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Wiener Diskussion zum Theologenmemorandum


wolfgang E.
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wolfgang E.

Gouvernante hat hier auf einen Kathpressartikel verlinkt, der von einer Diskussion im Otto Mauerzentrum in Wien zum Thema Theologenmemorandum verweist.

Da ich den Artikel als nicht wirklich tatsachengetreu und informativ empfinde beginne ich hier gestützt auf meinen Mitschnitt der Veranstaltung einen Versuch einer Zusammenfassung.

Diskutiert haben je 2 Professoren der theololischen Fakultät der Universität Wien, die das Memorandum unterfertigt haben bzw eben nicht unterfertigt haben:

Die Unterzeichner:

Rudolf Langthaler, Chrsitliche Philosophie (Mehr über ihn hier)

Martin Jäggle, Praktische Theologie und Religionspädagogik*)(Mehr über ihn hier)

Die Nichtunterzeichner.

Rudolf Prokschi,Ostkirchenkunde (Mehr über ihn hier)

Thomas Prügl, Kirchengeschichte (Mehr über ihn hier)

Die Diskussion wurde von Peter Pawlowski moderiert.

 

Vorweg die Veranstaltung war herausragend gut besucht, es waren viele Professoren und Assistenten aber auch eine sehr große Zahl von Studierenden anwesend. Der Saal war bummevoll, die Studenten saßen auf dem Boden und eine große Zahl von Besuchern konnte der immerhin etwas mehr als 2 Stunden dauernden Veranstaltung nur stehend folgen.

 

Fortsetzung folgt...ich muss mich jetzt fertig machen, da mein jüngster Sohn heute standesamtlich heiratet. (Für Neugierige; Kirchlich Anfang Juli)

Noch eine Anmerkung: Ich werde lediglich den Ablauf der Veranstaltung referieren und mich nicht an einer Diskussion beteiligen......Ausnahme: Antwort auf Fragen zu konkreten Punkten, wobei ich mich ausschleißlich auf Wortmeldungen der Diskutanten beziehen werde.

 

*)Folgende Wiener Professoren haben unterschrieben:

Karl Baier Religionswissenschaft

Ingeborg Gabriel Ethik

Martin Jäggle Praktische Theologie und Religionspädagogik

Roman Kühschelm Neues Testament

Rudolf Langthaler Christliche Philosophie

Johann Pock Pastoraltheologie

Gunter Prüller Jagenteufel Moraltheologie

Johann Reikerstorfer Fundamentaltheologie

Hans Schelkshorn Christliche Philosophie

Wolfgang Treitler Fundamentaltheologie

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Franciscus non papa

U(ser)M(oderierter)T(hread)

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wolfgang E.
Magst Du einen UMT daraus machen? Fände ich sinnvoll.

 

Danke für das Angebot: Ich möchte es aber aus zwei Gründen nicht annehmen:

1. Ich habe den Thread mit Absicht in den GG eröffnet, wodurch doch schon ein nicht unerheblicher Schutz gegen sinnentleerte Polemik gegeben ist. Zudem habe ich ausreichend Vertrauen zu den Mods.

2. Seit ich vor einigen Wochen hier im Mittelpunk erheblicher Kritik gestanden bin, fühle ich mich hier im Forum bestenfalls als gedudetes B Mitglied. Ich möchte daher meine Kritiker (einschließlich der Administratorenebene) nicht noch nur eine User Moderation reizen.

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wolfgang E.

Der Moderator eröffent die Diskussion mit der Frage warum die Diskutanten das Memorandum nicht unterschrieben oder eben unterschrieben hätten:

Prokschi führt aus, dass er als er das Memorandum per E Mail auf den Tisch bekommen hatte es ursprünglich wegen des Bezuges auf deutsche Missbrauchsfälle und auf den bevorstehenden Papstbesuch für eine spezifisch deutsche Angelegenheit gehalten habe. Als er sich nach einem Hinweis von Jäggle (der auch Dekan der Fakultät ist) näher damit auseinandergesetzt habe sei er zu folgenden Schlüssen gekoemmen:

1, Er könne sich mit einen grossen Teil der Aussagen identifizieren, aber nicht so vollständig, wie es für eine Unterschrift notwendig sei.

2. Er habe Zweifel ob die Form des Memorandums durch die damit verbundenen "Flucht" in die Öffentlichkeit und die damit ebenfalls verbundene Polarisierung der richtige Weg sei.

