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Katholische Kirche und Kritischer Rationalismus


Sokrates

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Ich greife einen Austausch mit Justin Cognito aus den Glaubensgesprächen auf:

 

Die Unfehlbarkeit gegen den Rationalismus auszuspielen ist ein bisschen absurd, weil sie selbst eine Frucht des Rationalismus ist. Ideengeschichtlich ist sie ja die Bejahung der Frage ob der Mensch durch Nachdenken zu verlässlich richtigen Einsichten kommen kann.

Ideengeschichtlich gesehen hat der Rationalismus aber inzwischen die Idee, der Mensch könne irgendwie zu verlässlich richtigen Einsichten kommen, als fehlerhaft verworfen. Und das gilt für mich so lange, bis auch diese Idee als fehlerhaft verworfen wird - eine Entwicklung, die ich aber noch nicht sehen kann, ich kenne keine auch nur annähernd erfolgversprechende Idee, wie man zu absolut unfehlbaren Einsichten kommen könnte.

 

Die Wendung zum kritischen Rationalismus wurde nicht mitvollzogen, das stimmt. Da ist dessen Gleichsetzung mit dem Relativismus zu massiv. Diese Einschätzung ist ja auch nicht falsch, solange man nicht die Struktur der Aussagen selbst zum Thema macht und immer nur die Inhalte verhandelt*. Aber das führt hier dann doch weit weg vom Thema ....

 

 

* So wäre es mir zB auch bedeutend unwohl dabei an die Liebe meiner Freundin nur so lange zu blauben, bis ich diese Idee als fehlhaft verworfen habe. Es gibt eben verschiedene Arten von Aussagen ......

Hält die katholische Lehre den Kritischen Rationalismus also wirklich für eine Form von Relativismus?

Und wenn ja, mit welchen Argumenten?

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Gibt es in Bezug darauf "die katholische Lehre"??? Oder gibt es, wie so oft, katholische Lehrer, die eine und katholische Lehrer, die eine andere Meinung vertreten?

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Gibt es in Bezug darauf "die katholische Lehre"??? Oder gibt es, wie so oft, katholische Lehrer, die eine und katholische Lehrer, die eine andere Meinung vertreten?

Deshalb hatte ich gefragt, ich weiß es auch nicht. Justin Cognitos Formulierung "Da ist dessen Gleichsetzung mit dem Relativismus zu massiv" klang, als wisse er etwas darüber. Es war dort Off-Topic, deshlab habe ich es als Frage formuliert.

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Gibt es in Bezug darauf "die katholische Lehre"??? Oder gibt es, wie so oft, katholische Lehrer, die eine und katholische Lehrer, die eine andere Meinung vertreten?

 

Eine verbindliche katholische Lehrmeinung speziell zum Kritischen Rationalismus habe ich nicht gefunden. Aber Poppers These, daß es keine ethische Erkenntnis geben kann, steht offenkundig in Widerspruch zur Moraltheologie. Grüße, KAM

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Wie ich diese pauschalen Schnellschüsse liebe. Ich halte mich für einen ziemlich guten Popper-Kenner. Aber eine These, es könne keine "moralische Erkenntnis" geben, kenne ich nicht. Ich weiß nicht einmal, was "moralöische Erkenntnis" überhaupt sein soll. Und was "die Moraltheologie" sein soll, mit der das in Widerspruch stehen soll, weiß ich auch nicht.

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Wie ich diese pauschalen Schnellschüsse liebe. Ich halte mich für einen ziemlich guten Popper-Kenner. Aber eine These, es könne keine "moralische Erkenntnis" geben, kenne ich nicht. Ich weiß nicht einmal, was "moralöische Erkenntnis" überhaupt sein soll. Und was "die Moraltheologie" sein soll, mit der das in Widerspruch stehen soll, weiß ich auch nicht.

 

In "Elend des Historizismus" entwickelt Popper die Idee des piecemeal social engineering. Und dazu kommt er auf der Grundlage der Annahme, daß die Richtigkeit einer Handlung nicht anders als empirisch erkannt werden kann, so daß Veränderungen schrittweise erfolgen müssen, um sie bei auftretenden unerwünschten Folgen noch revidieren zu können. Wenn man von vornherein einen Maßstab für richtiges Handeln haben könnte, bräuchte es diese Vorsicht ja nicht. Und Grundlage der katholischen Moraltheologie ist die Überzeugung, daß es göttliche Gebote gibt, die erkennbar sind, die also gewissermaßen a priori die Erkenntnis der Richtigkeit einer Handlung zulassen. Wenn das mal kein Widerspruch ist. - Grüße KAM

