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Was eigentlich macht ein Priester den ganzen Tag?


josef

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Liebe Christen,

 

 

 

Frage mich seit einiger Zeit, was denn ein Priester den ganzen Tag macht.

 

Nun gut - die Heilige Messe feiern, das Brevier lesen, die Sonntagspredigt schreiben..

Dazu gelegentlich, Beichte abnehmen, eine Taufe oder ein Begräbnis - und alle drei Monate eine Pfarrgemeinderatsitzung.

Ab und zu Ministranten einweisen.

 

Seelsorgsgespräche sind wohl die Ausnahme.

Religionsunterricht machen Religionslehrerinnen in der Schule.

Erstkommunionskinder und Firmlinge werden von Pastoralassistenten und Ehrenamtlichen betreut.

 

Warum klagen die Priester dann über Arbeitsüberlastung?

 

 

Gruß

josef

bearbeitet von josef
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unser pfarrer zb ist für 4 pfarrgemeinden zuständig.

selbst wenn es nich mehr WÄRE als das, was du hier schreibst - und die pgr-sitzungen tatsächlich nur alle 3 monate wären - müsstes du alles mal 4 nehmen.

verwaltungsratssitzungen.

teambesprechungen.

wochenenden und freizeiten.

begleitung von relilehrern/lehrerinnen und gemeindereferenten/innen und ehrenamtlichen bei den dingen, die du schreibst.

begleitung verschiedener kreise (frauenkreis - glaubensgespräche - männerkreis- familiengottesdienstkreis)

"müllhalde" sein für unzufriedene gemeindemitglieder

notfallseelsorge

diverse besuche und gespräche nach bedarf und bei jubilaren.

diverse gremien (dekanatsrat, seelsorgerat, dekanekonferenz [wei er auch dekan ist])

"gesichtspglege" bei öffentlichen veranstaltungen.

verwalter von immobilien und finanzen

...

...

viele - unnötige - kleinigkeiten werden an ihn herangetragen (herr pfarrer, die batterie des mikrofons ist leer - herr pfarrer, die messdienergewänder sollten mal gewaschen werden ....)

...

...

 

 

das ist nur das, was mir jetzt spontan so einfällt.

wieviel zeit und energie ein priester in die jeweiligen dinge investiert ist sicher extrem verschieden.

wenn aber jemand viel energie und zeit investiert, solltest du den aufwand nicht unterschätzen, denke ich.

man sollte schon alleine die erwartungshaltung der gemeindemitglieder bzgl "ständiger erreichbarkeit" nicht unterschätzen.

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Diese Frage, scheint mir eine jener Fragen zu sein die der typische "Neidbürger" seinen Stammtischfreunden stellt? In die gleiche Kategorie gehören auch Fragen wie: "Was macht eigentlich so ein Bundestagsabgeordneter den ganzen Tag"? Oder: "Was macht eigentlich eine Hausfrau den ganzen Tag"? "Was macht der Lehrer am Nachmittag und warum hat er so viel Urlaub"? Es gibt offenbar Menschen die nur ihr eigenes Tun als wichtig und wertvoll ansehen. Dies meist aus Unkenntnis der Aufgaben die ein anderer zu erfüllen hat. Was dieser Frage in der Regel folgt, ist die Diskussion ob solche "Leute" wie Priester, Bundestagsabgeordnete, Lehrer, usw. überbezahlt sind im Vergleich zu dem was sie den ganzen Tag machen. Die Hausfrau wollen wir bei dieser Diskussion mal außen vor lassen - sie ist mit Sicherheit, im Hinblick auf dass was sie leistet, unterbezahlt.

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Seelsorgsgespräche sind wohl die Ausnahme.

Woher willst Du das wissen?

 

Religionsunterricht machen Religionslehrerinnen in der Schule.

Die hiesigen Pfarrer (und Pastoralreferenten) erteilen regelmäßig Religionsunterricht an Realschule und Gymnasium. Wieviel Wochenstunden weiss ich nicht, vorbereitet werden müssen sie aber allemal.

