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Was ließ Euch katholisch werden?


Axel
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Von einigen, die in diesem Forum sehr emphatisch für den katholischen Glauben streiten, ist zwischen den Zeilen herauszulesen gewesen, daß sie nicht die normale Sozialisation eines Katholiken durchlaufen, sondern  erst später aus freien Stücken zur römischen Kirche gefunden haben.

 

Auf Svens Homepage kann man lesen, daß er erst seit kurzem, dafür um so heftiger katholisch ist. Robert verweist darauf, protestantisch getauft worden zu sein. Diomira hat von ihrer Konversion erzählt. Wahrscheinlich sind noch mehr in diesem Forum.

 

Wer im Erwachsenenalter konvertiert, der entscheidet sich bewußt für ein Glaubensprogramm, das inzwischen immer mehr Menschen für hinverbrannt und grotesk halten (siehe unsere A&A-Fraktion).  Wenn man den Thead liest "Was muß ein Katholik glauben" bzw. "Das Meßopfer", dann werden da halbe Philosophiebücher abgeschrieben - aber waren es wirklich diese philosophischen Gedankengebäude, die Euch dazu bewegt haben?

 

Neugierig

Axel

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Ich denke, das ist wie bei jedem Fanclub: man fühlt sich von etwas "angerührt", etwas trifft einem im tiefsten Innreren (John Travolta, James Dean oder Jesus Christus) und dann findet man in der Gemeinschaft eben Gleichgesinnte und das Gruppenerlebnis.

 

Egal ob es sich um eine - wie Axel zu recht bemerkt - groteske Ideiologie handelt oder nicht: Ich steh nicht so sehr auf Herden- und Gruppenfeeling. Ich bin noch immer nicht in der IBKA, obwohl das wirklich für einen verdammt guten Zweck wäre.

 

 

Lissie

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Hallo,

bisher habe ich den Eindruck gewonnen, dass die meisten Konvertierten ihren Glauben vorher nicht sehr ernst genommen haben. Ist dieser Eindruck richtig?

 

Ebenfalls neugierig

 

(Geändert von Rafael um 12:24 - 10.Mai.2001)

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sstemmildt

Als dann, ich will versuchen, es nicht gar zu lang machen.

 

1. Vorgeschichte:

Ich bin in einer atheistischen Familie aufgewachsen. Meine Großeltern bereits waren zwar (protestantisch) getauft, hatten mit der Kirche aber nicht mehr viel am Hut. Meine Eltern sind - allerdings mehr aus gesellschaftlichen Motiven - auch getauft worden, waren aber nie mit der Kirche verbunden. Mein Vater ist eher nicht so philosophisch gestrickt (Ingenieur - ), meine Mutter hingegen ist flammende Atheistin. Beide sind in der DDR aufgewachsen und 1961 in die Bundesrepublik geflohen. Bei meinem Vater hatte das wirtschaftliche Gründe; meine Mutter hingegen war zwar überzeugte Sozialistin, gleichzeitig aber auch Pazifistin - sie wollte verhindern, daß mein älterer Bruder am Wehrkundeunterricht teilnehmen mußte. Daher war ich selbst auch zunächst Atheist. Ich habe schon in der Grundschule harte Debatten mit meinen christlichen Mitschülern geführt, weil ich sie davon überzeugen wollte, wie blödsinnig ihr Glaube war.

 

Trotzdem haben mich meine Eltern immer dazu angehalten, der religiösen Überzeugung anderer gegenüber respektvoll zu sein. Sie haben mich auch in gewissem Rahmen die Bedeutung der Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt etc. gelehrt, allerdings mehr aus Gründen der Allgemeinbildung. Wir hatten auch immer eine Bibel im Haus - aus den gleichen Gründen - weil meine Eltern der Meinung waren, daß das ein ganz besonderes Stück Literatur mit einer kulturell wie ethisch hoch wertvollen Botschaft sei. Das führte originellerweise dazu, daß ich um einiges "bibelfester" war als die meisten meiner Schulkameraden. Schließlich war ich auch immer im Religionsunterricht. Auch das hatte kulturelle Gründe, aber auch einen sehr traurigen Hintergrund: Meine ältere Schwester mußte, als meine Eltern in den "Westen" gekommen waren, während die anderen Kinder Religionsunterricht hatten, in der Ecke stehen. Es hat Jahre gedauert, bis meine Schwester das meinen Eltern gesagt hatten, der betreffende Lehrer war dann schon lange weg. Das wollten meine Eltern mir ersparen - und bei mir ruft diese Erzählung bis heute immer wieder einen flammenden Zorn auf jede religiöse Vernageltheit hervor. Gleichzeitig führte das aber auch bei meinen Eltern nicht zu einer allgemeinen Verdammung des Christentums; so war damals der Ortspfarrer der beste Freund meiner Eltern (verbunden im Leid, als Akademiker in ein nordhessisches Kaff verschlagen zu sein).

 

2. Entwicklung

Bis ca. zu meinem 15. Lebensjahr blieb meine Haltung unverändert. Dann beschäftigte ich mich in den nächsten Jahren  - wie wohl jeder in diesem Alter - langsam mit Philosophie (soweit man das halt kann). Ich las Hesse etc., beschäftigte mich (angeregt von einer Witzesammlung von Salcia Landmann) mit dem Judentum, verschlang Sekundärliteratur über Kant, Hegel, Sokrates, Plato, aber auch (ich nahm LK Physik) Einstein und Planck (wobei ich von letzterem nun wirklich überhaupt nichts mehr verstanden habe).

 

Gleichzeitig bekam ich neue Lehrer im Religionsunterricht, einen evangelischen Pfarrer und anschließend eine Lehrerin, die sich von meinen gelegentlichen atheistischen Provokationen nicht aus der Ruhe bringen ließen, sondern "meinem Affen Zucker gaben". Sie stellten unter Beweis, daß man gleichzeitig gläubig und intellektuell sein konnte. Das reizte mich zum Widerspruch - beeindruckte mich gleichzeitig natürlich.

 

Meine philosophischen Betrachtungen (Erkenntnisse oder Überlegungen will ich sie mangels Stringenz und Tiefe nicht nennen) bestärkten mein Bewußtsein der Grenzen verstandesmäßiger Erkenntnis. Gleichzeitig aber stellte ich fest, daß ich allen Skrupeln und Zweifeln zum Trotz doch so etwas wie einen "inneren Kompaß" haben müsse. Aus Literatur und Geschichte entnahm ich, daß dieselben Probleme und auch Grundüberzeugungen scheinbar auch Menschen früherer Zeiten hatten, die unter völlig anderen Umständen gelebt hatten. Das wiederum brachte mich zu der Überlegung, daß es vielleicht doch ein "Etwas" gebe, das unabhängig von zeitlichen Abläufen solche Dinge bestimmt - auch wenn man es nicht intellektuell oder rational fassen könne. Ähnliche Überlegungen stellte ich auch an, was die Kosmologie betrifft: Die Welt kam mir einfach zu kunstvoll gestaltet vor, als daß sie nur zufällig entstanden sein könnte.

