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Abraham a Santa Clara


wolfgang E.
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Morgen sind es 300 Jahre, dass Abraham a Santa Clara gestorben ist.

Als Sohn eines leibeigenen Gastwirts geboren wurde er einer der berühmtesten Prediger der Neuzeit. In seiner Wortgewalt und Sprachverliebtheit war er für Schiller das Vorbild für den Kapuzinerpater in "Wallensteins Lager.

Natürlich war ein ein Kind der ideologiebeladenen Barockzeit, aber er bewies sehr viel Gespür für die Lebenswirklichkeit:

So schreibt er:

„Das Wort Esel, wann es zurückgelesen wird, so heißt es: Lese! Wahr ist es, wann jemand kein unverständiger Esel bleiben will, so muß er die Bücher lesen, sonst wird ihm der Trichter von Nürnberg schlechte Doktorkonzepten mitteilen.“

Und das ist fast aufklärerische Weitsicht........selbst lesen und sich nicht von aussen etwas aufs Auge drücken lassen.

 

Er erinnert sich offenbar daran, dass er selber nur durch das Lesen und durch Gelehrsamkeit dem Dasein eines Leibeigenen entkommen konnte.

 

Offenbar hielt er auch die Wissenschaft nicht für eine Gefahr für den Glauben, denn er dichtete:

Ein Mensch ohne Wissenschaft

ist wie ein Soldat ohne Degen,

wie ein Acker ohne Regen,

er ist wie ein Wagen ohne Räder,

wie ein Schreiber ohne Feder;

Gott selbst mag die Eselsköpfe nicht leiden.

 

Zu solch "modernen" Ansichten konnte sich die Kirche lange nicht durchringen......auch heute hört man noch immer wieder das Loblied auf den Glauben der einfachen Menschen – was immer darauf hinausläuft, zu viel Reflexion als schädlich zu erklären.

 

Wer mehr über Abraham a Santa Clara lesen oder hören will kann das hier

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Auf der Homepage seiner Heimatgemeinde (Kreenheinstetten ist heute ein Teilort von Leibertingen, in der Nähe von Meßkirch bzw. dem im Donautal gelegenen Kloster Beuron) finden sich interessante Details zu Johann Ulrich Megerle, wie Abraham a Sancta Clara bürgerlich hieß. So z.B. dass er für die Entlassung aus der Leibeigenschaft vor Aufnahme in den Augustinerorden 12 Gulden an die Fürsten von Fürstenberg bezahlen musste.

Wer mal in die Gegend kommt: Ein Abstecher nach Kreenheinstetten lohnt sich, in der "Traube", dem Geburtshaus von Abraham a Sancta Clara, kann man nicht nur sehr gut und preiswert essen, sondern auch übernachten. Das Wirtshaus, das ausgangs des 16. Jahrhunderts von Abrahams Großvater erbaut worden und später von dessen Sohn an die Schwester Ursula Wagner und deren Mann Matthäus Megerle verkauft worden war, hat seit dem 17. Jahrhundert einige Um- und Erweiterungsbauten erfahren, aber die ursprünglichen Räume, in denen die streitbare Ursula (das ist behördlich dokumentiert) und Matthäus Megerle ausgangs des 30-jährigen Krieges als Wirtsleute an einer stark frequentierten Durchgangsstraße ihre stattliche Kinderschar neben dem Wirts- und Landwirtschaftsbetrieb großgezogen haben, sind innerhalb des Komplexes deutlich erkennbar und erhalten - und ein durchschnittlich großer Mitteleuropäer von heute läuft Gefahr, sich das Hirn am Türbalken anzurennen und sich ne ordentliche Beule zu holen.

 

http://www.leibertingen.de/servlet/PB/menu...5_l1/index.html

Edited by Julius
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Er erinnert sich offenbar daran, dass er selber nur durch das Lesen und durch Gelehrsamkeit dem Dasein eines Leibeigenen entkommen konnte.

 

Ähm - das scheint mir nun doch ein bisschen an den Tatsachen vorbeiinterpretiert zu sein. Die Leibeigenschaft in Kreenheinstetten war zu Abraham a Sancta Claras Zeiten keine so drückende Bürde (mehr), dass sie ein Grund gewesen wäre, alles nur erdenkliche, einschließlich Lesen und Gelehrsamkeit, dafür einzusetzen, um diesen "Dasein" zu "entrinnen". Obwohl Leibeigene der Fürsternberger (wie, ausser dem Pfarrer, alle Bewohner von Kreenheinstetten), gehörten Abrahams Eltern zu den wohlhabendsten Einwohnern des Ortes. Leibeigene mussten damals nur noch symbolisch Abgaben entrichten, konnten Eigentum erwerben und an ihre Nachkommen vererben und ihre aufgeweckten Söhne auf Lateinschulen und Jesuiteninternate schicken und für Kost und Logis dort aufkommen. Nach der Auswertung alter Grundbücher dürfte Abrahams Vater als Landwirt ca. 40 Hektar bewirtschaftet haben und war, den örtlichen Verhältnissen und der damaligen Zeit entsprechend, ein Großbauer. Dass er seinem Schwager das vom Schwiegervater erbaute Wirtshaus "Traube" abkaufen konnte, ist ein Indiz dafür, dass die von ihm betriebene Landwirtschaft durchaus einträglich war. Das Bargeld, das nach seinem Tod auf den Sohn Johann Ulrich (damals 15 Jahre alt) als Erbe entfiel, hat dieser in seine weitere Ausbildung investiert. Um Entlassung aus der Leibeigenschaft hat er erst nachgesucht, als er in den Augustinerorden und den "geistlichen Stand" eintreten wollte - Leibeigenschaft stand dem im Wege, Kirchens nahmen nur "Freie". Aus der Leibeigenschaft der Fürstenberger haben sich seit dem 17. Jahrhundert auch immer wieder junge Menschen freigekauft, die ins nahegelegene Vorderösterreichische heiraten wollten - die Vorderösterreicher ließen sie nur mit Freikaufsbescheinigung rein. Leibeigenen, die der Armut entrinnen wollten, etwa indem sie als Siedler nach Ungarn zogen (das ging in der Region gleich nach den Türkenkriegen los), dürfte es sehr viel schwerer gefallen sein als Abraham, die Freilassungsgebühr aufzubringen.

 

Böse Zungen behaupten ja, Abraham hätte nicht nur die Haare auf den Zähnen von seiner zänkischen, mehrfach deswegen mit Geldstrafen belegten Mutter geerbt, sondern auch die Verachtung, die er Frauen zollte, hätte da ihre Wurzeln. Doch die Frauenverachtung wird bei weitem durch Abrahams Judenhass übertroffen, der aus seinen einschlägigen Predigten triefte und mit denen er Luther in nichts nachstand. Interessant, dass meist schamhaft verschwiegen zu werden pflegt, dass er da ein Kind seiner Zeit und seiner Kirche geblieben ist ... Weswegen in den Jahren 1943 und 1944 auch die ersten Bände einer geplanten Gesamtausgabe von Abrahams Werken "unter Förderung des Reichsstatthalters in Wien Reichsleiter Baldur von Schirach" erschienen sind. :lol:

Edited by Julius
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