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Das Opfer Christi


Lutheraner

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Hallo,

 

nach meinem Verständnis symbolisiert das eine für uns dargebrachte Opfer Christi, dass Gott von uns keine Opfer möchte. Er vergibt uns unsere Sünden ohne dass wir ihm dafür Opfer darbringen müssen.

 

Der Kernpunkt ist dabei aber für mich, dass Gott keine Opfer benötigt. Er selbst hätte auch das Kreuzesopfer nicht benötigt. Er wollte uns damit nur lehren, dass er keine Opfer von uns möchte.

 

Wie ist da die Sichtweise der katholischen Kirche ?

Ihr legt ja sehr viel Wert auf das Opfer, z.B. in der Messe, wo durch die Vergegenwärtigung des Opfers die Wandlung vollzogen wird.

Ein Punkt ist mir hierbei unklar: Das würde ja bedeuten, dass Gott dieses Opfer benötigte, dass er dieses Opfer bauchte um uns unsere Sünden zu vergeben. Wie ist das genau zu verstehen ?

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Lieber Lutheraner,

 

ich glaube, der heilige Franziskus hätte sich jetzt auch deines Threads erbarmt.

 

Viele Grüße

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Lutheraner
ich glaube, der heilige Franziskus hätte sich jetzt auch deines Threads erbarmt.

 

Faule Ausrede. Gib's zu du kennst die Antwort nicht :huh:

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Lutheraner, du bist für mich der Samariter, der am Brunnen sitzt und nach dem lebendigen Wasser dürstet.

Edited by overkott
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Magdalene
Ein Punkt ist mir hierbei unklar: Das würde ja bedeuten, dass Gott dieses Opfer benötigte, dass er dieses Opfer bauchte um uns unsere Sünden zu vergeben. Wie ist das genau zu verstehen ?

Nein, diese Schlussfolgerung ist falsch. Nicht Gott benötigte das Opfer, sondern wir.

 

Mal andersherum gefragt: Musste Gott denn unsere Sünden vergeben? Es zwingt ihn doch keiner dazu! Er musste die Menschen doch nicht mal ins Leben rufen. Das alles war seine freie Entscheidung. Seine Entscheidung für uns. Sowohl in der Schöpfung, als auch im Kreuzestod. Gott brauchte unsere Sünden nicht durch den Kreuzestod zu vergeben - er hätte auch andere Wege gefunden. Ob uns dadurch allerdings klarer geworden wäre, wie sehr wir uns durch unsere Sünden von Gott entfernt haben?

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Die alte Frage, wie Jesus seinen Tod verstand....

Verstand er ihn tatsächlich als Sühneopfer? Oder als Schicksal des Propheten?

Ich empfehle

Rudolf Pesch:

Beim Pessachmahl in der Nacht vor seiner Verhaftung und Hinrichtung hatte er sie noch einmal auf die Vision des Propheten Jesaja vom Knecht, jetzt vom leidenden Gottesknecht hingewiesen, von dem es heißt:

“Wir alle hatten uns verirrt wie die Schafe,

jeder ging für sich seinen Weg.

Doch der Herr warf alle unsere Sünden auf ihn...

Mein Knecht ist gerecht, darum macht er viele gerecht;

Er nimmt ihre Schuld auf sich...

Er trug die Sünden von vielen

und trat für die Schuldigen ein” (Jes 53, 6.12).

Die Vision vom Knecht erlaubte Jesus und seinen Jüngern die Vision vom neuen, vom erneuerten Bund. Dieser Bund sollte durch den Tod des Knechtes, durch sein vergossenes Blut für Israel geschlossen werden.

Die Person Jesu – aus katholischer Sicht

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Lutheraner

Hallo Lucia,

 

danke für deine Antwort.

Aber wenn Gott dieses Opfer nicht benötigte, weshalb ist dann nach katholischem Glauben ein Gedächtnismahl nicht ausreichend ?

Wozu benötigt man dann die Vergegenwärtigung des Opfers zur Zusprache von Sündenvergebung und ewigem Leben im Abendmahl ?

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Hallo Lucia,

 

danke für deine Antwort.

Aber wenn Gott dieses Opfer nicht benötigte, weshalb ist dann nach katholischem Glauben ein Gedächtnismahl nicht ausreichend ?

Wozu benötigt man dann die Vergegenwärtigung des Opfers zur Zusprache von Sündenvergebung und ewigem Leben im Abendmahl ?