 

Und so selten - vor allem nur kurz- und nicht mittelfristig vorhersehbar und einzuplanen - sind Begräbnisse in Seelsorgeeinheiten, die 9 Gemeinden umfassen, auch nicht gerade. Dazu Trauergespräche mit den Angehörigen ...

bearbeitet von Julius
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Seelsorgsgespräche sind wohl die Ausnahme.

Woher willst Du das wissen?

 

Religionsunterricht machen Religionslehrerinnen in der Schule.

Die hiesigen Pfarrer (und Pastoralreferenten) erteilen regelmäßig Religionsunterricht an Realschule und Gymnasium. Wieviel Wochenstunden weiss ich nicht, vorbereitet werden müssen sie aber allemal.

In den "Erstkommunionklassen" unterrichtet hier (soweit vorhanden) Pfarrer oder Kaplan. Krankenbesuche mit Möglichkeit zur Beichte für den Kranken gehören auch zum Programm (und bei der Größe der Pfarreien, der Pfarrgemeinschafzen oder Seelsorgeeinheiten ist da oft schon der Weg relativ weit).

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Zumindest im Bistum Rottenburg erteilt der Großteil der hauptamtlichen Seelsorger regulär Religionsunterricht in der (Mittel- und?) Oberstufe.

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Zumindest im Bistum Rottenburg erteilt der Großteil der hauptamtlichen Seelsorger regulär Religionsunterricht in der (Mittel- und?) Oberstufe.

 

Ich kann mich erinnern, dass Unterricht in der Grund-und Hauptschule zur normalen Pflicht einer Pfarrei gehören, Relistunden am Gymnasium (Kapläne durften nicht auf die Oberstufe) extra bezahlt wurden (ob das noch so ist, weiß ich nicht). Bei zusätzlichen kirchen aufgaben (Dekan) fiel die Unterrichtsverpflichtung ganz oder teilweise weg.

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Unser Pfarrer bereitet Gottesdienste vor - er hat ja auch jedes Wochenende mindestens 3 davon - manchmal sogar 4 oder gar 5 - verteilt auf eine Fläche von ca. 100km Durchmesser, er gibt Religionsunterricht in der Grund- und Hauptschule, er organisiert gemeindliche Veranstaltungen (beispielsweise Nachmittagstreffs, Bibelgesprächsgruppen, den sogenannten "Spieleabend"), er singt und dirigiert manchmal die ökumenische Kantorei, er managt unsere Flötengruppe (die allerdings von einer Musikerin künstlerisch geleitet wird). Daneben taucht er auf fast allen ökumenischen Veranstaltungen der Bürgergemeinde auf (Sudetendeutscher Tag, Volkstrauertag, Einweihung von neuen Feuerwehrautos), nachdem da die RKK in früherer Zeit "etwas nachlässig mit den Terminen umgegangen ist".

 

Daneben managt er - zusammen mit seiner Frau - die kirchlichen PC's samt Netzwerkorganisation, macht Öffentlichkeitsarbeit, korrespondiert mit anderen kirchlichen Stellen und teilweise mit staatlichen Stellen, überwacht die Bauarbeiten, die momentan immer mal wieder bei uns laufen - wegen eines längeren Investitionsstaus. Jetzt wird er sich als Notfallseelsorger für die Feuerwehr ausbilden lassen (sozusagen die Seelsorgetätigkeit an Feuerwehrleuten, wenn diese in belastende Situationen - z.B. bei Unfallhilfe oder so - kommen) und dann in diesem Bereich auch noch tätig sein.

 

Mit anderen Worten: Er sorgt als One-Man-Manager dafür, dass die Gemeinde seelsorgerlich korrekt betreut wird, dass die Vorgaben der Kirche in der Gemeinde umgesetzt werden, dass die Kirche verwaltungsmäßig gut läuft (diese Arbeit teilt er sich mit mir) und dass unsere Kirche in Ort und Umgebung wahrgenommen wird. Daneben kümmert er sich um sein Steckenpferd, Musik in Form von Singen (das kann er recht gut) und Flötespielen (da ist er - so wie ich - aufgrund des Wechsels der gelernten Sopranflöte zu einer Tenorflöte noch am Lernen).

