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Orgelspiel in der Karwoche


Kriss
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Hallo!

Ich bin spiele ehrenamtlich Orgel und weil ich morgen spielen muss frage ich mich, ob es da in der Karwoche in einer ganz normalen Alltagsmesse etwas besonderes zu beachten gibt. Müssen die Improvisationen während der Kommunion besonders traurig/sentimental sein, darf man beim Ausgang ein prachtvolles Lied spielen??? Oder ist es so wie in allen anderen Messfeiern auch?

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Generell heißt es, dass die Orgel während der gesamten Fastenzeit nur zur Liedbegleitung eingesetzt werden soll.

 

Ich selbst verzichte ab dem Palmsonntag auf ein Nachspiel am Schluss. Zur Kommunion gibt es ein kurzes langsames Stück.

Und die Lieder spiele ich (s.o.) so, dass die Orgel nur begleitend wirkt, also ohen Mixturen o.ä.).

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Mein Onkel, der katholischer Pfarrer ist, bestand immer darauf, daß auch an den Sonntagen in der Fastenzeit keine freien Orgelstücke, sondern ausschließlich Liedbegleitung zu erklingen hätte.

 

Daran mußte ich mich damals als Organist um des lieben Friedens willen halten, sehe das aber persönlich vollkommen anders.

 

1. Es gibt soviel Orgelmusik, die speziell für die Fasten- und Passionszeit geschrieben wurde (gerade aus dem protestantischen Bereich der Choralbearbeitungen), daß es eine Schande wäre, diese Musik nicht zur Aufführung zu bringen.

 

2. Fasten- und Passionszeit bedeutet ja nicht automatisch nur meditative Versenkung. Das Leiden Christi ereignete sich bestimmt nicht im pianissimo, sondern unter großen Schmerzen und emotionaler Aufgewühltheit.

Daher halte ich auch die Vorschrift, in der Fastenzeit auf Mixturen und Trompeten zu verzichten, für Quatsch. Es kommt auf den CHARAKTER des Stückes an und auf nichts anderes. Wenn da "forte" steht, muß man es auch laut spielen oder läßt es ganz bleiben.

 

3. Als Organist bist Du, lieber Kriss, EIGENVERANWORTLICH für die Musik im Gottesdienst. Einmischungen seitens des Pfarrers (was leider viel zu oft geschieht, z.B. bei Liedzetteln, die der Pfarrer vorbereitet hat) würde ich mir verbitten.

 

4. Ich hoffe, Du wirst trotz Ehrenamt auf zumindest ein wenig fürs Orgeln bezahlt *g*. Ich habe auch in meiner Jugend für ein paar Mark gespielt, bis ich merkte, ausgenutzt zu werden. Trau Dich ruhig, auch ein Honorar für Dein gutes Spiel zu nehmen...

 

Soviel zu Tips von einem alten nebenamtlichen Hasen...

Vielleicht möchte ja Franz-Josef noch seine Meinung kundtun *g*...

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Da gibt es etwas ganz wichtiges zu beachten:

 

Die Orgel schweigt nämlich (soweit ich das weiß) nach dem Gloria am Gründonnerstag bis zum Gloria der Osternacht.

 

Ich kenne das jedenfalls nur so.

Edited by Conny
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Dankeschön für die Antworten. Ich denke, ich werde fragen, aber unser Pastor sieht das nicht so engstirnig.

 

lieber Kriss

 

eher liebe Kriss :blink:

 

@ Conny: Das die Orgel am Gründonnerstag bis zur Osternacht aufhört zu spielen ist schon klar, aber bis Gründonnerstag sind es ja noch ein paar Tage Zeit und ausgerechnet da haben wir noch eine Messe.

 

Ich hoffe, Du wirst trotz Ehrenamt auf zumindest ein wenig fürs Orgeln bezahlt *g*. Ich habe auch in meiner Jugend für ein paar Mark gespielt, bis ich merkte, ausgenutzt zu werden. Trau Dich ruhig, auch ein Honorar für Dein gutes Spiel zu nehmen...

 

Bis jetzt bekomme ich noch nichts, aber das soll sich wohl bald ändern. Ich war immer ein bisschen zu schüchtern für so etwas Geld zu verlangen.

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Das was Conny geschrieben hat, ist sicher als Vorschrift richtig. Ich habe aber schon selber erlebt, daß zumindest an Gründonnerstag abends in der Liturgie der Pfarrer mich gebeten hat, alle Lieder mit Orgel zu begleiten, weil die Gemeinde (in einem Krankenhaus) einfach nicht sangesstark genug war.

Das fand ich dann auch in Ordnung.

 

Aber es ging ja Kriss vorrangig um Werktagsgottesdienste von Montag bis Mittwoch in der Karwoche...Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht sind natürlich spezielle Ausnahmen.

