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Kirche und Heiden


Erich

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Und so nebenbei hat man sich gleich dazu entschlosen den "Heiden" überhaupt die Seele abzusprechen.

schrieb der Wolfgang. Hier meine Antwort darauf:

 

Aus der Bulle "Sublimis Deus" über die Menschenwürde der Indios von Papst Paul III, veröffentlicht am 9. Juli 1537 !

 

1. Der erhabene Gott neigte sich unserem Geschlecht mit solcher Liebe zu und schuf den Menschen dergestalt, dass dieser nicht bloß wie die anderen Geschöpfe am Guten teilnehmen, sondern das unzugängliche und unsichtbare höchste Gut selbst verkosten und von Angesicht zu Angesicht schauen darf. Da nun, nach dem Zeugnis der Hl. Schrift, der Mensch für das ewige Leben und die Glückseligkeit bestimmt ist, dieses ewige Leben und die Seligkeit aber nur durch den Glauben an unsern Herrn Jesus Christus erlangt werden können, muss man dem Menschen eine derartige Beschaffenheit und Natur zuerkennen, dass er diesen Glauben an Christus zu empfangen imstande sei und dass, wer immer die menschliche Natur sich zu eigen nennt, auch die Fähigkeit zu glauben besitze. Denn es wird wohl niemand so beschränkt sein, annehmen zu wollen, ein Ziel lasse sich ohne den Einsatz der dazu notwendigen Mittel verwirklichen. Wie Wir wissen, sprach deshalb die Wahrheit selbst - und sie kann ja weder irren noch jemanden in Irrtum führen -, als sie die Prediger des Glaubens zum Amte der Verkündigung auserkor, die Worte: Euntes docete omnes gentes. Alle, sagte sie, ohne Ausnahme, sind doch alle fähig, im Glauben unterwiesen zu werden.

2. Scheelen Blickes sah dies der Rivale des Menschengeschlechtes, der stets allem Guten entgegenwirkt und es zu vernichten trachtet. Daraufhin ersann er eine bislang nie gehörte List, um die Verkündigung des Wortes Gottes an die Völker und damit deren Heil zu hintertreiben: Er veranlasste nämlich einige seiner Helfershelfer, die nichts anderes begehrten, als ihre Habsucht zu befriedigen, dass sie unablässig darauf hinarbeiteten, die Bewohner West- und Südindiens und andere Nationen, von denen Wir Kunde erhalten haben, wie Tiere zum Sklavendienst einzuspannen. Sie schützten dabei vor, diese Leute könnten des katholischen Glaubens nicht teilhaftig werden. Als Stellvertreter Christi, unseres Herrn, wiewohl dessen unwürdig, suchen Wir mit all Unseren Kräften, die Schafe seiner Herde, die Uns anvertraut sind und sich außerhalb seiner Herde befinden, in seinen Schafstall hineinzuführen. Wir wissen wohl, dass die Indios als wirkliche Menschen nicht allein die Fähigkeit zum christlichen Glauben besitzen, sondern zu ihm in allergrößter Bereitschaft herbeieilen, wie man es Uns wissen ließ.

 

3. Aus dem Verlangen, in diese Angelegenheit Ordnung zu bringen, bestimmen und erklären Wir mit diesem Schreiben und kraft Unserer apostolischen Autorität, ungeachtet all dessen, was früher in Geltung stand und etwa noch entgegensteht, dass die Indios und alle ändern Völker, die künftig mit den Christen bekannt werden, auch wenn sie den Glauben noch nicht angenommen haben, ihrer Freiheit und ihres Besitzes nicht beraubt werden dürfen; vielmehr sollen sie ungehindert und erlaubterweise das Recht auf Besitz und Freiheit ausüben und sich dessen erfreuen können. Auch ist es nicht erlaubt, sie in den Sklavenstand zu versetzen. Alles was diesen Bestimmungen zuwiderläuft, sei null und nichtig. Die Indios aber und die ändern Nationen mögen durch die Verkündigung des Wortes Gottes und das Beispiel eines guten Lebens zum Glauben an Christus eingeladen werden."

[Quelle der Übersetzung: Gott in Lateinamerika : Texte aus fünf Jahrhunderte. Ein Lesebuch zur Geschichte / ausgewählt und eingeleitet von Mariano Delgado ... -- Düsseldorf : Patmos, ©1991. -- ISBN 3-491-77041-6. -- S. 68 - 71]

Edited by Erich
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Bevor die inhaltliche Diskussion losgeht, finde ich diese Klarstellung wohltuend, dass Du Heiden die Seele nicht absprichst. (Ich nehme an, dass dies Deine konkrete Antwort auf Wolfgangs Vorwurf ist).

 

Das ist um so erfreulicher, als Du manchmal diesen heidenseelenabsprechenden Eindruck erweckst - nicht direkt, aber zwischen den Zeilen vermutbar.

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wolfgang E.