 

Freizeit und Urlaub hat er natürlich auch noch (wenn er länger frei hat, dann geht er schon mal Verwandtschaft und Schwägerschaft besuchen).

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Sonntag nachmittag und Montag mach ich meistens frei.

Dann fallen mir als erstes die regelmäßigen Termine auf:

Dienstags und Donnerstag Unterricht. Mittwoch morgen Messe um 9.00 Uhr, anschließend Dienstgespräch mit dem Team und der Sekretärin. Das geht (inklusive einem gemeinsamen Mittagessen) fast immer bis 14.30. Donnerstag und Freitag Messe, Samstang Nachmittag Gottesdienst- und Predigtvorbereitung, dann Samstag Abend Vorabendmesse, Sonntags zwei Sonntagsgottesdienste. Dienstag gehe ich vor der Schule immer noch im Kindergarten vorbei und mache eine Viertelstunde etwas mit jeweils einer Gruppe. Manchmal auch mit den Erzieherinnen.

 

Dienstags ist auch erst mal Bürozeit - über das Wochenende hat sich meistens eine Menge angesammelt. Entscheidungen treffen. Unterschriften geben.

 

Im Moment laufen bei mir parallel drei Bauprojekte. Manchmal ist es auch nur eines; die Zeiten, in denen es kein Bauprojekt gibt, fallen aus. Und fast immer sind es notwendige Renovationsmaßnahmen.

 

Ich habe mehrere Kindergarten und bin als Vorsitzender des Stiftungsrates Vertreter des Arbeitgebers. Personalentscheidungen, Jonglieren mit Stundenzahlen, Kontrolle der Öffnungszeiten, Kuratoriumssitzung mit der politischen Gemeinde, Absprachen mit dem Bürgermeister oder seinen Referenten. Schlichtung bei den vielen, häufigen Streitfragen innerhalb des Kindergartenteams oder zwichen Team und Eltern. Oftmals ziemlich nervig. Absprache mit der Verrechnungsstelle, ob gelegentlich eine Supervision oder ein Coaching angesagt ist.

 

Im liturgischen Bereich ist es mit dem Vorbereiten und Feiern von Gottesdiensten nicht getan. Da gibt es einen Liturgieausschuss. Fragen nach der Gestaltung von Kindergottesdienst- und Familiengottesdienstgruppen. Ausbildung derer, die sich hier engagieren. Als ich meine Herzinfarkte hatte, kam der Aushilfspriester nicht herbei: Jetzt entwerfen wir Notfallgottesdienstpläne (Andachtsmäßig) für den Fall, dass so was mal wieder eintreten könnte.

 

Vor jedem größeren Kirchenfesten braucht es eine Einweisung der Organisten, Lektoren, Kommunionhelfer. Das kann im Einzelfall recht schnell geschehen - aber nur dann, wenn man weiß, was man will. Und kein Dorf ist, wie das andere. Es gibt z.B. Organisten mit eingeschränktem Repertoire. Und Kinderchöre haben irgendwie die Eigenschaft, dass Termine verschoben werden müssen. Wir haben jedes Jahr ein biblisches Kindermusical. Ich sag euch: Bis da der Termin steht, gibt es einen Haufen Absprachen und Nervenkrieg (für alle Beteiligten). Allein schon die Kinder für einen bestimmten Termin allesamt auf einen bestimmten Ort zu verpflichten verursacht eine Menge langfristige Planung, die im letzten Augenblick durch Landschulheim oder Epidemie über den Haufen geworfen werden kann.

 

Fronleichnam ist ein gewaltiger Aufwand. Ganz, ganz viel wird dem Pfarrer abgenommen. Aber ganz, ganz viel kann da nicht schadensfrei delegiert werden. Und wie feiert man Fronleichnam mit vielen Gemeinden? Hintereinander? Alle zusammen (und wer besorgt mir das Zirkuszelt, in das ich alle 900 Gottesbesucher hineinstopfen kann, falls es regnet)? Gemeinsame Ministrantenprobe mit Ministranten verschiedener Dörfer mit verschiedenen Ministrantentraditionen haben einen eigenen Reiz.

