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Exegese


leo_linz
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Justin Cognito
Hallo

 

Gibt es eigentlich Unterschiede bei den exegetischen Methoden bei Katholiken (katholische kenn ich) und Evangelischen?

 

sage wir einmal so: die Methoden ähneln einander mehr als die Bibelausgaben .....

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Hallo

 

Gibt es eigentlich Unterschiede bei den exegetischen Methoden bei Katholiken (katholische kenn ich) und Evangelischen?

 

Im ersten Semester habe ich in einem Proseminar eine Arbeit zu Paulus geschrieben. Dafür verwendete ich die exegetische Literatur in der katholischen Fakultät. Ich bekam die Arbeit mit dem humorvollen Kommentar zurück, meine arbeit sei recht protestantisch.

 

In der Bibliothek standen reiheweise die Kommentare evangelischer Exegeten, zu Paulus wird man da besonders fündig, und sie stehen da auch nicht irgendwie im Giftschrank herum und ich hatte keine Ahnung davon, dass die Rechtfertigungslehre ein besonders protestantisches Gebiet ist.

 

Es gibt also einen regen Austausch, wobei ich glaube, dass in diesem Fall - Paulus - der Informationsfluss eher von den Evangelischen zu den Katholischen fließt.

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Es gibt also einen regen Austausch, wobei ich glaube, dass in diesem Fall - Paulus - der Informationsfluss eher von den Evangelischen zu den Katholischen fließt.

Wieder das leidige Thema Bibel und RKK.

 

Gibts ein Feld, wo das nicht so ist?

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Der Informationsfluss, den nannyogg57 erwähnt, ist da recht lange von den Evangelischen zu den Katholischen geflossen, jedenfalls dann, wenn wir unter Exegese die Historisch-kritische Methode verstehen. Zwar genießt „die historisch-kritische Exegese heute volles Heimatrecht in der katholischen Kirche und Theologie“ (Benhard Lang: Die Bibel, S. 158), aber das war sehr lange sehr sehr anders.

 

Nach dem großen Anstoß 1878 durch die Vier-Quellen-Theorie von Julius Wellhausen und vorher bereits der Zwei-Quellen-Theorie (NT) von Heinrich Julius Holtzmann 1863 geht in der evangelischen Theologie wissenschaftlich die Post ab: Gunkel, Bultmann, Noth, Dibelius, Albert Schweitzer, Karl Ludwig Schmidt, Joachim Jeremias... Währenddessen verharrt die katholische Theologie zunächst in Schreckstarre und geht dann aggressiv zum Gegenangriff über. Die Geschichte der kritischen Exegese in der katholischen Theologie sei eine „immer noch ungeschriebene Leidensgeschichte vieler Gelehrter“, schreibt Bernhard Lang: Bücherverbrennung, Entzug der Lehrerlaubnis, Inhaftierung, Forschungsverbote, Veröffentlichungsverbote. Papst Leo XIII. erklärt die „freie Wissenschaft“ zur Glaubensgefährdung (Providentissimus Deus 1893), die 1902 eingesetzte Päpstliche Bibelkommission verwirft so ziemlich alle Ergebnisse der kritischen Exegese als falsch. Ab 1910 werden sämtliche katholischen Hochschullehrer per Eid auf die alten Anschauungen verpflichtet: Die fünf Bücher Mose wurden von Moses verfasst, der Hebräerbrief ist von Paulus, das Johannesevangelium ist historisch korrekt etc. etc. - Punkt, aus, Ende der Diskussion.

 

Erst mit Kardinal Bea SJ (1881-1968) und dem 2. Vatikanischen Konzil wendet sich das Blatt. Aber der Forschungsvorsprung der evangelischen Theologen von fast einem Jahrhundert ist immer noch deutlich spürbar – wie nannyogg57 schon anmerkte: reihenweise exegetische Literatur aus der Feder evangelischer Autoren in den Universitätsbibliotheken.

 

Alfons

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ultramontanist
Erst mit Kardinal Bea SJ (1881-1968) und dem 2. Vatikanischen Konzil wendet sich das Blatt. Aber der Forschungsvorsprung der evangelischen Theologen von fast einem Jahrhundert ist immer noch deutlich spürbar – wie nannyogg57 schon anmerkte: reihenweise exegetische Literatur aus der Feder evangelischer Autoren in den Universitätsbibliotheken.

 

Alfons

 

Anton Vögtle hat die katholische Exegese auf protestantisches Niveau gebracht ;)

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_V%C3%B6gtle

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Die Darstellung die Alfons gebracht hat, ist natürlich grundsätzlich richtig. Trotzdem entsteht der m.E. falsche Eindruck, dass die Frage historisch kritische Methode ja oder nein heute noch strittig oder noch immer eine zentrale Frage wäre.

 

Die historisch kritische Methode ist aber auch in der KK längst anerkannt. Sogar Ratzinger lobt sie in seinem Jesusbuch, (auch wenn er sie dann kaum anwendet).

 

Die exegetische Musik wird jedenfalls heute in ganz anderen Bereichen gespielt wozu man hier einen ganz guten Überblick bekommen kann.