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Noch kurz ein Antwörtchen, bevor ich zum Weinabend aufbreche:

 

Liebe Kriss (wollte nicht Dein Geschlecht anzweifeln *g*), es hört sich gut an, daß sich das mit der noch nicht erfolgten Honorierung Deines Orgeldienstes bald ändern soll. "Nur Soli Deo Gloria" zu spielen, finde ich unangemessen und falsch.

Wer gut spielt, soll auch gut bezahlt werden!

 

In diesem Sinne - gute Andacht beim Orgelspiel!

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3. Als Organist bist Du, lieber Kriss, EIGENVERANWORTLICH für die Musik im Gottesdienst. Einmischungen seitens des Pfarrers (was leider viel zu oft geschieht, z.B. bei Liedzetteln, die der Pfarrer vorbereitet hat) würde ich mir verbitten.

Ich selbst spiele zwar nicht die Orgel, aber ich kenne unsere Organistin recht gut. Und von ihr weiß ich, dass sie sich eigentlich immer mit dem Pfarrer abspricht, welche Lieder gespielt werden. Ist das denn nicht allgemein üblich? Macht der Organist den Liederplan? :blink:

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Die Orgel schweigt nämlich (soweit ich das weiß) nach dem Gloria am Gründonnerstag bis zum Gloria der Osternacht.

 

Ich kenne das jedenfalls nur so.

sie muss aber nicht schweigen ............. !

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Ich selbst spiele zwar nicht die Orgel, aber ich kenne unsere Organistin recht gut. Und von ihr weiß ich, dass sie sich eigentlich immer mit dem Pfarrer abspricht, welche Lieder gespielt werden. Ist das denn nicht allgemein üblich? Macht der Organist den Liederplan? :blink:

Ja, ich mache de Liedplan ganz alleine. Der Pastor macht zwar ab und an mal Vorschläge, weil er gerne ein bestimmtes Lied hätte, aber das kommt sehr sehr selten vor.

An größeren Festen schicke ich ihm meine Auswahl allerdings vorher per mail zu zum Absegnen. :)

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Franciscus non papa

wie schon gesagt, die orgel kann, muss aber nicht schweigen.

 

und wir halten es so: am gründonnerstag wird ein rauschendes orgelvorspiel zum gloria gemacht, die glocken läuten, und danach wird nur noch dezent orgel gespielt. die glocken schweigen.

 

am karfreitag wird fast alles ohne orgelbegleitung gesungen - trotzdem spiele ich nach der stelle in der passion "und er gab seinen geist auf" das choralvorspiel von j.s. bach zu "o haupt voll blut" (das trio aus dem V. peters band, einen ton tiefer) - gefolgt von dem choralsatz aus der matthäus-passion, wenn ich einmal soll scheiden.

 

in der osternacht verzichten wir auf das lied nach dem exsultet, die schola singt die antwortpsalmen nach den lesungen und die orgel und die glocken jubeln zum gloria auf.

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Also bei uns schreibt der Pfarrer dem Organisten vor welche Lieder gespielt werden, auch wenn ein fremder Pfarrer da ist, wird das alles vorbestimmt.

 

Sollten die Kinder singen oder die Singgruppe, so müssen die Lieder vorher abgesegnet werden.

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Franciscus non papa
Also bei uns schreibt der Pfarrer dem Organisten vor welche Lieder gespielt werden, auch wenn ein fremder Pfarrer da ist, wird das alles vorbestimmt.

 

Sollten die Kinder singen oder die Singgruppe, so müssen die Lieder vorher abgesegnet werden.

smile, bei solchen zuständen ist schon vor urzeiten der alte johann sebastian ausgerastet.

 

der musiker ist doch kein liederspielautomat....

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Tja, ich würde mich auch dagegen wehren, aber sogar dafür ist der Organist (spielt recht langsam) zu lahm.

Edited by Conny
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Franciscus non papa

ok, bin profi, also hauptamtler, aber bei manchen pfarrern gäbe es nach ner halben stunde mord und totschlag - er macht seine predigt - ich die musik... das heisst ja nicht, dass er nicht sagen kann, wenn er einen wunsch hat - ich mach auch mal einen vorschlag zur predigt, und wenn es gut läuft, dann ist man ein tolles team... wir spielen uns auch gerne die "bälle" zu... eingangslied - wird aufgenommen in der statio - lesungen, evangelium und predigt - mein kommentar zur gabenbereitung ....

 

aber wenn mir ein pfr. definitiv jedes lied vorschreiben wollte - dann wäre bei mir schluss.

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OneAndOnlySon

Ich bin der Meinung, dass sich Priester und Organist absprechen sollten. Der Priester hat ja meist ein spezielles Thema und der Organist kennt sich idR besser mit den Liedern aus.

 

Wenn ich einen Liedplan 5 Minuten vor der Messe bekomme, reagiere ich auch meist recht gleichgültig. Entweder lehne ich den kompletten Plan ab oder eben (aus Prinzip) einzelne Lieder. Dann lasse ich Gemeinde und Priester leiden, indem ich zwischen den Stücken das nächste Lied übe (wir haben eine sehr laute Spieltraktur (Mechanik)).

