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Die Rosinen


Lucie
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ich bin evangelisch oder, wie ich jetzt gerne sage (seit ich in einer ziemlich bunten römisch-katholischen Gemeinde zu Hause bin): wittenbergisch-katholisch

das liest sich so, als ob Du nur die Rosinen von den verschiedenen Kuchen runterpickst - aber keinen davon kaufst.

Ich nehme mal dieses posting (aus Kattas "konvertiert"-thread) zum Anlass für eine Rundfrage: was sind nach Eurer Ansicht und Erfahrung die Rosinen

- des römisch-katholischen

- des "wittenbergischen" Kuchens

 

und was wären die jeweiligen Gründe, sie nicht zu kaufen?

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Ich nehme mal dieses posting (aus Kattas "konvertiert"-thread) zum Anlass für eine Rundfrage: was sind nach Eurer Ansicht und Erfahrung die Rosinen

- des römisch-katholischen

- des "wittenbergischen" Kuchens

 

und was wären die jeweiligen Gründe, sie nicht zu kaufen?

Es gibt bei Evangelischen keine Rosinen, die den Kuchen versüssen. Der fade Einheitsbrei hat mich veranlasst, die wohlschmeckenden Rosinen bei der RK zu suchen.

Der Ritus der KK ist einzigartig wie eine Perle aus tausendundeinerNacht.

 

Ehrlich gesagt, ich möchte nie mehr was anderes kosten.

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Das kommt ganz auf die Frage an, was man für Rosinen hält.

 

1) Evangelisch: Jeder darf alles - sowohl glauben wie auch tun. Hauptargument: Wir sind zur Freiheit berufen (wobei hier oft die "Freiheit von ..." gemeint ist). Nachteil: alles ist relativ, eine feste und stringente Lehre, die einen Wahrheitsanspruch erhebt, ist spätestens mit der Leuenberger Konkordie gefallen. Protestanten, die das im Innersten als schwer zu rechtfertigen empfinden, kommen mit der angeblich auch bezüglich der realen Ergebnisse von Gott gewollten Freiheit des Gewissens. Über diesen Tatsachen hat sich die evangelische Kirche von einer Glaubensgemeinschaft zu einem sehr aktiven Sozial- und Kulturverein gewandelt. Die vielen in der orthodoxen lutherischen Lehre noch enthaltenen Wahrheiten, die sie aus der Kirche bei ihrer Abspaltung mitgenommen hat, fallen darüber der gutgeheißenen Beliebigkeit der Gemeindeglieder zum Opfer. Da es den "Privatglauben" der Gemeindemitglieder auch in der kath. Kirche gibt, ist das Hauptärgernis die Tatsache, daß die evangelische Kirche ihre eigene Entwicklung zur Beliebigkeit als gut und zukunftsweisend einschätzt. Endergebnis: die angebliche Rosine entpuppt sich als eine Süßigkeit, die dem Organismus im Endeffekt mindestens Schmerzen bringt.

Eine echte Rosine sind die Gemeindechoräle der Barockzeit, vor allem Paul Gerhard. Gut, daß die Kirche dies übernommen hat.

 

2) Katholisch: Die Lehre der Kirche wird vom Lehramt und vielen Gläubigen außerhalb Westeuropas auch tatsächlich für die Wahrheit gehalten. Der Gläubige kann sein Leben nach beständigen und hilfreichen Maßstäben, die den heilsamen göttlichen Willen darstellen, ausrichten. Die Gemeinschaft über Ort und Zeit besteht, auch in der Gegenwart stellt sie sich nicht lediglich als sozial bedingte Entwicklungshilfe (die ja als Teilaspekt nicht schlecht ist) dar. Die Tradition der Apostel und Kirchenväter ist lebendig und wird erhalten, eine beständige Zuwendung zu den tatsächlichen Problemen unserer Zeit ist gegeben.

 

Mal schauen, was mir sonst noch so einfällt.

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wolfgang E.
Das kommt ganz auf die Frage an, was man für Rosinen hält.

 

1) Evangelisch: Jeder darf alles - sowohl glauben wie auch tun. Hauptargument: Wir sind zur Freiheit berufen (wobei hier oft die "Freiheit von ..." gemeint ist). Nachteil: alles ist relativ, eine feste und stringente Lehre, die einen Wahrheitsanspruch erhebt, ist spätestens mit der Leuenberger Konkordie gefallen. Protestanten, die das im Innersten als schwer zu rechtfertigen empfinden, kommen mit der angeblich auch bezüglich der realen Ergebnisse von Gott gewollten Freiheit des Gewissens. Über diesen Tatsachen hat sich die evangelische Kirche von einer Glaubensgemeinschaft zu einem sehr aktiven Sozial- und Kulturverein gewandelt. Die vielen in der orthodoxen lutherischen Lehre noch enthaltenen Wahrheiten, die sie aus der Kirche bei ihrer Abspaltung mitgenommen hat, fallen darüber der gutgeheißenen Beliebigkeit der Gemeindeglieder zum Opfer. Da es den "Privatglauben" der Gemeindemitglieder auch in der kath. Kirche gibt, ist das Hauptärgernis die Tatsache, daß die evangelische Kirche ihre eigene Entwicklung zur Beliebigkeit als gut und zukunftsweisend einschätzt. Endergebnis: die angebliche Rosine entpuppt sich als eine Süßigkeit, die dem Organismus im Endeffekt mindestens Schmerzen bringt.