 

Dabei ist für mich besonders der "canonical approach" hervorzuheben. Dieser Methode fühlt sich z.B der Alttestamentler an der Uni Wien Ludger Schwienhorst-Schönberger stark verpflichtet, ohne deshalb aber die vorangehenden fundamentelen insbesondere textzentrierten Methoden zu vernachlässigen. Er kommt dabei zu wirklich bemerkenswerten Ergebnissen.

Wichtig natürlich auch der befreiungstheologische und der feministische Ansatz. Gerade dem Gender Ansatz wird eine erfreuliche Beachtung geschenkt.

So sind z.B. während des gesamten Studiums im Rahmen der Pflicht- und Wahlfächer mindestens zwei Semesterstunden aus dem Fachbereich der Frauen- und Geschlechterforschung zu absolvieren. Dazu wird regelmäßig eine Lehrveranstaltung angeboten, die grundlegend in die Thematik einführt; es können aber auch andere, eigens gekennzeichnete Lehrveranstaltungen zum Thema von den Studierenden absolviert werden.

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Die Darstellung die Alfons gebracht hat, ist natürlich grundsätzlich richtig. Trotzdem entsteht der m.E. falsche Eindruck, dass die Frage historisch kritische Methode ja oder nein heute noch strittig oder noch immer eine zentrale Frage wäre.

 

Die historisch kritische Methode ist aber auch in der KK längst anerkannt. Sogar Ratzinger lobt sie in seinem Jesusbuch, (auch wenn er sie dann kaum anwendet).

 

Die exegetische Musik wird jedenfalls heute in ganz anderen Bereichen gespielt wozu man hier einen ganz guten Überblick bekommen kann.

 

Dabei ist für mich besonders der "canonical approach" hervorzuheben. Dieser Methode fühlt sich z.B der Alttestamentler an der Uni Wien Ludger Schwienhorst-Schönberger stark verpflichtet, ohne deshalb aber die vorangehenden fundamentelen insbesondere textzentrierten Methoden zu vernachlässigen. Er kommt dabei zu wirklich bemerkenswerten Ergebnissen.

Wichtig natürlich auch der befreiungstheologische und der feministische Ansatz. Gerade dem Gender Ansatz wird eine erfreuliche Beachtung geschenkt.

So sind z.B. während des gesamten Studiums im Rahmen der Pflicht- und Wahlfächer mindestens zwei Semesterstunden aus dem Fachbereich der Frauen- und Geschlechterforschung zu absolvieren. Dazu wird regelmäßig eine Lehrveranstaltung angeboten, die grundlegend in die Thematik einführt; es können aber auch andere, eigens gekennzeichnete Lehrveranstaltungen zum Thema von den Studierenden absolviert werden.

der Link führt (bei meinem PC) ins Nichts.

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Die Darstellung die Alfons gebracht hat, ist natürlich grundsätzlich richtig. Trotzdem entsteht der m.E. falsche Eindruck, dass die Frage historisch kritische Methode ja oder nein heute noch strittig oder noch immer eine zentrale Frage wäre.

 

Die historisch kritische Methode ist aber auch in der KK längst anerkannt. Sogar Ratzinger lobt sie in seinem Jesusbuch, (auch wenn er sie dann kaum anwendet).

 

Die exegetische Musik wird jedenfalls heute in ganz anderen Bereichen gespielt wozu man hier einen ganz guten Überblick bekommen kann.

 

Dabei ist für mich besonders der "canonical approach" hervorzuheben. Dieser Methode fühlt sich z.B der Alttestamentler an der Uni Wien Ludger Schwienhorst-Schönberger stark verpflichtet, ohne deshalb aber die vorangehenden fundamentelen insbesondere textzentrierten Methoden zu vernachlässigen. Er kommt dabei zu wirklich bemerkenswerten Ergebnissen.

Wichtig natürlich auch der befreiungstheologische und der feministische Ansatz. Gerade dem Gender Ansatz wird eine erfreuliche Beachtung geschenkt.

So sind z.B. während des gesamten Studiums im Rahmen der Pflicht- und Wahlfächer mindestens zwei Semesterstunden aus dem Fachbereich der Frauen- und Geschlechterforschung zu absolvieren. Dazu wird regelmäßig eine Lehrveranstaltung angeboten, die grundlegend in die Thematik einführt; es können aber auch andere, eigens gekennzeichnete Lehrveranstaltungen zum Thema von den Studierenden absolviert werden.

der Link führt (bei meinem PC) ins Nichts.

Bitte nochmals versuchen.....bei meinem Test hat es gerade funktioniert.

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Die Darstellung die Alfons gebracht hat, ist natürlich grundsätzlich richtig. Trotzdem entsteht der m.E. falsche Eindruck, dass die Frage historisch kritische Methode ja oder nein heute noch strittig oder noch immer eine zentrale Frage wäre.

 

Die historisch kritische Methode ist aber auch in der KK längst anerkannt. Sogar Ratzinger lobt sie in seinem Jesusbuch, (auch wenn er sie dann kaum anwendet).

 

Die exegetische Musik wird jedenfalls heute in ganz anderen Bereichen gespielt wozu man hier einen ganz guten Überblick bekommen kann.

 

Dabei ist für mich besonders der "canonical approach" hervorzuheben. Dieser Methode fühlt sich z.B der Alttestamentler an der Uni Wien Ludger Schwienhorst-Schönberger stark verpflichtet, ohne deshalb aber die vorangehenden fundamentelen insbesondere textzentrierten Methoden zu vernachlässigen. Er kommt dabei zu wirklich bemerkenswerten Ergebnissen.

