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Die Lesungen vom 2. Fastensonntag


Martin
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Wie geht ihr mit dem was ihr da lest oder hört um?

 

Lest ir das so, dass Abraham denkt, Gott fordere von ihm, seinen Sohn zu opfern (weil das damals so war) - und er wird davon erlöst/befreit? Oder so wie es da steht: Gott testet aus, ob Abraham so weit für ihn geht?

 

Und in der zweiten Lesung entsprechend: Hat Gott geplant, dass Jesus gekreuzigt wird, oder war es das "worst case"-Szenario, das nicht ausgeschlossen wurde?

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Hätte einer von euch dieses Ansinnen an Abraham ebenfalls in die Tat umgesetzt? Zumindest darüber nachgedacht?

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Hätte einer von euch dieses Ansinnen an Abraham ebenfalls in die Tat umgesetzt? Zumindest darüber nachgedacht?

Muß man das denn?

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Ich hatte heute andere Lesungen und Evangelium. Deswegen mache ich mir keine Gedanken über die oben angesprochenen Texte. :angry2:

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Mantelteiler
Wie geht ihr mit dem was ihr da lest oder hört um?

 

Lest ir das so, dass Abraham denkt, Gott fordere von ihm, seinen Sohn zu opfern (weil das damals so war) - und er wird davon erlöst/befreit? Oder so wie es da steht: Gott testet aus, ob Abraham so weit für ihn geht?

Dieser Text wird in der Osternacht wieder kommen.

Der Witz ist: Der Sohn hat die geschichte überlebt.

Zum AT-Hintergrund habe ich mal irgendwo gelesen, dass die Theologen meinen, mit diesem Text sei die Gratwanderung zwischen "Gehorsam" und "Nächstenliebe" (bzw. "Lebensschutz") beschrieben: In der AT-Zeit gab es ja wohl sowas wie Kinderopfer an irgendwelche Gottheiten.

Und irgendwann wurde es den Leuten dann klar, dass das nicht "im Sinne des Erfinders" sein konnte.

Mit dieser Geschichte wurde dann eine Art "Wendepunkt" im Denken der Menschen markiert, die einerseits "gehorsam" sein wollten, andererseits merkten, dass es so nicht weitergehen konnte...

Und in der zweiten Lesung entsprechend: Hat Gott geplant, dass Jesus gekreuzigt wird, oder war es das "worst case"-Szenario, das nicht ausgeschlossen wurde?

Da sind wir mitten in der heute-Zeit: Der Haupt-Streit zwischen verschiedenen "Lagern" in unserer Kirche lässt sich vielleicht so benennen:

Die einen sagen, dass wir erlöst wurden weil Jesus hingerichtet wurde, die anderen sagen, dass wir erlöst wurden obwohl Jesus hingerichtet wurde.

Daraus ergeben sich dann verschiedene mögliche Schlussfolgerungen...

Das wichtigste an der zweiten Lesung ist für mich der Schluss-Satz:

Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.
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Wie geht ihr mit dem was ihr da lest oder hört um?

 

Lest ir das so, dass Abraham denkt, Gott fordere von ihm, seinen Sohn zu opfern

 

Ja, so lese ich das. Das Paradebeispiel dafür, dass selbst ein frommer Mensch wie Abraham Gott völlig missverstehen kann.

 

 

 

- und er wird davon erlöst/befreit? Oder so wie es da steht: Gott testet aus, ob Abraham so weit für ihn geht?

 

Nee, das ist die Erklärung, die Abraham sich nachher selbst zurechtgelegt hat, weil er entweder nicht gemerkt oder sich nicht eingestanden hat, dass er Gott falsch verstanden hat.

 

Und in der zweiten Lesung entsprechend: Hat Gott geplant, dass Jesus gekreuzigt wird, oder war es das "worst case"-Szenario, das nicht ausgeschlossen wurde?

 

Ein schrecklicher Tod ist ein Szenario, das jedem Lebenden blühen kann. Setzt man ein Kind in die Welt, dann riskiert man das mit, dann "gibt man es dahin".

