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Das vorkonziliare Kirchenjahr


Lucie

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Vorigen Sonntag endete ja, wenn ich es richtig verstanden habe, der Weihnachtsfestkreis mit dem Sonntag "Taufe des Herrn". Als einige Gemeindegleider dafür plädierten, die Krippe noch stehen zu lassen, kriegten sie von anderen vorgehalten, das sei "vorkonziliar" (ein häßliches Totschlagargument, das in unserer Gemeinde eigentlich nur sehr selten fällt).

 

Mein Eindruck ist, dass viele doch mit dieser Verkürzung der Weihnachtszeit so ihre Probleme haben. Gibt es eigentlich gegen die Veränderungen, die das Konzil im Kirchenjahr vorgenommen hat, ähnlich starke Widerstände wie gegen die neue Messordnung? Und wie empfindet ihr Älteren das, die das alte Kirchenjahr noch bewusst mitgefeiert haben?

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Franciscus non papa

warum sollte man die krippe auf wunsch der gemeindemitglieder, die das mögen, nicht noch bis zum 2.2. stehen lassen? immerhin werden die darstellungen von, z.b. der verkündigung den rest des jahres ja auch nicht verhüllt.

 

ich sehe da kein liturgisches problem.

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Die Krippe bleibt auch noch stehen. Sie wirkt allerdings etwas deplaziert, wenn es keine Weihnachtslieder mehr gibt, in den Predigten kein Bezug mehr auf die Menschwerdung Gottes genommen wird usw. Singt man in der Vesper noch das "Alma redemptoris mater" oder nicht?

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Franciscus non papa

ein mir bekannter ruheständler hat seine krippe das ganze jahr über stehen. eine sehr schöne holzgeschnitzte weihnachtskrippe, die immer in seinem wohnzimmer eine erinnerung an eines der schönsten geheimnisse unseres glaubens ist: gott wird mensch...

 

dazu muss es ja nicht nötig sein, dann auch weihnachtslieder zu singen. im übrigen ist im gloria der messe auch ausserhalb der weihnachtszeit ein weihnachtslied im eigentlichen sinne da.

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Gibt es eigentlich gegen die Veränderungen, die das Konzil im Kirchenjahr vorgenommen hat, ähnlich starke Widerstände wie gegen die neue Messordnung?

Nur der Genauigkeit halber: Nicht das Konzil hat die Veränderung des Kirchenjahres vorgenommen, sondern das "Consilium ad exsequendam constitutionem de sacra liturgia" - das ist ein bereits von Pius XII. eingesetzter "Rat für die Liturgiereform". Allerdings sind die von diesem Rat vor und nach dem 2. Vatikanum ausgearbeiteten Reformen von den jeweiligen Päpsten (teilweise mit Änderungen und Einschränkungen) "promulgiert" worden und wurden dadurch gültig.

 

Die Änderungen insbesondere nach dem Jahr 1961 waren insgesamt so einschneidend und teilweise so schlecht begründet, daß sie sich nie in der ganzen Kirche durchsetzen konnten. Seit 1971 haben die Päpste daher immer wieder Genehmigungen erteilt, auch die Praxis aus der Zeit vor der Liturgiereform von 1970 weiterzuführen - den alten Kalender und das alte Kirchenjahr inklusive. Papst Benedikt hat mit seinem Motu Proprio Summorum Pontificum daraus die Konsequenz gezogen und als geltendes Recht festgestellt, daß die Bücher und Vorschriften, die im Jahr 1962 in Geltung waren, nicht aufgehoben worden sind, sondern weiterhin zum Schatz der Tradition der Kirche gehören und ohne besondere Genehmigung benutzt werden können.

 

Praktisch stößt das natürlich gerade beim Kalender auf gewisse Probleme. Die sogenannte "Ecclesia Dei Gemeinschaften" - das sind 1 apostol. Präfektur mit eigenem Bischof, 5 oder 6 Priestergemeinschaften päpstlichen Rechts und weitere etwa 30 Orden und ordensähnliche Gemeinschaften - benutzen ausschließlich den alten Kalender und das alte Kirchenjahr. "Sonntage im Jahrskreis" sind dort unbekannt. Alle hl. Messen, die nach dem alten Ritus gefeiert werden (hier in Berlin gibt es z.B. drei Pfarreien, in denen ein- oder mehrmals wöchentlich die "alte Messe" gefeiert wird), werden ebenfalls immer nach dem alten Kalender gefeiert. Insoweit sind da also zwei Kalender nebeneinander in Gebrauch. Für Priester und Chorleiter ist das irritierender als für gewöhnliche Gläubige, die ja eher selten an einem Sonntag zwei Messen mitfeiern. Ist aber zu bewältigen.