Wichtig natürlich auch der befreiungstheologische und der feministische Ansatz. Gerade dem Gender Ansatz wird eine erfreuliche Beachtung geschenkt.

So sind z.B. während des gesamten Studiums im Rahmen der Pflicht- und Wahlfächer mindestens zwei Semesterstunden aus dem Fachbereich der Frauen- und Geschlechterforschung zu absolvieren. Dazu wird regelmäßig eine Lehrveranstaltung angeboten, die grundlegend in die Thematik einführt; es können aber auch andere, eigens gekennzeichnete Lehrveranstaltungen zum Thema von den Studierenden absolviert werden.

der Link führt (bei meinem PC) ins Nichts.

Bitte nochmals versuchen.....bei meinem Test hat es gerade funktioniert.

jetzt o.k., danke

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Die Darstellung die Alfons gebracht hat, ist natürlich grundsätzlich richtig. Trotzdem entsteht der m.E. falsche Eindruck, dass die Frage historisch kritische Methode ja oder nein heute noch strittig oder noch immer eine zentrale Frage wäre.

 

Die historisch kritische Methode ist aber auch in der KK längst anerkannt. Sogar Ratzinger lobt sie in seinem Jesusbuch, (auch wenn er sie dann kaum anwendet).

 

Die exegetische Musik wird jedenfalls heute in ganz anderen Bereichen gespielt wozu man hier einen ganz guten Überblick bekommen kann.

 

Dabei ist für mich besonders der "canonical approach" hervorzuheben. Dieser Methode fühlt sich z.B der Alttestamentler an der Uni Wien Ludger Schwienhorst-Schönberger stark verpflichtet, ohne deshalb aber die vorangehenden fundamentelen insbesondere textzentrierten Methoden zu vernachlässigen. Er kommt dabei zu wirklich bemerkenswerten Ergebnissen.

Wichtig natürlich auch der befreiungstheologische und der feministische Ansatz. Gerade dem Gender Ansatz wird eine erfreuliche Beachtung geschenkt.

So sind z.B. während des gesamten Studiums im Rahmen der Pflicht- und Wahlfächer mindestens zwei Semesterstunden aus dem Fachbereich der Frauen- und Geschlechterforschung zu absolvieren. Dazu wird regelmäßig eine Lehrveranstaltung angeboten, die grundlegend in die Thematik einführt; es können aber auch andere, eigens gekennzeichnete Lehrveranstaltungen zum Thema von den Studierenden absolviert werden.

 

Völlig richtig, lieber Wolfgang, und dennoch Widerspruch.

 

Es ist richtig, dass die historisch-kritische Methode der Exegese längst zu den Basics der Bibelwissenschaft gehört und auch in der Katholischen Kirche anerkannt ist. Und auch, dass einige interessante neue und viel versprechende Methoden der Exegese hinzu gekommen sind. Dennoch las ich dein Statement mit einem gewissen Pessimismus.

 

Zum ersten sehe ich, dass die historisch-kritische Methode zwar in Forschung und Lehre an den Universitäten längst angekommen ist, nicht jedoch beim Kirchenvolk - übrigens auch in den evangelischen Kirchen nicht. Deshalb mucke ich jedesmal grämlich auf, wenn jemand versichert, die "HKM" sei doch ein alter Hut und im Grunde nicht mehr aktuell. Ich weiß von "Theologen", denen nicht einmal der wissenschaftliche Stand von 1930 bekannt war. Ob die Ergebnisse der wissenschaftlichen Exegese in der Verkündigung präsent sind, weiß ich nicht, ich bezweifele es. Wer sich darüber aus öffentlichen Quellen informieren will, hat deutlich mehr Mühe als jemand, der nach dogmatischen oder fundamentalistischen Bibelauslegungen sucht. Nehmen wir nur das Beispiel Bibelkommentar. Den evangelistischen NT-Kommentar von William MacDonald gibt es kostenlos zum Download im Internet, ebenso die fundamentalistische MacArthur-Studienbibel. Der fünfbändige Walvoord-Kommentar zur Bibel, Prädikat "bibeltreu", wird dir in christlichen Bücherstuben für unter 50 Euro nachgeworfen. Aber versuche mal jemand, den wissenschaftlich soliden "Stuttgarter Kleinen Kommentar" zum Neuen Testament komplett zu kaufen! Schon auf CD-Rom sind's 145 Euro, gedruckt alle Bände zusammen, wenn man sie denn bekommt, um 400 Euro. Mit anderen Worten: Die Erweckungsbewegungen missionieren, die etablierten Kirchen verstecken, so kommt es mir vor, ihre Forschungsergebnisse in Studienseminaren und Uni-Bibliotheken.