 

Prügl begründet seinen Nichtunterschrift mit dem Faktum, dass es durch die gewählte Form des Momorandums zu einer Thesenhaftigkeit der Aussagen und zu einer gewissen Agressivität gekommen sei. Das habe wiederum Verkürzungen und Unschärfen bedingt die ihm eine Identifikation und damit eine Unterschrift unmöglich gemacht haben.

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wolfgang E.

Langthaler kommt als erster Unterzeichner zum Wort und stellt fest, dass er in dem Memorandum Punkte vorgefunden habe die die kirchliche Diskussion eigentlich schon sehr lange beschäftigen, weshalb er eigentlich die in viele Reaktionen vorgegebene Überraschung nicht nachvollziehen könne. Auch den von Prügl behaupteten aggressiven Ton könne er nicht erkennen, sondern er meint dass lediglich eine gewisse Ungeduld aber auch Ratlosigkeit darin zum Ausdruck komme. Diese Ungeduld stamme wohl daraus, dass Probleme seit Jahren einfach liegen gelassen werden und ausser Vertröstungen nichts passiert sei. Langthaler spricht davon, dass eine der Hauptsorgen die das Memorandum als Ganzes durchzieht das (ungeklärte und unscharfe Anm. WE) Verhältnis zur Moderne ist.*)

Langthaler stellt nochmals fest dass er einen aggressiven Ton der Unterzeichner nicht sieht, irritiert habe ihn vielmehr der aggressive Ton in vielen Reaktionen. Gerade die Art wie von Teilen der Kirchenleitung dort und da reagiert worden sei, sei für ihn eine Bestätigung wie wichtig es sei liegengelassene Probleme und inzwischen erfolgte zusätzlich Weichenstellungen mit fatalem Charakter zu benennen.

 

Jäggle führt aus dass er als Religionspädagoge und als Mensch unterzeichnet habe nicht als Dekan. Auch er stellt fest, dass dem Memorandum bzw seiner Unterschrift die Tatsache zu Grund liege, dass brennende Probleme einfach liegen gelassen bzw ausgesessen werden.

Man solle sich nicht an der Form des "Memorandums" "aufhängen" ....ein Memorandums sei eine Denkschrift, also etwas dass den Zweck hat bedacht zu werden. Natürlich kann ein solcher Text nicht so differenziert wie man es als Professor von wissenschaflichen Arbeiten her gewohnt ist. Aber er habe unterschrieben weil man nach seiner Meinung als Professor der Theologie auch verantwortlich ist, für das Ganze der Kirche.

Im Rahmen der Austritte auf Grund der Missbrauchsskandale habe er allzuoft sagen gehört: "Laßt sie doch gehen, die gehören schon längst nicht mehr zuir Kirche." Und er wisse von vielen, die nicht ausgetreten sondern innerlich emigriert sind. Von da her verstehe er seine Unterschrift als Unterstützung für alle jene, die die Hoffnung auf Reform und Erneuerung der Kirche nicht aufgegeben haben. Und er habe viele Mails bekommen von Menschen die zum Ausdruck brachten, dass seine Unterschrift ihnen Mut gemacht habe zu dem zu stehen was sie sich denken.

 

Interessant ist, dass auf die Anfrage des Moderators in der zweiten Runde keiner der Diskutanten auch nicht die Nichtunterzeichner das Vorliegen einer Kirchenkrise geleugnet habe.

 

*)Langthaler wird auf dieses Thema später noch näher in sehr berichtenswerter Weise eingehen.

 

Ich werde in der Folge einzelnen Themenblöcke herausgreifen die mir berichtenswert erscheinen.

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wolfgang E.

Lanthaler hat auf der Behandlung des Umgangs der Kirche mit der Moderne insistiert und hat das offenbar sehr schwirige Verhältnis der kirchlichen Autorität zur Moderne an einem sehr sprechenden Beispiel demonstriert..

 

Als der Papst 2007 Österreich besuchte - Anlass war bekanntlich das 850 Jahrjubiläum von Mariazell - hat er in der Hofburg in Wien vor Vertretern der Regierung des Parlaments und des diplomatischen Korps eine vielbeachtete Rede gehalten. Den Text dieser Rede findet man hier. In dieser Rede hat der Papst Jürgen Habermas zitiert. Das Zitat aus der päpstlichen Rede lautet wie folgt:

Lassen Sie mich dazu Jürgen Habermas zitieren, also einen Philosophen, der sich selbst nicht zum christlichen Glauben bekennt. Er sagt: »Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur Katalysator gewesen. Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeit und der christlichen Liebesethik. In der Substanz unverändert, ist dieses Erbe immer wieder kritisch angeeignet und neu interpretiert worden. Dazu gibt es bis heute keine Alternative.«

 

Der Papst weist also noch ausdrücklich auf das bemerkenswerte Faktum hin, dass er mit Habermas einen nichtchristlichen Philosophen zitiert.

