Jump to content

Der Schrecken Isaaks


Italia-Katholik
 Share

Recommended Posts

Italia-Katholik

Hallo zusammen

 

Ich habe mal eine kleine Frage an euch. In der Bibel wird GOTT teilweise auch als "Schrecken Isaaks" bezeichnet. Ich habe darüber nachgedacht, kann aber immer noch nicht verstehen, warum jemand GOTT als "Schrecken" bezeichnen sollte, da er doch so gutmütig und barmherzig ist?

 

Vielen Dank schon im Voraus für eure Antworten

Link to comment
Share on other sites

kann aber immer noch nicht verstehen, warum jemand GOTT als "Schrecken" bezeichnen sollte, da er doch so gutmütig und barmherzig ist?

 

Wenn die göttliche Wirklichkeit in den Lebensraum ihres Geschöpfes eintritt, bewirkt das normalerweise zwei gegensätzliche Gefühle: Angst und Liebe. Gott zeigt sich als das furchterregende und zugleich faszinierende Geheimnis. Furchterregend wegen seiner Majestät, faszinierend wegen seiner Güte. Als Augustinus das göttliche Licht zum ersten Mal erblickte, „erschauderte er in Liebe und Erschrecken“, wie er sagt, und auch später noch ließ ihn der Kontakt mit Gott zugleich „schaudern und erglühen“

Link to comment
Share on other sites

Italia-Katholik

kann aber immer noch nicht verstehen, warum jemand GOTT als "Schrecken" bezeichnen sollte, da er doch so gutmütig und barmherzig ist?

 

Wenn die göttliche Wirklichkeit in den Lebensraum ihres Geschöpfes eintritt, bewirkt das normalerweise zwei gegensätzliche Gefühle: Angst und Liebe. Gott zeigt sich als das furchterregende und zugleich faszinierende Geheimnis. Furchterregend wegen seiner Majestät, faszinierend wegen seiner Güte. Als Augustinus das göttliche Licht zum ersten Mal erblickte, „erschauderte er in Liebe und Erschrecken“, wie er sagt, und auch später noch ließ ihn der Kontakt mit Gott zugleich „schaudern und erglühen“

 

 

Vielen Dank Erich, das hat mir meine Frage eigentlich soweit beantworten können. B)

 

Freundliche Grüsse

Link to comment
Share on other sites

kann aber immer noch nicht verstehen, warum jemand GOTT als "Schrecken" bezeichnen sollte, da er doch so gutmütig und barmherzig ist?

 

Wenn die göttliche Wirklichkeit in den Lebensraum ihres Geschöpfes eintritt, bewirkt das normalerweise zwei gegensätzliche Gefühle: Angst und Liebe. Gott zeigt sich als das furchterregende und zugleich faszinierende Geheimnis. Furchterregend wegen seiner Majestät, faszinierend wegen seiner Güte. Als Augustinus das göttliche Licht zum ersten Mal erblickte, „erschauderte er in Liebe und Erschrecken“, wie er sagt, und auch später noch ließ ihn der Kontakt mit Gott zugleich „schaudern und erglühen“

 

Erfahrungen mit dem Heiligen: Fascinosum und Tremendum.

(Rudolf Otto: Das Heilige)

Link to comment
Share on other sites

In der Bibel wird GOTT teilweise auch als "Schrecken Isaaks" bezeichnet.

Gibt es dazu auch eine konkrete Bibelstelle?

 

Gen 31,42

Wäre nicht der Gott meines Vaters, der Gott Abrahams und der Schrecken Isaaks, für mich eingetreten, dann hättest du mich jetzt mit leeren Händen weggeschickt. Doch Gott hat mein Elend und die Mühe meiner Hände gesehen, und gestern Nacht hat er entschieden.

.

Link to comment
Share on other sites

Hallo zusammen

 

Ich habe mal eine kleine Frage an euch. In der Bibel wird GOTT teilweise auch als "Schrecken Isaaks" bezeichnet. Ich habe darüber nachgedacht, kann aber immer noch nicht verstehen, warum jemand GOTT als "Schrecken" bezeichnen sollte, da er doch so gutmütig und barmherzig ist?

 

Vielen Dank schon im Voraus für eure Antworten

 

Danke für die Benennung der Textstelle, Susanne.

 

Zwei Aspekte gehen mit da durch den Kopf. Zunächst wäre es mal hilfreich, die Übersetzung des Begriffes mit anderen Übersetzungen zu vergleichen. Es gibt häufig mehrere Möglichkeiten der Übersetzung und die Varianten können einen Hinweis auf das geben, was damit ausgesagt werden sollte.

 

Den anderen Aspekt hat Erich schon aufgegriffen, denn das Gottesbild des "gutmütigen" Gottes könnte bei der Gelegenheit auf den Prüfstand gestellt werden. Barmherzig ja. Keine Frage. Wobei immer noch zu kären wäre, was genau man denn nun darunter verstehen sollte, denn der Begriff ist in unserem Alltagssprachgebrauch eher weniger verankert.

 

Aber gutmütig?