 

Zum zweiten die Verwurzelung der Historisch-kritischen Methode in der Katholischen Kirche: ich misstraue der Haltbarkeit dieser Wurzeln. Ja, es stimmt, Benedikt XVI. hat sie in seinem Jesusbuch gleich am Anfang erwähnt. Das macht mich besonders misstrauisch. Ratzingers Haltung zur modernen Theologie, so scheint mir, besteht immer wieder aus einem kleinen folgenlosen Ja und einem großen engagierten Aber. Vor mir liegt der Abdruck einer Rede, die er zum 100-jährigen Bestehen der Päpstlichen Bibelkommission hielt - jene Kommission, die jahrzehntelang gegen die Neue Theologie kämpfte. Ratzinger schildert am Anfang ergreifend, wie schlimm Lehrverbote und Druckverbote für die Forscher waren, wie Menschen da gebrochen wurden. Doch am Ende der Rede versichert er, dieses "Ringen um die rechte Hermeneutik" sei notwendig, ja "unerlässlich" gewesen: "Aber es bleibt auch richtig, dass der Glaube in Sachen Schriftauslegung ein Wort zu sagen hat und dass daher auch den Hirten aufgetragen ist, Korrektive zu setzen, wo das besondere Wesen dieses Buches aus dem Blick kommt und eine nur vermeintlich reine Objektivität das Besondere und Eigene der Heiligen Schrift zum Verschwinden bringt." Auch der Seitenhieb auf das 2. Vaticanum darf da nicht fehlen: "Dass die Dinge nicht ganz so einfach liegen, wie es im ersten Enthusiasmus des konziliaren Aufbruchs auszusehen schien..."

 

Zum dritten etwas zu den neuen Forschungsansätzen in Exegese und Hermeneutik seit 1960/70. Die sind nun wirklich allesamt zu begrüßen, zumindest in dem Sinne, dass Forschung weiter geht und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Mir erscheinen besonders zwei Ansätze viel versprechend: der soziologische Ansatz und die tiefenpsychologische Interpretation. Zu bedauern ist nur, dass der Motor der Forschung inzwischen nicht mehr die deutschen Fakultäten sind - ich habe keine Lust, mir auch noch englischsprachige Fachliteratur reinzuziehen. Über die Exegese-Methode des "canonical approach" kann ich fachlich nichts sagen; wenn sie dich überzeugt, kann sie nicht schlecht sein. Mich macht allerdings skeptisch, dass ich sie auch schon von Leuten loben hörte, die der Historisch-kritischen Methode ablehnend gegenüber stehen. Das klang dann wie "bloß gut, dass diese historisch-kritische Nestbeschmutzung endlich aus der Mode kommt, wir haben jetzt Gott sei Dank etwas Neues".

 

Alfons

Edited by Alfons
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Das Kirchenvolk, wie ich es kenne, hat leider kein Interesse an der historisch-kritischen Exegese. Die Erwachsenenbildung in diesem Bereich ist ein Nebenprodukt meiner Tätigkeit in der Kinderseelsorge. Meist werden meine "Ergüsse" zu diesem Bereich durchgewunken, es reicht den Erwachsenen, wenn ich Bescheid weiß. Es liegt also an meiner Redlichkeit und meinem Verantwortungsbewusstsein, wie die biblischen Texte interpretiert oder bearbeitet werden. Dies ist meine Aufgabe als Theologin und genauso erhoffe ich mir das von den anderen Seelsorgern. Dazu gehört auch, sich exegetisch weiterzubilden.

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Dabei ist für mich besonders der "canonical approach" hervorzuheben. Dieser Methode fühlt sich z.B der Alttestamentler an der Uni Wien Ludger Schwienhorst-Schönberger stark verpflichtet, ohne deshalb aber die vorangehenden fundamentelen insbesondere textzentrierten Methoden zu vernachlässigen. Er kommt dabei zu wirklich bemerkenswerten Ergebnissen.

 

Er ist treuer Zenger-Schüler! Gerade Erich Zenger hat dem kanonischen Ansatz wieder gesellschaftsfähig gemacht in der Exegese, allerdings mit nicht geringem Risiko: Es gibt leider viele Theologen, die sich nun unter Verweis auf den kanonischen Ansatz nicht mehr die Mühe einer klaren Schichtungsanalyse machen (was man Zenger nun gar nicht unterstellen kann), und es gibt Kreise, die meinen, damit den durch die historisch-kritischen Exegese aufgeworfenen Fragen entkommen zu können, indem man sie gar nicht erst stellt.

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Das Kirchenvolk, wie ich es kenne, hat leider kein Interesse an der historisch-kritischen Exegese. Die Erwachsenenbildung in diesem Bereich ist ein Nebenprodukt meiner Tätigkeit in der Kinderseelsorge. Meist werden meine "Ergüsse" zu diesem Bereich durchgewunken, es reicht den Erwachsenen, wenn ich Bescheid weiß. Es liegt also an meiner Redlichkeit und meinem Verantwortungsbewusstsein, wie die biblischen Texte interpretiert oder bearbeitet werden. Dies ist meine Aufgabe als Theologin und genauso erhoffe ich mir das von den anderen Seelsorgern. Dazu gehört auch, sich exegetisch weiterzubilden.

 

Das ist ja auch zunächst einmal korrekt: Die exegetische Methode erfordert (wie jede andere Fachkunde auch) ein erhebliches Wissen, dass wenige haben - da ist es zulässig, sich auf das Urteil der Fachleute zu verlassen. Wenn aber diese Fachleute in ihren Predigten gar kein Wort mehr zum Hintergrund eines Textes verlieren, dann verfehlen sie mE nach ihren Auftrag.

