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Suizid


rokmah
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In Luxemburg nehmen sich in letzter Zeit viele jungen Menschen das Leben. Luxemburg hat glaube ich die höchste Selbsttötungsrate weltweit, zumindest europaweit. Dabei ist es auch das reichste Land der Welt. Auch ein Schüler von mir hat sich vor kurzer Zeit umgebracht. Ich werde immer öfter mit solchen Fällen konfrontiert. Suizid gab es noch immer. Schon die antiken Philosophen haben sich dazu geäussert. Trotzdem scheint es v-irgendwie ein Problem unserer Zeit zu sein, was leider allzu oft tabuisiert wird. Was läuft in unserer Gesellschaft schief?

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Viele glauben, durch Geld, Macht, Einfluß, Statussymbole etc. wird man glücklich.

 

Da gibt es dann zwei Möglichkeiten:

 

A) Der Mensch erreicht alles und stellt fest, daß er doch nicht glücklich wird ist enttäuscht, sieht keinen lebenserfüllenden Sinn mehr und bringt sich um.

B ) Der Mensch erreicht nichts, denkt, er kann niemals glücklich werden und bringt sich um.

 

Grüße

Edited by karolin
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In Luxemburg nehmen sich in letzter Zeit viele jungen Menschen das Leben. Luxemburg hat glaube ich die höchste Selbsttötungsrate weltweit, zumindest europaweit. Dabei ist es auch das reichste Land der Welt. Auch ein Schüler von mir hat sich vor kurzer Zeit umgebracht. Ich werde immer öfter mit solchen Fällen konfrontiert. Suizid gab es noch immer. Schon die antiken Philosophen haben sich dazu geäussert. Trotzdem scheint es v-irgendwie ein Problem unserer Zeit zu sein, was leider allzu oft tabuisiert wird. Was läuft in unserer Gesellschaft schief?

 

Es gibt keine einfache Antwort. Viele Gründe können mitspielen, dass einem Menschen das Weiterleben schlimmer als der Tod erscheint.

 

"Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes wie" sagte ein Philosoph, der sich als Antichrist bezeichnet hat. Mit diesem Wort hat er recht: Wer in seinem Leben einen Sinn findet, der kann sehr vieles ertragen. Menschen die sich selbst und das Leben nicht wertschätzen sind oft in ihrem Leben seelisch tief verwundet worden. Zu wenig Liebe, zu wenig Zuwendung, zerbrochene Beziehungen und das Gefühl, nicht geliebt zu sein spielen eine wichtige Rolle. Der Mensch, der sich nicht geliebt und angenommen fühlt kann in eine so tiefe Dunkelheit geraten, dass er sich selbst und sein Leben "wegwirft". In manchen Fällen sind es zerbrochene Beziehungen - oder ist es der Selbstmord eines Angehörigen in einer Familie, der eine Art "Kettenreaktion" auslöst.

 

Nach meinem Dafürhalten sind die Selbstmorde von jungen Menschen in unserer "Leistungsgesellschaft" einerseits ein Schrei nach einem tieferen Lebenssinn, den der Konsumismus nicht geben kann- und andererseits auch ein Ruf nach Liebe und Wertschätzung. Sich nur als eine Art Nummer zu fühlen ist zu wenig.

Edited by Mariamante
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In Luxemburg nehmen sich in letzter Zeit viele jungen Menschen das Leben. Luxemburg hat glaube ich die höchste Selbsttötungsrate weltweit, zumindest europaweit. Dabei ist es auch das reichste Land der Welt. Auch ein Schüler von mir hat sich vor kurzer Zeit umgebracht. Ich werde immer öfter mit solchen Fällen konfrontiert. Suizid gab es noch immer. Schon die antiken Philosophen haben sich dazu geäussert. Trotzdem scheint es v-irgendwie ein Problem unserer Zeit zu sein, was leider allzu oft tabuisiert wird. Was läuft in unserer Gesellschaft schief?