 

Die meisten Gemeinden und Gemeinschaften des alten Ritus sind wohl gerne bereit, "neue Heilige" (für die es in ihren Büchern keine Formulare gibt), mit in ihren Kalender aufzunehmen - wenn solche Formulare erstellt und genehmigt werden. Dagegen dürften sie sich heftig gegen jeden Versuch zur Wehr setzen, die willkürlichen Verschiebungen (z.B. Christkönig auf den Schluß des Kirchenjahrs) oder die Abschaffung der Sonntage nach Erscheinung oder der Vorfastenzeit mitzumachen. Hier sind der Kalender und die Messformulare so eng miteinander verzahnt, daß Eingriffe in den Kalender die Konsistenz des Ritus selbst in Gefahr brächten.

 

Die Weihnachtskrippen bleiben hier aber auch in den meisten Pfarreien bis Lichtmess stehen, die nur den neuen Ritus/Kalender verwenden.

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Dagegen dürften sie sich heftig gegen jeden Versuch zur Wehr setzen, die willkürlichen Verschiebungen (z.B. Christkönig auf den Schluß des Kirchenjahrs) oder die Abschaffung der Sonntage nach Erscheinung oder der Vorfastenzeit mitzumachen. Hier sind der Kalender und die Messformulare so eng miteinander verzahnt, daß Eingriffe in den Kalender die Konsistenz des Ritus selbst in Gefahr brächten.

 

Die Weihnachtskrippen bleiben hier aber auch in den meisten Pfarreien bis Lichtmess stehen, die nur den neuen Ritus/Kalender verwenden.

Ich halte die Verschiebung des Christkönigsfestes auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr für überaus sinnvoll. Der Oktobertermin schien mir "schon immer" (also seit mehr als 50 Jahren) sehr zufällig (und mit den "nachgeholten Sonntagen nach Erscheinung" irgenwann im November hatte ich eigentlich auch immer Probleme).

Edited by Elima
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Ich halte die Verschiebung des Christkönigsfestes auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr für überaus sinnvoll. Der Oktobertermin schien mir "schon immer" (also seit mehr als 50 Jahren) sehr zufällig (und mit den "nachgeholten Sonntagen nach Erscheinung" irgenwann im November hatte ich eigentlich auch immer Probleme).

Das sehen viele so, aber: Jeder "zufällige" Termin ist besser als der letzte Sonntag des Kirchenjahres.

 

Papst Pius XI. hat das Fest Domini nostri Jesu Christi Regis im Jahr 1925 eingeführt, um die Welt "fortdauernd an die unveräußerlichen Königsrechte zu erinnern, die dem Heiland als Gottessohn und als Erlöser zustehen und dazu beitragen, daß die Staaten und die einzelnen Menschen sich seinem sanften Herrscherjoche unterwerfen." Es war die Zeit nach der bolschewistischen Revolution 1917 und Mussolinis "Marsch auf Rom" 1922 - eine Erinnerung daran, daß die Menschen und Staaten nicht alles tun dürfen, was sie tun können, erschien überfällig. Ein Termin "irgendwo" innerhalb des Kirchenjahres war sehr gut geeignet, zu unterstreichen, daß Christi Königtum durchaus in dieser Welt von Bedeutung ist. Dementsprechend wurde als Evangelium des Tages die Schriftstelle von Jesu Verhör durch Pilatus ausgewählt: "In jener Zeit sprach Pilatus zu Jesus 'Bist Du der König der Juden?'....Ja ich bin ein König."

 

Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich. Sie verschoben das Fest daher auf den letzten Sonntag ihres "Jahreskreises" und quasi aus der Zeit heraus und verliehen ihm einen explizit eschatologischen Charakter. Das Evangelium in Lesejahr A (und das prägt nun mal die Wahrnehmung) ist jetzt Mattäus 25, 31ff: "Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen". Das Pilatus-Evangelium findet sich allerdings noch in Lesejahr B, Lesejahr C bringt die Kreuzigungsszene mit dem guten Schächer (Lk 23) "Gedenke mein, wenn Du in Dein Reich kommst" und betont damit wieder stärker die transzendente Seite.

