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Vorösterliche Jünger


Ralf
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Hallo.

 

Mat hat es in einem anderen Thread gerade nochmal erwähnt, es ist ja auch, zumindest im germanisch-angelsächsischen Bereich, zum großteil Konsens der Exegese:

 

Man unterscheidet die "vorösterlichen" von den "nachösterlichen" Jüngern.

 

Nur verstehe ich absolut nicht warum. Und vor allem nicht, worauf das gründen soll. Im Text finde ich nicht den geringsten Hinweis, dass die Jünger die Messianität Jesu nicht erkannt hatten, eher das Gegenteil ist der Fall. Sie sollten es nicht weitererzählen bis zur Auferstehung (siehe Mk), aber nicht gewusst?

 

Hmm...

 

Paz y bien,

Ralf

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Zitat von Ralf am 20:14 - 5.März.2003

Hallo.

 

Mat hat es in einem anderen Thread gerade nochmal erwähnt, es ist ja auch, zumindest im germanisch-angelsächsischen Bereich, zum großteil Konsens der Exegese:

 

Man unterscheidet die "vorösterlichen" von den "nachösterlichen" Jüngern.

 

Nur verstehe ich absolut nicht warum. Und vor allem nicht, worauf das gründen soll. Im Text finde ich nicht den geringsten Hinweis, dass die Jünger die Messianität Jesu nicht erkannt hatten, eher das Gegenteil ist der Fall. Sie sollten es nicht weitererzählen bis zur Auferstehung (siehe Mk), aber nicht gewusst?

 

Hmm...

 

Paz y bien,

Ralf


 

Hallo Ralf,

 

aber die Jünger verstehen Jesus oft nicht.

Ein Beispiel ist die Erzählung von der Verklärung. Petrus begrieft überhaupt nicht, was da los ist.

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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altersuender

Nachösterlich: das Verständnis des Leben Jesu und seiner Lehre aus der Erfahrung seiner Auferstehung.

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Hallo Ralf,

 

könntest Du bitte den Link zu besagtem anderen Thread setzen? Im Moment verstehe ich nicht, worauf Du hinauswillst:

Unterscheidung zwischen Jüngern, die den lebenden Jesus noch kannten und Jüngern (z.B. Paulus) die nur den verklärten Christus kannten

oder

zwischen den Jüngern vor und nach der Auferstehung Jesu

 

Gruß

Martin

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Zitat von MartinO am 9:42 - 6.März.2003

Hallo Ralf,

 

könntest Du bitte den Link zu besagtem anderen Thread setzen? Im Moment verstehe ich nicht, worauf Du hinauswillst:

Unterscheidung zwischen Jüngern, die den lebenden Jesus noch kannten und Jüngern (z.B. Paulus) die
nur
den verklärten Christus kannten

oder

zwischen den Jüngern vor und nach der Auferstehung Jesu

 

Gruß

Martin

 

 

Hallo Martin,

 

es geht um die These, dass die Jünger in den Evangelien so dargestellt werden, dass sie Jesus nicht verstehen. Funktion dieses Unverständnis ist, dass die Evangelisten zeigen wollen, dass man Jesu Wort und Botschaft erst versteht, wenn man Kreuz und Auferstehung kennt und annimmt,

 

viele Grüße,

 

Matthias

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Mat, ich verstehe auch öfters nicht, was los ist, ohne dass es deswegen weniger passiert.

Wie kommt man denn im allgemeinen darauf, dass die Evangelisten bewusst eine literarische Funktion benutzen und nicht einfach nur hinschreiben, was ihnen als faktisches Geschehen überliefert wurde? Da es keine Vergleichswerke außerhalb des NT von den Autoren gibt, kann man ja wohl nur sehr schwerlich auf literarisches Wissen und Talent schließen.

 

Paz y bien,

Ralf

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Zitat von Ralf am 16:20 - 6.März.2003

Mat, ich verstehe auch öfters nicht, was los ist, ohne dass es deswegen weniger passiert.

Wie kommt man denn im allgemeinen darauf, dass die Evangelisten bewusst eine literarische Funktion benutzen und nicht einfach nur hinschreiben, was ihnen als faktisches Geschehen überliefert wurde? Da es keine Vergleichswerke außerhalb des NT von den Autoren gibt, kann man ja wohl nur sehr schwerlich auf literarisches Wissen und Talent schließen.

 

Paz y bien,

Ralf

 

 

Hallo Ralf,

 

zu Deinem ersten Satz. Jesu Leben passiert auch, ohne dass die Jünger begreifen, was passiert. Erst nach Jesu Auferstehung werden sie verstehen.