Darf ich dazu Erzbischof Schönborn zitieren:

Es gibt eine frühchristliche Diskussion zwischen einem Rabbiner und einem Christen, aus dem 2. Jahrhundert. Der Rabbiner hieß Tryphon und der Christ Justin, dann später als Märtyrer gestorben (†um 165). Die beiden diskutieren miteinander über eine Stelle, die wir alle gut kennen, weil sie im dritten Hochgebet vorkommt, das man am Sonntag sehr oft hört: „Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang werde das reine Opfer dargebracht …“ Das ist ein Wort aus dem Propheten Maleachi, der sagt: „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang ist mein Name groß unter den Völkern, und an jedem Ort wird meinem Namen ein Rauchopfer dargebracht und eine reine Opfergabe“ (1,11). Wir kennen dieses Wort aus der Eucharistie, und wir glauben, dass überall auf Erden, wo die Eucharistie dargebracht wird, dieses reine Opfer dargebracht wird. Der Rabbiner sagt zum Christen: Unsere Brochen, unsere vielen Segensgebete, die wir überall auf der Welt sprechen, sind dieses „reine Opfer“. Auf diese Weise bringen wir die Schöpfung Gott zurück im Lobpreis. Darauf antwortet ihm der Christ und sagt: Nein, wir glauben, dass das die Eucharistie Jesu ist. Das ist das reine Opfer, das überall auf Erden vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang Gott dargebracht wird. Jesus ist der, der die vollkommene Broche für uns ist und für uns darbringt. Jesus ist der Segen Gottes an die Welt. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn für uns gegeben hat“ (Joh 3,16). Jesus ist der, der Gott die vollkommenste Broche gesprochen hat, nicht nur durch Worte, sondern durch sein ganzes Leben. Er ist der vollkommene Priester. Er hat alles Gott zurückgebracht. Das ist der Sinn der Eucharistie, das vollkommene Lobopfer. Darüber werden wir das nächste Mal weiter nachdenken, wenn wir schauen: Wie hat nun Jesus selber das Abendmahl gefeiert und was sagt das für den Sinn dieses kostbaren Schatzes, den wir in irdenen Gefäßen tragen?
Quelle: http://www.mscperu.org/deutsch/abc_des_glaubens.htm
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Holzi, du hättest dazu auch die Schönborn'sche Katechese zum Opferbegriff zitieren können, in der er die Frage pointiert:

 

Müssen wir Gott überhaupt Opfer bringen? Braucht Gott das? Ist Gott nicht der, der unendlich viel größer ist, als alle unsere Opfer je sein können? Schließlich die Frage, die heute so viele Menschen stellen: Hat Jesus selber ein Opfer gebracht? Was ist das für eine Gottesvorstellung, dass Gott durch ein Opfer sich versöhnen lässt? Wir haben es eben im dritten Hochgebet gehört: „Schau auf die Gabe deiner Kirche“ – oblationem ecclesiae tuae – „sie stellt dir die Hostia, das Opfer, das Lamm vor Augen, das geopfert wurde und uns nach deinem Willen mit dir versöhnt hat.“ Du wolltest also durch ein Opfer versöhnt werden. Was ist das für ein Gottesbild? Braucht Gott wirklich Opfer, um uns wieder anzunehmen? Hat Gott uns nicht grundlos und bedingungslos geliebt und uns sein Erbarmen geschenkt, ohne dass wir etwas leisten? Das sind die großen Fragen, die auch heute im Raum stehen.

 

Und er kommt zu dem Ergebnis:

Wenn man ratlos wird, schaut man im Katechismus nach. Dazu hat man ihn ja, dass man nachschauen kann. Er sagt: Ja, die Eucharistie ist ein Opfer. Jetzt aber das Überraschende: Die Eucharistie ist ein Opfer, weil sie Gedächtnis des Opfers Christi ist (KKK 1365-1366).
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Lutheraner

Hallo,

 

deiner Antwort nach, Sophia, würde die Vergegenwärtigung aber keinen Sinn ergeben.

Dass die Vergegenwärtigung des Opfers zur Eucharistie benötigt wird, ist doch eigentlich nur nachvollziehbar, wenn Gott dieses Opfer brauchte. Wenn das Opfer nur für uns gedacht war, dann bräuchten wir nicht seine Vergegenwärtigung, dann genügte das Gedächtnis.

 

 

Mal protestantisch-ketzerisch gefragt: Kann es sein, dass das früher von der Kirche falsch verstanden wurde ? Dass man davon ausging, dass Gott dieses Opfer benötigt und man es erst später zum Gedächtnis umdeutete ?

