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Überlegenheit?


Prinz

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In der Friedmann-Talkshow auf N24 äußerte sich Jürgen Rüttgers am vergangenen Wochenende zur katholischen Kirche. Seine Antworten sorgen für Wirbel:

 

 

"Ich glaube, dass die katholische Kirche und ihr Menschenbild das richtige ist und anderen Religionen überlegen ist."

 

 

Mit anderen Worten: Ich habe die Weisheit mit Löffeln gefressen und bin, nur durch den Umstand, dass ich Katholik bin, allen Anhängern anderer Glaubensgemeinschaften überlegen. Das erinnert mich doch sehr an eine Predigt Joachim Kardinal Meisners, Sympathisant des Opus Dei, die vor einigen Jahren für Diskussionen gesorgt hat. Gehört Jürgen Rüttgers auch zu dieser "Elitetruppe" des Vatikans? Seine Formulierung lässt jedenfalls diese Deutung zu.

 

Setzen wir mal voraus, dass ein "guter Katholik" vom "Heiligen Geist" erfüllt ist, der sich in den Tugenden der Selbstbeherrschung, Freude, Güte, der Weisheit und des Sanftmutes äußert, dann suche ich in Rüttgers Äußerung vergeblich danach. In seinen Worten fällt mir nur ein gewisser Hochmut auf, aber der gehört wiederum zu den sieben Todsünden.

 

Soweit meine Meinung, aber wie seht Ihr das? Wie kommt man darauf, dass die katholische Kirche anderen Religionsgemeinschaften überlegen sei?

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Das mag sein, aber die Frage der "Überlegenheit" wird dort nicht diskutiert. Ein und dasselbe Thema kann man durchaus von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten und diskutieren. In diesem Fall als katholisches Glaubensgespräch.

Edited by Prinz
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Das erinnert mich doch sehr an eine Predigt Joachim Kardinal Meisners, Sympathisant des Opus Dei, die vor einigen Jahren für Diskussionen gesorgt hat.

Welche Predigt (wann, Wortlaut, etc.)?

 

Im übrigen hast du m.E. Rüttgers falsch zitiert.

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Wie kommt man darauf, dass die katholische Kirche anderen Religionsgemeinschaften überlegen sei?

weil wir das Heil in Fülle haben. :lol:

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Welche Predigt (wann, Wortlaut, etc.)?

 

Im übrigen hast du m.E. Rüttgers falsch zitiert.

 

Tut mir Leid, das ist richtig. Das Zitat hatte N24 später korrigiert. Seine Aussage war:

 

"Ich glaube, dass es [Anm. d. Autors: das Menschenbild der katholischen Kirche] das richtige ist, wenn sie so wollen auch 'überlegen'"

 

Quelle: http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/...ot/0/index.html

 

Zur Osterpredigt von Meisner finde ich nichts mehr im Netz, aber sie sorgte damals für Aufregung.

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Hej!

 

Focus:

Rüttgers hatte in der N24-Sendung „Studio Friedman“ in Berlin gesagt, als Katholik „glaube ich, dass unser christliches Menschenbild das richtige ist und nicht vergleichbar ist mit Menschenbildern, die es anderswo auf der Welt gibt“.

 

Auf die Frage nach der etwaigen Überlegenheit der katholischen Kirche und ihres Menschenbildes, sagte Rüttgers laut Interviewtext in N24: „Ich glaube, dass es das Richtige ist, wenn Sie wollen auch ´überlegen´“. Dies bedeute für einen Protestanten, einen Juden oder Moslem, dass er von seiner Religion, „genau so überzeugt sein kann und man auf der Basis anfängt, miteinander zu reden", sagte Rüttgers."

 

taz:

Jürgen Rüttgers sagte auf mehrmalige Nachfrage des Moderators Michel Friedman zu dem Menschenbild der katholischen Kirche: "Ich glaube, dass es das richtige ist, wenn Sie wollen, auch überlegen."

 

Entschuldigt bitte -- aber wenn ein Katholik nicht glaubte, dass sein Glaube der richtige ist, warum wäre er denn dann Katholik?

 

Das ist doch nur Wahlkampfgetöse einer zunehmend verzweifelten SPD.

