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Pastores dabo vobis


Chrysologus
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Lieber Flo,

 

 

Oder umgekehrt kann jeder das Blasen seines Nachbarn als das Wehen des Heiligen Geistes interpretieren.....

Der HEILIGE GEIST GOTTES "weht" nicht - ER gibt Informationen mittels Inspiration.

 

Du übersiehst:

Der HEILIGE GEIST teilt SICH jedem Menschen mit, der IHM zuhören will.

 

Der nachdenkliche Mensch dem von Eingebungen des HEILIGEN GEISTES berichtet wird, macht sich folglich auf, um den HEILIGEN GEIST GOTTES selbst zum Thema zu befragen.

 

Wer sich auf Menschen beruft die über Eingebungen des HEILIGEN GEISTES berichten, macht einen schweren Fehler.

Jeder Mensch kann sich nur auf die eigenen Inspirationen berufen.

 

 

Gruß

josef

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Im heitigen Abschnitt überascht mich zweierlei:


  1. ...
  2. Auch die Aktivitäten der Jugend in der Kirche werden als von den Jugendlichen selbst ausgehend geschildert, es sind ihre Erahrungen Gottes und der Kirche, die sie zum Handlen drängen. Kein Lehramt, keine Autorität und kein Vorbild werden als Ursachen genannt. Auch das ist erstaunlich.

Ist jetzt wichtig , dass der Papst jetzt PC spricht oder ob das, was da geschildert wird, realistisch ist?

 

Also 9. kommt mir wieder wie Wunschdenken vor. Da war einer auf allzu vielen Weltjugendtagen....

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Chrysologus
Im heitigen Abschnitt überascht mich zweierlei:


  1. ...
  2. Auch die Aktivitäten der Jugend in der Kirche werden als von den Jugendlichen selbst ausgehend geschildert, es sind ihre Erahrungen Gottes und der Kirche, die sie zum Handlen drängen. Kein Lehramt, keine Autorität und kein Vorbild werden als Ursachen genannt. Auch das ist erstaunlich.

Ist jetzt wichtig , dass der Papst jetzt PC spricht oder ob das, was da geschildert wird, realistisch ist?

 

Also 9. kommt mir wieder wie Wunschdenken vor. Da war einer auf allzu vielen Weltjugendtagen....

 

Ich halte das nicht für PC - es ist eine interessante und durchaus nicht unrealistische Einschätzung, auch wenn sie nicht auf alle Jugendlichen zutrifft.

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Bibliothekar

10. Die komplexe Situation unserer Zeit, die wir sozusagen im Schnellverfahren durch Hinweise anhand von Beispielen umrissen haben, verlangt, sie nicht nur zu kennen, sondern auch und vor allem zu deuten. Nur so wird es möglich sein, eine angemessene Antwort auf die grundlegende Frage zu geben: Wie sind Priester auszubilden, die wirklich auf der Höhe dieser Zeit stehen und imstande sein sollen, die Welt von heute zu evangelisieren?

 

Die Kenntnis der Situation ist wichtig. Eine bloße Datenerhebung genügt nicht, es bedarf einer "wissenschaftlichen". Untersuchung, auf deren Grundlage dann eine genaue und konkrete Beschreibung der tatsächlichen soziokulturellen und kirchlichen Verhältnisse vorgenommen werden kann.

 

Noch wichtiger aber ist die Deutung der Situation. Sie wird gefordert von der Ambivalenz und bisweilen Widersprüchlichkeit, von der die Lage gekennzeichnet ist, findet man doch hier tief miteinander verflochten Schwierigkeiten und Erfolge, negative Elemente und manchen Grund zur Hoffnung, Behinderungen und Aufgeschlossenheit, wie auf dem Acker im Evangelium, wo guter Same und Unkraut gesät worden waren und miteinander wuchsen" (vgl. Mt 13,24ff.).

 

Die Deutung, die zu unterscheiden wissen soll zwischen Gut und Böse, zwischen Hoffnungszeichen und Bedrohungen, ist nicht immer leicht. Bei der Priesterausbildung handelt es sich nicht einfach darum, die positiven Faktoren anzunehmen und sich den negativen frontal zu widersetzen. Es geht darum, gerade bei den positiven Faktoren eine sorgfältige Gewichtung vorzunehmen, damit sie sich nicht voneinander absondern und durch ihre Verabsolutierung und gegenseitige Bekämpfung in Gegensatz zueinander geraten. Dasselbe gilt von den negativen Faktoren, sie dürfen nicht pauschal und unterschiedslos zurückgewiesen werden, denn in jedem von ihnen kann irgendein Wert verborgen sein, der darauf wartet, freigelegt und wieder zu seiner vollen Wahrheit gebracht zu werden.