Link to comment
Share on other sites

Wenn ich mir Isaaks Leben anschaue: er hätte geopfert werden sollen, war schon auf den Holzstoß gebunden - mit dem Opfermesser über sich. Der musste sehr viel einfach hinnehmen.

Auch später: er musste in der Vorläufigkeit einer Gegenwart bleiben, deren Sinn sich absolut nicht leicht erschlossen hat. z.B.

Im Land brach eine Hungersnot aus........

Da erschien ihm der Herr und sprach: Geh nicht nach Ägypten hinunter, bleib in dem Land wohnen, das ich dir verspreche.

Halte dich als Fremder in diesem Land auf! (Gen 26)

Der Bund, den Gott mit ihm schließt, ist im Grund nicht einmal seiner, es ist der Abrahams:
Ich will mit dir sein und dich segnen. Denn dir und deinen Nachkommen gebe ich alle diese Länder und erfülle den Eid, den ich deinem Vater Abraham geleistet habe.

Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie die Sterne am Himmel und gebe ihnen alle diese Länder. Mit deinen Nachkommen werden alle Völker der Erde sich segnen,

weil Abraham auf meinen Ruf gehört und weil er auf meine Anordnungen, Gebote, Satzungen und Weisungen geachtet hat.(Gen 26)

 

Am Anfang seines Lebens steht der Verrat durch den Vater - am Ende dann der durch den Sohn, dem er wider seinen Willen seinen Segen geben muss.

Dass Isaak Gott als "Schrecken" erfährt, erscheint mir sehr verständlich.

Ich glaube, dass es enorm viel Kraft kostet, sich mit einer solchen Vergangenheit zu versöhnen und seinen Segen geben zu müssen zu Entwicklungen, die man sich völlig anders vorgestellt hat.

 

Vielleicht will Jakob den Laban in dieser speziellen Situation, in der ihm seine Töchter und sein Vermögen und seine Götter abhanden kommen, einfach daran erinnern, dass Gott auch ein Gott ist, der unter Umständen sehr Schweres zumutet?

Edited by Ennasus
Link to comment
Share on other sites

Hallo zusammen

 

Ich habe mal eine kleine Frage an euch. In der Bibel wird GOTT teilweise auch als "Schrecken Isaaks" bezeichnet. Ich habe darüber nachgedacht, kann aber immer noch nicht verstehen, warum jemand GOTT als "Schrecken" bezeichnen sollte, da er doch so gutmütig und barmherzig ist?

 

Vielen Dank schon im Voraus für eure Antworten

 

Danke für die Benennung der Textstelle, Susanne.

 

Zwei Aspekte gehen mit da durch den Kopf. Zunächst wäre es mal hilfreich, die Übersetzung des Begriffes mit anderen Übersetzungen zu vergleichen. Es gibt häufig mehrere Möglichkeiten der Übersetzung und die Varianten können einen Hinweis auf das geben, was damit ausgesagt werden sollte.

 

Den anderen Aspekt hat Erich schon aufgegriffen, denn das Gottesbild des "gutmütigen" Gottes könnte bei der Gelegenheit auf den Prüfstand gestellt werden. Barmherzig ja. Keine Frage. Wobei immer noch zu kären wäre, was genau man denn nun darunter verstehen sollte, denn der Begriff ist in unserem Alltagssprachgebrauch eher weniger verankert.

 

Aber gutmütig?

 

Hallo martin,

 

ich ahbe mal schnell über die hebräische Stelle geschaut. Das Wort für Schrecken ist ganz eindeutig und lässt sich kaum anders übersetzen. Das zugehörige Verb wird mit 'sich fürchten' übersetzt. Insofern gibt es keinen Zweifel an der Übersetzung.

Ich habe, nach erstem flüchtigen Durchsehen nur dieses Kapitel mit der zweimaligen Belegung des Schreckens Isaaks gelesen. Sonst wird Gott nicht so genannt.

Das gesamte Kapitel 31 ist übrigens hoch interessant, weil es in eine Sichtweise führt, die dem Bibelleser normalerweise entgeht, weil hier etwas festrgehalten ist, was sonst späteren Redaktionen zu Opfer fiel.

Zum einen ist hier von Steinmalen die Rede: Jakobaute das Steinmal in Betel. Steinmale sind normalerweise Stelen, oft ohne weiteren schmuck, die einen Gott darstellen. Der in betel errichtete Stein ist ein Bild Jahehs. Auch zwischen Laban und Jokob wird ein Stein errichtet. Die Geschichte stellt diesen als einen Grenzstein dar, aber auch hier wird es sich um ein Götterbild gehandelt haben, jeweils für den Gott des Vertragspartners.

 

Interessant ist auch das Thema Götterbilder. Rahel stielt die Götterbilder Labans. Die Götterbilder werden in kener Weise abwertend geschildert. Labean ist Aramäer und hat halt seine Götter dabei - keine Rede von verfluchtem Heidentum. Der Streit zwischen Jakob und Laban bezieht lediglich auf den Diebstahl dieser Götte aus dem Besitz Labans.