 

-- snorri

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Nein, so sehe ich das nicht. Ich als Katholik kann feststellen, dass mein Glaube für mich der Richtige ist. Ich kann aber nicht behaupten, dass er anderen Religionen überlegen sei. Das wäre, wie ich schon sagte, hochmütig und das wiederum verbietet mir mein Glaube.

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Nein, so sehe ich das nicht. Ich als Katholik kann feststellen, dass mein Glaube für mich der Richtige ist. Ich kann aber nicht behaupten, dass er anderen Religionen überlegen sei. Das wäre, wie ich schon sagte, hochmütig und das wiederum verbietet mir mein Glaube.

wie hochmütig Jesus dann wohl gewesen ist... wie war das nochmal, wer kommt wie zum Vater?

 

Nichts desto trotz halte ich die Aussage Rüttgers für unglücklich.

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Hej Prinz,

 

genau das sagt Herr Rüttgers aber, lies mal oben nach.

 

-- snorri

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Nein, er sprach von Überlegenheit. Nicht davon, dass es für ihn persönlich das Richtige sei.

 

In einem Bundesland, wo 6 Millionen Protestanten und 1,2 Millionen Moslems leben, ist eine solche Aussage doch zumindest sehr mißverständlich, wenn nicht sogar vollkommen daneben.

 

Aber bleiben wir doch mal bei dem Menschenbild der katholischen Kirche, das anderen Religionen überlegen sei:

 

Wie ist das mit der Gleichstellung der Frauen in der katholischen Kirche?

Wie steht die Kirche zur Homosexualität?

Wie behandelt die Kirche geschiedene Paare?

Sicher, auch andere Religionen verfolgen da eine ähnliche Linie, aber überlegen kann man nur sein, wenn man alle Menschen einzubeziehen weiß und ihnen die gleiche Würde und gleiche Chancen zuspricht. Überlegen ist man nicht. Überlegen wird man, wenn man an sich arbeitet.

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Ich kann aber nicht behaupten, dass er anderen Religionen überlegen sei.

ich schon :lol:

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Nein, so sehe ich das nicht. Ich als Katholik kann feststellen, dass mein Glaube für mich der Richtige ist. Ich kann aber nicht behaupten, dass er anderen Religionen überlegen sei. Das wäre, wie ich schon sagte, hochmütig und das wiederum verbietet mir mein Glaube.

Es ist mitnichten hochmütig.

 

Der katholische Glaube ist anderen Religionen überlegen, weil er wahr ist.

 

Die Kirche ist anderen Glaubensgemeinschaften überlegen, weil sie von Jesus Christus aus dem Geist und der Wahrheit geboren und auf seine Nachfolge gegründet ist.

 

Ich finde es einen unglaublichen Hochmut, mir verbieten wollen, dies zu glauben.

 

Natürlich ist die Frage, was man aus dem Glauben an eine Überlegenheit der Kirche für Konsequenzen zieht. Solange es diese ist,

 

Friedman: Was bedeutet das denn eigentlich für einen Protestanten, einen Juden oder einen Moslem, wenn Sie sagen, die katholische Religion ist den anderen überlegen?

Rüttgers: Das bedeutet, dass er von seiner genauso überzeugt sein kann und dass man auf der Basis dann anfängt miteinander zu reden.

 

wüßte ich nicht, wo das Problem ist.

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Und was ist an anderen Religionen oder Konfessionen unwahr?

 

Nein, anders. Wenn jeder glaubt, seine Religion sei der anderen "überlegen", dann kommt man erst gar nicht dazu, miteinander zu reden. Wenn jeder von seiner Haltung so überzeugt ist, dass er sie für das einzig Wahre hält, dann ist eine Annäherung erst gar nicht möglich.

Edited by Prinz
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Und was ist an anderen Religionen oder Konfessionen unwahr?

Alles das, was nicht dem christlichen Glauben entspricht. Sollte doch klar sein.

 

Wenn Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, kann niemand Recht haben, der das bestreitet.

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Doch, gerade wenn man einen Standpunkt hat, ist ein Gespräch möglich.

 

Mit Leuten ohne Standpunkt zu reden, ist dagegen eher langweilig.