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Hätte einer von euch dieses Ansinnen an Abraham ebenfalls in die Tat umgesetzt? Zumindest darüber nachgedacht?

Muß man das denn?

 

Zunächst einmal hättet ihr den Ruf Gottes vernehmen müssen, dies zu tun. Aber mal unter der Prämisse, man hätte - was dann?

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Wie geht ihr mit dem was ihr da lest oder hört um?

 

Lest ir das so, dass Abraham denkt, Gott fordere von ihm, seinen Sohn zu opfern

 

Ja, so lese ich das. Das Paradebeispiel dafür, dass selbst ein frommer Mensch wie Abraham Gott völlig missverstehen kann.

 

 

 

- und er wird davon erlöst/befreit? Oder so wie es da steht: Gott testet aus, ob Abraham so weit für ihn geht?

 

Nee, das ist die Erklärung, die Abraham sich nachher selbst zurechtgelegt hat, weil er entweder nicht gemerkt oder sich nicht eingestanden hat, dass er Gott falsch verstanden hat.

 

Und in der zweiten Lesung entsprechend: Hat Gott geplant, dass Jesus gekreuzigt wird, oder war es das "worst case"-Szenario, das nicht ausgeschlossen wurde?

 

Ein schrecklicher Tod ist ein Szenario, das jedem Lebenden blühen kann. Setzt man ein Kind in die Welt, dann riskiert man das mit, dann "gibt man es dahin".

 

 

Mal angenommen, Abraham habe sich das nur eingebildet (vielleicht weil das damals sogar so üblich oder zumindest nicht unüblich war) ... hat er sich dann auch den Segen Gottes eingebildet?

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Hätte einer von euch dieses Ansinnen an Abraham ebenfalls in die Tat umgesetzt? Zumindest darüber nachgedacht?

Muß man das denn?

 

Zunächst einmal hättet ihr den Ruf Gottes vernehmen müssen, dies zu tun. Aber mal unter der Prämisse, man hätte - was dann?

Zuallererst würde ich einen Termin beim Ohrenarzt meines Vertrauens vereinbaren.

 

Ansonsten kommt mir bei einem solchen Ansinnen Reinhard May in den Sinn:

 

Nein, meine Söhne geb ich nicht!

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Wie geht ihr mit dem was ihr da lest oder hört um?

 

Lest ir das so, dass Abraham denkt, Gott fordere von ihm, seinen Sohn zu opfern

 

Ja, so lese ich das. Das Paradebeispiel dafür, dass selbst ein frommer Mensch wie Abraham Gott völlig missverstehen kann.

 

 

 

- und er wird davon erlöst/befreit? Oder so wie es da steht: Gott testet aus, ob Abraham so weit für ihn geht?

 

Nee, das ist die Erklärung, die Abraham sich nachher selbst zurechtgelegt hat, weil er entweder nicht gemerkt oder sich nicht eingestanden hat, dass er Gott falsch verstanden hat.

 

Und in der zweiten Lesung entsprechend: Hat Gott geplant, dass Jesus gekreuzigt wird, oder war es das "worst case"-Szenario, das nicht ausgeschlossen wurde?

 

Ein schrecklicher Tod ist ein Szenario, das jedem Lebenden blühen kann. Setzt man ein Kind in die Welt, dann riskiert man das mit, dann "gibt man es dahin".

 

 

Mal angenommen, Abraham habe sich das nur eingebildet (vielleicht weil das damals sogar so üblich oder zumindest nicht unüblich war) ... hat er sich dann auch den Segen Gottes eingebildet?

 

Dass Abraham sich am Schluss auch noch bestätigt fühlt ist schon ein bisschen seltsam. Die Segenszusage hat er ja mehrfach erhalten und er deutet seine Bereitschaft, Isaak zu opfern, als einen weiteren Grund für Gottes Bereitschaft, ihn zu segnen.