Ach, da fällt mir noch ein: Vor jedem weißen Sonntag brauche ich pro Pfarrei zwei zweistündige Proben. Und danach sind Kinder, Hauptamtliche und Kinder batschnass und mittelmäßig entkräftet, auch wenn es meistens Spaß macht.

 

Ich unterrichte offiziell gesehen grad mal eine Klasse. Aber das ist eine Milchmädchenrechnung. Zur Beichtvorbereitung gehe ich gesondert in jedes Dorf, damit die Kinder ihren Beichtvater kennen lernen - und auch wissen, was Beichte ist, wie man sich darauf vorbereitet und was da wichtig ist. Und Vertrauen bilden. Für jedes Dorf brauche ich hier acht Stunden an den Kindern. Die inhaltliche Vorbereitung ist Routine, aber die Organisation, dass das überhaupt möglich ist, ist ziemlich aufwändig.

 

Die Erstkommunionvorbereitung und Firmvorbereitung läuft bei uns in Zusammenarbeit zwischen meinen hauptamtlichen Mitarbeitern und mir. Es war eine Menge Arbeit, bis wir einen Erstkommunionkurs vorbereitet hatten. Und jedes Jahr muss er wieder angepasst werden. Elternabende und Katechetentreffs sind sowieso nur in Zusammenarbeit sinnvoll zu bewältigen, da wir mehrere Orte immer in einem Pfarrheim hierzu versammeln. Einer alleine kann das gar nicht machen. Also: Koordinieren, Absprechen, Ideen kompilieren, sich darauf vorbereiten, dass man sich die Bälle zuspielen kann.

 

Die Firmvorbereitung ist noch ein unbeackertes Feld. Ist das letzte Mal ganz gut gelaufen, aber der Kurs ist dringend überholungsbedürftig.

 

Wir haben hier eine lebendige Ökumene. Das klingt gut, ist aber sehr aufwändig - und das, obwohl wir Pfarrers (und Pfarrerinnens) uns alle recht sympathisch sind. Bibelwoche in der Fastenzeit, ökumenischer Glaubenskurs im Spätjahr. Alles natürlich mit Vorbesprechungen, Synchronisierung, Bewerbung.

Wir machen alle zwei Monate ein ökumenisches Dienstgespräch, das regelmäßig aus den Nähten platzt, weil so viele Themen anstehen.

 

Dann die ganzen Gremien. Nur Abendtermin möglich. Pfarrgemeinderat, Stiftungsrat, Liturgieausschuss, Caritasausschuss, Öffentlichkeitarbeitsausschuss, Gemeindeausschuss (der in manchen Dörfern allerdings von Hauptamtlichen bearbeitet wird).

 

Wir bauen gerade eine Taufkatechese auf - ein mehrjähriges Unterfangen.

Altennachmittage. Koordination mit unseren Demenzgruppen. Mitarbeiterfest. Weihnachtsbrief erstellen, bei einigen noch handschriftlich was schreiben. Weihnachtsgeschenke aussuchen. Sternsinger vorbereiten inklusive thematischem Nachmittag. Präsenz beim Neujahrsempfang und anderen wichtigen Anlässen im Dorf. Erwachsenenkatechumenat für Leute, die (wieder) in die Kirche einsteigen oder konvertieren wollen.

 

Dann Pfarrertreffen, Dies oder "Pastoralkonferenz" oder "Herbstkonferenz" genannt. Anwesenheitspflicht. Manchmal auch Langeweile, während man dringend woanders zu tun hätte. Klausur der leitenden Pfarrer im Dekanat (zwei Wochenenden im Jahr - Sonntag Nachmittag und Montag).

 

Klausur mit den leitenden Ministranten (Freitag bis Samstag). Klausur mit dem Team (Vor Sommerferienende, mindestens zweitägig, Erstellung eines Jahresplanes). Klausur mit dem Pfarrgemeinderat (jährlich ein Wochende Freitag/Samstag).

 

Was ist ein seelsorgerliches Gespräch? Katechetische Gespräche (Taufgespräch, Brautgespräch) werden ganz schnell mal seelsorgerlich.