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Das Kirchenvolk, wie ich es kenne, hat leider kein Interesse an der historisch-kritischen Exegese. Die Erwachsenenbildung in diesem Bereich ist ein Nebenprodukt meiner Tätigkeit in der Kinderseelsorge. Meist werden meine "Ergüsse" zu diesem Bereich durchgewunken, es reicht den Erwachsenen, wenn ich Bescheid weiß. Es liegt also an meiner Redlichkeit und meinem Verantwortungsbewusstsein, wie die biblischen Texte interpretiert oder bearbeitet werden. Dies ist meine Aufgabe als Theologin und genauso erhoffe ich mir das von den anderen Seelsorgern. Dazu gehört auch, sich exegetisch weiterzubilden.

 

Das ist ja auch zunächst einmal korrekt: Die exegetische Methode erfordert (wie jede andere Fachkunde auch) ein erhebliches Wissen, dass wenige haben - da ist es zulässig, sich auf das Urteil der Fachleute zu verlassen. Wenn aber diese Fachleute in ihren Predigten gar kein Wort mehr zum Hintergrund eines Textes verlieren, dann verfehlen sie mE nach ihren Auftrag.

aber sie verfehlen ihn auch, wenn sie aus den Hintergrund nicht mehr hervorkommen.

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Das Kirchenvolk, wie ich es kenne, hat leider kein Interesse an der historisch-kritischen Exegese. Die Erwachsenenbildung in diesem Bereich ist ein Nebenprodukt meiner Tätigkeit in der Kinderseelsorge. Meist werden meine "Ergüsse" zu diesem Bereich durchgewunken, es reicht den Erwachsenen, wenn ich Bescheid weiß. Es liegt also an meiner Redlichkeit und meinem Verantwortungsbewusstsein, wie die biblischen Texte interpretiert oder bearbeitet werden. Dies ist meine Aufgabe als Theologin und genauso erhoffe ich mir das von den anderen Seelsorgern. Dazu gehört auch, sich exegetisch weiterzubilden.

 

Das ist ja auch zunächst einmal korrekt: Die exegetische Methode erfordert (wie jede andere Fachkunde auch) ein erhebliches Wissen, dass wenige haben - da ist es zulässig, sich auf das Urteil der Fachleute zu verlassen. Wenn aber diese Fachleute in ihren Predigten gar kein Wort mehr zum Hintergrund eines Textes verlieren, dann verfehlen sie mE nach ihren Auftrag.

aber sie verfehlen ihn auch, wenn sie aus den Hintergrund nicht mehr hervorkommen.

Da stimme ich dir vollkommen zu - es ist Methode, nicht Inhalt.

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Da stimme ich dir vollkommen zu - es ist Methode, nicht Inhalt.
Sie eröffnet den Zugang zu e i n e r Ebene der Texte - aber nicht zu der, weswegen die Schriften über so lange Zeit tradiert worden sind.
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theologie-der-vernunft.de
Die Darstellung die Alfons gebracht hat, ist natürlich grundsätzlich richtig. Trotzdem entsteht der m.E. falsche Eindruck, dass die Frage historisch kritische Methode ja oder nein heute noch strittig oder noch immer eine zentrale Frage wäre.

 

Die historisch kritische Methode ist aber auch in der KK längst anerkannt. Sogar Ratzinger lobt sie in seinem Jesusbuch, (auch wenn er sie dann kaum anwendet).

 

Die exegetische Musik wird jedenfalls heute in ganz anderen Bereichen gespielt wozu man hier einen ganz guten Überblick bekommen kann.

 

 

Zum zweiten die Verwurzelung der Historisch-kritischen Methode in der Katholischen Kirche: ich misstraue der Haltbarkeit dieser Wurzeln. Ja, es stimmt, Benedikt XVI. hat sie in seinem Jesusbuch gleich am Anfang erwähnt. Das macht mich besonders misstrauisch. Ratzingers Haltung zur modernen Theologie, so scheint mir, besteht immer wieder aus einem kleinen folgenlosen Ja und einem großen engagierten Aber.

 

 

@Guten Abend Alfons und Wolfgang,

 

entschuldigt, wenn ich meine bisher kaum beantworte Frage nach einer m.E. aufgrund des heutigen Wissens notwendigen allegorischen Sichtweise des NT bzw. des Wesen Jesus auch hier wiederhole.

 

Denn auch hier wird, u.a. bei Alfons erstem Beitrag deutlich, wie jung die historisch kritische Methode doch eigentlich ist. Und auch welche Probleme sie bringt, wenn weiter die Bibel nicht in der Weise gelesen wird, auf die Wolfgang im Link hinweist. Denn dort wird deutlich, dass die allegorische Lesweise in keiner Weise ein Luftschloss ist, sondern nur eine andere Art der Exegese bzw. der Deutung von der Realität des geschilderten Geschehens.