 

Der Gläubige findet für die Deutung der geschichtlichen Situation das Erkenntnisprinzip und das Kriterium der konkreten Vollzugsentscheidung in einer neuen und originellen Wirklichkeit, das heißt in der Unterscheidung anhand des Evangeliums; diese Deutung erfolgt im Licht und in der Kraft des Evangeliums, des lebendigen und persönlichen Evangeliums, das Jesus Christus ist, und mit der Gabe des Heiligen Geistes. So erfaßt die Unterscheidung am Maßstab des Evangeliums in der geschichtlichen Situation mit ihren Wechselfällen und Bedingtheiten nicht einfach eine präzis feststellbare "Sachlage", der gegenüber man gleichgültig oder passiv bleiben könnte, sondern sie enthält eine "Aufgabe", eine Herausforderung zur verantwortungsvollen Freiheit des Menschen, sowohl des einzelnen wie der Gemeinschaft. Es ist eine "Herausforderung", die sich mit einem "Anruf" verbindet, den Gott gerade in dieser geschichtlichen Situation vernehmen läßt. Auch in ihr und durch sie ruft Gott den Glaubenden und vorher schon die Kirche auf, daran mitzuwirken, daß "das Evangelium der Berufung und des Priestertums" auch unter den veränderten Lebensumständen seine ewige Wahrheit zum Ausdruck bringt. Auch auf die Priesterausbildung sollen die Worte des Il. Vatikanischen Konzils angewandt werden: "Der Kirche obliegt allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben. Es gilt also, die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen".

 

Diese Unterscheidung nach dem Evangelium gründet sich auf das Vertrauen in die Liebe Jesu Christi, der sich stets unermüdlich seiner Kirche annimmt (vgl. Eph 5,29), und der Herr und Meister, Schlüssel zum Himmelreich, Mittelpunkt und Ziel der gesamten Menschheitsgeschichte ist. Diese Unterscheidung lebt vom Licht und von der Kraft des Heiligen Geistes, der überall und in jeder Situation den Gehorsam des Glaubens, den freudigen Mut zur Nachfolge Jesu sowie die Gabe der Weisheit weckt, die alles beurteilt selbst aber von niemandem beurteilt werden kann (vgl. 1 Kor 2,15), weil sie auf der Treue des Vaters zu seinen Verheißungen gründet.

 

So spürt die Kirche, daß sie imstande ist, sich mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen dieser neuen Epoche unserer Geschichte auseinanderzusetzen und auch für die Gegenwart und Zukunft Priester zu gewährleisten, die so gut ausgebildet sind, daß sie überzeugte, leidenschaftliche Träger der "Neu-Evangelisierung", treue und hochherzige Diener Jesu Christi und der Menschen sind.

 

Wir verhehlen uns keineswegs die Schwierigkeiten. Sie sind weder gering noch leicht. Aber um sie zu überwinden, gibt es unsere Hoffnung, unseren Glauben an die unfehlbare Liebe Christi, unsere Gewißheit, daß für das Leben der Kirche und der Welt der priesterliche Dienst unersetzlich ist.

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Bibliothekar

KAPITEL II

 

DER HERR HAT MICH GESALBT UND GESANDT

Wesen und Sendung des Priesteramtes

 

11. "Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet" (Lk 4,20). Was der Evangelist Lukas von denen sagt, die an jenem Sabbat in der Synagoge von Nazaret anwesend waren und die Darlegung Jesu über die von ihm vorgelesene Stelle aus dem Buch des Propheten Jesaja hörten, läßt sich auf alle Christen anwenden, die ja zu allen Zeiten berufen sind, in Jesus von Nazaret die endgültige Erfüllung der prophetischen Botschaft zu erkennen: "Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt" (Lk 4,21). Dieses "Schriftwort" lautete: "Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe" (Lk 4,18-19; vgl. Jes 61,1-2). Jesus stellt sich also selbst als den vor, der vom Geist erfüllt ist, den "der Herr gesalbt hat", den "er gesandt hat, damit er den Armen eine gute Nachricht bringe": Er ist der Messias, der Messias, der Priester, Prophet und König ist.

 

Auf dieses Antlitz Christi sollen die Augen des Glaubens und der Liebe der Christen gerichtet sein. Ausgehend von dieser "Betrachtung" und unter Bezugnahme auf sie haben die Synodenväter über das Problem der Priesterausbildung unter den heutigen Lebensbedingungen nachgedacht. Eine Antwort kann dieses Problem nicht ohne eine vorausgehende Reflexion über das Ziel, auf das der Ausbildungsweg hingeordnet sein soll, erfahren: Und das Ziel ist das Priesteramt, genauer der Dienst des Priesters als Teilhabe am Priestertum Jesu Christi in der Kirche. Das Wissen um das Wesen und die Sendung des priesterlichen Dienstamtes ist die unverzichtbare Voraussetzung und zugleich die sicherste Führung und der entschiedenste Ansporn, um in der Kirche den pastoralen Einsatz für die Förderung und das Erkennen der Priesterberufe und für die Ausbildung der bereits zum geweihten Amt Berufenen zur Entfaltung zu bringen.