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OneAndOnlySon
Ein Termin "irgendwo" innerhalb des Kirchenjahres war sehr gut geeignet, zu unterstreichen, daß Christi Königtum durchaus in dieser Welt von Bedeutung ist. Dementsprechend wurde als Evangelium des Tages die Schriftstelle von Jesu Verhör durch Pilatus ausgewählt: "In jener Zeit sprach Pilatus zu Jesus 'Bist Du der König der Juden?'....Ja ich bin ein König."
Wie passt das zusammen mit "Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier." (Joh 18, 36) ?
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Ich halte die Verschiebung des Christkönigsfestes auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr für überaus sinnvoll. Der Oktobertermin schien mir "schon immer" (also seit mehr als 50 Jahren) sehr zufällig (und mit den "nachgeholten Sonntagen nach Erscheinung" irgenwann im November hatte ich eigentlich auch immer Probleme).

Das sehen viele so, aber: Jeder "zufällige" Termin ist besser als der letzte Sonntag des Kirchenjahres.

 

Papst Pius XI. hat das Fest Domini nostri Jesu Christi Regis im Jahr 1925 eingeführt, um die Welt "fortdauernd an die unveräußerlichen Königsrechte zu erinnern, die dem Heiland als Gottessohn und als Erlöser zustehen und dazu beitragen, daß die Staaten und die einzelnen Menschen sich seinem sanften Herrscherjoche unterwerfen." Es war die Zeit nach der bolschewistischen Revolution 1917 und Mussolinis "Marsch auf Rom" 1922 - eine Erinnerung daran, daß die Menschen und Staaten nicht alles tun dürfen, was sie tun können, erschien überfällig. Ein Termin "irgendwo" innerhalb des Kirchenjahres war sehr gut geeignet, zu unterstreichen, daß Christi Königtum durchaus in dieser Welt von Bedeutung ist. Dementsprechend wurde als Evangelium des Tages die Schriftstelle von Jesu Verhör durch Pilatus ausgewählt: "In jener Zeit sprach Pilatus zu Jesus 'Bist Du der König der Juden?'....Ja ich bin ein König."

 

Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich. Sie verschoben das Fest daher auf den letzten Sonntag ihres "Jahreskreises" und quasi aus der Zeit heraus und verliehen ihm einen explizit eschatologischen Charakter. Das Evangelium in Lesejahr A (und das prägt nun mal die Wahrnehmung) ist jetzt Mattäus 25, 31ff: "Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen". Das Pilatus-Evangelium findet sich allerdings noch in Lesejahr B, Lesejahr C bringt die Kreuzigungsszene mit dem guten Schächer (Lk 23) "Gedenke mein, wenn Du in Dein Reich kommst" und betont damit wieder stärker die transzendente Seite.

Und genau darum passt es ja so gut auf das Ende des Kirchenjahres. Es ist das, was am Ende steht, m Ende der Zeit.

Nicht von dieser Welt.

 

Werner

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Ich halte die Verschiebung des Christkönigsfestes auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr für überaus sinnvoll. Der Oktobertermin schien mir "schon immer" (also seit mehr als 50 Jahren) sehr zufällig (und mit den "nachgeholten Sonntagen nach Erscheinung" irgenwann im November hatte ich eigentlich auch immer Probleme).

Das sehen viele so, aber: Jeder "zufällige" Termin ist besser als der letzte Sonntag des Kirchenjahres.

 

Papst Pius XI. hat das Fest Domini nostri Jesu Christi Regis im Jahr 1925 eingeführt, um die Welt "fortdauernd an die unveräußerlichen Königsrechte zu erinnern, die dem Heiland als Gottessohn und als Erlöser zustehen und dazu beitragen, daß die Staaten und die einzelnen Menschen sich seinem sanften Herrscherjoche unterwerfen." Es war die Zeit nach der bolschewistischen Revolution 1917 und Mussolinis "Marsch auf Rom" 1922 - eine Erinnerung daran, daß die Menschen und Staaten nicht alles tun dürfen, was sie tun können, erschien überfällig. Ein Termin "irgendwo" innerhalb des Kirchenjahres war sehr gut geeignet, zu unterstreichen, daß Christi Königtum durchaus in dieser Welt von Bedeutung ist. Dementsprechend wurde als Evangelium des Tages die Schriftstelle von Jesu Verhör durch Pilatus ausgewählt: "In jener Zeit sprach Pilatus zu Jesus 'Bist Du der König der Juden?'....Ja ich bin ein König."

