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Buch der Weisheit, Kap. 13


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Liebe Gemeinde!

 

 

Vor einiger Zeit war als Text der Lesung das 13. Kapitel aus dem Buch der Weisheit dran. Ich habe damit einige Schwierigkeiten. Ich verstehe nicht so ganz, was bestimmte Passagen aussagen sollen. Das heißt, ich glaube es schon zu verstehen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es so verstanden werden sollte...

Also, mal ran:

 

Weisheit Kap. 13:

1 Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht,

2 sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Himmelsleuchten für weltbeherrschende Götter.

3 Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, als Götter ansahen, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel besser ihr Gebieter ist; denn der Urheber der Schönheit hat sie geschaffen.

4 Und wenn sie über ihre Macht und ihre Kraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat;

5 denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen.

 

Soweit noch klar, aber jetzt kommt’s:

 

6 Dennoch verdienen jene nur geringen Tadel. Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre.

7 Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen.

8 Doch auch sie sind unentschuldbar:

9 Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?

10 Unselig aber sind jene, die auf Totes ihre Hoffnung setzen und Werke von Menschenhand als Götter bezeichnen, Gold und Silber, kunstvolle Gebilde und Tiergestalten oder einen nutzlosen Stein, ein Werk uralter Herkunft.

 

Was heißt das jetzt? Sie sind zwar unentschuldbar, verdienen aber nur geringen Tadel. Das ist doch in etwa „Sie haben ihn zwar nie gefunden. Aber sie haben ihn gesucht. Also ist das, was sie zu Lebzeiten geglaubt haben, nicht so wahnsinnig wichtig.“

Oder wie? Oder was?

Ist das ein Statement zum berühmt-berüchtigten „Außerhalb der Kirche kein Heil“ und wenn ja, wie haben denn das die Juden damals so verkraften können??

Ich meine, schließlich waren ja sie allein das auserwählte Volk...

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Leider habe auch ich keinen exegetischen Kommentar zur Hand, wo man vielleicht etwas dazu nachlesen könnte. Deshalb nur mal eine kurze Antwort aus dem Bauch heraus.

 

Du wirfst ja letztendlich die Frage nach der (vorhandenen oder nicht vorhandenen) Heilsuniversalität im Alten Testament auf. Es ist ganz klar, dass das Volk Israel sich als das Volk betrachtet, das von Gott auserwählt worden ist und gerettet werden wird. Und es heißt ja auch, dass man keinen anderen Gott verehren darf. Aus dem zentralen theologischen Gedanken, dass Gott der Schöpfer der ganzen Welt und der Herrscher über die ganze Welt ist, kann jedoch m. E. auf eine positive Beurteilung der Heilszukunft auch der Nichtjuden geschlossen werden. Es sei in diesem Zusammenhang auch noch hingewiesen auf den universalen Noach-Bund in Gen 6ff., und auf die sogenannten heiligen Heiden im Alten Testament (Ruth, Abel, ...).

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Wie kommst du jetzt darauf?

In katholischer Sicht unentschuldbar ist derjenige, der um die Heilsnotwendigkeit der Kirche weiß, und dennoch sich weigert, ihr beizutreten bzw. in ihr zu bleiben. Alle die, die um die Heilsnotwendigkeit der Kirche nicht wissen, sind nicht von vorne herein vom Heil ausgeschlossen! (vgl. LG 14ff.)

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Zitat von Martin am 16:15 - 28.März.2003

Wo liegt der Unterschied zwischen "unentschuldbar" und "unselig"?


 

Die Frage war "Warum sind sie zwar unentschuldbar, verdienen aber trotzdem nur geringen Tadel und wie passt das zusammen?"

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Zitat von EXPLORER am 18:02 - 26.März.2003

 

Was heißt das jetzt? Sie sind zwar unentschuldbar, verdienen aber nur geringen Tadel. Das ist doch in etwa „Sie haben ihn zwar nie gefunden. Aber sie haben ihn gesucht. Also ist das, was sie zu Lebzeiten geglaubt haben, nicht so wahnsinnig wichtig.“

Oder wie? Oder was?

Ist das ein Statement zum berühmt-berüchtigten „Außerhalb der Kirche kein Heil“ und wenn ja, wie haben denn das die Juden damals so verkraften können??

Ich meine, schließlich waren ja sie allein das auserwählte Volk..

 


 

 

Ein kurzes Zitat aus:  

 

http://www.joerg-sieger.de/einleit/spez/07weish/spez88.htm#n

 

 

 

Auf die Frage nach der Vergeltung gemäß der Taten des Einzelnen, die die Weisheitslehrer so sehr bewegte, gibt das Buch der Weisheit nun eine Antwort.

 

Das Buch der Weisheit sagt, dass Gott den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen hat (Weish 2,23). Diese Unvergänglichkeit ist nun aber kein Automatismus, sie genau ist der Lohn, den der Mensch durch die Weisheit erlangt. Die Weisheit sichert dem Menschen also letztlich einen Platz bei Gott (Weish 6,18-19).

 

Dementsprechend ist alles, was hier auf Erden vor sich geht, nur eine Vorbereitung auf das andere Leben. In diesem anderen Leben werden die Frevler ihre Bestrafung erhalten, die Gerechten aber werden mit Gott leben (Weish 3,9-10).

 

Nun also, in der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, ist das Problem der Vergeltung gemäß des Tun-Ergehen-Zusammenhanges gelöst. Die Antwort bietet die Lehre von der Vergeltung im Leben nach dem Tod.

 

 

---------------------

 

Und in der Übersetzung der "Guten Nachricht":

 

Mit ihrem ganzen Sein im Irrtum befangen sind die Menschen, die Gott nicht kennen und die Kräfte der Natur für Götter halten. Trotzdem sind sie nicht allzu hart zu tadeln; denn sie irrten zwar, aber sie waren ehrlich bemüht, Gott zu finden. (Weish 13, 1.6; GN)

 

 

 

"Sie waren ehrlich bemüht Gott zu finden" darauf kommt es an. Die Suche nach Gott, hier auch die Suche nach mehr Weisheit. Im Prinzip sind wir Christen, die wir ja Gott "leibhaftig" kennen auch immer noch auf der Suche: "immer mehr von IHM zu entdecken".

 

gby

 

bernd

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Guest Ketelhohn
Vielleicht weist einer Herrn Sieger mal darauf hin, daß „gemäß“ den Dativ regiert. Kenn jemand einen passenden Merkspruch?
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Nein. Du bist doch für sowas zuständig...

Wenn wir einen finden, können wir ihn dem Herrn Sieger ja mal mailen...;)

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