 

Die richtige und gründliche Kenntnis vom Wesen und der Sendung des priesterlichen Dienstamtes ist der Weg, den man geben muß - und den die Synode tatsächlich gegangen ist - um aus der Krise um die Identität des Priesters herauszufinden: "Diese Krise war" - so sagte ich zum Abschluß der Synode - "in den Jahren unmittelbar nach dem Konzil entstanden. Sie hatte ihren Grund in einem irrigen, zuweilen sogar bewußt tendenziösen Verständnis der Lehre des Konzils. Hier liegt ohne Zweifel auch eine der Ursachen für die große Zahl von Verlusten, die die Kirche damals erlitt, Verluste, die den pastoralen Dienst und die Berufungen zum Priestertum, besonders die missionarischen Berufungen schwer getroffen haben. Es scheint, als wäre es der Synode von 1990 gelungen, nach diesen schmerzlichen Verlusten neue Hoffnung einzuflößen, indem sie durch so viele Beiträge, die wir in dieser Aula gehört haben, die priesterliche Identität in ihrer ganzen Tiefe wiederentdecken half. Diese Beiträge haben das Bewußtsein von der spezifischen ontologischen Verbundenheit des Priesters mit Christus, dem Hohenpriester und Guten Hirten, deutlich gemacht. Diese Identität liegt dem Wesen der Ausbildung zugrunde, die im Blick auf das Priestertum und damit das ganze Priesterleben hindurch erfolgen muß. Das war der eigentliche Zweck der Synode".

 

Deshalb hat es die Synode für notwendig gehalten, in zusammenfassender und grundlegender Weise das Wesen und die Sendung des Weihepriestertums so in Erinnerung zu rufen, wie sie der Glaube der Kirche durch die Jahrhunderte ihrer Geschichte anerkannt und das II. Vatikanische Konzil den Menschen unserer Zeit wieder vor Augen gestellt hat.

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Bibliothekar

12. "Die priesterliche Identität", - schrieben die Synodenväter, "hat wie jede christliche Identität ihren Ursprung in der göttlichen Trinität", die sich den Menschen in Christus offenbart und selbst mitteilt, indem sie in ihm und durch den Geist die Kirche als "Keim und Anfang des Reiches" darstellt. Das Apostolische Schreiben Christifideles laici stellt in einer Zusammenfassung der Konzilslehre die Kirche als Mysterium, Communio und Missio vor. Sie "ist Geheimnis, weil die Liebe und das Leben des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes die völlig unverdienten Gaben sind für alle, die aus dem Wasser und dem Geist geboren (vgl. Job 3,5), die berufen sind, die Communio Gottes selbst zu leben, zu bezeugen und in der Geschichte anderen mitzuteilen (Sendung)".

 

Innerhalb des Mysteriums der Kirche als Geheimnis trinitarischer Gemeinschaft in missionarischer Spannung offenbart sich jede christliche Identität und somit auch die spezifische Identität des Priesters und seines Dienstes. Denn der Priester ist kraft seiner sakramentalen Weihe vom Vater gesandt durch Jesus Christus, dem Haupt und Hirten seines Volkes. Ihm ist er in besonderer Weise nachgestaltet, um in der Kraft des Heiligen Geistes im Dienst der Kirche und zum Heil der Welt zu leben und zu wirken.

 

Man kann die im wesentlichen "relationale" Kennzeichnung der Identität des Priesters so verstehen: Durch das Priestertum, das der Tiefe des unaussprechlichen Geheimnisses Gottes, das heißt der Liebe des Vaters, der Gnade Jesu Christi und der Gabe der Einheit des Heiligen Geistes, entspringt, ist der Priester sakramental in die Gemeinschaft mit dem Bischof und mit den anderen Priestern eingebunden, um dem Volk Gottes, das die Kirche ist, zu dienen und alle zu Christus hinzuführen, dem Gebet des Herrn entsprechend: "Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir ... Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast" (Joh 17,11.12).

 

Man kann also das Wesen und die Sendung des Priestertums des Dienstes nur in diesem vielfältigen und reichen Zusammenspiel von Beziehungen bestimmen, die aus der innergöttlichen Trinität kommen und sich in die Gemeinschaft der Kirche, als Zeichen und Werkzeug in Christus für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit, hinein fortsetzen. Auf diese Weise wird die Communio-Ekklesiologie entscheidend, um die Identität des Priesters, seine eigenständige Würde, seine Berufung und Sendung im Volk Gottes und in der Welt zu begreifen. Der Bezug auf die Kirche ist deshalb bei der Bestimmung der Identität des Priesters zwar notwendig, aber nicht vorrangig. Als Geheimnis ist die Kirche wesentlich auf Jesus Christus bezogen. Sie ist in der Tat eine Fülle, sein Leib, seine Braut. Sie ist das lebendige "Zeichen" und "Erinnerungsbuch" seiner ständigen Gegenwart und seines Wirkens unter uns und für uns. Der Priester findet die volle Wahrheit seiner Identität darin, sich von Christus herzuleiten, in besonderer Weise an Christus teilzuhaben und eine Weiterführung Christi, des einzigen Hohenpriesters des neuen und ewigen Bundes, zu sein: Er ist ein lebendiges und transparentes Abbild des, Priesters Christus. Das Priestertum Christi, Ausdruck der absoluten "Neuigkeit" der Heilsgeschichte, stellt den einzigen Ursprung und das unersetzliche Modell für das Priestertum des Gläubigen und im besonderen des geweihten Priesters dar. Der Bezug auf Christus ist also der absolut notwendige Schlüssel für das Verständnis aller Dimensionen priesterlicher Wirklichkeit.

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Chrysologus

Das Priestertum Christi, Ausdruck der absoluten "Neuigkeit" der Heilsgeschichte, stellt den einzigen Ursprung und das unersetzliche Modell für das Priestertum des Gläubigen und im besonderen des geweihten Priesters dar. Der Bezug auf Christus ist also der absolut notwendige Schlüssel für das Verständnis aller Dimensionen priesterlicher Wirklichkeit.

