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Karwoche


Mecky
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Gedanken zu Gründonnerstag

 

Die Fastenzeit hat begonnen mit dem Aschermittwoch. "Gedenke Mensch, Staub bist du, und zum Staube kehrst du wieder zurück." Zu Beginn der Fastenzeit werden wir an unsere Endlichkeit und Sterblichkeit geführt. Und dort landen wir wieder. Heute, am Gründonnerstag.

 

Man sollte denken, dass in der Fastenzeit eine Steigerung stattfindet. Aber nein - heute Abend habe wir den angenehmen Vorzug, erst einmal nicht auf unser eigenes Sterben zu schauen zu müssen. Wir dürfen uns zurücklehnen und den Beginn der letzten Lebensstunden bei Jesus anschauen. Wir müssen nicht spekulieren, welche Schmerzen, welche Angst, welcher Abschied auf uns zukommen werden. Wir dürfen all dies erst einmal von uns fern halten - 2000 Jahre fern. Jesus.

 

Was werden wir tun, wenn es bei uns selbst so weit ist? Wir wissen es nicht. Die Zukunft wird es weisen. Vielleicht werden wir uns aufbäumen gegen das, was kommt, vielleicht werden wir es gar nicht richtig mitbekommen, werden gefesselt an Apparate und betäubt durch Medikamente sein. Vielleicht werden wir geliebte Menschen um uns herum haben, vielleicht werden wir in irgend einem gottverlassenen Sterbezimmer einer seelenlosen Klinik dem immer schwächer werdenen Vegetieren des Leibes einsam ausgesetzt sein.

 

Das, was uns im Leben beschäftigt hat, alle Ziele und Pläne, alle Erlebnisse werden zu schwinden drohen. Wir selbst werden zu schwinden drohen. Was wird aus uns? Und was wird aus all den Zielen, Plänen, die wir hatten, was wird aus unseren Kindern und Enkeln? Oder noch schlimmer: Hinterlassen wir überhaupt ein Loch? Geht nicht alles weiter, wie es immer gelaufen ist? Läuft die Welt womöglich so weiter, als hätten wir nie gelebt?

 

Jesus scheinen ähnliche Gedanken gekommen zu sein. Mag es auch im Himmel so oder so sein - erst einmal steht er vor dem, was sich in seinem Leben getan hat, was er gewirkt und gesprochen hat, worüber er sich jetzt noch freuen kann, und was nicht so mirnix dirnix verschwinden und mit ihm aus der Welt gehen soll.

 

Freunde, die ihn die letzten Jahre begleitet haben, und von denen er hofft, dass sie etwas verstanden haben und übernehmen werden. Die Botschaft, für die er gelebt hat und für die er jetzt sterben wird. Und die Hoffnung - das einzige was ihn jetzt noch wirklich tragen kann - die Hoffnung auf Gott, der ihn geführt hat und der ihn nun erhalten mag trotz des Todes.

 

Was bleibt, wenn ich gehe?

Markus, Matthäus und Lukas erzählen die Geschichte dieses Abends. Was bleibt, wenn ich gehe? "Für euch habe ich gelebt, für euch gehe ich in den Tod, für euch bleibe ich da." Sie erzählen, wie Jesus das Brot nimmt und es zerbricht, wie sein Leben zerbrochen wird. Wie er es ihnen reicht. "Da, für euch!" Er hat sich als Speise verstanden. Als Nahrung, die Heil schenkt, Krankheit heilt, Einsamkeit vertreibt, Schuld nimmt und Wegzehrung auf dem Weg der Pilgerschaft in die Ewigkeit Gottes ist. Fur uns ist er gekommen, für uns hat er die Höhen und Tiefen seines Lebens durchlebt, für uns ist er nicht aus Jerusalem geflohen, für uns will er sich kreuzigen lassen.

 

Johannes beschreibt diese Mahl nicht. Womöglich schaut der Leser dann nur auf das Brot und auf den Wein. Nein. Es geht nicht um Brot und Wein. Es geht um Hingabe, es geht um das Vertrauen, dass etwas hier bleibt, und es geht um den ermöglichenden Grund dieser Hingabe: Verankert in Gott. Alles wird möglich dem, der an eine Zukunft glauben kann, die nicht mehr in den Händen irdischer Möglichkeiten liegt. Nicht Brot. Nicht Wein. Sondern Hingabe und Leben über den Tod hinaus sind die Qualitäten.

 

Johannes lässt Brot und Wein weg. Schon viele Kapitel zuvor hat er geklärt, dass es nicht um Brot geht. "Ich bin das Brot des Lebens," "Ich bin das Brot, das vom Himmel kommt", hat er gesagt. Aber jetzt scheint schon allein das Wort "Brot" für Johannes zu viel an Ablenkung bieten. Nein.

 

Johannes fasst noch einmal zusammen, was bleiben soll. Es ist die angstüberwundene Hingabe, die Bereitschaft zu dienen, ohne danach zu fragen, ob man sich dabei selbst verliert. Es ist der Glaube, dass diese Hingabe nicht ein Verlust sein wird, sondern genau das Gegenteil.