 

zum zweiten Punkt:

es gibt verschiedene Spuren in den Texten:

 

z.B. Mk4:

10 Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse.

11 Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt;

12 denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; / hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, / damit sie sich nicht bekehren / und ihnen nicht vergeben wird.

13 Und er sagte zu ihnen: Wenn ihr schon dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann all die anderen Gleichnisse verstehen?

.

.

.

33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.

34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Vv.10-12 sagen, dass die Jünger die Gleichnisse verstehen. V.13 sagt das Gegenteil aus. Vv.33-34 sagen, dass den Jüngern die Gleichnisse erklärt werden müssen.

 

Mk 8


27 Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen?

28 Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.

29 Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias!

30 Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.

31 Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen.

32 Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe.

33 Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Einerseits bekennt Petrus Jesus als Messias, andererseits, verweigert er sich aber dem rettenden Handeln Jesu durch Tod und Auferstehung. D.h. Petrus hat noch nicht den Inhalt seines Bekenntnisses verstanden.

 

MK9


2 Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt;

3 seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.

4 Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus.

5 Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

6 Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

7 Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.

8 Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.

9 Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.

10 Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

.

.

.

30 Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr;

31 denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.

32 Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.

 


 

Vv. 2-10 Die Jünger werden in ein nachösterliches Geschehen miteinbezogen, haben aber gar keine Ahnung, worum es eigenlich geht.

 

Vv.30-32: die zweite Leidensankündigung, die wieder nicht von den Jüngern verstanden wird.

 

Mk 10
32 Während sie auf dem Weg hinauf nach Jerusalem waren, ging Jesus voraus. Die Leute wunderten sich über ihn, die Jünger aber hatten Angst. Da versammelte er die Zwölf wieder um sich und kündigte ihnen an, was ihm bevorstand.

33 Er sagte: Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben;

34 sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Aber nach drei Tagen wird er auferstehen

 

 

Die dritte Leidensankündigung. Daran schließt Mk direkt den Rangstreit der Jünger an. Niemand kümmert sich weiter um die Leidensankündigungen.

 

Gerade diese Leidensankündigungen sind ein literarisches Mittel. Sie sind immer wieder eingestreut. Und man denkt, irgendwann müssten die Jünger etwas verstehen. Aber sie verstehen rein gar nichts

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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altersuender

Ich verstehe schon Ralfs Irritation, weil ich sie teile. Etwa das  Beispiel der Leidensankündigungen bei Markus: wieso müssen diese ein literarisches Stilmittel sein? Weil die Jünger diese nicht verstanden bzw. ignorierten? Da liesse sich zwanglos auch sagen, sie hätten dies ignoriert, weil es ihrem Messiasverständnis nicht entsprach. Sie ignorierten es, weil der Messias ja wohl kaum als leidender Mensch, als Versager nach weltlichem Maßstab, aufzufassen ist. Ein solcher Messias ist ein Ärgernis, damals nicht anders wie heute. Der Messias, so viel ist klar, ist wohl jemand, der kräftig dazwischen fährt, die ganzen Frevler, Übeltäter und Ungerechten zum Teufel jagt. Und da steht nun Jesus und bezeugt sich in seinen Taten als der verheissene Messis - und spricht unverständlicherweise von seinem zukünftigen Leiden.  ...

 

Geht man davon aus, dass Jesus tatsächlich keine Leidensankündigung vornahm, ist die Ignoranz der Jünger als Stilmittel des Evangelisten natürlich zwingend. Wenn er es aber tat, ist die Reaktion - oder vielmehr Nichtreaktion - der Jünger ebenso verständlich und der Evangelist berichtet bloss von einer tatsächlich vorhandenen Ignoranz.

 

Ähnlich ist es doch auch mit der Datierung des Markusevangeliums. Im Evangelium prophezeit Jesus die Zerstörung von Jerusalem - na, das ist doch wohl der Beweis, dass das Evangelium nicht vor der Zerstörung Jerusalems geschrieben werden konnte ..... es sei denn, Jesus hätte tatsächlich eine solche Prophezeiung getätigt. Dann fällt diese Stütze in der Datierung in sich zusammen. Letztlich ist es eine Frage des Glaubens, ob eine solche Prophezeiung getätigt wurde oder nicht - und vielleicht auch noch der Papyrologie bzw. dem Fragment 7Q7 und anderen Funden, die vielleicht noch gemacht werden.

