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Welches Gedicht liest du gerade?


Julian A.

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Musik, Bücher, Filme, Gemälde.... dann mache ich mal den Sack zu und eröffne einen Thread über Gedichte.

 

Es gibt natürlich den für eigene Gedichte. Aber das ist wohl etwas ganz anderes. :ninja: Ich hoffe, dass gemeinfreie Gedichte komplett eingestellt werden dürfen.

 

Bin gerade angetan vom uhlandschen "Graf Eberhards Weißdorn":

 

 

Graf Eberhard im Bart

Vom Württemberger Land,

Er kam auf frommer Fahrt

Zu Palästina's Strand.

 

Daselbst er einstmals ritt

Durch einen frischen Wald;

Ein grünes Reis er schnitt

Von einem Weißdorn bald.

 

Er steckt' es mit Bedacht

Auf seinen Eisenhut;

Er trug es in der Schlacht

Und über Meeres Flut.

 

Und als er war daheim,

Er's in die Erde steckt,

Wo bald manch neuen Keim

Der neue Frühling weckt.

 

Der Graf, getreu und gut,

Besucht' es jedes Jahr,

Erfreute dran den Mut,

Wie es gewachsen war.

 

Der Herr war alt und laß,

das Reislein war ein Baum,

Darunter oftmals saß

Der Greis im tiefsten Traum.

 

Die Wölbung, hoch und breit,

Mit sanftem Rauschen mahnt

Ihn an die alte Zeit

Und an das ferne Land!

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Kurt Tucholsky

 

Mutters Hände

 

Hast uns Stulln jeschnitten

un Kaffe jekocht

un de Töppe rübajeschohm -

un jewischt und jenäht

un jemacht und jedreht ...

alles mit deine Hände.

 

Hast de Milch zujedeckt,

uns Bonbons zujesteckt

un Zeitungen ausjetragen -

hast die Hemden jezählt

und Kartoffeln jeschält ...

alles mit deine Hände.

 

Hast uns manches Mal

bei jroßen Schkandal

auch n Katzenkopp jejeben.

Hast uns hochjebracht,

Wir wahn Sticker acht,

sechse sind noch am Leben ...

alles mit deine Hände.

 

Heiß warn se un kalt.

Nu sind se alt.

Nu bist du bald am Ende.

Da stehn wa nu hier,

und denn komm wir bei dir

und streicheln deine Hände.

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Theodor Storm -

 

Frauenhand

 

 

Ich weiß es wohl, kein klagend Wort

Wird über deine Lippen gehen;

Doch, was so sanft dein Mund verschweigt,

Muß deine blasse Hand gestehen.

Die Hand, an der mein Auge hängt,

Zeigt jenen feinen Zug der Schmerzen,

Und daß in schlummerloser Nacht

Sie lag auf einem kranken Herzen.

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Diese Verse von Ringelnatz zählen zu meinen Lieblingsgedichten :ninja:

 

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum

still und verklärt wie im Traum.

Das war des Nachts elf Uhr zwei.

Und dann kam ich um vier

Morgens wieder vorbei.

Und da träumte noch immer das Tier.

Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum -

gegen den Wind an den Baum,

und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.

Und da war es aus Gips.

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Diese Verse von Ringelnatz zählen zu meinen Lieblingsgedichten :lol:

 

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum

still und verklärt wie im Traum.

Das war des Nachts elf Uhr zwei.

Und dann kam ich um vier

Morgens wieder vorbei.

Und da träumte noch immer das Tier.

Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum -

gegen den Wind an den Baum,

und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.

Und da war es aus Gips.

:ninja:

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