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Mal protestantisch-ketzerisch gefragt: Kann es sein, dass das früher von der Kirche falsch verstanden wurde ? Dass man davon ausging, dass Gott dieses Opfer benötigt und man es erst später zum Gedächtnis umdeutete ?

 

Soweit ich weiß, war es nie Lehrmeinung der Kirche, daß Gott dieses Opfer benötigte. Selbst Anselm von Canterbury hat meines Wissens nicht gelehrt, daß Gott dieses Opfer benötigt.

 

Aber vielleicht war dieses Denken in der Bevölkerung vorhanden und vielleicht auch beim niederen Klerus vorhanden aber ich vermute mal nicht bei den Theologen des Mittelalters. Was aber nicht heißt, daß die Kichenfürsten aktiv gegen dieses Denken vorgegangen wären.

 

Hallo,

 

deiner Antwort nach, Sophia, würde die Vergegenwärtigung aber keinen Sinn ergeben.

Dass die Vergegenwärtigung des Opfers zur Eucharistie benötigt wird, ist doch eigentlich nur nachvollziehbar, wenn Gott dieses Opfer brauchte. Wenn das Opfer nur für uns gedacht war, dann bräuchten wir nicht seine Vergegenwärtigung, dann genügte das Gedächtnis.

 

 

 

Nein, Gott braucht in der Tat nicht das Opfer, aber wir Menschen brauchen das Opfer. Durch den Kreuzestod Christi ist uns ein ganz neuer Zugang zu Gott geschaffen worden. Aber wie finden wir zu Gott? Wie können wir Gott erkennen? Wie können wir an seiner Liebe teilhaben? Ja da ist zunächst die Erinnerung an die großen Taten Gottes an uns. Dadurch können wir das Bewusstsein und die richtige Haltung gegenüber Gott und aus Gott heraus erkennen, aber durch die Vergegenwärtigung werden wir quasi zu "Mitakteueren" (wenn man das so sagen kann) Wir kriegen leibhaftig gezeigt, wie groß Gottes Liebe ist - Ich kriege sozusagen in aller Deutlichkeit gezeigt, wie sehr sich Gott für uns erniedrigt hat und Mensch geworden ist, um sich von uns Menschen -arme Sünder- hinrichten zu lassen. Wie sehr er danach bestrebt ist, sich mit uns zu versöhnen. Es ist nicht nur ein Einmaliges Ereignis, welches vor ca. 2000 Jahren stattfand, nein es zeigt mir persönlich auch auf, das Jesus auch für mich gestorben ist, er will, das ich zu ihm finde! Und ich kann an Gottes Liebe teilhaben!

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Lutheraner

Hallo,

 

nochmals danke für eure Antworten.

 

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist nur die Sichtweise unterschiedlich:

Beim protestantischen Gedächtnismahl feiert die Gemeinde Abendmahl im Gedächtins an Jesu Kreuzigung.

Bei der katholischen Messe zelebriert der Pfarrer, durch die Vergegenwärtigung läßt Gott die Gläubigen an der Kreuzigung teilhaben. Die Gemeinde ist dazu aktiv nicht notwendig. Deshalb wird das Abendmahl in der Regel auch von der Form her nicht als Gemeinschaftsereignis gefeiert, sondern als "Austeilung des Leibes Christi" an den einzelnen Gläubigen.

 

Ist das so richtig ?

Edited by Lutheraner
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Jesus ist ja für uns uns am Kreuz gestorben, und wenn der Priester die Messe nur für sich feiern würde, würde dies ja keinen Sinn ergeben. Wie bereits oben erwähnt, wird ja in der kath. Messe das Kreuzesopfer Christi vergegenwärtigt (und ist gleichzeitig auch Gedächtnis :huh: ), und wenn kein Gläubiger da wäre, wäre die Vergegenwärtigung im Prinzip Sinnlos. Deshalb gehören ja immer auch Gläubige zur Messfeier. Es ist übrigens in der kath. Kirche einem Priester nicht erlaubt, eine Messe für sich alleine zu feiern, es muß zumindest ein Messdiener bzw. Gläubiger anwesend sein.