Ich habe mehrere Kandidaten zur geistlichen Begleitung.

Trauergespräche vor Beerdigungen sind grundsätzlich seelsorgerlich beschwerpunktet.

Monatlich mehrere Beichtgespräche.

In den letzten Jahren vermehrt Vorgespräche zur goldenen, diamantenen Hochzeit. Zwei Brautpaare feiern sogar die eiserne. Donnerwetter.

 

Momentan sitz mir gerade ein Kunstverlag im Nacken, weil wir einen Kirchenführer für einige unserer Kirchen brauchen. Schreiben und Photographieren übernimmt ein Professor. Donnerwetter. Aber die Absprache mit dem Verlag teilen sich PGR-Vorsitz, Pfarrer und Sekretärin. Und das ist mehr, als man denkt.

 

Pfarrbriefbeiträge kommen auf mich nur alle Vierteljahr zu - mein Team arbeitet mit. Einer von uns schreibt immer ein Vorwort.

 

Wir haben noch Schwestern in einer unserer Pfarreien. Irgendwer muss die integrieren, ihnen Arbeitsmöglichkeiten aufzeigen. Das macht unser Team ganz gut. Wenn es Ärger gibt, fragt man aber durchaus mal den Pfarrer.

 

Zur Zeit unterstützt mich ein gutes Team. Und viele Ehrenamtliche machen es mir wirklich so leicht wie möglich. Besonders nach meinem zweiten (öffentlichen) Herzinfarkt finde ich geradezu rührende Unterstützung - war aber auch schon vorher wirklich gut. Sonst ginge das alles gar nicht. Rein theoretisch kann ich mich von fast allen Tätigkeiten punktuell heraushalten. Dann leiten eben meine Hauptamtlichen den ERstkommunionselternabend. Das ist gut für zwischendurch oder wenn es nicht anders geht. Aber richtig befriedigend ist das nicht. Man verliert den Kontakt (zu Themen und Leuten) rascher, als man es sich denkt. Und ohne diese Kontakte braucht man erst gar nicht anfangen. Es ist auch sehr bewundernswert, wie viel von ihrer knappen Freizeit Leute in die kirchliche Arbeit investieren. Aber das ist ein Fass ohne Boden. Und wenn man noch darauf schaut, was "eigentlich" noch getan werden MÜSSTE (Konjunktiv), oder was man tun KÖNNTE (noch mal Konjunktiv), dann wird einem ganz schwindlig.

 

Das Problem bei dieser ganzen Fülle ist übrigens nicht die Arbeitsüberlastung. Das regelt sich von selbst. Man hat ein gewisses Quantum an Zeit und Kraft zur Verfügung, und mehr geht eben nicht. Das eigentliche Problem ist, wie befriedigend und sinnvoll die Arbeit wird. Wenn man immer mehr Dörfer hat, verliert man den Überblick, es entstehen immer ausgewähltere Kontakte, man arbeitet immer weniger inhaltlich, sondern muss sich darauf beschränken, die Arbeit anderer zu koordinieren. (Und dafür bin ich überhaupt nicht der Typ.) Aber dieser Beitrag soll ja nur Antwort auf die Threadfrage geben.

 

Und außerdem schreibe ich gelegentlich auch in mykath. Früher auch noch in einem Suizidforum.

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Diese Frage, scheint mir eine jener Fragen zu sein die der typische "Neidbürger" seinen Stammtischfreunden stellt? In die gleiche Kategorie gehören auch Fragen wie: "Was macht eigentlich so ein Bundestagsabgeordneter den ganzen Tag"? Oder: "Was macht eigentlich eine Hausfrau den ganzen Tag"? "Was macht der Lehrer am Nachmittag und warum hat er so viel Urlaub"? Es gibt offenbar Menschen die nur ihr eigenes Tun als wichtig und wertvoll ansehen. Dies meist aus Unkenntnis der Aufgaben die ein anderer zu erfüllen hat. Was dieser Frage in der Regel folgt, ist die Diskussion ob solche "Leute" wie Priester, Bundestagsabgeordnete, Lehrer, usw. überbezahlt sind im Vergleich zu dem was sie den ganzen Tag machen. Die Hausfrau wollen wir bei dieser Diskussion mal außen vor lassen - sie ist mit Sicherheit, im Hinblick auf dass was sie leistet, unterbezahlt.