Der geweihte Priester als eine Art Spezialfall des priesterlichen Gläubigen, damit sind "alle Dimensionen priesterlicher Wirklichkeit" auf alle Gläubigen zu beziehen.

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Bibliothekar

13. Jesus Christus hat in sich selbst das vollkommene und endgültige Wesen des Priestertums des Neuen Bundes geoffenbart: Er hat es während seines ganzen Erdenlebens getan, aber vor allem in dem zentralen Geschehen seines Leidens und Sterbens und seiner Auferstehung.

 

Wie der Verfasser des Hebräerbriefes schreibt, ist Jesus, der Mensch ist wie wir und zugleich der eingeborene Sohn Gottes, in seinem Wesen vollkommener Mittler zwischen dem Vater und der Menschheit (vgl. Hebr 8-9), der uns durch die Gabe des Geistes den unmittelbaren Zugang zu Gott erschließt: ,Gott sandte den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater!" (Gal 4,6; vgl. Röm 8,15).

 

Zur vollen Verwirklichung bringt Jesus sein Wesen als Mittler durch die Selbsthingabe am Kreuz, mit der er uns ein für allemal den Zugang zum himmlischen Heiligtum, zum Haus des Vaters eröffnet (vgl. Hebr 9,24-28). Im Vergleich mit Jesus erscheinen Mose und alle "Mittler" des Alten Testaments zwischen Gott und seinem Volk - die Könige, Priester und Propheten - nur wie "Vorausbilder" und "ein Schatten der künftigen Güter", nicht wie "die Gestalt der Dinge selbst" (vgl. Hebr 10,1).

 

Jesus ist der angekündigte gute Hirt (vgl. Ez 34), der seine Schafe kennt, der sein Leben für sie hingibt und der alle sammeln will, sodaß es nur eine Herde und einen Hirten geben wird (vgl. Joh 10,10-16). Der Hirt ist gekommen, "nicht um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen" (Mt 20,28); der Hirt, der im österlichen Geschehen der Fußwaschung (vgl. Joh 13,1-20) den Seinen das Vorbild des Dienstes hinterläßt, wie sie ihn aneinander vollziehen sollen, und der sich freiwillig als "unschuldiges Lamm" hingibt, das um unserer Erlösung willen geschlachtet wird (vgl. Joh 1,36; Offb 5,6.12).

 

Durch das einzigartige und endgültige Opfer am Kreuz überträgt Jesus allen seinen Jüngern die Würde und Sendung von Priestern des neuen und ewigen Bundes. So erfüllt sich Gottes Verheißung an Israel: "Ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören" (Ex 19,6). Das ganze Volk des Neuen Bundes - schreibt der hl. Petrus - soll als "ein geistiges Haus" "zu einer heiligen Priesterschaft" aufgebaut werden, "um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen" (1 Petr 2,5). Die Getauften sind die "lebendigen Steine", die das geistige Haus aufbauen, indem sie sich um Christus, den "lebendigen Stein, der ... von Gott auserwählt und geehrt worden ist", zusammenschließen (1 Petr 2,4-5). Die Kirche als das neue priesterliche Volk hat nicht nur in Christus ihr authentisches Bild, sondern empfängt von ihm auch eine wirkliche, ontologische Teilhabe an seinem ewigen und einzigen Priestertum, dem sie sich mit ihrem ganzen Leben anpassen soll.

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Bibliothekar

14. Im Dienste dieses universalen Priestertums des Neuen Bundes ruft Jesus im Laufe seiner irdischen Heilssendung einige Jünger zu sich (vgl. Lk 10,1-12), und mit einem besonderen und glaubwürdigen Auftrag beruft und bestellt er die Zwölf, "die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte, damit sie predigten und mit seiner Vollmacht Dämonen austrieben" (Mk 3,14-15).

 

Deshalb überträgt Jesus schon während seines öffentlichen Wirkens (vgl. Mt 16,18) und dann in vollem Ausmaß nach seinem Tod und seiner Auferstehung (vgl. Mt 28,16-20; Joh 20;21) Petrus und den Zwölf ganz besondere Vollmachten gegenüber der künftigen Gemeinde und für die Evangelisierung aller Völker. Nachdem er sie zu seiner Nachfolge berufen hat, behält er sie bei sich und lebt mit ihnen, wobei er ihnen durch Wort und Beispiel seine Heilslehre mitteilt, und sendet sie schließlich zu allen Menschen. Für die Erfüllung dieses Auftrags überträgt Jesus den Aposteln kraft einer besonderen österlichen Ausgießung des Heiligen Geistes eben die messianische Vollmacht, die ihm vom Vater zukommt und die ihm mit der Auferstehung voll übertragen worden ist: "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,18-20).

