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Schafft alle Dinge weg, damit ich sehe!


Guest Corinna
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Guest Corinna

Kürzlich bin ich mal wieder auf einen älteren Artikel gestoßen, der mich beim erneuten Lesen nicht weniger faszinierte wie beim ersten Mal.

 

"Schafft alle Dinge weg, damit ich sehe!"

(Unverzichtbar aber vorläufig: Gottesbilder)

von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

 

http://www.erzbistum-koeln.de/opencms/open...eHefte/gerl.pdf

 

Wir brauchen Bilder ­gerade weil wir IHN nicht sehen; gleich-zeitig verstellen sie den Blick: das Bildschiebt sich vor das Urbild.

 

Die Götzendiener machen Gott mit dem Bild eins, verehren ihn in Holz und Stein, Blitz und Donner;

die Bilderstürmer entzweien Gott und das Bild, zerschlagen die Schöpfung um seinetwillen.

Jede entwickelte Religion, a fortioridas Judentum und das Christentum, hält dagegen die Spannung von Bild und bildlosem Ursprung gegenwärtig. Sie übt ihre Gläubigen in den Liturgien, auf der Leiter der Zeichen und Bilder nach oben zu steigen und die Leiter, bei Ihm angekommen, umfallen zu lassen.

 

Erste Wegmarke: Verbot des Gottesbildes im Alten Bund und die darin enthaltene Überraschung - Israel hat ­ altbekannt ­mehrfach in strenger Form Kultbilder von Jahwe verboten. Weit weniger bekannt ist, dass diese Verneinung nicht einfach in sich selbst ruht, sondern auf die Bejahung eines Bildes zielt, dessen Gegenstand und Charakter mit dem Bildverbot unmittelbar zusammen hängen.

 

Zweite Wegmarke: Wer mich sieht, sieht den Vater." (Joh 14,9) - Christus als Ikone Gottes. "Selig, der vergehen ließ Bilder aus Stein durch sein wahres Bild."

 

Dritte Wegmarke: Die Anagogie des Bildes.

"Wer ein Bild verehrt, der verehrt die Wirklichkeit, die darauf dargestellt ist."

 

Vierte Wegmarke: Gegenwärtige Bilder des mütterlichen Gottes in ihrer lösenden und blockierenden Eignung.

 

Fünfte Wegmarke: Die Erfüllung der Bilder in ihrer Durchkreuzung.

 

Gottesbilder - mit "lösender" und "blockierender" Eignung. Darüber möchte ich mich gerne unterhalten.

 

Corinna

 

 

 

 

(Geändert von Corinna um 17:04 - 24.Januar.2003)

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Das Grundprinzip scheint mir ein Spannungspol zu sein, Corinna. Etwas, das (im Gegensatz zu diesem Spannungspol) ganz klar da steht, sagt uns nach einer Zeit nichts mehr, es wird zum Nichts, an dem wir vorbeischauen.

 

Es sind Gegensätze, die sich im Verlauf der Betrachtung zunächst gegeneinander stellen, dann sich verschieben und versetzt erscheinen, sich schließlich verbinden und eins werden. Gegensätze, die zuvor real erschienen, lösen sich auf, fallen in sich zusammen und können erst dann erfasst werden.

 

Alles hat seine Zeit.

 

Herzliche Grüße

Martin

 

 

(Geändert von Martin um 9:51 - 25.Januar.2003)

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Guest Corinna

Martin, ich wollte auf etwas ganz anderes abheben:

 

Welche Gottesbilder - bzw. welche Deutungen der Gottesbilder - blockieren uns, und welche tun es nicht? Oder anders gefragt: Durch welche Deutungen blockieren wir uns selbst?

 

(Geändert von Corinna um 17:10 - 24.Januar.2003)

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Das kann man so allgemein nicht sagen, Corinna. Was für den einen - zu dem Zeitpunkt - falsch ist, kann für einen anderen hilfreich sein.

 

Beispielsweise der "liebe Gott". Für ein kleines Kind ist das doch ein guter Anfang, und auf jedenfall richtig - auch.

 

Später wird das Bild differenzierter, zunächst unklarer bis zum Zerfall, bevor es wieder deutlicher wird.