Langthaler berichtete, dass ihm das Zitat beim Hören der Papstrede im Fernsehen seltsam vorgekommen sei, weshalb er es im Orginal nachgeschlegen habe.

Und siehe das Habermas'sche Orginaldictum weicht vom Zitat des Papstes in einigen Punkten, die das Wesen des modernen Menschen charaktersieren, nicht unwesentlich vom Papst"zitat" ab.

Ich gebe dieses wider und schreibe die Abwiechungen kursiv und unterstrichen.

»Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur Katalysator gewesen. Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben von autonomer Lebensführung und Emanzipation, von individueller Gewissensmoral Menschenrechten und Demokratie entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeits- und der christlichen Liebesethik. (Jürgen Habermas, Zeit der Übergänge, 145.

 

 

Diese Abwiechungen konnten nur einem Kenner auffallen, weil auch in der schriftlichen Fassung der Papstrede die bei solider Zitierweise auf Auslassungen hinweisende Vorgangsweise - [...]unterblieben ist.

 

Meine Anmerkungen:

1. Schlagender kann die Kirche gar nicht beweisen, dass sei zu wesentlichen Kennzeichen der Moderne ein gestörtes Verhältnis hat.

2. Zudem ist solches Zitierverhalten für einen Papst, der sich auf seinen Rang als Wissenschaftler so viel zu Gute hält, unwürdig.

3. Und das kommt von einem Papst ,der als junger Theologe von "der immer von neuem spürbaren und immer von neuem hemmenden Neurose des Antimodernismus" geschrieben hat. (Josef Ratzinger, Die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils, Köln 1963, 20.)

 

Fortsetzung folgt

 

Edited by wolfgang E.
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wolfgang E.

Interessant war, dass modernekritische Anmerkungen hauptsächlich aus dem Publikum kamen, wobei den Vogel ein Priester abgeschossen hat (deutlich kenntlich durch schwarzen Anzug und Kollare) der meinte, dass der Papst durchaus richtig gehandelt habe im Habermaszitat die Autonomie ausgelassen zu haben, den man sehe ja an den Gruppen der Autonomen bei Demonstrationen, dass diese nur Gewalt und Chaos hervorgerufen hat. Diese Wortmeldung hat weitgehende Fassungslosigkeit hervorgerufen .....Langthaler replizierte dann in einer für ihn - er ist an sich ein sehr ruhiger höflicher Mensch - in einer für ihn ungewohnten Schärfe, dass es zweckmäßig sein zu wissen was Autonomie eigentlich bedeutet wenn am sich zu diesem Thema zu Wort meldet.

 

Schelkshorn (so wie Langthaler Philosoph bei uns auf der Theologie) der sich über den Beginn der Moderne in der Philosophie habiltiert hat (die Habilschrift ist unter dem Titel "Entgrenzungen" als Buch erschienen - sehr lesenswert) erntete einen Lacherfolg als er sein "Publikumsstatement" mit der Bemerkung einleitete er habe in den letzten Jahren auch ein wenig über die Moderne nachgedacht. Dass man nun ein differnezierte Verhältnis zur Moderne einfordere sei von begrenzten Nutzen, denn es gebe bestimmte Prozesse die irreversibel sind und dazu gehören eben bestimmte Aufklärungsprozesse, Es bringe gar nicht zu fragen ob diese Prozesse nützlich sind für die Rekrutierung des Kirchenvolkes sondern es sind Prozesse in denen wir stehen, ob wir wollen oder nicht. Und es ist für europäische Christen unzumutbar dass sie einerseits eine vernünftige Selbstverantwortung aufbauen, die sie dann innerhalb der Kirche abgeben müssen....eine solche Schizophrenie sei den Menschen nicht vermittelbar. Dies ist auch der Grund für enormen Spannungen ja Spaltungen innerhalb der katholischen Kirche.

 

Fortsetzung folgt

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:daumenhoch:
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