 

Und genau das erscheint mir das Problem auch von Benedikt XVI., der in seinem Jesusbuch in keiner Weise auf die historische Kritik antwortet, sondern in dogmatischer Weise ein hoheitliches Wesen darstellt, das nach historisch kritischer Methode meist als Kirchenkonstrukt gilt. Doch was soll er machen, wenn er dem Kirchenvolk die allegorische Deutung von Jesus nicht zumuten will. Oder wenn ihm dies aufgrund seiner lebenslange Lehre, die Jesus als einen jungen Juden sah, nicht möglich ist. Denn bei Anwendung der historischen kritischen Methode bliebe von den Bedeutungssaussagen des christichen Glaubens kaum was übrig. Das ist auch bei Klaus Berger herauszuhören, der dann gegen alle Kritik einen hoheitlichen Myhtos für den historischen Jesus bewahren will, weil sonst der christliche Glaube grundlos wird. Zumindest mit Blick auf die Aussagen, die bisher als Säulen des Glaubens galten und dann nur noch im Sinne von "aber Gaube" trotzdem, weil es so geschrieben steht... anzuerkennen sind. Letzlich sehe ich auch in seinem ständigen Wechsel der Seiten: erst kath., dann evangelischer Prof., jetzt wieder kath. bzw. die kath. Dogmatik überholend, einen Spiegel der Probleme in der Entwicklung der Exegese, um die es hier geht.

 

Auch wenn Berger in vielen seiner Bücher selbst die historisch kritische Methode angewandt hat, so scheint er heute ohne echte Antwort zu sein. Ebenso wie der Papst, der auf seinem hoheitlichen Jesus besteht, ohne zu erklären, um was es dabei geht und auf die historische Kritik zu antworten. Gerade in diesen beiden Theologen beobachte ich die Probleme, die sich seit der Aufklärung und damit der historichen Kritik auch mit Blick auf das NT, dessen Christologie und Bedeutungssaussagen stellen. Probleme, die im bisherigen, buchstäblichen Jesusverständnis nicht zu beantworten sind.

 

Alfons beklagt zwar, dass die historisch kritische Exegese bei uns ins Stocken gekommen ist. Und doch hält man es in der theologischen Lehre inzwischen für selbstverständlich, dass es bei Moses nicht um den Verfasser der nach ihm benannten Bücher geht und auch die geschichtliche Schilderung des AT in allegorischer Weise zu verstehen ist. Während manche selbst den Genesisbericht als weitgehend wörtlich lesen, beobachte ich, dass man sich im gesamten AT von einem wörtlichen Verständnis der Geschichtsschilderungen verabschiedet. Nicht nur evanglische Theologen muten ihren Zuhörer zu, sich vom buchstäblichen Verständnis des Exodus- oder Landnahmegeschehens zu befreien, zeigen auf dass der David der Bibel entweder nur ein Dorfhäuptling gewesen sein kann oder in anderer Weise, als Personifizierung jüdischer Weisheit zu verstehen ist.

 

Doch weist nicht schon allein das den Weg, auch das NT in allegorischer Weise zu lesen? Wir halten es inzwischen weitgehend für selbstverständlich, dass es im AT nicht um volksbefreiende oder kriegerische Gründergestalten und wörtlich zu verstehende Geschichtsbericht geht. Können wir dann Verfassern, die bereits die allgegorische Lesweise des AT angewandt haben und Jesus nicht nur als neuen David, Weisheit, Gesetz, Tempel oder über Moses hinausgehend beschrieben, unterstellen, sie wären von dem ausgegangen, den man heute vor Augen hat, wenn man allgemein vom historischen Jesus spricht? Was spricht dagegen, die historische Kritik ernst zu nehmen und als Antwort die allegorische Lesweise - die nicht nur in Alexandrien damalige Praxis war - auch auf das NT und die grundlegende Gestalt Jesus anzuwenden?

 

Wenn heute dogmatische Kollegen von Prof. Ratzinger bemerken, dass dessen Jesusbuch nicht vom historischen Jesus handle, sondern die schöpferische Vernunft zu Thema hätte, als deren Antwalt der Papst gilt. Was spricht dagegen, diese als historisches Wesen auszuwerten und damit nicht nur die Kritik zu beantworten, sondern die Dogmatik, d.h. die biblischen Bedeutungsaussagen in neuer Weise zu bestätigen?

 

Gerhard

 

Wolfgang: Die Sache mit der angeblichen "Diskussionsverweigerung" unter "Ist die Auferstehung historisch" ist behoben bzw. Deine Fragen sind dort beantworte. Ich würde mich freuen, wenn ich auch auf meine Fragen und Argumente immer Antworten bekommen würde. Unter Kypros Prophezeiungen habe ich beispielsweise auf Deine Aussagen ausführlich argumentiert, ohne Antwort: 08.02.2010, 00:38 Beitrag #173

Edited by theologie-der-vernunft.de
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Chrysologus
Da stimme ich dir vollkommen zu - es ist Methode, nicht Inhalt.
Sie eröffnet den Zugang zu e i n e r Ebene der Texte - aber nicht zu der, weswegen die Schriften über so lange Zeit tradiert worden sind.

 

 

Dies sind zwei verschiedene Fragen: Der Text ist eine Sache, der Glaube eine andere. Diese sind aufeinander bezogen, aber eben nicht identisch. Daher kann und muss man die Texte als Texte wahrnehmen.

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Dabei ist für mich besonders der "canonical approach" hervorzuheben. Dieser Methode fühlt sich z.B der Alttestamentler an der Uni Wien Ludger Schwienhorst-Schönberger stark verpflichtet, ohne deshalb aber die vorangehenden fundamentelen insbesondere textzentrierten Methoden zu vernachlässigen. Er kommt dabei zu wirklich bemerkenswerten Ergebnissen.