Eine echte Rosine sind die Gemeindechoräle der Barockzeit, vor allem Paul Gerhard. Gut, daß die Kirche dies übernommen hat.

 

2) Katholisch: Die Lehre der Kirche wird vom Lehramt und vielen Gläubigen außerhalb Westeuropas auch tatsächlich für die Wahrheit gehalten. Der Gläubige kann sein Leben nach beständigen und hilfreichen Maßstäben, die den heilsamen göttlichen Willen darstellen, ausrichten. Die Gemeinschaft über Ort und Zeit besteht, auch in der Gegenwart stellt sie sich nicht lediglich als sozial bedingte Entwicklungshilfe (die ja als Teilaspekt nicht schlecht ist) dar. Die Tradition der Apostel und Kirchenväter ist lebendig und wird erhalten, eine beständige Zuwendung zu den tatsächlichen Problemen unserer Zeit ist gegeben.

 

Mal schauen, was mir sonst noch so einfällt.

Du hast ein Missverständnis mit dem Threadtitel - er heisst "Rosinen". Dein Thread heißt offensichtlich "Warum bei den Evangelischen alles schlecht und bei uns Katholiken alles gut ist".

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Die Gemeindechoräle bei den Evangelen sind wirklich eine Rosine. Leider haben die Katholen davon nur wenig übernommen.

Edited by Squire
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Die Gemeindechoräle bei den Evangelen sind wirklich eine Rosine. Leider haben die Katholen davon nur wenig übernommen.

Richtig, das habe ich mir heute beim Orgelspiel und Gemeindegesang in der Sonntagsmesse auch gedacht.

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Das kommt ganz auf die Frage an, was man für Rosinen hält.

 

1) Evangelisch: Jeder darf alles - sowohl glauben wie auch tun. Hauptargument: Wir sind zur Freiheit berufen (wobei hier oft die "Freiheit von ..." gemeint ist). Nachteil: alles ist relativ, eine feste und stringente Lehre, die einen Wahrheitsanspruch erhebt, ist spätestens mit der Leuenberger Konkordie gefallen. Protestanten, die das im Innersten als schwer zu rechtfertigen empfinden, kommen mit der angeblich auch bezüglich der realen Ergebnisse von Gott gewollten Freiheit des Gewissens. Über diesen Tatsachen hat sich die evangelische Kirche von einer Glaubensgemeinschaft zu einem sehr aktiven Sozial- und Kulturverein gewandelt. Die vielen in der orthodoxen lutherischen Lehre noch enthaltenen Wahrheiten, die sie aus der Kirche bei ihrer Abspaltung mitgenommen hat, fallen darüber der gutgeheißenen Beliebigkeit der Gemeindeglieder zum Opfer. Da es den "Privatglauben" der Gemeindemitglieder auch in der kath. Kirche gibt, ist das Hauptärgernis die Tatsache, daß die evangelische Kirche ihre eigene Entwicklung zur Beliebigkeit als gut und zukunftsweisend einschätzt. Endergebnis: die angebliche Rosine entpuppt sich als eine Süßigkeit, die dem Organismus im Endeffekt mindestens Schmerzen bringt.

Eine echte Rosine sind die Gemeindechoräle der Barockzeit, vor allem Paul Gerhard. Gut, daß die Kirche dies übernommen hat.

 

2) Katholisch: Die Lehre der Kirche wird vom Lehramt und vielen Gläubigen außerhalb Westeuropas auch tatsächlich für die Wahrheit gehalten. Der Gläubige kann sein Leben nach beständigen und hilfreichen Maßstäben, die den heilsamen göttlichen Willen darstellen, ausrichten. Die Gemeinschaft über Ort und Zeit besteht, auch in der Gegenwart stellt sie sich nicht lediglich als sozial bedingte Entwicklungshilfe (die ja als Teilaspekt nicht schlecht ist) dar. Die Tradition der Apostel und Kirchenväter ist lebendig und wird erhalten, eine beständige Zuwendung zu den tatsächlichen Problemen unserer Zeit ist gegeben.

 

Mal schauen, was mir sonst noch so einfällt.

Du hast ein Missverständnis mit dem Threadtitel - er heisst "Rosinen". Dein Thread heißt offensichtlich "Warum bei den Evangelischen alles schlecht und bei uns Katholiken alles gut ist".

Gegen einen W. E., der vorsätzlich mißversteht, ist wohl kein Kraut gewachsen. Ich empfehle die erneute Lektüre meines Einleitungssatzes im bekrittelten Beitrag.