 

Aber dann gibt es Menschen, die gehen durch ihr Leben, ohne dass dieses Gottesbild wachsen müßte. Das reicht dann einfach.

 

Herzliche Grüße

Martin

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Guest Corinna


Zitat von Martin am 17:40 - 24.Januar.2003

Das kann man so allgemein nicht sagen, Corinna. Was für den einen - zu dem Zeitpunkt - falsch ist, kann für einen anderen hilfreich sein.


 

Lieber Martin, ich hoffe auch nicht auf "allgemeine" Antworten.

 

Corinna

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Hallo,

aus religionsgeschichtlicher Perspektive sträuben sich mir die Nackenhaare, wenn ich die oben zitierte Passage lese.

 

1. Es ist vollkommen falsch, dass bei Götzen- bzw. Götterbildern die Verehrten glaubten, dass dargestellte Bild sei die Gottheit. Nein, sowohl in Ägypten als auch im Alten Orient wurde geglaubt, dass die dargestellte Gottheit im Götterbild wohnt und nicht mit dieser identisch ist.

2. Es gibt Hinweise darauf, dass im Tempel Salomos eine Jahwestatue stand.

3. Das Christentum ist alles andere als bilderlos.

 

Um jetzt noch etwas zur eigentlichen Frage zu sagen, Folgendes:

Ich glaube nicht, dass wir uns keinerlei Vorstellungen von Gott machen können. Wir sind voller Bilder und Erwartungen, gegenüber uns, anderen Menschen, Gott. Unsere Bilder sind Erwartungen und Projektionen.

So stellt sich die Frage, was ein bestimmtes Gottesbild für mich bedeutet. Wenn mich ein vielleicht übernommenes Gottesbild bedrückt, unterdrückt, fesselt, dann muss ich es zerschlagen. Wenn es mich frei macht, wird es mir vermutlich weiterhelfen,

 

viele Grüße,

 

Matthias

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Liebe Corinna,

 

Gottesbilder mit "lösender" und "blockierender" Eignung. Ich würde eher in die Richtung denken "befreiend" und "stützende". Aber damit gehe ich wohl in die falsche Richtung.

 

Mal sehen, vielleicht bringen mich andere Beiträge auf die Spur deines Gedankens. Ich mache mal Pause und schaue einfach zu.

 

Herzliche Grüße

Martin

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Guest Corinna

Ich fürchte, Deine Haare sträuben sich grundlos, denn nichts von dem, was Du hier angreifst bzw. berichtigst, wird im Artikel von Frau Gerl gesagt.

 

(Geändert von Corinna um 17:57 - 24.Januar.2003)

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Guest Corinna


Zitat von Martin am 17:50 - 24.Januar.2003

Mal sehen, vielleicht bringen mich andere Beiträge auf die Spur deines Gedankens. Ich mache mal Pause und schaue einfach zu.


 

Vielleicht beschäftigst Du Dich in der Pause mal mit dem Artikel. Im Abschnitt "Mütterlichkeit Gottes" findest Du die "Spur des Gedankens", ich habe auch den Ausdruck "Blockierung" von da übernommen.

 

Ein kleiner Denkanstoß: Feministinnen sind vor Jahren losgezogen, um die "Mütterlichkeit" Gottes in der Bibel aufzuspüren. Die "Blockierung" bestand darin, dass die Betonung dieser "Mütterlichkeit" vielfach eine "Kampfansage" an den Vatergott gewesen ist. Darüber sind wir, so hoffe ich wenigstens, inzwischen hinweg.

 

Aber es gibt sicher auch noch andere Blockierungen. Und über die würde ich hier gerne etwas erfahren.

 

 

 

(Geändert von Corinna um 18:09 - 24.Januar.2003)

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Jörg Müller: Gott ist anders. Das Leiden an den falschen Gottesvorstellungen. Wege zur Heilung.

 

(Müller ist Theologe, Psychotherapeut und seit 1990 Pallottiner)

 

U.a. werden religiöse Fehlhaltungen durch falsche Gottesbilder und falsche Demut im Namen Gottes beschrieben.