 

Er ist treuer Zenger-Schüler! Gerade Erich Zenger hat dem kanonischen Ansatz wieder gesellschaftsfähig gemacht in der Exegese, allerdings mit nicht geringem Risiko: Es gibt leider viele Theologen, die sich nun unter Verweis auf den kanonischen Ansatz nicht mehr die Mühe einer klaren Schichtungsanalyse machen (was man Zenger nun gar nicht unterstellen kann), und es gibt Kreise, die meinen, damit den durch die historisch-kritischen Exegese aufgeworfenen Fragen entkommen zu können, indem man sie gar nicht erst stellt.

 

 

Das Problem der Exegese - wie eigentlich auch der meisten theologischen Fachrichtungen - die extreme Spezialisierung.

 

Es ist ja nicht so, dass wir hier nur literaturwissenschaftlich (d.h. historisch-kritisch) unterwegs sind. Allein für diesen historisch kritischen Ansatz muss ich die biblischen Sprachen sowie die erschiedenen Methoden beherrschen.

 

Als nächstes muss man sich dann mit den Ergebnissen der Archäologie beschäftigen. Da geht es eineseits um Ausgrabungsergebnisse und andererseits um Inschriften - und um noch mehr Sprachen.

 

Das führt dann unweigerlich in die Religionswissenschaften und in entsprechende Modelle.

 

Der canonical approach bedeutet, entgegen einer landläufigen Meinung keineswegs, das mann im Sinne eines bibelfundamentalismusses nur noch eine postulierte wortwörtliche Bedeutung des vorliegenden Textes annimmt. Auch im canonical approach gibt es eine Würdigung der Ergebnisse der historisch kritischen Methode, aber dieser Approach schaut nicth nur zurück auf die Geschichte des vorliegenden Textes sondern auich nach vorn, auf das mögliche Verständnis verschiedener Lesergruppen, sowohl in historischen als auch in heutigen Kontexten. Besonders wichtig sind zwei Aspekte: zum einen der Kontextbezug innerhalb der Bibel und zum anderen die Frage, wie kann ein Leser überhaupt einen Text verstehen. In diesem Zusammenhabng kommen lesetheoretische Methoden in den Blick, wie Beispielsweise die Semiotik Umberto Eccos oder die Diskussion über das Verständnis des Modelllesers.

 

Ein weiterer Zugang zur Bibel erfolgt über soziologische Methoden. Hier untersucht man man beispielsweise, was denn die Identität eines Juden zur Zeit Jesu genau ausmachte. War das Jedentum eine Religion oder ein Ethnos? Daraus ergibt sich dann die Frage, wie sich Jesus in seienr Zeit und in seinem sozioloischen Kontext positioniert hat. Und hinter diesen Fragestellungen stehen bestimmte soziologische Modelle,

 

 

An dieser, sicher nicht vollständigen, Übersicht, sieht man, wie spezialisert die Exegese geworden ist, Für einen Laien kaum nachvollziehbar. Hinter vielen Aussagen eines Exegeten stehen riesige Modelle. Wer soll das denn außerhalb der Fachwelt noch überblicken?

 

Einen wirklichen Unterschied zwischen Prtestantismus und Katholizismus kann ich hier übrigens nicht erkennen. Der Bruch verläuft eher zwischen den sog. Bibeltreuen und dem Rest der christlichen Welt.

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Es ist ja nicht so, dass wir hier nur literaturwissenschaftlich (d.h. historisch-kritisch) unterwegs sind. Allein für diesen historisch kritischen Ansatz muss ich die biblischen Sprachen sowie die erschiedenen Methoden beherrschen.

Hallo Mat,

genau das scheint mir der entscheidende Unterschied zwischen evangelisch und katholisch zu sein:

 

Katholisch: Uiuiui, schwierig, kompliziert: lassen wir es liegen; es könnte ja sein, dass man was falsch machen könnte.

Evangelisch: jeder kann, darf und soll die Bibel lesen, und kann sie auch verstehen.

 

Wenn Laien sich mit der Bibel befassen, geht es nicht darum die allumfassende perfekte Highend-Analyse vorzulegen, sondern den wesentlichen Sinn eines Textes zu erfassen. Und da gibt es hervorragende Literatur, die auch dem Laien zugänglich und verständlich ist.

 

Auf katholischer Seite ist sicher auch die mangelhafte theologische Bildung und Befähigung der Pfarrer ein Problem (mit vielleicht 2 Ausnahmen kenn ich keinen Pfarrer, der zu einem Bibelgespräch fähig wäre), aber grundsätzlich hat man auch auf evangelischer Seite das Problem der Trägheit nicht immer wieder neu um einen Text ringen zu wollen.

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Wer sich darüber aus öffentlichen Quellen informieren will, hat deutlich mehr Mühe als jemand, der nach dogmatischen oder fundamentalistischen Bibelauslegungen sucht. Nehmen wir nur das Beispiel Bibelkommentar. Den evangelistischen NT-Kommentar von William MacDonald gibt es kostenlos zum Download im Internet, ebenso die fundamentalistische MacArthur-Studienbibel. Der fünfbändige Walvoord-Kommentar zur Bibel, Prädikat "bibeltreu", wird dir in christlichen Bücherstuben für unter 50 Euro nachgeworfen. Aber versuche mal jemand, den wissenschaftlich soliden "Stuttgarter Kleinen Kommentar" zum Neuen Testament komplett zu kaufen! Schon auf CD-Rom sind's 145 Euro, gedruckt alle Bände zusammen, wenn man sie denn bekommt, um 400 Euro. Mit anderen Worten: Die Erweckungsbewegungen missionieren, die etablierten Kirchen verstecken, so kommt es mir vor, ihre Forschungsergebnisse in Studienseminaren und Uni-Bibliotheken.