 

Ebenfalls möchte ich noch auf den Katechismus hinweisen: dort heißt es:

 

Die ganze Gemeinde, der mit Christus, dem Haupt, vereinte Leib, feiert. „Die liturgischen Handlungen sind keine privaten Handlungen, sondern Feiern der Kirche, die das ‚Sakrament der Einheit' ist, nämlich das heilige Volk, unter den Bischöfen geeint und geordnet. Daher gehen sie den ganzen mystischen Leib der Kirche an, machen ihn sichtbar und wirken auf ihn ein; seine einzelnen Glieder aber berühren sie auf verschiedene Weise, entsprechend der Verschiedenheit von Stand, Aufgabe und tätiger Teilnahme" (SC 26). Darum gilt: „Jedesmal, wenn Riten gemäß ihrer jeweiligen Eigenart eine gemeinschaftliche Feier mit Beteiligung und tätiger Teilnahme der Gläubigen mit sich bringen, soll betont werden, daß diese so weit wie möglich einer einzelnen und gleichsam privaten Feier dieser [Riten] vorzuziehen ist" (SC 27).
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Also ich verstehe das alles nicht.

 

Warum kann Gott nicht einfach so vergeben?

Also ich kann glauben, dass Gott einfach so vergeben kann, Gott braucht mir kein Opfer präsentieren, dass ich das dann erst glauben kann.

 

Ist das bei euch anders? Wenn ja, warum? :huh:

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Nun nicht Gott will das Opfer, wir Menschen brauchen das Opfer! In vielen Religionen war bzw. ist das Opfer ein Mittel, um mit Gott Verbindung aufzunehmen.

 

Aber sicherlich ist es möglich, daß sich Gott den Menschen auch auf andere Weise offenbart. Gott könnte ja auch einen Erzengel schicken, um sich zu offenbaren (wie von den Moslems geglaubt). Dieses Vorgehen hat natürlich den Vorteil, daß die Würde Gottes gewahrt wird. Weiterhin erscheint Gott nicht als ein brutaler, Opfer fordernder Gott. Sondern als ein um die Menschheit besorgter Gott.

 

Allerdings finde ich, daß man in dem Opfer Christi nur vordergründig einen Opfer fordernden Gott sieht. Nein, ich sehe in den Opfer einen Gott, der unsere Erlösung möchte, der Möchte daß wir wieder zurück zu Gott finden! Er will, daß alle, die an Ihn glauben, nicht mehr in der Finsternis (im Bezug auf die Erkenntnis Gottes durch uns Menschen) leben. Er will unser Heil. Und um unser Heil zu erreichen, und gleichzeitig unseren freien Willen zu respektieren, geht er so weit, daß er selber Mensch wird und sich selbst Opfert! Ein Gott wird Mensch! Er liebt die Menschheit so sehr, daß er sich so weit erniedrigt und unter uns Sündern lebt. Und durch und unter uns Sündern Stirbt um uns zu Erlösen. Ein größeres Zeichen der Liebe Gottes zu uns Menschen gibt es für mich nicht.

 

Sicher, man wird argumentieren können, ein Gott, der sich durch Engel offenbart wird die Menschheit sicherlich genauso lieben, wie ein sich opfernder Gott, aber soweit, um seine Liebe zu beweisen, geht Gott glaube ich laut keiner anderen Religion.

Edited by Kurdirektor
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Justin Cognito

Ich habe in früheren Postings versucht etwas zur einschlägigen Stelle im Römerbrief (Röm 3,25) zu schreiben und stelle es hier nocheinmal herein. Es ist bestimmt keine Ausfaltung einer bestimmten Sühnetheologie, schon gar nicht eine Zusammenfassung der katholischen Lehre zu diesem Punkt - aber vielleicht ein (sicherlich zu ergänzender) Ansatz:

 

Paulus schreibt in Röm 3,25:

 

 

Ihn / Christus hat Gott aufgestellt / eingesetzt

als Kapporet/Sühneort

in seinem Blut

wegen des Aufschubs der vormals zur Zeit der Zurückhaltung Gottes begangenen Sünden

 

 

 

Dabei nimmt Paulus Bezug auf die Besprengung der Kapporet (Hilasterion / Sühnedeckel auf der Bundeslade, allg. "Sühneort") mit dem Blut des Opferbocks, die der Hoheprieter der Juden am Jom-Kippur Fest durchrführte.

 

Dieses Sühneopfer des alttestamentlichen Kultes diente nicht dazu Gott zu besänftigen, sondern war umgekehrt ein Angebot Gottes das den Menschen ermöglichte mit ihrer Schuld umzugehen. Nicht Gott bedurfte des Opfer, sondern die Menschen.

