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Diskussionen im Netz


Juana
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Das

 

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,769717,00.html

 

habe ich gerade gefunden. Einiges daraus hat mich schon zum Nachdenken gebracht. Zerfransen sich sinnvolle Diskussionen nicht allzu oft, werden Threads nicht manchmal geradezu lustvoll zerschossen, gerade, wenn sie anfangen spannend zu werden.

 

Und ich muss mich an die eigene Nase fassen: für mich ist es manchmal unbegreiflich, wenn jemand nicht in Foren unterwegs ist, und ich frage mich, ob er sich für die Welt oder wenigstens für die Meinung anderer überhaupt interessiert.

 

Sicher, das Forum ist eine unerhörte Chance. Ich kann mich mit Menschen austauschen, die ich auf anderen Wegen nie erreicht hätte. Aber ich weiß nicht, ob ich diese Chance richtig nutze bzw. ob ich nicht manchmal mit den allzu vielen Möglichkeiten schlicht überfordert bin.

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Ich weiß nicht. "Wer nicht meiner Meinung ist, hat nicht nur unrecht, sondern muss dumm sein" höre ich hier zwar bei einigen raus, aber bei dir eigentlich nicht.

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Und ich muss mich an die eigene Nase fassen: für mich ist es manchmal unbegreiflich, wenn jemand nicht in Foren unterwegs ist, und ich frage mich, ob er sich für die Welt oder wenigstens für die Meinung anderer überhaupt interessiert.

 

Ich weiss nicht: "die Welt"? Ich verbringe ja inzwischen recht viel Zeit in diesem Forum (und das nicht immer mit gutem Gewissen), aber es ist nicht "die Welt", in der ich lebe. Es gibt auch noch ein RL mit nicht anonymisierten Menschen und Meinungen, die stehen mir nach wie vor näher. Und ich käme gar nicht erst auf die Idee, meinen Stammtischkollegen, wenn auch fragend, zu unterstellen, sie seien an der Welt oder der Meinung anderer nicht interessiert. Ich lebe ja nun in einer Seniorenwohnanlage, da hängt wohl lange nicht jeder so lange vor dem PC wie ich es tue. Aber wenn ich morgens früh mit dem Hund aus dem Haus gehe, begegnen mir vier Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes, die ins Haus kommen, um andere Bewohner in ihrem realen Alltag zu unterstützen. Die sind zwar in Eile, wie es Mitarbeiter von Pflegediensten immer sind, aber für ein kleines Schwätzchen reicht es doch. Und den Mitbewohnern, die ihre reale Hilfe beim Insulinspritzen (als Beispiel) benötigen, ist damit mehr geholfen als mit einem Internetforum: das virtuelle Interesse an einem Diabetes ersetzt dessen reale Behandlung schließlich nicht. Diese Mitbewohner können nämlich etwas später immer noch selber zum Einkaufen gehen und am Real Life teilhaben. Das ist für mich "die Welt", die Forenwelt ist es nur zu einem kleinen und dem unwichtigeren Teil.

 

Ich hoffe und wünsche mir jedenfalls sehr, dass ich noch sehr lange beweglich genug bleibe, um nicht auf das Internet und irgendwelche Foren als "Fenster" zu einer "Welt" angewiesen zu sein, die mir doch sehr oft - im Vergleich zum RL - als verzerrt erscheint.

Edited by Julius
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Marcellinus

Ich weiß nicht. "Wer nicht meiner Meinung ist, hat nicht nur unrecht, sondern muss dumm sein" höre ich hier zwar bei einigen raus, aber bei dir eigentlich nicht.

Ja, die Fragen stellen sich oft gerade die, die es nicht betrifft.

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Ich weiß nicht. "Wer nicht meiner Meinung ist, hat nicht nur unrecht, sondern muss dumm sein" höre ich hier zwar bei einigen raus, aber bei dir eigentlich nicht.

Ja, die Fragen stellen sich oft gerade die, die es nicht betrifft.

Da hast du recht. Stimmt.

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Das

 

http://www.spiegel.d...,769717,00.html

 

habe ich gerade gefunden. Einiges daraus hat mich schon zum Nachdenken gebracht. Zerfransen sich sinnvolle Diskussionen nicht allzu oft, werden Threads nicht manchmal geradezu lustvoll zerschossen, gerade, wenn sie anfangen spannend zu werden.