Gut bemerkt. Mit dieser Neigung der Neidbürger muss man tatsächlich rechnen. Aber man kann die Frage auch ganz einfach als Frage nehmen und beantworten.

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Seelsorgsgespräche sind wohl die Ausnahme.
Woher willst Du das wissen?

Und es ist ganz schwer, hier eine Grenze festzulegen, wann ein Gespräch ein Seelsorgegespräch ist und wann nicht.

 

Aber auch zu expliziten Seelsorgegesprächen komme ich regelmäßig. Nur wenn man es im Verhältnis zu Planungsgesprächen sieht, kann ich schon sagen: Mehr Planung und Organisation, als Seelsorge. Schlimm, aber wahr. Und durch die Vergrößerung des Aufgabenbereichs hat diese Entwicklung System.

Dies zu kritisieren ist berechtigt. Nur muss man dann auch bereit sein, das Übel anzugehen. Entweder schafft man priesterlose Strukturen für Seelsorgegespräche - oder man schafft mehr Priester heran. Ob dies allerdings in Josefs Sinne ist, bezweifle ich.

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Es gibt mir durchaus zu denken, dass ich als Kaplan noch sechs Klassen parallel unterrichtete, heute aber nur eine, und zwar immer die dritte.

Das ist eine Verengung.

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Es gibt mir durchaus zu denken, dass ich als Kaplan noch sechs Klassen parallel unterrichtete, heute aber nur eine, und zwar immer die dritte.

Das ist eine Verengung.

 

In dem (Stadt)-Dekanat, in dem ich aufgewachsen bin, unterrichtet heute meines Wissens kein einziger Pfarrer mehr, vielleicht noch die ein oder zwei Kapläne im Rahmen ihrer Ausbildung.

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Genial. Dann bilden sich die Kapläne auf etwas aus, was sie später nicht praktizieren.

 

Dass in Eurem Stadtdekanat kein Pfarrer mehr unterrichtet, ist ein allzu gewohntes Bild. Die Folgen sind furchtbar - zumindest bei den Pfarrern, die von ihren Fähigkeiten her unterrichten könnten. Aber vielleicht ist es gut so. Wenn ein Pfarrer, der nicht unterrichten kann, es dennoch tut, sind die Folgen oft noch schlimmer.

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Diese Frage, scheint mir eine jener Fragen zu sein die der typische "Neidbürger" seinen Stammtischfreunden stellt? In die gleiche Kategorie gehören auch Fragen wie: "Was macht eigentlich so ein Bundestagsabgeordneter den ganzen Tag"? Oder: "Was macht eigentlich eine Hausfrau den ganzen Tag"? "Was macht der Lehrer am Nachmittag und warum hat er so viel Urlaub"? Es gibt offenbar Menschen die nur ihr eigenes Tun als wichtig und wertvoll ansehen. Dies meist aus Unkenntnis der Aufgaben die ein anderer zu erfüllen hat. Was dieser Frage in der Regel folgt, ist die Diskussion ob solche "Leute" wie Priester, Bundestagsabgeordnete, Lehrer, usw. überbezahlt sind im Vergleich zu dem was sie den ganzen Tag machen. Die Hausfrau wollen wir bei dieser Diskussion mal außen vor lassen - sie ist mit Sicherheit, im Hinblick auf dass was sie leistet, unterbezahlt.

Gut bemerkt. Mit dieser Neigung der Neidbürger muss man tatsächlich rechnen. Aber man kann die Frage auch ganz einfach als Frage nehmen und beantworten.

Genau!

Ich hab' auch mal einem Hauptamtlichen diese Frage gestellt, einfach aus Neugier (und sie dummerweise ziemlich blöd formuliert...). Es hatte mich einfach interessiert.