 

Jesus stellt so eine enge Verbindung her zwischen dem Dienst, der den Aposteln anvertraut wurde, und seiner eigenen Sendung: "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat" (Mt 10,40); "Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat" (Lk 10,16). ja, das vierte Evangelium bekräftigt im Lichte des Ostergeschehens des Todes und der Auferstehung kraftvoll und klar: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Joh 20,21; vgl. 130; 17,18). Wie Jesus einen Auftrag hat, der ihm direkt von Gott zukommt und, der die Autorität Gottes selbst konkretisiert (vgl. Mt 7,29; 21,23; Mk 1,27; 11,28; Lk 20,2; 24,19), so haben die Apostel einen Auftrag, der ihnen von Jesus zukommt. Und wie "der Sohn nichts von sich aus tun kann" (Job 5,19), also seine Lehre nicht von ihm stammt, sondern von dem, der ihn gesandt hat (vgl. Job 7,16), so sagt Jesus zu den Aposteln: "Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen" (Joh 15,5): Ihre Sendung kommt nicht von ihnen, sondern ist dieselbe wie die Sendung Jesu. Und das ist nicht aus menschlicher Kraft möglich, sondern durch die "Gabe" Christi und seines Geistes, mithin durch das "Sakrament": "Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Job 20,22-23). Also nicht aus irgendeinem besonderen eigenen Verdienst, sondern einzig und allein durch die unverdiente Teilhabe an der Gnade Christi setzen die Apostel die Heilssendung Christi für die Menschen in der Geschichte fort bis ans Ende der Zeiten.

 

Zeichen und Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit und Fruchtbarkeit dieser Sendung ist die Einheit der Apostel mit Jesus und in ihm untereinander und mit dem Vater, wie das hohepriesterliche Gebet des Herrn, die Synthese seiner Sendung, bezeugt (vgl. Joh 17,20-23).

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Bibliothekar

15. Die vom Herrn eingesetzten Apostel werden ihrerseits nach und nach ihre Sendung dadurch erfüllen, daß sie in verschiedenen, im letzten aber übereinstimmenden Formen andere Männer als Bischöfe, Presbyter und Diakone berufen, um den Auftrag des auferstandenen Jesus zu erfüllen, der sie zu allen Menschen aller Zeiten gesandt hat.

 

Das Neue Testament betont eindeutig, daß es der Geist Christi selbst ist, der diese von den Brüdern ausgewählten Männer in ihren priesterlichen Dienst einführt. Durch die Geste der Handauflegung (vgl. Apg 6,6; 1 Tim 4,14; 5,22; 2 Tim 1,6), die die Gabe des Geistes weitergibt, werden sie dazu berufen und befähigt, den Dienst der Versöhnung, der wachsamen Sorge für die Herde Gottes und der Verkündigung fortzusetzen (vgl. Apg 20,28; 1 Petr 5,2).

 

Darum sind die Priester aufgerufen, die Gegenwart Christi, des einen Hohepriesters, dadurch fortzusetzen, daß sie seinen Lebensstil mit ihrem Leben bezeugen und in der ihnen anvertrauten Herde gleichsam an sich selbst transparent werden lassen. Sehr klar und deutlich wird dies im ersten Petrusbrief umschrieben: "Eure Ältesten ermahne ich, da ich ein Ältester bin wie sie und ein Zeuge der Leiden Christi und auch an der Herrlichkeit teilhaben soll, die sich offenbaren wird: Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde! Wenn dann der oberste Hirte erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen" (1 Petr 5,1-4).

 

Die Priester sind in der Kirche und für die Kirche eine sakramentale Vergegenwärtigung Jesu Christi, des Hauptes und Hirten; sie verkünden mit Vollmacht sein Wort, sie wiederholen sein vergebendes Wirken und sein umfassendes Heilsangebot, vor allem durch die Taufe, die Buße und die Eucharistie, sie sorgen wie er liebevoll bis zur völligen Selbsthingabe für die Herde, die sie in der Einheit sammeln und durch Christus im Geist zum Vater führen. Mit einem Wort, die Priester leben und handeln für die Verkündigung des Evangeliums an die Welt und für den Aufbau der Kirche im Namen und in der Person Christi, des Hauptes und Hirten.

 

Auf diese typische, spezifische Art und Weise nehmen die geweihten Diener an dem einen Priestertum Christi teil. Der Heilige Geist gestaltet sie durch die sakramentale Salbung auf eine neue und spezifische Weise Christus nach, dem Haupt und Hirten, er formt und beseelt sie mit der Hirtenliebe Christi und versetzt sie in der Kirche in die wirkmächtige Lebensaufgabe von Dienern an der Verkündigung des Evangeliums für alle Geschöpfe und Dienern an der Fülle des christlichen Lebens aller Getauften.

 

Die Wahrheit über den Priester, wie sie aus dem Wort Gottes, das heißt aus Jesus Christus selbst und aus seinem Gründungsplan für die Kirche hervorgeht, wird von der Liturgie in der Präfation der Chrisammesse mit Freude und Dankbarkeit besungen: "Du hast deinen eingeborenen Sohn gesalbt mit dem Heiligen Geist und ihn bestellt zum Hohenpriester des neuen und ewigen Bundes; du hast bestimmt, daß dieses eine Priestertum fortlebe in deiner Kirche. Denn Christus hat dein ganzes Volk ausgezeichnet mit der Würde seines königlichen Priestertums, aus ihm hat er 1 in brüderlicher Liebe Menschen erwählt, die durch Auflegen der Hände teilhaben an seinem priesterlichen Dienste.

