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Werte und Wertesysteme


Lissie
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Ein weltanschauliches Forum wie kath.de lebt zu einem Großteil von den Kollisionen unterschiedlicher Wertvorstellungen und deren argumentativer Untermauerung.  Besonders von konservativer Seite ist immer da, wo die "alten" Werte entthront werden, gerne die Rede von einem Werteverfall , während progressiver Eingestellte lieber von  einem Wertewandel  sprechen.

 

Wie definieren sich in Euren Augen Werte, wie lassen sie sich begeründen und vor allem: Welches sind Eure eigenen Wertvorstellungen? Oder wenns nicht zuviel Arbeit macht : Skizziert doch mal bitte Euer komplettes "Wertesystem".

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Das ist ein interessanter Versuch das eigene Wertesystem darzustellen...

 

*grübel*

 

Aber am Ende meines Nachdenkens ist eigentlich alles ganz einfach:

 

Für mich ergeben sich alle Werte und auch die eigentliche Maxime des Handelns aus dem Gedanken, dass jeder Mensch zu respektieren ist.

 

Damit ist nicht gemeint, dass ich nicht Taten und Gedanken kritisieren darf, aber wenn meine Grundeinstellung die ist, dass ich anderen mit Achtung begegne, dann ergibt sich der Rest. Mein Wunsch, dass jeder so leben kann wie es ihm ganz entspricht, jeder soll die Möglichkeit haben, zum Besten zu werden, was er sein kann. Ohne Restriktionen.

 

So und jetzt noch ein Satz nach dem ich (als Christin mit einem Bild von einem liebenden Gott) versuche zu leben: Nicht wie Du mir so ich Dir  - sondern wie Gott mir so ich Dir.

 

Zusammenfassend: Hauptwert ist für mich die Achtung des Gegenüber der mir als Mensch gleich-wertig ist.

 

(Geändert von Wattoo um 12:25 - 28.Oktober.2002)

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Ich halte beide Begriffe, Wertewandel und Werteverfall, für irreführend. Mit den sich ändernden Verhältnissen sind meist nur Konventionen gemeint. Werte ändern sich m.E. nicht.

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Zitat von lissie am 11:56 - 28.Oktober.2002

Wie definieren sich in Euren Augen Werte, wie lassen sie sich begeründen und vor allem: Welches sind Eure eigenen Wertvorstellungen? Oder wenns nicht zuviel Arbeit macht : Skizziert doch mal bitte Euer komplettes "Wertesystem".

 

Liebe Lissie,

 

Werte sind das was ich für mich und mein Leben als wichtig erkannt habe. Überzeugungen, nach denen ich mein Leben gestalte, die ich jedoch auch manchmal versuchsweise manchmal aufgrund von Nachlässigkeiten oder Unachtsamkeiten breche.

 

Für eine Bergpredigt fehlt mir jetzt allerdings die Zeit. Vielleicht später .

 

Ein "Werteverfall" könnte ich mir so erklären, dass es viel weniger Menschen gibt, die sich ihr eigenes Werteschema bewußt machen. Heute gibt es nicht mehr das starre gesellschaftlich aufgedrückte Wertemuster von dem man ohne gesellschaftliche Ausgrenzung nicht ablassen darf. Prinzipiell ist beinahe alles erlaubt. Dadurch muss sich jeder jedoch selbst zusammenbasteln, was ihm wichtig ist und es auch selbst austesten.

 

Für Krisenzeiten halte ich es für sinnvoll ein festes Werteschema vor Augen zu haben, an das man sich dann halten kann.

 

Viele Grüße

Heidi

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Wenn man vom Wortsinn ausgeht, sind Werte das, was das Leben wertvoll macht, was ihm einen Wert gibt. Das können sehr Unterschiedliche Dinge sein: Familie, Beziehung, kreative Selbstverwirklichung, Geld, Macht, die Weltrevolution, die Reinheit der eigenen Rasse ... auch Stalinisten und Nazis hatten Werte.

 

Deshalb ist es wichtig, Werte kritisch zu überprüfen. Und deshalb rede ich auch lieber vom Wertewandel, und ich halte zwar Geld und "Genuss sofort" für schlechte Werte, aber ob sie wirklich schlechter sind als Gehorsam, Volk und Vaterland ("good or bad - my country&quot, würde ich nicht so schnell behaupten.

