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Glauben: Genetisch, Umwelt, Prägung?


Martin
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Ennasus schreibt in F&A:

 

http://www.mykath.de/index.php?showtopic=1...ndpost&p=496873

 

 

"Es gibt eine Idee dazu, die mich fasziniert: Wenn ich davon ausgehe, dass es auch in der Menschheitsgeschichte "Evolution" gibt (im Sinn einer Bewusstseinsentwicklung), dann könnte es doch sein, dass wirklich in diesem kleinen Wüstenvolk sich eine genetische Voraussetzung entwickelt hat, die einen anderen Weltzugang ermöglicht oder bewirkt, als es in den umliegenden Stämmen und im Rest der Menschheit möglich war ("veritas judaica" als spezifische Form des Weltzugangs, im Gegensatz zur "veritas graeca"). Das wäre dann ein Leben im "Ich-Du" Bezug zur Welt, ein ganzheitlicheres, bildhafteres, weniger rationales Erfassen. Und dass das "Auserwähltsein" diese spezifische genetische Voraussetzung meint, die sich bei uns erst entwickeln muss. Es wird auch spannend, die Bibel zu lesen, wenn man unter "Juden" und "Griechen" und "Heiden" nicht die konkreten äußeren Bedingungen versteht, sondern jeweils andere Formen, mit der Wirklichkeit der Welt umzugehen.

 

 

Weitergedacht: Ist es möglich, dass manche Menschen (z.B. das Volk Israel) glauben, weil es bei Ihnen genetisch angelegt ist? Ein Indiz könnte sein, dass man keine Fremden heiraten soll. Oder das nur der ein Jude ist, dessen Mutter (!) Jüdin ist.

Edited by Martin
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Ääähm, Martin, ganz so hab ich es nicht gemeint, dass es einen genetisch verankerten Glauben gibt.

Es ist nur so, dass die spezifisch menschliche Möglichkeit zu psychospiritueller Bewusstheit eindeutig mit dem spezifisch menschlichen Gehirnaufbau zusammenhängt.

"Geist" und "Seele" können nichts entfalten, was nicht als Möglichkeit in unserem Körper (Gehirn) angelegt ist.

Und da scheint es schon so zu sein, dass es Menschen gibt, die "von Natur aus" offener sind für eine gestalthafte Wahrnehmung des Ganzen, die sich anrühren lassen und Achtung haben, vor dem, was sie anrührt, die eher in einem "Ich-Du-Bezug" zur Welt stehen.

 

Ich hab das schon länger einmal gelesen, dass die Besonderheit und Auserwähltheit der Juden vielleicht damit zusammenhängt, dass sie als Volk eine besondere Begabung in diese Richtung haben.

 

Und unlängst bin ich eben über die Begriffe "veritas judaica" und "veritas graeca" gestolpert und hab festgestellt, dass dieser Gedanke gar nicht so neu ist - nur die Verknüpfung mit konkreten biologischen Gegebenheiten vermutlich.

 

Im Gegensatz dazu stünden "die Griechen" eher in einem "Ich-Es-Bezug" zur Welt: analytisch, logisch, erprobend, objektiv das Gegebene beachtend.

 

Biblisch wäre, so wie ich es verstehe, das Anliegen, weder beim einen noch beim andern stehen zu bleiben: sondern beide Weisen des Weltzugangs zu lernen, sich ihnen zu öffnen und "wahrer Mensch" zu werden. (Jesus!)

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Noch einmal:

 

Es ist echt spannend, Bibel zu lesen, wenn man "Juden", "Heiden" und "Griechen" so versteht!

 

"Heiden" wären die, für die nur der sichtbare und greifbare Vorteil wichtig und wirklich ist. Im AT heißen sie "die Toren" und die "Gottlosen".

Solange sie sich nicht bewegen lassen, aufzuhorchen und nach einer Wirklichkeit jenseits des unmittelbaren materiellen Gewinns oder Machtvorteils zu suchen, stehen sie abseits von jeder Entwicklung in Richtung "Leben" und "Geist".