Von Seiten der RKK ist da einfach das Problem, dass sie keine missionarische Kirche ist: man möge bloss froh sein da Mitglied sein zu dürfen.

Auch liegen die Schwerpunkte in der RKK schlicht anders: nix Bibel. Aber das haben wir hier ja schon zur genüge diskutiert.

 

Zum zweiten die Verwurzelung der Historisch-kritischen Methode in der Katholischen Kirche: ich misstraue der Haltbarkeit dieser Wurzeln.

Das wird nur dann zu einer Gefahr, wenn die Kirche immer weiter schrumpft bis nur noch die Fundis übrigbleiben oder man das Thema Bibel ihnen überläßt.

 

Zum dritten etwas zu den neuen Forschungsansätzen in Exegese und Hermeneutik seit 1960/70. Die sind nun wirklich allesamt zu begrüßen, zumindest in dem Sinne, dass Forschung weiter geht und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Mir erscheinen besonders zwei Ansätze viel versprechend: der soziologische Ansatz und die tiefenpsychologische Interpretation.

Das klingt interessant. Links?

 

 

Zu bedauern ist nur, dass der Motor der Forschung inzwischen nicht mehr die deutschen Fakultäten sind - ich habe keine Lust, mir auch noch englischsprachige Fachliteratur reinzuziehen.

 

Für mich als Physiker eine Selbstverständlichkeit. Ich bin schon verwundert. Wenn es Dir im Glauben wichtig ist, sollte es doch auch kein Hindernis sein.

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Es ist ja nicht so, dass wir hier nur literaturwissenschaftlich (d.h. historisch-kritisch) unterwegs sind. Allein für diesen historisch kritischen Ansatz muss ich die biblischen Sprachen sowie die erschiedenen Methoden beherrschen.

Hallo Mat,

genau das scheint mir der entscheidende Unterschied zwischen evangelisch und katholisch zu sein:

 

Katholisch: Uiuiui, schwierig, kompliziert: lassen wir es liegen; es könnte ja sein, dass man was falsch machen könnte.

Evangelisch: jeder kann, darf und soll die Bibel lesen, und kann sie auch verstehen.

 

Wenn Laien sich mit der Bibel befassen, geht es nicht darum die allumfassende perfekte Highend-Analyse vorzulegen, sondern den wesentlichen Sinn eines Textes zu erfassen. Und da gibt es hervorragende Literatur, die auch dem Laien zugänglich und verständlich ist.

 

Auf katholischer Seite ist sicher auch die mangelhafte theologische Bildung und Befähigung der Pfarrer ein Problem (mit vielleicht 2 Ausnahmen kenn ich keinen Pfarrer, der zu einem Bibelgespräch fähig wäre), aber grundsätzlich hat man auch auf evangelischer Seite das Problem der Trägheit nicht immer wieder neu um einen Text ringen zu wollen.

 

 

Aus meiner Sicht gilt der Unterschied hier innerhalb der Protestanten zwischen reformatorischen und lutherischen Christen meher als zwischen Lutheranern und Katholiken,

 

viele Grüße,

 

Matthias

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theologie-der-vernunft.de
Hallo

 

Gibt es eigentlich Unterschiede bei den exegetischen Methoden bei Katholiken (katholische kenn ich) und Evangelischen?

 

Neben den sehr interessanten historischen Auswertungen noch ein banaler Erfahrungsbericht aus heutiger Sichtweise.

 

Von einem Evangelischen, der meist bei katholischen Bildungseinrichtungen unterwegs ist. Weil bei evangelischen Einrichtungen nur (Sozial-, Umwelt-, Bio-...) Ethik das Thema ist. Wobei dies jedoch längst nicht mehr auf ein gemeinsame schöpferische Bestimmung, einen univesalen, philosophisch zu realisierenden schöpferischen Wert bzw. ein höhere Vernunft bezogen wird. Vielmehr zum meditativen Tanz aufgefordert oder ein Gott im Kopf mit Wollsocken und warmen Decken gesucht wird. (Was immer mehr auch in kath. Bildung Einzug hält.)

 

Ich denke, dass diese heutige Praxis auch die unteschiedliche Methode der derzeitigen Exegese deutlich macht. Während die Katholischen die Christoglogie grundsätzlich blind bzw. buchstabengerecht glauben sollen, glauben die Evangelischen, diese meinst der Aufklärung oder der Verfolgung unserer jüdischen Brüder und Schwestern wegen, tilgen zu müssen. Wer heute "Christomos", die ach so modern erscheinende Zeitschrift der Evanglischen aus der FAZ nahm (dünner geht es kaum), dem wird klar, dass deutliche Unterschiede auch in der biblischen Deutung bestehen.

 

Da lob ich mir die Katholiken. Auch wenn die meist nur auf dogmatische Weise Exegese betreiben, für wahr halten wollen was gegen alle Vernunft spricht und sich dann auf noch auf die Vernunft berufen. Denn das fordert wenigstens noch zum Nach- bzw. weiterdenken auf.

 

Gerhard

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