 

Im Jurastudium kam ich zum ersten Mal intensiver mit anderen Leuten in Berührung, denen ihre Religiosität viel bedeutete. Das war nicht immer so, wie ich es begrüßen würde - ein guter Freund von mir z.B. hatte eine sehr starke Religiosität, die er aber wirklich als "Krücke" zu mißbrauchen schien. Wenn er Probleme hatte, betete er, nicht zusätzlich zur praktischen Problemlösung, sondern an deren Stelle. Auch begegnete ich einigen, die mit ihrem Glauben massive Probleme hatten, die ich aber als unbegründet empfand: Sie ärgerten sich über einzelne Pfarrer, an bestimmten Riten oder Praktiken der Kirche, obwohl die nach meinem Eindruck gar nicht so viel mit dem Glauben, sondern mit den Fehlern derjenigen zu tun hatten, die sie praktizierten. Um einigen meiner Freunde zu helfen - und aus eigener Neugierde - begann ich, mich näher mit diesen Problemen zu befassen. Mir war klar, daß ich dabei im Rahmen ihres "Koordinatensystems" argumentieren mußte. Also begann ich, mir dieses Koordinatensystem - zunächst zu didaktischen Zwecken - anzueignen. Und je mehr ich darüber sprach, desto mehr überzeugte ich nicht nur sie, sondern vor allem mich selbst.

 

So ging es weiter. Zu erwähnen wäre dann noch ein Ausbilder im Anwaltspraktikum - ein echter Hardcore-Katholik, an dem wahrscheinlich "WeisserRabe" seine Freude gehabt hätte, aber eben auch ein brillianter Anwalt und großartiger "Kopf". Ich war wohl an keiner einzigen Stelle mit ihm einer Meinung, aber wir stritten bei stundenlangen Autofahrten sehr fruchtbar, wobei er meine Meinungen mit Begeisterung auseinandergenommen hat, meine Position aber stets respektierte.

 

Tja. Irgendwann - es muß irgendwann zwischen 1990 und 1993 gewesen sein - kam ich zu dem Ergebnis, daß ich, ohne es zu merken, die Schwelle zum Glauben überschritten habe. 1993 bin ich nach Dresden gegangen, um dort zu jobben. Direkt neben meiner Arbeitsstelle lag eine katholische Kirche.

 

Ich war bis dahin zu der Überzeugung gelangt, daß der katholische Glaube für mich der richtige ist. Das mag durchaus daran liegen, daß ich die "Don Camillo-und-Peppone"-Filme schon als Kind geliebt habe. Ein Grund mag auch sein, daß ich als Jurist mit der strengen Argumentation der katholischen Kirche weniger Probleme habe. Mal ganz abgesehen davon, daß meinem insgesamt barocken Wesen der Ritus der katholischen Kirche naheliegt.

 

Also ging ich eines Tages in Dresden in die Messe und nachher zum Pfarrer. Als ich ihm sagte, daß ich zur Taufe gehen möchte, ist er vor Begeisterung fast umgefallen. Dann habe ich das einjährige Katechumenat mitgemacht und bin in der Osternacht 1994 getauft worden.

 

3. Fazit

Leider kann ich nicht mit "Damaskus-Erlebnissen" dienen. Vor mir ist kein Blitz eingeschlagen, zu mir hat auch kein brennender Busch gesprochen. Da ich nach wie vor ein glühender Anhänger des kritischen Rationalismus bin, hätte ich dabei vielleicht auch eher daran geglaubt, daß ich etwas falsches gegessen hätte. Trotzdem glaube ich, daß bei der ganzen Entwicklung der Heilige Geist seine Finger im Spiel hatte. Immer wieder, wenn ich diese Geschichte aufschreibe - ich habe es aus verschiedenen Gründen schon ein paarmal getan - wird mir klar, daß man als "Außenstehender" durchaus auch ganz anders interpretieren kann: Im Verlauf seiner Abnabelung vom Elternhaus hat er sich auch von den dort vermittelten Überzuegungen getrennt, ist dann mit bestimmten Kulturen in Kontakt gekommen und hat sich so lange damit befaßt, bis er sie selbst angenommen hatte. Ich habe dem auch eigentlich nichts entgegenzuhalten - außer der einfachen Überzeugung, daß es anders ist. Sollte ich mich irren - schade. Andererseits: Wenn ich wetten sollte...

 

Na ja, ist doch nicht sooo kurz geworden...

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sstemmildt


Zitat von Axel am 21:54 - 9.Mai.2001

Wenn man den Thead liest "Was muß ein Katholik glauben" bzw. "Das Meßopfer", dann werden da halbe Philosophiebücher abgeschrieben - aber waren es wirklich diese philosophischen Gedankengebäude, die Euch dazu bewegt haben?


 

Nur noch kurz:

 

Natürlich kommt man als Kind auf ganz andere Weise in den Glauben hinein. Das wird auch für Menschen gelten, die als Kind etwa protestantisch aufgewachsen sind oder überhaupt einer Glaubensgemeinschaft angehört haben. Wenn man als Erwachsener wechselt, braucht man natürlich die (Schmalspur-)Philosophie als Begründung, um sich selbst zu überzeugen (wenn nicht diese Blitz/brennender Busch-Sache passiert).

 

Umgekerht habe ich immer noch das Problem (wenngleich es auch Vorteile hat), mich so in die Kirche zu integrieren wie jemand, der von Kindesbeinen dazugehört. Aber es ist auch ganz lustig, als "frischgetaufter Heidenfürst" aufzutreten.

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Habe ich heute etwa meinen ehrlichen Tag? Tatsache, habe ich.

 

Ich muß zugeben: Ich bin aus ganz und gar unmöglichen Motiven konvertiert. Halbwegs akzeptabel ist aus religiöser Sicht wohl noch, daß ich mich mit der kath. Sicht des Abendmahls weitaus mehr anfreunden kann...aber der Hauptgrund war es nicht.