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Was ist dann mit den Protestanten? Was mit den Orthodoxen? Sagte Mohammed nicht auch, dass seine Lehre die "einzig Heilbringende" sei? Haben Juden, Buddhisten, Hinduisten alle unrecht? Ich halte es da eher so, dass jede Religion in sich einen Teil der Wahrheit beinhaltet. Daher ist keine der anderen in irgendeiner Weise überlegen. Ich kann nur für mich entscheiden, welche Wahrheit mir persönlich zusagt, wobei diese Entscheidung auch durch die Kultur und Gesellschaft geprägt ist, in der wir leben.

Edited by Prinz
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Ich halte es da eher so, dass jede Religion in sich einen Teil der Wahrheit beinhaltet. Daher ist keine der anderen in irgendeiner Weise überlegen.

da irrst Du Dich Prinz.

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Das was Du schreibst, Prinz, bedeutet nichts weiter, als daß Deiner Meinung der katholische Glaube eben nicht wahr ist, sondern am ehesten Deinem Geschmack entspricht.

 

Und im Endeffekt bedeutet es, daß Jesus gelogen hat und nicht der Christus ist.

 

Warum ich dann diesem Lügner glauben?

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Wozu führt es denn de facto, wenn ich nicht mehr erkläre, dass ich meine Religion für die richtige halte?

 

Kann mir dann nicht jeder Protestant einfach so vorhalten: Na dann schaff doch Dein Papstamt ab, es stimmt ja doch nicht? Muss ich mir dann nicht gleich von anderen vorschreiben lassen, dass ich z.B. aus Zeitgeistgründen und um der lieben Toleranz willen meinen Glauben am besten gleich an den Nagel hänge?

 

 

http://www.vorwaerts.de/allother.php/rubri...chaft/iAid/8191

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wolfgang E.
Was ist dann mit den Protestanten? Was mit den Orthodoxen? Sagte Mohammed nicht auch, dass seine Lehre die "einzig Heilbringende" sei? Haben Juden, Buddhisten, Hinduisten alle unrecht? Ich halte es da eher so, dass jede Religion in sich einen Teil der Wahrheit beinhaltet. Daher ist keine der anderen in irgendeiner Weise überlegen. Ich kann nur für mich entscheiden, welche Wahrheit mir persönlich zusagt, wobei diese Entscheidung auch durch die Kultur und Gesellschaft geprägt ist, in der wir leben.

Diese Frage wurde schon einmal recht gut beantwortet:

Vor grauen Jahren lebt’ ein Mann im Osten,

der einen Ring von unschätzbarem Wert

aus lieber Handbesaß......

"Und also", fuhr der Richter fort, "wenn ihr

nicht meinen Rat statt meines Spruches wollt:

geht nur! — Mein Rat ist aber der: ihr nehmt

die Sache völlig, wie sie liegt. Hat von

euch jeder seinen Ring von seinem Vater:

so glaube jeder sicher seinen Ring

den echten. — Möglich, daß der Vater nun

die Tyrannei des einen Rings nicht länger

in seinem Hause dulden wollten! — Und gewiß,

daß er euch alle drei geliebt und gleich

geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen,

um einen zu begünstigen. — Wohlan!

Es eifre jeder seiner unbestochnen,

von Vorurteilen freien Liebe nach!

Es strebe von euch jeder um die Wette,

die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag

zu legen! komme diese Kraft mit Sanftmut,

mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,

mit innigster Ergebenheit in Gott,

zu Hilf’! und wenn sich dann der Steine Kräfte

bei euren Kindes-Kindeskindern äußern:

so lad’ ich über tausend tausend Jahre

sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird

ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen

als ich und sprechen. Geht!" — so sagte der

bescheidne Richter.

Aus: NATHAN DER WEISE

von Gotthold Ephraim Lessing

Das hindert mich natuerlich nicht meinen Glauben fuer den Richtigen zu halten, aber es sollte vor "Ueberlegenheitsphantasien" schuetzen.

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Ich finde das ganz schön schwer auseinanderzuklamüsern.

 

Zu den guten alten Chatzeiten, als noch ein gewisser Schlumpf den Chat betrat, hat dieser von der haushohen Überlegenheit des Christentums über die Ungläubigen geredet. Stefan fragte direkt zurück: "Fühlst Du Dich mir überlegen?" Da kam keine Antwort zurück. Und das war auch gut so.

 

Wenn mich ein Nicht- oder Andersgläubiger nach der konkreten Überlegenheit fragt, dann kann ich auch nur peinlich betroffen verstummen.