Manchen Leuten ist wirklich schwer zu helfen.

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Hätte einer von euch dieses Ansinnen an Abraham ebenfalls in die Tat umgesetzt? Zumindest darüber nachgedacht?

Muß man das denn?

 

Zunächst einmal hättet ihr den Ruf Gottes vernehmen müssen, dies zu tun. Aber mal unter der Prämisse, man hätte - was dann?

Zuallererst würde ich einen Termin beim Ohrenarzt meines Vertrauens vereinbaren.

 

Ansonsten kommt mir bei einem solchen Ansinnen Reinhard May in den Sinn:

 

Nein, meine Söhne geb ich nicht!

 

Mir ging es genau so, Gabriele. Ich sitze da in der Kirche, höre die Lesung und denke: Warum bleiben jetzt alle so still sitzen? Keiner von euch, kein einziger, würde so handeln, oder auch nur einen Moment in Erwägung ziehen, so zu handeln.

 

Es ist also gar nicht möglich, diese Geschichte von Abraham anders zu sehen als nicht-wortwörtlich. Es war damals eine Befreiungsgeschichte und kann auch heute noch so gelesen werden.

 

Kann sein, dass allen anderen an dem Abend in der Kirche das so klar war, dass alle ganz ruhig und gelassen da sitzen bleiben konnten.

 

 

Bleibt dann aber noch diese Stelle, dass Abraham meint, Gott gehört zu haben. Gott, der von ihm das größte Geschenk zurückhaben möchte, dass er ihm gemacht hat. Und dann am Ende meint Abraham, den Segen Gottes erhalten zu haben, WEIL er bereit war, sogar seinen eigenen Sohn zu "schlachten".

 

Verstehen könnte ich es, wenn da stehen würde, er hat den Segen Gottes - stellvertretend für alle diejenigen bekommen, die Gott keine Menschenopfer mehr antun wollen. Aber wahrscheinlich wäre das vor x-tausend Jahren keine gute Geschichte gewesen.

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Es ist also gar nicht möglich, diese Geschichte von Abraham anders zu sehen als nicht-wortwörtlich. Es war damals eine Befreiungsgeschichte und kann auch heute noch so gelesen werden.

 

So ähnlich sieht das auch Jörg Sieger in dieser Predigt: Die Geschichte schildert eine Entwicklung des Gottesbildes bzw. der Vorstellung davon, was Gott von den Menschen will.

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Die Bibel enthält doch vor allem Beziehungsgeschichten von Gott mit Menschen. Darin werden wichtige Entwicklungen der Menschen und ihrer Beziehung erzählt. Aus dem, was diese Menschen aus ihren Erfahrungen gelernt haben, können wir etwas über unseren Gott lernen, unser Gottesbild ergänzen oder überarbeiten.

 

Das sehe ich auch hier. Abraham hat gelernt, dass Gott keine Menschenopfer verlangt, keine Opfer, die einem das Herz brechen. Wie können wir von Abraham verlangen, dass er Gott in seiner Fülle verstanden hat, wo wir das selbst nicht haben? Auch er lernt dazu. Und in der Bereitschaft zu lernen, ist er gesegnet.

 

Steht die Geschichte eigentlich vor Sodom und Gomorra oder danach? Denn bei mir ist Abrahan vor allem der, der mit Gott feilscht wie auf einerm echten orientalischen Basar!

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Heute Morgen im Kirchenfunk gehört:

 

Zur Abrahamsgeschichte von der Opferung Isaaks gibt es eine jüdische Auslegung.

Frage: Warum greift Gott nicht selber ein? Warum schickt er einen Engel, der Abraham ruft?

Antwort: Gott hat auf den Protest Abrahams gewartet. Gott hatte gar nicht erwartet, dass Abraham kommentarlos das tut, was seinem Herzen zutiefst zuwider sein muß.

Und da dieser Protest nicht kam, hat er eben das Dienstpersonal geschickt, die Katastrophe aufzuhalten.

 

(Nachzulesen hier)

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