Bin auch nur getauft worden (also protestantisch) weil "man" es eben so macht, meine Kirchgänge konnte ich an einer Hand abzählen, nur dann hatte ich das unwahrscheinliche Glück, jemanden kennenzulernen, der eben katholisch war und ist. Und gläubig, das sollte ich vielleicht dazu sagen, nicht nur Taufscheinkatholik. Glück deshalb, weil wir dann später geheiratet haben *immernochglücklich*. Und er (und die Schwiegermama) fanden es ganz angebracht, daß die Kinderlein später mal katholisch erzogen werden...und es wäre doch ganz schön, wenn ich auch mit in die Kirche gehen würde... und überhaupt, was die Freunde/Bekannten/Verwandten sonst sagen würden....*g*

Da es mir grundsätzlich relativ egal ist, welchem christlichen Glauben ich nun angehöre, habe ich eben mein Amen dazugegeben. So, und bitte haut mich jetzt nicht

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Erinnert mich stark an den Motiv-Katalog von Esther Vilar, den Lissie neulich in irgeneinem Thread gebracht hat, Isi.

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schön zu lesen die Geschichte von Dir , Sven.

 

bei meiner Geschichte erwähnen auch oft die, die sie hören, das der heilige Geist mit im Spiel war. Andere komentieren sie anders. Je nachdem.

 

Also ich bin in einer völlig unreligiösen Familie im ehem. Ostberlin aufgewachsen. Im Alter von etwa 6 besuchte ich neben meinem Elternhaus eine blaue alte evang. Holzkirche mit ein paar Nachbarskinder. Wir schauten uns drin alles an und es kam eine Frau auf uns zu. Die berührte unsere Köpfe und sprach zu jedem "Jesus liebt Dich" Dann gingen wir damit wieder nach Hause und ich behielt diesen Satz im Kopf und er fiel mir immer wieder ein wenn ich an Kirchen vorbei ging. Meine Eltern meinten nur, das ist Humbug, laß Dir nix erzählen. Ich stand dann öfters am Sonntag (wenn ich zu meiner Oma gelaufen bin, vor einer hellbeleuchteten Kirche und wollte hinein.) Da sagte ich mir schon, später möchte ich ohne zu fragen, selbstverständlich dort reingehen können.

 

Dann in einem Ferienlager spielten wir irgendein Spiel in dessen Verlauf ich sterben mußte. Ein Mädchen fragte mich, ob ich an Gott glaube. Ich sagte ja und sie malte mir ein Kreuz auf die Stirn. Später gestand ich ihr das ich gar nicht so recht weiß wer das ist und wie man glaubt etc. Sie sagte das ist jetzt egal, sie hat das Kreuz raufgemalt und ich glaube jetzt automatisch. Da war ich etwa 9.

 

Nachdem Umzug meiner Eltern hatte ich einige Christen in meiner Klasse und zu denen gesellte ich mich öfters. Einer davon lud mich zum Konfirmationsunterricht ein. Ich durfte nur zweimal hin und dann mußte das Einverständnis meiner Eltern da sein. Mein Vater hat gleich die Tür zugemacht als er die Pastorin gesehen hat und ich durfte also nicht hin. Also ging ich eben in die Messe. Allerdings erst in die evangelische dann in eine katholische. Dort hat sich in mir allerdings schon das Gefühl festgesetzt das die katholische Messe wesentlich feierlicher und mir angebrachter erschien als unsere evang. damals.

 

Als ich dann volljährig war wollte ich endlich getauft werden und fand im Freundeskreis einen Pfarrer. Ich habe mich schlichtweg nicht getraut einen anzusprechen. Der war allerdings evang. Das war mir damals aber egal. Ich wollte nur endlich getauft werden. Das passierte dann im Ulmer Münster (nur weil ich zu feige war jemanden zu fragen fuhr ich ewige Stunden) Schön war es trotzdem und die drei Abende im Dachgeschoß zum Vorgespräch bei dem fast über siebzigjährigen Pfarrer werde ich auch nie vergessen.

 

Dann waren in unserer Gemeinde 3 "Hanseln" zum Sonntagsgottestdienst im Voraum unserer Dorfkirche und unser Pfarrer konnte nicht viel ausrichten. Ich merkte jedoch immer mehr, das war nicht das was ich eigentlich immer wollte. Das war halbherzig und wohl der einfachere Weg für mich aber nicht der richtige.

 

Ich heiratete damals kirchlich und schien mal glücklich. Kurz und gut...ich war es nicht. Verliebte mich in meinen Traumprinz, zog nach Bayern und plötzlich war katholisch sein ganz normal, diese Gefühle von mir konnte jeder verstehen, ich konnte jeden Sonntag in eine andere Kirche gehen, selbst für Kinder und Jugendlich war Kirche ganz normal. (Ich habe es immer als Außenseiter erlebt, an Gott zu glauben und Jesus zu lieben). Nachdem mein Sohn geboren wurde, haben wir mit unserem Pfarrer über die Taufe gesprochen und da fragte ich ihn endlich, ob er mit mir die Vorbereitung zur Konversion übernehmen würde. Er wollte. Bis auf einige Auseinandersetzungen war das eine schöne Zeit. Am 4.12. letzten Jahres hatte ich diese Konversion und ich bin mit meinem Glauben endlich zu Hause.

 

Ich habe allerdings auch in diesem Jahr merken müssen, das ich nicht alles was die katholische Kirche bestimmt, gut heißen kann. Deswegen austreten halte ich für völligen Quatsch aber vielleicht kann man von innen was ändern. Ich sehe in allem immer den einzelnen Menschen mit ihren Schicksalen und kann die Regeln nicht immer nur für die Allgemeinheit sehen.

 

Ich wünsche mir manchmal nur mehr Zeit mich mit allem zu beschäftigen.

 

Also es war bei mir eine reine Herzensangelegenheit und wenn ich heute eine katholische Messe besuche, fühle ich mich zu Hause.

 

LG Sina

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Tja, meine Geschichte kennt ihr ja...

 

...1luvu.gif..

 

bin immernoch so "frischverliebt" wie vor 3 1/2 Jahren, und bin echt dankbar, daß ich katholisch bin, empfinde das als ein Geschenk. Ich stimme sogar in eigentlich allem mit meiner Kirche überein, das ist AUCH ein Geschenk!

 

Bin happy...llove.gif

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Wenn ich Papst wäre, würde ich mir jetzt ernsthaft überlegen, ob es sich beim Klonen nicht doch um eine feine Sache handelt.