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Tja, hier schreibt man jedes Lied vor und kriegt den Zettel auch erst 5-10 min vorher, aber wenns dem Organisten so gefällt...

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Liebe Conny, daß ein Organist seine Lieder 5 Minuten vor Meßbeginn vom Pfarrer auf den Tisch geknallt bekommt, ist eine Unsitte, die vor allem im kath. Bereich anzutreffen ist. Bei evangelischen Gottesdiensten geht das allein deswegen nicht, weil die Kirchen in aller Regel nicht über elektronische Liedanzeiger, sondern über Anzeigetafeln verfügen, auf denen der Küster die Lieder meist schon eine halbe Stunde vorher angebracht hat.

Hinzu kommt, daß in den Gotteslöbern Meßreihen drinstehen, die dazu verleiten, sich keine Gedanken über die Liedauswahl zu machen, sondern ganz einfach zum Eingang 474 zu nehmen, zum Gloria 476 etc. Besonders Pfarrer greifen zu dieser langweiligen und uninspirierten Lösung.

 

Besonders schlimm finde ich das alles deswegen, weil ja ein nebenamtlicher Organist, wenn er nicht gerade ein begnadeter Improvisator ist, sich gerne liedbezogene Noten aussucht, wie z.B. Choralvariationen zur Kommunion über ein Lied, das in der Messe vorkommt. Weiß er das aber vorher nicht, liegen die Noten bei ihm im Schrank und er muß sich dann etwas aus den Fingern saugen, anstatz etwas wirklich Sinnvolles und Themenbezogenes zu bieten. Ich schleppe ja nicht jedesmal auf Verdacht meine ganzen zwei Regale voll Orgelnoten von zuhause mit!

 

So verkommt die Kunst des liturgischen Orgelspiels zu einer reinen "Fahrstuhlmusik", austauschbares Geklimper, um peinliche Ruhepausen (z.B. bei der Kommunion) zu überbrücken. Zu Beginn darf es ja nicht zu lang sein, damit der Priester nicht zu warten braucht, zur Kommunion bitte nur ein wabernder undefinierbarer Klangteppich, und zum Ausgang laufen eh alle nach 3 Sekunden zur Tür, weil der Sonntagsbraten wartet.

Im protestantischen Bereich gibt es ein richtiges Präludium, dessen Länge dem Organisten obliegt und das eine wichtige Funktion erfüllt. Und zum Nachspiel bleiben - oh Wunder! - tatsächlich fast alle, sogar der Pfarrer, sitzen, um andächtig zu lauschen. Welch ein Unterschied!

 

Ich habe meine Vertreterexkurse bei den Evangelischen immer sehr genossen, da der Organist dort einen wesentlich angeseheneren Status als bei den Katholiken innehat, nämlich eine wirklich liturgische, verkündende Funktion. Bei Katholens habe ich mich oft genug als reiner "Tastenbeweger" gefühlt, ganz zu schweigen von der lausigen Entlohnung. Für eine Werktagsmesse bekam ich in meiner Jugend im Erzbistum Paderborn irgendwas mit 12 DM (in Worten: D-Mark!). Und das für einen Zeitaufwand von 90 Minuten (mit Anfahrt)...

Ein Witz! - und viel geändert hat sich an den Honoraren bis heute nicht. Mein ganz persönlicher Satz liegt bei 30 Euro für eine Sonntagsmesse. Darunter spiele ich nicht mehr... Man braucht sich nicht unter Wert zu verkaufen!

Edited by RationisCausa
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Baumfaeller

Ich habe ein paar Mal Orgel-Aushilfe gemacht. Ich bin weder katholisch, noch ein begnadeter Organist (ich bin Pianist, mit ein paar linken Fuessen). Der echte Organist hat es mir immer ganz leicht gemacht: Nur Lied- oder Choralbegleitung (eine Strophe vorweg, damit die Gemeinde weiss, worum es geht, danach die Gemeinde begleiten). Die ganzen Liedermelodien und eine vorkomponierte Version der Begleitung waren in einem dicken Ringbuch auf der Orgelempore, und der Priester gab mir einen Zettel mit den Nummern. Groesstenteils habe ich die Lieder vom Blatt gespielt, oder sie mir hoechstens vorher mal angesehen. Zum Einzug, zur Kommunion und zum Auszug konnte ich ein paar einfache Choralvorspiele von Bach (die das Pedal nicht besonders strapazieren). Sonst nichts.

 

Der zelebrierende Priester hat aber immer am Anfang drauf hingewiesen, dass der Organist, der Herr Soundso, leider heute krank sei, aber sein Schueler Herr Diesunddas dankenswerter sich kurzfristig bereit erklaert hat einzuspringen. Ich vermute mal, dass der Priester dies so schoen erwaehnte, damit die Gemeinde schon direkt wusste, dass sie heute nichts interessantes von der Orgel erwarten duerfen.

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