" aka Unterwerfung zu "bewegen" insofern weiß Wilmer wohl auf welchem Eis er sich da bewegt)? Meidung wie bei den Amish, den Mormonen, den ZJ oder den Muslimen, bei denen Eltern nicht einmal mehr mit ihren Kindern reden dürfen und vice versa wenn einer davon nicht mehr der Herde folgt? Ich werde am kommenden Sonntag das erste Mal seit langem an einer Messe teilnehmen, weil meine Tochter darum gebeten hat - "gemischt" ist noch der netteste Begriff, der mir für meine Gefühlslage im Moment dazu einfällt. Davon mal, ab daß die Bischöfe ja mal gerne konkret werden dürften, WELCHE Positionen man ihrer Meinung nach nicht vertreten dürfe. Aber da kommt ja auch nichts, was man mal festnageln könnte. Wenn das mal klar benannt werden würde UND dann auch noch eine schlüssige Argumentation, warum das nicht mit dem von der Kirche verkündeten Evangelium vereinbar sei, vorliegt, DANN könnte man VIELLEICHT mal darüber reden, ob es unkatholische politische Positionen jenseits der Abtreibungsfrage gibt, die eine Exkommunikation rechtfertigen würden. bearbeitet 2. Dezember 2025 von Flo77 3 Zitieren
Cosifantutti Geschrieben 2. Dezember 2025 Melden Geschrieben 2. Dezember 2025 Am 1.12.2025 um 03:05 schrieb duesi: Entschuldigung, aber du unterliegst dem häufigen Missverständnis, dass wir Parteiprogramme wählen könnten. Das stimmt aber nicht, wir wählen in unserer repräsentativen Demokratie Verantwortungsträger, die manchmal eben auch Funktionsträger in Parteien sind. Und die Frage ist nicht: "Welches Parteiprogramm entspricht meiner Gesinnung?" Sondern: "Welchen Menschen möchte ich mein Vertrauen aussprechen?" wie kommst du denn auf die aberwitzige Idee, dass ich denke, dass wir „Parteiprogramme wählen“ ??? Was allerdings bei dir vollkommen unterbelichtet ist: Über die Zusammensetzung des Parlamentes und damit auch über die Möglichkeiten der Regierungsbildung entscheiden wir wesentlich dadurch, dass wir eben doch Parteien wählen. Unabhängig von konkreten Personen kann ich selbstverständlich die verschiedenen Parteien ich anhand ihrer Programmatik unterscheiden: Linke, Grüne, SPD, CDU / CSU Ea geht um verschiedene politischen Interessen, die durch verschiedene Parteien vertreten werden… Zitieren
nannyogg57 Geschrieben 2. Dezember 2025 Melden Geschrieben 2. Dezember 2025 Soweit ich informiert bin, sind Mitglieder der AfD von der Kandidatur zum PGR ausgeschlossen, zumindest im Erzbistum München und Freising. Aber was das Wählen betrifft, das ist eine Grauzone. Ich wette, dass unter unseren regelmäßigen Kirchgängern und Kirchgängerinnen Leute sind, die AfD wählen, selbst Ehrenamtliche an der Grillstation. Solange sie das Ehrenamt nicht nutzen um für Positionen der AfD zu werben, die nicht mit den Werten Jesus zu vereinbaren sind, ist das, denke ich, nicht problematisch. Wir müssen uns vor Augen halten, dass die Evangelien geschrieben wurden, da ging die politische Macht vom Cäsar aus, nicht vom Volk. Parteipolitik und Wahlen gab es nicht, Christen und Christinnen hatten keinen politischen Einfluss. Als das Christentum dann an den Schalthebeln der Macht saß und der Cäsar plötzlich Kaiser von Gottes Gnaden war, bekam das Jesuswort "Gebt dem Kaiser ..." einen ganz anderen Kontext. Der historische Kontext war btw, ob man seine Steuern zahlen soll oder ob es dem jüdischen Glaubens widersprach, Steuern an den Besetzer des gelobten Landes zu zahlen ... Jesus meinte nur, dass man seine Steuern zahlen soll, nicht mehr und nicht weniger. 1 Zitieren
Guppy Geschrieben 2. Dezember 2025 Melden Geschrieben 2. Dezember 2025 vor 5 Stunden schrieb Flo77: Davon mal, ab daß die Bischöfe ja mal gerne konkret werden dürften, WELCHE Positionen man ihrer Meinung nach nicht vertreten dürfe. Aber da kommt ja auch nichts, was man mal festnageln könnte. Wenn das mal klar benannt werden würde UND dann auch noch eine schlüssige Argumentation, warum das nicht mit dem von der Kirche verkündeten Evangelium vereinbar sei, vorliegt, DANN könnte man VIELLEICHT mal darüber reden, ob es unkatholische politische Positionen jenseits der Abtreibungsfrage gibt, die eine Exkommunikation rechtfertigen würden. Witzigerweise ist die AfD die einzige Partei, die in der Abtreibungsfrage überhaupt den gesetzlichen Schutz der Ungeborenen verbessern möchte. Zitieren
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