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Über die göttliche Offenbarung


platon
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Hallo Leute,

 

gelernt habe ich, daß mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil über die göttliche Offenbarung festgelegt wurde, daß die Tradition die legitime Interpretation der Schrift darlegt, während das Heilsnotwendige mit Abschluß des Neuen Testamentes geschlossen wird. Damit ist nicht gemeint, daß nun alles von A bis Z in der Schrift stünde, sondern daß nach der Urgemeinde keine neuen dogmatischen bahnbrechenden Wahrheiten entstehen.

 

Beispiele: In Nikaia und Chalkedon haben die Väter nicht einfach Sachen erfunden, sondern vielmehr entstand der theologische Streit über Jesus deshalb, weil die ersten Christen nunmal sich fragten, wenn Jesus das Fleisch gewordene Wort Gottes ist, wie es heißt, warum betet Jesus am Kreuz: "Vater, warum hast Du mich verlassen?" Wir werden also schon im Zeugnis der Schrift finden, daß sowohl über die Göttlichkeit als auch die Menschlichkeit Jesu die Rede ist.

 

Oder nehmen wir mal das Dogma über die Aufnahme Mariens in den Himmel in Leib und Seele. Das ist auch keine "Erfindung" des Papstes, sondern meint, daß die Erlösung Mariens vollkommen vollbracht ist, daß sie vollendet ist. Wenn es einen Heiligen gibt, der ganz sicher nicht in der Hölle schmort, dann ist das in erster Linie die Jungfrau Maria. Wir lesen in 1. Korinther 15:35-49, daß wir mit himmlischen Leibern auferstehen werden. Der Tag des Jüngsten Gerichts ist doch der, wo die neue Stadt Jerusalem entstehen soll, wo Gott die ganze Schöpfung zu sich holt, also alles Tote zum neuen Leben erweckt wird.

 

Natürlich verstehen wir, daß Himmel mehr ist als nur bloße Unsterblichkeit. Bloße Unsterblichkeit in Langeweile wäre der Tod mitten im Leben. Wenn Himmel auch wirklich Himmel sein soll, dann darf es dort keine Langeweile geben. Rein gedanklich kann ich mir eine Ewigkeit ohne Langeweile geben; das würde meine menschliche Vorstellungskraft übersteigen. Vielmehr wird der Himmel von Jesus mit einer Hochzeit verglichen; da wo Braut und Bräutigam beisamen sind, da kann es keine Langeweile geben. "Himmel" also hieße also hier die Fülle dessen, was kein Auge je gesehen und kein Ohr je gehört hat. Aber hier drückt das Gleichnis einer Hochzeit in einfachen Worten viel besser diesen Sachverhalt aus, als tausend philosophische Worte das ausdrücken könnten.

 

Genau diese Fülle, diesen Reichtum drückt die Schrift aus, wenn sie im Buch der Offenbarung sagt, die neue Stadt wird Straßen aus Gold haben, das so durchsichtig ist wie Glas, und keine Sonne wird mehr nötig sein, denn der Herr wird uns Licht sein. Diese Leiblichkeit, die hier angesprochen ist, meint auch, der Himmel, wie man ihn sich auch immer vorstellen mag, meint etwas Konkretes, also sie wollen also keine "leere" Versprechungen sein, sondern will heißen: "Siehe, ich bereite euch eine Heimat im Himmel." An der Person Maria hat ist dieser Prozess gänzlich abgeschlossen, sie ist nun beim Vater.

 

Wenn wir das alles sehen, was aber meint der Trienter Konzil und das Erste Vatikanum, wenn die Tradition als eigenes Standbein und als Offenbarungsquelle gedeutet wird? Worin soll denn bitteschön das Zweite Vatikanische Konzil dazu in Widerspruch stehen?

 

Es versteht sich, die Tradition ist das, was die Kanonisierung der Schrift überhaupt ermöglicht hat. Wer also die Tradition wegleugnen will, der nimmt auch der Schrift ihre Legitimation. Aber welche Dogmen gibt es, die nicht in der Schrift oder in der Tradition der Urkirche irgendwie "latent" wären. Oder soll man sagen, man muß fordern, daß neue Dogmen aufgrund von Offenbarungen wenigstens der Schrift nicht "widersprechen" dürfen? Kein Reich, das ich sich gespalten ist, kann Bestand haben.

 

Sagen wir es mal anders, wenn mir heute der Kaiser Napoleon im Traum erscheint, dann kann ich nicht sagen, und ich nie von ihm zuvor sprechen gehört habe, weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll. Und gesetzt ich würde irgendwann heiliggesprochen werden, dann wird man ja doch nicht diesen Traum dann zum neuen Dogma erheben, nur weil ich derjenige war, der diesen Traum hatte.

 

Danke für die Antworten im voraus...

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Hallo Leute,

 

wenn man sich das Dekret über die Offenbarung des II. Vatikanischen Konzils

durchliest, wird die enge Verzahnung zwischen Tradition und Schrift deutlich,

und auch wird festgehalten, daß die Schrift selbst ein Teil der Tradition ist,

eine Frucht, die die lebendige Tradition der Urkirche hervorgebracht hat.

 

Und sodann ist ein Augenmerk auf die Texte zu werfen, wo der Heiligen Geist

erwähnt wird. Charismatische Kreise müssen sich mit einem solchen Text

bestätigt und geborgen fühlen, weil es sowas gibt, wie das Begleiten und

Wirken des Geistes in seiner Kirche durch die Jahrhunderte durch.

 

Das Dokument ermuntert zur Lesung der Heiligen Schrift, aber es zieht gleichzeitig

eine deutliche Grenze vor dem "Sola Scriptura"-Prinzip Luthers.

 

Grüße....

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Oder nehmen wir mal das Dogma über die Aufnahme Mariens in den Himmel in Leib und Seele. Das ist auch keine "Erfindung" des Papstes,

 

deshalb kann der papst auch nicht einfach unfehlbar sprechen, sondern immer nur dann, wenn er ein dogma verkündet, das schon immer von der kirche geglaubt wurde.

 

 

Sagen wir es mal anders, wenn mir heute der Kaiser Napoleon im Traum erscheint [...] Und gesetzt ich würde irgendwann heiliggesprochen werden, dann wird man ja doch nicht diesen Traum dann zum neuen Dogma erheben, nur weil ich derjenige war, der diesen Traum hatte.

 

völlig richtig.... weil der traum nichts allgemein gültiges, bzw. heilsnotwendiges enthalten kann, was nicht schon immer geglaubt wurde.

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