 

Meine eigenen Werte entstehen aus drei Quellen: meiner Selbsterfahrung, in der ich das Leben als schön und wichtig erlebe, und das eben anderen Menschen auch wünsche; meinen Beziehungserfahrungen, in denen ich erfahren habe, dass Beziehung ein Leben bereichert, während Egoismus es verkümmern lässt; hauptsächlich aber meiner Gotteserfahrung: ich kann nur weitergeben, was ich empfangen habe. Und ich bin davon überzeugt, dasss mit Aussicht auf das Nichts keinen wirklichen Wert geben kann, und auch keine wirkliche Beziehung.

 

Viele Grüße, Matthias

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Sozusagen: »Ich bremse auch für Tiere« – welchen ich für einen der blödesten Aufkleber auf Deuschlands Heckscheiben halte.

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Was mir hierbei etwas zu kurz kommt: es gibt ja nicht nur die eigenen Werte, nach denen ich VERSUCHE zu leben.

Nein auch jede Gesellschaft, jedes Gesellschaftssystem sollte auf bleibenden und sich wandelnden Werten aufbauen -  sollte versuchen, Menschen aufzufangen, sozial zu denken und zu handeln,  Gerechtigkeit walten zu lassen, Humanismus auf ihre Fahnen schreiben ....

 

Damit dieses aber geschieht, ist unsere Stimme und unser Engagement gefragt - und der kleine Schritt beginnt, da habt ihr Recht, beim Umgang mit dem Nachbar; er sollte allerdings nicht dort enden !

 

ist jedenfalls meine Meinung,

Gruß,

john

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Liebe Lissie,

 

"Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu."

 

Das wäre so meine "Minimal"- Wertevorstellung. Aber selbst der werde ich bei weitem nicht immer gerecht.

 

Wenn ich so den Werte-"Wandel" in meinem eigenen Leben betrachte, muß ich feststellen, dass ich im Laufe der Zeit weniger "fundamentalistisch" werde. Zumindest versuche ich meistens, zu verstehen, warum andere Menschen andere Wertvorstellungen haben.

 

In dem Zusammenhang fallen mir folgende Bibelworte ein:

Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen.

 

Boooo!

 

Es hat irgendetwas Überwältigendes an sich, diesen Wert als Maxime zu setzen.  

Obwohl ich nicht glaube, das ich über eine

"Entfeindungsliebe" hinauskommen würde.

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>>Besonders von konservativer Seite ist immer da, wo die "alten" Werte entthront werden, gerne die Rede von einem Werteverfall , während progressiver Eingestellte

lieber von  einem Wertewandel  sprechen.<<

 

Beides ist falsch. Es gibt weder das eine noch das andere!  

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Guest Ketelhohn

Weltanschauer, weltanschaulich, Weltanschauung! Hm. Kant ist tot. Ich rate, diese Wortschöpfung, so international sie sich auch über die Grenzen deutscher Zunge hinaus verbreitet hat, ihrem Schöpfer zuzugesellen.

»Vor Zeiten war ein jeder Esel auf seine Faust und ließ die Welt in Frieden; jetzt dagegen hält man sich für ‘gebildet’, flickt eine ‘Weltanschauung’ zusammen und predigt auf die Nebenmenschen los« (Jacob Burckhardt).

 

Ähnlich ist’s mit dem „Wert“, besonders wenn er plural daherkommt. Wir jagen Werten hinterher, türmen sie auf, schlagen uns mit ihnen die Schädel ein, zimmern uns Ethik um Ethik auf Weltethos komm raus. Nie war die Welt so ethisch wie heute. Doch ob sie auch besser sei als je, vor dieser Frage müssen wir erblassen. Vor lauter Werten sehen wir das Wahre, Gute und Schöne nicht mehr.

 

Scheler, der die Wertphilosophie als moralischen Pflock ins Fleisch des kantisch-ethischen Formalismus schlug, hat dies Eigentliche auch nicht zurückgewinnen können, im Gegenteil: Er hat das Sein unter Werten begraben. Nicht umsonst sieht der größte Moralist unserer Tage, der gegenwärtige Bischof von Rom, sich in der philosophischen Tradition Schelers.

 

Erblicke ich also, wie die Eingangsfrage mutmaßt, bei Anschauung der heutigen Welt einen „Werteverfall“? – Verfall gewiß: Verfall der Kultur, Verfall des Geistes, Verfall des Menschen selbst. Niedergang auch der Ehrfurcht vor Gott. Aber Werte? Werte messe ich. Werte können hoch und niedrig sein, groß und gering, in allen nur möglichen Abstufungen.