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confusedpp.gif
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>Welcher Thread war das, cano? Ich hab's nämlich nicht gelesen, würde aber gerne.<

 

"Was glaubt ein Katholik?" Seite 8

 

bzw. findest Du in der

 

"Gladiatoren-Arena" auf Seite 8  "Kollektivreligion, Individualreligion und ihre Götter" eröffnet von lissie

 

(Geändert von Torsten um 15:01 - 10.Mai.2001)

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Werner agnosticus

Liebe Leute,

 

ich finde die Offenheit, mit der hier von einigen (Sven, Isi2, Sina) ihr je unterschiedlicher Weg zu ihrem katholischen Glauben dargestellt wird, sehr konstruktiv. Ich selbst würde ihn "nicht geschenkt" haben wollen und würde viele der von Euch genannten Motive zur Übernahme dieses Glaubens niemals teilen, kann aber ohne Schwierigkeiten aus Euren Beiträgen das Maß an persönlicher Zufriedenheit heraushören, das ihr in Eurer Weltanschauung und dem damit verbundenen sozialen Bezugsrahmen findet. Diese Möglichkeit, in einem religiösen Glauben eine persönliche Zufriedenheit zu finden (die ich ohne religiösen Glauben finde und nur ohne ihn finden kann), schätze ich auch bei einer Weltanschauung, die ich nur als "rational inkonsistent" einschätzen kann. Und solange dieser Glaube mit der Toleranz verbunden bleibt, die Ihr hier im Forum meist zeigt, neige ich auch als Agnostiker zu einem (allerdings keinesfalls allgemein oder gar auf die röm. Kirche erweiterbaren) "weiter so!".

 

Bemerkenswert finde ich Deine Darstellung Deiner Eltern, Sven. Du hast nicht nur das Glück gehabt, in einem nicht-religiösen Elternhaus aufzuwachsen, sondern das noch viel wichtigere Glück, in einer offenbar konsequent toleranten Atmosphäre groß zu werden (und dieses Erbe auch bewahren zu können). Auch wenn diese Toleranz in nicht-religiösen Elternhäusern häufiger zu finden sein dürfte als in stark religiös geprägten (meine Erfahrung), ist sie dennoch auch da keineswegs selbstverständlich, wie z.B. Sina's sehr viel unerfreulichere Erfahrungen zeigen.

 

Liebe Grüße

Werner

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Liebe® Sven, Isi2, Sina, Diomira,

 

danke für Eure ehrlichen und interessanten Statements (vielleicht kommen ja noch ein paar...)

 


Zitat von sstemmildt am 1:28 - 10.Mai.2001

 

Nur noch kurz:

Natürlich kommt man als Kind auf ganz andere Weise in den Glauben hinein.

Hinein schon, aber dann meistens direkt nach der Firmung wieder raus. Ich glaube, die wenigsten Katholiken sind bei ihrem Kinderglauben geblieben. Insofern könnte man meine Frage auch an die katholisch sozialisierten Menschen stellen: warum seid Ihr wieder katholisch geworden / seid bewußt katholisch geblieben o.ä. Das wäre ja auch eine Form der Konversion, wenn auch eine innerliche.

 

Axel

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sstemmildt


Zitat von Werner agnosticus am 16:18 - 10.Mai.2001

Bemerkenswert finde ich Deine Darstellung Deiner Eltern, Sven. Du hast nicht nur das Glück gehabt, in einem nicht-religiösen Elternhaus aufzuwachsen, sondern das noch viel wichtigere Glück, in einer offenbar konsequent toleranten Atmosphäre groß zu werden (und dieses Erbe auch bewahren zu können). Auch wenn diese Toleranz in nicht-religiösen Elternhäusern häufiger zu finden sein dürfte als in stark religiös geprägten (meine Erfahrung), ist sie dennoch auch da keineswegs selbstverständlich, wie z.B. Sina's sehr viel unerfreulichere Erfahrungen zeigen.


 

Ich glaube, Intoleranz entsteht vor allem auf zwei Arten:

 

  • wenn man in einer sehr homogenen Kultur ohne Kontakt nach außen aufwächst und jede Konfrontation als Belästigung empfindet ("mir san mir!&quot
  • wenn man in einer festgefügten Subkultur von einer als bedrohlich empfundenen Umgebung aufwächst (Wagenburg-Mentalität)

 

Das hat m.E. weniger mit christlich oder nicht zu tun. Es ist nur so, daß in den meisten Gegenden, wo dieses Thema überhaupt interessant ist, Religionen (Christentum, Islam,...) traditionell die Kultur bestimmen. In einer entsprechend festgefügten atheistischen Umwelt passiert dasselbe eben unter umgekehrten Vorzeichen.

 

Meine Eltern - v.a. meine Mutter als erklärte Pazifistin - waren schon in der DDR immer etwas "anders", waren aber andererseits mit ihrer Umgebung im großen und ganzen im reinen. Ebenso setzte sich die Situation im Westen fort.

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Mein Vater war ein echt lieber Mensch. Seine totale Abneigung gegen die Kirche rührt vom zweiten Weltkrieg her. Er saß in Gefangenschaft etc. und hat es nie verwunden das die Kirche die Waffen gesegnet hat. Er ist aus der Kirche ausgetreten und für ihn war das alles nur noch ein Hokuspokus.

 

Ich bin froh meinen eigenen Weg gefunden zu haben. Sicher wäre ich gerne in einer religiösen Familie großgeworden, aber es gibt genügend Kinder die das niemals gewollt hätten. So oder so...im Endeffekt findet jeder seinen Weg, ob nun in die eine oder andere Richtung. Ich kenne sehr viele Katholiken die erst im Erwachsenenalter zu ihrem "richtigen, ehrlicheren" katholischen Glauben kamen. Vorher war vieles eingeübt, vorgelebt bzw. miterlebt. Im Erwachsenenalter setzt man sich dann doch anders damit auseinander. Manche wenden sich ab und manche vertiefen sich dann um so mehr...nicht wahr Martin ;-))?

 

LG Sina

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Guest Ketelhohn


Zitat von Axel - 9. Mai 2001

Auf Svens Homepage kann man lesen, daß er erst seit kurzem, dafür um so heftiger katholisch ist. Robert verweist darauf, protestantisch getauft worden zu sein. Diomira hat von ihrer Konversion erzählt. Wahrscheinlich sind noch mehr in diesem Forum.

...  Wenn man den Thread liest "Was muß ein Katholik glauben" bzw. "Das Meßopfer", dann werden da halbe Philosophiebücher abgeschrieben - aber waren es wirklich diese philosophischen Gedankengebäude, die Euch dazu bewegt haben?

Lieber Axel,

 

natürlich waren es nicht philosophische Gedankengebäude. Daß ich mich im Meßopfer-Thema ein wenig in dieser Richtung verbreitet habe, lag ja nur daran, daß Olli einfach nicht verstehen wollte, was die Sprache der Theologie mit „Substanz“ meint.

 

Deine Frage nach den Gründen für meine Konversion bringt mich dazu, etwas weiter auszuholen – denn mit einem knackigen „Damaskusereignis“ kann ich leider nicht aufwarten. Also versuche ich mal, meinen Heimweg in die Kirche zu beschreiben, der freilich mit vielen Irrwegen beginnt. Aber die gehören auch dazu.