 

Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass Selbstmord speziell ein Problem unserer Zeit sein soll. Die Selbstmordrate in Deutschland ist seit Jahrzehnten mehr oder weniger konstant. Sobald im persönlichen Umfeld ein solcher Fall auftritt, achtet man natürlich verstärkt darauf und nimmt entsprechende Meldungen bewusster wahr als sonst. Daher kommt es einem so vor, als nähme die Zahl der Suizide zu, was aber objektiv nicht stimmt.

 

http://www.efg-hohenstaufenstr.de/download...deutschland.htm

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"Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes wie" sagte ein Philosoph, der sich als Antichrist bezeichnet hat.

 

 

Das hat Nietzsche übrigens anders geschrieben, Frankl schrieb auch: "Im Gegensatz zum Tier sagen dem Menschen keine Instinkte, was er muss, und im Gegensatz zum Menschen von gestern sagen dem Menschen von heute keine Traditionen mehr, was er soll. Nun, weder wissend, was er muss, noch wissend, was er soll, scheint er oftmals nicht mehr recht zu wissen, was er im Grunde will."

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Was läuft in unserer Gesellschaft schief?

 

 

Ich vermute wir leben mehr nebeneinander als miteinander und dabei gehen uns automatisch die Menschen verloren die aus eigener Kraft nicht mehr leben können. Dann hält der unnatürliche Tod Einzug in die Gesellschaft.

 

Das Phänomen der Suizide wird aber weiter zunehmen - es ist Merkmal einer Gesellschaft die sich von der "Quelle des Lebens" mehr und mehr entfernt und den Werten nachrennt die Anfangs sehr süss schmecken - am Ende aber bitter werden und als letzte Flucht nur noch der Freitod steht. Geistlich gesehen bietet den nur einer an - er trägt den Titel: "Fürst des Todes"

 

gby

 

bernd

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"Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes wie" sagte ein Philosoph, der sich als Antichrist bezeichnet hat.

 

Das hat Nietzsche übrigens anders geschrieben, Frankl schrieb auch: "Im Gegensatz zum Tier sagen dem Menschen keine Instinkte, was er muss, und im Gegensatz zum Menschen von gestern sagen dem Menschen von heute keine Traditionen mehr, was er soll. Nun, weder wissend, was er muss, noch wissend, was er soll, scheint er oftmals nicht mehr recht zu wissen, was er im Grunde will."

Wie auch immer: Der Mensch der sich geliebt fühlt, der Mensch der ein Ziel hat wird sich durch die Widrigkeiten im Leben nicht aufreiben lassen. So weit ich sehe sind es vor allem gestörte oder zerstörte Beziehungen, die den Menschen auch die Beziehung zum Leben verlieren lassen.

 

Hier halte ich es für wichtig zu dem zu gehen der sagt: "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen."

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Auch ein Schüler von mir hat sich vor kurzer Zeit umgebracht.

 

keine Ahnung, was da schiefläuft.

 

 

 

für den Schüler von Dir,

 

der sich vor kurzer Zeit umgebracht hat:

 

 

 

zum Paradiese

 

mögen Engel Dich geleiten

 

bei Deiner Ankunft

 

die Martyrer Dich begrüßen,

 

und Dich führen

 

in die Hl. Stadt Jerusalem.

 

Chöre der Engel

 

mögen Dich empfangen

 

und mit Lazarus,

 

dem einst so Armen,

 

soll ewige Ruhe Dich erfreu'n.

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"Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes wie" sagte ein Philosoph, der sich als Antichrist bezeichnet hat.
Ich kenne von Nietzsche nur eine andere Version dieses Ausspruchs:

 

sinngemäß:

Wenn das WOZU des Lebens klar ist, lässt sich fast jedes WIE ertragen

 

Das erscheint mir auch einleuchtender.