 

Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich. Sie verschoben das Fest daher auf den letzten Sonntag ihres "Jahreskreises" und quasi aus der Zeit heraus und verliehen ihm einen explizit eschatologischen Charakter. Das Evangelium in Lesejahr A (und das prägt nun mal die Wahrnehmung) ist jetzt Mattäus 25, 31ff: "Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen". Das Pilatus-Evangelium findet sich allerdings noch in Lesejahr B, Lesejahr C bringt die Kreuzigungsszene mit dem guten Schächer (Lk 23) "Gedenke mein, wenn Du in Dein Reich kommst" und betont damit wieder stärker die transzendente Seite.

 

Theologisch durchaus begründet angesichts der rede vom angebrochenen, aber noch nicht vollendeten Reich Gottes. Es geht hier eben nicht um eine historische Reminiszenz oder einen Blick in die Zukunft, sondern darum, dass sich Christen mit keiner erreichten Wirklichkeit abfinden können.

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zur Krippe:

 

Da die Krippe liturgisch keine Rolle spielt (im Gegensatz zur Osterkerze), gibt es auch keinen offiziellen Termin, sie zu entfernen. (Bei uns bleibt sie bis zum 2. Februar.) Wie weit man noch weihnachtliche Lieder singt, ist ja auch nicht vorgeschrieben. "Stille Nacht" wäre wohl etwas deplaziert, aber "Ich steh an deiner Krippen hier" z.B. passt m. E. immer noch (zumal wenn die Krippe im Blickfeld der Gemeinde steht).

 

Übrigens war in der alten Kalenderordnung von Weihnachten in der angeblich längeren Weihnachtszeit nach Epiphanie auch nicht mehr viel zu merken: Die Texte sind nicht explizit weihnachtlich, und auch die Paramentenfarbe war/ist grün. Die neue Ordnung macht das einfach nur deutlicher.

 

zu Alma Redemptoris:

 

Nach der neuen Ordnung im Stundenbuch ist nur noch die marianische Antiphon "Regina caeli" einer bestimmten Zeit (nämlich der Osterzeit) zugeordnet. Insofern kann man in der Zeit zwischen Taufe des Herrn und Darstellung des Herrn nichts "falsch" machen. Früher wurde bis 2.2. "Alma" gesungen (aber auch bis Samstag vor dem Dreifaltigkeitsfest "Regina caeli", wegen der Oktav von Pfingsten ...)

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Ich halte die Verschiebung des Christkönigsfestes auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr für überaus sinnvoll. Der Oktobertermin schien mir "schon immer" (also seit mehr als 50 Jahren) sehr zufällig (und mit den "nachgeholten Sonntagen nach Erscheinung" irgenwann im November hatte ich eigentlich auch immer Probleme).

Das sehen viele so, aber: Jeder "zufällige" Termin ist besser als der letzte Sonntag des Kirchenjahres.

 

Papst Pius XI. hat das Fest Domini nostri Jesu Christi Regis im Jahr 1925 eingeführt, um die Welt "fortdauernd an die unveräußerlichen Königsrechte zu erinnern, die dem Heiland als Gottessohn und als Erlöser zustehen und dazu beitragen, daß die Staaten und die einzelnen Menschen sich seinem sanften Herrscherjoche unterwerfen." Es war die Zeit nach der bolschewistischen Revolution 1917 und Mussolinis "Marsch auf Rom" 1922 - eine Erinnerung daran, daß die Menschen und Staaten nicht alles tun dürfen, was sie tun können, erschien überfällig. Ein Termin "irgendwo" innerhalb des Kirchenjahres war sehr gut geeignet, zu unterstreichen, daß Christi Königtum durchaus in dieser Welt von Bedeutung ist. Dementsprechend wurde als Evangelium des Tages die Schriftstelle von Jesu Verhör durch Pilatus ausgewählt: "In jener Zeit sprach Pilatus zu Jesus 'Bist Du der König der Juden?'....Ja ich bin ein König."