 

Klappentext: Das Leiden an Gott ist vorwiegend ein Leiden an einem falschen Gottesbild, an der Vorstellung von einem bedrohlichen, angstmachenden und strafenden Gott  

 

Um das Buch insgesamt zu beurteilen, fehlen mir die psychologischen Kenntnisse. Aber Müller hat gut verstehbar erklärt, wie die Vorstellung eines überstrengen Gottes bei Menschen wirken kann.  

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Guest Corinna


Zitat von lara am 21:29 - 24.Januar.2003

Jörg Um das Buch insgesamt zu beurteilen, fehlen mir die psychologischen Kenntnisse. Aber Müller hat gut verstehbar erklärt, wie die Vorstellung eines überstrengen Gottes bei Menschen wirken kann.  


 

Hallo lara, ich kenne dieses Büchlein. Meiner Meinung ist es zu kurzgefasst, um nicht auch Missverständnisse zu provozieren. Eigentlich ist die Therapie von "falschen Gottesbildern" auch nicht das Anliegen, das ich mit der Eröffnung dieses Threads im Sinn hatte (vielleicht eröffne ich aber auch noch einen dazu). Hier läuft's eher in Richtung negative Theologie/Mystik - oder sollte es wenigstens laufen.

 

Liebe Grüße

Corinna

 

 

(Geändert von Corinna um 14:21 - 25.Januar.2003)

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Ich finde immer noch keinen Anfang, Corinna. Führ deinen Gedanken doch bitte etwas weiter aus.

 

Herzliche Grüße

Martin

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Liebe Corinna,

eines der mir liebsten "Gottesbilder" stammt von Jesus selbst (Mt. 25,34-40):

 

  • Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an! Denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; ich war nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir. Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.

Wir können den Herrn in dem Menschen erkennen, der uns braucht. Die Gefahr dabei sehe ich allerdings darin, in ein Extrem zu verfallen. Einerseits, daß man sich selbst dann nicht mehr als Gottes-bedürftig oder hilfsbedürftig sieht - einem "Helfer-Syndrom" verfällt; andererseits, daß man angesichts der Not dieser Welt verzweifelt, sich überfordert fühlt, vielleicht resigniert, weil man wieder meint, es "alles selber" schaffen zu müssen.

 

Liebe Grüße,

Lucia

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Zitat von Corinna am 17:56 - 24.Januar.2003

Ich fürchte, Deine Haare sträuben sich grundlos, denn nichts von dem, was Du hier angreifst bzw. berichtigst, wird im Artikel von Frau Gerl gesagt.

 

(Geändert von Corinna um 17:57 - 24.Januar.2003)


 

Hallo Corinna,

 

da bin ich aber froh,

 

viele Grüße,

 

Matthias

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Guest Corinna


Zitat von Mat am 9:42 - 27.Januar.2003

da bin ich aber froh


 

Noch froher wären Deine Haare, wenn sie nicht unnütz von Dir zum Sträuben bemüht worden wären.

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Zitat von Corinna am 10:23 - 27.Januar.2003


Zitat von Mat am 9:42 - 27.Januar.2003

da bin ich aber froh


 

Noch froher wären Deine Haare, wenn sie nicht unnütz von Dir zum Sträuben bemüht worden wären.

 

 


 

Hallo Corinna,

 

meine Haare sind meist so kurz, dass sie sich schon ohne Anlass sträuben. Und sollten sie 'mal länger sein, lassen sie sich auch kaum bändigen.

 

Viele lachende Grüße,

 

Matthias

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Guest Corinna

Nett dass Du mich erinnerst... ich muss dringend mal wieder zum Frisööör, um mir die Haar künstlich sträuben zu lassen.

 

*gleichnachdertelefonnummerkram*

 

*lach*

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[ioronie]

Was fällt Euch überhaupt ein hier zu lachen? Schließlich sind das doch die Glaubengespräche. DA WIRD NICHT GELACHT!

[/ironie]

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Zitat von Ralf am 12:52 - 27.Januar.2003

[ioronie]

Was fällt Euch überhaupt ein hier zu lachen? Schließlich sind das doch die Glaubengespräche. DA WIRD NICHT GELACHT!

[/ironie]

 


 

 

Uups,

 

 

Tschuldigung.

 

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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Guest Corinna

Gen 32,23-32: Der Kampf am Jabbok.

 

In derselben Nacht stand er auf, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde sowie seine elf Söhne und durchschritt die Furt des Jabbok.