 

Wenn jemand weiß, wozu er leben (womöglich sogar: durchhalten) will, dann wird er viel ertragen können, psychische wie körperliche Schmerzen.

 

Ich kann auch nicht feststellen, dass die Suizidrate momentan höher wäre, als früher. Auch eine steigende Tabuisierung des Themas "Suizid" beobachte ich nicht - eher im Gegenteil. Ich kenne allerdings die Angst der Angehörigen vor der (meist selbst gestellten) Frage: Was habe ich falsch gemacht? Bin ich womöglich Schuld daran? Und ich kenne die Angst Angehöriger, dass bei der Beerdigung Verurteilungen ausgesprochen werden - sowohl der Verstorbene oder auch die Angehörigen selbst. Die Angst vor der mittelalterlichen Verdammnissprechung von Selbsttötern liegt noch vielen Menschen in den Knochen.

Edited by Mecky
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Der Mensch der sich geliebt fühlt, der Mensch der ein Ziel hat wird sich durch die Widrigkeiten im Leben nicht aufreiben lassen. So weit ich sehe sind es vor allem gestörte oder zerstörte Beziehungen, die den Menschen auch die Beziehung zum Leben verlieren lassen.

 

Hier halte ich es für wichtig zu dem zu gehen der sagt: "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen."

So ist es.

 

Oft liegen die Gründe für die gestörte Beziehung schon weit in der Vergangenheit. Und sehr oft haben sie etwas mit dem Thema "Überforderung" zu tun. Grausame Anforderungen, die Kindern bereits mit aufgegeben wurden, die dann später zu Selbstanforderungen wurden, sind sehr häufig.

 

Daneben gibt es aber auch traumatische Erlebnisse. Und da habe ich schon furchtbare Dinge miterlebt. So schlimm, dass ich der Meinung bin, dass es - selbst durch den Glauben - keine Möglichkeit gab, weiter zu leben.

 

Ich habe schon einmal eine Frau, die um ihre Selbstmordgefahr deutlich (allzu deutlich) wusste, um ihr Leben kämpfen sehen. Es gab nichts grausameres, als die stetig wachsende Erkenntnis, dass sie diesen Kampf verlieren würde, obgleich sie wie ein Löwe gekämpft hat. Stetig schwand ihre psychische wie auch körperliche Kraft, bis zum Schluss der Körper nicht einmal mehr die Kraft hatte, Haare wachsen zu lassen. Der einzige Glaube, den sie sich bewahren konnte, war, dass Gott ihr noch im Tod und durch den Tod helfen könnte. Und ganz ehrlich: Eine andere Möglichkeit habe ich (und ihr bewundernswert liebender Ehemann und alle ihre Freunde) auch nicht mehr gesehen. Jeder menschenmögliche Versuch (und zwar inklusiv der Versuche aus ihrem Glauben heraus) war nicht nur gescheitert, sondern hatte ihre Leiden noch weiter vermehrt - bis hin zur völligen Entkräftung.

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sinngemäß:

Wenn das WOZU des Lebens klar ist, lässt sich fast jedes WIE ertragen

 

Das erscheint mir auch einleuchtender.

Danke für die Verdeutlichung. Hatte es nur mehr sinngemäß im Gedächtnis.

 

Wenn jemand weiß, wozu er leben (womöglich sogar: durchhalten) will, dann wird er viel ertragen können, psychische wie körperliche Schmerzen.
Viktor Frankl und andere haben sich hier bemüht.

 

http://www.viktorfrankl.at/seite8.htm

 

Ich kann auch nicht feststellen, dass die Suizidrate momentan höher wäre, als früher.
Es gibt bestimmte Gebiete, in denen die Selbstmordrate sehr hoch ist. Vor wenigen Tagen erzählte mit eine Studentin von einem Ort, der nur durch ein Tunnel erreichbar ist. Das Beengende dieses Ortes führt angeblich dazu, dass die Selbstmordrate sehr hoch ist. Der Bezirk Liezen (Stmk, Österreich) und die Obersteiermark wurde als Gebiet erwähnt, wo es mehr Selbstmorde gibt.