 

Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich. Sie verschoben das Fest daher auf den letzten Sonntag ihres "Jahreskreises" und quasi aus der Zeit heraus und verliehen ihm einen explizit eschatologischen Charakter. Das Evangelium in Lesejahr A (und das prägt nun mal die Wahrnehmung) ist jetzt Mattäus 25, 31ff: "Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen". Das Pilatus-Evangelium findet sich allerdings noch in Lesejahr B, Lesejahr C bringt die Kreuzigungsszene mit dem guten Schächer (Lk 23) "Gedenke mein, wenn Du in Dein Reich kommst" und betont damit wieder stärker die transzendente Seite.

Und genau darum passt es ja so gut auf das Ende des Kirchenjahres. Es ist das, was am Ende steht, m Ende der Zeit.

Nicht von dieser Welt.

 

Werner

 

Am Jüngsten Tag wird Jesus Christus sein Reich vollenden, das jetzt schon unter uns ist und an dessen Ausbreitung wir mitarbeiten sollen. Also passt das Fest hervorragend an diesen Termin.

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Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich.

Und das zu Recht.........ich erinnere mich noch sehr gut, dass in den 50iger Jahren stramme Kapläne markige Reden hielten über das Reich Gottes, zu dessen Verwirklichung sie sich aber peinlicherweise als Propagandisten "christlicher Parteien" mißbrauchen liessen.......und Christus haben sei gleich mit mißbraucht.

Erst Kardinal König hat in Österreich 1975 (!) mit dieser parteipolitischen Verhaberung von Kirche und ÖVP aufgehört.

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Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich.

Und das zu Recht.........ich erinnere mich noch sehr gut, dass in den 50iger Jahren stramme Kapläne markige Reden hielten über das Reich Gottes, zu dessen Verwirklichung sie sich aber peinlicherweise als Propagandisten "christlicher Parteien" mißbrauchen liessen.......und Christus haben sei gleich mit mißbraucht.

Erst Kardinal König hat in Österreich 1975 (!) mit dieser parteipolitischen Verhaberung von Kirche und ÖVP aufgehört.

 

Das war natürlich daneben, wobei den Leuten vermutlich noch das 3. Reich in den Knochen steckte, da wollten sie die Leute ja aus guter Absicht zur ÖVP treiben. Aber der Gedanke, daß das Reich Christi schon auf Erden irgendwie als Beginn spürbar werden muß, ist ja nicht falsch, und daß eine rein eschatologische Deutung des Festes deshalb falsch wäre, auch nicht. Am Termin scheitert das mE aber nicht. Grüße, KAM

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Praktisch stößt das natürlich gerade beim Kalender auf gewisse Probleme. [...] Ist aber zu bewältigen.
Ist die Verwendung paralleler Kalender nicht eigentlich ein Widerspruch zum Credo?

 

Credo UNAM, sanctam, catholicam et apostolicam ecclesiam.

 

Die römisch-katholische Kirche hat immer betont, die EINE zu sein, weil in ihr überall derselbe Glaube, dieselben Sakramente unter einer Leitung verkündet und gefeiert werden.

 

Aber kann man noch von "einem" Glauben reden, wenn zwei einander widersprechende Kalender im Gebrauch sind?

 

Der Kalender ist doch nicht nur eine beliebige Anhäufung von Terminen, sondern spiegelt einiges anderes wieder.

 

Und bei aller Liebe: auch für mich als Laien ist schwerlich nachzuvollziehen, warum in manchen Kirchen der Welt Jesu Beschneidung gefeiert wird, während der ordentliche Rest der katholischen Christenheit das Hochfest der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria begeht.

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Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich.

Und das zu Recht.........ich erinnere mich noch sehr gut, dass in den 50iger Jahren stramme Kapläne markige Reden hielten über das Reich Gottes, zu dessen Verwirklichung sie sich aber peinlicherweise als Propagandisten "christlicher Parteien" mißbrauchen liessen.......und Christus haben sei gleich mit mißbraucht.

Erst Kardinal König hat in Österreich 1975 (!) mit dieser parteipolitischen Verhaberung von Kirche und ÖVP aufgehört.

 

Das war natürlich daneben, wobei den Leuten vermutlich noch das 3. Reich in den Knochen steckte, da wollten sie die Leute ja aus guter Absicht zur ÖVP treiben. Aber der Gedanke, daß das Reich Christi schon auf Erden irgendwie als Beginn spürbar werden muß, ist ja nicht falsch, und daß eine rein eschatologische Deutung des Festes deshalb falsch wäre, auch nicht.