 

Dahinter steht die Einsicht, dass böse Taten eine Schuldsphäre um TäterInnen und Opfer schaffen, die auch durch Vergebung nicht einfach aus der Welt geschafft werden kann ("vergeben, aber nicht vergessen" könnte hier ein Stichwort sein). Materielle Schäden können materiell vergolten werden, aber oft ist Sühne nur durch symbolische Akte möglich (der Ermordete kann nicht mehr lebendig gemacht werden auch wenn die Mörderin ihre Tat bereut; der Mann der seine Frau betrogen hat kann seine Handlung nicht mehr ungeschehen machen). In vielen Kulturen dienten die rituellen Opfer, also das bewusste Weggeben und Vernichten von eigenen Gütern, unter anderem dieser Sühne. Heutzutage kann man zB Gedenkdienste deutscher und österreichischer Jugendlicher in Holocaustmuseen etc. als eine Art von Sühne sehen (wobei es hier nicht einmal um persönliche Schuld geht, sondern um Auf- und Abarbeitung der angesichts der Größe der Schuld noch immer bestehenden "Schuldsphäre" eines ganzen Volkes).

 

Es geht also um die Aufarbeitung eigener Schuld und eigenes Versagens, auch vor Gott. Also um eine Chance für die Menschen ihr Verhältnis zueinander und zu Gott symbolisch durch kultisches Handeln wieder in Ordnung zu bringen, nicht darum einen rachedürstigen Gott zu besänftigen.

 

Die alljährliche Wiederholung dieses kultischen Opfers ist laut Paulus nicht mehr nötig. An die Stelle der durch den Hohenpriester mit dem Blut des Opferbocks besprengten Kapporet ist ein für alle mal Christus getreten der die die Sühne für unsere Sünden durch sein eigenes Blut leistet. Durch Jesus ist eine neue Perspektive im Miteinander und im Verhältnis zu Gott möglich, die des kultischen Opfers nicht mehr bedarf.

 

 

Ihn / Christus hat Gott aufgestellt / eingesetzt

als Kapporet/Sühneort

in seinem Blut

wegen des Aufschubs der vormals zur Zeit der Zurückhaltung Gottes begangenen Sünden

 

 

 

Und wie sieht diese neue Perspektive aus die uns Jesus aufgezeigt hat? Worin liegt sie? Ich glaube dass es um das Durchbrechen des Kreislaufs von Gewalt und Gegengewalt geht. Im Reich Gottes von dem Jesus zeitlebens sprach und dass er durch sein Handeln bereits als Realität erlebte und erlebbar machte herrscht uneingeschränkte Solidarität.

 

Unter dem Reich Gottes verstand Jesus nämlich gerade auch das Ende aller schädlichen und lebensfeindlichen Verhältnisse von Gott her, das Ende von Armut und Unterdrückung, von Gewalt und Weinen (vgl. Bergpredigt Mt. 5,1 – 7,29; Lk. 6,20-49). Im Reich Gottes braucht es keine Sühne mehr, da es keine Sünde mehr gibt. Dieses Reich Gottes war aber für Jesus eben nichts, das in ferner Zukunft lag, sondern etwas das durch sein Reden und Handeln schon gegenwärtig erfahrbar war.

 

Er prangerte die Sünden genauso scharf an wie die Propheten vor ihm , jedoch unterschied er sich von ihnen durch seinen Umgang mit denjenigen die gesündigt hatten bzw. am Rand der damaligen Gesellschaft standen. Er zeigte durch seinen Umgang mit diesen Menschen, dass Frieden und Versöhnung möglich waren und hat auch sie in äußerster Selbstverständlichkeit angenommen und ebenso selbstverständlich das Gute getan.

 

Durch sein heilsames Verhalten ermöglichte er den Menschen Umkehr, ohne dieselbe zur Vorbedingung allen Heils zu machen. Er lebte die Auseinandersetzung mit dem Bösen nicht im Rahmen einer „Sachproblematik“ von menschlicher Sünde und göttlicher Vergebungsbereitschaft, sondern im Umgang mit Menschen die vom Bösen offensichtlich betroffen waren (als Opfer und TäterInnen) und die er vom Bösen befreien wollte . Seine Solidarität galt allen Menschen, sein unbedingtes Ja zum Guten führte so weit, dass er sogar zur Feindesliebe aufrief: „Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ (Mt. 5,39). Jesu gelebte Haltung der gewaltlosen und unbedingten Solidarität zu den Menschen (auch zu den TäterInnen des Bösen ) ist es letztlich die seine Forderung verstehen lässt, dem Bösen nicht entgegenzutreten, sondern die andere Wange hinzuhalten . Spätere christliche Texte haben diese Radikalität beibehalten: „Vergeltet niemand Böses mit Bösen! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht“ (Röm. 12,17; vgl. 1 Thess 5,15; 1.Petr. 3,9).