 

Angefangen hat es – natürlich – mit meiner Geburt, am 29. März 1964. Es war übrigens Ostern, weshalb ich auch beinahe verreckt wäre, weil Ärzte und Hebammen feucht-fröhlich feierten und meine Mutter vier Stunden lang mit Preßwehen liegen ließen, während ich halb drin, halb draußen stak. Und weil meine Mutter – nach dem Motto: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ – zu stolz war, als daß sie um Hilfe hätte rufen mögen. Schließlich zerrte doch mein Schutzengel eine Hebamme herbei: Ich wurde gerettet und knapp zwei Monate später, am 17. Mai 1964, von einem protestantischen Pastor getauft.

 

Die ersten paar Jahre meines Lebens wurde ich – wie meine um zwei Jahre jüngere Schwester – halbwegs christlich-protestantisch erzogen: Mutter erzählte uns was vom lieben Gott oder aus der Bibel, sie betete abends mit uns und dergleichen. Das ging so, bis ich etwa fünf Jahre alt war. Die '68er Kulturrevolution brachte den großen Bruch, ab etwa 1969 oder spätestens 1970 gab es Religion in unserm Hause eigentlich nicht mehr. Heiligabend gingen wir in die Kirche, weiter nichts. Unsere jüngste Schwester, 1973 geboren, wurde zwar gemäß der Tradition auch noch getauft, hat aber keinerlei religiöse Erziehung mehr erhalten, nicht einmal das rudimentärste Basiswissen. Meine Eltern bestreiten als gute konservative Bürger übrigens heute, daß dieser Abbruch der religiösen Erziehung irgendwas mit '68 zu tun habe, doch der Tatbestand ist allzu offensichtlich (und meine formal-protestantische Schwester teilt meine Einschätzung in diesem Punkt völlig): Die Auswirkungen der Kulturrevolution haben auch diejenigen mit in ihren Strudel gerissen, die selber meinten, dagegen zu stehen.

 

Vater war zwar noch einige Jahre lang in der örtlichen protestantischen Gemeinde als Mitglied des Gemeindekirchenrats tätig, doch das war sozusagen seine Privatsache, mit der Familie hatte es nichts zu tun. Das ging so lange, bis er eines Tages nach einer Gottesdienstfeier vor versammelter Gemeinde den Pfarrer – einen in der Wolle gefärbten Marxisten – einen Wolf im Schafspelz nannte; übrigens mehr aus politischer Motivation denn aus religiöser. Von da ab war das Band zerschnitten.

 

In selber bin dann also ohne irgendeinen Bezug zum christlichen Glauben aufgewachsen. Der Bundestagswahlkampf 1976, den damals Kohl knapp verlor, hat mich politisch sensibilisiert. Mit 15 bin ich in die Schüler-Union eingetreten, mit 16 in Junge Union und CDU. An meiner Schule gründete ich eine Schulgruppe der Schüler-Union, 1980 kämpfte ich hart , bis mein Eltern schließlich doch die CDU mit dem Kanzlerkandidaten Strauß wählten und nicht die FDP. Bald hatte ich diverse Ämter in JU und CDU.

 

Zwischendurch wurde ich noch – zusammen mit meiner Schwester – in den Konfirmandenunterricht geschickt, mit 16 eingesegnet. Das war halt Tradition, daß mußte sein. Aber eigentlich sagte mir der Glaube gar nichts, ich nutzte vielmehr die Gelegenheit zu Kämpfen mit dem besagten marxistischen Pfarrer. Doch diese Episode war bald vorüber, ich blieb in der Politik. Während meine Haltung sich immer stärker preußisch und deutsch-national ausprägte, lehnte ich immer mehr und schließlich ganz bewußt das Christentum ab. Ich suchte sehr wohl nach einer Art „geistiger Heimat“, las die nationalliberalen Litteraten des 19. Jahrhunderts wie Gustav Freytag und Felix Dahn, ich verschlang fasziniert die Zeugnisse der nordischen Mythologie, namentlich die Edda, versuchte altnordisch zu lernen und wenigstens die Völuspá einmal im Original gelesen zu haben, ich lernte gotisch – was mir entschieden leichter fiel als altnordisch – und konnte immerhin Wulfilas gotische Bibel recht flüssig lesen. Da war ich denn doch wieder mit dem Christentum konfrontiert – aber die Bibellektüre konnte meine Ablehnung bloß festigen.

 

Als 1982 Helmut Kohl Bundeskanzler wurde, bedeutete dies für mich eine große Freude, Siegestaumel gewissermaßen, und zugleich Hoffnung auf die von Kohl verheißene „geistig-moralische Wende“ – ohne daß ich mir wirklich klar darüber war, was eigentlich ich erwartete oder was ich von Kohl erwarten konnte. So folgte auch bald die Ernüchterung. Fritz Zimmermanns Wort vom „Ankündigungskanzler“ ist mir noch in guter Erinnerung. Es traf genau mein Empfinden. Ich war zutiefst enttäuscht von der Politik, legte 1984 meine Ämtlein nieder und zog mich „ins Privatleben“ zurück.

 

Allein schon gut zwei Jahre später fing die Politik mich wieder ein. Diesmal der RCDS. Ein Freund brauchte mich für einen Vorstandsposten, so sagte ich schließlich zu. Mit dieser Entscheidung handelte ich mir am Ende 2 ½ Jahre als Akademischer Senator der FU Berlin ein, dazu 1988/89 das Amt des Berliner RCDS-Landesvorsitzenden. In diese Zeit fällt jedoch ein tiefgreifender Wandel in meinem Denken. Ich habe das erst nachträglich rekonstruieren können, denn zunächst vollzog sich dieser Wandel unbewußt. Ich beschäftigte mich damals intensiv mit der deutschen und italienischen Geschichte, besonders des sogenannten „Mittelalters“. Mein Standpunkt war geprägt von der preußisch-protetantisch-kleindeutschen Schule, also der Richtung eines Droysen, Sybel, Treitschke. Die Kirche, das Papsttum waren für mich die Feinde. Ich konnte aber nicht umhin zur Kenntnis zu nehmen, daß es auch die Gegenposition gab, in der Historiographie mit dem Namen Ficker verbunden. Ja selbst ein ausgewiesener Deutschnationaler wie Johannes Haller hatte ein großes Werk über das Papsttum geschrieben, das schlicht Faszination ausstrahlte.