 

Das waren die selben Leute die von 1933 bis 1938 behaupteten das Reich Gottes auf Erden verwirkliche sich in der eher skurrilen Minidiktatur des "christlichen Ständestaats" und in der Vaterländischen Front........das sah dann so aus, dass man nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 einen Schwerstverletzten auf der Tragbahre zum Galgen schleppte.

 

Nimmt man das Wort vom Reich Gottes und der Gottesherrschaft zu weltlich, besteht immer die Gefahr des Abgleitens in die Gewalt.

 

Ich glaube daher Jesus so deuten zu dürfen: Das Reich Gottes ist schon dort angebrochen, wo einer den Kampf gegen sich selbst aufgenommen hat. Gottes Herrschaft ist schon dort sichtbar, wo einer im Nächsten, selbst noch im Ungläubigen das Gesicht Gottes erkennen kann.

Edited by wolfgang E.
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Praktisch stößt das natürlich gerade beim Kalender auf gewisse Probleme. [...] Ist aber zu bewältigen.
Ist die Verwendung paralleler Kalender nicht eigentlich ein Widerspruch zum Credo?

 

Credo UNAM, sanctam, catholicam et apostolicam ecclesiam.

 

Die römisch-katholische Kirche hat immer betont, die EINE zu sein, weil in ihr überall derselbe Glaube, dieselben Sakramente unter einer Leitung verkündet und gefeiert werden.

 

Aber kann man noch von "einem" Glauben reden, wenn zwei einander widersprechende Kalender im Gebrauch sind?

 

Der Kalender ist doch nicht nur eine beliebige Anhäufung von Terminen, sondern spiegelt einiges anderes wieder.

 

Und bei aller Liebe: auch für mich als Laien ist schwerlich nachzuvollziehen, warum in manchen Kirchen der Welt Jesu Beschneidung gefeiert wird, während der ordentliche Rest der katholischen Christenheit das Hochfest der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria begeht.

 

 

 

Ich habe diese "Umwidmung" des 1. Januar auch nicht verstanden. Für mich waren da deutlich marianistische Strömungen am Werk (unter JP II), während man ja andererseits in der Neuordnung den christologischen Aspekt von Maria Lichtmess deutlich machte (aber das war m.W. auch schon vorher: In praesentatione Domini nostri Jesu Christi).

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Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich.

Und das zu Recht.........ich erinnere mich noch sehr gut, dass in den 50iger Jahren stramme Kapläne markige Reden hielten über das Reich Gottes, zu dessen Verwirklichung sie sich aber peinlicherweise als Propagandisten "christlicher Parteien" mißbrauchen liessen.......und Christus haben sei gleich mit mißbraucht.

Erst Kardinal König hat in Österreich 1975 (!) mit dieser parteipolitischen Verhaberung von Kirche und ÖVP aufgehört.

 

Das war natürlich daneben, wobei den Leuten vermutlich noch das 3. Reich in den Knochen steckte, da wollten sie die Leute ja aus guter Absicht zur ÖVP treiben. Aber der Gedanke, daß das Reich Christi schon auf Erden irgendwie als Beginn spürbar werden muß, ist ja nicht falsch, und daß eine rein eschatologische Deutung des Festes deshalb falsch wäre, auch nicht.

 

Das waren die selben Leute die von 1933 bis 1938 behaupteten das Reich Gottes auf Erden verwirkliche sich in der eher skurrilen Minidiktatur des "christlichen Ständestaats" und in der Vaterländischen Front........das sah dann so aus, dass man nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 einen Schwerstverletzten auf der Tragbahre zum Galgen schleppte.

 

Nimmt man das Wort vom Reich Gottes und der Gottesherrschaft zu weltlich, besteht immer die Gefahr des Abgleitens in die Gewalt.

 

Ich glaube daher Jesus so deuten zu dürfen: Das Reich Gottes ist schon dort angebrochen, wo einer den Kampf gegen sich selbst aufgenommen hat. Gottes Herrschaft ist schon dort sichtbar, wo einer im Nächsten, selbst noch im Ungläubigen das Gesicht Gottes erkennen kann.