 

Das Sein, das Wesentliche, das Wahre, Gute und Schöne, kennt solche Stufung nicht. Hier gilt Gut und Böse, recht und schlecht, richtig und falsch. Werte sind bestenfalls Schall und Rauch. Zum System modelliert, mutieren sie zum Zwangskorsett des Denkens und des Handelns. Was zählt, sind Fakten. Das, was ist.

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Nie war die Welt so ethisch wie heute. Doch ob sie auch besser sei als je, vor dieser Frage müssen wir erblassen.

 

Ich finde es schon gut, dass ich anderer Meinung sein darf, ohne dafür im Kerker zu landen.  Das war nicht immer so und das ist noch nicht überall auf der Welt so.

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Da hat er mal Recht. Ich kann diesem Gerede über Werte auch nicht viel abgewinnen. Gibt es, anlalog zu Lafontaines Tugendbegriff auch Primär- und Sekundärwerte?

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Ich muss immer mit zwei Werten hantieren... Schweizer Franken und Euro. Das ist jedes mal ein Wertewandel...

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Also bitte, Herrschaften!

 

Auf lissies Frage gibt es konkrete Antworten.

 

Die der Aufklärung lautet:

 

(1) Werte sind in ihrem Kern nichts anderes als ethische Forderungen, die an uns gestellt werden.

 

(2) Und da Forderungen nur von Menschen gestellt werden können, sind Werte Gegenstände des Interessenabgleichs zwischen Menschen.

 

 

 

Nun hat die Aufklärung festgesetzt, daß kein Mensch von einem Anderen etwas per se und ohne Gegenleistung fordern darf, sondern daß jede berechtigte Forderung grundsätzlich aus einem Konsens, einer Kooperation heraus entsteht, bei der alle Seiten im Maße ihrer jeweiligen Verbindlichkeit Nutzen ziehen. (Symmetrismus) Andernfalls ist eine Forderung nichtig und für niemanden auch nur in irgendeiner Weise verbindlich.

 

Und da christliche Werte exakt in diesem Sinne Forderungen per se sind, sind christliche Werte nichtig und für niemanden auch nur in irgendeiner Weise verbindlich.

 

Und somit obsolet.

 

Als Ersatz für christliche Werte empfehlen sich vernünftige Kriterien wie beispielsweise der Nutzenaspekt. Hierbei soll jenes als Wert gelten, was nach Abwägung aller Interessen mehr Nutzen verschafft, wobei das notwendige Merkmal, daß alle Seiten gleichermaßen verbindlich wie beteiligt sein müssen, zum Symmetristischen Utilitarismus führt.

 

 

 

Trilobit

 

 

 

 

-----

Der Symmetristische Utilitarismus ist die einzige folgerichtige Ethik aller materialistischen Weltanschauungen und somit die einzige berechtigte Ethik überhaupt.

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Das sieht für mich etwas unschlüssig aus:

 

1. Warum sind Werte nur Forderungen?

2. Die Aufklärung soll festgesetzt haben, dass kein Mensch etwas ohne Gegenleistung fordern darf. Wie kommst du denn darauf?

3. Warum sind christliche Werte Forderungen per se?

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mach dir nichts draus, trilo ist etwas einfach gestrickt(lat. primitiv ??). es tut ihm aber nicht weh, deshalb brauchst du ihn auch nicht zu bedauern.

 

utilitarismus

<<philosophische Richtung, die das Kriterium der Nützlichkeit zur Grundlage sittlichen Verhaltens erklärt und ihr  Wertsystem am Nutzen ausrichtet, den menschliches Handeln für den Einzelnen und die Gemeinschaft hat. Utilitaristisches Denken liefert u.a. die ethische Begründung für einseitig ökonomisch ausgerichtete gesellschaftliche Interessen und wird deshalb von vielen als Bedrohung für behinderte, alte und chronisch kranke Menschen empfunden.>>

 

es ist wohl ein konsequentes nutzendenken, aber was nützt uns trilo? doch, er dient als schlechtes beispiel.

 

gruss helmut

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Sicher, Trilo, aber Aussagen sind entweder richtig oder unrichtig. Deine von mir angesprochenen sind eindeutig unrichtig. Daher hätte mich interessiert, wie du sie begündest.

 

Falls deine Aussage tatsächlich nur Eingeweihten verständlich sind, ziehe ich meine Fragen aber gerne zurück.

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