 

Die Botschaft des NT geht gleichermaßen an die "Juden" und die "Griechen". Dort, wo ihre beiden Werte gleichzeitig gültig sind, kann "der Mensch" entstehen, geboren werden.

Diese beiden verschiedenen Arten des Weltzugangs sind dort, wo sie sich gegenseitig befruchten, sozusagen "Mutter" und Vater" des "Menschen".

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Das wäre eine Ohrfeige für den Kapitalismus - der auf den ersten Blick so erfolgreich und effizient erscheint.

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Naja, dass das (Kapitalismus) auf Dauer nicht ein wirklich zukunftsfähiges Modell ist, denk ich schon!

Edited by Ennasus
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... nach einer Wirklichkeit jenseits des unmittelbaren materiellen Gewinns oder Machtvorteils zu suchen ... (ist eine) ... Entwicklung in Richtung "Leben" und "Geist".

:blink:

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Noch einmal:

 

Es ist echt spannend, Bibel zu lesen, wenn man "Juden", "Heiden" und "Griechen" so versteht!

 

"Heiden" wären die, für die nur der sichtbare und greifbare Vorteil wichtig und wirklich ist. Im AT heißen sie "die Toren" und die "Gottlosen".

Solange sie sich nicht bewegen lassen, aufzuhorchen und nach einer Wirklichkeit jenseits des unmittelbaren materiellen Gewinns oder Machtvorteils zu suchen, stehen sie abseits von jeder Entwicklung in Richtung "Leben" und "Geist".

 

Die Botschaft des NT geht gleichermaßen an die "Juden" und die "Griechen". Dort, wo ihre beiden Werte gleichzeitig gültig sind, kann "der Mensch" entstehen, geboren werden.

Diese beiden verschiedenen Arten des Weltzugangs sind dort, wo sie sich gegenseitig befruchten, sozusagen "Mutter" und Vater" des "Menschen".

"Juden" "Heiden" "Griechen":

 

Du hast den Zugang der "Heiden" definiert, die "Griechen" sind hier definiert:

 

Im Gegensatz dazu stünden "die Griechen" eher in einem "Ich-Es-Bezug" zur Welt: analytisch, logisch, erprobend, objektiv das Gegebene beachtend.

Könntest Du bitte, der Vollständigkeit halber, noch die "Juden" definieren?

 

Vielen Dank und liebe Grüße, Gabriele

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Könntest Du bitte, der Vollständigkeit halber, noch die "Juden" definieren?

 

Vielen Dank und liebe Grüße, Gabriele

Gern. Ich hab oben (in Martins Zitat) schon was dazu geschrieben, drum wollte ich es nicht noch einmal...

 

"Juden" wären Menschen, die in einem dialogischen Bezug zur Welt stehen, in einem "Ich-Du-Bezug", die nicht schwärmerisch, sondern ganz nüchtern sich bewegen lassen von etwas, was sie als Anrede, Anruf erfahren und die Antwort darauf geben wollen.

Es ist vielleicht sowas wie eine "religiöse Grundhaltung" und dazu gehört eben: die Be-Achtung dessen, was anrührt, eine gestalthafte Wahrnehmung des lebendigen Ganzen, das Antwortgeben und Fragenstellen und der versuch, das alles durch Handeln in der Beziehung zu leben.

 

Lieben Gruß

 

Susanne

 

(z.B. Röm 2, 28-29 : Jude ist nicht, wer es nach außen hin ist, und Beschneidung ist nicht, was sichtbar am Fleisch geschieht, sondern Jude ist, wer es im Verborgenen ist, und Beschneidung ist, was am Herzen durch den Geist, nicht durch den Buchstaben geschieht. Der Ruhm eines solchen Juden kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.)

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Heute morgen habe ich mich an einen Bericht erinnert, den ich vor langer Zeit gelesen habe. Damit hat sich eher bei den Griechen etwas geändert. Sie hatten auf einmal einen anderen Blickwinkel als andere Völker und waren damit für lange Zeit sehr erfolgreich. Odysseus wird in der Ilias als Prototyp dieses Denkens dargestellt.

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