 

Ich begann also, auch die „Gegenseite“ in ihren Äußerungen zur Kenntnis zu nehmen. Nehmen wir, um es deutlich zu machen, das klassische Beispiel des Investiturstreits: Ich las nun auch die „Propagandisten“ der päpstlichen Seite, und irgendwann wurde ich gewahr, daß meine Sympathie nicht mehr Heinrich galt, sondern Gregor dem VII. Mittlerweile hatte ich – es war im Laufe des Jahres 1987 – Konzilstexte verschlungen, zuerst die „mittelalterlichen“, dann ging ich bis Konstantinopel und Nizäa zurück, dann packten mich die Kirchenväter, vor allen Augustin. Gerade Augustin wurde der eigentliche Lehrer des Glaubens für mich. Wie kann ich das am besten erklären? Vielleicht, mag es auch schwülstig klingen, folgendermaßen: Wenn ich Augustin las, war das, als ob ein virtuoser Musiker vollendete Harmonien auf seinem Instrument – meiner Seele – hervorbrächte. Mit einem Wort: Das Faszinosum der Kirche hatte mich ergriffen, das Gefühl ebenso wie den Verstand. Das im übrigen diese Kirche, die ich da gefunden hatte, die katholische war, das war mir so selbstverständlich, daß ich nicht weiter darüber nachdachte.

 

Während dessen war ich aber, wie gesagt, intensiv politisch tätig. Die Ämter zogen mich immer häufiger zu Sitzungen nach Bonn. Oft stand ich in den Beratungen und Debatten, ja in manchen Fragen fast immer, als Einzelkämpfer allein: ob es um die Gentechnik ging (ja, damals schon) oder um den sich abzeichnenden Krieg in Jugoslawien (was mir damals, 1988, noch niemand glauben wollte). Ich war gleichsam zwischen zwei gegensätzlichen Welten ausgespannt, der neuen Heimat, die irgendwo zu Hause zwischen meinen Büchern lag, und der politischen Sphäre, die mit ihren mir immer unbegreiflicher werdenden Anschauungen von der andern Seite an mir zerrte, übrigens auch mit den Zwängen, Forderungen und Lockungen des korrupten politischen Tagesgeschäfts in der Partei ebenso wie an der Universität.

 

So war ich innerlich gleichsam zerrissen, ohne irgendeine Entscheidung treffen zu können. Übrigens war Augustinus selber lange Zeit in einer gar nicht unähnlichen Situation. Von meinem Leben jedenfalls hatte der Glaube noch nicht Besitz ergriffen, ja ich kam nicht einmal im Traum auf die Idee, was ich dazu hätte tun sollen. Es geschah dann gänzlich unvorbereitet, wie zufällig. Bei einem RCDS-Stammtisch mit Berliner Kommilitonen kam das Gespräch auf die protestantische „Kirche“. Die meisten – allesamt selber Protestanten – brachten ihren Ärger über die „linken Pfarrer“ zum Ausdruck. Da verkündete ich plötzlich und unvermittelt vor aller Ohren, für mich sei das gar nicht mehr relevant, ich würde ohnehin zur katholischen Kirche konvertieren. – Zack! da war es gesagt. Ringsum große Augen. Ich war selber perplex und wimmelte verdutzte Nachfragen sicherheitshalber erst einmal ab. Ich hatte ja überhaupt keinen derartigen Plan gehabt!

 

Heute kann ich den Herrn nur preisen, den lebendigmachenden Geist, der da wie mit einem grellen Blitz Klarheit geschaffen hatte. Denn nun war ich, durchs öffentliche Bekenntnis, im Zugzwang. Kaum zu Hause, suchte ich mir aus dem Telephonbuch die nächste katholische Kirche heraus. Meine Güte, nicht einmal das hatte ich bis dahin gewußt! Ich fand also die Kirche heraus, fand heraus, wann am Sonntag die Messe war, und ich ging hin. Seit diesem Tag ging ich sonntags in die katholische Messe. Das ging einige Monate – während derer ich fleißig das Dogma studierte und nebenbei auch merkte, daß nicht alles Gold ist, was sich dickleibig zwischen glänzenden katholischen Buchdeckeln breitmacht –, bis das Verlangen nach Teilnahme an der Kommunion immer stärker wurde. Ich suchte also den Pfarrer in seiner Sprechstunde heim – und erschreckte den armen Mann wohl fast zu Tode mit meinem Wunsch nach Konversion. Das hatte er noch nicht erlebt. Er schickte mich mit dem Bescheid weg, ein paar Tage später wiederzukommen, denn er müsse sich erst mal beim bischöflichen Ordinariat erkundigen, was in solch einem Fall zu tun sei.

 

Um es kurz zu machen: Ich wurde zu den Jesuiten geschickt, die mit der „katholischen Glaubensinformation im Bistum Berlin“ beauftragt waren, fand dort lange und tiefschürfende theologische Gespräche – leider nicht die praktische Anleitung, die ich erhofft hatte – und wurde schließlich in der Osteroktav 1989 an meinem 25. Geburtstag in die Kirche aufgenommen. Am ersten April 1989 folgte die Erstbeichte, am 2. April die Erstkommunion. Langsam, langsam begann Christus, mein Leben zu formen und neu zu machen, völlig neu. Pfingsten 1991 wurde ich gefirmt. Das ist mein Weg heim zur heiligen Mutter Kirche. In manchem gewiß sonderbar, aber mein Weg. – Seitdem sind zwölf Jahre vergangen, alles andere als geradlinig, voll von Kämpfen. Aber ich kann glücklich und dankbar zurückschauen und meinen Herrn Jesus Christus rühmen und preisen für alles, was er mir geschenkt und was er an mir getan hat: Ihm sei Lob und Ehre und aller Preis in Ewigkeit. Amen. Alleluja.

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Danke Robert.

 


Hinein schon, aber dann meistens direkt nach der Firmung wieder raus. Ich glaube, die wenigsten Katholiken sind bei ihrem Kinderglauben geblieben. Insofern könnte man meine Frage auch an die katholisch sozialisierten Menschen stellen: warum seid Ihr wieder katholisch geworden / seid bewußt katholisch geblieben o.ä. Das wäre ja auch eine Form der Konversion, wenn auch eine innerliche.

 

Ich meine, daß niemand bei seinem Kinderglauben bleibt, so wie niemand bei seiner Sicht des Straßenverkehrs bleibt, die er als Kind in der Verkehrserziehung vermittelt bekommen hat, und die dennoch kindgerecht wesentliche Dinge 'rüberbringt.

 

Ich bin als Säugling getauft worden und in einer mittelprächtig katholischen Familie aufgewachsen. Meine Oma, die bei uns wohnte, war eine sehr fromme Frau, die - was man ihr auch zum Vorwurf machte - immer bereit stand, anderen zu helfen, selbst wenn familiäre Belange dabei zurückstehen mußten. Dabei habe ich trotzdem in der Rückschau nicht im geringsten den Eindruck eines Helfersyndroms.