 

Die Frage: "Ist Christentum überlegen oder Atheismus oder Buddhismus?" kommt mir so ähnlich vor wie die Frage: "Welcher Motor macht das Auto schneller: Eine 1.6-Litermaschine oder eine 2.0 Litermaschine?"

 

Tendenzweise wohl die 2.0 Litermaschine. Aber womöglich sind mehr 1.6 Litermotoren hochgetunt (getiuunt) als 2.0 Litermaschinen und im Durchschnitt wären dann die 1.6-Literautos schneller, also überlegen.

 

Wenn ich dann noch länger drüber nachdenke, dann fällt mir auch das Wort Jesu ein, als die Jünger (auf dem Weg in Jesu Todesstadt Jerusalem) rumkaspern, wer der Gröste von ihnen sei. (Mein Lieblingsvergleich ist immer noch der Laster, auf dem stand: "Meiner ist sieben Meter lang!"). Kann christlicher Glaube wirklich "überlegen" sein oder (noch schlimmer) überlegen machen?

 

Die Überlegenheit Jesu über den Tod stellte sich innerweltlich als Mut dar, sich kreuzigen zu lassen. Und das ist den Nichtchristen selbstverständlich keine Überlegenheit, sondern Irrsinn.

 

Mir deucht die Gefahr, sich in völlig anderem Sinne (den mit den sieben Metern) überlegen zu fühlen, immens gefährlich und so manches Posting in diesem Thread hab ich schon im Verdacht, den sieben Metern erlegen zu sein.

 

Wenn ich von einer Überlegenheit reden könnte, dann vielleicht (sofern nämlich dann auch wirklich der Glaube nicht erlahmt) in schweren Zeiten, wenn die Machbarkeit versagt. Da hat ein Christ vielleicht noch mal einen Halt und ein Ziel vor Augen, das Atheisten als solcher nicht haben kann. Aber dies mit dem Wort "Überlegenheit" zu titulieren, geht mir gegen den Strich. Es ist irgendwie ein Hohn auf das existenzringende Leid solcher Situationen, in denen Überlegenheitsgefühle nichts mehr zu suchen haben.

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Lieber Wolfgang!

 

Die Nathanparabel scheitert bei den Religionen daran, dass die Ringe (die Religionen) keineswegs gleich sind. Sie lehren verschiedene Wege.

 

Natürlich könnte man sagen, dass hinter allen Religionen ein Gemeinsames steckt, und dass darin das Wahre wäre.

Das glaube ich aber angesichts der Verschiedenheit der Religionen nicht.

 

Thomas Bloemer würde wohl auch (und meiner Meinung zurecht) kontern: Wenn es überhaupt ein solches "gemeinsames Wahres" gibt, dann dies: "Nämlich das, was im Christentum verwirklicht ist."

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Ich bin erleichtert, dass ich mit meiner Meinung doch nicht alleine stehe. Ich hatte heute nachmittag den Eindruck. In der Zwischenzeit kam mir folgender Gedanke:

 

Letztendlich haben alle großen Religionen das Ziel, Gott, die Menschen und die Schöpfung zu lieben. Wer das tut, der ist wirklich gottesfürchtig - im katholischen Sinne "heilig". Es gibt solche Menschen, die diese gewisse Aura haben. Wir Christen würden meinen, sie seien vom Heiligen Geist erfüllt. Warum sollte die alleinige Tatsache, dass jemand Katholik ist, einem solchen Menschen überlegen sein? Warum sollte Lieschen Müller von nebenan mehr Weisheit un Gnade vor Gott besitzen, als ein Mahatma Gandhi oder ein Dalai Lama? Mir leuchtet das nicht ein.

 

Überlegen ist, wer Gott und seine Schöpfung lieben gelernt hat und im Frieden mit Gott und der Welt lebt. Das ist die Kernaussage aller Religionen und nur, wer das auch lebt, der ist wahrhaft überlegen. Alles andere ist vermessener Hochmut.

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Überlegen ist, wer Gott und seine Schöpfung lieben gelernt hat und im Frieden mit Gott und der Welt lebt. Das ist die Kernaussage aller Religionen und nur, wer das auch lebt, der ist wahrhaft überlegen. Alles andere ist vermessener Hochmut.

Nein.

Insbesondere nicht der altassyrischen Religion ("Enuma elisch" spricht da ganz und gar anders.). Ebenso die Religion Homers.

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