 

(Geändert von altersuender um 18:18 - 6.März.2003)

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Zitat von altersuender am 18:15 - 6.März.2003

Ich verstehe schon Ralfs Irritation, weil ich sie teile. Etwa das  Beispiel der Leidensankündigungen bei Markus: wieso müssen diese ein literarisches Stilmittel sein? Weil die Jünger diese nicht verstanden bzw. ignorierten? Da liesse sich zwanglos auch sagen, sie hätten dies ignoriert, weil es ihrem Messiasverständnis nicht entsprach. Sie ignorierten es, weil der Messias ja wohl kaum als leidender Mensch, als Versager nach weltlichem Maßstab, aufzufassen ist. Ein solcher Messias ist ein Ärgernis, damals nicht anders wie heute. Der Messias, so viel ist klar, ist wohl jemand, der kräftig dazwischen fährt, die ganzen Frevler, Übeltäter und Ungerechten zum Teufel jagt. Und da steht nun Jesus und bezeugt sich in seinen Taten als der verheissene Messis - und spricht unverständlicherweise von seinem zukünftigen Leiden.  ...

 

Geht man davon aus, dass Jesus tatsächlich keine Leidensankündigung vornahm, ist die Ignoranz der Jünger als Stilmittel des Evangelisten natürlich zwingend. Wenn er es aber tat, ist die Reaktion - oder vielmehr Nichtreaktion - der Jünger ebenso verständlich und der Evangelist berichtet bloss von einer tatsächlich vorhandenen Ignoranz.

 

Ähnlich ist es doch auch mit der Datierung des Markusevangeliums. Im Evangelium prophezeit Jesus die Zerstörung von Jerusalem - na, das ist doch wohl der Beweis, dass das Evangelium nicht vor der Zerstörung Jerusalems geschrieben werden konnte ..... es sei denn, Jesus hätte tatsächlich eine solche Prophezeiung getätigt. Dann fällt diese Stütze in der Datierung in sich zusammen. Letztlich ist es eine Frage des Glaubens, ob eine solche Prophezeiung getätigt wurde oder nicht - und vielleicht auch noch der Papyrologie bzw. dem Fragment 7Q7 und anderen Funden, die vielleicht noch gemacht werden.

 

(Geändert von altersuender um 18:18 - 6.März.2003)


 

Hallo Erich,

 

1. Ist dies eine These. Und andere Thesen sind natürlich auch möglich.

 

2. Bei dieser These geht es ja nicht darum, ob die Leidensankündigungen stattgefunden haben oder nicht, sondern darum, wie Mk. diese in sein Evangelium einbaut. Und da baut er sie so ein, dass die Jünger nicht verstehen, ja gar nicht verstehen konnten, was das Leiden Jesu bedeutet.

Oder noch einmal umgekehrt. Mk. selbst schreibt sein Evangelium nach Ostern. Er weiß, wie die Leidensankündigungen Jesu gemeint sind. Jetzt hätte er die Geschichte so darstellen können, dass die Jünger die Leidensankündigung verstehen. Hat er aber nicht.

Die These geht davon aus, dass Mk so schreibt, wie sich die Sache vor Ostern darstellt. Und er schildert auch das Unverständnis der Jünger. Erst nach Ostern werden sie alles verstehen und jetzt erst wissen sie, was die Leidensankündigungen bedeuten.

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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altersuender

Ja, Matthias,

 

schon klar: es ist eine These. Und wie jede These baut sie auf Prämissen auf. Hier wohl die, dass die Leidensankündigungen und die Reaktionen der Jünger darauf beim Evangelisten sozusagen keine Schilderung von tatsächlichen Begebenheiten (oder Nichtbegebenheiten) sind, sondern eher so etwa wie nachträgliche theologische und/oder dichterische Reflexionen.

 

Allerdings gewinnt man (ich - und anscheinend auch Ralf) häufig den Eindruck, es würde die These mit Realität gleichgesetzt: Markus spricht so, weil es ein Stilmittel ist --- ein solches ist es aber nur, wenn sich die Dinge nicht tatsächlich so (oder ähnlich so) zutrugen, wie sie im Evangelium beschrieben werden. Die Gründe für die Annahme eines Stilmittels sind natürlich dann stichhaltig, wenn man reale Eingriffe  Gottes in die Welt seiner Schöpfung, seien es nun Prophezeiungen oder andere Wundertaten, verneint oder prinzipiell ausklammert.