 

Sehr guter Artikel, über das Thema habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Das Thema "zerschießen eines Threads" ist aber wieder ein anderes Gebiet, im Artikel geht es mehr um die, die meinen, die besseren und gebildeteren Menschen zu sein, weil sie im Netz alle Informationen finden. Allerdings ist "wissen, wie man bei Google sucht" nicht dasselbe wie "Wissen, das man hat", vor allem, wenn es darum geht, Zusammenhänge zu erfassen.

 

Tatsächlich steht der "digitalen Gemeinschaft" mehr an Wissen zur Verfügung, prinzipiell, tatsächlich wissen sie aber nicht unbedingt mehr, weil das Wissen, was ich im Kopf habe begrenzt ist. Und ich stehe immer ein bisschen fassungslos vor denen, die mir sagen: "Wozu sollte ich mich mit Lernmethoden beschäftigen, wenn ich doch nach allem googeln kann?". Kreativität entsteht aber meistens nur aus den Elementen, die ich im Kopf habe, und nicht durch das, was ich ergoogeln könnte, wenn ich bloß auf die Idee käme, es zu tun.

 

Vor allem nützt einem die Flut an Informationen überhaupt nichts, wenn man nur über eine gering entwickelte Urteilskraft verfügt, und das ist ein Problem bei denen, die unter "digitaler Hybris" leiden (dem Glauben, man sei ein besserer oder besser gebildeter Mensch, weil man alles über Google suchen kann).

 

Und ich muss mich an die eigene Nase fassen: für mich ist es manchmal unbegreiflich, wenn jemand nicht in Foren unterwegs ist, und ich frage mich, ob er sich für die Welt oder wenigstens für die Meinung anderer überhaupt interessiert.

 

Wie sehr ein Mensch an den Meinungen anderer interessiert ist, kann man aber nicht an der Anzahl der Foren messen, in denen er unterwegs ist.

 

Sicher, das Forum ist eine unerhörte Chance. Ich kann mich mit Menschen austauschen, die ich auf anderen Wegen nie erreicht hätte. Aber ich weiß nicht, ob ich diese Chance richtig nutze bzw. ob ich nicht manchmal mit den allzu vielen Möglichkeiten schlicht überfordert bin.

 

Wenn man aus dem, was man ist und was man kann, das Bestmögliche macht, ist man nicht überfordert, überfordert ist man nur dann, wenn man meint, mehr als das Bestmögliche machen zu müssen. Man hat als Mensch immer mehr Potenzial, als man ausschöpft, und keiner kann sein ganzes Potenzial ausschöpfen: Man muss damit leben, und man muss es sich verzeihen können, dass man nicht alles erreicht, was man erreichen könnte, weil zum Menschsein auch Muße gehört und nicht immer nur ein "Leben am Limit". Was ist schon von einem Leben zu halten, wenn man nicht ab und zu die Muße hat, einfach nur im Stuhl zu sitzen, vor sich hinzustarren, und seine Gedanken fließen zu lassen?

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Marcellinus

Ich weiss nicht: "die Welt"? Ich verbringe ja inzwischen recht viel Zeit in diesem Forum (und das nicht immer mit gutem Gewissen), aber es ist nicht "die Welt", in der ich lebe.

Sascha Lobo bezog das wohl auch nicht in erster Linie auf Foren, sondern auf eine Netzkultur im allgemeinen, die sich wesentlich selbst genügt, und damit wirkungslos bleibt. Was uns hier betrifft, und wohl auch den einen oder anderen umtreibt, ist die oft hohle Dynamik, die einen in die immer wieder gleichen Auseinandersetzungen treibt, ohne daß dabei erkennbar etwas herumkommt. Und dann gibt es wieder diese anderen Augenblicke, wenn man Äußerungen in der Öffentlichkeit liest oder hört, bei denen man sagt (und wohl auch mit einem gewissen Recht), da zeuge mancher Nebensatz hier von mehr Kenntnis und Interesse.

 

Es ist einfach ein widersprüchliches Medium, und ich habe auch noch nicht den Umgang damit gefunden, der mich zufriedenstellt und andererseits weiß ich, wie Juana richtig gesagt hat, daß man hier interessante Leute kennenlernt, die man sonst nie getroffen hätte. Man liest und schreibt viel belanglosen Blödsinn, und dann wieder bekommt man Anregungen und Widerspruch, die einem wirklich weiterhelfen.

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Sascha Lobo bezog das wohl auch nicht in erster Linie auf Foren, sondern auf eine Netzkultur im allgemeinen, die sich wesentlich selbst genügt, und damit wirkungslos bleibt.