Jesus nimmt den Platz des geringsten Sklaven an, er vollzieht das, was sonst eine Strafarbeit ist. Er begibt sich zu den Schweißfüßen, mit denen seine Freunde durch den Dreck der Straße gelaufen sind. Die Fußwaschung wird zum Bild für das Ganze. Seine Hingabe bezieht sich nicht auf Fußschweiß, sondern stellt die ganze Wirklichkeit seiner Existenz dar: Er war Gott gleich und hat sich erniedrigt, wurde den Menschen gleich und zum Diener aller. Es geht nicht um die dreckige Füße, nicht um gewaschene saubere Füße, sondern darum, dass er den Menschen reinigt. Rein macht von der Angst, sich was zu vergeben. Rein von den Sünden, die er immer wieder vergeben hat. Und rein von der Angst, man könne sich dadurch selbst verlieren. Im Angesicht des Todes.

 

Schön, dass wir dies alles betrachten dürfen, von außen, aus der Vogelschau der Geschichte. Schön, dass wir nun daran denken dürfen, dass ein anderer dran war.

 

Aber in allen Variationen schreckt uns Jesus noch einmal auf - bei Johannes, und ebenso bei Markus, Matthäus und Lukas.

 

"Ich habe euch ein Beispiel gegeben". Das ist die moralische Seite. Wir sollen nachfolgen. Und: "Wer einen aufnimmt, den ich sende, nimmt mich auf, wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat." Das ist die Heilsseite.

 

Er ist in uns. Und jeder, der nachher zur Kommunion geht, und nicht beim Brot stehen bleiben will, kann nicht mehr außen vor bleiben. Jesus zieht uns hinein in die letzten Stunden des Lebens. Das, was von einem Menschen bleibt, sind weder Knochen noch Erbschaft. Das, was bleibt, ist seine Hingabe. Und zwar in Gottes Hand, der diese Hingabe erst ermöglicht, weil er trägt, was Menschen nicht tragen können: Das Leben.

 

Jeder Kommunizierende nimmt den auf, der sich hingegeben hat. Jeder wahrhaft Kommunizierende nimmt in der Hostie Anteil an dem in sich auf, der in seinen Todesstunden sich nicht ängstlich auf sich selbst fixierte, auf seine Schmerzen, auf das Bleiben seiner stolzen Leistungen. Wir werden hineingenommen.

 

Wir werden hineingenommen in dem Moment, da wir uns entschließen, zur Kommunion zu gehen und unseren Mund zu öffnen für den, der in uns hineinkommen will.

 

Jetzt beginnen wir, ihn aufzunehmen, ihn, seine Hingabe, seinen Glauben, seine Geborgenheit in Gott. In unseren letzten Stunden sollen dann wir ihm gleich werden. Womöglich mitsamt der Schmerzen, mitsamt der Angst - aber auch mitsamt der Hingabe und Hoffnung. Im Öffnen unserer Münder fallen die 2000 Jahre, die seit seinem Tod vergangen sind, zu einem Nichts zusammen. Die Hingabe, der Glaube, die Geborgenheit in Gott haben sich nicht verändert. Er ist bei uns und in uns. Bis ans Ende aller Tage. Und am Ende unserer Tage. Und in Ewigkeit. Amen.

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Warum stellste das nicht in die "Exerzitien im Alltag"? Schöner Text....

... so schön, dass er ein eigener Thread wert ist. :blink:

 

Danke, Mecky!

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Warum stellste das nicht in die "Exerzitien im Alltag"? Schöner Text....

... so schön, dass er ein eigener Thread wert ist. :blink:

 

Danke, Mecky!

Hast du auch wieder recht... :)

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Warum stellste das nicht in die "Exerzitien im Alltag"? Schöner Text....

Weil ich hier auch noch meine Gedanken zum Karfreitag und zu Ostern reinstellen will.

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Warum stellste das nicht in die "Exerzitien im Alltag"? Schöner Text....

Weil ich hier auch noch meine Gedanken zum Karfreitag und zu Ostern reinstellen will.

Darauf freue ich mich.

 

Elisabeth

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Warum stellste das nicht in die "Exerzitien im Alltag"? Schöner Text....

Weil ich hier auch noch meine Gedanken zum Karfreitag und zu Ostern reinstellen will.

Ich bin gespannt drauf. Du bist wahrscheinlich grad etwas im Stress, aber stell die Texte doch bald herrein, ja? :blink:

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Warum stellste das nicht in die "Exerzitien im Alltag"? Schöner Text....

Weil ich hier auch noch meine Gedanken zum Karfreitag und zu Ostern reinstellen will.

Ich bin gespannt drauf. Du bist wahrscheinlich grad etwas im Stress, aber stell die Texte doch bald herrein, ja? :blink:

Hallo Mecky,

 

stellst Du noch die versprochenen Texte hier rein?

Auch wenn die Karwoche vorbei ist, mich würden Deine Gedanken zu Karfreitag interessieren.

Und Ostern ist ja noch bis Pfingsten aktuell.

 

Liebe Grüße, Gabriele

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Ich schließe mich der Bitte von Gabriele an.

 

Elisabeth

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