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Das ist halt der Unterschied zwischen

"Was machen Pfarrer eigentlich den ganze Tag?" = "Wie sieht eigentlich Ihr Alltag aus? Das wollte ich immer schon mal wissen, was ein Pfarrer so macht, wenn er nicht Gottesdienste hält."

und

"Was machen Pfarrer eigentlich den ganze Tag?" = "Wofür werden die geweihten Herren eigentlich bezahlt? Feiern Sonntags Gottesdienst, und wenn ich sie unter der Woche mal brauche, sind sie nie zu erreichen. Überhaupt, immer ist nur die Gemeindereferentin da. Und da wundern sie sich über Glaubensabfall etc..."

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Unser Pfarrer macht auch noch gerne Hausmeisterarbeiten. Natürlich schießen wir ihn deshalb gerne hoch, er hat sogar entsprechende Arbeitsklamotten. Scheint ihm aber so als Ausgleich zur geistigen Arbeit ein Bedürfnis zu sein, diese Woche hat er was für unsere Erstkommunion gedruckt, weil der Hausmeister im Urlaub ist - Danke, Herr Pfarrer!

 

Die Delegation des RU ist legitim, so lange es eine Zusammenarbeit gibt. Ich wünschte, er fände Zeit, mal Gottesdienst im RU mit meinen Kids zu feiern, ich bin da nicht so "gut" drin, und wenn ich ihn fragen würde, käme er bestimmt.

 

Was mir an Josefs Anfrage missfällt, das ist die Polemik gegen die Laien. Ohne die käme der Pfarrer bei uns nicht mehr rund und wir sind nur eine Pfarrei.

 

Mecky hat geschrieben, dass er die Firmvorbereitung dringend überarbeiten müsste. So etwas kenne ich. Man weiß, dass es besser geht, aber die Zeit für den großen Wurf fehlt.

 

Die Firmung läuft unter der Regie des Pastoralreferenten bei uns, die Erstkommunion unter der Regie der Pastoralreferentin. Wir freuen uns, wenn der Pfarrer zu den Wortgottesdiensten und den Gruppenleiterinnenabenden vorbeikommt und wir schätzen auch sein Vertrauen, das er in uns setzt. Keine Überwachung, aber freundliches Interesse.

 

Der Mann ist übrigens ein Workaholic. Der soll sich schonen, wir wollen ihn lange behalten, nach dem wird nichts Besseres mehr kommen.

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Der Mann ist übrigens ein Workaholic. Der soll sich schonen, wir wollen ihn lange behalten, nach dem wird nichts Besseres mehr kommen.

Was ich so über Mecky lese, scheint euer Pfarrer nicht der einzige zu sein. ;)

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Der Mann ist übrigens ein Workaholic. Der soll sich schonen, wir wollen ihn lange behalten, nach dem wird nichts Besseres mehr kommen.

Was ich so über Mecky lese, scheint euer Pfarrer nicht der einzige zu sein. ;)

Wir bringen unserem Pfarrer, glaube ich, gerade ein Bisserl das Loslassen und Vertrauen bei. Vor einem Jahr hat er noch gemeint, er müsste jeden Abend kontrollieren, ob auch alles im Pfarrzentrum abgesperrt sei. Inzwischen hat er gelernt, dass er das nicht tun muss.

 

Aber mecky und unser Pfarrer, das sind echte Workaholics, nicht diese neumodischen Pfarrersjünglinge, die glauben, dass sie jeden Tag der Sonne befehlen müssen, aufzugehen und ansonsten den Dicken markieren.

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Was ich auch immer sein mag: Workaholic bin ich sicher nicht. Meine Süchte liegen auf anderen Gebieten.

Ich habe mir beim Schreiben meines Postings den Kalender vor die Augen gehalten und wollte eine Antwort auf Josefs Frage geben.

Nicht beschrieben habe ich die Zeit. Das, was ich da geschrieben habe, ist nicht ein Tagewerk, sondern die Zusammenfassung der wichtigsten Themen, die auf einen Pfarrer zukommen. Ich hätte auch noch mehr schreiben können. Aber wenn man das Arbeitsmaß einschätzen will, dann müsste man jeweils dazu schreiben, wie oft was kommt. Fronleichnam z.B. ist nur ein Mal im Jahr. Und ein Jahr ist lange.