Eduardo Galeano, Die offenen Adern Lateinamerikas, Die Geschichte eines Kontinents; Erweiterte Auflage, Peter Hammer Verlag Wuppertal 1992.

 

Zitat: Eine grosse Anzahl von Theologen und Denkern hatte sich von der, 1537 erlassenen Bulle Paul III nicht ueberzeugen lassen, in der Indianer zu "wirklichen Menschen" erklaert wurden. Pater Bartholome de las Casas versetzte den spanischen Hof mit seinen zuendenden Anklagen gegen die Grausamkeit der Konquistadoren in Aufregung: 1557 erwiderte ihm ein Mitglied des koeniglichen Rates, die Indianer befaenden sich auf einer so tiefen Stufe der menschlichen Entwicklung, dass sie unfaehig seien, der Gnade des Glaubens teilhaftig zu werden. ( Lewis Hanke: Estudios sobre Fray Bartolome de las Casas y sobre la lucha por la justitia en la conquista espanola de America)Zitatende.

 

Die Geschichte des B. de las Casas wurde wie bereits erwaehnt von Reinhold Schneider in einen Drama "Las Casas vor Karl V" festgehalten.

 

B de las Casas wurde spaeter Bischof in San Cristobal (heute San Cristobal de las Casas) in Chiappas. Dies ist genau der Ort, wo vor jetzt ca 11 Jahren Subcommandante Marcos zu Silvester einen Aufstand der indigenen Bevoelkerung inszenierte. Bischof in dieser Stadt war Msgr. Ruiz ein Halbindio, der sich stark mit den Armen und den Indios identifizierte. Ihm warf man vor vom geplanten Aufstand gewusst zu haben.

 

Seitdem wurde von einflussreichen mexikanischen Kreisen seine Abberufung betrieben. Er wurde vor seinem entsprechenden Alter auch tatsaechlich abberufen.

(Genaue Daten zur Abberufung von Bischof Ruiz kann ich nachliefern, wenn ich wieder zu Hause bin.)

Edited by wolfgang E.
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Das ist um so erfreulicher, als Du manchmal diesen heidenseelenabsprechenden Eindruck erweckst

wenn ich bei Dir etwas Glauben an unseren Herrn Jesus Christus erwecken würde, wäre das schöner!

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Mach Dir keine Hoffnungen. Thomas Blömer, ich und andere sind dermaßen hartnäckige Leugner, dass Du den Himmel nur mit ganz wenigen aus dem unbeugsamen, widerstandsleistenden Dorf teilen musst.

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Das ist um so erfreulicher, als Du manchmal diesen heidenseelenabsprechenden Eindruck erweckst

wenn ich bei Dir etwas Glauben an unseren Herrn Jesus Christus erwecken würde, wäre das schöner!

Wenn Du Deine Glaubensweisheiten nicht einmal bei einem katholischen Priester anbringen kannst, dann kann das entweder an der Natur Deiner Weisheiten liegen, oder an der Art, sie zu vermitteln. Prinzipiell ist natürlich auch denkbar, dass bei Meckys Priesterweihe irgendwas schief ging (zum Beispiel ungültiges Weihwasser), und er deshalb so verstockt ist. Aber das halte ich für unwahrscheinlich.

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Thomas Blömer, ich und andere sind dermaßen hartnäckige Leugner

Sorry, vom TB hab ich überhaupt nicht diese Meinung. Er ist ein rechtschaffender und glaubwürdiger Kathole, der nur zu viele Tische zerkleinert, deshalb manchmal zu viel Sägemehl im Mund hat und dann etwas undeutlich spricht :P:blink::):)

Edited by Erich
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Grundsätzlich hat Erich aber recht. Wenn er (oder jemand anderes) es schafft, bei anderen Menschen Glauben an Jesus Christus zu wecken, zu mehren und zu vertiefen, dann wäre das wertvoller, als alle Detaillklärung.

 

Vielleicht sollten das alle Christen hier im Forum als Prinzip annehmen - wobei ich nicht behaupten will, dass sie es grundsätzlich nicht tun, aber manchmal drängen sich andere Nebensächlichkeiten in die Vordergrund.

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Grundsätzlich hat Erich aber recht.

Du hast wieder Kreide gegessen! :P:blink::):)

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Es gab immer wieder einzelne Theologen in der Kirche, die zu eigenartigen Schlußfolgerungen gekommen sind- mitunter auch großen Einfluß auf die Kirche ausübten. Es gibt auch die Methode, diese Irrtümer und Irrwege einzelner Theologen (wie z.B: jene, dass man den "Heiden" die Seele absporicht) als Lehre der Kirche auszugeben. Hier ist Differenzierung angebracht.

 

Eine Frage am Rande:

 

Stimmt es, dass es "fundamentalistische" Mosleme gibt, die der Frau absprechen, eine unsterbliche Seele zu haben?

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Grundsätzlich hat Erich aber recht.

Du hast wieder Kreide gegessen! :P:blink::):)

Man kann in allem genügend Negatives sehen.

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