 

In seinem Namen feiern sie immer neu das Opfer, durch das er die Menschen erlöst hat, und bereiten deinen Kindern das Ostermahl. Sie dienen deinem Volk in Werken der Liebe, sie nähren es durch das Wort und stärken es durch die Sakramente. Ihr Leben sollen sie einsetzen für dich und das Heil der Menschen, dem Vorbild Christi folgen und ihre Liebe und ihren Glauben in Treue bezeugen." (Aus: Meßbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch, 1975.)

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Bibliothekar

16. Die grundlegende Beziehung für den Priester ist die zu Jesus Christus, dem Haupt und Hirten: Denn er hat in spezifischer und wirkmächtiger Weise Anteil erhalten an der "Weihe", Salbung und "Sendung" Christi (vgl. Lk 4,18f.). Aber eng verflochten mit dieser Beziehung ist die Beziehung zur Kirche. Es handelt sich nicht einfach um von außen her zusammengeführte "Beziehungen", sondern sie sind in einer Art gegenseitiger Immanenz aus sich heraus miteinander verbunden. Die Beziehung zur Kirche gehört eben zu der einzigartigen Beziehung des Priesters zu Christus, und zwar in dem Sinne, daß die "sakramentale Vergegenwärtigung" Christi die Beziehung des Priesters zur Kirche begründet und beseelt.

 

In diesem Sinne haben die Synodenväter geschrieben: "Insofern er Christus als Haupt, Hirten und Bräutigam der Kirche repräsentiert, steht der Priester nicht nur in der Kirche, sondern auch der Kirche gegenüber. Das Priestertum gehört zusammen mit dem Wort Gottes und den sakramentalen Zeichen, denen es dient, zu den konstitutiven Elementen der Kirche. Der Dienst des Priesters ist ganz für die Kirche da; der Priester soll die Ausübung des gemeinsamen Priestertums des ganzen Gottesvolkes fördern; er ist nicht nur für die Ortskirche, sondern auch für die Gesamtkirche bestellt (vgl. Presbyterorum ordinis, 10), in Gemeinschaft mit dem Bischof, mit Petrus und unter Perus. Durch das Priestertum des Bischofs ist das Priestertum zweiter Ordnung in die apostolische Struktur der Kirche eingebunden. So tritt der Priester wie der Apostel als Gesandter an Christi Statt auf (vgl. 2 Kor 5,20). Darauf gründet sich der missionarische Wesenszug jedes Priesters.

 

Das geweihte Amt entsteht also mit der Kirche und hat in den Bischöfen und, in Beziehung und Gemeinschaft mit ihnen, in den Priestern einen besonderen Bezug zu dem ursprünglichen Dienst der Apostel, in dessen "Nachfolge" es wirklich steht, auch wenn es im Vergleich zu ihm ganz verschiedene Existenzformen annimmt.

 

Man darf also nicht meinen, es gäbe das Weihepriestertum früher als die Kirche, denn es steht völlig im Dienst eben dieser Kirche; aber ebensowenig darf man es später als die kirchliche Gemeinschaft ansetzen, so als könnte deren Gründung ohne das Priestertum verstanden werden.

 

Die Beziehung des Priester zu Jesus Christus und in ihm zu seiner Kirche liegt in der Existenz des Priesters selbst aufgrund seiner sakramentalen Weihe bzw. Salbung und in seinem Tun, das heißt in seiner Sendung bzw. seinem Dienst. Im besonderen "ist der Priester Diener des in der Kirche - in Form von Mysterium, Communio und Missio - gegenwärtigen Christus. Dadurch, daß er Anteil erhalten hat an der, Salbung und, Sendung Christi, kann er dessen Gebet, Wort, Opfer und Heilswirken in die Kirche hinein übersetzen. Er ist also Diener der Kirche als Geheimnis, weil er die kirchlichen und sakramentalen Zeichen der Gegenwart des auferstandenen Christus gegenwärtig setzt. Er ist Diener der Kirche als Gemeinschaft, weil er -verbunden mit dem Bischof und in enger Beziehung zum Presbyterium - Im Zusammenführen der verschiedenen Berufungen, Charismen und Dienste die Einheit der kirchlichen Gemeinschaft aufbaut. Und er ist schließlich Diener der Kirche als Sendung, weil er die Glaubensgemeinschaft zur Verkünderin und Zeugin der frohen Botschaft aufbaut.

 

So erscheint der Priester in seinem eigentlichen Wesen und in seiner sakramentalen Sendung innerhalb der Struktur der Kirche als Zeichen für den absoluten Vorrang und die Unentgeltlichkeit der Gnade, die der Kirche vom auferstandenen Christus als Geschenk zuteil wird. Durch das Weihepriestertum wird sich die Kirche im Glauben bewußt, daß sie ihr Sein nicht sich selbst, sondern der Gnade Christi im Heiligen Geist verdankt. Die Apostel und ihre Nachfolger stehen als Inhaber einer Vollmacht, die ihnen von Christus, dem Haupt und Hirten, zukommt, mit ihrem Dienst der Kirche gegenüber, als sichtbare Fortsetzung und sakramentales Zeichen Christi, der die Kirche und der Welt als ewige und immer neue Heilsquelle gegenübersteht, er, "der die Kirche gerettet hat, denn sie ist sein Leib" (Eph 5,23).