Und die Unterstützung, die ich bekomme, hätte ich vielleicht auch noch ausführlicher beschreiben müssen. Auch eine große Pfarreiengemeinschaft ist ja nicht primär eine Privatveranstaltung des Pfarrers, der die Rolle des WaKaMas spielt (WaKaMa: Weiß alles, Kann alles, Macht alles).

Und fett hätte ich markieren müssen, dass Sonntag Nachmittag und der ganze Montag frei bleiben. Zumindest meistens.

 

Es ist eher eine Arbeit mit Stoßzeiten. Ende der Fastenzeit bis Ende der letzten Erstkommunionfeier ist eine harte Zeit. Da gab es immer eine Menge 16-Stunden-Tage. Aber das hält man sowieso nicht lange durch. Am Sonntag Abend der letzten Erstkommunion mache ich die Fliege. Und dann ist eine Woche lang nichts mehr mit Arbeit. Es gibt auch entspannte Zeiten - und die kann ich dann auch mit bestem Gewissen als entspannte Zeiten genießen.

 

Es gibt auch eine ganze Menge Graubereiche, bei denen nicht klar ist, ob das jetzt wirklich Arbeit ist, oder ob es Hobby ist oder ob es Selbstbereicherung ist. Zum Beispiel, wenn ich hier poste. Oder Normalgottesdienste. Die sind für mich mindestens so viel Lustgewinn, wie Arbeit. Oder Unterricht in der 3. Klasse. Der ist auch mehr Selbstverwirklichung und ... einfach leben, als Pflichtübung. Wenn man mal so viel Unterricht in der 3. Klasse hat, und wenn einen die Kinder anhimmeln und anfangen, meine Sprüche in ihren Sprachschatz zu kopieren, dann ist das einfach eine tolle Sache.

 

Mehr, als die Stundenbelastung sind es andere Dinge, die mich frustrieren.

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Aber mecky und unser Pfarrer, das sind echte Workaholics, nicht diese neumodischen Pfarrersjünglinge, die glauben, dass sie jeden Tag der Sonne befehlen müssen, aufzugehen und ansonsten den Dicken markieren.

Das war auch nicht als Kritik an Mecky gedacht, eher die Sorge, daß er es übertreibt. Es gibt einen Spruch aus der Schiffahrt, mit dem ich aufgewachsen bin: "Eine Hand für den Mann, und eine Hand für das Schiff."

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Ach Mist --- ich wollte bearbeiten - nicht zitieren.

Also den Nachtrag einfach separat:

 

Früher habe ich oft 12-Stunden-Tage gehabt. Mit wachsendem Alter geht das nicht mehr so gut. Acht bis neun Stunden und Sonntags noch mal drei (für die Gottesdienste) genügen vollständig. Und bitte berücksichtigen: Es gibt eine Menge Nichtpriester - insbesondere Frauen - die haben deutlich mehr auf der Hucke.

bearbeitet von Mecky
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Das war auch nicht als Kritik an Mecky gedacht, eher die Sorge, daß er es übertreibt. Es gibt einen Spruch aus der Schiffahrt, mit dem ich aufgewachsen bin: "Eine Hand für den Mann, und eine Hand für das Schiff."

Klingt, wie wenn ein Kapitän das Wort "schiffen" allzu wörtlich nimmt. :)

Aber bitte nicht am Steuerrad!

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Ach Mist --- ich wollte bearbeiten - nicht zitieren.

Also den Nachtrag einfach separat:

 

Früher habe ich oft 12-Stunden-Tage gehabt. Mit wachsendem Alter geht das nicht mehr so gut. Acht bis neun Stunden und Sonntags noch mal drei (für die Gottesdienste) genügen vollständig. Und bitte berücksichtigen: Es gibt eine Menge Nichtpriester - insbesondere Frauen - die haben deutlich mehr auf der Hucke.

Aber auch denen muss man immer wieder sagen: "Du bist auch für dich selbst verantwortlich, wenn du nicht mehr kannst, ist auch denen nicht gedient, für die du da sein möchtest." (Die Ermahnungen helfen selten und immer nur für eine kurze Zeit.... :D )

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