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Am heutigen Josefstag


Karl
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Ich muss am heutigen Josefstag an Joseph Ratzinger denken, an die Tage vor fast fünf Jahren als er zum Benedikt XVI. gewählt wurde, oder als er eindeutig Spitzenkandidat wurde und die Wahl annahm. In der Zwischenzeit erlebte ich auch ein Wechselbad der Gefühle, aber am heutigen Josefstag ist in mir vielleicht völlig unabhängig von meinen Gefühlen eine hohe Wertschätzung für Josef Kardinal Ratzinger, den heutigen Benedikt XVI. aufgekommen.

 

Mit dem Heiligen Josef konnte ich lange nicht viel anfangen: ich fand Darstellungen von ihm in Wort und Bild (oft voller Kitsch), denen ich begegnete, klischeehaft, so dass diese biblische Gestalt in meiner Wahrnehmung fast für einen braven frommen Pantoffelhelden stand. Letztes Jahr aber hatte ich das Glück, seine Geschichte aus dem Matthäusevangelium mit aufzuführen, in der mir seine Rolle zukam. Ich als Josef war voller Zweifel, und hatte eine Zeit lang das beklemmende Gefühl, Verantwortung für etwas zu übernehmen, ja fast übernehmen zu müssen, wovon ich wenig wusste und wofür ich gar nichts konnte. Diese Situation des Josef hat mich auch noch später beschäftigt. Ich dachte "mit meinen Gefühlen" weiter und konnte gar nicht ausschließen, dass dieser Josef - als der 12jährige Jesus für Tage verschwand - neben Gedanken der Sorge auch vom Gedanken leise berührt war: "Ja, ich hab´s geahnt. Dieser Joshua ist nicht mein Sohn, und auch nicht der des Allmächtigen. Sonst wäre es nicht passiert. Ich habe mein Leben auf eine Lüge gebaut. Meine Frau hat mich doch betrogen." Und Gewissheit kam nur in drei Tagen.

 

Ich denke nun wieder an Joseph Kardinal Ratzinger, der in der Zeit kurz vor seiner Wahl etwas darüber, womit sich in diesen Wochen die Schlagzeilen befassen, wusste, dafür persönlich aber nichts konnte. Ich kann es wohl annehmen, er habe, als es erst noch "um ihn ernster wurde", gedacht: Es wäre so einfach zu sagen: "Nein, liebe Mitbrüder, Ihr wisst, ich hatte schon mehrere Schwächeanfälle, ich bin schon zu alt." Und der schöne Ruhestand in Pentling wäre garantiert. Brauche ich das alles, ich kann ja selber für viel Schlimmes, was früher oder später auf uns zukommen soll, gar nichts. Und ich denke heute an Benedikt XVI., der gleich am Anfang seines Pontifikates kurz aber eindeutig signalisierte, er ist nicht heilfroh, Papst zu sein. Er könnte sich wohl in diesen Stunden wieder wehmütig an Pentling erinnern, sitzt aber im Vatikan und unterschreibt einen Brief an die irische Kirche und weiß sich mit seinem Schutzpatron verbunden.

 

Eine Wertschätzung also ist in mir heute aufgekommen, eine wertschätzende Liebe, die mich Danke sagen lässt. Benedikt XVI. ist ein Stück mehr mein Papst geworden. Jetzt konnte es dazu kommen, nicht als er sich mir als einen intelligenten Professor mit einem Lächeln von Unbeschwertheit präsentierte, oder präsentiert wurde. Jetzt habe ich etwas Konkretes in mir, eine "Grundlage" für die Fürbitte um Papst und Bischöfe. Diese Fürbitte schafft für mich nun Gemeinschaft mit ihm und vielleicht noch mit vielen. Ich verstehe jetzt auch die für mich rätselhaften Worte des Greises Ignatius von Antiochien, der zu seinem Prozess nach Rom musste, etwas besser. Ich habe sie in meiner Jugend gehört, und sie haben mich fasziniert. Da schreibt der etwa 80jährige, in einem der Briefe, die er vom Schiff verschickt: "Ich fange an, richtig Jünger zu werden." In dieser noch nie oder selten erfahrenen Ohnmacht und Ausgeliefertheit könnte diesen Satz auch Benedikt XVI. als PS. dem Brief an die irischen Katholiken Hinzufügen. Und auch wenn er es nicht tut, wird es bald eine Zeit, wo fast nur noch die Treue bleibt.

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