 

Auch eine steigende Tabuisierung des Themas "Suizid" beobachte ich nicht - eher im Gegenteil. Ich kenne allerdings die Angst der Angehörigen vor der (meist selbst gestellten) Frage: Was habe ich falsch gemacht? Bin ich womöglich Schuld daran?
Depressionen- die Auslöser für einen Suzid sind- haben viele Ursachen. Soweit es möglich ist sollten wir dort, wo wir für andere Menschen Verantwortung haben mitwirken depressiven Menschen zu helfen - ohne sich aber durch falsche Schulgefühle selbst verrückt zu machen. Bei Depressionen steht selbst der geliebte Mensch oft hilflos da. Für viele Depressive können Medikamente eine Hilfe sein. Als sich im vergangenen Jahr eine Frau, die schon Jahre immer wieder depressive Phasen hatte vor den Zug geworfen hatte zeigte sich, dass hier Medikamente auf Dauer auch nicht helfen konnten.
Und ich kenne die Angst Angehöriger, dass bei der Beerdigung Verurteilungen ausgesprochen werden - sowohl der Verstorbene oder auch die Angehörigen selbst. Die Angst vor der mittelalterlichen Verdammnissprechung von Selbsttötern liegt noch vielen Menschen in den Knochen.
Da Krankheiten wie Depressionen die Verantwortlichkeit des Menschen ändern ist es wichtig zu unterscheiden, und nicht einen Menschen der krank ist noch Angst einzujagen oder zu verurteilen. Edited by Mariamante
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Oft liegen die Gründe für die gestörte Beziehung schon weit in der Vergangenheit. Und sehr oft haben sie etwas mit dem Thema "Überforderung" zu tun. Grausame Anforderungen, die Kindern bereits mit aufgegeben wurden, die dann später zu Selbstanforderungen wurden, sind sehr häufig.
Eltern und Menschen die Umgang mit Kindern haben, haben besondere Mitverantwortung. Mangelnde Liebe und das schmerzvolle Empfinden nicht angenommen und geliebt zu sein kann zu einer Traumatisierung und Sensibiliserung führen: Diese Menschen schreien auf der einen Seite nach Liebe, machen es anderen nicht immer leicht- und so kann ein Teufelskreis gescheiterter Beziehungen, die letztlich zum Suizid führen, da die Belastungen nicht mehr ertragen werdenn.

 

Daneben gibt es aber auch traumatische Erlebnisse. Und da habe ich schon furchtbare Dinge miterlebt. So schlimm, dass ich der Meinung bin, dass es - selbst durch den Glauben - keine Möglichkeit gab, weiter zu leben.
Es gibt erschütternde Schicksale. Vor allem Suzidfälle in Familien können Auslöser sein, dass es dazu auch bei nachfolgenden Generationen kommt. Bei einer Person die ich kenne - und deren Schwester sich 1987 erschossen hat - war es auf alle Fälle der Glaube der verhindert hat, dass sie sich das Leben nahm.

 

Ich habe schon einmal eine Frau, die um ihre Selbstmordgefahr deutlich (allzu deutlich) wusste, um ihr Leben kämpfen sehen. Es gab nichts grausameres, als die stetig wachsende Erkenntnis, dass sie diesen Kampf verlieren würde, obgleich sie wie ein Löwe gekämpft hat.
Über einen ähnlichen Fall habe ich im Vorjahr erfahren- und zwar durch den Ehemann jener Frau, die nach solchen Kämpfen wie Du sie andeutest vor den Zug warf. Als Christen bleibt uns die Hoffnung auf die barmherzige Liebe Gottes in besonderer Weise für diese armen Menschen - aber auch das Gebet und das Bemühen so weit es uns möglich ist zu helfen.
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