Er nahm sie und ließ sie den Fluss überqueren. Dann schaffte er alles hinüber, was ihm sonst noch gehörte.

Als nur noch er allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg.

Als der Mann sah, dass er ihm nicht beikommen konnte, schlug er ihn aufs Hüftgelenk. Jakobs Hüftgelenk renkte sich aus, als er mit ihm rang.

Der Mann sagte: Lass mich los; denn die Morgenröte ist aufgestiegen. Jakob aber entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.

Jener fragte: Wie heißt du? Jakob, antwortete er.

Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen.

Nun fragte Jakob: Nenne mir doch deinen Namen! Jener entgegnete: Was fragst du mich nach meinem Namen? Dann segnete er ihn dort.

Jakob gab dem Ort den Namen Penuël (Gottesgesicht) und sagte: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen.

Die Sonne schien bereits auf ihn, als er durch Penuël zog; er hinkte an seiner Hüfte.

 

Mein Lieblings-Gottesbild, ins Bild gesetzt von Sieger Köder: Der Fluss Jabbok in der Dunkelheit, die Szene wird nur ganz schwach von der sich am Horizont abzeichnenden Morgenröte erhellt. Im Fluss zwei Gestalten: ein Mensch, Jakob - und eine viel größere Gestalt, deren menschenähnliche Konturen in der Dämmerung zu zerfließen scheinen. Ein Kampf hat stattgefunden, der die ganze Nacht andauerte. Jakob ist müde, erschöpft, dem Umfallen nahe, mitten im Fluss. Und die nur in ihren Umrissen sichtbare Gestalt scheint ihn - nein, nicht endgültig niederringen zu wollen, sondern ihn aufzufangen.

 

Corinna

 

(Geändert von Corinna um 14:05 - 1.Februar.2003)

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Ich stehe dem Geschehen mit Staunen gegenüber, denn mein Weg verläuft anders. Es ist mir geradezu unvorstellbar. Nicht nur im Detail, in Einzelaspekten, sondern in seiner Gänze. Aber das Geschehen ist auch faszinierend. Vielleicht müßte ich mich zunächst darauf einlassen, um mehr zu erfahren - und nicht einfach an der Schwelle, als unbeteiligter Zuschauer, stehen bleiben.

 

Herzliche Grüße

Martin

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Guest Corinna

Ja Martin, und Du müsstest in der Bibel ein paar Seiten zurückblättern. Jakob, dieses Schlitzohr, das seinen Zwillingsbruder Esau um das Erstgeburtsrecht betrogen und wohl auch sonst einiges auf dem Kerbholz hatte.

 

 

 

Seinem Zwillingsbruder Esau, der ja ganz und gar keinen Grund hat, ihm wohlgeneigt zu sein, kann er anscheinend nicht mehr aus dem Wege gehen. Und was macht unser Jakob? Er geht auf Nummer Sicher. Verfrachtet die Hälfte seiner Habe (einschließlich Frauen und Kindern) auf's andere Ufer - damit ihm wenigstens EINE Hälfte bleibt, wenn Esau sich in der unausweichlichen Auseinandersetzung als der Stärkere erweisen sollte.

 

Und was geschieht? Jakob wird "gestellt", von "einem Mann", er ringt die ganze Nacht mit ihm... nun ja, den Rest spare ich mir, er steht ja in der Bibel: Er bleibt gezeichnet von diesem Kampf und trägt von da an auch eine neue, SEINE Identität.

 

Die Jakobs-Geschichte in Verbindung mit der Szenerie, wie Sieger Köder sie darstellt und die ich hier nur unzureichend beschreiben kann, ist mir zum Gottesbild geworden, weil da einiges biographisches von mir ihren Platz findet: Abzusehenden, erwarteten, mehr oder weniger unwahrscheinlichen Schwierigkeiten nicht mehr wegzulaufen, sondern "mich stellen", von Gott nicht abzulassen, mit ihm ringen, Stunde um Stunde, bis er mir seinen Segen gibt und ein neuer Tag anbricht.

 

Corinna

 

PS: Ach ja, und da gibt's auch diese Motette von Bach: "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn", BWV 159.

 

(Geändert von Corinna um 15:51 - 1.Februar.2003)

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