 

Zusammengefasst ließe sich vielleicht sagen, dass die Botschaft Jesu Handelns und Sprechens die unbedingte Heilszusage Gottes an alle Menschen darstellte, angesichts derer das Böse an Bedeutung verliert und die es ermöglicht den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen .

 

Diese gewaltfreie unbedingt solidarische Haltung war es jedoch auch die Jesus letztendlich ans Kreuz gebracht hat und ihn sterbend die ganze Bosheit der Menschen am eigenen Leib erfahren ließ . Nach den Maßstäben der damaligen Zeit war er gescheitert und als Gekreuzigter ein „Verfluchter Gottes und der Menschen“ (zeitgenössische Deutung von Dtn 21,23, vgl. Tempelrolle 64, 6-13). Dieses Sterben und offensichtliche Scheitern Jesu führte dann auch bei seinen JüngerInnen zu Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit und auch zu ihrer Flucht. (Mk. 14, 27f. 50). Kurze Zeit nach der Hinrichtung Jesu am Kreuz sind die untergetauchten und nach Galiläa zurückgekehrten JüngerInnen plötzlich und überraschend wieder in Jerusalem.

 

Diese plötzliche und unerwartete Wende ist verknüpft mit der Botschaft, Gott habe den gekreuzigten Jesus von den Toten auferweckt. Die Auferweckung Jesu ist die Grundaussagen unseres christlichen Glaubens. Ohne auf sie näher eingehen zu wollen, ist festzuhalten dass die JüngerInnen darin die endgültige Rehabilitierung und Bewahrheitung Jesu Anspruch gesehen haben. Der Sieg des Unrechts am Kreuz und das damit verbundenen Versagen der Gerechtigkeitsidee, wird durch die rettende Tat Gottes als entscheidenden Niederlage des Bösen verstanden . Jesus wird damit zum endgültigen Sieger über das Böse. Er wird zum Herrn über die Sünde, da er in den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt nicht eintritt (Mt. 5,39) und das Böse unter Berufung auf Gott einfach vergibt (Mk. 2,5-11). Jesus wird schließlich zum Stifter und Anfang des Friedens (Joh. 14,27; Röm. 14,17); er ist der Friede (Eph. 2,14), da er für ihn gestorben ist.

Edited by Justin Cognito
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Jesus wird damit zum endgültigen Sieger über das Böse. Er wird zum Herrn über die Sünde, da er in den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt nicht eintritt (Mt. 5,39) und das Böse unter Berufung auf Gott einfach vergibt (Mk. 2,5-11). Jesus wird schließlich zum Stifter und Anfang des Friedens (Joh. 14,27; Röm. 14,17); er ist der Friede (Eph. 2,14), da er für ihn gestorben ist.

an obigen Sätzen ist so gut wie alles fach falsch:

1. Jesus hat den Tod besiegt - dadurch hat das Böse keine Macht mehr, aber es ist immer noch existent und wirksam

2. Jesus hat nie das Böse vergeben, sondern die Sünden

3. Es ist auch kein "Stifter und Anfang des Friedens ", denn er sagt selbst von sich: Mt 10,34 Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

4. Jesus ist nicht für den Frieden gestorben, sondern wegen unserer Sünden und für uns und unser Heil.

Edited by Erich
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Justin Cognito

Gut wir halten fest: Mt. 5,39, Mk. 2,5-11, Joh. 14,27, Röm. 14,17, Eph 2,14 sind falsch. Zumindestens wenn ich sie zitiere .... Gut, dass du nicht mein Religionslehrer bist (auch wenn du dich gerade wie ein wildgewordenes Exemplar dieser Gattung gebärdest, fast wollte ich dir nämlich schon zurufen: Lass das Schwert in der Scheide , da sah ich dass es nur der alte Rotstift war.)

Edited by Justin Cognito
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Gut wir halten fest: Mt. 5,39, Mk. 2,5-11, Joh. 14,27, Röm. 14,17, Eph 2,14 sind falsch.

nein, Deine Auslegung ist Unfug.

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Justin Cognito

Bestechend argumentiert, lieber Erich! So, als Sohn einer Mutter hab ich jetzt anderes zu tun -> schönen Tag noch.

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