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Da Wolfgang so nett war, an diesen thread zu erinnern (GG, "Unterschiede") poste ich ihn nochmal hoch und bedanke mich für die Antworten.

 

Besonders gefreut hat mich die Wertschätzung, die dem evangelischen Kirchenlied entgegen gebracht wird. Wenn ich in meiner katholischen Gemeinde mal davon anfange, dann verdrehen die Leute eher die Augen und schütten sich aus vor Lachen über Formulierungen wie "Verzage nicht, du Häuflein klein" usw. Daher dachte ich immer, man muss wohl damit aufgewachsen sein, um die Lieder goutieren zu können. Jedenfalls empfinde ich es so, dass sich hier gerade das Bahn bricht, was einem sonst im protestantischen Gottesdienst immer so fehlt, Sinnenfreude, Gefühlsintensität, Erotik im weiteren Sinne ...

 

Die vielleicht größte "Rosine" für mich ist bei Katholens die Beliebtheit der Sonntagsmesse. Dass da alle kommen, nicht nur die, die sich auch wochentags noch engagieren (und auch die fehlen ja bei den Prots oft am Sonntag). "Nicht wir halten den Sonntag, sondern der Sonntag hält uns" sagte mir mal ein Pfarrer, und genauso habe ich es mein Leben lang empfunden.

 

Was den Ritus betrifft, dazu könnte man natürlich auch noch vieles sagen. Ich verstehe hier vor allem das Wort "Einheitsbrei" nicht, denn ist es nicht gerade ein Problem der Protestanten, dass es so viele verschiedene Formen gibt und scheinbar jeder machen kann, was er will?

 

Die von Dir, Soames, angesprochenen Fragen führen natürlich auf ein sehr weites Feld. Paradoxerweise scheint es mir so zu sein, dass der Durchschnittsprotestant sich viel mehr mit dem auseinandersetzt, was die Synoden so beschließen (und sich oft genug darüber empört), als sich der Durchschnittskatholik die Veröffentlichungen aus Rom zu Herzen nimmt. Tatsächlich war ich anfangs richtig bestürzt darüber, wie viele Katholiken "sowieso alles blöd" finden, was aus Rom kommt. Auf dieses forum bin ich nach der Veröffentlichung von "Redemtionis Sacramentum" gekommen, das kaum ein mir persönlich bekannter Katholik überhaupt für diskussionswürdig hielt. Insofern ist das forum hier sehr "protestantisch".

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Besonders gefreut hat mich die Wertschätzung, die dem evangelischen Kirchenlied entgegen gebracht wird. Wenn ich in meiner katholischen Gemeinde mal davon anfange, dann verdrehen die Leute eher die Augen und schütten sich aus vor Lachen über Formulierungen wie "Verzage nicht, du Häuflein klein" usw.

Das ist sehr schade.

 

Die vielleicht größte "Rosine" für mich ist bei Katholens die Beliebtheit der Sonntagsmesse. Dass da alle kommen, nicht nur die, die sich auch wochentags noch engagieren (und auch die fehlen ja bei den Prots oft am Sonntag). "Nicht wir halten den Sonntag, sondern der Sonntag hält uns" sagte mir mal ein Pfarrer, und genauso habe ich es mein Leben lang empfunden.

Das sehe ich ganz genauso.

 

Was den Ritus betrifft, dazu könnte man natürlich auch noch vieles sagen. Ich verstehe hier vor allem das Wort "Einheitsbrei" nicht, denn ist es nicht gerade ein Problem der Protestanten, dass es so viele verschiedene Formen gibt und scheinbar jeder machen kann, was er will?
Was meinst Du mit dem "Einheitsbrei"? Habe ich was überlesen?

 

Die von Dir, Soames, angesprochenen Fragen führen natürlich auf ein sehr weites Feld.
Das tut es. Aber ich finde es immer sehr erörternswert. :lol:
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Was den Ritus betrifft, dazu könnte man natürlich auch noch vieles sagen. Ich verstehe hier vor allem das Wort "Einheitsbrei" nicht, denn ist es nicht gerade ein Problem der Protestanten, dass es so viele verschiedene Formen gibt und scheinbar jeder machen kann, was er will?

Was meinst Du mit dem "Einheitsbrei"? Habe ich was überlesen?

Das bezog sich auf das posting von tomlo.

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Was den Ritus betrifft, dazu könnte man natürlich auch noch vieles sagen. Ich verstehe hier vor allem das Wort "Einheitsbrei" nicht, denn ist es nicht gerade ein Problem der Protestanten, dass es so viele verschiedene Formen gibt und scheinbar jeder machen kann, was er will?

Was meinst Du mit dem "Einheitsbrei"? Habe ich was überlesen?

Das bezog sich auf das posting von tomlo.

Was mag er damit gemeint haben? Vielleicht gibt es einen "faden Einheitsbrei" im Uneinheitlichen?

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