 

Es würde mir - schadenfroh, wie ich nun einmal bin - diebisches Vergnügen bereiten, wenn es tatsächlich gelänge an Hand von Funden (datierbaren Textfragmenten) das Markusevangelium samt der Prophezeiung der Zerstörung des Tempels von Jerusalem - und der daran festgemachten Datierung des Eveangliums - wesentlich früher anzusetzen. Ein bisschen mehr Demut hat sicherlich noch keinem historisch-kritischen Exegeten geschadet . Der eine oder andere wäre wohl für eine Weile ein wenig vorsichtiger mit seinen Thesen. (andererseits: wenn Theologen so sind, wie etliche Wissenschaftler in meiner Branche: eher nicht).

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Ich stimme altersuender zu. Denn diese Thesen werden als "wissenschaftliche Erkenntnis" verkauft, oder aber einfach so hingesetzt (bspw. auch bei Jörg Sieger), ohne Diskussion, ohne Erklärung, ohne Bescheidenheit, dass andere Sichtweisen genauso legitim wären.

 

Übrigens, Mat,

 

bei Mk 4 10-12 steht "anvertraut", das Geheimnis wird anvertraut, dass Verständnis daraus folgt, ist zwar wünschenswert, steht da aber nicht. Außerdem dürfte doch wohl jedem menschen die Situation bekannt sein, dass man etwas erklärt, der Gegenüber das aber nicht versteht. Eine Erklärung jesu hat nicht automatisch ein Verständnis der Jünger zufolge.

 

Das steht da alles nicht.

 

Was Mk 8 angeht, da stimme ich Dir zu. Petrus versteht sein eigenes Bekenntnis in seiner Tiefe nicht. Ist doch menschlich?

 

Wieso sind "gerade die Leidensankündigungen" ein literarisches Mittel? Wieso haben sie nicht einfach stattgefunden? Wieso wollten die Jünger so was nicht einfach totschweigen? Wäre das alles so abwegig? Wieso liest man in den Text mehr rein als da steht? Und das nennt man dann "Erkenntnis".

 

Ich habe da so meine Zweifel...

 

Paz y bien,

Ralf

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Lieber Ralf,

 

danke für die Erklärungen.

 

Meiner Meinung nach (Ich habe es aber selbst nicht nachgeprüft) halten manche die Leidensankündigungen für unecht, da der vorösterliche Jesus voll und ganz Mensch war und laut Mk auch Angst vor seinem Tod hatte.

 

Ich stimme dem nicht zu, da ich es für nicht korrekt halte, menschliche und göttliche Natur Jesu zu trennen und das Wissen Jesu um Seine Sendung die Angst vor dem Tod nicht ausschließt.

 

Gruß

Martin

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Guest Ketelhohn

»Allerdings gewinnt man (ich - und anscheinend auch Ralf) häufig den Eindruck, es würde die These mit Realität gleichgesetzt: Markus spricht so, weil es ein Stilmittel ist --- ein solches ist es aber nur, wenn sich die Dinge nicht tatsächlich so (oder ähnlich so) zutrugen, wie sie im Evangelium beschrieben werden. Die Gründe für die Annahme eines Stilmittels sind natürlich dann stichhaltig, wenn man reale Eingriffe  Gottes in die Welt seiner Schöpfung, seien es nun Prophezeiungen oder andere Wundertaten, verneint oder prinzipiell ausklammert.« (Erich D.).

 

Lieber Erich, damit hast du sehr prägnant die »hermeneutische Falle« beschrieben, in der eine gewisse Exegetenschule steckt. (Svens Begriff aus dem Nachbarthema habe ich mir dreist geborgt oder eher gemopst, und zwar ohne mir dort mehr als die Überschrift angetan zu haben. Das hiesige Thema finde ich weitaus erhellender als das langatmige Geseier abseitiger Provenienz, welches Sven dort zu sezieren sich vorgenommen hat.)

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Guest Ketelhohn

Matthias, zu den Stilmitteln schweige ich, denn Erich D. und Ralf haben bereits genug gesagt. Bloß eine Bemerkung noch: Mc 4,10-12 hast du augenscheinlich nicht verstanden. Wo soll da der Gegensatz zu Mc 4,13 sein?

 

»Vv.10-12 sagen, daß die Jünger die Gleichnisse verstehen.«

 

Mensch, Jung, sie fragen Jesus doch gerade, weil sie’s nicht kapiert haben. Also ehrlich, das kapier’ ich jetzt nicht, wie man das nicht kapieren kann. Deutlicher geht’s doch kaum.

