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Nichtsakramentale Ehe zwischen Getauften


Wiebke
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Gestern Abend habe ich Flo77 nebenan mal wieder entgegengehalten, dass die orthodoxe Ehetheologie, wonach das Ehesakrament vom Priester gespendet wird, für die unierten Kirchen nicht anerkannt sein kann, weil auch nach CCEO eine Noteheschließung nur vor den Zeugen möglich ist und der Codex ausdrücklich sagt, dass diese Ehe dann gültig ist ("salva matrimonii validitate coram solis testibus").

 

Beim weiteren Nachdenken ist mir klar geworden, dass diese Behauptung als notwendige Prämisse die Einheit von Ehebund und Sakrament voraussetzt.

 

Da dies für Ehen zwischen Getauften sowohl im CIC (can. 1055 § 2) als auch im CCEO (can. 776 § 2) ausdrücklich gesagt wird, brauche ich meine Aussage also nicht zu revidieren.

B)

 

Ich habe mich dann allerdings daran erinnert, dass die Orthodoxen diese Einheit nicht so selbstverständlich sehen. Zum einen werden Zweit- und Drittehen ja häufig (wenn auch nicht von allen) als nicht-sakramental angesehen.

 

Zum anderen kommt die Frage bei der Mischehenproblematik auf (Mischehen mit Ungetauften werden ja generell abgelehnt). Die Russische Orthodoxe Kirche hat z.B. wohl mal verlautbart, dass Orthodoxe, die mit einem Nichtgetauften zivil verheiratet sind, zwar von den Sakramenten ausgeschlossen sind, weil sie sich in einer irregulären Situation befinden ("not in good standing" hieß es auf Englisch), dass sie deswegen aber nicht gleich in Unzucht leben, weil die Ehe als solche als gültig angesehen wird. Und es wird diskutiert, ob der Orthodoxe nach einer gewissen Zeit nicht per oikonomia doch wieder zu den Sakramenten zugelassen werden kann.

 

Bei Konversionen zeigt sich das noch deutlicher: Zwei Ungetaufte heiraten; einer lässt sich später orthodox taufen. Die Ehe ist gültig und der Neu-Orthodoxe hat auch nichts Verwerfliches getan, dessentwegen er von den Sakramenten ausgeschlossen werden könnte. Sakramental ist sie aber nicht, weil kein Priester den Segen gesprochen hat.

 

Diese Fälle haben alle ihre Entsprechung in nicht-sakramentalen Ehen in der RKK, weil immer ein Ungetaufter beteiligt ist.

 

Aber bei den Orthodoxen geht es jetzt noch weiter: Zwei - lateinische oder unierte - Katholiken heiraten (um der Eindeutigkeit des Beispiels willen vor einem Diakon). Danach konvertiert einer zur Orthodoxie. Die Ehe wird auch hier als gültig aufgefasst, aber nicht als sakramental anerkannt. Man wird dem Konvertiten natürlich nahelegen, den Krönungsritus nachzuholen, aber wenn der katholisch Gebliebene da nicht mitmacht, dann bleibt es eben dabei. Wiederum gültig, aber nicht sakramental zwischen zwei Getauften.

 

Zu dem Fall, dass ein Orthodoxer einen Katholiken in der RKK heiratet, habe ich auch wieder eine Quelle gefunden, hier:

 

However, if they were not Oriental (Armenian) Orthodox clergy present at the celebration of the Catholic ceremony, the question as to the sacramental validity arises. There is no question regarding the validity of marriage, but concern as to the authenticity and legitimacy of the sacrament as understood by the Armenian Orthodox Church would exist. The marriage would appear to be deficient in regard to the Orthodox form and the theological concept of sacrament as Grace bestowed through the persona of the priest.

 

Daher meine Frage, wie grundlegend für die römisch-katholische Theologie diese Einheit zwischen Ehebund und Sakrament überhaupt ist. Gibt es vielleicht Chancen, dass man hier Inspiration bei den Orthodoxen sucht?

 

Schließlich hat die Thematik ja ein ganz handfestes Interesse, nämlich bei der Beurteilung evangelischer (Vor-)Ehen. Wenn die nicht im direkten Widerspruch zur evangelischen Ehetheologie systematisch als Sakrament eingestuft würden, täte man sich mit der Auflösung sicher viel leichter.

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Schließlich hat die Thematik ja ein ganz handfestes Interesse, nämlich bei der Beurteilung evangelischer (Vor-)Ehen. Wenn die nicht im direkten Widerspruch zur evangelischen Ehetheologie systematisch als Sakrament eingestuft würden, täte man sich mit der Auflösung sicher viel leichter.

 

Erleichtert das Nichtvorhandensein eines Sakramentscharakters tatsächlich die Auflösung der Ehe? Wenn also beispielsweise ein evangelischer Christ einen Ungetauften geheiratet hat (also nicht-sakramentale Ehe) und nun nach der Scheidung katholisch heiraten möchte, ist es leichter, die Ehe aufzulösen, als wenn der frühere Ehepartner ebenfalls getauft und die Ehe katholischerseits als sakramental einzustufen ist?

 

Auf welcher Grundlage?

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Auf welcher Grundlage?

Privilegium Petrinum

 

 

Danke. Ich bin allerdings ein wenig irritiert, daß da in den Verfahrensrecthlichen Bestimmungen in Artikel 5 was von einem "katholischen Teil" steht, der eine neue Ehe eingehen will. - Aber bei einem Protestanten und einem Ungetauften gibt es doch keinen katholischen Teil, der eine neue Ehe eingehen will. - Oder ist tatsächlich der neue katholische Partner des Protestanten (oder ggf. des Ungetauften) gemeint?

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Oder ist tatsächlich der neue katholische Partner des Protestanten (oder ggf. des Ungetauften) gemeint?

Ja. Ohne einen "katholischen Teil" könnte der RKK die Chose ja auch ziemlich egal sein.

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