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In "Elend des Historizismus" entwickelt Popper die Idee des piecemeal social engineering. Und dazu kommt er auf der Grundlage der Annahme, daß die Richtigkeit einer Handlung nicht anders als empirisch erkannt werden kann, so daß Veränderungen schrittweise erfolgen müssen, um sie bei auftretenden unerwünschten Folgen noch revidieren zu können. Wenn man von vornherein einen Maßstab für richtiges Handeln haben könnte, bräuchte es diese Vorsicht ja nicht. Und Grundlage der katholischen Moraltheologie ist die Überzeugung, daß es göttliche Gebote gibt, die erkennbar sind, die also gewissermaßen a priori die Erkenntnis der Richtigkeit einer Handlung zulassen.

 

Ich fürchte, da spielst Du Äpfel gegen Birnen aus. "Piecemeal social engineering" bezieht sich auf praktisches politisches Handeln. Erkenne mal anhand der katholischen Moraltheologie, ob die Hartz-IV-Reformen "richtig" im Sinne von (ökonomisch) wirksam sind oder nicht.

 

:huh:

Edited by Alice
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In "Elend des Historizismus" entwickelt Popper die Idee des piecemeal social engineering. Und dazu kommt er auf der Grundlage der Annahme, daß die Richtigkeit einer Handlung nicht anders als empirisch erkannt werden kann, so daß Veränderungen schrittweise erfolgen müssen, um sie bei auftretenden unerwünschten Folgen noch revidieren zu können. Wenn man von vornherein einen Maßstab für richtiges Handeln haben könnte, bräuchte es diese Vorsicht ja nicht. Und Grundlage der katholischen Moraltheologie ist die Überzeugung, daß es göttliche Gebote gibt, die erkennbar sind, die also gewissermaßen a priori die Erkenntnis der Richtigkeit einer Handlung zulassen.

 

Ich fürchte, da spielst Du Äpfel gegen Birnen aus. "Piecemeal social engineering" bezieht sich auf praktisches politisches Handeln. Erkenne mal anhand der katholischen Moraltheologie, ob die Hartz-IV-Reformen "richtig" im Sinne von (ökonomisch) wirksam sind oder nicht.

 

:huh:

 

Ich weiß nicht, praktisches politisches Handeln muß wie jedes Handeln immer zunächst ein Ziel festlegen, dann die Mittel-Zweck-Relation prüfen und Nebenfolgen bedenken. Es ist doch ein Unterschied, ob ich bei der Zielfindung oder der Prüfung der Mittel zB die Zehn Gebote als Maßstab nehme, oder ob ich nach KR nur die Folgen betrachte. Die aus dem KR fließende Ethik ist letztlich utilitaristisch, auch hier sehe ich einen Widerspruch zur katholischen Moral. - Anhand der katholischen Lehre kannst du natürlich nicht beurteilen, ob die Hartz IV Reform ökonomisch wirksam ist. (Wirken tut sie schon, aber was?) Ich sehe aber bei der Wahl der Mittel deutliche Verstöße gegen das katholischerseits vorausgesetzte Bild vom Menschen und von der Arbeit. Menschen sind nur noch Kostgänger, die den Haushalt belasten und Arbeit nur noch Job. Grüße, KAM

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Es ist doch ein Unterschied, ob ich bei der Zielfindung oder der Prüfung der Mittel zB die Zehn Gebote als Maßstab nehme, oder ob ich nach KR nur die Folgen betrachte. Die aus dem KR fließende Ethik ist letztlich utilitaristisch, auch hier sehe ich einen Widerspruch zur katholischen Moral.

Für das, was Du vom KR weißt (nämlich offenbar nichts) ist Deine Diktion eindeutig zu vollmundig.

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Es ist doch ein Unterschied, ob ich bei der Zielfindung oder der Prüfung der Mittel zB die Zehn Gebote als Maßstab nehme, oder ob ich nach KR nur die Folgen betrachte. Die aus dem KR fließende Ethik ist letztlich utilitaristisch, auch hier sehe ich einen Widerspruch zur katholischen Moral.

Für das, was Du vom KR weißt (nämlich offenbar nichts) ist Deine Diktion eindeutig zu vollmundig.

 

Bisher warte ich auf einen Beleg für deine Kennerschaft, wenn du so genau weißt, wie es mit der KR-Ethik nicht bestellt ist, könntest du ja mal darlegen, wie es sich anders verhält. Ich lerne gern dazu. Grüße, KAM

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