 

Schlimmer: Eine Netzkultur, die die Vorgänge im Netz für realer und die im Netz verfügbaren Informationen für valider und tiefer hält als diejenigen im RL. Es gibt hier auch völlig lächerliche selbstreferentielle Beweisregeln, die einer realen Tatsachenprüfung nie standhalten würden, wie den "verlinke einen Beleg oder deine Position ist widerlegt"-Mechanismus.

 

Aber mir geht es auch oft so, dass ich hier wertvolle Anregungen erhalte, und zwar von Leuten, die Dinge aus ihrem eigenen Metier hier freigiebig mitteilen und sich z.T. große Mühe im Erklären geben. Dafür bin ich sehr dankbar und das ist m.E die Stärke des Netzes: Leute zusammenzubringen und einen Austausch unter ihnen zu ermöglichen, die sich im RL nie kennengelernt hätten, sei es, weil sie zu weit voneinander weg wohnen, sei es, weil sie eigentlich gar nicht zueinander passen und real nie aufeinander aufmerksam geworden wären.

 

Mit "Es gibt hundertmal mehr Leute, die die Pendlerpauschale plausibel erklären können als solche, die die Netzneutralität erklären können" hat Lobo einfach recht, und das ist das Problem: Wenn die Netzleute, also im wesentlichen immer noch die Nerds, sich nicht endlich Mühe geben, ihre Anliegen allgemeinverständlich zu erklären und deren Relevanz zu verdeutlichen, dann werden sie von den Machern im RL, die ihre Interessen zu vertreten wissen, überrollt werden.

 

"Macher im RL" sind in diesem Fall die Netzbetreiber, die gerne die transportierten Inhalte nach ihren eigenen Profitinteressen unterschiedlich behandeln würden, so dass du bei Google unter den ersten zwanzig Treffern bezahlte Inhalte findest und die für dich relevanten unter ferner liefen, also faktisch dann gar nicht mehr (um das mal in ein besonders grobes Beispiel zu fassen).

Edited by Inge
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Das

 

http://www.spiegel.d...,769717,00.html

 

habe ich gerade gefunden. Einiges daraus hat mich schon zum Nachdenken gebracht. Zerfransen sich sinnvolle Diskussionen nicht allzu oft, werden Threads nicht manchmal geradezu lustvoll zerschossen, gerade, wenn sie anfangen spannend zu werden.

 

Sehr guter Artikel, über das Thema habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Das Thema "zerschießen eines Threads" ist aber wieder ein anderes Gebiet, im Artikel geht es mehr um die, die meinen, die besseren und gebildeteren Menschen zu sein, weil sie im Netz alle Informationen finden. Allerdings ist "wissen, wie man bei Google sucht" nicht dasselbe wie "Wissen, das man hat", vor allem, wenn es darum geht, Zusammenhänge zu erfassen.

 

Tatsächlich steht der "digitalen Gemeinschaft" mehr an Wissen zur Verfügung, prinzipiell, tatsächlich wissen sie aber nicht unbedingt mehr, weil das Wissen, was ich im Kopf habe begrenzt ist. Und ich stehe immer ein bisschen fassungslos vor denen, die mir sagen: "Wozu sollte ich mich mit Lernmethoden beschäftigen, wenn ich doch nach allem googeln kann?". Kreativität entsteht aber meistens nur aus den Elementen, die ich im Kopf habe, und nicht durch das, was ich ergoogeln könnte, wenn ich bloß auf die Idee käme, es zu tun.

 

 

Mir ist der Gedankenaustausch mit anderen in Foren sehr wichtig. Googeln ist zwar toll, wenn man schnell etwas in Erfahrung bringen möchte, aber wenn ich Diskussionen verfolge, dann erfahre ich manchmal wirklich neue Gedanken und Ideen, sehe Zusammenhänge, wo ich sie vorher nicht erkennen konnte. Um beim Suchen eine Frage einzugeben, muss man zumindest einen Teil der Antwort bereits wissen. Deswegen gehört das Zerschießen von Threads für mich zu den ärgerlichen Teilen des Austauschs, denn das passiert leider manchmal dann, wenn es wirklich interessant wird.

 

So gesehen, geht es mir in den Foren um das erweiterte Wissen der "digitalen Gemeinschaft", das ich sonst nirgendwo einsehen könnte. Und das ist manchmal so faszinierend, dass ich gut und gern zweihundert Jahre alt werden möchte, um noch mehr zu lernen.

 

@Julius: Es wäre für mich schlimm, wenn ich vor lauter Wissbegier nur noch am Laptop hängen und darüber das RL verpassen würde. Denn auch wenn es hier noch so viele tolle Smilies gibt: ein echtes Lächeln von anderen Menschen können sie nie ersetzen. :)

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