 

Dann müßtest du konsequenterweise die Theologie der Befreiung ablehnen. Grüße, KAM

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Darstellung des Herrn war doch früher Mariae Reinigung - oder hatte der Tag nur zwei Namen?

 

(Aber warum wurde die Taufe des Herrn eigentlich von Fixdatum auf beweglich geändert?)

Edited by Flo77
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Ich habe diese "Umwidmung" des 1. Januar auch nicht verstanden.

 

Zur Geschichte:

 

"Noch vor dem 7. Jahrhundert war es in Rom üblich, am 1. Januar ein Fest Natale sanctae Mariae zu feiern, ein allgemeiner Gedenktag der Gottesmutter, kein Fest der Geburt. Die Übernahme der byzantinischen Marienfeste am 25. März (Verkündigung Mariens) und 15. August (Himmelfahrt Mariens) nahmen diesem Fest aber die Bedeutung. Das in Spanien und Gallen am 1. Januar übliche Fest der Beschneidung des Herrn wurde im 13./14. Jahrhundert von Rom übernommen und blieb bis zur Kalenderreform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erhalten. An diesem Tag gedachte man der Beschneidung Jesu acht Tage nach der Geburt, wie in Lk 2,21 berichtet. 1969 wurde der Festtag wieder zu einem Marienfest umgewandelt: Hochfest der Gottesmutter Maria. An diesem Tag soll auch der Namensgebung des Herrn gedacht werden, für die es ein eigenes Fest nicht mehr gibt."

 

 

Quelle: http://www.festjahr.de/festtage/marienjahr...ttesmutter.html

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OneAndOnlySon

Kann man den alten Kalender irgendwo im Internet finden?

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Darstellung des Herrn war doch früher Mariae Reinigung - oder hatte der Tag nur zwei Namen?

 

Wiki sagt ja.

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Den Liturgiereformern der 60er Jahre war diese Bedeutung des Festes und diese Akzentuierung im Evangelium ein wenig peinlich.

Und das zu Recht.........ich erinnere mich noch sehr gut, dass in den 50iger Jahren stramme Kapläne markige Reden hielten über das Reich Gottes, zu dessen Verwirklichung sie sich aber peinlicherweise als Propagandisten "christlicher Parteien" mißbrauchen liessen.......und Christus haben sei gleich mit mißbraucht.

Erst Kardinal König hat in Österreich 1975 (!) mit dieser parteipolitischen Verhaberung von Kirche und ÖVP aufgehört.

 

Das war natürlich daneben, wobei den Leuten vermutlich noch das 3. Reich in den Knochen steckte, da wollten sie die Leute ja aus guter Absicht zur ÖVP treiben. Aber der Gedanke, daß das Reich Christi schon auf Erden irgendwie als Beginn spürbar werden muß, ist ja nicht falsch, und daß eine rein eschatologische Deutung des Festes deshalb falsch wäre, auch nicht.

 

Das waren die selben Leute die von 1933 bis 1938 behaupteten das Reich Gottes auf Erden verwirkliche sich in der eher skurrilen Minidiktatur des "christlichen Ständestaats" und in der Vaterländischen Front........das sah dann so aus, dass man nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 einen Schwerstverletzten auf der Tragbahre zum Galgen schleppte.

 

Nimmt man das Wort vom Reich Gottes und der Gottesherrschaft zu weltlich, besteht immer die Gefahr des Abgleitens in die Gewalt.

 

Ich glaube daher Jesus so deuten zu dürfen: Das Reich Gottes ist schon dort angebrochen, wo einer den Kampf gegen sich selbst aufgenommen hat. Gottes Herrschaft ist schon dort sichtbar, wo einer im Nächsten, selbst noch im Ungläubigen das Gesicht Gottes erkennen kann.

 

Dann müßtest du konsequenterweise die Theologie der Befreiung ablehnen. Grüße, KAM

Warum......die Theologie der Befreiung will weiß Gott keine Gottesherrschaft errichten, sondern die himmelschreienden Ungerechtigkeiten in durchaus weltlich Staaten bekämpfen.....oder glaubst Du Exbischof Lugo will aus Paraguay einen Gottesstaat machen.

Die Befreíungstheologie steht vergröbert gesagt auf dem Standpunkt, dass uns Christus im hilfebedürftigen Nächsten wiederbegegnet..........aber diese Meinung hat genügt Sobrino zu schikanieren

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