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Bibliothekar

17. Das geweihte Amt kann aufgrund seiner Natur nur erfüllt werden, weil der Priester durch die sakramentale Einbeziehung in den Priesterstand mit Christus verbunden ist und sich somit in hierarchischer Gemeinschaft mit seinem Bischof befindet. Das geweihte Amt hat eine radikale "Gemeinschaftsform" und kann nur als "Gemeinschaftswerk" erfüllt werden. Mit diesem Gemeinschaftscharakter des Priestertums hat sich das Konzil lange beschäftigt, indem es das Verhältnis des Priesters zu seinem Bischof, zu den anderen Priestern und zu den gläubigen Laien jeweils eigens untersuchte.

 

Der Dienst der Priester ist vor allem verantwortungsvolle und notwendige Verbundenheit und Mitarbeit am Dienst des Bischofs in der Sorge um die Universalkirche und um die einzelnen Teilkirchen; für den Dienst an ihnen bilden sie zusammen mit dem Bischof ein einziges Presbyterium.

 

Jeder Priester, ob Welt- oder Ordenspriester, ist mit den anderen Mitgliedern dieses Presbyteriums aufgrund des Weihesakraments durch besondere Bande der apostolischen Liebe, des Dienstes und der Brüderlichkeit verbunden. Denn alle Welt und Ordenspriester haben teil an dem einen Priestertum Christi, des Hauptes und Hirten, "sie arbeiten für das gleiche Anliegen, nämlich für den Aufbau des Leibes Christi, der vielfältige Tätigkeiten und vor allem in der heutigen Zeit Neuanpassungen erfordert" und im Laufe der Jahrhunderte mit immer neuen Charismen bereichert wird.

 

Schließlich stehen die Priester in einer positiven und anregenden Beziehung zu den Laien, denn ihre Gestalt und ihre Aufgabe in der Kirche ersetzen ja nicht das auf die Taufe zurückgehende gemeinsame Priestertum des ganzen Volkes Gottes, sondern fördern es, indem sie es zu seiner vollen kirchlichen Verwirklichung führen. Sie dienen dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe der Laien. Sie anerkennen und unterstützen als Brüder und Freunde die Würde der Kinder Gottes und helfen ihnen, ihre besondere Rolle im Rahmen der Sendung der Kirche voll auszuüben.

 

Das vom Weihesakrament übertragene Amtspriestertum und das gemeinsame oder "königliche" Priestertum der Gläubigen, die sich dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach unterscheiden. sind einander zugeordnet, stammen doch beide - in verschiedenen Formen - aus dem einen Priestertum Christi. Das Amtspriestertum bedeutet nämlich nicht an sich einen höheren Grad an Heiligkeit im Vergleich zum gemeinsamen Priestertum der Gläubigen; aber durch das Weihepriestertum wird den Priestern von Christus im Geist eine besondere Gabe verliehen, damit sie dem Volk Gottes helfen können, das ihm verliehene gemeinsame Priestertum getreu und vollständig auszuüben.

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Bibliothekar

18. Wie das Konzil unterstreicht, rüstet die Geistesgabe, die den Priestern in ihrer Weihe verliehen wurde, sie nicht für irgendeine begrenzte und eingeschränkte Sendung, sondern für die alles umfassende und universale Heilssendung bis an die Grenzen der Erde (Apg 1,8), denn jeder priesterliche Dienst hat teil an der weltweiten Sendung, die Christus den Aposteln aufgetragen hat". Aufgrund des Wesens ihres Dienstes sollen sie daher von einem tiefen missionarischen Geist und "von jener wahrhaft katholischen Geisteshaltung" durchdrungen und beseelt sein, die sie dazu befähigt, "über die Grenzen der eigenen Diözese, der Nation oder des Ritus zu blicken und für die Bedürfnisse der ganzen Kirche einzustehen, stets bereit, das Evangelium überall zu verkünden".

 

Außerdem soll der Priester, eben weil er innerhalb des Lebens der Kirche der Mann der Gemeinschaft ist, in der Beziehung zu allen Menschen der Mann der Sendung und des Dialogs sein. Tief verwurzelt in der Wahrheit und in der Liebe Christi und beseelt von dem Wunsch und dem Gebot, seine Heilsbotschaft allen zu verkünden, ist er dazu berufen, zu allen Menschen Beziehungen der Brüderlichkeit, des Dienstes, der gemeinsamen Wahrheitssuche, der Förderung von Gerechtigkeit und Frieden zu knüpfen. An erster Stelle zu den Brüdern und Schwestern der anderen christlichen Kirchen und Konfessionen; aber auch zu dem Gläubigen der anderen Religionen; zu den Menschen guten Willens und ganz besonders zu den Armen und Schwachen und zu allen, die sich, auch ohne es zu wissen oder zu äußern, nach der Wahrheit und nach dem Heil Christi sehnen, gemäß dem Wort Jesu, der gesagt hat: "Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken; ... ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten'' (Mk 2,17).