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Zitat von MartinO am 9:18 - 7.März.2003

Lieber Ralf,

 

danke für die Erklärungen.

 

Meiner Meinung nach (Ich habe es aber selbst nicht nachgeprüft) halten manche die Leidensankündigungen für unecht, da der vorösterliche Jesus voll und ganz Mensch war und laut Mk auch Angst vor seinem Tod hatte.

 

Ich stimme dem nicht zu, da ich es für nicht korrekt halte, menschliche und göttliche Natur Jesu zu trennen und das Wissen Jesu um Seine Sendung die Angst vor dem Tod nicht ausschließt.

 

Gruß

Martin


Lieber Martin,

 

auch ohne die menschliche und göttliche Natur Jesu Christi zu trennen, kann man sich sehr wohl die Frage stellen, ob Jesus Christus (oder ab wann) Ihm seine eigene göttliche Natur bewusst wurde. Seit seiner Kindheit? Eine "Initialzündung" vor Seinem ersten Wirken? Irgendwann während Seines Wirkens? Oder erst nach dem Tod?

 

Es scheinen sich hier das Johannes-Evangelium, wo Jesus Christus merhfach sich selbst offenbart, von den synoptischen zu unterscheiden. Sätze wie "niemand kennt das Ende der Zeit außer dem Vater, nicht einmal der Sohn" oder seine Eigen-Bezeichnung als "Menschensohn" werfen hierzu durchaus Fragen auf.

 

Liebe Grüße,

Wolfgang

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Zitat von Ketelhohn am 10:06 - 7.März.2003

Matthias, zu den Stilmitteln schweige ich, denn Erich D. und Ralf haben bereits genug gesagt. Bloß eine Bemerkung noch: Mc 4,10-12 hast du augenscheinlich nicht verstanden. Wo soll da der Gegensatz zu Mc 4,13 sein?

 

»Vv.10-12 sagen, daß die Jünger die Gleichnisse verstehen.«

 

Mensch, Jung, sie fragen Jesus doch gerade, weil sie’s nicht kapiert haben. Also ehrlich, das kapier’
ich
jetzt nicht, wie man das nicht kapieren kann. Deutlicher geht’s doch kaum.


 

 

Hallo Robert,

 

vielleicht habe ich mich hier missverständlich, weil zu kurz ausgedrückt. Deshalb noch einmal

 

V.10: Die Jünger fragen nach dem Sinn der Gleichnisse

 

V.11: Jesus erklärt nicht das Gleichnis, sondern sagt, den Jüngern ist das Verständnis der Gleichnisse anvertraut

V.13: sagt dann wieder das Gegenteil: die Jünger verstehen die Gleichnisse nicht

 

Ab V.14 erfolgt dann die Deutung des Gleichnisses.

 

Und so kann (muss aber nicht) man diese Passage so vertstehen: eigentlich sollten die Jünger aus sich heraus die Gleichnisse verstehen können, tun sie aber nicht, also erklärt ihnen Jesus die Gleichnisse.

Der Leser des Evangeliums versteht demgegenüber die Glöeichnisse sehr schnell, weil er Ostern erlebt hat.

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Zitat von MartinO am 9:18 - 7.März.2003

Lieber Ralf,

 

danke für die Erklärungen.

 

Meiner Meinung nach (Ich habe es aber selbst nicht nachgeprüft) halten manche die Leidensankündigungen für unecht, da der vorösterliche Jesus voll und ganz Mensch war und laut Mk auch Angst vor seinem Tod hatte.

 

Ich stimme dem nicht zu, da ich es für nicht korrekt halte, menschliche und göttliche Natur Jesu zu trennen und das Wissen Jesu um Seine Sendung die Angst vor dem Tod nicht ausschließt.

 

Gruß

Martin


 

Hallo Martin,

ich glaube nicht, dass es notwendig ist, die Leidensankündigungen für nicht echt zu halten, um von einem Stilmittel zu reden.

Ein Geschehen kann niemals objektiv dargestellt werden, sondern nur aus der Perspektive dessen, der schildert. Und so muss sich auch Markus fragen, wie er sein Material ordnet. Und in diesem Zusammenhang kann die Präsentation der Leidensankündigungen innerhalb der Gesamtkomposition des Evangeliums und das damit verbundene Unverständnis der Jünger sehr wohl ein Stilmittel sein.

Umgekehrt hätte Mk auch diese Leidensankündigungen verschweigen können, damit die Jünger, die ja nach Ostern eine prominente Rolle in der Christenheit spielten, besser dastehen.

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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