 

Als Schüler bin ich immer zum Religionsunterricht gegangen, der in der DDR immer nachmittags in der Pfarrei stattfand, und zwar auf Wunsch meiner Eltern und gleichzeitig immer gern und interessiert. Gottesdienstbesuch fand gelegentlich statt, ab dem 11. Lebensjahr nur noch zu Weihnachten. Meine Eltern hatten sich wegen irgendwelcher Kleinigkeiten mit dem Pfarrer gestritten und ich fuhr an jedem Sonntag irgendwo Radrennen.

 

Eine Wende brachte bei mir die Zeit der Firmvorbereitung mit etwa 15 Jahren. Einerseits hatte ich einen sehr glaubwürdigen Pfarrer, mit dem zusammen ich mich auf neue Weise intensiv mit dem Glauben beschäftigte (auseinandersetzen wäre falsch, weil auch Schwächen der Kirche mich nie zu einer Abneigung geführt haben), andererseits wußten meine Schulfreunde, daß ich katholisch bin und wollten wissen, ob ich das denn alles glaube, wo wir doch schließlich längst wüßten, wie die Welt etc. entstanden sei. Das führte dazu, daß ich mich meinte, entscheiden zu müssen, nachdem ich einige Zeit eher abgewiegelt und 'rumgeeiert hatte.

 

Wenn ich ein konkretes Ereignis nennen sollte, könnte dies meine Firmung selbst sein, bei der mich, nach guter Vorbereitung, besonders die Predigt "gepackt" hat. Als klassisches Großmaul hatte ich unter DDR-Bedingungen später eine Reihe von Auseinandersetzungen mit sozialistischen Mitschülern, Lehrern, Arbeitskollegen, Kommilitonen und Offizieren, die mich geradezu zwangen, mich mit einem Glauben zu beschäftigen, mehr zu wissen und die sich stellenden Fragen zu beantworten. Dabei habe ich auch mit Nichtglaubenden viele positive Erfahrungen gemacht, gerade auch vor dem Mauerfall. Heute habe ich oft den Eindruck, daß die antireligiöse Haltung vieler auf dem gleichen Unwissen oder den gleichen Vorurteilen beruht, wie damals, daß man mir als Person und meiner Entscheidung zum Glauben aber deutlich ablehnender gegenübersteht, als damals. Die Toleranz des Staates war damals gering, die der Leute gegenüber denen, die sich der Anpassung entzogen, war dagegen gut entwickelt. Heute haben sich die Verhältnisse in dieser Hinsicht etwas gedreht.

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Hallo Sina und Sven,

 

im Forum wird langläufig die Meinung vertreten,  es bestünde ein abgrundtiefer Graben zwischen den AA's und den Gläubigen, der allenfalls gläubig übersprungen werden könnte.

Vor allem bei Sven fehlt mir jede Andeutung dieses wagemütigen und halsbrecherischen Sprunges. Es hört sich eher nach einer sanften Rutschpartie an.

 

Viele Grüße

Heidi

 

(Geändert von Heidi um 9:27 - 11.Mai.2001)

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>im Forum wird langläufig die Meinung vertreten,  es bestünde ein abgrundtiefer Graben zwischen den AA's und den Gläubigen, der allenfalls gläubig übersprungen werden könnte. <

 

Diese Meinung besteht doch gar nicht, Heidi. Vielmehr besteht die Meinung, daß zwischen Frei- und Kleingeistern ein abbgrundtiefer Graben besteht.  Mit einem A&A-Kleingeist verbindet mich auf jeden Fall weniger, als mit einem freigeistigen Gläubigen, egal ob gottesideologischer oder atheistisch-ideologischer Art.

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sstemmildt


Zitat von Heidi am 9:25 - 11.Mai.2001

Im Forum wird langläufig die Meinung vertreten,  es bestünde ein abgrundtiefer Graben zwischen den AA's und den Gläubigen, der allenfalls gläubig übersprungen werden könnte.

Vor allem bei Sven fehlt mir jede Andeutung dieses wagemütigen und halsbrecherischen Sprunges. Es hört sich eher nach einer sanften Rutschpartie an.


 

Kommt drauf an, wie man´s betrachtet. Aus philosophischer Sicht ist bereits die Auffassung, daß man eine äußere Welt erkennen könne, ein gewaltiger Sprung vom Solipsismus her (ich weiß nur, daß es mich gibt, alles andere könnte ja nur eine Vorspiegelung meiner kranken Phantasie sein...).

 

Die "gewaltigen" Differenzen werden hier ja oftmals durch tiefschürfendes Bohren geradezu herausgearbeitet. In Wahrheit ist das Umschwenken von einer agnostischen oder sogar atheistischen Sicht eher ein kleines "Klick", das einem im entscheidenden Moment vielleicht gar nicht auffällt.

 

Andererseits will ich die Sache nicht kleinreden. Sobald das einem klar wird, ist das schon ziemlich heftig.

 

Ich will aber auch lissie zustimmen. Mich verbindet z.B. mit Robert Ketelhohn und Werner agnosticus mehr (weil beide, obwohl ich mit ihren Positionen oft nicht übereinstimme, diese fundiert und bei allem Engagement meist sehr sachlich vertreten) mehr als mit Schreihälsen - egal welcher Couleur.

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Guten Tag,

 

zur "sanften Rutschpartie": da ist schon etwas dran. Als katholisch getaufter Mensch, der seit ein paar Jahren sich eher der evangelischen Kirche verbunden fühlt (aber immer noch "offiziell" Katholik ist), der aber auch als gelernter Naturwissenschaftler Stellung beziehen muß, fühle ich manchmal schon so ein wenig "zwischen allen Stühlen".

 

Manchmal muß ich auch zum Beispiel die Menschen in der Forschung ein wenig vor etwas pauschalisierenden Vorwürfen in Schutz nehmen (wie beispielweise bei der "bösen Humangenetik"), was dann manchmal den Anschein hat, ich würde mich von christlichen Positionen entfernen, was aber gar nicht so sehr der Fall ist.

 

Wenn alle immer nur alles von einem Posting lesen würden, und sich nicht nur etwas "herauspicken" würden, wäre schon etwas gewonnen. Ich denke, die Gräben zwischen Naturwissenschaft und Religion beruhen zum Teil auch auf Mißverständnissen, die sich bei näherer Differenzierung durchaus auch lindern lassen.

 

Mit der katholisch/evangelisch-Differenz ist es ähnlich. Wenn ich hier manchmal den Anschein des protestantischen "advocatus diaboli" erwecke, dann nicht deshalb, weil ich die Tradition der katholischen Kirche fertigmachen will, sondern weil ich mehr in die Richtung eines Verständnisses des "Christsein als Priorität vor dem katholisch oder evangelisch sein" abziele, was freilich auch nicht so einfach ist.