 

Insbesondere die vorrangige pastorale Aufgabe der Neu-Evangelisierung, die das ganze Volk Gottes betrifft und einen neuen Eifer, neue Methoden und eine neue Ausdruckskraft für die Verkündigung und das Zeugnis des Evangeliums fordert, verlangt heute Priester, die radikal und vollständig in das Geheimnis Christi eingetaucht und fähig sind, einen neuen, von der tiefen Verbundenheit mit dem Papst, den Bischöfen und untereinander und von einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit den gläubigen Laien gekennzeichneten pastoralen Lebensstil zu verwirklichen in der Achtung und Förderung der verschiedenen Rollen, Charismen und Dienste innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft.

 

"Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt" (Lk 4,21). Hören wir uns diese Worte Jesu noch einmal im Lichte des Weihepriestertums an, das wir in seinem Wesen und seiner Sendung dargelegt haben. Das "Heute", von dem Jesus spricht, weist auf die Zeit der Kirche hin, eben weil es zur Fülle der Zeit, das heißt der Zeit des vollen und endgültigen Heils, gehört und sie bestimmt. Die Salbung und die Sendung Christi, ausgedrückt in dem Schriftwort "Der Geist des Herrn ... hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe..." (Lk 4,18), sind die lebendige Wurzel, aus der die Weihe und die Sendung der "von Christus erfüllten'' (vgl. Eph 1,23) Kirche herauswachsen: Mit der Wiedergeburt in der Taufe ergießt sich auf alle Gläubigen der Geist des Herrn, der sie dafür weiht, ein geistiges Haus und eine heilige Priesterschaft aufzubauen, und sie aussendet, die großen Taten dessen zu verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat (vgl. 1 Petr 2,4-10). Der Priester hat an der Salbung und Sendung Christi in besonderer und wirkmächtiger Weise teil, nämlich durch das Weihesakrament, kraft dessen er in seinem Wesen Jesus Christus, dem Haupt und Hirten, gleichgestaltet wird und die Sendung teilt, im Namen und in der Person Christi selbst "den Armen eine gute Nachricht zu bringen".

 

In ihrer Schlußbotschaft haben die Synodenväter in wenigen, aber um so reicheren Worten die "Wahrheit", besser das "Geheimnis" und das "Geschenk" des Weihepriestertums so zusammengefaßt: "Unsere Identität hat ihre letzte Quelle in der Liebe des Vaters. Mit dem von ihm gesandten Sohn, dem Hohenpriester und Guten Hirten, sind wir durch das Weihepriestertum in der Kraft des Heiligen Geistes sakramental verbunden. Das Leben und der Dienst des Priesters sind eine Fortsetzung des Lebens und Wirkens Christi selbst. Das ist unsere Identität, unsere wahre Würde, die Quelle unserer Freude und die Zuversicht unseres Lebens.

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KAPITEL III

 

DER GEIST DES HERRN RUHT AUF MIR

Das geistliche Leben des Priesters

 

19. "Der Geist des Herrn ruht auf mir" (Lk 4,18). Der Geist befindet sich nicht nur "über" dem Messias, sondern er "erfüllt" ihn, er durchdringt ihn, er erreicht ihn in seinem Sein und Wirken. Denn der Geist ist der Anfang der "Weihe" und der "Sendung" des Messias: "Der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe . . ." (Lk 4,18) Durch den Geist gehört Jesus vollständig und ausschließlich zu Gott, hat teil an der unendlichen Heiligkeit Gottes, der ihn ruft, ihn erwählt und ihn sendet. So offenbart sich der Geist des Herrn als Quelle der Heiligkeit und Aufruf zur Heiligung.

 

Dieser selbe "Geist des Herrn" ruht auf mir dem ganzen Volk Gottes, das verstanden wird als Gott "geweihtes" und von Gott "gesandtes" Volk zur Verkündigung des heilbringenden Evangeliums. Die Mitglieder des Volkes Gottes sind "getränkt" und "gezeichnet" vom Geist (vgl. 1 Kor 12,13; 2 Kor 1,21ff, Eph 1,13; 4,30) und zur Heiligkeit berufen.

 

Im besonderen offenbart und vermittelt uns der Geist die grundlegende Berufung, die der Vater von Ewigkeit her an alle richtet: die Berufung, "heilig und untadelig (zu) leben vor Gott", weil er uns ... im voraus dazu bestimmt hat, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus (Eph 1,4-5). Der Geist offenbart und vermittelt uns nicht nur diese Berufung, er wird in uns auch Anfang und Quelle ihrer Verwirklichung: er, der Geist des Sohnes (vgl. Gal 4,6), macht uns Jesus Christus gleichförmig und läßt uns teilhaben an seinem Leben als Sohn, das heißt an seiner Liebe zum Vater und zu den Menschen: "Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen'' (Gal 5,25). Mit diesen Worten erinnert uns der Apostel Paulus daran, daß das christliche Dasein "geistliches Leben" ist, das heißt ein vom Geist beseeltes Leben, das von ihm zur Heiligkeit bzw. zur vollkommenen Liebe geführt wird.

 

Die Aussage des Konzils, "daß alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind", findet eine besondere Anwendung auf die Priester: Sie sind nicht nur als Getaufte berufen, sondern auch und ganz besonders als Priester, das heißt mit einer neuen Würde und unter eigenständigen Bedingungen, die sich aus dem Weihesakrament ableiten lassen.

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