 

Hier zeigt sich ganz deutlich, wie die Violksreligiosität im Alten Israel eigentlich aussah: jeder hatte seine Götter und das war normal. Die biblische Klage, man habe sich von Jahweh abgewandt, spiegelt wohl kaum die Wirklichkeit wieder. Das Volk war zur Zeit der Könige überhaupt nicht an dem Kult in Jerusalem interessiert. Ebenso waren die Könige nicht am Volkskult intererssiert. Erst später, am Ende der Königszeit und im Exil wurde Jahweh allmählich zum einzigen Gott Israels, verschwanden Volksheiligtümer, entstanden Synagogen.

 

Auf diesem Hintergrund könnte der Schrecken Isaaks eine bestimmte Gotteserfahrung und damit auch Manifestation ausdrücken. Es scheint als sei Gott als Schrecken Isaaks der Familiengott oder eher der persönliche Gott Jakobs. Wenn er der persönliche Gott Jakobs ist, also ein Gott oder ein Bild Gottes, das niemand anders so verehrt, würde sich auch erklären, warum dieses Bild keinen weiteren Niederschlag in der Bibel fand. Vielleicht wurde erzählt, das Jokob Jahwe als Schrecken Isaaks verehrte. Vielleicht war dies auch noch der Fall in Jakobs Sippe, ein paar Generationen später. Mehr aber auch nicht. Die Bibel hat andere Gottesbilder gefunden und als Tradition Israels überliefert.

Link to comment
Share on other sites

Danke Mat. Ich wußte nicht, dass Theologie so interessant sein kann.

 

Das heißt also zunächst, dass wir mit diesem "Schrecken Isaaks" eine treffende Übersetzung haben. Und gleichzeitig auch, dass es eine singuläre Beschreibung Gottes ist. Etwas, dass sich nicht als roter Faden durch die Bibel zieht.

 

Ich nehme es jetzt ganz bewußt aus dem historischen Kontext und übertrage es auf mein Denken. Gott wird von mir nicht als Schrecken empfunden. Aber ich habe seit dem Beginn des Austauschs zu dem Thema immer wieder darüber nachgedacht, dass EIN Schrecken heilsam sein kann, indem er öffnet für etwas, dass in der Routine des Alltags immer wieder untergeht. Einen DAUER-Schrecken hingegen halte ich unter normalen Umständen für nicht sinnvoll. Dennoch wird es Menschen geben, die Gott als Dauer-Schrecken sehen. Vielleicht so wie Isaak, der möglicherweise durch einige Schlüsselerlebnisse (Vater, Gott, Opferung - wobei das nun auch wieder ein interessantes Thema ist) traumatisiert oder verbittert im Hin-Blick auf Gott ist.

Link to comment
Share on other sites

Hallo martin,

 

 

Danke Mat. Ich wußte nicht, dass Theologie so interessant sein kann.

Aber doch gerne. Schön, ich finde Theologie auch sehr spannend.

 

Das heißt also zunächst, dass wir mit diesem "Schrecken Isaaks" eine treffende Übersetzung haben. Und gleichzeitig auch, dass es eine singuläre Beschreibung Gottes ist. Etwas, dass sich nicht als roter Faden durch die Bibel zieht.

Jedenfalls nicht als Gottestitel. Allerdings ist es ja nach alttestameentlicher Darstellung so, dass man im Angesicht Gottes erschaudert. Gottes Anwsenheit strahlt eine unwiderstehliche Macht auf den Menschen aus. Man kann heir etwa an Mose denken, der sich als einziger Gott nähern darf, ohne zu sterben.

Allerdings glaube ich nicht, dass diese Art des Erschreckens hier in Gen 31 gemeint ist.

 

Ich nehme es jetzt ganz bewußt aus dem historischen Kontext und übertrage es auf mein Denken. Gott wird von mir nicht als Schrecken empfunden. Aber ich habe seit dem Beginn des Austauschs zu dem Thema immer wieder darüber nachgedacht, dass EIN Schrecken heilsam sein kann, indem er öffnet für etwas, dass in der Routine des Alltags immer wieder untergeht. Einen DAUER-Schrecken hingegen halte ich unter normalen Umständen für nicht sinnvoll. Dennoch wird es Menschen geben, die Gott als Dauer-Schrecken sehen. Vielleicht so wie Isaak, der möglicherweise durch einige Schlüsselerlebnisse (Vater, Gott, Opferung - wobei das nun auch wieder ein interessantes Thema ist) traumatisiert oder verbittert im Hin-Blick auf Gott ist.

Ja, es gibt ja durchaus das Gefühl, dass manchmal ein 'Tritt in den Hintern' helfen könnte...

Allerdings erscheint mir hier wichtig, dass der jenige, dem der Schrecken gilt, auch versteht, was damit bezweckt werden soll. Sonst bleibt nur das Erlebnis einer unbegründeten Gewaltanwendung. D.h. das Ganze muss auch deutbar sein.

 

Viele Grüße,

Matthias

Link to comment
Share on other sites

@Mat: Danke.

Aber es muss doch eine Redaktionsstelle sein; denn die Jakob- und die Isaakgruppe haben nicht zusammen gesiedelt. Was meinst du?

gruß sophia

Link to comment
Share on other sites

 Share

×
×
  • Create New...