 

Insofern ist bei der "sanften Rutschpartie" schon etwas dran, weil mir sowohl die Katholiken, als auch die Protestanten als auch die naturwissenschaftlich tätigen Leute am Herzen liegen, wobei dies alles ja gar kein Widerspruch sein müßte.

 

viele Grüße

 

Olli

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Zitat von Diomira am 13:05 - 10.Mai.2001

Tja, meine Geschichte kennt ihr ja...


 

Nein liebe Diomira, kenne ich nicht, wo ist denn die Fundstelle ?

 

Nun zu mir.

 

Liebe Leute,  

 

ich bin Sohn eines ev.luth. Pfarrers geboren worden, was meinen Glauben (und hier meine ich die persönliche Beziehung) zu Gott nicht unbedingt befördert hat. Nach Lissies Systematik kam es also "zum Beitritt einer Kollektivreligion" (Donomination: Ev.luth.) ab Geburt durch

 

"- ERZIEHUNG: Man wird in ein christliches (ersatzweise: muslimisches, mosaisches, etc) Elternhaus hereingeboren."  

(Ob es richtig passt? Die anderen Möglichkeiten waren es jedenfalls nicht).

 

Mir wurde viel beigebracht über die Reformation, die diversen Bekentnisschriften (Luther, Calvin -> Christologie, Prädestination-Menschenbild, nicht zuletzt Abendmahlsverständnis); die Besonderheiten diverser Richtungen innerhalb der Protestanten [einschl. der Evangelikalen(=Fundi's)]; theoretische Gottesbeweise und warum sie nichts taugen ... und nicht zuletzt: Toleranz gegenüber Menschen.

In der Familie ging es, was Glaubensdinge anging, sehr tolerant zu.

Über die Katholen habe ich im wesentlichen nur gelernt, dass die sich nicht an die Bibel halten (und zu Maria beten usw. ...) - sie haben keine Rolle gespielt.  

 

Ach ja, der hl. Geist war für mich einer, der wohl kurzzeitig vor knapp 2000 Jahren mal unterwegs war.

 

Gefühle fanden (in jeder Beziehung !) in der Familie und danach bis zu meinem 30 Lj. nicht statt (das mag als Andeutung genügen - dies hat sich bei mir gewaltig geändert).

 

Nach meiner Konfirmation (bei meinem Vater) habe ich mir dann gedacht, das war ja alles ganz interessant (dachte ich wirklich, aber ich war wohl der einzige in meinem Konfirmandenjahrgang) - aber für Leben unbrauchbar. Bis zu meinem 30. Lj. war ich dann als halbinteressierter Agnostiker nur zahlendes Mitglied, bis zum 18. Lj. in der luth. Landeskirche, danach durch Umzug nach Berlin in der (unierten) Berlin-Brandenburgischen Kirche. Ich bin wohl deshalb nicht ausgetreten, weil ich die ethischen Grundsätze für richtig hielt.

 

Ab dem 30. Lebensjahr habe ich dann sehr mit dem Judentum beschäftigt (die Feste, Gebete usw.) und habe so die Wurzeln des Christentums neu entdeckt.

Von der Bibel ausgehend habe ich mich auf die Suche nach dem hl. Geist (und gleichzeitig zu meinen Gefühlen) gemacht. So war ich kurzzeitig bei verschiedenen Ev. Gruppierungen in Berlin- einschl. Charismatikern. Dort ging es mir (gerade in Freikirchen) zu rechthaberisch-Dogmatisch (päbstlicher als der Pabst) und manipulativ zu.

 

Schließlich war ich bei einer Pfarrerin (Ev. Landeskirche) gelandet, die von sich selber sagt, daß Sie am liebsten katholisch wäre. Entsprechend sind Ihre Gottesdienste gestaltet (leider Predigt sie nur alle 3 Wochen und mit Abendmahl noch seltener).

 

Mein Damaskuserlebnis (etwas übertrieben, es gab keinen Blitz und Blind war und bin ich noch immer nicht) hatte ich dann erstmals im 34. Lj. bei einer von ihr gestalteten (lutherischen) Liturgie während des sonntäglichen Gottesdienstes.

 

Zu-fällig bin ich dann mit 35 erstmalig in eine Katholische Kirche geraten und fühlte mich von Anfang an wohl.

Bis ich an einen Fundi (vielleicht vom Schlage der ungefärbten Raben) geriet (gleichzeitig Kirchenvorstand), der mich sehr eindringlich aufforderte, katholisch zu werden. Also nix wie weg!!

 

Meine ev. Pfarrerin riet mir dann, ich sollte es doch mal in der Gemeinde versuchen, wo Sie öfter hingeht wenn Sie Predigtfrei  hat - und dort bin ich jetzt.

 

Ich bin ausweislich der Steuerkarte (noch) in der ev. Kirche, gehe aber seit einigen Jahren (mit der kurzen Unterbrechung dank des besagten Fundis) in die kath. Kirche.

(Man sagt, man könne mich nicht von einem Katholen unterscheiden).

 

Der Grund ist, dass ich gerade auch in der Liturgie immer stärker die Nähe und Liebe Gottes empfinde. Mir geht es da wie dem Hl. Thomas: Der tiefe Glaube kam erst über die Warnehmung. Dies geschieht auch in der (Real)Präsenz Jesu bei der Eucharistie und Anbetung.

 

Gleichzeitig erlebe ich immer tiefer die christliche Mystik und denke, daß einige theoretischen Lehrsätze "nützliche Krücken" für den Glauben sein können und ggf. Hilfestellung bieten - nicht mehr und nicht weniger. Die Bibel, das eigene Denken, Fühlen und Handeln und das eigene Gewissen kann dadurch nicht ersetzt werden. Noch ein praktisches Beispiel  von der "Autobahnkirche" (katholische Glaubensinformation) zum Thema Mystik.

 

Da ich mich in der katholischen Kirche ganzheitlich angesprochen fühle, werde ich mit ausdrücklichen Wohlwollen meiner ev. Pfarrerin (zu der ich immer noch einen engen Kontakt habe) voraussichtlich Ende des Jahres konvertieren. Trotzdem werde ich mein Denken nicht an der Gaderobe abgeben und neige dazu, auch in diesem Forum "Fraktionslos" zu bleiben.

 

Liebe Grüße

 

Matthias

 

P.S.: Beruflich bin ich Betriebsrat bei einer Bank und gleichzeitig gewerkschaftlich aktiv - Sven: glaubst Du wirklich, daß man sich mit Dir deswegen nicht unterhalten kann (ich habe irgendwo eine entsprechende Bemerkung von Dir gelesen - oder bist Du etwa Fundi-Neoliberaler ?

Das letzte kannst Du (ggf.) wieder streichen - ich hab was gegen Schubladen.

 

 

(Geändert von Matthias um 15:18 - 11.Mai.2001)

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